Abt. Presseschau von Fahrrädern und Europaflüchtlingen

Wieder einmal ein wenig Presseschau.

Fahrt ihr gerne Rad?
Der eine flitzt auf seinem x-tausend Franken Carbon-Rad über das Land, dieser jagt mit seinem Downhill-Bike Rehe übers Häglilo und jener fährt auf dem Elektrobike lässig am Stau vorbei.
Wir erinnern, auf einem Elektrobike brettert man mittlerweile schneller durch Quartierstrassen, als Automobilisten auf der Vignettenpflichtigen A4 durch den Cholfirst-Tunnel. Daher spricht wohl einiges für einen Lithium-Polymer-getriebenen Drahtesel. Was ich zum Ausdruck bringen will, wer Rad fahren will tut es, wer nicht will, lässt es bleiben.
Nicht genug, sagt Simon Furter, WWF und Pro Velo Geschäftsführer.
Mit anderen Worten, es sollten sich auch jene in den Sattel schwingen, welche es gar nicht wollen.
Geht es nach seinem Willen, sollen Bagger auffahren, der Asphalt mit der ganz grossen Kelle angerührt und gegossen werden. Kreuzungen müssen umgebaut werden, überdachte Veloständer und mein Lieblingsprodukt, der Duraduct. Eine Brücke über das Mühlental mit einem 80 Meter hohen Lift, damit die Radfahrer nicht mehr in die Pedale stehen müssen.
Ob damit wirklich nur eine Person mehr auf das Rad gehievt wird, wage ich zu bezweifeln. Und wenn die Baumaschinen nicht mit guter Hoffnung angetrieben werden und der Belag nicht aus Freude und Liebe besteht, regt sich der Gedanke, schützen wir die Umwelt, egal wieviel Dreck wir dafür reinpusten müssen.
Und stecken 8 Millionen in diesen bescheuerten Duraduct. Irgendjemand wird es schon bezahlen, gewiss nicht die Radfahrer, denn diese Verkehrsteilnehmer nutzen die Strasse, ohne auch nur einen Rappen dafür abzudrücken.

Mit den Briten leide ich ein wenig mit. Nicht nur, weil ich im Grundsatz anglophil bin, nein, als Schweizer kann man besonders mitfühlen.
Ein Austritt bei Scientology scheint mir einiges einfacher, als diesen EU-Verbund zu verlassen.
Dennoch, ein grosser Schritt sei nun getan.
Fünfzig Milliarden Euro sollen die Briten diesem Notenschredder in den Rachen werfen. Geld, dass man dafür verwendet, Staaten in die Gemeinschaft zu integrieren, deren einziger Zweck es ist, die Mitgliedszahl zu erhöhen. Sprich, weil Bulgarien, Griechenland und  Konsorten nichts zur Party mitbringen, muss man ihnen ein Geschenk überreichen, damit sie sich zumindest ein nettes Kleid kaufen können. Die Schweiz beteiligt sich ebenfalls daran. Kohäsionszahlungen nennt man dies. Oder eine Milliarde für nichts. Die Schweizer Politiker haben Angst, diese Summe an eine Bedingung zu knüpfen. Im Gegenteil, die EU hat die Frechheit, uns als Steuersünder zu bezichtigen. Mit den Schweizer Politiker kann man das machen.
Die britische Regierung hat dafür das Recht erhalten, dass sich auf der Insel lebende EU-Bürger den britischen Gerichten beugen müssen.
Diese wiederum haben sich jedoch der Rechtsprechung der EU-Richter zu unterwerfen. Folglich sind die Herren in den gepuderten Perücken auch nur Durchlauferhitzer. In der Politik gilt dies jedoch als Erfolg.
Die nächsten zwei Jahre sind die Briten in der Trennungsphase. Ein Passivmitglied in der EU.
Die Briten bewegen sich also auf derselben Bühne wie die Schweizer. Mit dem Unterschied, dass sie in zwei Jahren raus sind und wir wahrscheinlich zeitlebens auf dieser Bühne herumgeschubst werden.
London zahlt weiterhin in das EU-Budget ein, ist in der Institution jedoch nicht mehr vertreten. Wie die Schweiz.
London übernimmt zudem dynamisch das EU-Recht. Dynamisch bedeutet, sie müssen die EU-Gesetze nicht übernehmen, aber haben alles daran zu setzen, dass die eigenen Gesetze eine hohe Identifikation mit EU-Gesetzen aufweisen. Wie die Schweiz.
Der EU-Chefverhandler Barnier macht keinen Hehl daraus, dass die Briten Schuld sind an dieser Entwicklung. Sie hätten es so gewollt.
Meines Erachtens, wäre es an der Zeit, dieser selbstherrlichen Organisation eins auf den Kopf zu hauen.
Mit einer Streichung der Kohäsionszahlung würde man bewirken, dass die EU ihre unproduktiven Mitgliedsstaaten selber durchfüttern müsste.
Würde in Deutschland eine Minderheitsregierung zustande kommen, wäre Mutti erstmals mit ihrem eigenen Land beschäftigt und Beschlüsse würden nicht mehr einfach durchgewunken, sonden müssten mehrheitsfähig sein.
Würden die Beneluxstaaten sich auf ihren starken Handel mit den Briten konzentrieren, müsste die EU wirklich langsam über die Bücher.
So schauts aus.

Tabakfirmen dürfen nicht mehr Jugendliche umwerben. Zigarettenwerbung am Kiosk soll höher als 120 Zentimeter angesiedelt sein. Da werden zumindest die Drittklässler nicht mehr verführt. Des weiteren, der Verkauf an Teens unter 17 Jahren soll verboten werden.
Gesundheitsorganisationen fordern, das Verbot zu erweitern.
Wie naiv ist das Volk?
Von jeder Zigarette geht die Hälfte des Preises an den Staat. Denkt ihr wirklich, der Staat verzichtet auf diese Einnahme? Natürlich, man kann laufend die Tabaksteuer erhöhen, so wie man mit der Benzinsteuer Elektroautos kompensiert, doch auch hier ist irgendwann eine Schmerzgrenze erreicht. Dann muss die Steuer anderweitig eingetrieben werden und wir bezahlen einfach alle.
Und kommt mir nicht mit den Gesundheitskosten. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Anzahl der starken Raucher halbiert. Die Krankenkassenprämien haben sich verdoppelt. Oder sind sechs mal mehr gestiegen, als die Lohnsummen. Der Schlund der Nutzniesser des Gesundheitswesens ist unersättlich, unabhängig von der Fitness des Prämienzahlers. Das ist nunmal Fakt.

Mit abgewiesenen Asylbewerbern ist es so eine Sache. Einerseits wollen sie nicht nach Hause gehen, anderseits können wir sie nicht nach Hause schaffen. Dies, weil wir nicht wissen wohin, da sie ihre Papiere verloren haben, oder dann ist eine Ausschaffung unzumutbar, weil im Heimatland nicht Milch und Honig fliesst.
Unterm Strich, ob wir Asyl gewähren oder nicht ist Jacke wie Hose, an unserer Zitze hängt er sowieso. Es sind einfach unterschiedliche Kostenstellen.
Die neueste Entwicklung ist nun, dass abgewiesene Asylbewerber angehalten sind, das Land zu verlassen, die Justiz sie jedoch aktiv daran hindern will. Schilda in Reinstform.
Es geht um Spitzbuben, welche so lange Schabernack getrieben haben, bis wir sie ins Kittchen gesteckt haben. Wer die Schweizer Rechtssprechung kennt, weiss, da muss man ganz schön wirbeln, bis es für einen traumatisierten Asylbewerber so weit kommt.
Man könnte sie nun vor die Wahl stellen, nach Hause zu gehen, oder lebenslang hinter schwedische Gardinen. Nun gibt es in der Schweiz ‚lebenslang‘ jedoch nicht so richtig und irgendwie wäre es gewiss auch mit den Menschenrechten nicht vereinbar. Auf diese können besonders Spitzbuben pochen, die Opfer wohnen schliesslich in einem privilegierten Land, die brauchen keine Menschenrechte.
Also hat der arme Asylbewerber seine Strafe irgendwann abgesessen und ist nun wieder draussen. Entgegen dem Sinn des Strafvollzugs, einer Resozialiserung, haben die Kerle die Strafe abgesessen, sind deswegen jedoch keinen Deut weniger gefährlich.
Eigentlich wären alle glücklich, diese Personen würden dahin gehen wo der Pfeffer wächst, mit einer Fussfessel will man jedoch verhindern, dass sie genau dies tun.
Wer wählt nochmal unsere Politiker?

A propos Wahlen, respektive Abstimmungen; Die Masseneinwanderungs-Initiative ist umgesetzt!
Nicht im Sinne der Initiative, aber dennoch irgendwie. Arbeitgeber in Sparten mit überdurchschnittler Arbeitslosigkeit müssen freie Stellen erst dem RAV melden. Dieses macht die Arbeitslosen darauf aufmerksam, oder überweist in Eigeninitiative geeignete Dossiers.
Was die Arbeitgeber damit machen ist ihre Sache. Nach fünf Tagen dürfen sie die Stellen ganz normal ausschreiben.
Alles was wir damit erreicht haben sind zusätzliche Kosten, für Instanzen, welche kontrollieren, ob Arbeitgeber Stellen nicht einfach so ausschreiben.

Für alle, welche die Vorlage nicht mehr präsent haben; Diesem Initiativtext haben wir vor beinahe vier Jahren unsere Zustimmung ausgesprochen.

Ich habe geschlossen.

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Bundesangestellter während der Präsenzzeit beim Arbeiten erwischt

Bundesangestellter während der Präsenzzeit beim Arbeiten erwischt
Vorgesetzte sind von dieser Situation überfordert.

(nldpa)Es trug sich gestern Donnerstag im thurgauischen Hübelidorf zu. Während der Morgenkaffeepause fehlte Herbert F. Nach fünf Minuten entschied sich ein besorgter Arbeitskollege der Sache nachzugehen. Mit einem Betriebsfahrzeug machte er sich auf den Weg in die zwanzig Meter entfernte Werkstatt und überraschte Herbert F. in flagranti.

„Bei meinem Eintreten wollte er gleich den Schraubendreher in die Werkzeugkiste zurücklegen, doch es war zu  spät. Ich hatte alles gesehen“, berichtet ein sichtlich mitgenommener Franz H.
Franz H., noch immer unter Schock, wollte uns nach Rücksprache mit dem Care-Team doch ein paar Fragen beantworten.
„Es ist ja im Interesse von uns allen, dass diese Sache möglichst schnell aus der Welt geschafft wird.“, zeigt er sich pflichtbewusst. Und Herbert sei ja an sich kein Böser, aber irgendwie hat man es kommen sehen.
Franz H. sei also mit dem Fahrzeug bis vor die Werkstatt gefahren, mit einem angedeuteten Nicken zeigt er auf die Eingangstür, und konnte so ohne weit gehen zu müssen die Halle betreten. „Wir sind immer darauf bedacht, die Fusswege kurz zu halten, so funktionierte das schon immer“.
Herbert F. stammelte nach Aussage von Franz H. wirre Sätze vor sich hin. „Er wolle nur noch eben vor der Pause diese Schraube anziehen. Dann wäre die Arbeit an diesem Fahrzeug beendet.“
Vor der Pause, das muss man sich vorstellen, es war bereits zehn Minuten nach neun und Herbert F. hatte den Schraubendreher noch immer zur Hand.

Unsere Rückfrage beim Werkstattchef ergab, dass Herbert F. nicht direkt gegen eine Weisung verstossen hätte, aber „da gibt es immer noch die Interna ‚das haben wir immer so gemacht‚“, erläutert er uns.
Um neun sei die Kaffeepause und dies sei nicht etwas, was man einfach so nebenbei erledige, erklärt uns der Werkstattchef Robert B. und zieht einen Stuhl heran. Die Sache nimmt ihn mehr mit, als er zugestehen will.
„Bereits um halb neun müssen wir uns überlegen, ob es vertretbar wäre, noch eine Arbeit zu beginnen.“ Es wären ja doch 15 Minuten Pause. Wenn wir die Einarbeitungszeit berücksichtigen um wieder in die Tätigkeit hinein zu finden, sind die Überlegungen absolut berechtigt. Es bleiben anschliessend keine drei Stunden, bis man sich mit der Vorbereitung für die Mittagspause befassen muss.
Er wäre schon von Beginn an kein einfacher gewesen, der Herbert. Für weitere Fragen sollten wir uns doch an Patrick wenden, er müsse sich nun erst ein wenig erholen.

Auf der Durchfahrt vor dem Gebäude treffen wir Patrick. Gerade im Begriff, eine Schraube der Grösse M8 x 16 in die Lagerhalle F zu überführen. Als wir zu ihm aufgeschlossen haben, reduzieren wir unsere Schritte, worauf er seinerseits den VW-Bus abbremst.
„Sehen sie“, spricht er über das Tuckern des Diesels hinweg, „ich drehe den Zündschlüssel erst Abends auf dem Parkplatz wieder. Es lohnt sich einfach nicht, diese Handbewegung immer und immer wieder zu vollziehen. Das ist gelebte Effizienz“, spricht er und nimmt unser verständnisvolles Nicken wohlwollend zur Kenntnis.
„Da war diese Sache mit dem Herbert. Sehen sie“, er steckt sich eine Zigarette zwischen die Lippen und betätigt mit einiger Anstrengung sein Piezofeuerzeug, „es kann sein, dass wir zwei Aufträge innerhalb eines Tages erhalten. Die ***** Geschäftsleitung hat uns wohl versichert, dies solle nicht wieder geschehen, aber diese ***** dort oben mit ihren ***** **** auf den Stühlen wollen uns doch nur ***** und ***** sind sowieso ****“.
Zornesröte breitet sich auf dem Gesicht aus, die Anstrengung lässt Patrick nach Luft schnappen.
„Wenn dies also geschieht, ist es ganz normal, dass man sich mit Arbeitskollegen austauscht. Dies darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen! Wir sind angehalten aufeinander zu achten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir diese Situation der Arbeitsüberlastung erst ein bis zwei Tage auf Platz erläutern und uns klar werden, wie wir weiter vorgehen. Es muss eine Reihenfolge festgelegt werden, diese müssen wir untereinander absprechen, allenfalls noch direkte Vorgesetze informieren. Wir dürfen auch nicht ausser acht lassen, wie man dies früher erledigt hat und die Auftraggeber gegebenenfalls darauf hinweisen.
Sehen sie, vielleicht ist es gar nicht möglich, zwei Aufträge in solch kurzer Abfolge zu erledigen. Aber woher sollen die ***** Sessel-***** das denn wissen? Die werden schon noch sehen, was geschieht, wenn die uns weiterhin so piesacken. Früher, unter dem Hermann G. wehte da ein anderer Wind, da war alles noch in Ordnung. Aber heute…“
Aber nun zu Herbert, versuchen wir den aufgebrachten Patrick wieder in die Spur zu lenken.
„Ja… da war ich also gerade erst bei Erwin, unterwegs zu Hans, damit wir uns bei Bruno treffen konnten, als der Herbert mir zurief, er hätte die beiden Aufträge erledigt. Nachmittags um vierzehn Uhr, dabei haben wir diese Arbeiten doch erst morgens um sieben Uhr aufgetragen erhalten.
Er ist ja kein Böser, der Herbert, aber so funktioniert es einfach nicht. Fragen sie doch den Erwin wegen der Sache mit dem Schrank…“

Der VW-Bus setzte sich wieder in Gang und wir warteten die halbe Minute, bis er in seiner ganzen Länge von drei Meter an uns vorbei gezogen war und wir uns zu Erwin aufmachen konnten.
Erwin brütete gerade über einer technischen Zeichnung. In sich gekehrt, um sich besser zu fokussieren hält er die Augen geschlossen. So konzentriert, dass er, von der Atmung abgesehen, keine weiteren Körperfunktionen mehr aufrecht erhalten konnte und der Speichel aus dem linken Mundwinkel tropfte.
Verzeihung, sind sie Erwin?
Nochmals etwas lauter mit einem Klopfen an die Tür.
Ein Brummen kündigte an, dass er sich langsam von der Arbeit löste und ein gläserner Blick richtete sich auf uns.
„Ah, die Zeitungsfritzen. Wegen Herbert F., nicht?“
Auf unsere Bestätigung hin, begann er sogleich mit der Geschichte des Schranks.
„Die Werkstätten wurden noch von Hermann G. eingerichtet. Der hat sich was überlegt. Da schiebt man nicht einfach einen Tisch in den Nebenraum. So auch dieser kleine Schiebeschrank.“
„Nichts, aber das ist auch nicht das Thema“; antwortete Erwin auf die Frage, was in dem Schrank gelagert würde.
„Es geht darum, dass man einen Schrank nicht einfach verschiebt. Wenn das jeder würde, wüsste man bald nicht mehr, wo wer sitzt. Wir haben uns wegen diesem Schrank mit Vertretern der Geschäftsleitung getroffen. Es drehte sich um die Frage, ihn um einen Meter zu verschieben, weil der Ruedi dies gerne hätte. Also sitzen wir einen Morgen lang zusammen und verabreden uns für den nächsten Tag mit Karl von St. Gallen. Dieser hat vor einem Jahr bereits einmal einen Schrank verschoben und kommt nun her, uns zu beraten.
Know-How-Transfer, dies ist wichtig in unserem Betrieb.
Als wir nun am nächsten Morgen kommen, steht der Schrank am neuen Ort.“
„Und das war Herbert?“
„Was denken sie denn? Natürlich war es Herbert! Als ich die Werkstatt verliess, war alles wie es sein sollte. Es war nur noch Herbert da. Als ich aus dem Parkplatz fuhr, sah ich Herbert das Gebäude verlassen. Er muss diese Zeit genutzt haben, den Schrank zu verschieben. Karl stand völlig umsonst um neun Uhr in unserer Werkstatt. Wir konnten keine Sitzung mehr abhalten und so musste er bereits um vierzehn Uhr dreissig wieder zurück fahren. Und es sind doch fünfzehn Minuten Fahrt.
Wenn sie mich fragen, mit diesem Herbert stimmt etwas nicht. In der Kantine sitzt er jeden Tag auf einem anderen Platz. Wenn dieser Schlendrian Einzug haltet, haben wir hier bald Sodom und Gomorra, denken sie an meine Worte!
So jetzt muss ich sie aber bitten,“ gab er uns mit einem Nicken in Richtung Tür zu verstehen,“ in dreissig Minuten ist Nachmittagskaffee-Pause und ich muss mich noch vorbereiten.“

Wir kreuzten den Weg des Werkstatt-Chefs, welcher eine Tasse in der Hand seinen Schritt in Richtung Kaffeemaschine lenkte.
„Wie wollen sie nun weiter verfahren?“
„Wir sind mit einer solchen Situation noch nie konfrontiert gewesen. Ich werde dies mit meinen Vorgesetzten besprechen müssen. Solch eine Sache kann sich lange hinziehen. Alles mögliche haben wir an den Kaderrapporten besprochen, aber auf eine solche Situation kann man sich einfach nicht vorbereiten.
Wir müssen auch mehr auf uns achten. Wenn ich mich so umhöre waren die Zeichen schon vorhanden. Herbert’s Toilettengänge waren stets unter einer halben Stunde und er flüchtete sich schon immer gerne in die Arbeit. Unsere chronische Arbeitsüberlastung erfordert dann und wann eine Pause zwischen den Kaffeepausen, diese hat er einfach ausgelassen.
Uns sind ja die Mittel gekürzt worden, wir haben nur noch drei Betriebsfahrzeuge. Statt, dass er nun auf eines wartet, geht er die Strecke zu Fuss. Fünfzig Meter, sie verstehen, das ist doch nicht normal.
Unsere Mitarbeiter müssen einen Kurs besuchen, solche Zeichen frühzeitig zu erkennen. Und die HR muss mir nun eine Lösung ausarbeiten…“

Herbert konnten wir leider nicht sprechen. Er lag unter einem Fahrzeug. Er hätte keine Zeit für diesen Scheiss.

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Ha do öppis organisiert – let-op guckt Bachelor

Zu beneiden ist der Bachelor nicht.
Unternehmer mit Sixpack steht auf seiner Sedcard, um ihn herum 21 Frauen, welche um seine Aufmerksamkeit buhlen.

Die Ausgangslage mag traumhaft klingen, aber was sich da so um Joel balgt; Irgendwie hat das Innerschweizer Muskelpaket die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Vielleicht ist dies der Grund, dass er irgendwie apathisch an die Sache heran geht.

Offen gesagt, ich habe es noch nicht geschafft, eine vollständige Folge zu sehen. Wurde mir die Darbietung nicht aufgrund der Protagonisten zu dümmlich, vertrieb mich eine der unzähligen Werbepausen. Als würde es diese bei dem ganzen Product-Placement noch brauchen.
Man streitet sich, welches Format für Männer eher geeignet ist. Ist es „Die Bachelorette“ oder „Der Bachelor“?Die Bachelorette sieht ok aus, ja das kann man wirklich stehen lassen, die Show sehenswert machen jedoch die brünftigen Männer. Vom Vierziger in der Midlifecrisis bis zum Milchbubi, das seine ersten Strümpfe noch nicht durchgelaufen hat. Ein einziges anlegen des Zollstocks über hundert Folgen. Wann immer man denkt, noch peinlicher geht es nicht, findet einer noch eine Schublade unter der Schublade.

Im Moment muss man sich jedoch mit dem Bachelor und seinen Bewerberinnen begnügen. Nebst Informatikerinnen, Reiterinnen und irgendwelchen Lebenskünstlerinnen trifft man auch jede Menge Models. Wobei sich der Begriff Model seit den Zeiten der grossen drei – Schiffer, Crawford und Campbell – gewandelt hat und mittlerweile doch sehr inflationär verwendet wird. Ob sie nun auf einer Tuningmesse im Lacksuit posiert oder für die Facebook-Seite des Hobbyfotografenkollegen blank gezogen hat, einmal vor der Kamera ist sie ein Model. Es sei denn sie schiesst ein Selfie, dann ist sie ein Influencerin.
Eines haben die Damen jedoch gemeinsam. Sie sind allesamt zu dämlich einen Eimer Wasser zu kippen.
Am besten deutsch spricht noch jene, welche aus der französischen Schweiz stammt.

Wie immer hat der Bachelor tolle Sachen organisiert.
Klar, Vujo, welcher mal eben einen kompletten Sonnenuntergang organisiert hat übertrifft er nicht, dennoch wartet er in dieser Sendung mit einem Kamelritt auf. Das ‚ufego und abego‘ findet Joel so lustig.
Nach diesem Ritt, ich würde mich verarscht fühlen, gesteht ihm die Kandidatin Carolina, dass sie ein Kind hat.
Klar, ein Supertreffer war nicht dabei, dennoch hat er bereits 19 Frauen aus der Sendung geworfen. Also 18 Frauen und ein Mann mit Silikonbrüsten und unnatürlicher Mumu. Was irgendwie seinem Kinderwunsch im Weg stand.
Nun hat er überraschend ein Doppelpack im Kissenberg des Beduinenzelts und man sieht ihm an, wie der Laden geräuschvoll runter rasselte.

Mit der nächsten geht er auf das Hochseil. Ein unglaublich mutiger Akt. Er latscht lethargisch voran, sie trippelt gelangweilt hinterher.
Danach will sie eine Beichte über ihre Narbe ablegen. Eine kleine Einbuchtung am Bein.
„Ich habe eine Dummheit gemacht.“
Wir warten auf eine Gschichte zwischen Fettabsaugung und Messerstecherei.
„Ich hatte eine Freund die war ein bisschen verrückt“
Der Bachelor hängt an ihren Lippen. Wie ein Student in der hintersten Reihe des Hörsaals nach durchgezechter Nacht. Kurz davor, vor Begeisterung mit der Stirn auf die Tischplatte zu knallen.
„Ich habe gewusst, dass er ein bisschen verrückt ist, dann wurde es immer verrückter.“
Muetter, chum zum Punkt! schreie ich gedanklich durch den Raum.
„Eine Tag war er komplett verrückt, dann habe ich versucht zu helfen“
Dramatikpause.
„Ich wusste, dass ich wollte helfen aber musste weggehen.“
Dramatikpause. Stimmungsvolle Musik.
Der Bachelor ergreift das Wort.
„In einer Kurzfassung; Du hast eine sozial ausgeprägte Ader und in deiner letzten Erfahrung mit deinem Freund ist es soweit gekommen, dass du eine physische Verletzung davon getragen hast.“
Hätte er noch Fremdwörter wie ‚Computer‘ und ‚Türklingel‘ benutzt, ich hätte mich Hals über Kopf verliebt.
„Ich sehe, du hast jedes Wort verstanden“

Ich kapituliere, der Bachelor ist mir überlegen. Kein Wort habe ich verstanden und als er sich noch für ihre Offenheit bedankt, spule ich zurück und sehe das ganze nochmals an. Bin so schlau als wie zuvor. Nun, er wird Ludmilla auch noch verräumt haben und weiter gehts zur Ballonfahrt mit Julia.

Es heisst Ballon fahren, weil die ersten Flieger, der Seefahrt angelehnt, ins Luftmeer fuhren. Dieser Infoblock kommt von mir, hat nicht der Bachelor organisiert.

Julia ist so richtig verliebt. Sagt sie. Will wissen, ob er die Mitbewerberinnen… nun… ob sie sich der Fleischeslust hingegeben haben. Ein Gentleman schweigt und geniesst. 3+-Bachelor auch, so hält er sich bedeckt. Steht gewiss im Skript.
Beim gegenseitigen Fummeln im Spa, wobei ich mich frage, warum er selber massiert wenn 3+ Masseusen bezahlt, werden sie tiefgründig und reden über Tod und Verlust.
Des Bachelors grösste Angst ist, dass irgendwann seine Eltern sterben…
Joel, nun musst du ganz stark sein; Auf dieser Welt hat noch keiner, glaube mir, kein einziger Mensch überlebt.
Was soll auch diese bescheuerte inszenierte Tiefgründigkeit? Jede Kandidatin hat irgend ein Drama im Köcher, vom verschnupften Hamster bis zur Ur-Oma, welche mit 103 das Zeitliche gesegnet hat und der Kameramann sucht nach Tränen unter all den Lidschatten.

Nun, alle hatten ihre Traumdates. Joel will noch etwas beweihräuchert werden und nötigt die Damen, ihre Gefühle in Worte zu fassen und niederzuschreiben.
Etwas Asi, wenn ich so sagen darf. Ludmilla wollte nur ins Fernsehen, empfindet nicht so viel und Carolina hat noch nie einen Brief verfasst. In ihren letzten 36 Jahren. Auch eine Leistung.
Julia hingegen ist sehr enthusiastisch.
„Wenn die anderen meinen Brief lesen, werden sie erst schlucken müssen…“; Mädchen, die Dreamdates sind durch, ich denke, die haben schon…

Weiter im Skript; Die Nacht der Rosen.
Was würde 3+ ohne Hans Zimmer’s Pearl Harbor-Soundtrack machen? Ich wüsste gar nicht, wann es dramatisch wird.
Die Damen müssen ihre Briefe vorlesen. Unter Tränen vorgetragen, der Bachelor hört es sich an, emotionsgeladen wie ein Priester im Beichtstuhl.
Ganz ehrlich, ich bin nur noch dabei, weil ich einen Abschluss für diesen Text haben muss. Ludmilla tut sich schwer mit Gefühlen und vergleicht sich mit einer Kaffeemaschine. Habe ich in dieser Sendung definitiv schon dümmeres gehört.

Für alle, welche bisher gelesen haben; Ich möchte mich in aller Form entschuldigen. Ich weiss nicht, was ich mir dabei gedacht hatte. Mir war einfach langweilig.

Trommelwirbel, Achtung Spoiler:
Caroline ist raus. Die mit dem Kind, welche Überraschung.
Mit dem tollsten Schlussmachspruch; „Ich kann dir nicht geben was du verdienst“. Rangiert gleich hinter „Es liegt nicht an dir“.
Die Kaffeemaschine und das Tuning-Model kommen weiter. Ich werde nie erfahren, wer gewonnen hat.
Drei vollständige Bachelor-Folgen habe ich heute gesehen. Die erste, letzte und einzige.

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Ist es denn ein Junge oder ein Mädchen?

Mein Zahnarzt hat mir geraten, doch meinen Energy-Drink-Konsum etwas einzuschränken. Mit meinen Beisserchen ist alles in Ordnung, ich darf zitieren ‚Viele Menschen würden alles dafür geben ihre Zähne zu haben‘, aber die Energy-Drinks sind nunmal aggressiv und nicht gut für Zahnhälse.
Ich gedenke nun den Zahnarzt zu wechseln. Und wenn der nächste denselben Ratschlag hat, wechsle ich eben wieder….

Nein, werde ich natürlich nicht, mein Zahnarzt ist einfach toll. Freundlich, kompetent, günstig und dazu muss ich noch nicht einmal über die Grenze fahren.
Und eigentlich geht es überhaupt nicht um die Dentalmedizin sondern um einen verschrobenen Menschenschlag mit einer Religion, welche den Namen Vegan trägt.
Wenn diese vom Arzt den Tipp erhalten, vielleicht doch dann und wann ein Milchprodukt zu geniessen, weil es nunmal eben nicht ungesund per se sei und es ihre Werte verbessern würde, wechseln sie solange den Arzt, bis einer nicht mit solch obskuren Ernährungstipps kommt.
Bis er dem 24-jährigen Hipster-Veganer sagt; Etwas Blei und andere Giftstoffe im Knochen braucht man, Zähne werden überbewertet und sind wir ehrlich, mit dem Nervensystem blickt sowieso niemand durch, die Forschung steckt in den Kinderschuhen, daher, ziehen sie ihr Kind mit Gemüsesmoothies auf, das kommt schon gut.
Da überlege ich mir gerade; Stillen Veganer-Mütter eigentlich?

Ich bin nur ein einfacher Mensch vom Land. Der Herr Doktor ist der studierte Herr, nahe am Übermenschen im weissen Kittel. Das Schöne ist, ich bin geneigt, ihm blind zu vertrauen. Als er mir riet, doch etwas weniger Chips und Erdnüsse zu konsumieren, nahm ich mir dies zu Herzen. Denn wenn ich sowieso google und dem Arzt eine Diagnose vorlege um sie mir bestätigen zu lassen, kann ich eigentlich auch den Prämienzahler entlasten und mir den Arztbesuch sparen. Was gehen also Veganer überhaupt zum Arzt, wenn sie seine Diagnose nur akzeptieren, wenn diese ihnen in den Kram passt?
Nun sollen Ärzte sich weiterbilden um besser auf Fanatiker eingehen zu können. Finde ich gut, das Gesundheitssystem schwimmt bekannterweise im Geld und wenn die Kassenprämien weiterhin so fallen, kriegen wir irgendwann monatliche Rückerstattungen.

Erinnert mich ein wenig an das Schulsystem. Der Lehrplan wird laufend der Lernbereitschaft der Kinder angepasst, bis irgendwann nur noch zur Schule muss, wer sich um nichts in der Welt davon abbringen lässt.
Aller teuerer Forschung zum Trotz sind wir an einem Punkt angelangt, an welchem nicht mehr die Medizin und Wissenschaft weiss, was dem menschlichen Organismus gut tut. Veganer und Consorten setzen den Massstab was unser Körper braucht und was eben nicht, die Medizin ist nun aufgerufen, diese Vorgaben zu ermöglichen.

Wie erwähnt, ein einfacher, vielleicht etwas proletenhafter Mensch vom Land. Eine Frau muss schon sehr attraktiv sein, dass ich bei einem Dutt nicht direkt an meine Oma denke. Mit grauem Haar und der Weisheit des Alters in den Augen ist ein Dutt auch völlig legitim, ja, gehört zum klassischen Bild der lieben Grossmutter.
Doch frage ich mich, wie oft muss Mann mit dem Kopf gegen die Badezimmertür knallen, bis er wankend und dem gesunden Menschenverstand beraubt vor dem Spiegel steht und sich denkt, heute stecke ich mir eine nette Frauenfrisur.
Auch der Vollbart reisst es nicht heraus, tut mir leid. Vielleicht, wenn du von deinem 50″-Hochrad absteigen und die gehäckelte Umhängetasche zuhause lassen würdest, aber ich möchte meine Hand nicht ins Feuer legen. Irgendwie erkennt man den Unterschied zwischen Holzfällerbart und Urban-Gärtner-Gesichtsbehaarung.

Nun ist es mit dem Dutt jedoch nicht getan.

Wenn ihr Enkelkind ein Zipfelchen hat….

Das war vielleicht früher mal. Biologische Merkmale sind sekundär, heute kann jeder selber entscheiden, ob er ein Junge oder Mädchen sein will. Kann, muss aber nicht. In Kanada darf man auf dem Reisepass ein neutrales Geschlecht sein und bei der Einreisegenehmigung kann ich sonstiges auswählen.Selbstverständlich müssen nun auch per Gesetz neue Toiletten eingeführt werden. Eine für Mädchen, eine für Jungs und eine für jene, welche sich noch nicht ganz sicher sind. Korrigiert mich, aber im Grundprinzip gehen wir auf dem Abort plus minus alle gleich zu Werke. Ja, ist die Schlange vor der Damentoilette zu lange, betritt das schöne Geschlecht auch einmal das stille Örtchen der Männer, was noch nie jemanden gestört hat. Bin anhin zumindest.

Feinfühligkeit in Ehren, aber muss man wirklich jede Schrulligkeit per Gesetz regeln? Wenn jemand gerne in Frauenklamotten durch die Welt huscht, meine Güte, ist doch seine Sache und tut niemandem weh. Aber wenn es der schönen Klara peinlich ist, dass im Ausweis nunmal Heinrich Hugentobler steht und dies am Flughafen Fragen aufwerfen könnte, sollte man dies mit dem Reisen vielleicht sein lassen.
Wenn in einem Ausweis noch nicht einmal mehr ein körperliches Merkmal wie das Geschlecht übereinstimmen muss, wünsche ich mir eine neue ID und nenne mich Donald Duck. Spezies Ente.

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Zwischen Walliser-Dinkelbrot und Quengelware

Ob es wirklich jemand gerne macht, ich bezweifle. Nun, die Rentner, vielleicht.
Ich spreche von den Lebensmitteleinkäufen. Es gibt die schrecklich organisierten Menschen mit einem begehbaren Kühlschrank und einer zweigeschossigen Speisekammer  welche den Einkauf als Familienevent am Samstag Morgen zelebrieren. Ein Menüplan von sieben Tagen füllt den Einkaufswagen sowie die Cumuluskarte und leert das Haushaltskonto. Und dann gibt es Menschen wie mich, mit einem Kühlschrank von der Grösse einer Kühlbox, dessen Volumen durch den Biervorrat noch um die Hälfte reduziert wird, und diese gehen eben gute vier mal die Woche einkaufen.
Den Samstag schenke ich mir mittlerweile, die Pärchen und Familien gehen mir auf den Senkel.
Doch auch Wochentags kann man den Blutdruck in die Höhe jagen.

Im Herzen und Portemonnaie bin ich ein Migros-Kind. Dazu wird man erzogen. Deswegen kann es keine Aldi-Kinder geben. Auch wenn die das gerne hätten. Aldi ist so schweizerisch wie Milka-Schokolade und nach 12 Jahren hat man noch keine Kinder konditioniert.

Dann und wann besuche ich jedoch auch den Coop. Einfach zur Abwechslung und weil es mir peinlich ist, viermal die Woche in derselben Migros bei derselben Verkäuferin die sechs selben Einkäufe auf das Band zu legen. Meine Ernährung ist eher zwecksmässig denn auf Abwechslung und Lustkäufe ausgelegt und ich werde das Gefühl nicht los, die denken sich mittlerweile, was stimmt mit dem Kerl nicht?
Wie die bösen Blicke im Volg, wenn ich ein Alibi-Brot erstehe, obwohl ich nur Abfallmarken brauche.

Schon wenn ich Abends auf den Parkplatz fahre, sinkt die Einkaufslust unter die Fussmatte. Da ist immer eine Mutti mit ihrem SUV am rangieren. Meine Güte, es ist doch nichts dabei dem Alten zu sagen, dass man mit einer Karre dieser Grösse nicht klar kommt. Und, dass es so ist können sie nicht bestreiten. Egal wie oft sie korrigieren, wie viel Einkaufswagen sie dabei an die Wand pressen und Reklametafeln biegen, das Vehikel steht immer schräg in der Lucke. Nicht einfach so schräg, dass es den Ordnungsfanatiker ein wenig stört, nein, so krumm, dass der Kunde im Parkplatz rechts davon wohl noch in die Lücke kommt, aber am Heck zwischen beiden Wagen kein durchkommen mehr ist. Doch muss Mutti da durch, denn der Maxi-Cosi muss ja mit in den Coop. Und die Brut sitzt hinten rechts, damit man mit der Hand nach dem Schnuller fischen kann, während man mit 45 km/h auf der Achtzigerstrecke Schlangenlinie fährt.

Liebe Mamas dieser Welt; Mir ist klar, das Auto ist ein Gebrauchsgegenstand. Ja, ich sehe, dass euer Minivan zuhause auch einmal als Torwand dient und die dynamische Schramme auf einem halben Meter verrät mir, dass das Dreirad von Kevin am linken Griff keinen Gummipuffer mehr hat.
Natürlich muss man Kinder mit einer knusprigen, krümelnden Reiswaffel auf der langen Fahrt bei Laune halten und ganz zweifelsohne hat Schakeline selbige schon im weiten Bogen über die Rückbank gereiert. Das Armaturenbrett sieht aus, als hättest du es für eine gute Idee gehalten, dem Brooklyn-Jeremy eine Capri-Sonne in die Hand zu drücken und bald hat er den Bogen raus gehabt, was man mit diesen Tüten alles machen kann, wenn der Durst gerade nicht so arg ist.
Dies ist alles deine Sache und dein Gefährt. Doch nur weil es dich nicht kümmert, wenn deine Karre aussieht als wäre sie nach einer Stockcar-Challange vom Schlepper gefallen, bedeutet dies nicht, dass es dem Nachbar nichts ausmacht, wenn du sein Gefährt mit derselben Rücksichtslosigkeit behandelst.
Ein Maxi-Cosi in den Fond zu zwängen ist sicher eines Tetrismeisters würdig und der sperrige Hintern ist da kaum förderlich, aber muss deine Tür im Sekundentakt in die Seite meines Wagens poltern?
Nein, ich bin kein Kinderhasser, zu gerne vergisst ihr, dass ohne kinderlose Single kein Kindergeld, keine Prämienrückerstattung und keine Schulen möglich wären. Keine Ursache.

Habe ich den Parkplatz verlassen, steige ich erst über drei Asoziale. Kann einem bei der Migros nicht passieren, ein Franken pro Liter Bier zieht die entsprechende Klientel nun mal an. Bei der Migros hockt nur der Mann mit der Ziehharmonika auf dem Klappstuhl und guckt einem flehend-fordernd an. Man kann schlecht sagen, man habe kein Geld, schliesslich betritt man soeben in kaufwilliger Absicht einen Konsumtempel. Vielleicht würde ich ja auch lieber am Boden sitzen und den Triangel schlagen, aber irgendjemand muss ja noch einer geregelten Tätigkeit nachgehen, wer würde sonst den Sozialhilfetopf füllen? Daher, lieber Mann am Schiffersklavier, hol dir meinen Batzen beim Sozialamt. Gern geschehen.

Migros hat was warmes, familiäres. Coop ist kühl und futuristisch. Dies liegt nicht nur an der Kühltheke, welche direkt aus einer Pinguin-Menagerie zu stammen scheint. Weiss der Geier, wieso die Energydrinks auf zwei Grad herunter gekühlt werden müssen und der Fertig-Salat in der Schüssel klimpern muss.
Wenn denn Körbchen bereit stehen, nicht selten muss man bis zum Kassenkorpus durchmarschieren, sich per äxgüsi durchwursteln um ein solches Ding zu ergattern, ist der Boden gewiss mit schimmeligen Salatblättern und einem ausgelaufenen Joghurt eingesaut. Ist eben Coop. Die Dinger werden von Achmed wohl während der Inventur auf dem Vorplatz mit dem Kärcher ausgespritzt und gut ist für 12 Monate.

Nicht alles bei Coop wirkt logisch. So ist das Bier fünf Regalreihen neben dem Wein angesiedelt, der Sekt in einem Nebengebäude. Wenn man das Wasser im dritten Gang findet, sind Energydrinks gewiss in Reihe 8 und Süssgetränke irgendwo zwischen Tampons und dem Magerquark. Auch ist es für mich nicht schlüssig, warum Beef Jerky beim Thaifood steht und nicht beim übrigen Rindfleisch.
Kaum hat man den Bogen raus, wird das Ergebnis einer neuen Verhaltensforschung verkündet und ich suche das Plenty-Küchenpapier in der Metzgerei.
Meine 1 Meter 76, Tendenz fallend, entsprechen genau dem Durchschnittsmenschen. Aus Verkäufersicht. Strecke ich die Hand gerade ins Regal, habe ich den teuersten Artikel in der Hand. Max Havelaar, mit jeder Kakaobohne baue ich eine mittlere Grundschule in Ecuador oder Honig von Bienen, neben deren Glückseligkeit die Maja wie ein depressiver Emo wirkt. Was ich nie begriffen habe, wie kann es Bio-Honig und normalen Honig geben? Ich meine, man kann der fleissigen Honigsammlerin doch nicht vorschreiben, von welchen Blumen sie den Nektar pflücken soll und dies mit der artgerechten Haltung ist auch eher schwierig. Klaut man den Tierchen doch die Wabe, zerstört ihr Haus, stiehlt den Honig und schmeisst ihnen stattdessen eine Zuckerlösung hin.
Als würde man mir Ende Monat meinen Franken nehmen und ein Schubkarre voller Dong (1 Euro entspricht 25’500 vietnamesichen Dong) hinstellen.
Wir wollen nicht abweichen, will man also günstig einkaufen, ist man oft auf den Knien oder klaut den Angestellten ihre Trittleitern um in die oberen Regale zu gelangen.

Vor dem Brotregal

Meine Güte, was war das früher einfach. Halbweissbrot, Ruchbrot, vielleicht mal einen Zopf und in der Weihnachtszeit Grittbenzen.
Heute steht man vor einer erschlagenden Auswahl. Maisbrot mit Dinkelzusatz, Dinkelbrot mit Haferstreu, Proteinbrot mit 87 Prozent Kohlenhydrate. Walliserbrot, Thurgauerbrot, Älplerbrot, Fyrabigbrot, Baslerbrot. Knuspersemmel, Jamadu-Brötchen, Riesenwecken, Vollkorngipfel.
Frisch gebacken!
Also ein Tiefkühlprodukt kurz in den Ofen geschoben. Der Duft ist verführerisch, keine Frage und es macht sich gut, so warm im Regal. Etwa fünf Minuten.
Greift man sich locker einen Laib, dreht sich weg und denkt ‚Ups, jetzt ist das Knusper-Thurgauerbrot mit Walliserkruste und Maiskern wohl zu Boden gefallen‘. Nach einem genaueren Blick erkennt man, nein, da ist wirklich ein Brot in dieser Tüte, auch wenn das Gewicht einem das Gegenteil weis machen will. Nach Aufdruck müssen es wohl 500 Gramm sein, man wird dennoch den Eindruck nicht los, es fliegt einer Feder gleich in den Einkaufskorb.
Die Druckfestigkeit eines Schwammes und mehr Löcher als eine Emmentalerkäse.
Wenn man Brot will, kommt man um die örtliche Bäckerei nicht herum.

Irgendwann steht man an der Kasse. Hinter den Rentnern. Gestern hatte ich zwei ganz nervige hinter mir. Er sprang mit einer Behändigkeit zwischen Kasse zwei und drei hin und her, als wäre er im Kinderfernsehprogramm. Die Gattin stets im Schlepptau. In einem Moment der Unachtsamkeit schaffte er es, sich vor mir einzufädeln. Der Herr, welcher gewiss den ganzen Tag Zeit gehabt hätte, aber um 18:35 einen Grosseinkauf tätigen muss. Ich habe noch eine Erziehung genossen, Respekt vor dem Alter, sonst hätte ich den kleinen, zappeligen Mann wohl neben den Vanillekaugummis in das Quengelregal gehängt.

Meine lieben Verkäuferinnen. Gewiss stand im Stellenprofil, dass ihr den Kontakt zu Kunden lieben müsst und bei der Einkleidung wurde euch eingebleut, dass ihr die Visitenkarte der Unternehmung seid.
Alles gut, aber die Dinge liegen so; Ich habe die Ware gekauft. Ihr müsst sie mir nicht noch einmal verkaufen. Die Transaktion muss nur noch zum Abschluss gebracht werden. Ihr müsst mich nicht unterhalten, ihr müsst keine interessierten Fragen stellen und auch nicht auf das Geplänkel des notgeilen Sacks vor mir eingehen. Spart euch den Smalltalk für die Pause und arbeitet euch speditiv durch die Sache. Ich weiss, wir sind auf dem Land. Man kennt sich. Aber ihr könnt Trudi auch am Abend noch fragen, ob Herberts Durchfall sich gebessert hat.
Ich habe es noch nie versucht, aber ich würde meinen Hintern verwetten, man kann den Einkauf in einer Bewegung über den Scanner ziehen. Ihr müsst nicht jeden Barcode angucken und zwei Handwechsel durchführen. Und, himmelhergottnochmal, legt diesen verdammten Trennbalken nicht auf das Band um die Bewegung zu stoppen. Das Band stoppt schon, wenn mein Magerquark in die Lichtschranke gerät, bis dahin findet aber noch gut ein Einkaufskorb voller Güter seinen Platz auf diesem.

Ist die Verkäuferin speditiv, was doch die meisten sind, wird sie durch den Kunden ausgebremst. Ihr macht nur euren Job, ihr müsst fragen, ich weiss.
Sammeln sie Punkte?
Ja wofür sind sie denn?
Ab zehn gibt es ein Kuschelbärchen, ab dreissig und einer Zuzahlung von 97.95 eine Titanpfanne mit molekularversiegeltem Keramikboden und ausserdem ein Lebensversicherungsangebot von der Generali. Riester gefördert.
Ja was muss ich denn da machen.
Nur diese Marken auf diesen Zettel, ups jetzt ist er zu Boden gefallen…
Also hier einkleben, der fünfte ist gratis und wenn hier der eine Minimoi dem anderen eine Arschtritt verpasst haben sie einen Superjoker… Nein, Moment…. Vreni… VRENI?!? WIE IST DAS MIT DEM MONATSGEWINN BEI DEN MINIMOIS?
Minions?
Nein, diese, hä du weist doch, mit dem Auge, welche Kathrin auf ihrer Tasche hat…
Eben…

Etwas erschöpft kam ich von der Arbeit, mehr oder minder ausgeglichen, und wollte nur noch schnell ein Nachtessen einkaufen. Nun kann die Frage nach der Superkarte darüber entscheiden, ob ich dem Rentner meinen Einkaufskorb über den Scheitel ziehe, das Regal mit der Quengelware in Brand stecke und den Kassierer mit einem fünf-Rappen-Plastikbeutel erdrossle.

Veröffentlicht unter Hossa, Vom Leben und gelebt werden | Kommentare deaktiviert für Zwischen Walliser-Dinkelbrot und Quengelware