Die Frau als solches…

Ist es nur ein ganz persönliches Empfinden, oder hat die weibliche Emanzipation, nein kein Pleonasmus, eine neue Stufe erreicht?
Oder greift die Bewegung einfach weiter um sich?

Beflügelt von der #metoo-Welle, raffen die Damen ihr Röcke und stellen sich ins Rampenlicht. Kaum mehr ein weibliches Wesen auf diesem Planeten, welches noch nicht Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Dank den Medien wissen wir, wenn ein Mann im Suff mit glasigen Augen in den Ausschnitt einer Frau guckt, und sei dies über eine Distanz von zehn Metern in einer gut besuchten Bar und der Prolet selber eigentlich keine zwei Meter mehr klar sieht und einfach in eine Richtung stiert, an nichts denkend als die Kontrolle über den Magen zu behalten, befinden wir uns bereits im Bereich der sexuellen Belästigung.
Geht die Büroangestellte durch das Büro und ein Arbeitskollege merkt an, dass sie eine hübsche Bluse trägt, ist dies unprofessionell, deplatziert und für die Frau erniedrigend.
Als liebevolle Ehemänner, Partner oder Werber, seid ihr gewiss schon euren (potentiellen) Partnerinnen beim Einkauf behilflich gewesen. Hol mir dies, hol mir jenes, eine Nummer grösser. Da werden keine Nummern oder Zahlen genennt, die gänzlich unbekannte Feindin hinter dem Vorhang nebenan hört schliesslich mit. Es liegt beim Gatten, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und das gewünschte Stück in der korrekten Grösse zu liefern. Mit den Nummern komme ich klar, ist eine logische Grösse, die Schwierigkeit beginnt dort, wo ich anstelle des Mintgrün ein frisches Türkisgrün herbei schaffen soll. Doch dies wäre ein anderes Thema.
Mittlerweile frage ich mich, ob sich Männer überhaupt noch in diesen Bereich der Umkleiden wagen, wo nur ein Vorhang zwischen halbnacktem Weibsvolk und den schussligen Männern hängt. Ein falsches Wort, den falschen Vorhang nur gestreift und schon hat man den Grüsel-Stempel auf Lebzeit weg.

Mittlerweile hat sich bald jeder Star mindestens einmal an einer Frau vergangen. Ich meinte, der aktuellste ist Stallone. Die Frau will anonym bleiben, ihn nicht anzeigen, sondern einfach einmal Wind machen. Über den Sinn dieses öffentlichen Schlammwerfens kann man sich daher streiten, denn alles was bleibt ist der Grüsel-Stempel.
Irgendwann hat ihn jedes bekannte Fernsehgesicht, was den Stempel als solches irgendwie wieder egalisiert. Die geprellten sind jene, welche wirklich unter die Räder gekommen sind, aber die Frauen werden das schon zu handeln wissen. Und hier kommen wir zum eigentlichen Thema, denn der #metoo Gaul ist toter als tot.

Gehe ich doch schon einige Jahre über diese blaue Kugel, doch deucht mich, Frau sei seit der Suffragettenbewegung nicht mehr in diesem Mass darauf bedacht gewesen zu sein, dem Mann zu zeigen, wie der Hasen zu laufen hat.
Nicht nur, weil die Neoemanzen uns in den unzähligen Kolumnen erklären, wie wir zu flirten haben. Wobei sich die Frage stellt, warum sie diesen Part eigentlich nicht gleich selbst in die Hand nehmen, denn sie wissen ja am Besten wie es zu laufen hat. Darüber hinaus, ist es doch recht antiquarisch, wenn ein Mann um eine Dame wirbt, oder nicht?
Doch so einfach ist es eben doch nicht, Frau möchte dem Mann einfach ein Flussdiagramm in die Finger drücken, welches er vor dem Barhocker stehend abzuarbeiten hat.

Seit der #metoo-Bewegung habe ich mich, unabhängig von dem ganzen Hype, in der Kunst des Flirtens nicht mehr versucht, viel mehr befremdet mich, dass ganz allgemein resolute Auftreten der Damenwelt. Wobei befremden trifft es nicht, diese Männer-sind-Schweine-Mentalität geht mir ordentlich auf den Senkel.
Schon immer gab es Mannsweiber mit kurzem Haar in Elefantenhose, welche oft mal mit der Faust auf den Tisch schlug und den Ton angab. Ihr wisst, diese, welche durch die ganze Migros den Alten anblafft, weil er die falsche Tütensuppe aus dem Regal gezogen hat. Jene Oberorganisatorin, welche, kaum das Restaurant betreten, 23 Tische zusammenschiebt damit der gesamte DTV auf einem Haufen sitzen kann und danach dem Wirt lautstark erklärt, was der Kaffee zu kosten hat, weil sie ja so viele sind.
Man fragt sich insgeheim, wie die begeisterte Crocs-Trägerin zu ihrer Brut gekommen ist, dass da ein Mann im Spiel war, kann man sich kaum vorstellen.

Mannsweiber nannte man dies, weil das Verhalten eigentlich eher zum kognitiv eingeschränkten Proleten denn zu einer Dame von Welt passt. Richtig, das Verhalten ist bei Männlein wie Weiblein stossend, in die Frau hat man einfach höhere Erwartungen, weil diese für gewöhnlich mit mehr Feingefühl gesegnet sind.
Im Zuge der neuen Befreiungsrevolte scheint es jedoch, dass Frau sich grundsätzlich in der Opposition sieht. Aus Prinzip.
Völlig unabhängig davon, was man sagt, frau ist dagegen. Einfach, weil Mann es überhaupt gewagt hat, etwas zu sagen. Und, weil man ihm zeigen muss, dass er falsch liegt. Mit diesem überlauten „Du Arsch“ im Subtext. Was immer er geleistet hat, hat sie bereits um einiges erfolgreicher bewältigt, was ihm auf die Nase zu binden ist. Hauptsache immer schneller, besser, klüger.
Über kurz oder lang befördern sich solche Menschen ins Aus, nicht weil man sich zurückgestuft fühlt, sondern weil sie einfach nerven, wie sie in ihrer eigenen, kleinen Sonne tanzen.
Vielen Frauen attestiere ich, dass sie mich in dieser oder jenen Sache, gar auch in beiden, um einiges überflügeln und eines haben sie gemeinsam; Sie tun es einfach, sind dabei sich selbst und ihre Leistung basiert nicht darauf, dass sie eine andere herabwürdigen müssen.

Vielleicht leistet auch die Politik ihren Beitrag. Die Wahlfreiheit wird eingeschränkt, indem die Geschlechterfrage bereits bei der Nominierung geklärt wird. Die Qualifikation ist zweitrangig.
Wie auch in der Arbeitswelt, dreissig Prozent des Verwaltungsrates und 20 Prozent der Geschäftsleitung MUSS in Frauenhand sein. Vielleicht bin ich etwas sehr naiv, doch würde ich immer noch davon ausgehen, der bessere Leistungsausweis macht das Rennen.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Frau sich dabei selber in den Fuss schiesst. Diese Faust-auf-den-Tisch-Bewegung reisst nunmal alle Geschlechtsgenossinnen mit.
Kürzlich trat ich in netter Begleitung nach einem Kaffee zur Garderobe der Lokalität und hielt in der Bewegung inne. Ganz selbstverständlich wollte ich ihr in den Umhang helfen, weil ich dies als höfliche und respektvolle Geste empfinde. Hatte meinen Arm bereits ausgestreckt, als mir der Gedanken kam, diese Aktion könnte von Belästigung über Unterdrückung bis hin zu ‚Das Arsch will meine Jacke klauen‘ so ziemlich alles auslösen. Also liess ich es bleiben und fühlte mich kurzzeitig wie ein Chauvinist.

Ihr kennt die Geschichte mit dem Ausleihen eines Hammers, die Auswirkung, wenn man sich im Hinterfragen verstrickt?

Wenn ich nun die Jacke reiche, beleidige ich sie?
Gerade hat sie doch etwas merkwürdig geguckt. Erwartet sie diese Geste, oder wäre es zudringlich? Worüber haben wir gerade gesprochen? War da etwas, was diese Höflichkeit in einem falschen Licht erscheinen lässt? Moment was überlege ich da. Frauen wollen ja selbständig sein. Anderseits bin ich auch kein Macho. Was soll ich jetzt…
„ACH ZIEH DOCH DEINE SCHEISS JACKE ALLEINE AN!“

Hier geht es nur um eine simple Geste der Höflichkeit.
Doch wo führt der Weg hin, wenn Weiblein und Männlein zusammenarbeiten sollen und keiner mehr weiss, wie er dem Gegenüber begegnen soll?
Einer Reduktion der Weltbevölkerung wäre nicht zu widersprechen, aber ist es der richtige Weg, wenn Männer irgendwann denken; ‚Weiber, bleibt doch wo der Pfeffer wächst. Bier trinken kann ich mit Kollegen und einmal in der Woche in den Puff erspart mir den ganzen Stress drumherum.‘.
Ich frage mich, geht es der Gesellschaft noch um das Bestreben, eine funktionierende Gleichberechtigung zu erreichen, oder sind wir soweit, dass man die Schlacht nur noch um des Kampfes willen austrägt?

 

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Bürozeit Di u. Do

Do würd denn nid eifach ineglatschet!
Was ich überhaupt wolle?

Fragt der dicke Mann hinter dem Schreibtisch, welcher den lieben langen Tag nichts anderes macht, als Smartcards erneuern.

Im Juni erhielt ich die Mail, meine Smartcard dringend zu erneuern, sie werde demnächst ablaufen. Am 31. August, um präzise zu sein.
Daher ignorierte ich diese wichtige, systemgenerierte Nachricht. Respektive, schob sie auf meinen elektronischen zu-erledigen-Stapel.
Eine dringende Erinnerung, meine Smartcard dringend zu erneuern flatterte im Juli in mein Postfach. Und rutschte auf den zu-erledigen-Stapel.
Am 31. August werde meine Smartcard deaktiviert, letzter Aufruf sie zu erneuern! las ich kurz nach dem Nationalfeiertag.
Vor Schreck machte ich gleich drei Wochen Ferien. Die Smartcard ordnungsgemäss verschlossen.
Sie haben gelogen, es kam noch ein Aufruf und ich nahm mir die Musse, das Mail zu lesen. Ich hätte in xy per Mail einen Termin zu vereinbaren, meine Karte zu erneuern.

Sehr geehrtes Smart-Card-Team,
gerne würde im am 30.8 meine Karte erneuern.
Wäre Ihnen dies genehm?

Ich meine, einen Tag vor der verheerenden Sperrung, alles wunderbar.

Bürozeit Di u. Do

Keine Anrede, keinen Gruss, kein Danke. Noch nicht einmal die Worte ausgeschrieben, geschweige denn einen kompletten Satz gebildet.
Nun, dann eben am 31.8.

31.08.17, 07.35 klopfte ich an das Smartcard-Büro. Eine bessere Abstellkammer, noch nicht einmal im Haupttrakt des Gebäudes.
„Ja?“ schall es durch die Sperrholzplatte, welche diesen Sicherheitsraum von der Durchfahrt abgrenzte.

Ich wäre hier, um meine Smartcard zu erneuern.
„Ach? Und der Herr dachte, er komme einfach einmal vorbei?!“
Per Mail wurde mir mittgeteilt, heute wäre die Bürozeit, ob dies denn falsch sei?

Nein, das wäre richtig. Aber ob ich nicht gelesen hätte, da wäre ein Termin zu vereinbaren?
„Da stand nichts in…“
„ICH WEISS SELBST WAS ICH GESCHRIEBEN HABE!!“

Er wäre aufgestanden, hätte die Körperfülle dies gestattet. So spie er einfach Gift und Galle über den Schreibtisch.

„Im Intranet haben sie sich wohl nicht erkundigt was?“
„Nein, das habe ich nicht.“

„Nein, wozu auch, steht ja nur aus Plausch da drin, nicht wahr? Da kann man ja einfach reinlatschen und dann geht das schon.“

Mittlerweile habe ich so meine Erfahrung mit Bundespersonal. Nur die Hälfte der Energie für das Lamentieren, warum etwas nicht geht und so schon gleich gar nicht und in dieser Art und Weise dreimal nicht, in die eigentliche Arbeit investiert, und sie hätten viermal mehr Freizeit. Oder der Bürger Steuern gespart.
Aber da macht man dem Bundesbeamten nichts vor; Es gibt immer hundert Gründe, warum etwas nicht funktionieren wird. Die selbsterfüllende Prophezeiung gibt ihnen recht. Seit 1850. Da wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde und 1850 plus einen Tag der erste Zeugwart hinter einen Schreibtisch gerollt.

Würde ich nun beginnen zu argumentieren, würde ich um elf noch im Zargen stehen. Der Herr, dynamisch zurückgelehnt mit Gottvertrauen in die Bruchlast seiner Stuhllehne, hätte stets ein Gegenargument und die Krux war, ich benötigte die neue Karte.

„Es tut mir leid, ganz offensichtlich habe ich mich schlecht informiert.“
„Ja…“
Schweigen.

„Was machen wir jetzt?“
„Ja, was machen wir jetzt wohl? Ich habe um halb neun einen Termin! EINER DER SICH ANGEMELDET HAT!“
Mit Nachdruck über den Tisch gespuckt.

Aus einem Reflex heraus schaute ich auf die Uhr.
„Ja, ich müsse gar nicht so gucken, dies wäre schon in 50 Minuten!“

„Dann wollen wir einen Termin vereinbaren?“
Er krallte sich in seine Armlehnen und beugte sich ächzend vor. Im zweiten Anlauf klappte es.

„Hinsetzen!“
Zaghaft setze ich mich auf den Stuhl ihm gegenüber. Vor mir ein leerer Schreibtisch, bis auf ein numerisches Tastenfeld, angrenzend an seine Arbeitsplatte.

„AHV-Nummer?“
„Bitte?“
„AHV-NUMMER!!!!“
„Ähm…“

Du darfst deinen Geburtstag vergessen, den Hochzeitstag verpassen, die falsche Blutgruppe angeben, aber deine AHV-Nummer muss omnipräsent sein. Gerade als Bundesangestellter. Gut, der Link liegt auf der Hand, mit Eintritt in eine Bundesorganisation dreht sich alles nur noch um die Pension. Zwei Dinge wissen die Zeugwarte mit Gewissheit. Wer momentan auf welcher Beiz ist, – „ufeme Spunte si“ bedeutet in der Schweiz, ein Restaurant zu betreiben –  für alle Beizen zwischen Hinwil und St. Margrethen und dies rückwirkend bis 1963.  Das zweite sind die Tage, Stunden und Minuten bis zur Pensionierung. Tagesaktuell, dies ist der einzige Punkt, in welchem sie eine Änderung aktiv mitkriegen. Und natürlich der Umwandlungssatz.

„Im Intranet steht, dass sie die AHV-Nummer wissen müssen, aber wenn sie sich zu gut sind, dort nachzulesen….“
Er hatte mich bei den Eiern. Natürlich wären mir spontan fünf Möglichkeiten eingefallen an diese Nummer zu kommen, aber da hätte ich kurz seinen Rechner benutzen müssen. Seit dem traumatischen Erlebnis, als er seine Schreibmaschine abgeben musste, hätte ich ihn wohl eher um eine Niere bitten können.

„Versicherungskarte?“
„Diese hätte ich eben…“
„SIE HABEN DOCH WOHL EINE KRANKENKASSE??“
„Klar…“
„Da steht sie drauf. Karte!“

Einer seiner fleischigen Arme hebt sich von der Armlehne und die Hand bewegt sich etwa 20 Zentimeter über die Tischplatte. Also seine Platte. Ich zücke meine Versichertenkarte, heilfroh, diese dabei zu haben und strecke sie ihm entgegen. Knapp über die Grenze zwischen den Tischen.

„Ja, bewegen müssen sie sich schon etwas!“
Klar. Er sieht aus, als hätte er drei Personen meiner Fülle gefressen, aber ich soll mich etwas bewegen.
Also erhob ich mich, lag halb auf meine Platte und reichte ihm die Karte.
„Na also, geht doch.“

Wurstfinger hämmerten auf seine Tastatur.
„Herr yx…. hmmmm…. verwandt mit Oberst yx…..?“
Sah ich da eine Schweissperle auf der Stirn?
Obwohl, Zeugwart-Schweiss ist eine der seltensten Flüssigkeiten auf der Erde. Ging ihm nun der Allerwerteste auf Grundeis ob meiner eventuellen familiären Bande in den Generalstab oder lag es an der unerwarteten Arbeit?
Ich liess quälende zwei Sekunden verstreichen, überlegte, ob ich vielleicht mit Oberst yx verwandt sein wollte…

„Nein.“
Spürbare Erleichterung gegenüber.
„Habe ich mir schon gedacht. PIN eingeben. OHNE ENTER!!!“

Was muss der Kerl auch immer schreien?

„So.“
Mit der Karte warf er ein Faltblatt auf meinen Schreibtisch. Die überraschend dynamische Bewegung verriet jahrelange Übung. Trotz seiner Erschöpfung.
„Diese Anleitung vor dem ersten Mal verwenden durchlesen.“

Die Karte sicher verstaut, bekam ich Oberwasser.
„Na, das ist ja jetzt ganz flott gegangen…“
WAS?!?! So nicht noch einmal! Wo kämen wir hin, wenn jeder einfach reinlatscht? Und gleich kommt der nächste. DER WELCHER SICH ANGEMELDET HAT!

Wieder der reflexartige Blick auf die Uhr. 07:55.
„Oh ja, ich seh schon, in 35 Minut….“
„GUTEN TAG!“

„Danke noch vielmals und das nächs…“
„GUTEN TAG!!“

„Und ihnen ein schönes Weihnach…“
„GUTEN TAG!!!“

Ok, den letzten Satz habe ich mir aus den Fingern gesogen, fühlte mich nur eben an Ebenezer Scrooge erinnerte.

„Was, schon wieder hier?“ klang es erstaunt, als ich wieder zurück war. Mit diesem ‚was muss der auch immer so durch den Tag hetzen‘ im Unterton.
„Normalerweise geht das Erneuern der Smartcard schon einen halben Tag…“

Ja, ich werde wohl ewig das schwarze Schaf bleiben.
Noch 24 Jahre, 233 Tage, 3 Stunden, 12 Minuten und 37 Sekunden…

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Fährt ein Schaffhauser in den Tunnel

Was dem BMW-Fahrer der Blinker, ist dem Schaffhauser der Scheibenwischer.
An jedem Fliessband steht da ein Manni oder Kai-Uwe und baut die Dinger in die Karrossen ein. Ohne Aufpreis erhältlich, gerade beim BWM welcher in der Standardausführung nur die Luft im Innenraum gelistet hat. Dennoch fühlt sich der Lenker nicht bemüssigt, diese technischen Errungenschaften zu benutzen.
Es wäre ja nicht so, dass er mit einem Abzieher aus dem Seitenfenster fummeln müsste, nein, nur eine Fingerübung an der Bedienkonsole, welche irgendwo um das Volant liegend platziert ist. Will sagen, die meisten schaffen es im Blindflug auf einem 4 Zoll-Bildschirm eine Textnachricht zu schreiben, gar ohne richtige Tastatur, aber dieser kleine Hebel für die Wischeranlage überfordert Otto-Normal-Lenker.

So herrscht häufig unzüchtiges Treiben in den Schaffhauser Tunnels, mit Schmackes schlittern sich Fahrzeuge in die schnittigen Hintern. Beschlagene Fenster sind schuld daran. Ein Phänomen, welches so nur in Schaffhausen festzustellen ist. Ja, es wurde eigenst eine Task-Force eingesetzt, um diesen Sachverhalt zu analysieren. Ein geschlagenes Jahr wurde gebrütet, Vorschläge ausgearbeitet, Ideen verworfen und ich bin überzeugt, diverse Tunnel im europäischen Raum wurden besichtigt.
Die ausgearbeitete Lösung ist dementsprechend auch ein Geniestreich. Eine bahnbrechende Erfindung, welche den Tunnelbau global revolutionieren wird.

Temporeduktion

Temporeduktion ist das Aspirin des Strassenverkehrs. Hilft einfach immer.
Die knapp zwölfhundert, respektive vierzehnhundert Meter des zweiten Tunnel, reichen dem durchschnittlichen Schaffhauser Automobilisten nicht aus, das Problem der beschlagenen Scheibe zu erkennen, es zu analysieren und entsprechende Gegenmassnahmen einzuleiten. Also muss man ihm mehr Zeit einräumen, dieser unerwarteten Sachlage auf den Grund zu gehen. Wir senken das Tempo. Bisher war die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei 80 Kilometer pro Stunde, was bedeutet, der Verkehr fliesst mit etwa siebzig über den Asphalt. Alles andere wäre Raserei, Drängeln und Nötigen.
Eine Sensorik misst, ob die aktuelle Wetterlage einem Beschlagen der Scheiben Vorschub leisten würde. Ist dies der Fall, wird umgehend die Polizei alarmiert. Klingt sinnlos, ist aber so.
In einem weiteren Schritt, ich sage ja, die Technik ist revolutionär, beginnen Ampeln gelb zu blinken.
Bringt Herr Müller im orientierungslosen Blindflug durch den Tunnel nicht viel, aber Neueintretende werden vor der Gefahr gewarnt. Also nicht vor Herr Müller, welcher gerade blind wie ein Maulwurf aus dem Cholfirst auf die Galerie und durch die effizienteste Radarzone im Kanton, auch Goldgrube genannt, flitzt, sondern vor dem Wetterumschwung im Cholfirst.
Mit der tollen Lichtshow geht die Temporeduktion auf 60 km/h einher. Künftig rollt man also langsamer durch den Tunnel, als ein Stromer E-Bike durch die Fussgängerzone flitzt. Alles andere wäre Raserei, Drängeln und Nötigen.

Das haben die Schaffhauser nun von ihrem Mimimimi zu Handen des ASTRA und das alles nur, weil die Menschen zu faul waren, den Scheibenwischer zu betätigen.
Von den Schaffhausern werde jetzt nun ein wenig Verständnis erwartet, so der Oberpolizist Martin Tanner, dass die Anlage dann und wann vielleicht auch die Höchstgeschwindigkeit senkt, auch wenn trockene Wüstenstürme durch den Tunnel pusten. Ein Schelm wer Böses denkt, wenn er Lars oder Klaus vor dem Tunnelportal stehen sieht.

Wie gesagt, Temporeduktion ist der Schlüssel zu einem tollen Verkehrsnetz. Flurlingen stellt Blumentöpfe in den Weg, baut Hubbel in die Strasse, Beringen setzt gezielt Radfahrer ein um den motorisierten Verkehr im Dorfzentrum auszubremsen, betreibt auf der Engestrecke erfolgreich eine Dauerbaustelle und Löhningen vertraut auf das wilde Parkieren rund um das Schulhaus, welches Automobilisten in einen sehr langsamen Slalomverkehr versetzt.
Der ungekrönte Meister ist jedoch Neuhausen. Durch ein geschicktes Ampelspiel haben sie den Verkehrsfluss so weit gehemmt, dass er eigentlich rückwärts rollen müsste. Würde das noch gehen, aber so findet man sich in einem Stillstand.
Rotphasen von drei bis fünf Minuten, um die Grünphase nicht zu verpassen, sollte man tunlichst nicht zu oft blinzeln. Das einzige Phänomen ist, dass sich dieser Knäuel von Bussen, Lastwagen und Autos nach 19 Uhr irgendwie wieder auflöst, obwohl sich auf einen flüchtigen Blick hin kaum ein Fahrzeug schneller als im Kriechtempo bewegt hat.

Nicht ganz so bescheuert sind unsere nördlichen Nachbarn in Jestetten. Um die bösen Pendler und Edeka-Kunden zu piesacken, wollten sie das Tempo durch die Ortschaft auf dreissig Stundenkilometer senken. Flüsternd durch den Ort, den Lärm reduzieren.
Ein kluger Kopf wies jedoch darauf hin, dass tagsüber kaum ein Fahrzeug die flotten 30 km/h erreicht.
Und sind wir ehrlich, bis die Warteschlange für die Ausfuhrscheinstempelung vom Zoll bis zur Aldiparkplatz-Ausfahrt reicht, dauert es auch keine Jahre mehr.
Nun ist das Tempo eben Nachts reduziert. Weil irgendwo muss man das Tempo reduzieren.

Was bisher noch keiner in Angriff genommen hat, ist den Schaffhauser einzubleuen, dass man in Deutschland ausserorts mit 100 Sachen fahren darf. Ja, auch zwischen Neuhausen und Jestetten. Oder, dass ein Kreisel nicht erst befahren werden darf, wenn er zehn Sekunden absolut leer war. Und wo die Linie nicht durchgezogen ist, darf man Brummis überholen.
Aber dies ist eine andere Geschichte…

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Zukunftstag

Heute war Zukunftstag in der Schweizer Arbeitswelt.
Früher nannte man dies Vater-Tochtertag, um Mädchen Einblick in die andere Seite der Berufswelt zu zeigen. Irgendwann wurde die Sache auf Mütter und Söhne ausgeweitet und heute bringt einfach jeder alles mit zur Arbeit.
Quasi den lebenden Beweis für die Zeugungsfähigkeitsbescheinigungs-Aufkleber auf der Heckklappe des Mini-Vans vorweisen.

So wuselten auch irgendwelche Gören durch meinen Bundesbetrieb und straften damit Darwin mit seiner natürlichen Selektion lügen. Nicht alleine, weil nach Darwin nur die Stärksten überleben, sondern auch die sexuelle Selektion, welche entscheidet, welche Lebewesen überhaupt einen Partner zur Fortpflanzung finden.

Möchte sagen; Wenn schon die Wahl auf einen permanent meckernden und notorisch unzufriedenen Bundesbeamten mit Bauch und schütterem Haar fällt, wie muss mich mir dies praktisch vorstellen?
Der Akt als solches bedingt immerhin eine gewisse Standhaftigkeit. Ganz zu schweigen davon, dass es bei allem Vergnügen doch auch ein Mass an körperlicher Leistungsbereitschaft voraussetzt. Wer sich gewohnt ist, aufzuhören, bevor es in Arbeit ausartet wird nie über die Ziellinie laufen. Auch der Blick auf die Uhr; „Lass uns für heute Schluss machen, morgen müssen wir auch noch was zu tun haben“ versetzt die Gattin wohl kaum in Ekstase.

Nun gut, wir lernen, auch Menschen, welche sonst nicht viel auf die Reihe bringen pflanzen sich fort. Lehrten uns eigentlich schon die Talkshows im Privatfernsehen und die jährlichen 4,5 Milliarden für Hartz IV sprechen für sich.

Angesichts dieser Erkenntnis frage ich mich natürlich, ob denn nicht gerade ich in der Pflicht stehen würde, meine Gene weiterzugeben. Perfekte Gene! Eine mensch gewordene Maschine mit unbegrenzter Leistung und überragender Intelligenz.
Gewiss, ich habe auch meine Fehler. Aber ich bin zuverlässig. Ich mache keine halben Sachen. Menschlich und beruflich. Warum übernehme ich denn in zwei Wochen die Einkaufsabteilung? Weil ich eine saubere Weste habe. Weil ich politisch in Ordnung bin. Weil ich alle Tricks kenne. Weil mir keiner was vormacht.

Selbstverständlich, bei neunzig Prozent der mit Nachwuchs gesegneten Paaren denke ich mir, uff, besser ihr als ich.

Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose

Da gibt es zum Beispiel diese Frau, ein wenig jünger als ich, welche in der Schule… wie soll ich sagen; Sie wäre nicht direkt Ballkönigin geworden, aber man wäre auch kein Sauhund gewesen.
Heute trägt sie Leggings, schwarz und abgewetzt, mit den obligaten Hundehaaren, weil dies wohl einfach bequem ist. Also die flexible Hose, nicht die Hundehaare. Man kann sie Tag und Nacht tragen und ist nur bedingt an eine Kleidergrösse gebunden. Schuhe von Billy, nimm drei, bezahl zwei und erhalte einen OTTO-Gutschein, eine Fleece-Jacke aus der Dienstzeit bei Denner rundet das Gesamtwerk ab. Das Gesicht erinnert an eine Wasserleiche, mit so viel Farbe bestrichen, als würde Bob Ross im Spiegelschrank sitzen.
Gewiss hat der ‚NEIN NICHT‘-Justin auch einen Daddy, kaum denselben wie die Mandy-‚Komma her!‘ und ob dieser oder eben jener noch das Ausziehsofa mit der adretten Mama teilt, entzieht sich meiner Kenntnis.
Genau da drin liegt eine meiner Hemmschwellen. Nicht, dass ich einer kognitiv beeinträchtigen Plattenbauprinzessin einen Balg anhänge, sondern, dass ich dereinst in einem Plattenbau hause, weil 80 Prozent meines verfügbaren Einkommens per Gesetz an die Mutter meines Nachwuchses überwiesen wird.

Und dieses Schicksal kann jeden treffen. Zumindest glaube ich nicht, dass Mann dies bereits schon so kommen sieht, wenn er auf der Pont des Art einen Kniefall macht. Heulte sich doch Montags ein Arbeitskollege bei mir aus, er hätte seine Kinder nicht sehen dürfen, weil die einstige Partnerin fürs Leben, mit Unterstützung ihres neuen Lebensabschnittspartner, die Kinder gegen ihn aufgehetzt habe. Und er ist nun wirklich einer dieser Menschen, welche einem stets zur Hand gehen und auch noch ihr letztes Hemd geben würden. Gibt er wortwörtlich, denn seit der Trennung dreht er den Rappen zweimal um.
So musste ich Montags fünf Minuten nach sieben eingestehen, so furchtbar war mein eher langweiliges Wochenende gar nicht.

Dann sind noch die zehn Prozent der Bilderbuch-Familien. Jene, bei denen einfach alles rund lauft. Wenn diese stolpern, dann nur, um den Goldklumpen zu finden, welcher im Weg lag.
Schleppt der TCS ihre Karre in die Werkstatt, sind sie die hundertdreiundzwanzigsten Kunden, was ihnen einen nigelnagelneuen Mini-Van und Tankgutscheine für drei Generationen beschert.
Und stirbt der Ur-Opa, tröstet neben den zehn Millionen noch dieses hübsche Häuschen am Bergsee über den Verlust hinweg.
Glücklicherweise bin ich nicht so naiv, diese Krankenkassen-Werbe-Flyer-Familien als Standard zu sehen.

Nichts desto trotz, sind es natürlich diese Eindrücke, welche einem dann manchmal überlegen lassen, ob man vielleicht nicht etwas verpasst.
Aber ich denke, solange mir Win-for-life nicht die monatliche 4000-Franken-Rente schenkt – und ich arbeite wirklich hart daran, bei jeder Tankfüllung investiere ich 5 Franken – nehme ich dies als Wink des Schicksals.
Und irgendwann ist man für solchen Kinderkram dann auch zu alt.
Nicht, dass es dann heisst ‚So, begleitest du deinen Opa an den Zukunftstag?‘

 

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Wohlfühlen bei ‚Bauer, ledig, sucht‘

Was den deutschen die Inka, ist uns der Fritsche. Genau, ich spreche von der Bauer-Kuppel-Show.
Mitunter eine der wenigen Sendungen im deutschen Fernsehen, welche nicht aus der holländischen Endemol-Schmiede stammt.

Es gibt gewisse Kriterien, welche ein Bauer einfach mitbringen muss, um in diesem Format aufgenommen zu werden. In erster Linie darf er nicht Durchschnitt sein. Der Hubert aus deinem Dorf, welcher auf dem Hof alleine lebt, Mitglied im Turnverein ist, das Feldschiessen besucht und als einziger negativer Punkt am Herbstsonntag den Servierschlitten des Damenturnverein in das Dekollte geifert wird kaum bei 3+ über den Bildschirm flimmern.
Der kuppelwillige Bauer sollte zwischen vierzig und sechzig Jahren alt sein. Also beziehungstechnisch „öppe de letzt Zwigg a de Geesle ha“. Fünfundvierzig Lenzen, noch nie eine Beziehung gehabt, optisch hinter manchem Sechzigjährigen anzusiedeln und die Mutter macht seine Wäsche; so greift man wohl am tiefsten in die Geldkiste von 3+.

Natürlich sind die Produzenten flexibel. Der Landwirt darf schon in den zwanzigern sein. Also in einem Alter, in welchem man ihm durchaus attestieren würde, auch ohne Fritsche eine Partnerin zu finden. Dieses telegene Manko sollte er durch seinen Auftritt wettmachen. „En Chrumme“ oder „En Balke“ zwischen die Lippen, ein Gang mit der lethargischen Dynamik eines Beamten und Sprüche von der Tiefe wie „Nach zwei Bier hesch g’ässe…. aber no nüt trunke“ runden das Profil von Lukas (24) fernsehtauglich ab.

Über vierzig isch schon einfacher. Nur schon, weil er mit Mutti den Hof, die Küche und das Bad teilt. Die Frau Mama ist sich sehr wohl bewusst, dass hier irgendwann die Schranken falsch gestellt wurden, schreibt es jedoch der Exklusivität ihres Sohnemannes zu. Er ist ganz ein spezieller und nimmt daher auch nicht einfach jede. Also würde er schon, aber die Fahrerin des Milchlasters ist lesbisch und die Verkäuferin im Volg seine Schwester. Was kein Hinderungsgrund sein muss, doch sie hat bereits auswärts geheiratet. Lebt am anderen Ende der Welt. Im Nachbardorf.
Mama stört es nicht, dass ihr Walter (52) noch die Füsse unter ihren Tisch streckt. Er bleibt ein anständiger Bub und sie ist versorgt, bis sie in die Grube fährt. Wie es eben sein soll.

Dies sind die Bauern, welche mir und weiteren Zuschauern meines Geschlechts ein gutes Gefühl vermitteln. Man liegt in der Trainerhose auf der Couch, hat dies mit den Beziehungen vielleicht auch nicht so richtig auf die Reihe gekriegt und ergötzt sich daran, wie die Bauern in ihrem Balzverhalten keinen Fettnapf auslassen. Bewusst, dass 3+ die ärmsten Hunde ausgewählt hat, zögern wir nicht, diese auf den Level des Durchschnitts-Mitbewerber zu heben und fühlen uns gut, weil wir ja so viel besser sind.

Männer wollen die Bauern und Bewerberinnen scheitern sehen, je dümmlicher desto besser. Frauen suchen das ergreifende. Frauen wünschen sich tatsächlich, dass sich diese Trauergestalten im Fernsehen verlieben. Also wenn sich zwei finden ist das uuuh schön und romantisch. Ist es noch ein Paar, welches bei Tageslicht besser nicht den Stall verlassen sollte, ist es noch viel herziger. Ersteht ein Bauer eine russische Schönheit, ist er ein alter Grüsel, steckt er einem übergewichtigen, hinkenden Heimchen gewandet im schönsten Brocki-Chic die Zunge in den Hals, rührt das zu Tränen.

In jeder Staffel muss noch eine Frau dabei sein. Isabel (37) ist nun nicht direkt vom Mailänder Laufsteg nach Solothurn gestolpert, aber, wie man unter Männern salopp sagt, „En Sauhund wärsch nid…“. Es kommt ihr auch zugute, dass unter Blinden der Einäugige König ist.
Weswegen sie bei Frauen auch gleich untendurch war. Da müsste mehr Hintern ran, das ganze in eine weite Elefantenjeans, der Push-Up sollte einem Unterhemd weichen und das enge Hemdchen durch eine Faserpelzjacke der Ebenalp-Bahn ersetzt werden. So hat eine Bäuerin auszusehen.
In den Augen der Frau war diese Isabel so attraktiv, dass sie sich nicht einmal beruhigten, wenn sich die Männer über ihr nervtötende Ausdrucksweise echauffierten.

Dabei wurde für die Damen doch extra der Sven (26) eingeführt. Ein Kandidat, welcher einfach nur langweilig ist. Keine offensichtlichen Defizite, dafür ein Sixpack. Der Hof gleicht nicht einer Müllhalde, dafür eine frisch renovierte Wohnung mit edler Küche. Arbeitet hart, der Betrieb riesig und wirklich schlecht wird es ihm wohl nicht gehen. Er muss wohl eine Wette verloren haben. Im Stil von, ich kann meinen New-Holland T4 nicht an der Hinterachse hochstemmen, ups, ich habe es doch geschafft, und nun musste er sich eben für ‚Bauer, ledig sucht‘ bewerben.
Wir wollen diesen Kandidaten nicht sehen, das gefällt uns nicht. Es fehlt das wohltuende „Ha, ich bin besser als du“-Gefühl.

Frauen mochten ihn auch nicht. Vielleicht, weil er die Bewerbungsschreiben wie ein Mann aussortierte. Mit dem Fokus auf den Fotos. Zu dick, zu alt, mag Pferde, zu kurze Haare…
Auf die Damenwelt wirken die übrigen Bauern sympathischer. Wenn sie versuchen die Zeilen zu entziffern. Eine mit Legasthenie geschlagene Dame schreibt mit einem südernden Füllfederhalter ein gegoogeltes Gedicht auf eine rote Papierserviette, während die hungrige Katze bei jedem herzförmigen i-Punkt den Ellbogen stupst.
Bauer Lukas, hat in der 5 Klasse die Primarschule geschmissen weil der Marschbefehl für die Rekrutenschule im Briefkasten lag, versucht dies nun zu entziffern und lädt die Dame sogar noch ein. Das wollen Frauen sehen, Männer, welche auf inneren Werte, die persönlichen Zeilen schauen und aufgrund des netten Anschreiben ihre Wahl treffen.
Liebe Damen, auch Lukas und Freunde schielen auf die Fotos. Ja, man sieht ihnen jeweils förmlich an „wie de Lade abe goht“ wenn sie die nicht immer ganz aktuellen Bilder betrachten.  Aber da sie nunmal zwischen Pest und Cholera entscheiden müssen und Mutti findet, die sähe doch ganz nett aus, wirkt es, als wäre ihnen das Aussehen egal. Und entscheiden müssen sie, weil dies gewiss im Vertrag steht.
Wobei, meine Insiderquellen steckten mir, der Marcel aus dem oberen Kantonsteil hätte eine Dame wegen ihrer korpulenten Erscheinung vom Hof gejagt, was ihn irgendwie sympathisch macht. Ist das warten auf den guten Marcel doch die Ausrede, warum wir Schaffhauser und Umgebungs-Schaffhauser diese Sendung überhaupt schauen.

Entschuldigung, haben sie ein paar Minuten um über unseren Erlöser Jesus Christus zu sprechen?

Was noch fehlt ist der Bauer mit dem Knall. Also jener, welcher rein oberflächlich betrachtet nicht die schlechteste Partie wäre aber dann doch komisch ist. Ganz alle Latten am Zaun hat keiner der Landwirte, Bauer Sepp (62) mal ausgenommen, aber beim Stefan (32) überhupft doch mehrmals täglich ein Rädchen. Dann kniet er vor dem Altar im Wohnzimmer nieder und betet den Rosenkranz. Nein nein, das Glauben an sich ist nicht verkehrt, aber die Zweisamkeit sucht er darin, dass seine Hofdame neben ihm ebenfalls die Knie auf dem Parkett aufscheuert.
Auf das Bettlaken hat er ein Verhütungsmittel gelegt, welches Crocs und Elefantenhosen an zuverlässigkeit in nichts nachsteht; Den Wachtturm und Werbeflyer für den Glauben.
Seine Mutter begrüsst er förmlich mit Knicks, der Esstisch ist ausgelegt für mindestens elf Kinder. Eine Obergrenze setzt er nicht fest, die Anzahl liegt in Herrgotts Hand, in Abhängigkeit von der Gebärfreudigkeit seiner Gattin.
Natürlich hat er die Sache in die Binsen gesetzt. Nur schon durch die Tatsache, dass in seiner Wertschätzung Frau und Kinder irgendwo zwischen der Kuh Olga und seinem Fendt Turbomatik rangieren. Was doch völlig normal sei, über ihm sei schliesslich nur noch Mutter Maria angesiedelt und die Partnerin möchte dies doch freudig akzeptieren.

Unterm Strich haben dennoch viele Bauern einen guten Schnitt gemacht. Will sagen, sind mit einem blauen Auge und dem Obolus von 3+ davon gekommen.
Klar, der Sepp hat seine Dame behalten, aber dies war eher eine pragmatische Entscheidung. Er wollte einfach ein Gspusi. Hätte ihm 3+ einen jungen Ziegenbock auf den Hof geschickt, hätte er auch diesen genommen. Kopfkino an.

Bauer Christian (45, sieht aus wie 54), ist die Hofdame wieder davon gelaufen. Bevor er überhaupt drei komplette Sätze formuliert hatte, fühlte sie sich eingeengt und in eine Form gepresst, so was würde sie nie mehr mit sich machen lassen! Nach gängigen Massstäben hat er es versemmelt, ich würde jedoch sagen, Schwein gehabt.

Gleich mehreren wurde bewusst, dass sie eigentlich gerne eine Dame hätten, wiederum an ihrem Leben so gar nichts verändern möchten. Was heisst, entweder passt sie nahtlos in dieses hinein oder sie würde mehr stören als bereichern. Unterm Strich fahren sie wohl günstiger, wenn sie ihren Trekker einmal die Woche auf den Parkplatz des Nachtclub Flamingo lenken.

Dass das Kaugörl Isabel keinen Mann sucht war schon klar, als gesendet wurde, dass sie  ihre Räntsch mit dem Ex-Bätscheler Rentsch betreibt. Sie wollte einfach nur kostenlose Promo und es hat geklappt.
Tom, welcher jeden Satz mit einem „hä isch jo klar“ beendete, konnte trotz Dodge Pick-Up nicht punkten und musste gehen, nachdem er nackig den Stall mistete und sich einen Saunabesuch erkämpfte. „Gseht ganz scharf us, das gfallt eme Kauboy wie mir, isch jo klar“, schlug Isabel in die Flucht.
Von Roger schien da weniger Gefahr auszugehen, brachte er beim sprechen kaum die Kauleiste auseinander. Nachdem er sehr intim Isabels Ellbogen gestreift hatte war jedoch auch hier der Mist geführt.
Nachdem nun die Talentsucher bei 3+ begriffen haben, dass das Lüften des Stetson auch gleich das Ende der fallenden Hüllen darstellt, wird der Senderaum künftig wohl quotenträchtiger vergeben werden.

Bis dem Marcel aus Schaffhausen eine Hofdame genehm ist, bleibt uns nur die Schlafmütze Benjamin, 24, trägt das T-Shirt in der Unterhose, und seine sich stets beklagende Lea, welche sich noch vor dem Frühstückskaffe dreizehn Valium reinpfeifft.

Für alle, welche künftig die Sendung verfolgen möchten, schliesst doch für einen Moment die Augen. Nicht um der Besinnlichkeit willen, aber Aussagen wie „Mueschen ganz is Muul nä, suscht sprützts uf Kleider“ beim Obst essen sind von den 3+-Regisseuren einfach excellent geschnitten.

Gesucht wäre an dieser Stelle eine Dame, welche sich mal für einen Bauern bewerben möchte. Wäre neugierig, wie das so abläuft.

 

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