Wenn Emanzen Kinder erziehen

Männer sind… und Frauen auch

Nur ist es so, dass jene Zeitgenossen, welche uns für den Lebensstil tadeln, häufig weiblichen Geschlechts sind.
Vielleicht liegt es auch an den Tageszeitungen, welche ich mir zu Gemüte führe.

Ich erkenne Parallelen zur Ernährung. Schmeckt es dir, macht es dick.
Macht dir im Leben etwas Spass, dann ist es gewiss schlecht für die Umwelt.
Richte ich mich etwa nach der WWF-Kolumnistin der Schaffhauser Nachrichten, dürfte ich nur soweit verreisen, wie mich die Füsse tragen. Schon das öffentliche Verkehrsmittel zur nächsten Bahnstation verpestet die Luft, mein ökologischer Fussabdruck planiert schon beinahe das Nachbardorf. Natürlich kann ich auf die Eisenbahn umsteigen, aber bitte keinen klimatisierten oder beheizten Wagen. Brennt die Sonne auf das Rollmaterial soll ich eben genügend Wasser mitführen. Nicht in einer Petflasche, sondern in einem Schlauch aus Ziegenhaut. Gefüllt im Dorfweiher. Dass die Spender-Ziege nach einem erfüllten Leben an Altersschwäche gestorben ist muss hier wohl nicht speziell erwähnt werden. Das Fleisch wurde verbuddelt, weil der Konsum desselbigen böse ist. Proteine verursachen Darmwinde und heizen den Körper auf, was wiederum der Atmosphäre nicht zuträglich ist.
Sowieso braucht der Mensch nur, was in der Natur von freiem Willen getrieben wächst und von alleine zu Boden fällt. Wir sollen nicht jagen und nicht ernten.

Die Frau WWF-Kolumnistin brach kürzlich mit ihrer Freundin, weil selbige nach Neuseeland geflogen ist und auf die Klimakompensation verzichtet hat. Respektive, teilte den Lesern mit, sie bitte die gute Freundin zum Vier-Augen-Gespräch, weil sie im Moment der Vorankündigung durch besagte Freundin so geschockt war, dass sie die Sprache erst wieder erlangte, als die Dame bereits im nichtklimakompensierten Flieger sass.

Eine nette Sache, diese Klimakompensation. Und so hübsch verwinkelt. Fluggesellschaften reiben sich gewiss die Hände. Natürlich gibt es diverse Zertifikate, dass mit deiner Abgabe irgendwann, irgendwo ein Baum gepflanzt wird. Um die ganze Sache wirklich zu verfolgen, braucht Dein Notebook jedoch soviel Strom, dass der ganze ökologische Effekt wieder verpufft. Denn wir wissen, Strom verbrauchen ist ja auch böse.

Warum ich mich gerade ereifere?
Weil Frau Gabriela Bonin in der Rubrik Kinderfragen im Migrosmagazin einem siebenjährigen Jungen erklärte, warum gewisse Fahrzeuge zwei Auspuffrohre haben.
Weil Männer dies brauchen um sich als Mann zu fühlen. Und Männern die Umwelt egal sei. Und sie den Lärm brauchen. Weil Frauen eben klüger wären und Elektroautos fahren würden. Aber Männer hätten seit jeher dieses Männlichkeitsproblem. Daher würde er, der siebenjährige Jurij, auch am Wettpinkeln teilnehmen, während Frauen dies überhaupt nicht nachvollziehen können.

Getrieben von technischer Neugierde stellte der Junge eine Frage und Frau Bonin weiss sich nicht anders zu behelfen, als einen Gendervortrag zu halten. Und das Migros Magazin druckt diesen Schrott auch noch.

A propos Gender; Ich erkundigte mich bei meiner mehrsprachigen Französischlehrerin, ob man sich in anderen Sprachen auch mit Dingen DER Fussgängerstreifen und anderen männlich geprägten Ausdrücken herumbalge.
Es ist ein reines First World Problem. Nur wir Deutschsprachige kümmern uns um solchen Schrott. Mehr noch, dentiste, médecin, architecte oder secrétaire ist männlich wie weiblich dasselbe. Und kein Schwein schert sich darum.

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Du, wir müssen reden

„Hey, wie geht es dir? Lass uns mal weggehen und auf die alten Zeiten anstossen“, so auf meinem Smartphone während der Weihnachtstage.

Etwas mehr als ein Jahrzehnt, meine Güte eigentlich näher bei zwei Jahrzehnten, zelebrierten wir den ersten Schnee in der Stadt damit, dass wir uns der Bar deren Name ein karibischer Inselstaat Pate steht, abschossen. Nicht gezielt, die weihnächtliche Vorfreude und das ungezwungene Beisammensein hat dies einfach ergeben. Wenn zwei aufeinanderfolgende Jahre für eine Gewohnheit reichen, hatten wir gewissermassen eine Weihnachtstradition geschaffen.
Nun ist besagte Dame jedoch seit einiger Zeit in den Stand der Ehe getreten.

Wenn glückliche Paare oder gar Personen im Stand der Ehe sich zu den mitunter heiligsten Feiertagen im Jahr bei einem gestandenen Single melden, ist dies schon befremdlich. Gerade die Weihnachtszeit gehört doch dem glücklichen Paar, der Familie hüben und drüben, der aus dem Altenheim angekarrten Kunigunde mit dem Seegrundstück und dem überraschend angereisten Onkel Eddie. Hat man drüben und hüben alle Essen absolviert, Streitigkeiten ausgetragen und sich bis auf bald, aber spätestens zu Ostern, verabschiedet, fotografiert man zuhause die erhaltenen Aufmerksamkeiten für den ebay-Verkauf und dann sind die Feiertage eigentlich auch schon durch.

Warum schreibt man da einer verflossenen Affäre Schrägstich Irgendwie-Beziehung. Natürlich, Festtage sind eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich bei der Ex zu melden. Mit dem unschuldigen Wunsch frohe Festtage zu wünschen kann man gleich sondieren, ob noch eitel Sonnenschein herrscht, oder sich da vielleicht in absehbarer Zeit etwas auftut – in welchem Sinn auch immer. Aber diese Praxis verfolgen an sich eher Männer.

Nun, ich weiss nicht mehr, wie ich die Feiertage verbracht habe. Ich weiss noch, dass ich bei Mutti zwei Flaschen Wein getrunken habe, da ich dem Anstand geschuldet eine mitbrachte und im Minimum eine rote Null aus dem Abend holen wollte. Dann war ich aufgrund der Frühlingstemperaturen draussen am Grillieren und irgendwie sonst beschäftigt.
Jedenfalls hatte ich so gar keine Lust „Auf alte Zeiten anzustossen“, worauf ich die Mitteilung einfach ignorierte.
Natürlich spielt mit, dass der Dame die Ehe, freundlich ausgedrückt, nicht sonderlich gut bekommen ist. Wir werden älter, da ist keiner gefeit, natürlich kann aus einer 38 eine 40 werden, da drehe ich auch keinen Strick draus. Aber wenn man sich solch eine praktische Hausfrau-Frisur scheren lässt, sich die Schminke, welche doch jetzt erst wirklich wichtig werden würde, spart und die feinen Esprit-Kleider einer bequemen Jack Wolfskin Ausverkaufskollektion weicht ist dies gewiss fuchtbar praktisch und bequem, aber die zwei letzten Adjektive könnte man auch strichen. Man ist eben verheiratet, hat den Alten in der Schlinge, braucht nicht mehr attraktiv zu wirken.
Die Damen mögen sich wieder setzen, auch die Männlein geben sich gerne dem verdienten Müssiggang hin. Schon ein wenig weise – und leicht geschmeichelt – gab ich mich, als sich heute ein 20-Jähriger Jüngling im Fitnesscenter erkundigt, warum man mir meine beinahe 40 Jahre nicht ansähe. Nie heiraten mein Junge, nie heiraten.

Hey, man hört so nichts mehr von dir, alles klar? Wollen wir mal weggehen und etwas quatschen?, erschien kurz vor Ostern auf meinem Smartphone.

Ostern?!? Die nächsten heiligen Feiertage, an welchen eigentlich nur Singles Zeit haben. Immerhin muss man den Rolli von Grosstante Kunigunde zur Eiersuche über den Rasen schieben – der Sommer kommt, man geifert nach dem Seegrundstück – mit der Familie in die Messe und der anderen Familie zum Brunch. Das gemeinsame Lachshäppchen am Karfreitag und schon sind die Feiertage wieder durch.
Glücklicherweise hatte ich Urlaub geplant und versprach bei den Gebeinen meiner Grosstante – ohne Seegrundstück – mich danach zu melden und dann sehr gerne zu quatschen.
Obwohl ich nicht weiss, was quatschen.
Im schlimmsten Falle „Hallo, das ist der kleine Karl. Da wären noch Alimente für 8 Jahre – könnte etwa hinkommen – fällig“. Aber da sie eher zu der Art Frau tendiert, welche mit resolut aufstampfenden Fuss auf ihre Rechte als Frau als solche besteht, können wir dies wohl ausschliessen. Zudem stammen sie und ich aus einer unkomplizierten Zeit, als es noch keiner Herabstufung der weiblichen Kreditwürdigkeit gleich kam, wenn Mann das Portemonnaie zückt.
Oder der patente Ehemann ist langfristig nicht die ideale Lösung. Zur Trauung war ich nicht geladen. Nicht, dass ich ihr hätte beiwohnen wollen, aber aus Prinzip hätte ich eine Einladung erwartet. Da Prinzip ist die männliche Form von Zicke. Fällt mir ein, dass ich mich nie offiziell beschwert hatte, weil wir nie „quatschen“ waren, seit sie in den Trauring am Finger trägt.
Oder denn sie will einfach quatschen und von der tollen Ehe erzählen, welche mich so auch nicht wirklich interessiert. Denn sind wir ehrlich; Bei aller Freundschaft, man wünscht keinen Verflossenen den Himmel auf Erden. Einfach aus Prinzip.

Nun drängt sich die Quatscherei beinahe auf. Ich bin ein schreckliches Gewohnheitstier. Sie arbeitet bei meinem Zahnarzt, was zur Folge hat, dass wir uns jedes Jahr einmal sehen. Daher bin ich auch über ihre ehebedingte optische Verwandlung bestens informiert. Nun steht bald wieder einmal eine Dentalhygiene an. Einen guten Zahnarzt muss man hegen und pflegen und somit wohl auch seine Assistentinnen. Coiffeusen haben scharfe Scheren und Dentalassistentinnen die Finger an freiliegenden Nerven in meinem Mund; Dies sind nur zwei Berufsgattungen, mit welchen man es sich nicht verscherzen sollte.

Aber vielleicht könnte ich gleich für nächste Woche einen Zahnreinigungstermin ansetzen. Mit Saugschläuchen, Spiegeln und spitzen Kratzern im Mund leicht sabbernd beteuern, wie ich mich freuen würde bald zu quatschen und darauf bauen, dass sich die Sache innerhalb der nächsten 12 Monate im Sand verläuft.

Lesetipp zum Thema.
Witzig trifft auf erschreckende Selbstreflexion

liebe

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Wie man sich bettet… Im Norden, Teil 2

Ihr habt schon einmal den Komfort eines …; Ach was frage ich, ihr seid Globetrotter, natürlich seid ihr schon einmal in einem Motel abgestiegen!
Ich nicht.

Motels. Was machen wir mit dem Serienkiller im Zeugenschutzprogramm? Ach komm, wir geben ihm zu seinen 12 Identitäten noch einen weiteren Namen und ein Motel.
Was macht der Junge nachdem er seine Eltern gemeuchelt hat? Er führt ein Motel.
Dieser Typ, welcher mitten in einem Gebiet von Generationen der Inzest entsprungenen Rednecks als einziger noch nicht von selbigen gefressen wurde, er führt ein Motel.
Der sexuell verkorkste Sonderling, der sich daran aufgeilt, wenn Igel Kleiderbürsten begatten, führt ein Motel. Mit Gucklöchern in der Tapete und Tunnels in den Zwischenwänden.
Normal. Wollte man die perversen Auswüchse in der Kriminalstatistik senken, man müsste einfach Motels schliessen.
Aber da hätte Hollywood keinen Stoff mehr und hier haben wir auch den Übeltäter meiner verschrobenen Sicht auf Motels.

Das von mir angepeilte Blockhaus wurde nicht von einer Zwergen oder Bärenfamilie in Schuss gehalten, es gehörte einem Motelbetreiber. Mit Mütze und einem dicken Dodge Pick-Up.
Also nicht, dass er es in Schuss gehalten hätte, aber er kassierte das Geld dafür. Nicht Vogue, Bunte und die FHM sind Meister im Photoshop, nein, es sind Hotelbetreiber. Die Bilder sind fototechnisch derart verfiltert, gereinigt, verzerrt und geschmückt, dass nur noch die Zimmernummer mit der Realität übereinstimmt.
So wurde aus einem hübschen Blockhaus ein… nun, es blieb ein Blockhaus, da kann man nichts dagegen sagen.

Mit Stromanschluss, damit hat man schon einmal die Ingalls von unserer kleinen Farm überflügelt. Dieser Stromanschluss speiste unter anderem einen Kühlschrank. Sparsam, erst nachdem ich einen Kippschalter an der Stromleiste betätigt hatte setzte er sich surrend in Gang.
Ob er seiner Kühlfunktion nachkam weiss ich nicht, das kurze Öffnen erwies sich als grosser Fehler. Der Geruch suggerierte mir, dass darin bis vor kurzem nicht nur ein halbes Rentier gelagert wurde, sondern in besagtem Kühlschrank sein Leben ausgehaucht haben muss und nahtlos in den Verwesungsprozess übergegangen war.
Nun gut, ich brauche keinen Kühlschrank.

Die Speisung blieb erhalten, da an derselben Stromleiste ein kleines Kochfeld angeschlossen war. Ein funktionstüchtiges. Dies verriet mir die Gemüsebrühe, welche vor nicht allzu langer Zeit, drei Monate oder so, über die Pfanne ausgetreten sein muss und sich in jeder Kante und Spalte eingebrannt hatte.
Kann ja mal passieren und ich habe durchaus Verständnis, dass ein solches Ding unglaublich mühselig zu reinigen ist. Versucht haben sie es, davon zeugte der sich zersetzende, schimmelgraue Reinigungslappen neben dem Spühlbecken.

Auf der Platte stand eine Art Wasserkochkesseltopf. Oder wie die Dinger heissen. Ihr wisst schon, diese Krüge welche im Horrorfilm plötzlich pfeifen. Diese Gefahr bestand nicht. Der Ausguss hatte keinen Schnabel mehr und der Deckel war der in Form gebogene Boden einer alten Konservendose. Gemüsesuppe oder so. Irgendwie schien auch der Kocherkesseltopf von der Gemüsebrühe abgekriegt zu haben, er blieb widerspenstig an meinen Fingern hängen.
Ich kann ohne Kühlschrank, aber nicht ohne Topf, respektive Kaffee. Glücklicherweise hatte ich meine eigene Tasse dabei, weil meine geliebte Email-Tasse irgendwie immer in mein Reisegepäck fällt. So war ich davor bewahrt auf die in einer akribischen Präsenzliste festgehaltenen Sammlung von Altmetall und Keramikscherben im Hängeschrank zurückgreifen zu müssen. Der Illusion hingebend, dass sich jeder Keim abtöten lässt wenn man nur genügend Hitze darunter setzt, kochte ich den Topf aus, bis sich beinahe der Boden blähte. Mit Wasser, welches ich in einem 5-Liter Kannister im nahegelegenen Supermarkt erstand. Dazu später mehr.
Da war schon fliessend Wasser in der Hütte. Es roch nach Rost. Oder Blut. Kam jedoch irritierend untransparent, weisslich aus dem Wasserhahn.

Wo Wasser, da auch eine Waschgelegenheit. War vorhanden. Das Wasser floss in der Küche wärmer als im „Bad“, obwohl der Boiler gleich in der Dusche stand. Muss wohl an den komplexen Armaturen gelegen haben.
Ja, der Boiler stand, respektive hing in der Dusche. Denke es war ein Durchlauferhitzer. Mit Stromanschluss und allem was dazu gehört. Also auch einer offenen Steckdose. Gleich gegenüber, wir sprechen von 40 Zentimeter, eine Duschstange mit Brause. Selbstverständlich war ein Duschvorhang vorhanden, welcher aufgrund der unglücklichen Montage der Duschvorhangstange die Toilette auch gleich in die Duschparzelle mit einbezog. Verständlicherweise blieb da kein Platz mehr für eine Duschwanne. Vielleicht auch, weil Duschwannen vom Format 43 mal 38 Zentimeter nur in einer pygmäischen Obi-Filiale feilgeboten werden.
Anstelle derer war ein Loch im Boden mit einer schräg hängenden Kunststoffabdeckung. Ähnlich dem Blätterfang in einer Abflussrinne. 15 Zentimeter gross. Wenn man genau guckte, sah man in der dunklen Öffnung Pennywise Luftballons verteilen.
Zur räumlichen Vorstellung der komplexen Nasszelle; Man konnte sich seitlich in die Duschparzelle schieben. In der Front hatte man die Brause vor der Nase, im Kreuz den Durchlauferhitzer mit dem offenen Stromanschluss, zur Linken ein kleines Fenster, zur Rechten die Toilettenschüssel und nach selbiger den Duschvorhang für ein Hauch Intimität.
Um bei den Pygmäen zu bleiben, wer mit Oberschenkel von einer ordentlichen europäischen Durchschnittslänge ausgerüstet wurde, hatte keine Chance auf der Keramik Platz zu nehmen. Die Knie passten nicht zwischen die gegenüberliegende Wand und der Schüssel. Man nahm also eine leicht seitliche Position ein, glücklicherweise bot die im Rahmen etwas zurückversetzte Tür den erforderlichen Platz. In der Lage schon unbequem, war die Toilette lose auf dem Boden platziert. Also, da waren schon Schrauben. Oder zumindest Schraubenköpfe, der Teufel soll mich holen meine Finger an diese Dinger zu halten um den Sitz zu überprüfen. Die gesamte Sache war äusserst instabil und nur die Platzverhältnisse verhinderten, dass man mitsamt der Keramik seitlich wegkippte.
Die Papierrolle war zur Rechten neben dem Waschbecken und mit Vorteil beim Händewaschen zu entfernen. Diese einlagige Luxusseide neigte dazu, sich nur schon beim Geräusch von Wasser in nichts aufzulösen.
War die Rolle entfernt, empfahl es sich dennoch aufzupassen wie ein Heftlimacher. Gleich unter selbiger waren die offenen Schlitze der Elektroheizung. Man ging automatisch in einen sehr sorgfältigen Umgang mit dem Nass über.

Nun, ich pflegte eine Woche lang die Kultur der Katzenwäsche. Zum einen war ich sowieso nur in der Natur unterwegs, zum anderen musste ich im Flieger ja nicht neben mir sitzen.

Zwei Etagenbetten und ein Doppelbett füllten den Hauptraum, welcher doch eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlte. Das haben Blockhütten nun mal so an sich. Nackte Matratzen und unbezogene Decken. Beides nicht sehr anmächelig, da lobe ich mir eine in Plastik geschlagene Schaumstoffmatte.
Ob ich Bettwäsche benötige, wurde ich gefragt. Und Handtücher. Sehr gerne. Würde er vermieten, der verdammte finnische Pfennigfuchser.
Es blieb beim würden. Die Motelrezeption war stets verschlossen, wollte ich ihn erreichen, musste ich mit meinem mobilen Telephon ein Ferngespräch führen. Von der Vortreppe durch eine Holztür in die Küche dahinter. Er gab vor, stets in selbiger zu sein.
By the way, ob ich zum Frühstück jeweils rüberkommen wollte. Die hygienischen Zustände in der Blockhütte vor Augen winkte ich beinahe überschwänglich ab.

Natürlich war auch ein Schlafsack in meinem Gepäck. Ein Cats meow von North Face. Warum die ihre Schlappröhren miauende Katzen nennen weiss der Geier, jedenfalls war ich sehr glücklich über selbigen. Ja, auch Salewa bietet Mumien-Schlafsäcke an, es ist nicht so, dass ich untreu geworden wäre. Nur zapple ich gerne ein wenig im Schlaf, packe auch mal die Kleider rein und bei Salewa-Mumien ist der Name Programm.

Achtung Bildungsauftrag:
Beim Kauf von Schlafsäcken stösst ihr auf drei Temperaturen und kein Schwein weiss, was das soll.
Also: Die Komfort-Temperatur gibt an, bei welcher Aussentemperatur eine Standardfrau gerade noch nicht friert. Die europäische Standardfrau mit der EN-Nummer 13537 ist 25 Jahre alt, 60 Kilogramm schwer und 160 Zentimeter gross.
Die Limit-Temperatur gibt an, bei welcher Aussentemperatur der Durchschnittsmann – 25 Jahre, 70 Kilogramm und 173 Zentimeter gross – gerade noch nicht friert und die Durchschnittsfrau gerade noch überleben würde.
Die Extrem-Temperatur wäre dann so die beidseitige Schwelle zum Erfrierungstod.
Ob ihr Kunstfaser oder Daunen wollt ist eine Komfortfrage. Daunen sind immernoch der Inbegriff für furchtbar muggelig, natürlich und diesen Hauch Dekadenz, man hat Geld. Meine Wenigkeit trägt ungerne eine tote nasse Gans durch die Landschaft, weswegen ich auf schnell trocknende Kunstfasern setze.

Weiter im Text; Der miauende Katzenschlafsack der Nordwand in Verbindung mit meiner klimabedingten trockenen Haut sorgte beim reingleiten für ein knisterndes Nordlicht. Eine beinahe kindliche Freude zeigte ich an diesem fluoreszierenden Reissverschluss, wohlwissend, dass er wohl nuklear beschichtet war.
Erholsamen Schlaf finde ich bei 4 Grad unter einer leichten Sommerdecke. Mit dem Klima nicht so vertraut, wählte ich aus meinem Sortiment den Schlafsack mit der Limittemperatur von -7 Grad. Um Mitternacht kühlte ich meinen überhitzten Organismus und tanzte in der Buxe im Schnee.

Am nächsten Tag erstand ich ein Leintuch – ich meine die heissen immer noch so – um über der versifften Matratze eine illusiorische keimfreie Zone zu schaffen und entwickelte eine Methode, einen Mumienschlafsack zur Decke umzuwandeln.

Nun, ich benötige 24 Stunden, oder eine Nacht, um meinen Körper an eine hygienisch bedenkliche Umgebung anzupassen. In etwa Camping-Plätze, Drei-Stern-Hotels, Zivilschutzunterkünfte oder an Motels angehängte Blockhäuser. Und Unmengen an Küchenpapier. Ich denke, mein Umgang mit der Panik vor Kreuzkontamination wäre eine äusserst unterhaltsame Situationskomik, Monk lässt grüssen.
Aber, mit erhobenem Finger, dies bezieht sich nur auf den Umgang mit durch Menschen verunreinigte Oberflächen. In der Natur holt man sich keine Krankheiten, so schauts aus.

Dies war die Hütte. Auf Einbauschränke gefüllt mit russischen Nahrungsmitteln, oder nuklearen Abfällen, in Koservenendosen oder die ausgelegten Läufer und Teppiche will ich gar nicht eingehen. Ich habe diesen Mikrokosmos und Tummelplatz von Dermatophyten erfolgreich eine Woche verdrängt und will nun keine schlafenden Hunde wecken.

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Ab in den Norden

Wenn man beginnt seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in Urlaub fahren.
Ephraim Kishon

Eine halbe Stunde sollte mir eigentlich reichen.
Meine Tasche aufzugeben, durch den Zoll zu sprinten und Platz zu nehmen. Also 25 Minuten, von diesem Moment an gemessen, in welchem ich die Tasche aus dem Zug wuchte und den Gepäckschalter suche.
Nach reiflicher Überlegung war ich dann doch schon um sechs Uhr am Flughafen. Meinem Vater sei Dank, die öffentlichen Verkehrsbetriebe führen um 5 Uhr in der Früh noch keine Personen aus dem Klettgau an den Bahnhof in Schaffhausen Downtown. Und wenn doch, müsste man wohl mittig der Strecke das Verkehrsmittel wechseln. Wir wollen doch alle öffentlichen Transportmittel gut auslasten. Dem Regierungsrat Dubach sei es gedankt. Wir möchten hoffen, er baut nicht noch den Radweg aus, sonst müssten wir die Katzensteig künftig auf dem Drahtesel bewältigen. Um den Veloverleih zu unterstützen. Bevor wir bei der Scheidegg auf einen städtischen Bus umsteigen, welcher uns zum Bad. Bahnhof bringt, wir die elektrifizierte Bahn bis Beringer Feld benutzen und auf dem Perron stehend der Linie 21 der Regionalbusse winken, welche soeben halb leer in den Klettgau zuckelt.

Kuuuuuu-samo.
Die Dame blickt auf den Tisch hinter ihrer Theke. Sie hätte eine Liste, wie man finnische Destinationen korrekt ausspricht, erklärt sie lächelnd.
Ich meinte gelesen zu haben, dass man finnische Worte exakt so ausspricht, wie sie geschrieben werden. Mit Betonung auf der ersten Silbe. Dies hat irgendwie einen guttural knabbernden Klang, von russisch zu spanisch oder so. Meine Sprachgewandheit ist sehr begrenzt.
Dann würden sie meinen Koffer bei Helsinki gleich weiterleiten, wenn mir dies recht wäre. Ich bitte darum, werte Dame. Sympathisch, diese Finnair.

Die Gepäckaufgabe war eine Sache von 5 Minuten, danach stand ich eine halbe Stunde am Sicherheitscheck.
Hinter mir diskutierten zwei Damen. Zwei Kollegen wollten 8 Monate in New York dümpeln, nun sei einer nach vierzehn Tagen schon wieder zurück. Und er hätte seit sechsundreissig und einer halben Stunde nicht mehr geschrieben. Dabei hätte sie drei Kurzmitteilungen gesandt. Woran dies wohl liegen möge? Was war im Big Apple geschehen? Verstünden sich die Kollegen nicht?
Nachdem das Thema durchgekaut war eine kleine Pause, dann ging es von vorne los.
Drei Kurzmitteilungen hätte sie gesandt, man reagiere doch, wenn man ausserplanmässig zurück komme. Und abermals handelten sie akribisch die wildesten Mutmassungen ab. Ob der eine mehr Nachtleben wolle als der andere, ob es ihnen zu eng wurde.
Pause.
Also das wäre doch nicht normal, auch auf facebook wäre nichts. Und sie hätte einer anderen Kollegin eine Kurzmitteilung gesandt, aber diese hätte auch nichts gehört. Obwohl er dieser sowieso nichts erzählen würde.
Pause.
Also sie hätte sich irgendwie gemolden. Es wäre so untypisch für ihn. Was da wohl geschehen wäre? Ob sie nochmals schreiben solle? Er hätte die Nachrichten nämlich bekommen, sähe sie, weil da….
Ich drehte mich um und anerbot spontan, ich würde dem Gesellen kurz durchklingeln und ihn für sie fragen. Das Thema war für drei Minuten ganz interessant, aber nun hätten sie den toten Gaul langsam genug über die Bühne geschleift.

Natürlich tat ich dies nicht, aber war unendlich dankbar, als ich endlich durch die Schleuse und verschwinden konnte.

Vierzig Minuten in Helsinki um auf den Anschlussflug zu wechseln. Na ja, so gross kann der Flughafen nicht sein, wird schon reichen.
Der Start in Zürich verzögerte sich nach Durchsage um 20 Minuten. Ähnlich dem weiblichen ‚ich komme gleich‘, starteten wir nach einer Stunde. Der Hintern schmerzte mir schon, bevor wir das Land verlassen hatten.
Mit sichtlicher Nervosität erkundigten sich die Leute beim Personal nach den Anschlussflügen. Hinter meinem Sitz hatte eine Dame mit Hund ihren Platz inne. Wusste gar nicht, dass Hunde bei den Passagieren fliegen dürfen. Was war, wenn der mal musste? Oder begann zu kläffen und sich bis zur nächsten Landung nicht mehr einkriegte?
Der Gatte war fünf Reihen vor mir platziert.
Ständig flanierte er im Gang hin und her um die Reisepläne zu besprechen. Mit ordentlicher deutscher Entrüstung hatte er keinerlei Verständnis, dass ein Flieger nicht auf sie warten möchte, würde der nächste doch erst sechs Stunden später gehen. Die Gattin übernahm den Part der Fremdsprachen und somit das schnippische Anschnauzen des Kabinenpersonals. Genauer gesagt war die Svenja höchstpersönlich für die Verspätung verantwortlich, ohne ihr dies weiter zu begründen.
Um zehn erläuterte das Personal, wir wären etwa in einer Stunde da, also knapp nach 12 Uhr. Da hatte ich wohl etwas falsch verstanden, englisch eben, zehn plus 1 ergibt elf, um 11:25 war das Boarding. Ich lehnte mich so entspannt zurück, wie es mein verkrampftes Gesäss zuliess.
Local Time in Helsinki plus one hour krächzte es aus dem Lautsprecher.
Verdammt.
Also nötigte ich Svenja auch noch, wegen meines Anschlussfluges. Boarding um 11:25, ob wir da ein Problem hätten. Also ich hoffe meine englische Formulierung war korrekt, nicht, dass sie dachte, ich hätte ein Problem mit ihr oder wolle Probleme machen, oder ähnlich.
Der Anschlussflug hätte ebenfalls Verspätung, dies sollte klappen.
Nach fünf Minuten tauchte der lächelnde blonde Engel nochmals auf, es wäre dieser Flieger, in welchem ich schon sässe, welcher ab Helsinki nach Kuusamo weiter gehe.
Ja, manchmal bin ich schon ein Sonnenkind.

In Helsinki raus, am Automat eine Tüte Erdnüsse und ein Wasser gezogen, einige Male im Kreis gelaufen und wieder zurück in den Flieger.

Abgesehen von der fehlenden Bordverpflegung – also natürlich kann man sich verpflegen, nur nicht kostenlos – ist Finnair ganz ok. Die Landung war achterbahnmässig sogar richtig spassig und ich hatte den Verdacht, der Flieger schlitterte mehr über die Piste als er rollte.

Kuusamo ist ein ulkiger Flughafen. Als Teil der Lappland-Flughäfen nur eine Piste und ein total überdimensioniertes Terminal. Also so richtig knuffig. Wie Playmobil Artikel 3186-A in gross.
Wenn ich dies richtig interpretierte, landen zwei Flieger pro Tag. Spucken frische, saubere Passagiere von Helsinki aus und nehmen alte, ungewaschene aus der Wildnis wieder zurück.
Der Ausstieg vermittelte mir schon einen Eindruck vom Klima, der Wind wehte mich quasi stehenden Fusses über die eisige Fahrbahn in die Empfangshalle.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty gesehen?
In diesem Terminal gab es ganze vier Schalter für Auto-Vermietung. Schalter ist ein wenig hoch gegriffen, es waren kleine Pappkabinen, ähnlich dem Schalter der Kinderpost. Ich konnte den roten Wagen mit dem blauen Eisschaber oder den blauen Wagen mit dem roten Eisschaber haben.
Ich entschied mich für den roten Ford Fiesta. Mit dem blauen Eisschaber. Nicht weil ich grosser Ford-Fan bin, sondern weil er einfach der günstigste war. Ob ich eine „Rentier Schrägstrich Elch ins Fahrzeug knallen Zusatzversicherung“ abschliessen möchte fragte der ordentlich korpulente Herr, welcher sich bei meiner Ankunft flink wie ein Wiesel von hinten in den Pappschalter quetschte.
Ich wäre dann bis 980 Euro Schaden versichert.
In erster Linie war ich etwas verunsichert, weil ich dachte, dass man mit dem Mietwagen doch grundsätzlich versichert wäre. Ob der freundliche Herr in der Stretch-Hertz-Jacke sich da in die eigene Tasche wirtschaftete?
Was er denn denke? Brauche ich denn eine „Rentier Schrägstrich Elch ins Fahrzeug knallen Zusatzversicherung“?
Es wäre schon ein wenig rutschig draussen, mit Handzeig auf den Parplatz auf welchem das blaue neben dem roten Auto stand. Oder das rote neben dem blauen, denn mehr Fahrzeuge waren da nicht. Vom gelben Volvo Schaufelbagger Schrägstrich Schneepflug abgesehen. Welcher wohl nicht im Hertz-Fahrzeugkatalog steht.
Was es mich denn koste. Schlappe 78 Euro. Wie kommen sie nur auf diese Preise?

Mit einem Wagen im Ausland ist man grundsätzlich auf dem Verliererposten. Auch wenn einem ein Pick-Up mit 80 Sachen rückwärts in die Seite prallt. In den Wagen, welcher ordentlich parkiert war und man eben mal 50 Meter von selbigem entfernt steht. Da muss man nichts regeln wollen. Einfach weil der Holzfäller Olaf dem Polizeihauptwachtmeisterkommissar Sørensen schon im Sandkasten die grüne Schaufel geliehen hat und sie diesen Bund mit kreuz und quer-Hochzeiten in der Familie besiegelt haben.
Also schloss ich die Versicherung ab.

Hertz-Angestellter Pelle hat somit sein Tagessoll wohl absolviert, nach meiner Unterschrift blieb nur das wackelnde Papphäuschen zurück. Den Schlüssel soll ich bei der Abgabe einfach in das Loch im Tresen schmeissen. Und voll tanken, rief es noch bevor die Tür des Terminal-Personalausgang hinter ihm zuschlug.

Hossa macht das Fahren in Finnland Spass!
Die Strassen sind alle weiss und für gewöhnlich so breit, dass drei Ford Fiesta nebeneinander fahren könnten. Nichts desto trotz fahren die Finnen mit einem Rad stets auf der Gegenseite.
Nach einigen Kurven erschloss sich mir auch der Grund dafür. Oder eine mögliche Erklärung, gefragt habe ich niemanden.
Der Schnee ist nicht geräumt, sondern platt gewalzt. Schräg zulaufend, mit dem höchsten Punkt in der Strassenmitte gipfelnd. Fährt man nun eine Linkskurve mit Schuss, und irgendwie fahren alle mit Schuss, würde es einem zwangsläufig etwas aus der Kurve tragen. Die liegt kein Splitt oder so, nur auf absolut blanken Strassen, welche eine starke Steigung aufweisen, schmeissen sie eine Schippe Sand hin.
Wenn man nun jedoch die linken Räder auf der anderen, abfallenden, Seite der Kuppe platziert, kann man den Wagen elegant um die Kurve ziehen. Bei Rechtskurven bleibt der Wagen aufgrund der „Steilwand“ in der Bahn. Und nimmt es einem trotzdem hinaus, liegt links und rechts aufgetürmter Schnee, da schlitzt einem keine Leitplanke die Seite auf.
Angesichts der schmutzstarrenden Karren, machen sich die Finnen keinen Kopf über Kratzer im Lack. Nehme ich an.
Wie schnell man darf oder sollte weiss ich nicht. Tendenziell war ich wohl eher, ängstlicher Tourist, eine Idee zu langsam unterwegs. Aber da der Verkehr sehr überschaubar war, man fährt tatsächlich über Kilometer in totaler Einsamkeit, behinderte ich die Eingeborenen nicht weiter.

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Ein Tag im Leben von…

Auf dem aufsteigenden Ast.
Die Nase läuft, die Lunge grollt, wir sind im Schlusskampf.
Und ich habe keine Minute am Arbeitsplatz gefehlt! Wohl schleudere ich Krankheitserreger um mich wie Bauer Hubert die Jauche auf dem Feld, aber dies gehört in der Schweiz zum guten Ton. Und wenn 80 Prozent der Mitarbeiter ebenfalls so kutschieren, ist der Schaden durch Ansteckung geringfügig.

Es ist schon erstaunlich, was man an Keimen so verteilt.
Ich bevorzuge das Niesen und Husten in die Armbeuge. Nur schon, weil da ein Ärmel ist an welchem man dezent Tröpfchen abwischen kann. Doch durchgesetzt hat sich diese WHO-Empfehlung nicht. Die Menschen halten, wenn man Gück hat, die Hand vors Gesicht. Meine Wenigkeit ergreift selten Initiative bei der Begrüssung per Handschlag. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern einfach weil es eklig ist. Nicht zuletzt aus oben genanntem Grund. Zudem weiss man ja nie, wo die Hand schon war und welch ungezogenen Sachen sie macht, wenn man nicht hinsieht. Umso erstaunlicher, dass ich mit roter, triefender Nase und fiebrigen Augen einer Person gegenüber stehen kann und diese mich zur Begrüssung beinahe in die Arme schliesst. Vielleicht will die Menschheit einfach dahingesiecht werden.
Taschentücher nach einmaligem Gebrauch wegwerfen macht Sinn. Nicht zuletzt, weil das Ding nach einem Schneuzer sowieso durch ist. Und ich verwende nicht die halb-lagigen „Nüteli blau“ für drei Cent die Palette aus Aldi Süd. Es geht auch bei Tempo kuschelweich superfest immer etwas durch an die Finger. Ein Taschentuch gegen Keime ist wohl wie ein Kondom aus Sackleinen gegen Schwangerschaft und gewiss schafft man es nicht, alle sabbrigen Rückstände am Beinkleid abzuwischen. Also nach dem Niesen jetzt.
Auch eine WHO-Empfehlung. Also das wegwerfen, nicht das abwischen. Dennoch zähle ich in meinem Umfeld unzählige Stoff-Nastücher. Da trägt man den eigenen Rotz den ganzen Tag in der rechten vorderen Hosentasche mit sich rum. Irgendwie, als würde man seinen Morgenstuhl gemütlich am Hintern tragen und abends mit der Buxe in den Waschkorb werfen.

Nun, geht einem einfach so durch den Kopf.

Heute habe ich beschlossen, das Rauchen einzustellen.
Meine Bronchien haben jetzt einen wunderbaren Frühlingsputz erhalten. Eine Zigarette anzustecken wäre ja, als würde ich mit Stallstiefeln über einen frisch shamponierten Teppich wandeln.
Natürlich entsage ich dem Glimmstengel nicht komplett. Letztendlich betrachte ich ihn bisweilen durchaus als Genussmittel. Aber ich lasse die Langeweile-, die Gewohnheits- und die Gruppendynamik-Zigarette weg.
Mein Arbeitsplatz erleichtert es mir auch, da das Gesetz für Rauchverbot in öffentlichen Räumen nur greift, wenn die Führungsetage auf Besuch ist. Die letzten Tage habe ich quasi als Aussenstehender beobachtet, wie die Menschen um mich immer wieder in blauen Dunst gehüllt waren. Sie wirkten irgendwie ungesund mit ihren Glimmstengeln und da sie in geschlossenen Räumen standen, wirkte es geradezu ekelerregend.
Irgendwie will ich nicht ekelerregend sein.

Rauchen soll im Kino verboten werden. Also in den Filmen. Fordert die Lungenliga. Neunzig Minuten Autorennen, Köpfe abschlagen, Vergewaltigung, Rassenhass, alles ok, solange der Held danach in einer dreissig-Sekunden-Szene keine Zigarette ansteckt. Weil die Jugend so leicht beeinflussbar ist.
A propros Forderungen; Die Oscar-Jury ist rassistisch. Sie haben keine Schwarzen nominiert.
Pfui.
Übrigens auch keine Inuiten, Tibeter und Syrer. Die haben in der vergangenen Saison wohl auch kein würdiges Filmschaffen an den Tag gelegt, aber darum geht es doch gar nicht.

Dem täglichen Pendlen stehe ich einiges gelassener gegenüber. Durch einen gerissenen Poker hat sich die tägliche Kilometerleistung um 50% und der Zeitaufwand um mindestens 60% reduziert. Ein wenig davon abhängig, wer sonst noch hinter dem Volant klemmt und ich stelle fest; Die lassen wirklich jeden hinters Steuer. Wer nervt euch am meisten?
Oben rangiert der Lichtsignal-Hoppler.
Ich meinte, man fährt hinten an eine Kolonne ran und bleibt stehen. Fertig.
Mit dieser Ansicht stehe ich ziemlich alleine da.
Kaum stehen die Fahrzeuge und beleuchten mit ihren dritten Bremsleuchten – warum müssen die Dinger eigentlich mindestens 150 Watt haben, auf Augenhöhe sein und warum braucht es die überhaupt? – die Umwelt, beginnen die Fahrzeuge zu hoppeln. Einen Meter nach vorne, kaum steht man wieder, abermals einen Meter. Und dies, obwohl das Rotlicht noch keine Sekunde auf grün geschaltet hat.
Wird einem dies zu dümmlich und bleibt einfach stehen, hat man alsbald eine bis zwei Fahrzeuglängen Platz vor einem und die Hintenstehenden schimpfen über den Querulanten. Den Bremsklotz.

Dann die Reissverschluss-Verweigerer.
Ich bin ein grosser Fan des Reissverschlusses, die einzig vernünftige Verkehrsführung in diesem überregulierten System. Mit angemessener Geschwindigkeit bleibt alles stets im Fluss. Bis ein Arschloch kommt und denkt, er sei im Recht. Diese halbe Sekunde Verzögerung läge nicht mehr drin und er hängt sich an des Vordermannes Arsch. So dass die andere Seite bremsen muss. Da viele Personen mit dem Anfahren ihre liebe Mühe haben, muss nun die Seite des Arschlochs ebenfalls anhalten, damit die andere Seite wieder in den Fluss kommt, worauf jene Seite… die ganze Sache ist bereits an die Wand gefahren.

Selbstverständlich nervt auch der Neuhausen – Rafz-Pendler, welcher immer noch nicht geschnallt hat, dass auf deutschen Strassen hundert gefahren werden darf und 110 km/h auch noch bezahlbar sind. So gerine Bussen kennt der Schweizer Strafkatalog schon gar nicht.
Mit einem 80er-Schnitt ist man schon ordentlich flott unterwegs. Und ich spreche nicht von Brummis, dies sind die geringsten Bremsklötze und gewiss auch die unfreiwilligsten. Jupp, als Besitzer des C-Führerausweises bin ich mit Brummifahrern sehr solidarisch und einiges verständnisvoller geworden.
Nein, es sind die bunten Kleinwagen. Von Mamis im Batik-Shirt, mit lustigen Blümchen am Innenspiegel und aufgeklebten Katzenpfötchen auf der Motorhaube. Familienvans mit wertvoller Fracht namens Kevin, Laura und Justin. Nicht zuletzt topgepflegte Opel Astra, welche mal links, mal rechts blinken, stets entgegengesetzt Schlangenlinie fahren und von  alten, fleckigen, verkrampften Händen gelenkt werden.

Dann diese Durchfahrt-Erzwinger.
Eigentlich ist es ihre Mimik, welche mich nervt. Vielleicht auch, weil mich grundsätzlich Lenker mit SH-Nummernschildern welche in Jestetten links auf den Edeka-Parkplatz fahren nerven. Einfach rüberziehen, soll der Entgegenkommende mal bremsen. Dabei blickt man stur gerade aus. Wenn ich es nicht sehe, ist es nicht verboten! Am liebsten würden sie wohl die Augen schliessen, aber dann liefen sie Gefahr ihrem Audi Q7 an der Parpplatzbegrenzung einen Kratzer zu verpassen.
Dieser Audi, welcher danach hinter dem Mercedes am Jestetter Zoll steht. Schon eimal die Menschen beobachtet?
Sie wirken wie jene Leute, welche bei der Migros an der Kasse vorbei quetschen, weil sie den Laden verlassen, ohne etwas gekauft zu haben. Um betonte Lässigkeit bemüht, wissend, dass man trotzdem irgendwie unter Generalverdacht steht, ein Pfund Schokolade unter der Jacke aus dem Ladenlokal zu schmuggeln.
Ein wenig sind sie sich wohl schon bewusst, dass der Gang mit dem Ausfuhrschein ein Walk of Shame ist, dennoch gehen sie trotzig mit dem „Mein gutes Recht, weil der macht ja auch“-Gesicht.Zur Thematik „Hat ihre Tocher eine Lehrstelle? – Nein, wir kaufen im Ausland ein.“

Draussen ist es dunkel.
So als Schlussatz, welcher den Zusammenhang des gesamten Artikels zu einem Ende bringt.

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