Der Grinch hat zugeschlagen

Früher war mehr Lametta.
Ist mir bewusst, erwähne ich jedes Jahr. Es ist nunmal so, dass der Weihnachtsmonat stets den Abschluss des Jahres darstellt und wie ein Geschäftsführer an die Erfolgsrechnung, werden hier auch gewisse Erwartungen gestellt. Abgesehen davon, dass er einer der umtriebigsten Monate ist weil die Menschheit in der stetigen Panik lebt, die Erde stelle am 31. das rotieren ein. Klappe zu, Affe tot, alles vorbei.
Dennoch erwacht man tags darauf und ein neues Jahr beginnt. Mit sämtlichen Alt- und Neulasten.

Wenn auch jedes Jahr eine Idee weniger Lametta war, hängen heuer nur noch zwei, vielleicht drei Engelshaare an der dürren Tanne. Im August waren noch kein Spekulatiusgebäck im Regal, die Supermärkte starteten überraschend spät. Doch kaum drehte Bademeister Schmid zum letzten Mal den Schlüssel im eisernen Freibadtor, fuhr Kalle der Brummifahrer die Nikoläuse in die Warenhäuser.
Ärgerte ich mich noch nicht einmal darüber, der Mensch ist durchaus flexibel.
Vielleicht lenkte mich der Herbst ab. Zumindest kalendarisch hatten wir einen. Also meine Wenigkeit vermisste die Herbststürme, peitschender Regen, verhangener Himmel und neblige Tage. Die Zeit, in welcher das behagliche Zuhause eine unglaubliche Gemütlichkeit ausstrahlt. Die Zeit, in welcher man ohne Aufhebens auf der Couch lümmeln kann, lesen oder fernsehen, während man zu Sommermonaten immer angeschaut wird, als hätte man Stubenarrest oder sonst die Seuche.

Ein goldener Herbst, quer durch die Lande war man sich einig; So muss das sein!
Und plötzlich war es Advent.
Abgesehen von den frühen Morgenstunden bin ich noch gut drei viertel des Tages im T-Shirt unterwegs. Drinnen wie draussen. Gerade eben bin ich vom Laufen zurück gekommen. 12. Dezember, Hobbygärtner stechen den Garten um, Katzen jagen Mäuse auf den Feldern, unzählige Rennradfahrer begegneten mir.
Den Ausdruck goldener Winter habe ich noch nie gehört, da muss man sich vielleicht etwas neues überlegen.
Ich bin überzeugt, landauf, landab ist man sich einig; So muss das sein!

Nein, mir steht der Sinn nicht nach einem Klima-Vortrag. Natürlich, ganz kurz dachte ich an die Eisbären, weil die Frau WWF der Schaffhauser Filiale in ihrer Kolumne erwähnte, dass Eisbären das Eis brauchen.
Ganz kurz, ich habe das mal eben nachgeschlagen; Wie der Mensch hungert der Eisbär den Sommer durch. Allerdings nicht für seine Strandfigur, sondern weil einfach keine Nahrung rumliegt. Die Dicke des Packeis ist massgebend für die Fülle der Nahrung. In diesem Eis haben die Robben Löcher um Luft zu schnappen. An diesem Loch lauert Gevatter Bär und zieht der kleinen Robbe eins über die Rübe, wenn sie Luft schnappt. Ist nun das Eis sehr dünn, oder ganz verschwunden, kümmert sich die Robbe einen Dreck um Atemlöcher, sie geht da hoch, wo es eben passt. Was natürlich dem Gewohnheitsbären nicht so in den Kram passt. In etwa, wie wenn die Migros die Regale umstellt oder einen Artikel gar aus dem Sortiment nimmt.
Dies wäre dann die Sommersaison. Dann begibt sich der Bär eben auf das Festland und sitzt die Zeit aus, bis der Winter wieder Robbenfleisch bringt. Bis zu einem Kilo Fett verbrennt er täglich in der Fastenzeit. Der Glückliche.

Nun ist es ja so; Die Eisbären sind weit, weit weg. Und eigentlich, sind wir ganz ehrlich, wer braucht Eisbären? Gewiss haben sie ihre Funktion auf diesem Planeten, aber dies behauptet man von Stechmücken auch. Klingt jetzt böse, nicht wahr? Und selbstverständlich würde ich nie so denken. Aber wenn ich die Freunde des goldenen Herbstes frage, ob sie für einen Sommer wie den letzten jeden Monat einen Eisbären opfern würden und sie so richtig ehrlich sind sehe ich düster für Meister Petz.
Glashaus, ist mir klar. Da Rindfleisch den Hauptbestandteil meiner Ernährung ausmacht, bin ich durchaus bereit, die süssen Rinder dafür über die Klinge springen zu lassen.

Klima soll nicht das Thema sein, aber wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, genügte der Hauch Schnee Ende November auch nicht für einen Winter. Ich würde nun sagen, Winter und Weihnachten gehören zusammen, aber irgendwie hat man sich bereits damit abgefunden, dass dies zwei Paar Schuhe sind. So erscheint mir Werbung mit verschneiten Berghütten surreal. Man findet es hübsch, gewiss, aber irgendwie so greifbar wie ein Erdhöhle im Auenland.
Ich dachte früher hatten wir stets und immer weisse Weihnachten, bis ich eine Klimastudie sah. In den letzten 80 Jahren hatten wir nicht die Hälfte Schnee an den Feiertagen. Soviel zu der Verlässlichkeit von Erinnerungen.

Gerade nachgesehen. Auf dem Piz Mundaun hat es drei Grad. Ein paar Fetzen Schnee. Andere Skigebiete, Arosa oder so, haben schon eröffnet. Auf einem weissen Streifen zu Tal, während zehn Meter links davon der Alois noch einmal den Balkenmäher durch das satte grün schiebt.
Und die Leute freuen sich. Schneekanonon sind mittlerweile normal, Apres Ski in Bermudas, landauf landab klatscht man in die Hände; So muss das sein.

Es ist nicht nur das Klima.
Helene Fischer fühlte sich beflügelt ein Weihnachtsalbum auf den Markt zu werfen. Mit Kindergesang und einem Symphonie-Orchester erfindet sie nicht das Rad neu, sie spielt einfach Klassiker nach. So öde und träge, dass einem der Kopf in den Guetzliteig klatscht. Man hätte sie ja nicht kaufen müssen. Wären da nicht die Radiostationen, welche die Originale in den Regalen lassen und nur noch die Fischer’sche Schlafzimmer Wiegenversion von Last Christmas säuseln.

Also fabrizierte ich Kekse ohne Weihnachtsmusik. Irgendwie auch ohne Begeisterung. Nach dem dritten ausgestochenen Zimtstern nimmt man aus dem Augenwinkel nur noch die Küche wahr, durch welche ein Wirbelsturm gezogen sein muss. Ächz, noch soviele Sterne verzieren, Küche aufräumen, Keksdosen holen… Warum tut man sich dies überhaupt noch an? Es ist ein Gesamtkonzept, Guetzli ohne Weihnachtsstimmung bringt nur den ganzen entsetzlichen Aufwand zu Tage. Da kauft man sich lieber eine Tüte Midor-Keksmischung in der Migros.
A propos; etwas über eine Woche vor Weihnachten verschwinden Keksdosen, Ausstecher und allerlei Utensilien für die Familienbäckerei aus den Regalen, Kekse sind bereits 30% reduziert. Schoko-Christbaumanhänger müssen am Kundendienst verlangt werden, Frau Kraushaar guckt dann mal eben im Lager nach. Jetzt haben eben Tischbomben und Pappnasen Saison. Verkäuferisch ist Weihnachten bereits durch.

Da wären noch die Weihnachtsmärkte. Da bin ich altmodisch. Sehr altmodisch. Weihnachtsmarkt im T-Shirt geht gar nicht. Dies reisst auch ein Cola-Truck, der da mit eingeschalteter Klimaanlage im welken Herbstlaub steht, nicht raus.
Da will ich an die Füsse frieren, da soll die Nase laufen, da steht man ein wenig näher zur Marroni-Pfanne, da knabbert und nascht man in einem fort, weil man in der Kälte einfach den notwendigen Hunger entwickelt und die weite Jacke gebrannte Mandeln und Waffeln so herrlich verzeiht.
Aber ich bin mir sicher, landauf landab begrüsst man diese Entwicklung. Während man an das Rheinufer flip-flopt greift man sich noch eine Tasse Glühwein; So muss das sein.

Ja, alles in allem war es ein wunderbares Jahr, aber Weihnachten wurde mir heuer gestohlen.
Der einzige Lichtblick ist mein Adventskalender von meiner besten guten Freundin – ja, auch in meinem Alter kann man einen Adventskalender haben –  welcher doch jeden Tag ein wenig Freude in die Hütte zaubert.
Und die Heizkostenabrechnung wird wohl auch sehr wohlwollend ausfallen.

So war es, muss aber nicht jedes Jahr sein.

weihnachtenUnd nun, sagt ganz ehrlich; Wirkt dies nicht wie ein Hase mit einem Körbchen voller Eier auf dem Rücken? Man assoziert es mit Weihnachten, aber nur, weil es eben so überliefert ist.

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Aber, liebes facebook, so nicht….

Sei es nun eine schweizerische im Speziellen oder menschliche Eigenart im Allgemeinen; Das „Aber“ hat seinen fixen Platz in unserer Gesellschaft.

Dereinst las ich die kluge Bemerkung, den Satzteil vor dem „aber“ könne man getrost ignorieren, da er zum Sachverhalt nichts beiträgt. Insofern bin ich versucht, dieses Unwort nicht zu oft in meinem Alltag zu verwenden. Im geschriebenen zumindest. Durch eine Wortgewandtheit oder gar die Fähigkeit in nüchternem Zustand mit Menschen zu sprechen zeichne ich mich nicht aus.

Meine Aufmerksamkeit wurde durch mehrere aktuelle facebook-Statusmeldungen auf diese „aber“-Unart gelenkt.fb-richtlinienIst insofern ein Unsinn, da der erste Abschnitt nur eine etwas ausführlichere Erklärung des Symbols © darstellt, welches an sich genommen auch völlig überflüssig ist. Dieser soeben getippte Text in etwa ist urheberrechtlich geschützt. Ob ich nun noch ein Hinweis anfüge oder nicht.
Gilt natürlich nur bedingt für das auf facebook veröffentlichte lustige Katzenbild aus dem Internet, dem youtube-Video oder meinen verlinkten Tages-Anzeiger-Artikel

Ich bin kein Rechtsverdreher, auf den Schutz durch das Urheberrecht gehe ich nicht weiter ein, davon verstehe ich schlicht zu wenig.
Jedoch verstehe ich soviel davon, dass ich in einen gewissen gesetzlichen Konflikt gerate, so ich mit einem kleinen Kreuz oder Haken die – bewusst aus Faulheit ungelesenen – Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Firma facebook akzeptiere um hernach auf der mir durch die Einverständniserklärung eröffneten Plattform einen Wisch aufsetze, dass ich besagtes Einverständnis widerrufe.
Noch nicht einmal pearl, und die belieferen ja wirklich jeden, sendet mir einen Artikel ohne mein Einverständnis zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Betrete ich die Räumlichkeiten eines lokalen Detailhändlers und spaziere mit dem neuen Samsung 60 Zoll-Fernseher unter dem Arm durch die Tür, wird er mich alsbald am Schlafittchen packen. Natürlich kann ich versuchen, vielleicht mit einem vorgefertigten Text, ihm darzulegen, dass ich seine Geschäftsbedingungen Ware gegen Geld nicht akzeptiere, wir werden jedoch kaum grün miteinander werden.

Warum versuchen es die Leute denn bei facebook?
Weil es eben kostenlos ist. Und wenn etwas kostenlos ist, sind wir mit dem „Aber“ noch viel schneller bei der Hand.
„Ich nehme dies schon, aber…“
Ihr entsinnt euch, den Satzteil vor dem Aber kann man sich ersparen und nach selbigem steht an sich nur noch „Ich nehme dies nicht.“. Völlig irrelevant wie viele hübsche Worte ihr benutzt und auf wieviel Zeilen ihr dies ausdehnt.
Unterm Strich bleibt; Ich nutze weiter die tollen Möglichkeiten des kostenlosen sozialen Netzwerks, oder ich lasse es eben bleiben.

Aber dies wäre eben nicht Mensch.

Habt ihr die neuen facebook-Richtlinien gelesen? Ihr könnt getrost den Kopf schütteln, Aussenstehenden zeigt dies nur auf, dass ihr euch mit dem eben gelesenen Text auseinandersetzt und dies ist doch eine gute Sache.
Ich habe sie auch nicht gelesen. Wie ihr wurde ich nur darauf aufmerksam, weil virtuelle Bekanntschaften begannen, ihr Nicht-Einverständnis auf der virtuellen Pinnwand mitzuteilen. Sie kopieren einen Text, welchen sie nicht selbst verfasst haben in ihre facebook-Timeline, um mitzuteilen, dass sie die Verwendung von ihren Texten durch eben diesen Dienstleister nicht billigen.
Irgendwie paradox. Und passt so hübsch in die komplette facebook-Geschichte.

Dem Mensch ist nichts heiliger als der Datenschutz.
Vielleicht sein Rückzugsort, die heimischen vier Wände. Welche man sofort online präsentiert, weil eben die Katze so nett posiert, oder der Kleine eine schöne Lego-Burg gebaut hat.
Die Kinder, das heiligste Gut. Jedem Fremden, welcher zu lange oder einfach irgendwie merkwürdig guckt will man an die Gurgel oder besser ihn gleich wegsperren. Doch stellen wir die lieben Kleinen ins Internet. Sei es im Waschzuber oder bei der Krippenspielaufführung.
Überwachung im Sinne von 1984 wäre die ultimative Dystopie. Uns anonym von A nach B zu bewegen ist uns heilig, vehement geht man gegen Überwachungskameras vor. Um hernach zu posten, wir befänden uns jetzt im Güterhof. Im Bus gefahren, welcher selbstverständlich über free-wifi verfügen soll, das Einloggen in öffentliche Datennetze gehört zum guten Ton und soll beinahe ein Bürgerrecht sein.
Um Detlef dem Dämmerungseinbrecher die Sache noch einfacher zu machen, posten wir gar, wo wir momentan gerade Sport treiben. In Echtzeit können böse Buben die Laufstrecke verfolgen und abschätzen wann der sportliche Müller wieder zuhause wäre. Mehr noch, sie können ihn virtuell anfeuern, dass er noch ein Brikett zulegt und einen Kilometer anhängt.

So will man den Narzisst in sich befriedigen, möglichst viele Menschen sollen unser Leben verfolgen. Hashtag über #, dass das aktuelle Foto mit allen möglichen Suchbegriffen verlinkt ist. Gefunden werden um jeden Preis, facebook genügt nicht. Es wird getwittert, Instagram genutzt (wie ist hier das Verb?) und bei whatsapp liegen unsere Bilder und Videos längst auf dem Server, wir freuen uns nur, dass das Weiterleiten eines 24-Megabyte-Videos lediglich einen Wimpernschlag lange dauert.
Dank der kostenlosen Portalen streuen wir unsere intimsten Moment wie das Blumenmädchen seine Rosenblüten an der Hochzeit.
Eine Dienstleistung, welche keiner mehr missen will.
Aber….

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Irgendwie eine Erklärung und so…

Die Tage kann ich meiner Schreibeslust nicht in diesem Mass fröhnen, wie es mir belieben würde.
Chume nid derzue.

Was natürlich kompletter Unsinn ist.
Nach dem frühmorgendlichen Augenzwinkern beginnen wir Prioritäten zu setzen und unterwerfen den Tagesablauf selbigen. Und würde ich wirklich wollen – Schoppenhauer würde fragen, können wir wollen was wir wollen – hätte das Tippen seinen Platz erhalten und vielleicht das fernsehen den seinigen abgetreten.
Wobei dieser sehr gering ist, da dem Blick in die Welt durch die plexigläserne Mattscheibe meines Plasmabildschirms derselbe hohe Stellenwert wie etwa der Aussaat der Erdbeeren beigemessen wird. Ich betreibe keine Agri-Kultur im Hinterhof, da auf selbigem ein Schulhaus steht und ich auch nicht weiss, ob Erdbeersamen den Winter überstehen.
In einem atypischen Sparakt beschloss ich, dass mein Fernsehkonsum die Investition in Pay-TV nicht mehr rechtfertigt, kündigte das Abonnement und erhalte fortan monatlich ein Schreiben der Firma Teleclub, tränenbenetzt, ob ich nicht zu einer Umkehr zu bewegen wäre. Einen Wimpernschlag erwog ich die aussergewöhnliche Situation zu erklären. Darzulegen, dass es nichts persönliches sei, kam jedoch zum Schluss, dass sie mich als regelmässig zahlenden Kunden nie sonderlich umgarnt hatten, was der Sache vielleicht doch einen persönlichen Anstrich verleiht.
Als Vollzeit arbeitender Mann und Teilzeit Hausfrau fehlte mir schlichtweg die Zeit, das durchaus umfangreiche Entertainment-Angebot in diesem Ausmass zu geniessen, wie es der monatliche Einzahlungsschein erfordert hätte.

Nun gucke ich fern, wie es unsere Urväter taten. Nach 15 Minuten zappen schalte ich das Ding jeweils ernüchtert aus. Kommt eh nur Scheiss. Wie die Urväter schon orakelten.

Glücklicherweise überrollte Netflix die Schweiz. Für eine Appel und ein Ei sieht man unlimitiert Serien und Filme. Wann man will, ohne Werbeunterbrechung, so oft man will. Nahezu paradiesisch. Wenn man auf Filme wie „Supershark gegen Ur-Dino-Krokodil, das Strandmassaker 14“ oder filmschaffen von ähnlich künstlerischem Wert steht.
Es finden sich jede Menge Serien im Angebot, will ich nicht bestreiten. Erscheinen brandneu auf Netflix, nachdem RTL 2 bereits das Finale der Staffel 4 ausstrahlt. Ist so ein Schweizer Datenschutz-Urheberrcht-Schmiergeld-Problem.
Die ganze Sache läuft über Apple TV. Diese kleine Wunderbox, welche die Videothek ersetzt. Die Krux liegt darin, dass die globale Videothek mehrere Eingänge besitzt. Also zwei. Wobei einer davon eigentlich kein Eingang ist, sondern eher ein Loch in der Mauer, welches in ein dunkles, vergessenes Hinterzimmer führt. Dieser ist für die Schweizer.
Unsere nördlichen, östlichen, westlichen und überhaupt alle Nachbarn gelangen über den roten Teppich an eine Empfangsdame namens Siri. Dieser erklärt man, welchen Film man gerne hätte, oder wünscht sich eine Empfehlung nach diesen und jenen Kriterien, oder lässt gleich Siri entscheiden, welche die Präferenzen des Kunden erschreckend genau kennt.

Warum dies in der Schweiz nicht funktioniert wissen die Götter, die Option Siri ist einfach nicht freigeschaltet. Dank der neuen Wisch-Tipp-Fläche der Fernbedienung kann man natürlich die Titel auch manuell eingeben. Geht in etwa so flott, als würdet ihr sie in Granit meisseln. Mit einer harten Spaghetti als Meissel. Früher präsentierte Apple noch einige Schmankerl aufgrund meines bisherigen Fernsehkonsums. Genius nennt sich dies. Der Peinlichkeit wird ein Riegel geschoben, da Apple-seriös keine Schmuddelfilme anbietet, man also auch nicht in kaltem Angstschweiss badet, so einem bei den Filmvorschlägen jemand über die Schulter blickt.
Genius funktioniert auch nicht mehr. Apple-TV geht davon aus, als Schweizer würde ich auch gerne Schweizer Filmschaffen sehen. Solch Schmarrn wie „Brakeout“ „Letzte Usfahrt Örlike“ und „Das Blocher Experiment“. Natürlich in sämtlichen Landessprachen.
Früher konnte man zumindest noch nach Genre aussuchen, steht einem der Sinn nach Western, Horror, Komödie oder einem Indiefilm. Die Genre wurden zusammengestrichen. Ich kann wählen zwischen „Französische Sprache“ und „Alle Filme auf diesem Planeten“. Das neue Apple TV gleicht also einer Videothek mit 1000 cineastischen Werken. Allesamt in einer schwarzen, unbedruckten Hülle.

Kurz gesagt, ich widme der multimedialen Berieselung herzlich wenig Zeit. Statt dessen fröhne ich der körperlichen Ertüchtigung, was auf Kosten der Schreibtätigkeit geht. Als Minderheit habe ich dem Ostblock das Feld geräumt; Die sportlich Aktiven mit Migrationshintergrund haben die begehrte Trainingszeit gleich nach Feierabend erhalten, ich schneie so gegen halb acht in das Center. Da bleibe ich bis um halb zehn, um zehn ist Zapfenstreich, da bleibt nicht viel Zeit zum schreiben. Des weiteren stelle ich fest; Wenn man den Löwenanteil der Freizeit dem Sport unterwirft, pendelt sich die intellektuelle Leistungsfähigkeit irgendwo auf dem Level Ribéry-Ronaldo ein, sprich; Ich bin zu dämlich mir selber die Schuhe zu binden, aber springe wie ein Reh und könnte einen ausgewachsenen Hirsch stemmen. Ja, ich spüre förmlich wie ich dümmer werde, was für das Verfassen eines Textes was für das Verfassen eines Textes was für das Verfassen eines Textes irgendwie nicht hilfreich ist.

Die Zeit vor dem Training überbrücke ich mit einem Studium der Tagespresse.
Heute stellte ich fest, dass das Volk je länger je mehr an den Politikern vorbei politisiert. Respektive, wir wählen nicht so, wie es die Politiker für uns angedacht haben, was das politisieren an sich furchtbar schwierig macht.
So muss dem Schaffhauser Tourismus nach der Verweigerung weiterer Zahlungen ein Sonderkredit gesprochen werden, damit dieser trotz abschlägigem Entscheid durch das Stimmvolk dennoch zu seinem Geld kommt. Ist doch furchtbar umtriebig und das nur, weil wir nicht so wählen, wie es richtig wäre.
Und dann diese ewig leidige Zuwanderungsinitiave. Hätten wir damals richtig entschieden, müsste der Bundesrat nicht ewig um den Segen der EU betteln.

Doch die Probleme sind auch ausserhalb der Schweiz erkennbar. So ist der Staat Deutschland eifrig daran Möglichkeiten auszuloten, die rechtspopulistische Partei AFD zu verbieten, weil die Meinung des Volkes irgendwie nach rechts tendiert, was man so nicht goutieren kann. Die Rechnung ist einfach; Ekel-Alfred kann noch so rechtsorientiert denken, solange er keinen Regierungsvertreter erhält, kann man ihn getrost ignorieren. Eine rechtsradikale Ausrichtung passt einfach nicht in das „Herzlich Willkommen“-Image von Deutschland. Das muss das Volk einfach verstehen.
Man blickt ein wenig ängstlich nach Frankreich und dem Erdrutsch-Etappensieg der rechten Front National. Wobei die Franzosen ein etwas spezielles Wahlsystem haben. Sie wählen nicht die kommende Regierung, sondern strafen die aktuelle ab. Ist so ein prinzipielles Ding. Nach dem republikanischen Sarkozy war klar, dass der Sozialist Hollande zum Zug kommt. Da dessen Regierung, zumindest bis vor den Terroranschlägen, ein wenig was von einem nassen débarbouillette hatte ist klar, dass die Stimmung wieder nach rechts kippt. Dank, wenn man dies so nennen darf, den Vorfällen in Paris nicht nur auf Seite Sarkozy, sondern gleich noch eine Ecke weiter in das Lager der Le Pen’s.

Der nächste Sonntag wird zeigen, welche Gesinnung die nächsten fünfzehnhundert Regierungsvertreter aufweisen.

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Wir-Gefühl mit spitzen Gabeln

Zu den total überbewerteten Dingen dieser Welt gehören zelebrierte Verpflegungsrituale.

Da der Mensch mit angereicherter Hipp-Babynahrung, Kinder-Milchschnitten und gezuckerten Gummistücken vom Kiosk der Badeanstalt mit 16 Jahren seine Energiereserven für die nächsten sechzig Jahren bereits in trockenen Tüchern hat, stellt er in den Dreissigern das Essen quasi ein. Fortan werden nur noch wertige und sonstwie-kettige Kohlehydrate, Fette ungesättigt und Whey-Proteine zu sich genommen. Vom Fastfood-Junkie wird man zum Vegetarier, kriegt von zu viel Milch den Dünnpfiff, konvertiert zum Veganer und verzichtet fortan auch auf Gluten. Weil sich dies einfach so gehört, man mit einer knusprigen Bratwurst in den Fingern einfach scheel angesehen wird und selbige alsbald in einem Séparée verspeisen muss. Nicht zuletzt weil Würste, welch Überraschung, Krebs auslösen und dies treibt die Krankenkassenprämien in die Höhe. Daher ist es sehr wohl mein Geschäft, darauf zu achten, was der Nachbar isst. Stichwort Solidarität.
Um der ganzen Nahrungsaufnahme doch noch etwas abzugewinnen, lässt man den Koch das Mini-Nilpferd gleich am Tisch schlachten, isst ein Fondue mit dem Hintern im Sprudelbad, speist in einem stockdüsteren Restaurant oder gibt sich den Ritterschmaus, wo man die gute Kinderstube an die Garderobe hängt und mit einem Lätzchen behängt triefende Fleischstücke mit Händen und Füssen zum Mund führt. Erlebnisgastronomie. Oder mit dem Essen spielen.

Zurück zum Ursprung kommen wir gemeinsam weiter. Oder so. Der Mensch knabbert Wurzeln und Beeren, läuft in Barfuss-Schuhen und trägt Rauschebart. Und gemeinsames Speisen am Lagerfeuer fördert das Wir-Gefühl.

Es ist gut für das Team, wenn man sich einmal im Privaten begegnet, den Menschen von einer anderen Seite kennenlernt. In der Moderne genügt es nicht, die verordneten Arbeiten zufriedenstellend zu erledigen, wenn einem dabei das Glück nicht ins Gesicht geschrieben ist und die Zufriedenheit aus den Poren trieft, ist es irgendwie nicht richtig. So schickt man Mitarbeiter zur Paartherapie. Personen, mit welchen ich mir nur abgebe, weil ich dafür bezahlt werde, soll ich nun nach Feierabend treffen, damit ich den Zugang zu Menschen finde, welche ich noch nicht einmal kennen möchte.
Teambildender Anlass nennt sich dies.

Vor Selbstmitleid zerfliessend bewegte ich mich in das Zürcher Oberland. Am Samstag Abend. Es unterstreicht die Gewichtigkeit des Anlasses, wenn dieser in der Freizeit durchgeführt wird, der Hauch Freiwilligkeit sorgt gleich für den richtigen Spirit. Zeig mir wen du fickst und ich sag dir wer du bist, oder so; Es wird durchaus gewünscht, dass der Lebensabschnittspartner mit von der Partie sei, nicht zuletzt, weil die ganze Sause auch noch aus eigener Tasche beglichen werden muss. Weil, ist ja freiwillig und es ist einem schon nahezu eine Ehre.

Auf einem Excel-basierten Doodle-Konstrukt galt es ein Kreuz zu setzen, an welchen Daten man für die Lustbarkeit zu gewinnen wäre. Strategisch setzte ich mein Kreuz an den nicht favorisierten Daten der Mitarbeiter. Ganz im Sinne von, ich würde ja gerne, aber an diesem Abend feiert Tante Kunigunde ihren sechsundachtzigsten und wir wissen nie, ob es nicht ihr letzter…
Der feine Plan wurde schändlichst manipuliert, denn es ergab sich prompt ein Datum, an welchem die gesamte Belegschaft zur Verfügung stünde, abgesehen von jenen zwei, welche sich von vornherein abmeldeten. Da sie in den nächsten Monaten in den Ruhestand gehen, scheissen sie auf den Teamgedanken und ich kann nur mein Verständnis zum Ausdruck bringen.

Sie standen im Kreis zu zweien, immer ein Männlein und ein Weiblein. Ein wenig neugierig war ich auf das Weibsvolk, gestehe ich. Das Gros meiner Mitarbeiter hat der liebe Gott kurz vor Feierabend gemacht. Will sagen, keiner davon entspricht auch nur ansatzweise dem, was sich – nach meinem Dafürhalten – eine Dame für den Rest des Lebens ins Bett legen möchte. Die Attraktivität von Quasimodo trifft auf den Intellekt Mister Hyde, nach allen vernünftigen Massstäben dazu bestimmt alleine zu sterben. Nur schon um die natürliche Selektion nach Darwin zu bestätigen.

Ich schwanke zwischen der Überraschung, dass solche Figuren es geschafft haben in den Hafen der Ehe zu laufen und dem Trieb, mir einen Strick zu suchen, da mit mir ganz offensichtlich etwas nicht stimmen kann. Vielleicht trage ich den Hintern im Gesicht und die Gesellschaft ist zu höflich es zu sagen, oder versprühe den Charme von Bauer Hermann. Nicht, dass ich das trügerische Gewässer der Ehe suchen würde. Da sitze ich lieber zum 26. Tage des Monats an das Rheinufer und lasse die Hälfte meines Einkommens in Form von hübschen Schiffchen auf den Wellen tanzen. Nein, es ist eine Grundsatzfrage.

Auf jeden Topf passt ein Deckel. Oder für jede Station des Lebens gibt es eine dumme Phrase, welche auf ein Zuckersäckchen gedruckt werde. Wenn man sich genug verbiegt und an seinen Ansprüchen schraubt, dann verlustiert sich der Bauer auch einmal an einem Schaf und schöpft seine Befriedigung daraus. Daher stimmt es schon, mit dem notwendigen Werkzeug kriegt man Topf und Deckel stets zusammen.

Natürlich, es wurden da keine russischen Modelexporte aufgefahren, aber hässlich wie die Nacht war das Weibsvolk nun auch nicht. Zumindest nicht in diesem Masse eines abstossenden Äusseren, dass man sagen könnte, sie mussten eben nehmen, was ihnen geboten wurde.

Nach dem allgemeinen Hände schütteln, meine Keime deine Keime, begab man sich auf einen von Tuja gesäumten Vorplatz, einen Apero einzunehmen. Holzscheite prasselten in Gitterkörben, Tranksame und Zahnstochersnacks standen bereit. Wie nett.
Die Holzscheite glommen mehr als sie prasselten und knisterten, den Verlust an romantischem Wohlfühlprasseln machten sie mit einer giftigen Rauchentwicklung und wirbelnden Aschefetzen wett. Bröckeliger Käse und in Öl schwimmende Oliven ersetzten Apero-Gebäck. Blieb nur noch der Wein. Da ich jedoch als Lenker eines Fahrzeugs unterwegs war, konnte ich diesem nur bedingt zusprechen. Ich behaupte, durchaus ein angenehmer Gesellschafter zu sein, nur brauche ich Alkohol um auf diesen angenehmen Level Stufe Leckt-mich-am-Arsch zu kommen.
Schön da, nicht wahr?; proklamierte mein Chef im kumpelhaften Ton.
Kopfsteinpflaster von Tuja gesäumt und ein paar nasse, dürftig brennende Holzscheite zu Boden geworfen; Fürwahr ganz entzückend.
Und wie so oft beschlich mich das Gefühl, dass sich meine Aussagen in den Hörgängen des Chefs wie Parsel anhören müssen.

Man ist bemüht miteinander zu sprechen, das Geschäft aussen vor zu lassen. Zum einen, weil da noch externes Weibsvolk zugegen war und es einfach die Höflichkeit gebietet selbiges in den Anlass einzubinden, zum anderen, weil man nicht den Eindruck erwecken möchte, man hätte ausserhalb der Firma kein Leben. Nur ist es so, dass bei solch teambildenden Anlässen neunzig Prozent der zu zusammenführenden Teilnehmer freiwillig keine Minute miteinander verbringen würden, weil sie nunmal nur miteinander Arbeiten und keinen Lebensbund eingegangen sind. Daher trifft man sich auf dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen und referiert trotzdem über das Geschäft. Von diesen neunzig Prozent ist die Hälfte ganz froh darüber, weil sie eben gerne über den arbeitstechnischen Alltag sprechen, die andere Hälfte beginnt die innere Leere mit Wein auszufüllen und ich weine in meine Ein-Glas-ist-gestattet-Tranksame.

Nach dem alle genug geräuchert und beascht waren, wurde man angehalten, in den oberen Stock zu treten, der Hauptakt warte.
An vier runde Tische verteilt, man hatte ordentlich Bewegungsfreiheit und konnte ohne stammelndes „Verzeihung“ den Sitzplatz auch einmal verlassen. Man soll auch positives vermerken. Natürlich sassen die Köpfe zusammen, welche sich auch ohne teambildende Zwangsvereinigung zugetan waren, einer wurde gar vom Chef liebevoll aber mit Nachdruck an einen anderen Tisch verwiesen, damit die über jahrzehnte gewachsene Konstellation beibehalten werden konnte. Meine Wenigkeit sass am Singletisch – jung, wild oder einfach nur beziehungsunfähig – da prompt noch drei weitere ohne Begleitung erschienen.
Auf facebook die Ferienfotos, auf dem Parkplatz die Autos, im Lokal die Weinkarte. Männer vergleichen doch stets die Grösse ihrer Geschlechtsteile. Als Mann von Welt, kulinarisch gebildet und sowieso mit allen Wassern gewaschen versteht es sich von selbst, dass jeder ein Sommelier erster Güte ist. Der Laie hört nur uga uga uga, wenn sich die Parteien Keulen gleich Begriffe wie Barregg, Bouquet und Cru um die Ohren hauen. Ein stahliger Roter mit der Assemblage einer gesonderten Einzelgärung oder so.
Mein Verständnis der gegorenen Traube beschränkt sich darauf, dass ich ihn mag oder nicht und verzichte gerne auf die Auslese, um der Peinlichkeit der Degustation zu entgehen. Sechs Augenpaare auf einem gerichtet, man schwenkt den Wein, weil man es so einst im Fernsehen gesehen hat. Man hängt seinen Nase in das Glas, unwissend, was man da nun vorfinden sollte, setzt trotzdem eine prüfende Miene auf. Der Schluck wird im Mund geschaukelt, lässt ihn in die Kehle rinnen und schlackert hernach mit der Zunge in der Mundhöhle. Nicht zu laut, aber doch so, dass es das Umfeld mitkriegt. So der Trunk nicht gleich wie der Ausguss eines mobilen Toilette riecht sagt man so oder so, es ist gut und da die Weinkenntnisse der übrigen Gäste im allgemeinen ähnlich ausgeprägt sind, wird keiner die Entscheidung in Frage stellen.
Sollte ich dennoch in die unangenehme Situation gelangen, eine Auslese treffen zu müssen, wähle ich einen Saft in der Preislage, leicht über der Schmerzgrenze der anderen und bin mir gewiss, dass keiner einen solch sündhaft teuren Tropfen in Frage stellen würde. Bin auch nur Mensch und gebe mich bisweilen der Dekadenz hin.

Fondue Chinoise. Ich kann nicht genug betonen, wie zuwider mir dieses Gericht ist.
Luxus aber dennoch irgendwie erschwinglich, wird es gerne im heimischen Wohnzimmer zelebriert und Gaststätten verdienen sich à discrétion eine güldene Nase. Ganz speziell, wenn man in einem Gault-Millau-Lokal speist. Ungeachtet der Tatsache, dass man die Speisen selbst zubereitet, Pommes Frites auch aus der Michelin-punktierten Fritteuse nicht besser sind als an der Fritten-Bude in Rotterdam und die Saucen aus dem Gläschen stammen.
Die Speise lebt an sich davon, dass man den grössten Teil mit der Beschaffung von Nahrung und deren Zubereitung, jedoch kaum mit dem Genuss derselbigen beschäftigt ist. Gürkchen, Zwiebelchen und nicht zuletzt die Cocktail-Sauce fungiert als Katalysator zwischen den Gästen, man ist sanft dazu gezwungen, sich miteinander zu unterhalten, da das gewünschte stets ausserhalb der Reichweite liegt.
In der Deluxe-Variante sind die Teller mit kleinen Abteilen ausgestattet um eine Kreuzkontamination zwischen Pommes Frites und Maiskölbchen, Saucen und Fleisch zu verhindern. Nichts desto trotz werden alle hygienischen Grundsätze über Bord geworfen und man hantiert mit rohem Pouletfleisch, als stünde die Entdeckung der Salmonellen der Wissenschaft erst noch bevor.
Die kleinen Abteile garantieren, dass man nicht mehr als fünf Fritten oder vier Gürkchen auf den Teller legt und wäre da Platz für mehr, liesse es der Anstand nicht zu, da die Fülle des gemeinschaftlichen Versorgungstopf sehr übersichtlich wirkt und man dem Nachbarn doch nicht die Speise wegschnappen will. Über einem zarten Flämmchen steht ein Topf, die Brühe in selbigem bestenfalls handwarm und während das Fleisch in besagter Tunke gegart wird, nascht man ganz verstohlen ein halbes Pommes Frites. Nicht zu hastig, es schickt sich, eine Anstandszeit abzusitzen, bevor man den Teller erneut füllt.Obwohl rundherum wiederholt das überwältigende Hungergefühl beteuert wird, kommt beim Essen niemand in die Gänge. Weil Chinoise in erster Linie nicht zum Erreichen eines Sättigungsgrades zelebriert wird, sondern als Grund für geselliges Beisammensein dient.

Straft mich lügen, doch stehe ich dazu; Sei es im privaten Rahmen oder „à discrétion“, es ist NIE genug Fleisch da. Nie nie nie. Gut, vielleicht vom Pouletfleisch, aber gewiss nie genug Rind! Und es sind immer zu wenig Pommes Frites. Natürlich liegen noch 5 oder 6 im Topf, doch dies nennt sich Anstandresten. Die Illusion wahren, es wären genug gewesen. Niemand ist nach dem Chinoise satt, man ist es irgendwann einfach leid, jedesmal Müllers Frau nach der Sauce zu fragen und stets unter Rücksichtnahme auf das Kollektiv bei der Tellerbefüllung die eigenen Gelüste zurück zu stellen.
Es ist die Kapitulation vor der gesamten Mühseligkeit – und die Hoffnung auf ein opulentes Dessert -, welche einem verkünden lässt, man sei „pappsatt“ und hätte „wie ein Fürst gespiesen“, wie meine Grossmutter zu sagen pflegte.

„Dafür könnte man wieder blechen“, pflegte sie ebenfalls zu sagen und brachte zum Ausdruck, dass eine solch luxuriöse Speise in einem Lokal nahezu unbezahlbar gewesen wäre.
Und sie sollte Recht behalten.
Ich kapitulierte. Nicht mit dem Beteuern eines Sättigungsgefühls, sondern dem Verkünden, dass es mir nun einfach zu dümmlich wäre, für jeden Happen zum Gabentisch zu spazieren und Chinoise die mit Abstand dämlichste Art sei, sich zu verpflegen. Alkoholgeschwängertes Gelächter quittierte meine Aussage.

Wir teilten die Rechnung durch sechs Nasen, weil deren sechs Besitzer zu Tische sassen. Ich mag dieses unkomplizierte, finde es ganz schrecklich, wenn sich Erwachsene streiten, wer nun diesen oder jenen Wein übernähme und wer schon wieder einen Salat genossen habe.
Nun bin ich beileibe keiner, welcher den Rappen zweimal wendet, aber für diesen Schmus 135.- zu löhnen überstieg selbst meine Schmerzgrenze.
Für Gesellschaft welche ich nicht suchte, mit einer Speise die ich nicht mag, einen Wein, welchen ich nicht genossen habe und sieben Stunden, welche mir niemand zurück erstattet ein stolzer Preis.

Im Puff um die Ecke hätte ich wohl ein günstigeres, der Aufrichtigkeit gewiss ebenbürtiges Wir-Gefühl gekauft.chinoiseIst es nicht urgemütlich?

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Krankheiten die das Leben schreibt

Möglicherweise wäre die Welt einen Tick einfacher, müssten die Menschen erst eine Ziege schlachten, deren Haut gerben, die Gans einer Feder berauben und auf dem Markt drei Zentner Korn gegen einen Fingerhut Tinte tauschen, bevor sie ihre Ergüsse für die Nachwelt festhalten könnten.
Gewiss würde man sich manches Wort zweimal überlegen, Sinn und Nutzen des Gedanken abwägen und die Konsequenzen bedenken.

Papier ist geduldig hat sich durchgesetzt, was besagen will; Papier richtet nicht und hält sich auch nicht mit Widerspruch auf. Man kann ihm so ziemlich jeden Unsinn anvertrauen, man muss es noch nicht einmal selber glauben. Von digitalen Plattformen, meine durchaus eingeschlossen, wollen wir gar nicht erst beginnen.

Früher oder später widerspricht sich jeder Mensch und da Zeitungen Tagesgeschehen aufgreifen, bleibt ihnen auch nichts über, als sich selbst zu widersprechen.

Ihr entsinnt, man soll sich regen und bewegen, weil dies gesund für Geist und Körper ist. Hat bei Fit mit Jack begonnen und steht momentan bei wöchentlichen Mails von M-Fit, welche mich – mit Verlaub – einen faulen Hund nennen und meinem inneren Schweinehund den wohldosierten Tritt in den Hintern geben wollen. Wie auch runtastic, die App, welche erst Ruhe gibt, wenn man wöchentlich 15% mehr Kilometer abgespuhlt hat.
Da ist die Dukan-App direkt gnädig. Sie begrüsst Dich täglich mit einem „Das machst Du grossartig“, selbst wenn man das Startgewicht bereits um drei Kilogramm überschritten hat, obwohl der Wiegezeiger um vierzehn Pfund in die Gegenrichtung marschieren sollte.

Nun leide ich also unter Bigorexie, Muskeldismorphie oder einem Adonis-Komplex. Viele Leute suchen zeitlebens nach einem Namen für eine Krankheit, ich erhalte gleich drei, bis eben noch unwissend, dass ich überhaupt krank bin.
Vom Arztbesuch kennt man dies ja. Man geht mit einem Schnupfen hin und kehrt mit einer Empfehlung die Zunge, den Punkt an der Ferse und den linken Brustnippel ganz genau im Auge zu behalten zurück. Nur um sicher zu gehen, dass man keinen Aussatz hat.

Schuld ist He-Man.
Wer?
He-Man. Mit diesem spielt fast jeder kleine Junge. Schreibt die Migros-Zeitung. Spricht für die Figur. Denn seit den achtziger Jahren sind He-Man Actionfiguren nur noch an Sammlerbörsen erhältlich und wer Jahrgang 80 und jünger in seinem Pass stehen hat, hörte den Namen gewiss noch nie.
Die Macht von Greyskull muss wirklich unglaublich sein, wenn sie heute noch kleine Kinder beeinflusst.

Vielleicht meinte das Migrosmagazin auch Helden wie Captain America und Co. Oder einfach jeden Schauspieler der Hemisphäre, welcher nicht durch stupide Dümmlichkeit die Massen unterhält und sich daher einen BMI von 38 leisten kann. Wer ansonsten auf die Leinwand kommt muss mit eisernen Muskeln und heraustretenden, stählernen Sehnen aufwarten. Knapp bedeckt mit dem figurformenden Shirt. Under Armour. Der Sportartikelhersteller, welcher die Waffenlobby finanziert oder so.

Im Gegensatz zum schwachen Geschlecht macht niemand einen Aufstand, wenn der Nivea-Werbe-Mann sein Six-Pack einseift. Da muss Mann eben durch, geht ins Fitnessstudio und versucht, dem Idealbild zu entsprechen. Dadbod hin oder her, Männer wissen was Frauen wirklich sehen wollen und sind wir ehrlich; Frauen lügen sich auch nur selbst in die Tasche, wenn sie ein Bikini in 48 tragen und sich einfach nur unglaublich sexy finden, weil es voll ok ist, eine runde Frau zu sein. Aber wenn sich genug zusammentun, fest daran glauben, schafft man irgendwie ja auch eine Norm.

Nun denn, weniger ist mehr – ebenfalls ein Widerspruch – daher sollte man den Alltag nicht dem Training unterordnen. Sagt Roland Müller, Psychotherapeut des Vertrauens im Migros Magazin.
Da frage ich mich; Wann trainiere ich sonst, wenn nicht in einem definierten Zeitfenster im Alltag, welches andere Tätigkeit zwangsläufig unterordnet?

Da die Krankheit bei uns noch neu ist, sind keine Zahlen erhoben worden. In Amerika haben jedoch 30 Prozent der jungen Männer eine ausgebildete Körperstörung. Und 75 Prozent sind krankhaft übergewichtig.
Zumindest hat jeder seinen Platz. Die Wissenschaftler können sich nun streiten, was besser ist. Oder einfach einen Zeitplan festlegen, an wievielen Wochen im Jahr dieses und wann jenes das ultimative Ziel ist.

essstörungHabe ich heute im Wartezimmer meines Zahnarztes gelesen.
Übrigens; Viele Menschen wären froh, sie hätten Zähne wie ich. Sagt mein Zahnarzt, obwohl er mit diesem Satz auf eine Woche Ferien verzichtet. Und ich bin ein wenig stolz darauf.

Also, eine Essstörung habe ich auch noch. Abgesehen von meinen Zähnen bin ich ein krankes Wrack.

Hat die Lebensqualität und das Wohlbefinden in letzter Zeit in manchen Bereichen wegen des Essensthemas erheblich abgenommen?
Ich bin süchtig nach Erdnüssen und verkneife sie mir seit zwei Monaten. Wie auch Whopper, eine vernünftige Menge Bier, M&Ms, Honig, Zopf, Ben & Jerry und überhaupt alles was lecker ist. Ich bin fit wie ein Turnschuh, aber die Lebensqualität definiert sich doch eher durch eine ordentliche Handvoll gesalzener Erdnüsse. Zudem stuhlt es sich ohne Ballaststoffe nicht so häufig. Ja doch, möchte ich bejahen.

Wird mehr als drei Stunden am Tag über die eigene Ernährung nachgedacht?
Ja. Wie bei jedem Menschen, denke ich.
Beginnend mit, reicht es für ein Frühstück oder nicht. Weiter mit dem Online-Artikel, sind Avocados die Superhelden der Früchte über ‚Wie ungesund ist Flammkuchen‘. Danach lauscht man im Radio der Diskussion über Warnschilder an zuckerhaltigen Speisen, während im Mens Health die Überschrift ‚Proteine aus Cashew-angereicherten Rindern‘ zu einem Überdenken des Essverhaltens anregen soll.
Wie ungesund ist light und ’so kommen sie über die Weihnachtszeit und behalten ihr Sixpack‘ rundet den Morgen ab.
Die Medien zwingen einem, nur noch über die Ernährung nachzudenken. Und syrische Flüchtlinge. Respektive, was diese Essen. Eigentlich dreht sich alles nur noch ums Essen. Weil der Mensch zur Adipositas neigt. Wenn er nicht gerade unter Bigorexie leidet.

Ist die Wirkung der Speisen und Getränke stets wichtiger als die Lust und der Genuss am Essen?
Nein, ich trinke Cola Zero weil es so unglaublich lecker ist. Und damit mein Zahnarzt mir ein Vortrag über zahnfressende Getränke halten kann. Allgemein möchte ich den pelzigen Geschmack im Mund, die durchdrehenden Bauchspeicheldrüsen – muss ich jetzt Insulin ausschütten oder verarscht mich wieder eine Handvoll Aspartam? – und den folgenden Hungerast nicht missen.
Natürlich ist die Wirkung wichtiger; In einer halben Stunde Pause bleibt nicht viel Zeit für Lust und Genuss. Zudem, zehn Sekunden im Mund, drei Monate auf den Hüften; Heute muss man mit etwas gesundem Menschenverstand dahinter. Macht eigentlich jeder. Und wer nicht, der ist einer dieser von der Natur begünstigten – in der Hölle sollen sie schmoren – oder man sieht es der Wampe an.

Unterliegt die Wahl der Speisen und Getränke nicht mehr einer freien Entscheidung, sondern einem inneren Zwang?
Können wir wirklich wollen, was wir wollen? Die freie Entscheidung ist eine Illusion, frag Schoppenhauer. Oder für Nicht-Philosophen; Die Entscheidung nehmen uns die Medien ab, siehe zwei Fragen vorher. Man wird gemahnt, Nährwert zu beachten. Bei jedem Stück Kuchen hört man hüben, man habe die Weight-Watchers-Punkte schon, drüben hat man Blutzucker und soll nicht, während dieser ausrechnet, wie lange er sprinten muss, um das Stück Schwarzwälder Kirsch zu verbrennen.
Ich esse, was ich verantworten und vor allem innert nützlicher Frist verbrennen kann. Schränkt das Angebot ein, aber ich habe frei entschieden, mich diesem inneren Zwang zu unterwerfen.

Treten im Zusammenhang mit der Ernährung immer wieder Scham- oder Schuldgefühle und Aggressionen gegen sich selber auf?
Wer Fast Food isst, schämt sich für seinen schwachen Willen, fühlt sich schuldig und muss diesen Faux-pas wieder abtrainieren. Vielleicht widerwillig, mit etwas Aggression, weil man lieber auf die Couch liegen würde. Ist man nun deswegen krank, oder einfach diszipliniert? Wie auch immer, ja.

Kommt es immer wieder zu Spannungen mit Angehörigen und Freunden, wenn es um das Thema Essen geht?
Schwierig. Mutti versteht nicht, wenn ich nicht essen kommen will und wenn ich komme, gibt es zu wenig Kroketten und viel zu wenig Fleisch. Ja doch, ich möchte von etwas Spannung sprechen. Und wenn Frauen predigen ‚Bleib so wie du bist, iss den Kebab‘ und dann doch jenen wählen, dessen Hemd ein wenig straffer über dem Bizeps liegt, wird wohl eine latente Bigorexie geweckt. Und Spannung.

Wieviel mal ‚Ja‘ ist jetzt die Bejahung von mehreren dieser Punkte?
Nun lesen wir also intensiv die Empfehlungen von Ernährungsberatern in der Tagespresse, leben danach und stellen fest, dass wir nun einen Essstörung haben.

Nach der Migros-Zeitung erscheint die Coop-Zeitung.
Da habe ich gelernt, dass Eltern nur noch und ausschliesslich über Babythemen sprechen, sich Männer zurückgestellt fühlen und bevor sie nach Hause kommen, ein Bier trinken sollen. Weil sie dann besonders entspannt heimkommen. Sagt die Sozialarbeiterin.eltern
Ich weiss nicht; Braucht man eine Familie, wenn man sich diese nach Feierabend zurechtsaufen muss? Da lasse ich das mit der Familie doch lieber, saufe etwas weniger und muss mein Gehalt nicht durch drei oder vier Teilen.
Gerade weil, so die Sozialarbeiterin weiter, im Sex ein halbes Jahr Flaute ist und der Mann sich selbst befriedigen soll.
Bis er sich beim Porno gucken erwischen lässt, sein Lohn plötzlich nur noch einen Zehntel wert ist und er mit diesem eine schäbige Wohnung im Ghetto bezahlt.

Aber man könne Zweisamkeit schaffen, wenn man gemeinsam dem Baby beim Schlafen zuschaut. Für alle Männer, welche nicht so auf Handarbeit stehen.

Man soll sich absprechen, wer in der Nacht aufsteht. Aber vorsicht; Männer können nicht stillen!

Danke, liebe Sylvia Sturzenegger, Sozialarbeiteren HFS. Danke Coop-Zeitung.
Hättet ihr das Papier doch in den Bäumen und selbige im Wald gelassen, es wäre allen besser gedient.

 

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