Rab’s sick note

Im Grundsatz bin ich ja nie krank.
Weil krank sein einfach uncool und irgendwie schwächlich ist. Ein Ding, so klein, dass es auf einem Wassertropfen reitet, legt einen ausgewachsenen Mann flach. Wo gibt es denn so was. Dann kommt noch dazu, dass ich ein Mann bin, sprich, man kann die Symptome mal tausend nehmen. Wären Frauen so krank, wie Männer krank sind, wäre die Erde aus Sicht der Geschlechter bald sehr einseitig bevölkert.
So ist das nämlich.

Aufgrund des Auswurfs kann man bestimmen, ob der Infekt viralem oder bakteriellem Ursprung ist. Anhand der Farbe. Sagt Dr. Google. Da ich farbenblind bin, hilft mir dies nicht wirklich weiter und ich verzichte darauf Anschauungsmaterial zu veröffentlichen.

Dr. Google, eine tolle Sache. Nach spätestens dem dritten Link weiss man, dass man todkrank ist. Unrettbar verloren. Der Gang zum Arzt ist nur noch die unwesentliche Zweitmeinung.
Mayo Clinic ist ein tolles Beispiel. Mit rudimentärer Englischkenntnissen und ein wenig Kopfschmerzen hat man nach drei Klicks eine Meningitis. Das Internet irrt nie.
Natürlich bin ich kein Hypochonder. Bin Laden hätte sich auch nicht als Terrorist bezeichnet. Und auch ihr habt gewiss schon ein Symptom gegoogelt.krank
Bronchitis. Die Symptome sprechen dafür.Freitags hat es begonnen. Dieses dumme, trockene Hüsteln. Ihr wisst schon, diesen ekligen Tonfall, bei welchem man dem Typen im Bus zuschreien will, er soll mal richtig husten, ordentlich abrotzen und gut ist, anstelle diesem ekelhaft nervenden, verstohlenen Räuspern. Man hofft nur, dass die Ricola zuckerfrei einen guten Job machen und er an der nächsten Haltestelle, drei Stationen vor dem geplanten Ausstieg, mit zusammengekniffenem Gesäss den Bus fluchtartig, merkwürdig trippelnd verlässt. Hastig, doch jede Bewegung, speziell die Bauchregion betreffend, sorgsam durchdacht.

Begann so gegen vier Uhr. Ich weiss nicht, wie es bei Euch ist. Meine „Krankheiten“ – eigentlich bin ich ja nie krank – erhalte ich stets wie angeworfen. Von purlimunter bis mit einem Fuss im Grab innert drei Stunden.
Gegen Kratzen im Hals hilft Alkohol. Weiss ich nicht. Denn eigentlich ist Rum zu lecker, um ein Medikament zu sein. Aber er soll desinfizieren. Und trinkt sich besser als eine Flasche Jod. Wobei mir der direkte Vergleich fehlt. Auf Rum kam ich, als ich feststellte, dass dem Rum-Punsch der Migros ein entscheidender Inhaltsstoff fehlt. Das gewisse Etwas, was den Rum-Punsch erst geniessbar macht. Ich mische gerne 1 Teil Punsch, drei Teil Rum und vier Teile Wasser. Ungefähr. Hat in Mengen dieselbe Wirkung wie zu viele Ricola zuckerfrei. Aber da ich selten Bus fahre….

Gegen zehn begannen die Wechseljahre. Mal heiss mal kalt, schubweise. Muss an der Heizung liegen. Denn ich werde nicht krank. Nochmals einen Film auf Netflix gucken. Ist Freitag, man kann nicht um zehn ins Bett, dies würde dem Sinn des Wochenendes widersprechen.

Der Wasserboiler machte dieselben Mätzchen wie die Heizung. Heiss, kalt, heiss kalt. Stellte ich um Mitternacht fest. Bevor ich unter die Decke kroch. Immernoch die Sommerdecke, wohlgemerkt. Der Winter ist ja noch nicht gekommen.

Ich weiss nicht, wieviele Schippen das Sandmännchen auf mein Kopfkissen warf. Jedesmal vor dem Einschlafen überkam mich ein Hustanfall und ich machte seine ganzen Bemühungen zunichte. Irgendwann strich er die Segel, hatte wohl noch andere Leute zu beliefern, und überliess mich meinem Schicksal.

Es galt ein Richtstrahl-Station-Stativ vor dem Umkippen zu bewahren. Zudem konnte ich mich nicht zu stark bewegen, weil links und rechts ebenfalls Richtstrahl-Stationen lagen und man diese nicht anstossen sollte.
Wenn mich das Fieber überkommt, bin ich stets in solch anstrengenden Situationen. Da ist natürlich an Schlaf nicht zu denken. Nach fünf Stunden harter Arbeit hatte ich einen Moment der Klarheit. Stellte fest, dass vor mir nur ein Kissen und links wie rechts eine verwurstelte Bettdecke lag.
Ich kochte einen Tee, lüftete den Igitt-Krank-Mief aus dem Schlafgemach, sah eine Folge Malcolm mittendrin und begab mich wieder unter die Decke. Sicherheitshalber liess ich das Licht brennen, damit sich die Bettutensilien nicht wieder in Güter der drahtlosen Signalübermittlung verwandeln konnten. Aber mit dem Schlaf war auch nicht weit her. Das Hirn konnnte mir keine Richtstrahlstationen mehr vorgaukeln, weil das Auge sich nicht täuschen liess.
1:0 für mich.
Es begann trotzig zu pochen. Pulsieren. Hämmern.
1:1.
Ich schmiss eine Tablette ein, nimm das!
2:1 für mich.
Das Hirn zwang mich an Lindorkugeln zu denken und ich spuckte die Tablette wieder aus.
2:2
Bin kein Drogendealer, mein Arzneilager ist begrenzt. Auch weil ich ja nie krank werde. Also ignorierte ich das Pochen. Habe zu ignorieren versucht.

Das erste Piepsen des Thermometers verpasste ich. Nach zehn Minuten begab ich mich aus der unnatürlich verkrampften Fiebermesser-in-der-Achselhöhle-halten-Stellung und startete die Messung erneut. 38 und noch was, die letzten Ziffern erkenne ich schlecht. Todkrank, kein Zweifel.

Das Husten fühlte sich mittlerweile an, als würde ich Lava schlucken. Nur eben umgekehrt. Bis auf die Tatsache, dass hinter dem Brustbein stets ein Vulkan am brodeln war.
Ich liess das mit dem Husten und beschränkte mich auf ein Röcheln. Solch ein rasselndes, wie ein durchschnittler Raucher-Teenie beim Treppensteigen. Nach der ersten Packung Zigaretten.

Der Kühlschrank war leer, also musste ich raus. Wieder unter die Wechselbad-Dusche. Badet ihr gerne? Soll ja das Wundermittel sein. Wobei man Fieber einfach fiebern lassen soll, sagt Doktor Google. Ganz unorthodox. Sprich nicht versuchen, es zu bekämpfen. Klingt logisch, wäre ja vergleichbar mit friendly-fire. Schliesslich ist der Körper ja im Kampf gegen Viren – oder Bakterien – da muss ich seine Bemühungen ja nicht wiederum bekämpfen. Also kein kühlendes oder wärmendes Bad.
Nur schon der Gedanke rund 140 – einhundertvierzig – Liter warmes Wasser in die Wanne fliessen zu lassen, deucht mich ein ökologischer und ökonomischer Blödsinn. Vor allem ersteres, ein Pfennigfuchser bin ich gewiss nicht. Hinsichtlich auf die Umwelt und ihre Ressourcen scheissen, kommt das Baden bei mir gleich nach dem Swimmingpool und noch vor dem Rasen wässern.
Dann legt man sich in selbiges und suhlt sich in der duftenden Brühe. Nach fünf Minuten ist man hundemüde und kaputt. Auf dem Rücken liegen ist doof, weil das Buch schwer wird. Auf dem Bauch hebt man die Füsse aus dem Wasser, es wird kalt und geht ins Kreuz. Auf der Seite geht nicht, weil man das Buch nicht halten kann und mit einem Nasenloch flüssiger Fichtenduft in die Lunge zieht. Sitzen ist unbequem und die Verschwendung des ungenutzten Wassers um einen herum wird noch offensichtlicher.
Irgendwann lässt man das Wasser abfliessen, weil es einfach keinen Sinn mehr macht. Wird gewahr, dass man 15 Minuten in der eigenen Schmutzbrühe gesuhlt hat und das Haupthaar auch darin getaucht hat. Weil man ja den Kopf unter Wasser halten und blubbern musste. Also duscht man noch. Die 20 bis vierzig Liter kommen zu den unsinnigen 140 noch dazu.

Nun, ich kann dem Baden also nichts abgewinnen.

Mit Fieber soll man nicht autofahren. Sagt Google. Aber ich war ja nicht krank.
Habe nur einen Randstein mitgenommen, ist nur die Winterfelge, und das Pfeifen meines Wagens verhinderte, dass 250 Pferde einen Smart aus der Parklücke schoben. Der Kopf pochte im Takt dazu.
Dieser war auch schuld, dass ich in der Migros kurz die Nerven verlor. Denn ansonsten bin ich die Ruhe selbst. Wenn ich nicht gerade in einer Kolonne stehe.
Ihr kennt dies. Steht mit dem Korb und einem Sechser-Pack San Pellegrino an der Kasse. Aus Prinzip keinen Wagen, man hat ja einen Single-Haushalt. Und sowieso nie 2 Franken im Sack. Und die Wagenmünze von Jumbo sieht am Schlüsselbund einfach scheisse aus. Vorne legt jemand seine Einkäufe aufs Band. In einer Linie. Nicht nebeneinander, einen Artikel nach dem anderen. Mit zehn Zentimeter Abstand. Die Arme werden immer länger, während der Trottel nie fertig wird. Dann endlich ein Trennbalken. Einen halben Meter Abstand. Der Typ in der Jogginghose legt sein Cola hin. Wieder dreissig Zentimeter Abstand, dann der nächste Trennbalken. Die Trennbalken werden von der Kassiererin natürlich erst entfernt, wenn die Transaktion beendet ist. Inklusive Natel aufladen, mit Cumulus zahlen und die Diskussion über die Kleberaktion.
Es geht nicht vom Fleck. Meine laute Frage, ob die nicht zu meisternde Herausforderung des Belegens eines Transportbandes die Erklärung sei, warum sie als Erwachsene Schuhe mit Klettverschluss trügen, wurde entweder hinsichtlich der Quintessenz der Schlussfolgerung, oder der Sprache wegen nicht verstanden. Ich war in Neuhausen. Irritierte Blicke waren die Antwort.

Den Rest des Wochenendes siechte ich dahin.
Montags stellte sich natürlich die Frage, Arbeit oder nicht.
Wenn man kein Wochenende hatte, respektive kein erholsames, sollte dies eigentlich kompensiert werden dürfen.
Aber ich bin ja Schweizer. War dankbar, dass die Krankheit auf das Wochenende fiel. Zog los mit einem Kanister voller Tee. Dachte stets, in einem Grossbetrieb mit Nummern statt Menschen fiele es mir leichter, bei Krankheit zuhause zu bleiben. Das Arbeitstier ist nicht tot zu kriegen. Dies, liebe Politiker, dies ist das Schweizer Erfolgsrezept! Nicht weil wir reich sind, nicht weil wir mit dem goldenen Löffel im Mund zur Welt kommen, nein; Weil wir auf Knien noch arbeiten gehen! Gut, machen die Japaner auch, aber das kriegt man halt weniger mit, weil es so viele gibt.

So. Nun habe habe ich vergessen, worauf ich eigentlich hinaus wollte und darum gehe ich nun zu Bett. Morgen ist Arbeit.

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Durchsetzungsinitiative

Eine bewusst falsche Arbeitszeiterfassung führt zur Kündigung. Fristlos.

Als mir dies im Rahmen der Anstellungsbedingungen mitgeteilt wurde, deuchte mich die Massnahme etwas drastisch. Doch eigentlich ist nichts weiter dabei. Wenn ich ein loyaler, ehrlicher Arbeitnehmer bin, habe ich einen der sichersten Jobs und brauche von meinem Arbeitgeber nichts zu befürchten.

Mein Arbeitgeber ist der Staat, ich bin Schweizer Bürger.

Wer in der Schweiz Zuflucht gefunden hat, sich jedoch nicht an das Gesetz halten möchte, soll die Schweiz wieder verlassen.
Klingt in meinen Ohren pausibel.

Verstösst gegen das Völkerrecht, Menschenrecht und überhaupt. So klingt es von den Gegnern.

Hier der Initiavtext:

I. LANDESVERWEISUNG

1.
Das Gericht oder die Staatsanwaltschaft verweist Ausländerinnen und Ausländer, die wegen einer der folgenden strafbaren Handlungen verurteilt werden, unabhängig von der Höhe der Strafe aus dem Gebiet der Schweiz:

a. vorsätzliche Tötung (Art. 111 des Strafgesetzbuchs, StGB [2]), Mord (Art. 112 StGB), Totschlag (Art. 113 StGB);

b. schwere Körperverletzung (Art. 122 StGB), Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB);

c. Einbruchsdelikt durch kumulative Erfüllung der Straftatbestände des Diebstahls (Art. 139 StGB), der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) und des Hausfriedensbruchs (Art. 186 StGB);

d. qualifizierter Diebstahl (Art. 139 Ziff. 2 und 3 StGB), Raub (Art. 140 StGB), gewerbsmässiger Betrug (Art. 146 Abs. 2 StGB), qualifizierte Erpressung (Art. 156 Ziff. 2, 3 und 4 StGB), gewerbsmässige Hehlerei (Art. 160 Ziff. 2 StGB);

e. Betrug (Art. 146 StGB) im Bereich der Sozialhilfe und der Sozialversicherungen sowie Sozialmissbrauch (Ziff. V.1);

f. Menschenhandel (Art. 182 StGB), qualifizierte Freiheitsberaubung und Entführung (Art. 184 StGB), Geiselnahme (Art. 185 StGB);

g. sexuelle Nötigung (Art. 189 StGB), Vergewaltigung (Art. 190 StGB), Schändung (Art. 191 StGB), Förderung der Prostitution (Art. 195 StGB);

h. Völkermord (Art. 264 StGB), Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Art. 264a StGB), Kriegsverbrechen (Art. 264b–264j StGB);

i. Widerhandlung gegen Artikel 19 Absatz 2 oder 20 Absatz 2 des Betäubungsmittelgesetzes vom 3. Oktober 1951 [3] (BetmG).

Und nun erkläre man mir, wann ist es in unserem Land erforderlich, eine der aufgeführten Taten zu vollbringen? Niemand mit einer gesunden Portion Menschenverstand nötigt andere Personen sexuell, begeht einen Einbruch oder bringt gar jemanden um die Ecke. Oder, und sie brauchen es nicht öffentlich kund zu tun, wurde ihnen jemals eines der Verbrechen zur Last gelegt?
Es benötigt weder spezielle Integrationskurse, noch einen Leitfaden um ein Begehen dieser Verbrechen zu verhindern. Ich wiederhole mich, es sind selbstverständliche Regeln des Miteinander, welche solche Delikte von vornherein ausschliessen.
Dennoch halten die Gegner einen Landesverweis für unverhältnismässig. Nicht, dass die Schweiz für verhältnismässige Urteilssprüche bekannt wäre. Man vergleiche in der Boulevardpresse die Strafmasse zwischen überhöhter Geschwindigkeit und Totschlag oder Vergewaltigung.

Vergewaltigt der eben eingewanderte Herr in der Wohnung gegenüber ihre Tochter, muss dies nicht zwingend ein Grund sein, ihn des Landes zu verweisen. Man müsse die Verhältnismässigkeit abwägen.

Hört man auf die Gegner, entsteht der Eindruck, man wolle den Ausländern ein unzumutbares Regelwerk aufbürden. Und was soll erst das Ausland von uns denken, wenn wir Ausländer wieder nach Hause schaffen.

Wie in jedem Mietshaus, in jedem Hotel, ja jeder SAC-Hütte sind die Wohn und Benutzungsrechte angeschlagen. Mehr oder minder nach Gutdünken und Toleranz des Gastwirts oder Vermieters. Kann ich mich mit dem Regelwerk einverstanden erklären, meinetwegen mich arrangieren, darf ich die Räumlichkeiten nutzen. Verstosse ich dagegen, muss ich mit Konsequenzen rechnen. Selbstredend, dass ich das Gastrecht wie die Benützung der Wohnräume nicht mehr in Anspruch zu nehmen habe.
Was ist unser Land anderes?
Wir bieten jenen Schutz, welche Schutz brauchen und erwarten nur eine Akzeptanz unserer Regeln. Des Gesetzes. Warum kann man hier nicht so rigoros durchgreifen, wie der Hotelier, nachdem ich den Brandalarm ausgelöst habe, weil ich dachte das Rauchverbot sei für mich nicht verbindlich?
Nicht zu vergessen; Halte ich die Hausregeln für unzumutbar, ja gar ein Verstoss gegen das Menschenrecht, zwingt mich keine Seele im Hotel Schweiz abzusteigen.

Nun führen die Gegner auch die Secondos ins Feld. Jene Personen, welche hier geboren sind, aber keinen Schweizerpass besitzen. Und ich frage mich, wo liegt der Unterschied? Weder Schweizer, noch Secondo, noch Asylbewerber, noch Besucher haben gegen diese Gesetze zu verstossen. Es versteht sich von selbst, dass wir Schweizer nicht ausweisen können. Wohin auch. Man kann sie nicht einfach auf einen Dampfer setzen und über den Antlantik schippern. Wäre dies möglich, noch so gerne. Denn ich möchte auch keinen Mörder und Vergewaltiger mit Schweizer Pass als Nachbarn. Secondos haben jedoch ihren Heimatstaat und fühlen sich diesem trotz Geburt in der Eidgenossenschaft irgendwie noch mehr verbunden als der Schweiz. Ist ihr gutes Recht. Und daher dürfen sie auch gerne vom Recht Gebrauch machen, in eben dieses Herzensland zu reisen, wenn ihnen unsere Gesetze zu streng sind.

Nun geht die Initiative noch weiter. Ebenfalls ein Dorn im Auge der Gegner:

2.
Das Gericht oder die Staatsanwaltschaft verweist Ausländerinnen und Ausländer, die wegen einer der folgenden strafbaren Handlungen verurteilt werden, aus dem Gebiet der Schweiz, wenn sie innerhalb der letzten zehn Jahre seit dem Entscheid bereits rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Geldstrafe verurteilt worden sind:

a. einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB), Aussetzung (Art. 127 StGB), Raufhandel (Art. 133 StGB), Angriff (Art. 134 StGB);

b. Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB) in Verbindung mit Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) oder Diebstahl (Art. 139 Ziff. 1 StGB) ;

c. qualifizierte Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 2 StGB), gewerbsmässiger betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage (Art. 147 Abs. 2 StGB), gewerbsmässiger Check- und Kreditkartenmissbrauch (Art. 148 Abs. 2 StGB), gewerbsmässiger Wucher (Art. 157 Ziff. 2 StGB);

d. Freiheitsberaubung und Entführung (Art. 183 StGB);

e. sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB), sexuelle Handlungen mit Abhängigen (Art. 188 Ziff. 1 StGB), sexuelle Handlungen mit Anstaltspfleglingen, Gefangenen, Beschuldigten (Art. 192 StGB), Ausnützung der Notlage (Art. 193 StGB), Pornografie (Art. 197 Ziff. 3 StGB);

f. Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 und 2 StGB), vorsätzliche Verursachung einer Explosion (Art. 223 Ziff. 1 StGB), Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 StGB), Herstellen, Verbergen, Weiterschaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 StGB);

g. Geldfälschung (Art. 240 Abs. 1 StGB), Geldverfälschung (Art. 241 Abs. 1 StGB);

h. öffentliche Aufforderung zu Verbrechen oder zur Gewalttätigkeit (Art. 259 StGB), Beteiligung an oder Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB), Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen (Art. 260quater StGB), Finanzierung des Terrorismus (Art. 260quinquies StGB);

i. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB), Verweisungsbruch (Art. 291 StGB);

j. falsche Anschuldigung (Art. 303 Ziff. 1 StGB), qualifizierte Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 2 StGB), falsches Zeugnis, falsches Gutachten, falsche Übersetzung (Art. 307 Abs. 1 und 2 StGB);

k. vorsätzliche Widerhandlung gegen Artikel 115 Absätze 1 und 2, 116 Absatz 3 oder 118 Absatz 3 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 [4];

l. Widerhandlung gegen Artikel 19 Absatz 1 oder 20 Absatz 1 BetmG.

3.
Wurde innerhalb der letzten zehn Jahre ein Strafverfahren eröffnet, das im Zeitpunkt des Entscheids gemäss Ziffer 2 noch nicht abgeschlossen ist, so wird die Landesverweisung ausgesprochen, sobald die betroffene Person rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Geldstrafe verurteilt worden ist.

4.
Von einer Landesverweisung kann abgesehen werden, wenn die Tat in entschuldbarer Notwehr (Art. 16 StGB) oder in entschuldbarem Notstand (Art. 18 StGB) begangen wird.

5.
Die Person, gegen die rechtskräftig eine Landesverweisung ausgesprochen wurde, verliert, unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status, das Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz und Wiedereinreise in die Schweiz.

Nun, so verkehrt ist diese zehn-Jahresregelung nicht.
Die älteren mögen sich noch entsinnen. Im Jahre 2010 wurde die Ausschaffungsinitiative angenommen. Dies ist beinahe sechs Jahre her. Sechs Jahre und es wurde noch keine Zeile der Initiative umgesetzt. Daher jetzt auch die Durchsetzungsinitiative. Es ist schon ein demokratisches Armutszeugnis, dass ein halbes Jahrzehnt nach einer Abstimmung mit einer weiteren Initiative dem Parlament suggeriert werden muss, es möchte doch mal in die Gänge kommen. Sehr freundlich ausgedrückt.
Wird also im Februar die Durchsetzungsinitiative angenommen, können etwaige Spitzbuben noch ewig Schabernack treiben. Bis diese Geschichte endlich umgesetzt ist, sind die Gesetzesverstösse vergeben und vergessen.
Es sei denn, man nimmt wohlüberlegt diesen Text hinzu. Dann heisst es von Beginn an, die unzüchtigen Finger im Zaum zu halten.

Meine lieben Eidgenossen.
Ich sehe in dieser Durchsetzungsinitiative nicht den Hauch einer Gefahr für den rechtschaffenen Bürger und Gast dieses Landes.
Ich kann mir schlichtweg nicht vorstellen, dass jemand befürchtet, es könne ein Spitzbube zu viel des Landes verwiesen werden. Wenn wir erst soweit sind, können wir anstelle der Gefängnistüren auch schöne Vorhänge platzieren. Sonst wird womöglich noch ein Übeltäter eingesperrt.

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Hallo Weltbild

Im Moment haben sie es auf mich abgesehen. Die digitalen Medien und Online-Shops.

weltbild-14. Januar, dies nenne ich prompt. Wie nett, dachte ich naiver Kunde, da kann ich mich ja bereits Mittwochs mit der Reiseplanung befassen. Natürlich war ich schon Dienstag in Lauerstellung, so ist das nunmal, spätestens Donnerstag war ich leicht säuerlich. Freitag immer noch gähnende Leere in meinem Paketfach. Samstags rechnet man schon gar nicht damit und heute bin ich so richtig angepisst.

Lieferung verfolgen, die Leute haben nichts zu verbergen.weltbild-2Geschätzte Frau Rita Graf,

(dies ist ja ganz nett bei Weltbild, man hat direkt eine Ansprechspartnerin. Die Frau Rita Graf steht in jedem Katalog mit ihrem guten Namen für die Firma. Schafft gleich einen familiären Touch, hier kauft man gerne ein).

Also…
Geschätzte Frau Rita Graf,

ich möchte mich erkundigen, mit welchem Geschenk ich rechnen darf.

Vielleicht zähle ich nicht direkt zu den Premiumkunden, aber im letzten Jahr durften Sie mir dennoch dreissig Bestellungen à unzählige Bücher ausliefern und diesen Monat bin ich mit vier literarischen Werken bereits wieder ordentlich auf Kurs.
Daher irritiert mich ihr beinahe peinlicher Versuch mich zu veräppeln.
Gut, ich weiss nicht wie dies in einem grossen Versand so abläuft. Natürlich, man sagt noch schnell ‚Ihre Bestellung wurde ausgeliefert‘. Jede Quengelei im Keim ersticken. Der Kunde hält erst einmal die Füsse still, dies macht durchaus Sinn.
Fügt man jedoch noch einen Link hinzu, wodurch der Kunde die Versandaktivität verfolgen könnte, hält man den Kunden für zu bescheuert auf einen Button zu klicken, oder ist einfach ein wenig naiv.
In meinem Fall ging die Rechnung ja auf. Was soll ich ihnen auf die Finger schauen. Warum sollten sie mich auch belügen. Ich bin ja ein guter Kunde, denn will man etwas umgarnen.

Irgendwann, so eine Arbeitswoche später, lag mein Buch offenbar immernoch auf dem Schreibtisch des Spediteurs. Oh verdammt. Nun gut, melden wir es bei der Post noch kurz an, bevor wir in das Wochenende gehen. Sollen wir es nun Priority… ach was, Economy reicht. Der wird das ja nicht so dringend brauchen. Und gleich Montags bringen wir es zur Post.
Oh, schon wieder Abend. Ach was solls, Dienstag ist auch noch ein Tag.
Irgendwann wird er froh sein, wenn er es überhaupt noch kriegt.

Natürlich, die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich das Buch nicht vor der Nase habe. Dennoch habe ich es nicht bestellt, weil die Buchstütze so einsam im Regal steht. Und bei Weltbild bestellt habe ich es, weil sie nun mal erste Wahl sind. Ok, ich war auch zu träge, Preise zu vergleichen. Bei Ex Libris wäre es gar noch 20 Prozent günstiger, stelle ich im nachhinein fest.
Die Frage ist nun, ob ich Weltbild nun auch hinsichtlich Lieferzeit in den direkten Vergleich mit Ex Libris stellen will, oder ob sie ihren Paketboten dahingehend motivieren könnten, mein Buch die Tage zur Post zu tragen. Mit dem Geschenk natürlich. Nichts grosses. Sie können meine Einsendung bei der nächsten Auto-Verlosung vielleicht auch ganz oben auf den Haufen legen und mit einem gelben Marker kennzeichnen oder so. Oder sie promoten mein veröffentlichtes Buch ein wenig, machen sie aus dem Wisch einen Bestseller! Ich bin da ganz offen für einen tollen Vorschlag.

Hinsichtlich der Rechnung werde ich Ihnen selbstverständlich zum Ablauf der Zahlungsfrist eine Mail zukommen lassen, dass die Zahlung umgehend angewiesen wurde. Ich weiss ja jetzt, wie das im Big Business so läuft.

Mit herzlichem Dank für Ihre Kenntnisnahme.

 

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Lieber Tim Cook

Liebes Apple TV,

oder kann ich direkt an Siri schreiben?

siriOk, geht nicht.

Nun. Sonntag Abend, das Fernsehprogramm ist nur Müll, also gehe ich in meine Online Videothek.
Ohne Ziel. Ihr, also die ganze Apple-Industrie, will mir ja was verkaufen. Spass, Spannung, Unterhaltung. Der Film ist quasi gratis dabei. Umwirbt mich.
Wenn ich den Supermarkt gehe, sehe ich das Regal mit unzähligen Knuspermüsli. Von ganz gesund bis Arterien-verstopfend lecker. Tolle Bilder, da ein Gockel, hier ein Tiger, dort eine Frau im Sport-BH sollen mich zum kaufen animieren. Für gewöhnlich wähle ich den Frosch. So ein Kindheitsding. Auch wenn dies damals ein Bär war und die Dinger auch nicht Smacks hiessen, weil wir arm waren und in der Migros…, aber darum geht es hier nicht.Ich fühle mich nicht umworben! Schlimmer noch. An eurer Tür steht ein digitaler Pförtner welcher sagt; „Einfach nur gucken geht nicht!“
iTunes ist nicht eine Filiale, in welche ich mal reingucke, ob ich etwas finde. iTunes ist eher ein Hotel-Zimmer-Mahlzeiten-Lieferdienst. Und das Zimmermädchen hat die Speisekarte versteckt. Wenn ich also genau weiss, was der Koch in seinem Kühlschrank hat, was er zu später Stunde noch zubereiten will und welches Menü ich aufs Zimmer bestellen kann, dann, und nur dann, kann ich auch etwas bestellen. Ansonsten soll ich die Küche gefälligst nicht belasten.
Also iTunes jetzt.

Ich habe also die gekauften Artikel. Ein Nicolas Cage-Film. Ja, kriegt euch wieder ein, ich weiss auch nicht welcher Teufel mich geritten hat. Im Suff die falsche Taste gedrückt. Dann die Top-Filme.
Star-Wars, noch im Kino, jetzt vorbestellen.
Warum zum Teufel soll ich auf einem Online-Portal etwas vorbestellen? Ist ja nicht so, dass ihr das Ding in den Briefkasten liefert. Wie alle anderen Leute kann ich es in der gleichen Minute mieten. Vorbestellt oder nicht. Also spart euch den Schrott doch einfach.

Ganze 22 Top-Filme sind im Angebot.
Wow. Die Filmindustrie muss echt am Boden sein. Ob ‚Vacation‘ nun ein Top-Film sei lassen wir dahingestellt, dies ist eine Frage des Geschmacks. Und der Kultur. Aber zweiundzwanzig Filme. Da habe ich mit meinen terrestrisch empfangbaren Sendern ja mehr Filme im Angebot. Da werden im Minutentakt Filme in die Kinos geworfen und ihr habt 22 jämmerliche Streifen im Topangebot. Bescheidene Streifen, habe doch drei davon geguckt.
Wo wir gleich dabei sind. Es ist mir schon klar, kaufen ist für Euch geiler als mieten, aber hey, es wäre doch ein Kundenservice, wenn man eine Sparte Miet- und eine Sparte Kauf-Filme hätte. Bei 22 Streifen kann der Aufwand nicht gar so grob sein.

Dafür habe ich gleich in der nächsten Zeile „Neuheiten für 13.-„. Also die Hälfte der Topfilme nochmals, einfach zum kaufen. In HD. Wow. Ihr wisst schon, dass mittlerweile sogar die Trovatos in HD ausgestrahlt werden? Ist deutsches Unterschichten-Fernsehen, falls Ihr Support in Indien sitzt. Es ist wie mit dem elektrischen Anlasser beim Kraftfahrzeug. Man erwähnt ihn auch nicht speziell, weil es heute einfach irgendwie dazu gehört. Wie HD auch.

Danach, kaum zu glauben, noch eine Zeile. Wieder die Topfilme. In Französisch. Also ehrlich. Mein iPhone registriert, wieviel Blatt Hakle ich im Schnitt durch die Kimme ziehe, aber, dass ich keine französischen Filme gucke ist absolutes Neuland für euch.

Dann die Familienfilme. Free Willy, Ice Age… Wie oft habe ich schon Rapunzel gemietet? Oder überhaupt einen Familienfilm? Von wegen personalisierter Werbung und so.
Natürlich nochmals in Französisch, dann noch italienische…

Ah, da! Filme auf Deutsch.
Ein Unterkapitel.
Und nochmals die Topfilme. Wollt ihr mich eigentlich verarschen??
Was ist mit der unglaublich grossen Filmauswahl? Für mich, Freunde und die ganze Familie?

Gut, gehen wir zur Wunschliste. Während einer Sitzung auf dem stillen Örtchen habe ich bei iTunes gelegentlich einen Film auf die Wunschliste gesetzt. Jedes bescheuerte Foto wollt ihr in die Cloud und auf 478 Server weltweit speichern, aber meine Wunschliste synchronisieren, das klappt nicht.
Egal, gehen wir weiter.

Ah, Genre-Wahl. Klingt doch gut. Kann ich die unglaubliche Auswahl eingrenzen. Komödie, Romantik, Action, Horror oder…
Deutsch oder Französisch? Das versteht ihr unter Genre? Also wo ich herkomme sind dies Sprachen und keine Sparten. Und was finde ich in der Liste? Genau, die 22 Top-Filme.

Also suche ich. Schon einmal betrunken dieses Streich- und Wischbedienfeld bedient? Und dann muss ich noch den korrekten Filmtitel wählen, sonst findet das kluge Apple-TV gar nichts. Niet. Nada.
Ja, die Siri-Suche müsse ganz toll sein. Glaube ich, bin ein Fan von Siri. Die bestellt mir auch noch ein Taxi, wenn die Zunge ganz schwer ist. Aber, Himmel und Hölle, in der Schweiz geht Siri nicht! Bringt dies in Ordnung.
Nun gut, Wischen und Klicken. Ihr wisst schon, dass ihr den Suchen-Button vergessen habt? Also ich kann den Filmtitel mit allen möglichen Umlauten und Sonderzeichen eingeben, wenn Apple-TV nicht automatisch suchen geht, geschieht gar nichts. Kein manuelles „Suchen“.
Neustart der Box. Oh, American Ultra. Der Beschrieb in französisch. Nun, manche Filme besitzen mehrer Tonspuren. Ihr wisst schon, nebst dem Dolby Digital – welches ihr bei 7% der Filme anbietet, der Rest ist Mono und Stereo abspielbar – gibt es auch mehrere Sprachen und gar Untertitel. Nur leider sieht man im Beschrieb so überhaupt nicht, was vorhanden ist.
Wie eine Müslipackung in einer weissen Schachtel. Ich muss sie kaufen, um zu sehen, was darin ist. Nun kann ich also American Ultra mieten, wenn ich Glück habe ist er auf Portugiesisch mit russischen Untertiteln.

Liebes Apple-TV. Ihr wisst schon von einem Dienst namens Netflix? Diese Menüführung habt ihr mit dem neuen Apple-TV wohl auch kastriert, aber zumindest miete ich nicht die Katze im Sack, da die Filme kostenlos sind.

Nun, wie stehen die Chancen, dass ihr diesen Missstand behebt? Oder dieses bescheuerte Apple-TV zurückkauft?

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Auf das neue Jahr

So, nun geht es tatsächlich zu Ende. Das Jahr kümmert sich einen Dreck ob wir nun soweit sind oder nicht. Wenn man das Jahr denn als eine Sache betrachtet, denn eigentlich ist es nur Zeit.
Die Menschen feiern, dass sie ab morgen über die nächsten drei Wochen hinweg bei Datumsangaben die fünf durchstreichen und eine sechs hinschreiben. Und das alles besser wird, vergisst dies bitte nicht! Warum gerade vom 31. Dezember auf den 1. Januar alles besser wird weiss man nicht genau, aber der Mensch braucht irgendwie einen Fixpunkt. Der Mensch kann nicht seine Teetasse hinstellen und sagen, den nächsten nehme ich ohne Zucker. Nein, frühestens ab Morgen. Vielleicht übermorgen, aber ganz sicher den Tag darauf.
Ist schon in Ordnung, wir dürfen ja Menschen sein.

Der Tag schreitet voran, noch wenige Stunden bis zur Sause.
Die Hundehalter ringen langsam aber sicher mit ihren Lieblingen und dem Überstreifen des Thundershirts, schwingen Weihrauch durch die Wohnung, richten Kuschelbunker ein und zwängen den Schuko-Stecker des im Lidl erstandenen Hunde-Beruhigungs-Aroma-Sprüher in die gute, enge schweizerische Steckdose.
Hunden scheint bei Feuerwerk die Muffe zu gehen. Was machen Katzen eigentlich bei Feuerwerk?
Werden es wohl zur Kenntnis nehmen und mit dem Kopf über die Sofakannte hängend in einer Rücken-Seiten-Bauchlage mit grotesk abgespreizten Beinen weiterschlafen.

Schon wochenlang in der Vorbereitung auf den grossen Wechsel sind all diejenigen, welche das mit Abstand beschissenste Jahr aller Zeiten beschliessen und mit einer Schubkarre voller Vorsätzen in das nächste Jahr gehen.
Wie letztes Jahr, weil auch schon das Jahr davor das aber absolut beschissenste Jahr ihrer Lebensspanne war. Blickt man weitere fünf Jahr zurück, sollte man sie vielleicht einmal die Stricke durchzählen lassen und sie fragen, ob sie sich gewiss sind, dass sie nicht diesen einen Kalberstrick über haben und selbigen einer sinnvollen Verwendung zuführen wollen? Oder vielleicht den Jahresübertritt föhnend in der Badewanne verbringen möchten und warum nicht einmal mit dem Dreirad auf die A1 fahren oder dem Zug Angesicht zu Angesicht winken?

Es sind diese Menschen, welche ihr Umfeld über soziale Netzwerke darüber informieren, dass sie nun ihr Freundesliste einmal ordentlich aufräumen wollen. Da niemand reagiert, krönen sie ihre eigenen Bemühungen mit einem Kommentar, sie hätten nun 45 Freunde in das digitale Nirvana befördert.fb-statusDaher löschen sie den Kommentar und tippen einen neuen Status, von wegen, sie hätten nun 45 Freunde gelöscht. Und da ich nicht weiss, ob die Gänsefüsschen nun bei Freunde oder gelöscht angebracht wären denn eigentlich ist das eine wie das andere nur Schein, lass ich es einfach.
Abermals kein Kommentar, also klopfen sie sich selber auf die Schulter, dass sie nun erkennen, die richtigen gelöscht zu haben, aber vielleicht nochmals durchbürsten müssen.

Nun ja, die Krux liegt darin; Um jemanden ans Bein zu pinkeln muss man schon zielen und besorgt sein, dass die- oder derjenige keine Gummistiefel trägt. Oder wie kommt der radikale Freundelöscher auf die Idee, dass jenen Freunde, welche ihn schon das ganze Jahr ignoriert haben nun der Boden unter den Füssen weggezogen würde?
Hinter dem ganzen „mimimimi“ steckt doch nur ein, „mein Leben ist beschissen, ich will nicht sehen, wie euer Leben so toll verläuft.“
Um danach über Wochen in die nunmehr nicht mehr so zugänglichen Profile zu spienzeln und zu ärgern, dass man nicht mehr alles sieht.
Die Liste, so hübsch bereinigt, füllt man innert kurzer Zeit wieder mit flüchtigen Personen, bis hin zu Menschen welche man noch nicht einmal kennt, in welche man aber alle Hoffnung der Welt setzt. Damit man am kommenden Silvester wieder rausputzen kann.

Natürlich werden die virtuellen Pinnwände auch wieder mit tiefschürfenden Sprüchen bepflastert. An dieser Stelle wollte ich nun einen pinnen, aber die sind allesamt so dümmlich, ich kann mich nicht entscheiden. Für einmal ist es nicht Coelho, welcher predigt, dass ein Furz nach Rosenduft riecht wenn man die Reinheit eines Sandkornes in seiner Seele aufnimmt, sondern unzählige Zitate über Mitmenschen.
Es gibt Vertreter unserer Spezies welche das Händchen haben, sich stets die falschen Menschen auszusuchen. Wiederholt. Jahr für Jahr.
Und jedes Jahr geloben sie sich – und allen, welche es mitlesen müssen -, dass sie nächstes Jahr aber ganz fein aussortieren wollen, welche Menschen sie in ihr Leben lassen. Denn nur jene, welche Spuren hinterlassen, durch einen Ozean schwimmen und den Everest erklimmen würden.
Menschen, von welchen man weiss, dass sie immer da wären, auch wenn man nie etwas von ihnen hört. Besteht natürlich die Gefahr, dass genau diese Menschen ende Jahr „gelöscht“ werden, weil man ja irgendwie keine Menschen braucht, von welchen man nie etwas hört, insbesondere, weil man sich dann auch nicht ganz sicher sein kann, dass sie auch da wären. Aber wahrscheinlich verstehe ich dies einfach nicht. Habe nie Coelho gelesen.

Es sind alle diese armen, verlassenen Menschen in der Friendzone. Ich glaube die Friendzone muss ich hier nicht nochmals erläutern.friendzoneAlso mal unter uns Pastorentöchter, ihr armen Kerls da draussen wisst schon, dass der Zwang in eine Friendzone zu treten in etwa so hoch ist, wie die Dusche mit Reiszwecken auszulegen?
Auf zweitere Idee würdet ihr nie kommen, warum macht ihr also ersteren Schritt? Natürlich, es ist wie mit dem 13. Bier am Abend, an welchem man bestenfalls nicht einmal genippt hätte, es jedoch mit Insbrunst in die Kehle geschüttet hat. Es kann einfach passieren. Wie das 13. Bier, welches so lecker auf dem Tresen steht und „Trink mich“ schreit, sieht die Friendzone äusserst vielversprechend aus. Während man jedoch das 13. Bier beim nächstenmal vielleicht wieder kippt, kann man dies durchaus dem Umstand zuschieben, dass ihr sturzbesoffen und im Urteilsvermögen eingeschränkt seid.
Wie nennt man eigentlich die Herrscherin der Friendzone? Egal, ihr wisst, welche ich meine. Also spätestens, wenn diese sich bei dir ausheult, wie böse der neue Partner sei und warum er nicht so wie du sein kann, weisst du, dass dir etwas ganz entscheidendes fehlt. Und eigentlich kann es nur dies sein, an welchem besagte Dame so überhaupt kein Interesse zeigt, obwohl ihr schon die Umkleide geteilt habt, du ihr den BH zuhackst welchen du für ihren Lover ausgesucht hast, ihr euch ein Hotelbett geteilt und umschlungen unter der Kuscheldecke vor dem Lagerfeuer gesessen habt.
Genau Junge, lass dir doch einfach ein paar Eier wachsen. Die geben dir die Macht auch mal nein zu sagen, was dir sofort den Titel Arschloch einbringt – schliesslich habt ihr ja beide dasselbe „Freunde sind immer füreinander da“-Bild geliket – und wenn es als bester, guter, liebster und allertollster Freund nicht klappt, vielleicht als Arschloch. Und wenn auch nicht, dann ist es dir eigentlich auch egal, denn dies macht doch ein Arschloch irgendwie aus.

Die einzig akzeptable Ausrede in der Friendzone zu stecken wäre, dass ihr Nachts über Dächer rennt und ein Cape trägt.batman-friendzoneWenn ich nun doch noch einen sinnigen Spruch aufführen darf. Wird gerne von Menschen geteilt, welche so arg und böswillig verletzt worden sind.verdientIch meine; Euch ist schon bewusst, dass ihr euch selbst disqualifiziert?
Denn irgendwie habt ihr es verdient, einen richtig bösen Menschen in euer Herz zu schliessen und dies noch BEVOR dieser richtig böse Mensch vom Schicksal ereilt wurde? Bedeutet dies nun, dass ihr so richtig, richtig, richtig böse Menschen seid?
Was würde nun Coelho wohl sagen?
Vielleicht, dass man nur den Wind der Freiheit unter den Flügeln spürt, wenn man auf der Welle eine Krone aus Schaum sieht.
Ich glaube, als scheissreicher Schriftsteller ist man viel am Strand.

Nun denn, so wünsche ich wohl zu rutschen. Vorsätze habe so spontan keine gefasst, denn alles in allem läuft es tiptop.
Und dies wünsche ich Euch auch, einem jeden von Euch.

good-bless

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