Urlaubsreif

Schon einmal einen Cluburlaub gebucht?
Also ich kann ja so gar nicht mitreden, dies übernehmen „Freunde“ in sozialen Netzwerken mit ihren Bildreportagen. Ihr wisst schon, die klassischen Fotos. Geschossen in liegender Pose auf dem Liegestuhl. Das eine Bein leicht angewinkelt, weil der Oberschenkel weniger drall erscheint, im Hintergrund der Pool und die Palmen zur linken. Oder man liegt wie ein aus dem Meer geschleudertes Säugetier auf der Club-Med-Liege und präsentiert die Bikinihose. Dies gibt Likes, nachdem die geifernden Bewunderer verzweifelt die Bikini-Bridge oder das vordere Hufende des Wüstenschiffs gesucht haben.

Und irgendwie machen mich diese Bilder, Bikini-Schlüpfer hin oder her, so gar nicht an. Vielleicht tue ich Thomas Cook unrecht und diese All-inclusive-Urlaub ist eine ganz tolle Sache, aber ich fürchte, meine Wenigkeit würde sechs Tage lang liegen, fressen und lesen, bis mir die Augen bluten. Von Zeit zu Zeit wird Paco der Animateur mich mit einem Spatel in den Pool schippen und am nächsten Samstag werde ich in den kleinen Bus verfrachtet und in die mediterane Abflughalle des nächsten Flughafens geworfen.
Wo warst du?
Auf Rhodos.
Oh, wie wars denn so?
Ach weisst du, irgendwie sind wir gar nicht aus dem Hotel gekommen…

Souvenirs, direkt aus Japan eingeflogen, werden von einem Costa Cordalis mit sächsischem Dialekt in der Lobby feilgeboten, an der Bar kriegt man Bluna und Spezi, das Buffet ist gutbürgerlich, sprich Schweinebauch in Tunke mit einem Feta-Salat für das regionale Flair und die Aufback-Brötchen liefert Aldi Süd. Müllers hat man morgens am Frühstückstisch nebenan, mit Meiers prügelt sich Papa jeden Tag um die Sonnenliege und Abends mischt man sich unter das einheimische Volk. Also, wird an der Hotel-Strandbar von Costa’s Bruder bedient, flankiert von Hubers und Krakauers.
Jeder Euro geht zu Thomas Cook und Griechenland vor die Hunde.

So was nennt man voreingenommen, nicht wahr?
Abgesehen davon, dass ich Hotels im Grundsatz – also ohne die Club-Sache – eine ganz tolle Sache finde, schätze ich den Camping-Urlaub in gleichem Mass.
Es spricht nichts gegen saubere sanitäre Einrichtungen und einen Shop in Badelatschen-Nähe, aber das wilde Campen ist noch eine Idee schöner. Einfach urtümlicher. Einfacher kann man dem Gefühl von Freiheit nicht näher kommen.
Und in der Schweiz ja so was von böse!
Die Schweizer haben stets ein Auge aufeinander. Wie nett, man ist füreinander da.
Ja, irgendwie schon, doch gründet die Aufmerksamkeit eher darin, Fehltritte gleich im Keim zu ersticken. Es ist weniger dieses „Hallo, kann ich dir helfen“, als der Blick durch die Gardinen und Frage an den Gatten „Darf der das?“.

In etwa sein Zelt auf öffentlichem Boden aufschlagen darf er nicht. In erster Linie, weil es in der kleinen, dicht besiedelten Schweiz – sogar Luftraum und Seeufer sind in Privatbesitz – nicht wirklich viel öffentlichen Raum gibt. Darüber hinaus, passt es nicht ins Gärtchendenken, wenn einer sein Zelt an einem Waldrand aufbaut. Nicht, dass man diese zwei Quadratmeter die letzten 36 Monate betreten hätte oder just an diesem Samstag Abend betreten wolle, es ist einfach so, dass einem diese handbreit Land gehört und auch nachts um 22 Uhr zugänglich zu sein hat. Vielleicht muss man spontan den Rasen stutzen, dies weiss man ja nie.

Wie weit sich die Grenzen von Vals erstrecken kann ich nicht sagen. Gewiss gäbe die Karte Auskunft. Mit Bestimmtheit weiss ich, dass ganze drei Schilder von der Grösse einer ordentlichen Tischplatte einem darüber informieren, dass im Gemeindegebiet das Campen verboten sei. Die erste in der Kurve vor der Ortschaft, die zweite bei den Bergbahnen und die dritte auf der Höhe der Kappelle über dem Zerfreila-Stausee. Warum ich gerade diese Region ausgesucht habe? Da gibt es hübsche Seen, mit dem Auto nicht zugänglich, und ich stellte es mir nett vor, dort zu nächtigen.
Ein praktischer Gedanke trieb mich, es galt ein neues Zelt, eine neue Schlafmatte und einen Kocher zu testen. Ja, Papa hat seinen Lohn wieder einmal direkt an Campz.ch überwiesen. Zudem musste ich für meinen 160-km-Marsch nächste Woche noch einen Rucksack eintragen.
Am Guraletschsee nächtigen und frühmorgens auf das Fanellhorn zu steigen, so der Plan.

Es war die reine Völkerwanderung. Die Zürcher haben die dicken Offroader zur Kappelle gejagt, gar ein gelber Lamboghini fand Platz, und viele kleine Mammuts wuselten am Hügel rum. Scheiss-Outdoor-Trend.
Spontane Planänderung, der Butzeggen am Zefreilahorn war wohl genügend weit vom Restaurant entfernt, als dass sich die Helden der Wildnis um diese Zeit dort noch herumtreiben würden.
Zwei Oberländer, also Uster’ner oder Wetziker, fragten mit Blick auf meinen grossen Rucksack und die Uhr, wo ich denn noch hin möchte. Geht euch einen Scheiss an, lag mir auf der Zunge, begnügte mich jedoch mit einem Nix-verstehen-Schulterzucken. Es war nicht die Frage an sich, die Art der Fragestellung brachte mich auf die Palme. Dieses breite Zürchern mit diesem arroganten ‚Wir sind schon zum dritten Mal hier, wodurch das zürchersche Gewohnheitsrecht greift und dies unser Hügel, Weg, Himmel und sowieso ist‘.Ich neige stets dazu, mit einer gewissen Demut auf fremden Terrain zu gehen, beginne nicht krampfhaft peinlich zu Bündnern, trete Mutterkühen wie deren Hirten gleichermassen respektvoll gegenüber und komme gut zurecht. Da geht es mir auf den Sack, wenn ein paar Unterländer den Platzhirsch markieren und alle anderen ungefragt in diesen erbärmlichen Topf reissen.

Nach diesem Pärchen stiegen nur noch die Bergsteiger zu Tal, welche nicht bemüht die Konversation suchten. Bis auf jenen, welcher vom Bach herauf rief, ob nach mir noch jemand käme. Er würde sonst ein Bad nehmen und etwas Wäsche waschen.
Endlich normale Menschen.
Ob er auch hier oben bleibe, rief ich zurück.
Er hätte seinen Camper auf dem Parkplatz, ob ich mein Zelt dabei hätte?
Meine Antwort quittierte er mit einem Daumen hoch.
Jenseits von Gardinen und Gartenzaun können Schweizer auch locker, will ich festhalten.

Ein wunderbarer Platz, zwanzig Meter neben dem Gebirgsbach zwischen ein paar Steinhaufen.
Hingebungsvoll stocherte ich mit dem Pickel in den Ritzen, kippte Platten, pfefferte kleine Steine in die Spalten; Ja, ich habe panische Angst vor Schlangen, was mich eigentlich als Naturbursche disqualifiziert. Diese beinlosen, unberechenbare Geschöpfe mit dem Mund voller Gift und der Absicht, dieses aus reiner Boshaftigkeit einzusetzen.

Ein Zelt, kein Kilo schwer. Zu leicht um kompetent zu sein. Natürlich, man muss kein Spatz aus gewachstem Segeltuch, zehn Kilo der Quadratmeter, und Stangen aus Kruppstahl mit sich schleppen, aber man balanciert dieses Häufchen Plane schon skeptisch auf dem kleinen Finger.
Fühlt sich an wie ein Robidog-Sack. Unwillkürlich möchte man sich Seidenhandschuhe überziehen um das Material durch Unebenheiten der Haut nicht zu zerfetzen.
Aber, welchem göttlichen Kriechtier die Firma Nordisk dieses Garn auch aus dem Hintern gezogen haben mag, das Teil ist ordentlich robust. Ich habe den Boden weder ausserordentlich aufmerksam von Steinen befreit, noch den Rucksack extrem liebevoll in die Behausung drapiert. Es soll ja Leute geben, welche den Rucksack nachts im Vorzelt lassen. Ich könnte damit leben, morgens einen schlafenden Murmel aus der Packung zu schütteln, aber bei meinem Glück würde eine boshafte Kreuzotter an meiner Hand hängen.
Das Zelt war wirklich in Ordnung. Bis auf die Tatsache, dass ein ausserordentlich glatter Zeltboden, eine porenfreie Ultraleicht-Schlafmatte und ein voll synthetischer Schlafsack in einem leicht bergwärts platzierten Zelt eine nächtliche Schlittelpartie mit sich zieht. Eben noch ausgestreckt, findet man sich in einer Embryostellung im Fussteil des Zeltes wieder.
Aber ohne diese Rutschpartie wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, mal eben einem Bedürfnis nachzugehen und hätte den unglaublichen Nachthimmel verpasst. Ohne Lichtverschmutzung der Zivilisation kann man die Sterne praktisch greifen und den Planeten winken.

Der Kocher war eine spezielle Herausforderung.
Der nächsten Trekking-Herausforderung angepasst bin ich auf Benzin umgestiegen. Es spricht nichts gegen Gaskocher, aber sobald man fliegt, muss man in der Zieldestination den Gaskartuschen nachjagen. Samstag’s um sechs Uhr Abends eine Herausforderung. Benzin findet man überall, wenn ich auch neugierig bin, wie der Tankwart reagiert, wenn ich mal eben einen halben Liter Kraftstoff tanken möchte.

Mit ein wenig Respekt nahm ich die Sache in Angriff. Im Gegensatz zum Gaskocher, halte ich nicht das Streichholz hin und öffne den Hahn, einen Benzinkocher muss man erst einmal im kostbaren Nass ersäufen.
Es ist normal, dass die Flamme am Anfang die Grösse eines Fussballs hat, sagt die Gebrauchsanweisung.
Also pumpte ich Druck in die Flasche, liess das Benzin sprudeln wie ein Ölscheich und entzündete mit gehörigem Abstand den Brenner. Wenn wir was falsch gemacht haben, macht es jetzt Buff!
Eine tolle Flamme, irrer Gestank, schwarzer Rauch steigt zum Himmel und nach einer Minute war der Zauber vorbei.
Fünf Minuten warten, bevor man erneut anzündet, sagt die Anweisung.
Ich wartete noch fünf mal fünf Minuten, bis ich den Respekt verlor und den Brenner in Benzin ersäufte. Endlich auch die grosse Flamme, endlich reduzierte sie sich, endlich konnte ich dezent Benzin einspritzen und plötzlich funktionierte das Ding.
Es ist schwarz, voller Russ, riecht ein wenig – was so eins-zu-eins auch auf meine Hände zutraf – aber es ist so richtig männlich. Spassfaktor hoch zehn und man fühlt sich ein wenig wie ein Neandertaler.
Wir haben uns gefunden, der MSR-Brenner und ich. Abends kochte er nach dem Nudelgericht auch noch einen Kaffee, morgens ebenfalls, dazu noch ein warmes Müsli aus der Tüte, tadellos. Bis auf den Russ, unterscheidet er sich nicht vom Gasbrenner.P1020037Das Zelt ist ok, aber mein Salewa wird auf die Reise kommen. Jupp, für einmal habe ich mich schlau gelesen und auf dem Vulkangestein Islands können man ohne Hilti-Bohrhammer keine Heringe platzieren, weswegen man mit Steinen die Schnüre abspannt. Da bin ich mit der 83%-selbsttragenden Konstruktion von Salewa besser bedient.
Die Matte werde ich noch entsprechend präparieren um auch bei Gefälle ruhig zu liegen. Für Trinkwasser müsse man auch einmal auf Schnee zurückgreifen; Mit meinem neuen Brennstoff ist auch diese Sorge aus der Welt.
Es geht nichts über eine solide Vorbereitung.zerfreila

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Mit einem Klick die Welt retten

Wie startet ihr in die Woche?
Die Zeit am stillen Örtchen könnte gewiss kürzer gehalten werden, wäre da nicht dieses Smartphone.
Wie verbrachte man früher seine Zeit auf dem Keramik-Thron? Ich könnte nun die Damen fragen, diese Smartphone-Spielerei deucht mich ein reines Männerding zu sein. Denke ich. Zumindest reden Männer ganz offen darüber. Wobei ich an sich nicht wissen will, wie Frau sich die Zeit vertreibt, nach meinem dafürhalten besitzen Damen keinen Verdauungstrakt. Wenn man alleine lebt, kann man sich solchen Illusionen hingeben.

Der Übergang von Sonntag auf Montag ist auf sozialen Netzwerken stets sehr lebhaft. Jeder ergänzt seine Freundesliste um die Bekanntschaft des Kollegen Schulgspänli, welche mal eben am Bartisch vorbei torkelte und Hallo sagte.
Nur so kommt man auf 756 Freunde. Oder man versucht verzweifelt eine Verbindung zwischen einer verschwommenen Erinnerung und dem drei Jahre alten Profilbild der Magdeschiza Bacitucic oder so herzustellen, unsicher, ob man dieser nun drei Pina Colada’s ausgegeben hat, oder es doch eher die Mogschediza Szuki war.
Jedenfalls rekrutiert man so erfolgreich neue Pinnwand-Spammer, dass sich Scientologen oder Zeugen Jehovas vor Scham nicht mehr getrauen den Klingelknopf zu drücken.

Jene, welche nicht unterwegs waren, hatten furchtbar viel Zeit irgendwelche Spiele zu spielen. Virtuelle Schafe zu verschicken, verzwickte Mordfälle zu lösen oder ein Einhorn mit einem Zentauren zu paaren. Das Ergebnis ihrer Mühen präsentiert sich auf deiner Pinnwand und der Anforderung in der virtuellen Heustock-City eine Bar zu eröffnen.
Der Vorteil an der Privatsphäre-Einstellung, mit ein wenig Fleiss hat man binnen einer Woche alle Spiele verbannt und blockiert. Wenn man sich ranhält und die Arbeit vernachlässigt.

Leider gibt es dies Funktion nicht für sogenannte Freunde.
Natürlich, man kann sich in erster Linie fragen, warum man „sogenannte Freunde“ überhaupt in seiner Liste hat. Weil es manchmal einfacher ist, gewisse Anfragen einfach anzunehmen, als zu erklären, warum man sie eigentlich nicht am eigenen Leben teilnehmen lassen will. Darauf muss man diese „Freunde“ irgendwelchen Listen hinzufügen, dass sie von meinem virtuellen Treiben bestmöglich ausgeschlossen sind. Dies wären dann jene, welche diesen Blog nicht lesen könne. Furchtbar aufwendig. Vielleicht sollte ich mir trotzdem Eier zulegen.

Und dann eben diese Menschen, welche man an sich mag, wären sie nicht auf einer Mission die Welt von allem Elend zu erlösen. Also die Tierwelt. Genauer gesagt, die Tierwelt irgendwelcher Länder, welche nur noch die EU-Mitgliedschaft vom abdriften in den Status „Entwicklungsland“ abhält.
Den Ausdruck „Sozialstaat“ kennen sie nur aus Schweizer Migrations-Broschüren oder Merkels Willkommens-Flyern. Und wenn es den Menschen schlecht geht haben es offensichtlich die Tiere auch nicht so toll. Also nicht die Eichhörnchen oder Feldhasen, sondern die Hunde.
Wenn man es genau nimmt, ist dies doch eine Form von Rassismus; Um ungarische Wellensittiche und spanische Eidechsen kümmert sich kein Schwein, aber die Hunde sollen wir schützen. Ein Like ist das Minimum.
Es ist erstaunlich, was man mit einem Like alles bewirken kann. Wenn ich den sehr emotionalen Texten mit traurigen, struppigen Hunden glauben darf. Kleine Hunde, kranke Tiere und halbnackte Menschen generieren die meisten Likes, habe ich irgendwo mal aufgeschnappt.
Like ich also nun diesen Artikel und bin einer von hunderttausend, wird dem ungarischen Premier ein Licht aufgehen und er eilt, eine Hundepension zu eröffnen. Gleich nach seinem Anruf bei Juan Carlos, welchen er über Satellit bei der Nashorn-Jagd erwischt. Denn Juan Carlos wird dem spanischen König, seinem Sohn Felipe, nahelegen die Stierkämpfe zu beenden. Nein, befehlen wird er es. Alles nur, weil ich die Petition gelikt habe. Welche ich nicht ganz verstanden habe, weil mein spanisch grottenschlecht ist. Aber man hat ja Freunde, welche einem empfehlen zu liken.
Also natürlich, ich muss nicht, wenn ich mit dem schlechten Gewissen leben kann. Aber ich esse ja auch Fleisch, also würde ich mir ja allgemein nicht soviel Gedanken über Tiere machen, schwingt im Subtext mit.
Schliesslich hätte ich ja auch noch keinen Schimpansen adoptiert. Natürlich nur virtuell und mit Kreditkarte, es wird mir kein Schimpanse zugesandt. Es ist nicht einmal bewiesen, dass meine Cheetah überhaupt existiert. Oder die Klon-Industrie ist weiter gediehen, als ich angenommen hatte, denn dreihundert Paten haben ein und dasselbe Dankesfoto mit ihrem ganz persönlichen Adoptiv-Schimpansen erhalten. Aber diese sehen ja irgendwie alle gleich aus. Ist dies nun auch rassistisch?

Spielt aber auch keine Rolle mehr, weil mir das soziale Netzwerk mitteilt, dass ich sowieso der schlechteste Mensch auf Erden bin. Dreiviertel tot dazu.
Nicht nur, dass ich keinen Strassenhund gerettet habe, auch habe ich den Tag nicht genutzt, weil ich nicht laufen war. Sagt runtastic. Ich muss jede Minute damit rechnen, dem Skorbut zu erliegen, weil ich zum Frühstück keine Orange gepresst haben. Ganz zu schweigen davon, dass ich mein Augenlicht verliere, da auch kein Spinat Eingang in meinen Smoothie fand. Wie auch, ohne den tollen Smoothiemaker von Galaxus. Und ohne Spinat.
Vielmehr schrumpelt meine Männlichkeit und die Leber versagt, weil ich drei Dosen Bier und eine Flasche Wein getrunken habe. Weil dies ohne speziellen Maker funktioniert.
Auch versäumte ich es, inne zu halten und in mich zu hören um das ganz spezielle Glück zu finden. Da mir dieser eine spezielle, aber nicht perfekte, Mensch an meiner Seite fehlt, ohne den das Leben sowieso sinnlos ist, sollte ich an sich einen Strick nehmen. Gerade weil ich keinen Hund habe, weil mich, Mutti und Vati eingeschlossen, nie jemand so lieben wird, wie es ein Hund kann. Also da sind die Menschen mit Tierhaar-Allergien mal so richtig am Arsch. Ungeliebt auf Lebenszeit.
Nicht mehr lange; Die globale Erwärmung kriegt uns. Übermorgen. Weil wir Auto fahren. Oder vielleicht auch erst nach dem absolut geilen Super-Sommer mit der Tropenhitze. Welchen wir haben, weil wir Auto fahren. Ja, man darf hin und her gerissen sein.

Nun sollte ich noch einen Like setzen, weil die Schweizer Fussball-Nati trotz Ausscheiden Sieger der Herzen sind. Mache ich nicht, denn unterm Strich habt ihr einfach einen Penalty vergeigt. Nein, könnte ich nicht besser, aber ist ja auch nicht mein Job.
Wenn euch der Dachstock auf die Birne knallt, ist der Hubert nicht Sieger der Herzen, weil er geschwitzt hat wie ein Schwein (ja ich weiss, Schweine schwitzen nicht), er hat einfach schlampig gearbeitet.

Das Tolle an diesem sozialen Netzwerk; Mit einem Klick oben rechts ist der Bildschirm wieder leer. Und man stellt fest, dass das Leben mit dieser Plattform gar nicht so viel gemein hat.

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Herr, gib mir die Gelassenheit

Geistige Vergewaltigung möchte ich es nennen.
Ob diese Ausdrucksweise so existiert entzieht sich meiner Kenntnis, mein Bruder – der Beste von allen – hat ihn dereinst benutzt und er passt meines Erachtens auf so manche Situation des Lebens.
Sagt der, welcher auf seiner täglichen Pendlerfahrt SWR4-Schlagerradio hört. Wenn eine Helene Fischer, Protagonistin der schmutzigen Fantasien bis Fremdgehgelüste jedes dritten deutschen Mannes (Focus berichtete), mir singend weismachen will, dass sie den Mann ihrer Träume nicht kriegen kann. Das Radio kann ich ausschalten, so Semino Rossi zu oft den Himmel, Mond und Sterne besäuselt oder der peinliche Schweizer Schlagerexport mit dem Chronographen als Namensvetter einmal mehr den Fuss in die Apres-Ski Hütte zu setzen versucht.

Im Gegensatz zu so manchen Zeitgenossen. Welchen man hilflos ausgeliefert ist, was einer Vergewaltigung doch schon sehr nahe kommt.
Sich fremdschämen zeugt zu einem gewissen Mass von mangelndem Selbstwertgefühl. Man legt nicht das Selbstbewusstsein an den Tag, neben jemandem zu stehen, welcher nicht nur unfähig ist, seine Köperfunktionen zu kontrollieren, nein, beim entfliehen allfälliger Darmwinde gerne noch auf ein Podest stehen würde. Mit der Hose in der Kniekehle. In der Überzeugung, hier eine ganz grosse Leistung zu vollbringen. Nicht, dass er für die Grossartigkeit seines Tuns noch Beifall brauchen würde um sich der grandiosen Tat vollends bewusst zu werden, nimmt er das Gelächter doch sehr gerne an. Und wirklich vollbracht ist das Werk, wenn die Geruchsemissionen einem die Zehennägel rollen.

Für gewöhnlich stehe ich sinnbildlich für den Partycrasher, weil ich mir beim besten Willen keine Faszination für solcherlei Tun abgewinnen kann, auch wenn ein Aufstossen die Scheiben erzittern lässt. Es wird mir dann eine gewisse Verklemmtheit attestiert.
Allerdings habe ich damit auch eine Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei Karte, wenn es um die Teilnahme an einer kollektiven, abendlichen Freizeitbeschäftigung in meiner Region geht. Mit der Aussage, dass wir Schaffhauser ganz entsetzlich langweilig sind, weil wir die Freude an natürlichen Körperfunktionen bereits in der Primarschule verlieren und dies auch nach übermässigem Alkoholgenuss nicht in diesem Masse zelebrieren, wie es ihnen vielleicht angemessen erscheinen würde, wären unsere Gefielde wohl kaum ein Tempel des Amüsements.
Müssig zu erklären, dass grosse Fragezeichen durch den Raum schweben. Meine heimliche Freude, ich bediene mich gerne Wörter, welche die mir aufgezwungen Mitmenschen nicht verstehen. Wie Türklingel und Computer. Oder formuliere Sätze, deren verbal gesetztes Komma die Aufnahmekapazität ihres Geistes übersteigen.

So stosse ich in das Gebiet der geistigen Vergewaltigung vor.
Ich stehe des öfteren an einem Punkt, welcher über Fremdschämen hinaus geht. Weil da einfach kein Fremder ist, vor welchem ich mich schämen müsste. Es ist mir in meinem Innersten unangenehm, einem Gespräch beiwohnen zu müssen, deren Überraschungseffekt nur darin begründet, dass hinsichtlich fallendem Niveau keine Grenze gesetzt werden kann.
Vielleicht bin ich auch einfach entsetzlich prüde. Also diesen Witz mit der Taubstummen-Hose, wer kennt ihn nicht. War noch nicht einmal in den 90-ern wirklich lustig. Doch es gibt erwachsene Menschen, welche diesen Spruch noch heute in den Raum schmeissen und rundherum kugeln sich Zuhörer vor lachen. Auf diesem Level kann es den ganzen Tag weitergehen. Welche Aussage auch immer auf eine verdorben sexuelle Weise interpretiert werden kann, wird so ausgeführt, mit peinlichem, nach Bestätigung heischenden Lachen. Bisweilen können im Rahmen einer Kaffeepause keine normalen drei Sätze am Stück abgehandelt werden. Zur grossen Erheiterung aller.
Als Erklärung für mein entnervtes Augenrollen bleibt mir jeweils nur die Erklärung, dass ich wohl zu schüchtern wäre, an ihren potenten Gesprächen teilnehmen zu können.Freud hätte wohl seine helle… ähm Freude an diesen Zeitgenossen.

Mein „Schaffhauser Intelligenzblatt“ wirkt wie die Times. Oder NZZ.
Die Zeitgenossen informieren sich ausschliesslich über die Gratis-App 20min. Wenn sie sich der Informationen ganz sicher sein wollen, ziehen sie als Zweitmeinung den Blick hinzu.
Und dann wird politisiert. Begonnen bei der Aussage, welchen Bundesrat sie das nächste Mal bestimmt nicht mehr wählen, dass wir uns doch von der EU in Berlin nicht sagen lassen, was wir zu tun hätten, oder dass Grossbritannien einen grossen Fehler machen würden, wenn sie besagter EU beitreten würden.
Absolut keine Option ist das Eingeständnis, von einer Thematik keine Ahnung zu haben. Geschweige denn einer Diskussion still beizuwohnen. Statt lauschend den eigenen Horizont zu erweitern, bringt man bei erstbester Gelegenheit seine Argumente lautstark ein, welche mit der Thematik soviel gemein haben wir Kirschkerne mit Apfelmus.
Ein betretenes „Ähm… Ja….“ der übrigen Diskussionsteilnehmer lässt einem nicht innehalten und die eigenen Aussage nochmals überdenken, vielmehr doppelt man nach, um auch jeden Zweifel daran auszuräumen, ob sich hier wirklich ein offensichtlich geistig etwas beeinträchtigter Mensch an einem erwachsenen Gespräch beteiligen will.

Natürlich besteht nicht das komplette tägliche Umfeld aus solch einfachen Geschöpfen. Aber würde nur jeder dritte Satz im Raum den Umweg über ein Gehirn nehmen, wäre es schon ordentlich still. Vermute ich; Natürlich setzt dies voraus, dass die Begebenheiten für beschriebenen Umweg vorhanden sind.
Es ist unglaublich, wie viele Menschen ihr Mundwerk einfach benützen um die Stille zu vertreiben. Völlig unsinnige Sätze werden von total belanglosen Aussagen unterbrochen und selbst wenn der Mund keine vollständigen Laute artikuliert, gibt er einfach irgendwelche Brumm-, Zisch-, Schnalz- oder Grunzlaute von sich. Bisweilen eine Kombination von allem.
Und der Höflichkeit halber ringe ich mir dann und wann eine Reaktion ab, weil man sie ja nicht permanent ignorieren kann. Ganz schön anstrengend. Ich bin nur bis zu einem gewissen Mass fähig an sinnlosen Konversationen teilnehmen zu können. Danach grenzt es an Nötigung.
Ob ich damit bei der HR vorstellig werden könnte?

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Griechenland für Dummies

Für Dummies, weil ich selber einer bin und zu meinem besseren Verständnis Dinge gerne niederschreibe. In meiner unendlichen Grosszügigkeit teile ich meine Erkenntis auf ‚Hier kommt die Maus‘-Level gerne mit der Mitwelt. Ohne 100%-Gewähr auf die tatsächliche Grösse des Fallschirms.

Für natürliche Personen, des Jonglieren mit fremden Geldern unkundig, ist die Griechenlandkrise eine eher undurchsichtige Geschichte.
Krise, für wen überhaupt? Gewiss nicht für die Griechen. Ich komme nicht umhin zu fragen, sind die Hellenen entsetzlich faul, etwas dümmlich, furchtbar gewitzt oder etwas von allem?

Festhalten kann man, sie haben die Eurozone dazu gebracht, einen toten Gaul zu reiten. Dies mag nicht die grosse Kunst sein, da die EU als solches eigentlich gar kein eigenes Geld hat und daher äusserst grosszügig mit den angeforderten Mit- und Nichtmitgliederbeiträgen umgeht, dennoch möchte ich den griechischen Premierministern – die haben übrigens ein Halbwertszeit von ungefähr 5 Monaten – ein Kränzchen winden.griechenland-fallschirm

Wir sind etwas abgestumpft. Eine Million war einst ein unermesslich grosser Batzen, eine Milliarde kannte man nur als Poolinhalt des reichen Erpels in Entenhausen. Heute werden täglich dreistellige Milliardenbeträge durch die Welt geschaufelt, nur ein Narr glaubt, dass diese Geldmenge in irgendeiner Form durch einen realen Gegenwert gedeckt ist. Von diesem System hat man sich schon vor geraumer Zeit verabschiedet, weil die Welt schlichtweg nicht mehr funktionieren würde. Das Privileg Geld zu drucken besitzen nicht viele, Geld schaffen kann aber eigentlich jede Bank. Daher kommt man nicht nur vom Gegenwert des Geldes weg, wir schaffen das greifbare Geld komplett ab.
Giralgeld nennt sich dies. Ganz kurz erklärt; Ich baue ein Haus, brauche dazu von der Bank 400’000 Franken. Als Pfand gebe ich mein Haus, meine Seele und taufe den Erstgeborenen Sergio oder so. Um die Geldproduktion nicht absurdum zu treiben, muss die Bank bei der Nationalbank einen symbolischen Batzen in Real-Wert hinterlegen. Einen Goldbarren in etwa. Dieser beträgt bei meinem Häuschen ungefähr 8000 Franken. Dafür ist die Bank nun um 392’000 Franken reicher, welche sie mir wohl übergeben hat, diese jedoch mit Gewinn (Zinsen) zurück erhält. Geld aus dem Nichts.

Soweit die Basis; Was ist denn nun in Griechenland los.
Heute las ich, dass der Eurorettungsfonds (ESM) 7,5 Milliarden Euro nach Griechenland sendet. Um einen Kollaps zu verhindern, wenn die Rückzahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB) fällig werden.
Dies machte mich stutzig. Für den Normalbürger liest sich dies in etwa so; Die EU gibt den Griechen Geld um ihre Schulden bei der EU zu bezahlen. Und dies, obwohl die EU als solches eigentlich gar kein Geld hat. Ein goldenes Nienewägeli mit silbernem Nüteli inneliegend wird auf dem Kontinent im Kreis geschoben.
Und was zahlen die Griechen hier überhaupt zurück? Da war doch mehr Geld im Spiel?
Richtig, 226,88 Milliarden Euro. Und weil dies irgendwie noch nicht reicht, man die Griechen aber unbedingt im Euro-Boot halten will, hat man ihnen nochmals 86 Milliarden Euro versprochen. Man hält jedoch seit Ende letzten Jahres noch den moralischen Finger auf dem Kässeli, weil Griechenland mit versprochenen Reformen ein wenig im Rückstand ist.

Aber sie bemühen sich sehr mit der Umsetzung, daher als Zustupf diese 7,5 Milliarden. Sie haben Gesetze verabschiedet und sind sehr zuversichtlich. Greifen müssen dies erst im Jahre 2018, bis dahin kann man noch viel Sahne vom Eurotopf abschöpfen. 2,8 Milliarden kommen im September.

Der Durchschnittsbürger hat schon längst den Faden verloren.
Warum ist es eigentlich so wichtig, dass Griechenland im Euroraum verbleibt?Wegen des Geldes. Also nicht das Geld der Griechen, die haben ja keines, aber das Geld aller Investoren, welches nun in Griechenland liegt.

Warum Griechenland überhaupt in die Euro gekommen ist bleibt ein Rätsel. Für meine Wenigkeit, weil ich mich einfach zuwenig damit befasst habe. Vielleicht hatten sie einfach Charme, sind nette Kerle und die Inseln sind so hübsch.
Griechenland kam mit einer hübschen Staatsverschuldung in die EU. Und zwar 104 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Das Bruttoinlandprodukt ist die Summe der im Land produzierten Güter und erbrachten Dienstleistungen und dient dem Vergleich von Staaten. So ganz salopp gesagt.
Das bedeutet nun, alle, also jeder einzelne Grieche, müssten ein Jahr kostenlos arbeiten, jeden Ertrag abgeben, damit die Regierung ihre Schulden bei den Gläubigern bezahlen könnte. Diese ohne Zinsen und davon ausgehend, dass der Staat in dieser Zeit kein weiteres Geld benötigt.
Also unmöglich. Gerade in Griechenland.
Weil, hier kommen wir zu den angestrebten Reformen; Griechenland zahlt zum Beispiel ein 14. Monatsgehalt, oder auch Renten an bereits verstorbene Mitbürger. Sie haben dies mit der Kontrolle einfach nicht so im Griff. Ist jedoch ein Auflage der EU, um weiterhin dabei bleiben zu dürfen. Respektive Geld zu erhalten.

Ich möchte Griechenland mit einem alten Auto vergleichen. Man hat das Lenkungsspiel einstellen lassen und die Kupplung erneuert. Nun leckt noch der Kühler und das Rücklicht links flackert. Einen Monat danach zuckeln die Bremsen und die Winterreifen wären fällig. Man muss diese Franken auch noch investieren, weil die vorgehenden Reparaturen für die Katz gewesen wären. Statt, dass man einen Schnitt macht und das Ding auf den Müll stellt, schraubt man immer weiter. Obwohl man auf keinen grünen Zweig kommt, es steckt einfach zu viel Geld drin um aufzuhören.
So ist es mit Griechenland.
Geht es hopps, sind Milliarden futsch. Also sind es eigentlich jetzt schon, aber die Hoffnung, diese kommen wieder stirbt zuletzt.
Tritt Griechenland nun aus der Euro aus, sind die Investitionen der Banken weg. Um diese wieder aufzufangen, würden sie die Kreditvergabe einschränken. Respektive, keine Kreditvergabe zu Dumpingpreisen, denn nun muss erstmal Kohle rein. Giralgeld ist wohl kein richtiges Geld, aber in den Bilanzen doch vorhanden.
Ergo, die Unternehmen könnten kein Geld mehr beziehen um Investitionen zu tätigen. Wir wissen, der Jahresgewinn ist nur ein Zwischenstand, Unternehmen müssen stetig wachsen. Warum ist wieder ein Kapitel für sich.
Also, erst Stillstand, dann würde die Produktion allmählich zurückfahren. Weniger Produktion bedeutet weniger Arbeitsplätze. Weniger Arbeitsplätze mehr Arbeitslose. Keine Arbeit mehr, weniger verfügbares Einkommen für den Einzelnen. Kaufkraft sinkt. Wo keine Nachfrage geht die Produktion weiter zurück. Eine Endlosspirale. Oder einfach gesaht: Bumm, Rezession.
Das Vertrauen in die ohnehin schon schwächlich dastehende EU könnte hopps gehen, Wasser auf die Mühle für X-exit-Befürworter.
Dies würde wiederum eine Bankenkrise heraufbeschwören. Griechen würden ihre Notgroschen holen, bevor ihre wertvollen Euro in wertlose Drachmen oder sonst eine Muschelwährung umgewandelt werden.
Sie würden wohl zu spät kommen. Nicht jedoch die Bewohner anderer Länder, welche mehr aus Goodwill in der Euro sind. Zum Beispiel Spanien. Alle Spanier holen ihr Geld ab und senden es in die Schweiz. Sicherer Hafen. Dies mag noch nicht so tragisch sein, denn wir wissen ja, die Banken brauchen kein Bares von Kleinanlegern, Stichwort Giralgeld. Aber wenn das Volk nervös wird, werden es Grossinvestoren erst recht. Sprich alle Banken, welche in besagten gefährdeten Ländern investiert haben. Die wollen ihre Einlagen zurück. Ganz schnell, mit Zinsen. Das Land kann nicht zahlen und schon schliesst sich der Kreis, wir haben ein neues Griechenland geschaffen, nur dass es nun eben Spanien heisst.

Ich habe die Frage unbeantwortet gelassen, warum die EU Griechenland Geld gibt um die Schulden bei der EU zu tilgen. Die ganze Sache finde ich ob ihrer Verzwicktheit interessant.
Kluge Menschen pflegen zu sagen; Ich könnte es dir erklären, aber du würdest es sowieso nicht verstehen. Womit sich die klugen Menschen selber disqualifizieren. Meines Erachtens hat jemand eine Materie wirklich verstanden, wenn er dem Gegenüber einen komplexen Sachverhalt erläutern kann, ohne dass sich dieser wie ein Trottel fühlt. Im Gegenteil, dem Schüler vermittelt, dass sein Wissensstand eine ideale Basis für das zu Vermittelnde darstellt und ihn motiviert, sein Wissen auszubauen.
Aber dies ist ein anderes Kapitel.
Also, ich habe den Euro-Rettungsschirm auch nicht komplett verstanden. Ganz simpel ausgedrückt; Man bezahlt mit der Visa-Karte die Rechnung der Mastercard und America-Express muss für die Mastercard hinhalten. Dies versteht jeder und jeder weiss, dass es irgendwann nicht mehr funktioniert.
Der Vorteil der Staaten besteht jedoch darin, dass die Geldquelle beinahe unersättlich ist. Weil Du und ich die Geldquelle darstellen.
Die EU besitzt, analog den Kreditkarten, vier Geldkisten um Länder zu stützen. Jede Massnahme mit einem anderen Namen, anderen Auflagen aber unter dem Strich mit dem selben Effekt. Es wird Geld in ein marrodes Finanzsystem gespritzt.
Das Geld dafür kommt nach einem speziellen Bezugsschlüssel von allem Mitgliedsstaaten und interessierten Nichtmitgliedern. Also die Schweiz. Wobei die Politik entscheidet, ob man ein interessiertes Nichtmitglied ist.
Wobei Staaten, dies habt ihr richtig bemerkt, eigentlich ja kein Geld haben.

Und so landen wir, wo eigentlich jede globale Krise landet. Hinten rechts auf halber Höhe. In deiner Brieftasche.
Ohne das Wort auszusprechen formuliert sich eine nette Metapher.

Eigentlich wollte ich diese EU-Sache nur am Rande bemerken.
Denn die Schweiz hat billateral ihre eigenen Geldsorgen. Aber zur KOF-Prognose und der Tabaksteuer kann ich ja morgen noch schreiben.
Nun muss ich in die Migros, solange ein Franken noch ein Franken ist.

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Abt. Kunst – Herr Meyer II

Sie kann ein Mahnmal sein, bisweilen gar als solche konzipiert.

Ich kann es nicht lassen, nun möchte auch ich mich zu Schaffhausen’s berühmtesten Hemd äussern. herr-meyer-iiWar schon einmal in Gebrauch, aber vielleicht – dem Bluthund auf der Fährte gleich nähert man sich, die Nüstern gebläht – vorsichtig den Ärmel ein wenig anheben.
Gerade die männlichen Vertreter der dominierenden Spezies pflegen dieses System der Sortierung. Vielleicht die Damen auch, würden dies jedoch viel dezenter gestalten und unter keinen Umständen öffentlich bekunden. Diese drei Wäschehaufen. Sauber. Schmutzig. Schmutzig aber geht noch.

Das Hemd am Bügel.
Es wäre, sichtlich meines Kunstunverständisses, vermessen von erstmalig zu sprechen, doch hätte man gewiss einige Schritte zu gehen, zu erkunden, wo auf diesem Planeten, so wenn, ein Stück durchgeschwitzte Baumwolle höher dotiert wurde. Ohne, dass ein Prominenter darin transpiriert hätte, notabene. Gerade dieser Aspekt hebt das Kleidungsstück in künstlerische Sphären.

Es könnte jedermannes Hemd sein. Und schrammen schon gefährlich am Genderabgrund entlang. Mann. Möchte die Künstlerin zum Ausdruck bringen, dass Männer in beinahe abstossender Weise zum transpirieren neigen? Dass nur der Einfältigkeit eines Mannes entwachsen könne, ein ganz offensichtlich dem Waschvorgang angedachtes Kleidungsstück mit ordentlich geschlossener Knopfleiste an einen Bügel zu hängen?
Gar, dass Mann dies als Mahnmal für seine Gattin aufhängt; Siehst du die Arbeit, Weib, einem Torbogen gleich an exponierter Stelle positioniert, der stetigen Erinnerung deiner Pflicht?
Die Kunstverständigen schlagen sich die Hand vor den Mund, schreiten, nein prallen gegen imaginäre Wände und gedachte Grenzen, mit weiss hervortretenden Knöcheln umkrallen sie das Rieslingglas. Die Stille greifbar, unangenehm, der Brückenschlag zur Unterdrückung.

Es ist doch nur ein Hemd.
Die entzückte Direktorin des Museums zu Allerheiligen spricht auch von Frau Jedermann. Einem Fürwort gleich überflügelt das vorgestellte Substantiv die Silbe Mann.
Es ist ein symbolischer Akt. Frau hängt das verschwitzte Männerhemd an den Haken.
An den Haken hängen.
Man schliesst mit einer Sache ab. Das Thema ist erledigt. Du möchtest saubere Kleidung? Wasche sie. Mann! Das Kleidungsstück verbleibt nicht einfach im Wäschebeutel, der Verdacht könnte keimen, es hätte sich unbeabsichtigt von der übrigen Waschsame abgesetzt. Vergessen gegangen, könnte man denken.
Oh nein. Sehr wohl bemerkt und bewusst ignoriert, muss die Botschaft klingen. So wird es nahezu aufreizend drapiert. Ein Fingerzeig an den Gatten, sich den häuslichen Tätigkeiten in angemessenen Schritten zu nähern.

Hörbares Aufatmen, die Finger entspannen sich. Eine Welle leisen Gemurmels füllt die beängstigend gross gewordene Halle, ein gefühltes Zusammenrücken. Männer können das ab. Es ist kein Tanz auf dem Drahtseil, sie vorzuführen und leichtem Hohn preiszugeben. Was nicht auf Stärke zurückzuführen ist. Vielmehr unterstreicht diese betont lässige Haltung des verunglimpften Mannes die Ungerechtigkeit der Welt. Allen Bemühungen zum Trotz steht er immernoch auf diesem Sockel der Selbstherrlichkeit, jede Woge des Genderismus bricht an diesen über Jahrzehnten gegossenen Dollosse, schlägt höhnisch zurück.
Die blosse Anwesenheit des männlichen Geschlechts droht die labile, aufgereizte Stimmung beinahe wieder zu kippen.

Kunst kann nicht jeder.
Zumal Kunst nicht  – mehr? – geschaffen wird; Kunst wird erklärt.

Es sind Worte und Namen, welche die feine Linie zwischen einem aufgehängten Hemd und einem preisgekrönten Kunstwerk ziehen.

Das Licht bricht sich im feinen, beinahe schon gewagten Falz der Ausgusskante. Leichter Schaum an der Innenseite. Wie ein Ausläufer, das Vergessene. Hinterlässt Spuren, ohne, dass selbige Abdrücke in unserem Selbst hinterlassen. Gerade dadurch, dass wir sie sehen, drücken wir mittels des Werkezeugs des Ignorieren ein Höchstmass an Verachtung aus. Ein erkaltetes Überbleibsel welches wir zu gerne übergehen.
Das dunkle Schwarz zieht uns an. Zieht den Betrachter in den Bann, entbrennt ein Feuerwerk des Geschmackes, ohne, dass wir erst davon gekostet, alleine die Vorstellung an die zu erfahrende Wohllust. Dem Gesang der Sirenen gleich steigen leichte Dampfschwaden auf, die Sinne werden betört, fern gelenkt übernimmt das Über-Ich, mechanisch wandert die Hand.
Eine verklärte Handlung, schon an Lüsternheit grenzend überwinden wir die Schwerkraft, schliessen die Hand zur Kralle…

Gut, ich könnte auch einfach so einen Schluck Kaffee trinken.
Oder ihn, mittlerweile kalt, einfach ausgiessen und die Tasse mit den Schmutzrändern in die Maschine legen.
Es wäre dann wohl einfach keine Kunst sondern eine Kaffeetasse.

Hier liegt anscheinend die Grenze. Scheiden sich die Geister.
Max Mustermann blickt auf die Uhr, überlegt, ob er die Tasse gleich auswäscht, oder die Arbeit ruft und er die häuslichen Pflichten auf den Abend verlegt.
Alexandra Meyer versinkt sinnierend im schmutzigen Geschirr und erklärt die Tasse zur Kunst. Nicht nur, dass sie keiner Arbeit nachgehen muss, sie muss noch nicht einmal die Hausarbeit erledigen, weil es Frevel an der Kunst wäre.
Zum Unverständnis von Max Mustermann, weil ihm nicht mal eben 15’000 Franken für das Verbummeln einer Tätigkeit, wie das Waschen eines Hemdes, in den Schoss geworfen werden. Fünfzehntausend Franken sind ein ordentlicher Batzen. Welchem Fond auch immer entnommen, es gibt gewiss eine Menschenseele auf der Welt, welche diesen Obolus einer sinnvolleren Verwendung, als dem monatigen Sinnieren über ein neues Kunstwerk zuzuführen wüsste.
Und disqualifiziert sich damit selbst, als eben den Max Mustermann, welchen er sinnbildlich verkörpert.
Der Mensch legt Zeugnis seines Bildungsgrades, indem er einem Haufen Gemüse oder aufgehängtem Hemd ein Gewicht beimisst, welches gar Atlas in die Knie zwingen würde. Er legt ebenfalls, ein wenig unfreiwillig, Zeugnis seiner beschäftigungslosen, ich möchte beinahe, nein möchte sagen, ein wenig überflüssigen Existenz, indem die Bemühungen das Vakuum zu füllen von einer offensichtlich verkrampften Sinnsuche begleitet werden.

Ein Jury erklärt ein Hemd zu Kunst.
Die Bourgeoisie applaudiert. Erklärt, dass alle, welche sich mit diesem Hemd befassen sich selbst und dem Weltbild ein Stück näher kommen.
Fünfzehntausend Franken wechseln den Besitzer. Begleitet von der Hoffnung, dass die Künstlerin den erlauchten kleinen Kreis im nächsten Jahr aufs neue entzückt.

Kürzer kann ich Überfluss nicht fassen.

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind – vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, rief das – Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters.

Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausrufen zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Salto mortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küßt und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will – da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlußmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

Franz Kafka

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