Ha do öppis organisiert – let-op guckt Bachelor

Zu beneiden ist der Bachelor nicht.
Unternehmer mit Sixpack steht auf seiner Sedcard, um ihn herum 21 Frauen, welche um seine Aufmerksamkeit buhlen.

Die Ausgangslage mag traumhaft klingen, aber was sich da so um Joel balgt; Irgendwie hat das Innerschweizer Muskelpaket die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Vielleicht ist dies der Grund, dass er irgendwie apathisch an die Sache heran geht.

Offen gesagt, ich habe es noch nicht geschafft, eine vollständige Folge zu sehen. Wurde mir die Darbietung nicht aufgrund der Protagonisten zu dümmlich, vertrieb mich eine der unzähligen Werbepausen. Als würde es diese bei dem ganzen Product-Placement noch brauchen.
Man streitet sich, welches Format für Männer eher geeignet ist. Ist es „Die Bachelorette“ oder „Der Bachelor“?Die Bachelorette sieht ok aus, ja das kann man wirklich stehen lassen, die Show sehenswert machen jedoch die brünftigen Männer. Vom Vierziger in der Midlifecrisis bis zum Milchbubi, das seine ersten Strümpfe noch nicht durchgelaufen hat. Ein einziges anlegen des Zollstocks über hundert Folgen. Wann immer man denkt, noch peinlicher geht es nicht, findet einer noch eine Schublade unter der Schublade.

Im Moment muss man sich jedoch mit dem Bachelor und seinen Bewerberinnen begnügen. Nebst Informatikerinnen, Reiterinnen und irgendwelchen Lebenskünstlerinnen trifft man auch jede Menge Models. Wobei sich der Begriff Model seit den Zeiten der grossen drei – Schiffer, Crawford und Campbell – gewandelt hat und mittlerweile doch sehr inflationär verwendet wird. Ob sie nun auf einer Tuningmesse im Lacksuit posiert oder für die Facebook-Seite des Hobbyfotografenkollegen blank gezogen hat, einmal vor der Kamera ist sie ein Model. Es sei denn sie schiesst ein Selfie, dann ist sie ein Influencerin.
Eines haben die Damen jedoch gemeinsam. Sie sind allesamt zu dämlich einen Eimer Wasser zu kippen.
Am besten deutsch spricht noch jene, welche aus der französischen Schweiz stammt.

Wie immer hat der Bachelor tolle Sachen organisiert.
Klar, Vujo, welcher mal eben einen kompletten Sonnenuntergang organisiert hat übertrifft er nicht, dennoch wartet er in dieser Sendung mit einem Kamelritt auf. Das ‚ufego und abego‘ findet Joel so lustig.
Nach diesem Ritt, ich würde mich verarscht fühlen, gesteht ihm die Kandidatin Carolina, dass sie ein Kind hat.
Klar, ein Supertreffer war nicht dabei, dennoch hat er bereits 19 Frauen aus der Sendung geworfen. Also 18 Frauen und ein Mann mit Silikonbrüsten und unnatürlicher Mumu. Was irgendwie seinem Kinderwunsch im Weg stand.
Nun hat er überraschend ein Doppelpack im Kissenberg des Beduinenzelts und man sieht ihm an, wie der Laden geräuschvoll runter rasselte.

Mit der nächsten geht er auf das Hochseil. Ein unglaublich mutiger Akt. Er latscht lethargisch voran, sie trippelt gelangweilt hinterher.
Danach will sie eine Beichte über ihre Narbe ablegen. Eine kleine Einbuchtung am Bein.
„Ich habe eine Dummheit gemacht.“
Wir warten auf eine Gschichte zwischen Fettabsaugung und Messerstecherei.
„Ich hatte eine Freund die war ein bisschen verrückt“
Der Bachelor hängt an ihren Lippen. Wie ein Student in der hintersten Reihe des Hörsaals nach durchgezechter Nacht. Kurz davor, vor Begeisterung mit der Stirn auf die Tischplatte zu knallen.
„Ich habe gewusst, dass er ein bisschen verrückt ist, dann wurde es immer verrückter.“
Muetter, chum zum Punkt! schreie ich gedanklich durch den Raum.
„Eine Tag war er komplett verrückt, dann habe ich versucht zu helfen“
Dramatikpause.
„Ich wusste, dass ich wollte helfen aber musste weggehen.“
Dramatikpause. Stimmungsvolle Musik.
Der Bachelor ergreift das Wort.
„In einer Kurzfassung; Du hast eine sozial ausgeprägte Ader und in deiner letzten Erfahrung mit deinem Freund ist es soweit gekommen, dass du eine physische Verletzung davon getragen hast.“
Hätte er noch Fremdwörter wie ‚Computer‘ und ‚Türklingel‘ benutzt, ich hätte mich Hals über Kopf verliebt.
„Ich sehe, du hast jedes Wort verstanden“

Ich kapituliere, der Bachelor ist mir überlegen. Kein Wort habe ich verstanden und als er sich noch für ihre Offenheit bedankt, spule ich zurück und sehe das ganze nochmals an. Bin so schlau als wie zuvor. Nun, er wird Ludmilla auch noch verräumt haben und weiter gehts zur Ballonfahrt mit Julia.

Es heisst Ballon fahren, weil die ersten Flieger, der Seefahrt angelehnt, ins Luftmeer fuhren. Dieser Infoblock kommt von mir, hat nicht der Bachelor organisiert.

Julia ist so richtig verliebt. Sagt sie. Will wissen, ob er die Mitbewerberinnen… nun… ob sie sich der Fleischeslust hingegeben haben. Ein Gentleman schweigt und geniesst. 3+-Bachelor auch, so hält er sich bedeckt. Steht gewiss im Skript.
Beim gegenseitigen Fummeln im Spa, wobei ich mich frage, warum er selber massiert wenn 3+ Masseusen bezahlt, werden sie tiefgründig und reden über Tod und Verlust.
Des Bachelors grösste Angst ist, dass irgendwann seine Eltern sterben…
Joel, nun musst du ganz stark sein; Auf dieser Welt hat noch keiner, glaube mir, kein einziger Mensch überlebt.
Was soll auch diese bescheuerte inszenierte Tiefgründigkeit? Jede Kandidatin hat irgend ein Drama im Köcher, vom verschnupften Hamster bis zur Ur-Oma, welche mit 103 das Zeitliche gesegnet hat und der Kameramann sucht nach Tränen unter all den Lidschatten.

Nun, alle hatten ihre Traumdates. Joel will noch etwas beweihräuchert werden und nötigt die Damen, ihre Gefühle in Worte zu fassen und niederzuschreiben.
Etwas Asi, wenn ich so sagen darf. Ludmilla wollte nur ins Fernsehen, empfindet nicht so viel und Carolina hat noch nie einen Brief verfasst. In ihren letzten 36 Jahren. Auch eine Leistung.
Julia hingegen ist sehr enthusiastisch.
„Wenn die anderen meinen Brief lesen, werden sie erst schlucken müssen…“; Mädchen, die Dreamdates sind durch, ich denke, die haben schon…

Weiter im Skript; Die Nacht der Rosen.
Was würde 3+ ohne Hans Zimmer’s Pearl Harbor-Soundtrack machen? Ich wüsste gar nicht, wann es dramatisch wird.
Die Damen müssen ihre Briefe vorlesen. Unter Tränen vorgetragen, der Bachelor hört es sich an, emotionsgeladen wie ein Priester im Beichtstuhl.
Ganz ehrlich, ich bin nur noch dabei, weil ich einen Abschluss für diesen Text haben muss. Ludmilla tut sich schwer mit Gefühlen und vergleicht sich mit einer Kaffeemaschine. Habe ich in dieser Sendung definitiv schon dümmeres gehört.

Für alle, welche bisher gelesen haben; Ich möchte mich in aller Form entschuldigen. Ich weiss nicht, was ich mir dabei gedacht hatte. Mir war einfach langweilig.

Trommelwirbel, Achtung Spoiler:
Caroline ist raus. Die mit dem Kind, welche Überraschung.
Mit dem tollsten Schlussmachspruch; „Ich kann dir nicht geben was du verdienst“. Rangiert gleich hinter „Es liegt nicht an dir“.
Die Kaffeemaschine und das Tuning-Model kommen weiter. Ich werde nie erfahren, wer gewonnen hat.
Drei vollständige Bachelor-Folgen habe ich heute gesehen. Die erste, letzte und einzige.

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Ist es denn ein Junge oder ein Mädchen?

Mein Zahnarzt hat mir geraten, doch meinen Energy-Drink-Konsum etwas einzuschränken. Mit meinen Beisserchen ist alles in Ordnung, ich darf zitieren ‚Viele Menschen würden alles dafür geben ihre Zähne zu haben‘, aber die Energy-Drinks sind nunmal aggressiv und nicht gut für Zahnhälse.
Ich gedenke nun den Zahnarzt zu wechseln. Und wenn der nächste denselben Ratschlag hat, wechsle ich eben wieder….

Nein, werde ich natürlich nicht, mein Zahnarzt ist einfach toll. Freundlich, kompetent, günstig und dazu muss ich noch nicht einmal über die Grenze fahren.
Und eigentlich geht es überhaupt nicht um die Dentalmedizin sondern um einen verschrobenen Menschenschlag mit einer Religion, welche den Namen Vegan trägt.
Wenn diese vom Arzt den Tipp erhalten, vielleicht doch dann und wann ein Milchprodukt zu geniessen, weil es nunmal eben nicht ungesund per se sei und es ihre Werte verbessern würde, wechseln sie solange den Arzt, bis einer nicht mit solch obskuren Ernährungstipps kommt.
Bis er dem 24-jährigen Hipster-Veganer sagt; Etwas Blei und andere Giftstoffe im Knochen braucht man, Zähne werden überbewertet und sind wir ehrlich, mit dem Nervensystem blickt sowieso niemand durch, die Forschung steckt in den Kinderschuhen, daher, ziehen sie ihr Kind mit Gemüsesmoothies auf, das kommt schon gut.
Da überlege ich mir gerade; Stillen Veganer-Mütter eigentlich?

Ich bin nur ein einfacher Mensch vom Land. Der Herr Doktor ist der studierte Herr, nahe am Übermenschen im weissen Kittel. Das Schöne ist, ich bin geneigt, ihm blind zu vertrauen. Als er mir riet, doch etwas weniger Chips und Erdnüsse zu konsumieren, nahm ich mir dies zu Herzen. Denn wenn ich sowieso google und dem Arzt eine Diagnose vorlege um sie mir bestätigen zu lassen, kann ich eigentlich auch den Prämienzahler entlasten und mir den Arztbesuch sparen. Was gehen also Veganer überhaupt zum Arzt, wenn sie seine Diagnose nur akzeptieren, wenn diese ihnen in den Kram passt?
Nun sollen Ärzte sich weiterbilden um besser auf Fanatiker eingehen zu können. Finde ich gut, das Gesundheitssystem schwimmt bekannterweise im Geld und wenn die Kassenprämien weiterhin so fallen, kriegen wir irgendwann monatliche Rückerstattungen.

Erinnert mich ein wenig an das Schulsystem. Der Lehrplan wird laufend der Lernbereitschaft der Kinder angepasst, bis irgendwann nur noch zur Schule muss, wer sich um nichts in der Welt davon abbringen lässt.
Aller teuerer Forschung zum Trotz sind wir an einem Punkt angelangt, an welchem nicht mehr die Medizin und Wissenschaft weiss, was dem menschlichen Organismus gut tut. Veganer und Consorten setzen den Massstab was unser Körper braucht und was eben nicht, die Medizin ist nun aufgerufen, diese Vorgaben zu ermöglichen.

Wie erwähnt, ein einfacher, vielleicht etwas proletenhafter Mensch vom Land. Eine Frau muss schon sehr attraktiv sein, dass ich bei einem Dutt nicht direkt an meine Oma denke. Mit grauem Haar und der Weisheit des Alters in den Augen ist ein Dutt auch völlig legitim, ja, gehört zum klassischen Bild der lieben Grossmutter.
Doch frage ich mich, wie oft muss Mann mit dem Kopf gegen die Badezimmertür knallen, bis er wankend und dem gesunden Menschenverstand beraubt vor dem Spiegel steht und sich denkt, heute stecke ich mir eine nette Frauenfrisur.
Auch der Vollbart reisst es nicht heraus, tut mir leid. Vielleicht, wenn du von deinem 50″-Hochrad absteigen und die gehäckelte Umhängetasche zuhause lassen würdest, aber ich möchte meine Hand nicht ins Feuer legen. Irgendwie erkennt man den Unterschied zwischen Holzfällerbart und Urban-Gärtner-Gesichtsbehaarung.

Nun ist es mit dem Dutt jedoch nicht getan.

Wenn ihr Enkelkind ein Zipfelchen hat….

Das war vielleicht früher mal. Biologische Merkmale sind sekundär, heute kann jeder selber entscheiden, ob er ein Junge oder Mädchen sein will. Kann, muss aber nicht. In Kanada darf man auf dem Reisepass ein neutrales Geschlecht sein und bei der Einreisegenehmigung kann ich sonstiges auswählen.Selbstverständlich müssen nun auch per Gesetz neue Toiletten eingeführt werden. Eine für Mädchen, eine für Jungs und eine für jene, welche sich noch nicht ganz sicher sind. Korrigiert mich, aber im Grundprinzip gehen wir auf dem Abort plus minus alle gleich zu Werke. Ja, ist die Schlange vor der Damentoilette zu lange, betritt das schöne Geschlecht auch einmal das stille Örtchen der Männer, was noch nie jemanden gestört hat. Bin anhin zumindest.

Feinfühligkeit in Ehren, aber muss man wirklich jede Schrulligkeit per Gesetz regeln? Wenn jemand gerne in Frauenklamotten durch die Welt huscht, meine Güte, ist doch seine Sache und tut niemandem weh. Aber wenn es der schönen Klara peinlich ist, dass im Ausweis nunmal Heinrich Hugentobler steht und dies am Flughafen Fragen aufwerfen könnte, sollte man dies mit dem Reisen vielleicht sein lassen.
Wenn in einem Ausweis noch nicht einmal mehr ein körperliches Merkmal wie das Geschlecht übereinstimmen muss, wünsche ich mir eine neue ID und nenne mich Donald Duck. Spezies Ente.

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Zwischen Walliser-Dinkelbrot und Quengelware

Ob es wirklich jemand gerne macht, ich bezweifle. Nun, die Rentner, vielleicht.
Ich spreche von den Lebensmitteleinkäufen. Es gibt die schrecklich organisierten Menschen mit einem begehbaren Kühlschrank und einer zweigeschossigen Speisekammer  welche den Einkauf als Familienevent am Samstag Morgen zelebrieren. Ein Menüplan von sieben Tagen füllt den Einkaufswagen sowie die Cumuluskarte und leert das Haushaltskonto. Und dann gibt es Menschen wie mich, mit einem Kühlschrank von der Grösse einer Kühlbox, dessen Volumen durch den Biervorrat noch um die Hälfte reduziert wird, und diese gehen eben gute vier mal die Woche einkaufen.
Den Samstag schenke ich mir mittlerweile, die Pärchen und Familien gehen mir auf den Senkel.
Doch auch Wochentags kann man den Blutdruck in die Höhe jagen.

Im Herzen und Portemonnaie bin ich ein Migros-Kind. Dazu wird man erzogen. Deswegen kann es keine Aldi-Kinder geben. Auch wenn die das gerne hätten. Aldi ist so schweizerisch wie Milka-Schokolade und nach 12 Jahren hat man noch keine Kinder konditioniert.

Dann und wann besuche ich jedoch auch den Coop. Einfach zur Abwechslung und weil es mir peinlich ist, viermal die Woche in derselben Migros bei derselben Verkäuferin die sechs selben Einkäufe auf das Band zu legen. Meine Ernährung ist eher zwecksmässig denn auf Abwechslung und Lustkäufe ausgelegt und ich werde das Gefühl nicht los, die denken sich mittlerweile, was stimmt mit dem Kerl nicht?
Wie die bösen Blicke im Volg, wenn ich ein Alibi-Brot erstehe, obwohl ich nur Abfallmarken brauche.

Schon wenn ich Abends auf den Parkplatz fahre, sinkt die Einkaufslust unter die Fussmatte. Da ist immer eine Mutti mit ihrem SUV am rangieren. Meine Güte, es ist doch nichts dabei dem Alten zu sagen, dass man mit einer Karre dieser Grösse nicht klar kommt. Und, dass es so ist können sie nicht bestreiten. Egal wie oft sie korrigieren, wie viel Einkaufswagen sie dabei an die Wand pressen und Reklametafeln biegen, das Vehikel steht immer schräg in der Lucke. Nicht einfach so schräg, dass es den Ordnungsfanatiker ein wenig stört, nein, so krumm, dass der Kunde im Parkplatz rechts davon wohl noch in die Lücke kommt, aber am Heck zwischen beiden Wagen kein durchkommen mehr ist. Doch muss Mutti da durch, denn der Maxi-Cosi muss ja mit in den Coop. Und die Brut sitzt hinten rechts, damit man mit der Hand nach dem Schnuller fischen kann, während man mit 45 km/h auf der Achtzigerstrecke Schlangenlinie fährt.

Liebe Mamas dieser Welt; Mir ist klar, das Auto ist ein Gebrauchsgegenstand. Ja, ich sehe, dass euer Minivan zuhause auch einmal als Torwand dient und die dynamische Schramme auf einem halben Meter verrät mir, dass das Dreirad von Kevin am linken Griff keinen Gummipuffer mehr hat.
Natürlich muss man Kinder mit einer knusprigen, krümelnden Reiswaffel auf der langen Fahrt bei Laune halten und ganz zweifelsohne hat Schakeline selbige schon im weiten Bogen über die Rückbank gereiert. Das Armaturenbrett sieht aus, als hättest du es für eine gute Idee gehalten, dem Brooklyn-Jeremy eine Capri-Sonne in die Hand zu drücken und bald hat er den Bogen raus gehabt, was man mit diesen Tüten alles machen kann, wenn der Durst gerade nicht so arg ist.
Dies ist alles deine Sache und dein Gefährt. Doch nur weil es dich nicht kümmert, wenn deine Karre aussieht als wäre sie nach einer Stockcar-Challange vom Schlepper gefallen, bedeutet dies nicht, dass es dem Nachbar nichts ausmacht, wenn du sein Gefährt mit derselben Rücksichtslosigkeit behandelst.
Ein Maxi-Cosi in den Fond zu zwängen ist sicher eines Tetrismeisters würdig und der sperrige Hintern ist da kaum förderlich, aber muss deine Tür im Sekundentakt in die Seite meines Wagens poltern?
Nein, ich bin kein Kinderhasser, zu gerne vergisst ihr, dass ohne kinderlose Single kein Kindergeld, keine Prämienrückerstattung und keine Schulen möglich wären. Keine Ursache.

Habe ich den Parkplatz verlassen, steige ich erst über drei Asoziale. Kann einem bei der Migros nicht passieren, ein Franken pro Liter Bier zieht die entsprechende Klientel nun mal an. Bei der Migros hockt nur der Mann mit der Ziehharmonika auf dem Klappstuhl und guckt einem flehend-fordernd an. Man kann schlecht sagen, man habe kein Geld, schliesslich betritt man soeben in kaufwilliger Absicht einen Konsumtempel. Vielleicht würde ich ja auch lieber am Boden sitzen und den Triangel schlagen, aber irgendjemand muss ja noch einer geregelten Tätigkeit nachgehen, wer würde sonst den Sozialhilfetopf füllen? Daher, lieber Mann am Schiffersklavier, hol dir meinen Batzen beim Sozialamt. Gern geschehen.

Migros hat was warmes, familiäres. Coop ist kühl und futuristisch. Dies liegt nicht nur an der Kühltheke, welche direkt aus einer Pinguin-Menagerie zu stammen scheint. Weiss der Geier, wieso die Energydrinks auf zwei Grad herunter gekühlt werden müssen und der Fertig-Salat in der Schüssel klimpern muss.
Wenn denn Körbchen bereit stehen, nicht selten muss man bis zum Kassenkorpus durchmarschieren, sich per äxgüsi durchwursteln um ein solches Ding zu ergattern, ist der Boden gewiss mit schimmeligen Salatblättern und einem ausgelaufenen Joghurt eingesaut. Ist eben Coop. Die Dinger werden von Achmed wohl während der Inventur auf dem Vorplatz mit dem Kärcher ausgespritzt und gut ist für 12 Monate.

Nicht alles bei Coop wirkt logisch. So ist das Bier fünf Regalreihen neben dem Wein angesiedelt, der Sekt in einem Nebengebäude. Wenn man das Wasser im dritten Gang findet, sind Energydrinks gewiss in Reihe 8 und Süssgetränke irgendwo zwischen Tampons und dem Magerquark. Auch ist es für mich nicht schlüssig, warum Beef Jerky beim Thaifood steht und nicht beim übrigen Rindfleisch.
Kaum hat man den Bogen raus, wird das Ergebnis einer neuen Verhaltensforschung verkündet und ich suche das Plenty-Küchenpapier in der Metzgerei.
Meine 1 Meter 76, Tendenz fallend, entsprechen genau dem Durchschnittsmenschen. Aus Verkäufersicht. Strecke ich die Hand gerade ins Regal, habe ich den teuersten Artikel in der Hand. Max Havelaar, mit jeder Kakaobohne baue ich eine mittlere Grundschule in Ecuador oder Honig von Bienen, neben deren Glückseligkeit die Maja wie ein depressiver Emo wirkt. Was ich nie begriffen habe, wie kann es Bio-Honig und normalen Honig geben? Ich meine, man kann der fleissigen Honigsammlerin doch nicht vorschreiben, von welchen Blumen sie den Nektar pflücken soll und dies mit der artgerechten Haltung ist auch eher schwierig. Klaut man den Tierchen doch die Wabe, zerstört ihr Haus, stiehlt den Honig und schmeisst ihnen stattdessen eine Zuckerlösung hin.
Als würde man mir Ende Monat meinen Franken nehmen und ein Schubkarre voller Dong (1 Euro entspricht 25’500 vietnamesichen Dong) hinstellen.
Wir wollen nicht abweichen, will man also günstig einkaufen, ist man oft auf den Knien oder klaut den Angestellten ihre Trittleitern um in die oberen Regale zu gelangen.

Vor dem Brotregal

Meine Güte, was war das früher einfach. Halbweissbrot, Ruchbrot, vielleicht mal einen Zopf und in der Weihnachtszeit Grittbenzen.
Heute steht man vor einer erschlagenden Auswahl. Maisbrot mit Dinkelzusatz, Dinkelbrot mit Haferstreu, Proteinbrot mit 87 Prozent Kohlenhydrate. Walliserbrot, Thurgauerbrot, Älplerbrot, Fyrabigbrot, Baslerbrot. Knuspersemmel, Jamadu-Brötchen, Riesenwecken, Vollkorngipfel.
Frisch gebacken!
Also ein Tiefkühlprodukt kurz in den Ofen geschoben. Der Duft ist verführerisch, keine Frage und es macht sich gut, so warm im Regal. Etwa fünf Minuten.
Greift man sich locker einen Laib, dreht sich weg und denkt ‚Ups, jetzt ist das Knusper-Thurgauerbrot mit Walliserkruste und Maiskern wohl zu Boden gefallen‘. Nach einem genaueren Blick erkennt man, nein, da ist wirklich ein Brot in dieser Tüte, auch wenn das Gewicht einem das Gegenteil weis machen will. Nach Aufdruck müssen es wohl 500 Gramm sein, man wird dennoch den Eindruck nicht los, es fliegt einer Feder gleich in den Einkaufskorb.
Die Druckfestigkeit eines Schwammes und mehr Löcher als eine Emmentalerkäse.
Wenn man Brot will, kommt man um die örtliche Bäckerei nicht herum.

Irgendwann steht man an der Kasse. Hinter den Rentnern. Gestern hatte ich zwei ganz nervige hinter mir. Er sprang mit einer Behändigkeit zwischen Kasse zwei und drei hin und her, als wäre er im Kinderfernsehprogramm. Die Gattin stets im Schlepptau. In einem Moment der Unachtsamkeit schaffte er es, sich vor mir einzufädeln. Der Herr, welcher gewiss den ganzen Tag Zeit gehabt hätte, aber um 18:35 einen Grosseinkauf tätigen muss. Ich habe noch eine Erziehung genossen, Respekt vor dem Alter, sonst hätte ich den kleinen, zappeligen Mann wohl neben den Vanillekaugummis in das Quengelregal gehängt.

Meine lieben Verkäuferinnen. Gewiss stand im Stellenprofil, dass ihr den Kontakt zu Kunden lieben müsst und bei der Einkleidung wurde euch eingebleut, dass ihr die Visitenkarte der Unternehmung seid.
Alles gut, aber die Dinge liegen so; Ich habe die Ware gekauft. Ihr müsst sie mir nicht noch einmal verkaufen. Die Transaktion muss nur noch zum Abschluss gebracht werden. Ihr müsst mich nicht unterhalten, ihr müsst keine interessierten Fragen stellen und auch nicht auf das Geplänkel des notgeilen Sacks vor mir eingehen. Spart euch den Smalltalk für die Pause und arbeitet euch speditiv durch die Sache. Ich weiss, wir sind auf dem Land. Man kennt sich. Aber ihr könnt Trudi auch am Abend noch fragen, ob Herberts Durchfall sich gebessert hat.
Ich habe es noch nie versucht, aber ich würde meinen Hintern verwetten, man kann den Einkauf in einer Bewegung über den Scanner ziehen. Ihr müsst nicht jeden Barcode angucken und zwei Handwechsel durchführen. Und, himmelhergottnochmal, legt diesen verdammten Trennbalken nicht auf das Band um die Bewegung zu stoppen. Das Band stoppt schon, wenn mein Magerquark in die Lichtschranke gerät, bis dahin findet aber noch gut ein Einkaufskorb voller Güter seinen Platz auf diesem.

Ist die Verkäuferin speditiv, was doch die meisten sind, wird sie durch den Kunden ausgebremst. Ihr macht nur euren Job, ihr müsst fragen, ich weiss.
Sammeln sie Punkte?
Ja wofür sind sie denn?
Ab zehn gibt es ein Kuschelbärchen, ab dreissig und einer Zuzahlung von 97.95 eine Titanpfanne mit molekularversiegeltem Keramikboden und ausserdem ein Lebensversicherungsangebot von der Generali. Riester gefördert.
Ja was muss ich denn da machen.
Nur diese Marken auf diesen Zettel, ups jetzt ist er zu Boden gefallen…
Also hier einkleben, der fünfte ist gratis und wenn hier der eine Minimoi dem anderen eine Arschtritt verpasst haben sie einen Superjoker… Nein, Moment…. Vreni… VRENI?!? WIE IST DAS MIT DEM MONATSGEWINN BEI DEN MINIMOIS?
Minions?
Nein, diese, hä du weist doch, mit dem Auge, welche Kathrin auf ihrer Tasche hat…
Eben…

Etwas erschöpft kam ich von der Arbeit, mehr oder minder ausgeglichen, und wollte nur noch schnell ein Nachtessen einkaufen. Nun kann die Frage nach der Superkarte darüber entscheiden, ob ich dem Rentner meinen Einkaufskorb über den Scheitel ziehe, das Regal mit der Quengelware in Brand stecke und den Kassierer mit einem fünf-Rappen-Plastikbeutel erdrossle.

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Die Frau als solches…

Ist es nur ein ganz persönliches Empfinden, oder hat die weibliche Emanzipation, nein kein Pleonasmus, eine neue Stufe erreicht?
Oder greift die Bewegung einfach weiter um sich?

Beflügelt von der #metoo-Welle, raffen die Damen ihr Röcke und stellen sich ins Rampenlicht. Kaum mehr ein weibliches Wesen auf diesem Planeten, welches noch nicht Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Dank den Medien wissen wir, wenn ein Mann im Suff mit glasigen Augen in den Ausschnitt einer Frau guckt, und sei dies über eine Distanz von zehn Metern in einer gut besuchten Bar und der Prolet selber eigentlich keine zwei Meter mehr klar sieht und einfach in eine Richtung stiert, an nichts denkend als die Kontrolle über den Magen zu behalten, befinden wir uns bereits im Bereich der sexuellen Belästigung.
Geht die Büroangestellte durch das Büro und ein Arbeitskollege merkt an, dass sie eine hübsche Bluse trägt, ist dies unprofessionell, deplatziert und für die Frau erniedrigend.
Als liebevolle Ehemänner, Partner oder Werber, seid ihr gewiss schon euren (potentiellen) Partnerinnen beim Einkauf behilflich gewesen. Hol mir dies, hol mir jenes, eine Nummer grösser. Da werden keine Nummern oder Zahlen genennt, die gänzlich unbekannte Feindin hinter dem Vorhang nebenan hört schliesslich mit. Es liegt beim Gatten, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und das gewünschte Stück in der korrekten Grösse zu liefern. Mit den Nummern komme ich klar, ist eine logische Grösse, die Schwierigkeit beginnt dort, wo ich anstelle des Mintgrün ein frisches Türkisgrün herbei schaffen soll. Doch dies wäre ein anderes Thema.
Mittlerweile frage ich mich, ob sich Männer überhaupt noch in diesen Bereich der Umkleiden wagen, wo nur ein Vorhang zwischen halbnacktem Weibsvolk und den schussligen Männern hängt. Ein falsches Wort, den falschen Vorhang nur gestreift und schon hat man den Grüsel-Stempel auf Lebzeit weg.

Mittlerweile hat sich bald jeder Star mindestens einmal an einer Frau vergangen. Ich meinte, der aktuellste ist Stallone. Die Frau will anonym bleiben, ihn nicht anzeigen, sondern einfach einmal Wind machen. Über den Sinn dieses öffentlichen Schlammwerfens kann man sich daher streiten, denn alles was bleibt ist der Grüsel-Stempel.
Irgendwann hat ihn jedes bekannte Fernsehgesicht, was den Stempel als solches irgendwie wieder egalisiert. Die geprellten sind jene, welche wirklich unter die Räder gekommen sind, aber die Frauen werden das schon zu handeln wissen. Und hier kommen wir zum eigentlichen Thema, denn der #metoo Gaul ist toter als tot.

Gehe ich doch schon einige Jahre über diese blaue Kugel, doch deucht mich, Frau sei seit der Suffragettenbewegung nicht mehr in diesem Mass darauf bedacht gewesen zu sein, dem Mann zu zeigen, wie der Hasen zu laufen hat.
Nicht nur, weil die Neoemanzen uns in den unzähligen Kolumnen erklären, wie wir zu flirten haben. Wobei sich die Frage stellt, warum sie diesen Part eigentlich nicht gleich selbst in die Hand nehmen, denn sie wissen ja am Besten wie es zu laufen hat. Darüber hinaus, ist es doch recht antiquarisch, wenn ein Mann um eine Dame wirbt, oder nicht?
Doch so einfach ist es eben doch nicht, Frau möchte dem Mann einfach ein Flussdiagramm in die Finger drücken, welches er vor dem Barhocker stehend abzuarbeiten hat.

Seit der #metoo-Bewegung habe ich mich, unabhängig von dem ganzen Hype, in der Kunst des Flirtens nicht mehr versucht, viel mehr befremdet mich, dass ganz allgemein resolute Auftreten der Damenwelt. Wobei befremden trifft es nicht, diese Männer-sind-Schweine-Mentalität geht mir ordentlich auf den Senkel.
Schon immer gab es Mannsweiber mit kurzem Haar in Elefantenhose, welche oft mal mit der Faust auf den Tisch schlug und den Ton angab. Ihr wisst, diese, welche durch die ganze Migros den Alten anblafft, weil er die falsche Tütensuppe aus dem Regal gezogen hat. Jene Oberorganisatorin, welche, kaum das Restaurant betreten, 23 Tische zusammenschiebt damit der gesamte DTV auf einem Haufen sitzen kann und danach dem Wirt lautstark erklärt, was der Kaffee zu kosten hat, weil sie ja so viele sind.
Man fragt sich insgeheim, wie die begeisterte Crocs-Trägerin zu ihrer Brut gekommen ist, dass da ein Mann im Spiel war, kann man sich kaum vorstellen.

Mannsweiber nannte man dies, weil das Verhalten eigentlich eher zum kognitiv eingeschränkten Proleten denn zu einer Dame von Welt passt. Richtig, das Verhalten ist bei Männlein wie Weiblein stossend, in die Frau hat man einfach höhere Erwartungen, weil diese für gewöhnlich mit mehr Feingefühl gesegnet sind.
Im Zuge der neuen Befreiungsrevolte scheint es jedoch, dass Frau sich grundsätzlich in der Opposition sieht. Aus Prinzip.
Völlig unabhängig davon, was man sagt, frau ist dagegen. Einfach, weil Mann es überhaupt gewagt hat, etwas zu sagen. Und, weil man ihm zeigen muss, dass er falsch liegt. Mit diesem überlauten „Du Arsch“ im Subtext. Was immer er geleistet hat, hat sie bereits um einiges erfolgreicher bewältigt, was ihm auf die Nase zu binden ist. Hauptsache immer schneller, besser, klüger.
Über kurz oder lang befördern sich solche Menschen ins Aus, nicht weil man sich zurückgestuft fühlt, sondern weil sie einfach nerven, wie sie in ihrer eigenen, kleinen Sonne tanzen.
Vielen Frauen attestiere ich, dass sie mich in dieser oder jenen Sache, gar auch in beiden, um einiges überflügeln und eines haben sie gemeinsam; Sie tun es einfach, sind dabei sich selbst und ihre Leistung basiert nicht darauf, dass sie eine andere herabwürdigen müssen.

Vielleicht leistet auch die Politik ihren Beitrag. Die Wahlfreiheit wird eingeschränkt, indem die Geschlechterfrage bereits bei der Nominierung geklärt wird. Die Qualifikation ist zweitrangig.
Wie auch in der Arbeitswelt, dreissig Prozent des Verwaltungsrates und 20 Prozent der Geschäftsleitung MUSS in Frauenhand sein. Vielleicht bin ich etwas sehr naiv, doch würde ich immer noch davon ausgehen, der bessere Leistungsausweis macht das Rennen.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Frau sich dabei selber in den Fuss schiesst. Diese Faust-auf-den-Tisch-Bewegung reisst nunmal alle Geschlechtsgenossinnen mit.
Kürzlich trat ich in netter Begleitung nach einem Kaffee zur Garderobe der Lokalität und hielt in der Bewegung inne. Ganz selbstverständlich wollte ich ihr in den Umhang helfen, weil ich dies als höfliche und respektvolle Geste empfinde. Hatte meinen Arm bereits ausgestreckt, als mir der Gedanken kam, diese Aktion könnte von Belästigung über Unterdrückung bis hin zu ‚Das Arsch will meine Jacke klauen‘ so ziemlich alles auslösen. Also liess ich es bleiben und fühlte mich kurzzeitig wie ein Chauvinist.

Ihr kennt die Geschichte mit dem Ausleihen eines Hammers, die Auswirkung, wenn man sich im Hinterfragen verstrickt?

Wenn ich nun die Jacke reiche, beleidige ich sie?
Gerade hat sie doch etwas merkwürdig geguckt. Erwartet sie diese Geste, oder wäre es zudringlich? Worüber haben wir gerade gesprochen? War da etwas, was diese Höflichkeit in einem falschen Licht erscheinen lässt? Moment was überlege ich da. Frauen wollen ja selbständig sein. Anderseits bin ich auch kein Macho. Was soll ich jetzt…
„ACH ZIEH DOCH DEINE SCHEISS JACKE ALLEINE AN!“

Hier geht es nur um eine simple Geste der Höflichkeit.
Doch wo führt der Weg hin, wenn Weiblein und Männlein zusammenarbeiten sollen und keiner mehr weiss, wie er dem Gegenüber begegnen soll?
Einer Reduktion der Weltbevölkerung wäre nicht zu widersprechen, aber ist es der richtige Weg, wenn Männer irgendwann denken; ‚Weiber, bleibt doch wo der Pfeffer wächst. Bier trinken kann ich mit Kollegen und einmal in der Woche in den Puff erspart mir den ganzen Stress drumherum.‘.
Ich frage mich, geht es der Gesellschaft noch um das Bestreben, eine funktionierende Gleichberechtigung zu erreichen, oder sind wir soweit, dass man die Schlacht nur noch um des Kampfes willen austrägt?

 

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Bürozeit Di u. Do

Do würd denn nid eifach ineglatschet!
Was ich überhaupt wolle?

Fragt der dicke Mann hinter dem Schreibtisch, welcher den lieben langen Tag nichts anderes macht, als Smartcards erneuern.

Im Juni erhielt ich die Mail, meine Smartcard dringend zu erneuern, sie werde demnächst ablaufen. Am 31. August, um präzise zu sein.
Daher ignorierte ich diese wichtige, systemgenerierte Nachricht. Respektive, schob sie auf meinen elektronischen zu-erledigen-Stapel.
Eine dringende Erinnerung, meine Smartcard dringend zu erneuern flatterte im Juli in mein Postfach. Und rutschte auf den zu-erledigen-Stapel.
Am 31. August werde meine Smartcard deaktiviert, letzter Aufruf sie zu erneuern! las ich kurz nach dem Nationalfeiertag.
Vor Schreck machte ich gleich drei Wochen Ferien. Die Smartcard ordnungsgemäss verschlossen.
Sie haben gelogen, es kam noch ein Aufruf und ich nahm mir die Musse, das Mail zu lesen. Ich hätte in xy per Mail einen Termin zu vereinbaren, meine Karte zu erneuern.

Sehr geehrtes Smart-Card-Team,
gerne würde im am 30.8 meine Karte erneuern.
Wäre Ihnen dies genehm?

Ich meine, einen Tag vor der verheerenden Sperrung, alles wunderbar.

Bürozeit Di u. Do

Keine Anrede, keinen Gruss, kein Danke. Noch nicht einmal die Worte ausgeschrieben, geschweige denn einen kompletten Satz gebildet.
Nun, dann eben am 31.8.

31.08.17, 07.35 klopfte ich an das Smartcard-Büro. Eine bessere Abstellkammer, noch nicht einmal im Haupttrakt des Gebäudes.
„Ja?“ schall es durch die Sperrholzplatte, welche diesen Sicherheitsraum von der Durchfahrt abgrenzte.

Ich wäre hier, um meine Smartcard zu erneuern.
„Ach? Und der Herr dachte, er komme einfach einmal vorbei?!“
Per Mail wurde mir mittgeteilt, heute wäre die Bürozeit, ob dies denn falsch sei?

Nein, das wäre richtig. Aber ob ich nicht gelesen hätte, da wäre ein Termin zu vereinbaren?
„Da stand nichts in…“
„ICH WEISS SELBST WAS ICH GESCHRIEBEN HABE!!“

Er wäre aufgestanden, hätte die Körperfülle dies gestattet. So spie er einfach Gift und Galle über den Schreibtisch.

„Im Intranet haben sie sich wohl nicht erkundigt was?“
„Nein, das habe ich nicht.“

„Nein, wozu auch, steht ja nur aus Plausch da drin, nicht wahr? Da kann man ja einfach reinlatschen und dann geht das schon.“

Mittlerweile habe ich so meine Erfahrung mit Bundespersonal. Nur die Hälfte der Energie für das Lamentieren, warum etwas nicht geht und so schon gleich gar nicht und in dieser Art und Weise dreimal nicht, in die eigentliche Arbeit investiert, und sie hätten viermal mehr Freizeit. Oder der Bürger Steuern gespart.
Aber da macht man dem Bundesbeamten nichts vor; Es gibt immer hundert Gründe, warum etwas nicht funktionieren wird. Die selbsterfüllende Prophezeiung gibt ihnen recht. Seit 1850. Da wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde und 1850 plus einen Tag der erste Zeugwart hinter einen Schreibtisch gerollt.

Würde ich nun beginnen zu argumentieren, würde ich um elf noch im Zargen stehen. Der Herr, dynamisch zurückgelehnt mit Gottvertrauen in die Bruchlast seiner Stuhllehne, hätte stets ein Gegenargument und die Krux war, ich benötigte die neue Karte.

„Es tut mir leid, ganz offensichtlich habe ich mich schlecht informiert.“
„Ja…“
Schweigen.

„Was machen wir jetzt?“
„Ja, was machen wir jetzt wohl? Ich habe um halb neun einen Termin! EINER DER SICH ANGEMELDET HAT!“
Mit Nachdruck über den Tisch gespuckt.

Aus einem Reflex heraus schaute ich auf die Uhr.
„Ja, ich müsse gar nicht so gucken, dies wäre schon in 50 Minuten!“

„Dann wollen wir einen Termin vereinbaren?“
Er krallte sich in seine Armlehnen und beugte sich ächzend vor. Im zweiten Anlauf klappte es.

„Hinsetzen!“
Zaghaft setze ich mich auf den Stuhl ihm gegenüber. Vor mir ein leerer Schreibtisch, bis auf ein numerisches Tastenfeld, angrenzend an seine Arbeitsplatte.

„AHV-Nummer?“
„Bitte?“
„AHV-NUMMER!!!!“
„Ähm…“

Du darfst deinen Geburtstag vergessen, den Hochzeitstag verpassen, die falsche Blutgruppe angeben, aber deine AHV-Nummer muss omnipräsent sein. Gerade als Bundesangestellter. Gut, der Link liegt auf der Hand, mit Eintritt in eine Bundesorganisation dreht sich alles nur noch um die Pension. Zwei Dinge wissen die Zeugwarte mit Gewissheit. Wer momentan auf welcher Beiz ist, – „ufeme Spunte si“ bedeutet in der Schweiz, ein Restaurant zu betreiben –  für alle Beizen zwischen Hinwil und St. Margrethen und dies rückwirkend bis 1963.  Das zweite sind die Tage, Stunden und Minuten bis zur Pensionierung. Tagesaktuell, dies ist der einzige Punkt, in welchem sie eine Änderung aktiv mitkriegen. Und natürlich der Umwandlungssatz.

„Im Intranet steht, dass sie die AHV-Nummer wissen müssen, aber wenn sie sich zu gut sind, dort nachzulesen….“
Er hatte mich bei den Eiern. Natürlich wären mir spontan fünf Möglichkeiten eingefallen an diese Nummer zu kommen, aber da hätte ich kurz seinen Rechner benutzen müssen. Seit dem traumatischen Erlebnis, als er seine Schreibmaschine abgeben musste, hätte ich ihn wohl eher um eine Niere bitten können.

„Versicherungskarte?“
„Diese hätte ich eben…“
„SIE HABEN DOCH WOHL EINE KRANKENKASSE??“
„Klar…“
„Da steht sie drauf. Karte!“

Einer seiner fleischigen Arme hebt sich von der Armlehne und die Hand bewegt sich etwa 20 Zentimeter über die Tischplatte. Also seine Platte. Ich zücke meine Versichertenkarte, heilfroh, diese dabei zu haben und strecke sie ihm entgegen. Knapp über die Grenze zwischen den Tischen.

„Ja, bewegen müssen sie sich schon etwas!“
Klar. Er sieht aus, als hätte er drei Personen meiner Fülle gefressen, aber ich soll mich etwas bewegen.
Also erhob ich mich, lag halb auf meine Platte und reichte ihm die Karte.
„Na also, geht doch.“

Wurstfinger hämmerten auf seine Tastatur.
„Herr yx…. hmmmm…. verwandt mit Oberst yx…..?“
Sah ich da eine Schweissperle auf der Stirn?
Obwohl, Zeugwart-Schweiss ist eine der seltensten Flüssigkeiten auf der Erde. Ging ihm nun der Allerwerteste auf Grundeis ob meiner eventuellen familiären Bande in den Generalstab oder lag es an der unerwarteten Arbeit?
Ich liess quälende zwei Sekunden verstreichen, überlegte, ob ich vielleicht mit Oberst yx verwandt sein wollte…

„Nein.“
Spürbare Erleichterung gegenüber.
„Habe ich mir schon gedacht. PIN eingeben. OHNE ENTER!!!“

Was muss der Kerl auch immer schreien?

„So.“
Mit der Karte warf er ein Faltblatt auf meinen Schreibtisch. Die überraschend dynamische Bewegung verriet jahrelange Übung. Trotz seiner Erschöpfung.
„Diese Anleitung vor dem ersten Mal verwenden durchlesen.“

Die Karte sicher verstaut, bekam ich Oberwasser.
„Na, das ist ja jetzt ganz flott gegangen…“
WAS?!?! So nicht noch einmal! Wo kämen wir hin, wenn jeder einfach reinlatscht? Und gleich kommt der nächste. DER WELCHER SICH ANGEMELDET HAT!

Wieder der reflexartige Blick auf die Uhr. 07:55.
„Oh ja, ich seh schon, in 35 Minut….“
„GUTEN TAG!“

„Danke noch vielmals und das nächs…“
„GUTEN TAG!!“

„Und ihnen ein schönes Weihnach…“
„GUTEN TAG!!!“

Ok, den letzten Satz habe ich mir aus den Fingern gesogen, fühlte mich nur eben an Ebenezer Scrooge erinnerte.

„Was, schon wieder hier?“ klang es erstaunt, als ich wieder zurück war. Mit diesem ‚was muss der auch immer so durch den Tag hetzen‘ im Unterton.
„Normalerweise geht das Erneuern der Smartcard schon einen halben Tag…“

Ja, ich werde wohl ewig das schwarze Schaf bleiben.
Noch 24 Jahre, 233 Tage, 3 Stunden, 12 Minuten und 37 Sekunden…

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