Wahlkrampf oder gelacktes Grinsen am Strassenrand

Heute waren sie unterwegs.
Die vielen kleinen Helferlein unserer Politiker. Kein Baum, kein Laternenpfahl blieb verschont. Der regionale Baumarktleiter bestätigte, seit der Fifty Shades of Grey-Premiere sei der Kabelbinderumsatz nicht mehr so durch die Decke gegangen.
Nun grinsen sie wieder, die Kandidaten.

Ein klein wenig scheint man also auch an unser oberflächliches Denken zu appellieren. So wähle ich nicht eine Idee, eine Gesinnung und eine Partei nach Bern, sondern ein Mensch. Respektive ein Gesicht.
Da darf man durchaus auch etwas auf das Bild eingehen.

Selbstverständlich ist das Abbild auf der Pappe nicht bei jedermann/frau der erste Eindruck. Die erste Wahrnehmung war in etwa „Ich setze… ähm… mich ein für… ähm eine vier…. spurige Bahn nach Winterthur“ und zu selbiger sinnentleerter Phrase erhält man nun ein Gesicht. Hat etwas scheues, beinahe gehetztes. Erinnert mich stets an ein Frettchen. Ein Frettchen mit dicker Brille.
Schon seit Wochen grinst es mich in der Enge jeden Abend an. Aus einer Hecke. Wie die heilige Barbara sitzt er in einer eigenst zurechtgestutzten Nische eines wohl glühenden Verehrers mit spitzer Heckenschere. Mittlerweile erobert sich der natürliche Zaun sein Territorium zurück, der Herr Dubach ist bald ein grüner Kandidat.

Seit kurzem trumpfen auch die Jungfreisinnigen auf.jungfreisinnigeDie Jungfreisinnigen sind ja so quasi die Spielgruppe der FDP. Also wer das Geschick des Landes in die Hände von Studenten legen will, ist hier gut bedient.
Das Bier in der Hand soll nach Angaben von Marcel Montanari (l.) und Res Hauser Bodenständigkeit symbolisieren. Wie der Pädagogen-Snoopy, welcher verkehrt auf den Stuhl sitzt, seine Unterarme lässig auf der Lehne abstützt und den Plauderton anschlägt. Huh, er sitzt verkehrt rum, damit können wir uns identifizieren, er ist einer von uns.
Wirken sie nicht etwas verkrampft? Anderseits, wenn man in Betracht zieht, dass sie ganz offensichtlich einen Stock im Allerwertesten haben, stehen sie wieder ganz lässig da. Der Linke ist noch etwas überrascht, findet es aber nicht unangenehm, der Rechte weiss schon wie es läuft.
Ja ja, aber die haben angefangen mit dem Bilder aufhängen.

Wer die Wahl hat…
In der Tagespresse teilt Hinz und Kunz mit, warum sie diesen wählen und jener eben nicht wählbar ist. Nahezu täglich eine Seite. In etwa Irma und Max Brühlmann empfehlen mir unbedingt Walter Vogelsanger – nicht zu verwechseln mit dem Kolumnenschreiber – zur Wahl weil „Die Kinder besitzen alle ein GA“. So der Titel ihrer eingesandten Zeilen. Welche des weiteren verkünden, dass die Kinder wohlgeraten sind.
Kann meine Mutter nicht mit auftrumpfen. Nicht nur, dass sie unwählbar ist weil ihr Auto vier Räder hat, bezichtigt ihr Sohn die Jungfreisinnigen, sich mit Besenstielen zu verlustieren.

Hans-Peter Sorg teilt mit, dass nur Leute links der Mitte wählbar seien. Da setzt er jedoch einiges an politischen Vorkenntnissen voraus. In etwa wer die Mitte ist. Ich meine die FDP. Wobei die manchmal links und rechts ist. Die FDP erinnert mich stets an die zwei Kinder welche bei ‚1, 2 oder 3‘ hin und her sprangen, bis das Licht endlich still stand. Wie die Wiesel halt.

Ganz engagierte Bürger nehmen richtig Geld in die Hand. Die schalten ein Inserat. Zwischen „Frischer Kalaf Kalaf bei Amarillo zum halben Preis“ und „Longhitano kauft Gold zu fairen Preisen“ lese ich dann, dass der Töbeli Hans der Überzeugung ist, dass Germann von Gottes Gnaden nach Bern gesandt wurde und dort bleiben soll. Und dass er entäuscht von Minder sei.
Das ist ganz wichtig. Vergisst um Himmels Willen nicht zu erwähnen, dass ihr enttäuscht von Minder seid. Der bringt da Unruhe rein. Und ist irgendwie nicht so richtig im Filz. Netzwerk, pardon.

So ein klein wenig naiv sind wir ja schon. Wir Bürger, welche den Strassen entlang in die toten Gesichter starren.
Wenn man bedenkt, dass es sich die Kandidaten 50’000 bis 100’000 Franken kosten lassen, sich nach Bern wählen zu lassen. Sie investieren zwei Mindestlohn-Jahresgehälter für die Eventualität, sich hernach Stände- oder Nationalrat nennen zu dürfen.
Nur zu unserem Wohl, weil dieser eine mit Kabelbinder an den Kandelaber geknüpfte Politiker ganz genau weiss, was am Besten für uns alle ist.
Es ist unglaublich, dass auf dieser Welt so viel Leid liegt, wenn sich hier die reinen, selbstlosen Gutmenschen um einen prominenten Platz am Strassenrand prügeln.

Also wenn ich bei House of Cards und Ken Follet’s Politromanen irgendwas gelernt habe, dann, dass niemand in einen Politiker investiert, weil er auf Papier Stärke drei an einer jungen Pappel so unglaublich toll aussieht.

Also wählen müsste ich die Alternative Liste.alEinfach, weil mir das Plakat im Comic-Stil gefällt.
Aber mir machen solche starken Frauen Angst. Die verurteilen mich bereits vor, nur weil der liebe Gott mir einen Pullermann geschenkt hat.
Die Welt retten ist ein toller Ansatz, aber würden sie soweit gehen, die Welt vor Politikerinnen zu retten oder wäre dort dann Schluss?
Denn bei aller Gleichberichtigung denken die Leute hinter der Mitte gleich Links immer noch, dass man eine Partei wählen sollte, nur weil sie Frauen auf der Kandidatenliste hat. Wo kämen wir denn hin, wenn wir Volksvertreter aufgrund des Geschlechts wählen?

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Schwiegertochter gesucht 2015, Folge 2

Ich konzentriere mich auf Ingo und Michael.

Ingo darf zur Kosmetik.
Mit vereinten Kräften wird er auf eine bedenklich schwankende Liege gehievt, halb gezogen halb geschoben, Mutti und Vati nehmen keine Armlänge entfernt auf verstärkten Stühlen Platz.
Die arme Kosmetikerin, mit ordentlich Holz vor’n Hütten was Papa Luz nicht entgeht, hat nun weder Zauberstab noch ein neues Antlitz im Schrank liegen.
Ein Lappen ums Gesicht zur Beruhigung und auf der Nase einige Mitesser ausgedrückt. RTL hat im Kasten wie die Kosmetikliege einen Härtetest besteht, den rolligen Luz mit geschürzten Lippen und Mutti, stolz wie Oskar auf ihren Spross. Das muss genügen.
Auf zum Friseur.

Wenn auf dem Kopf auch nichts mehr spriesst, das Nackenhaar kann man immer lang tragen. Oft sehe ich Leute, welche ich gerne fragen würden, wie sie ihren Figaro verärgert haben, dass dieser sie mit einer solchen Frisur auf die Strasse lässt. Ingo macht da keine Ausnahme und trägt den kümmerlichen Rest einer stolzen Matte kragenlang.
Trug.
Nach dem Friseur trägt er das Haupthaar im Nacken sportlich kurz, auf der Kopfdecke elegant über die Platte gekämmt. Aber Ingo baut sowieso auf innere Werte. Respektive, klammert sich an den Strohhalm, dass Frauen darauf bauen. Wie alle Leute, deren Sarg man an der Beerdigung auch besser nicht offen rumstehen lässt.
Nun in die Zeltabteilung. Ein neuer Überwurf muss her. Luz, trägt gern Surfershirts über Shorts und Lackschuhe, weiss wie es aussehen muss.
Ingo fühlt sich gleich sportlicher mit seinen neuen, tollen, bunten Shirts. Hier zählt für ihn, Kleider machen Leute. Seine Stärke ist die Flexibilität, mal punktet er mit inneren, mal mit äusseren Werten.
Ein Rundumsorglos-Paket.

Danach darf Ingo ein wenig spielen, Playstation 2, während die Eltern einen Knigge-Leitfaden für den Spross vorbereiten. Weil Ingo ein kleiner Unhold sei. Ein Spitzbube. Ein Lausejunge. Ingo und Mama sollen nach Anweisung von Luz sein Verhalten in Polen üben.
Pfui! Ingo mit der Mama… Würde dem Luz wohl gefallen.

Dann bitte ich euch mal in Position zu gehen.
Oh ja, genau so. Gefällt mir.
Nun tanzt ihr nach meiner Pfeife. Ja, genau so. So ist richtig.

Also bitte, dies kann man nur falsch verstehen.

Wenn du nun mal von einer Dame die Handtasche hast, stell sie nicht auf den Boden!, so die Mutti.
Nun bringt Ingo den ersten vernünftigen Satz in gefühlten dreissig Staffeln; Warum sollte ich von einer Dame die Handtasche haben?
Ja was weiss ich, ereifert sich Mutter, wenn es die Suti… Sati… Sizu… Situtation ergibt, die Dame auf Toilette muss oder so.
Seit ich mit Handtaschen-tragenden Damen verkehre habe ich es nicht erlebt, dass jemals eine solche ihr Gucci-Survival-Paket aus der Hand gibt, geschweige denn, ohne dieses die Nase pudern geht. Zeigt einmal mehr, wie wenig ich von Frauen weiss.

Aber Ingo hat sowieso lieber Rucksäcke. Weil er nicht weiss, wie schwer Handtaschen sind.
Luz und Stups sitzen im Schlafzimmer. Nackig, bis auf Shorts und Hemdchen.
Schlafzimmer trifft es nicht ganz, obwohl da ein Bett steht. Gleich neben den Tumbler. Und an der gegenüberliegenden Wand eine Kühltruhe. Ich kann mir nach wie vor nicht erklären, warum die alle so mobbelig sind.
Ingo stösst dazu.
Ah da kommt er ja.
Er scheint jeden Abend in das Schlafzimmer/Kellerabteil/Waschküche der Eltern zu schneien. Nackig bis auf die Shorts.
Sie freuen sich auf den Männertrip morgen.
Der Papa mit dem Sohne, wie sich Luz ausdrückt.

Michael reinigt den Pool, während die Damen im Liegestuhl fläzen. Im Bikini.
Wirkt wie die Einleitung eines Pornofilmes. Denke ich. Ich gucke solche Sachen ja nicht. Würde ich nie.
Rebecca trägt ein Hemdchen, welches elegant Problemzonen versteckt, Silvia eine zu grosse Bikinihose und ein zu weites Oberteil. Oder wie das Ding korrekt heisst. Kauft man die Teile getrennt?
Sie räckelt sich in Richtung Michael, welcher alibimässig Blätter aus dem Pool fischt, welche ein RTL-Mitarbeiter ausserhalb des Bildes wieder rein schmeisst.
Ob er nicht was trinken will, sie hätte zwei Limonaden dabei, säuselt die Silvia.
Völlig spontan. Analog zur Szene im Apartmenthaus, wenn es klingelt und die scharfe Nachbarin scheu nachfragt, ob sie vielleicht duschen dürfe, da ihr Badezimmer ein bisschen damaged sei. Und ob es was ausmache, wenn die schwedische Austauschstudentin ebenfalls dusche, sie würden auch gemeinsam um Wasser zu sparen. Und praktischerweise sind sie bereits nackig, bis auf ein Handtuch welches kein Schnapsglas Wasser aufsaugen könnte.
Silvia lümmelt sich lasziv in Richtung schuftenden Michael.
Man möchte „NEIN!“ schreien, denn sie öffnet die Schenkel und im knochigen Schritt flattert die Bikinihose gefährlich lose. Man will nicht hinsehen, kann den Blick auch nicht abwenden. Wie den Horrorfilm, welchen man über die Kante des Sofakissen schielend guckt, weil man ihn eigentlich gar nicht gucken will. Unendliche Schrecksekunden.
Silvia fordert noch eine Sauna. So einfach sei sie nicht zu kriegen. Sagt die, welche obszön an ihrer Frühstücksstulle nuckelte.

Lauf Michael, lauf!!

Der ganze Schrott ist so gestellt.
Er hat drei Blätter gefischt, die Frauen haben sich auf die Liege gfläzt, drei Schluck Limo gesürfelt. So, nun sollten wir langsam wieder ins Haus gehen, es wird auch kühl. Nach drei Minuten und vierzig Sekunden.

Nun testet Mutti die Qualitäten.
Es hat einen guten Grund, warum meine Mutter bei der Damenwahl, so eine stattfinden würde, so gar nichts mitzureden hätte. Nur schon weil Mutti den Eindruck hat, eine Frau könne nur richtig nett und lieb sein, wenn sie 80 Kilogramm wiegt, mindestens, und einen ehrbaren Beruf wie Krankenpflegerin ausübt. Oder Krankenpflegerin. Ok, allenfalls auch Krankenpflegerin, das wäre dann aber das Maximum an Flexibilität.
Michaels Mutti legt wert auf Backkünste. Was heisst, Teig für Waffeln anzurühren und selbigen über ein Waffeleisen zu kippen. Die höchste Stufe der Backkunst.
Zudem sollte die Nasszelle immer peinlichst sauber sein. Also das Bad, meint sie. Da achte auch der Michael drauf. Silvia hat verspielt, weil sie ein Putze beschäftigt welche ihre Nasszelle durchwischt.

Nun braucht der nette Netzwerker den Rat der lieben Mutter.
Die Silvia hat keine Chance. Zu Diva. Rebecca sei besser.
In jedem Fall, wenn man am liebsten die Mutti heiraten würde. Beim gemeinsamen Waffelessen wird die Silvia dann auch verabschiedet.

Fertig Porno.

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Schwiegertochter gesucht 2015, Folge 1

So, endlich ist es wieder soweit. Da meine Mutter mittlerweile die Aussicht auf Enkel begraben hat und mir die Anschaffung eines Hundes ans Herz legte, sollte ich eher besorgt sein. Also wenn Mutti schon glaubt, dass man nicht mehr vermittelbar ist, kommt man wohl nirgends mehr unter.
Nun gut, habe mir ‚Schwiegertochter gesucht‘ dennoch angetan.

schwiegertochter-gesuchtEs gibt ja Bewerber, da möchte man RTL anklagen. Von wegen Quote jagen indem man beeinträchtige Menschen der Lächerlichkeit preis gibt.

Der nette Netzwerker Michael, was immer ein Netzwerker ist, hat nicht direkt ein augenscheinliches Problem. Abgesehen davon, dass er seine Post mit Mutti Maria liest, aber dies schreibt RTL ins Skript.
Zwei Damen werden geladen, die Silvia (53) und die Rebecca (53). Die Silvia besticht mit mit ihrem Zweizeiler weniger, als mit dem BH-Blitzer in bester Kate-Manier auf dem beigelegten Foto.
Ein Foto aus den Neunziger, wie es scheint. Am Bordstein steht etwas braunes mit blondem Schopf. Direkt aus Münz-Mallorca. Dem Tussi-Toaster entsprungen. Dürr, dass selbst die VB-Jeans um die Stelzen schlabbert wartet sie mit ihrem Hund und schrankgrossem Rollkoffer.
Der nette Netzwerker wirkt schon leicht genervt, als der Hund über das Lederpolster seines Proll-Cabrio wetzt und irgendwie seinen Platz nicht findet. Wer will ihm einen Strick drehen. Der Hund wollte gewiss nicht zu ‚Schwiegertochter gesucht‘, aber RTL hat darauf bestanden. Silvia mit Knusprig-Hähnchen-Teint und Natascha Ochsenknecht-Style will ihren dürren Hintern irgendwie dazu zwängen. Reise nach Jerusalem im BMW-Cabrio.
Nicht genug, wartet ums Eck die Kosmetikerin Rebecca, welche auch noch in die Karre soll. Eher der Mutti-Typ, brav und bieder.
Armer Michael, aber was hast du gedacht, wer sich auf eine Fernsehanonnce meldet?
Rebecca besticht Mutti mit einer Orchidee, während Silvia eine angebrochene Flasche Ahorn-Sirup liefert. Aber aus New York! Und New York ist auf dem selben Kontinent wie Vermont. Ein typisches Holland-Mitbringsel ist schliesslich auch die bayrische Weisswurst.
Zu guter Letzt hat Michael noch eine Retour-Kutsche. Das Brathähnchen muss ins Hotel. Seine Hündin akzeptiere keine andere Hunde im Haus.
Sonst nicht viel los im Hause Netzwerker.

Lother ist 55, seit zwanzig Jahren Single und wohnt bei Mama Helene, 78 Jahre. Von Beruf Geflügelzüchter. Drei Hühner sah man am Bildrand, aber RTL jubelt auch einem Frührenter noch schnell einen Bauernhof unter, um das Programm „Bauer sucht Frau“ zu füllen, da ist man flexibel. Frührentner scheint im grossen Kanton eine gängige Berufung zu sein, kennen wir Schweizer so ja nicht.
Der Jahre 55, gehemmt im Umgang mit Frauen und lebt noch im Kinderzimmer. Liebe Freunde und Nachbarn, irgendwann ist der Zug abgefahren. Dem hat Mutti eben noch die Wäsche für Montag rausgelegt, nachdem sie ihm beim Samstagbad den spärlichen Haarkranz gewaschen hat. Aber für die Quote immer noch gut.

Zwei Bewerberinnen haben ihren CV im Briefkasten deponiert und Lothar, Überraschung, lädt gleich beide ein. Es müssen mindestens zwei sein, RTL-Richtlinien.
Die eine Bewerbung ist mit PC geschrieben, die andere erinnert an Schreibunterricht Primarschule.
Da der gute Lothar wohl noch in der Kinderwanne gebadet wird und duschen was für Grosse ist, verfügt der Haushalt auch nicht über die elementarsten Einrichtungsgegenstände. Wie eben einen Duschvorhang. Doch Lothar war im Baumarkt und hat sich eine Latte besorgt. Stange, pardon. Mit Ringen und Vorhang.
Lothar bezeichnet sich als begabt, legt gerne auch mal selber Hand an. Mutter Helene bezweifelt dies. Mache er was selber, müsse sie ihm oftmals zur Hand gehen, sonst komme da nichts raus.
Ja, ich kann mir durchaus vorstellen, bei RTL die Texte zu schreiben.
Nun denn, sie sind sich da eher uneinig, machen sich aber gemeinsam an der Stange zu schaffen. Also an der Duschstange, wir müssen jetzt seriös wirken. RTL hat dies neckisch mit einem Quietschen unterlegt. Mutti und Sohn geben es sich verbal so richtig schmutzig, am Schluss ist die Stange jedoch eingezwängt und der Vorhang mit Hawaii-Motiv hängt.
Nun gilt es die Damen aufzupicken.

Die Johanna, 63, quillt aus einem Regionalzug und hängt wie ein Schluck Tee auf dem Bahnsteig. Der Lothar versucht sich an einer Umarmung, da die gute Johanna die Hände jedoch immernoch schwer beladen hat, ist es eine eher einseitige Sache. Etwa wie Bäume umarmen.
Zurück auf dem Hühnerhof, drei Hühner, trifft die Montagehelferin, was immer das ist, Margrit aka Fee ein. Wirkt etwas wie Olivia Jones, nur weniger adrett. Fühle sich auch schön weich an, bemerkt Feinschmecker Lothar. Für Komplimente hat er ein Händchen, der alte Schlawiner. Und Margrit für Geschenke. Mit einem Wurstkorb kann man bei Schwiegertochter gesucht nichts falsch machen, das kommt ins Programm.
Deine Mutter, fragt sie beim Anblick der Konkurrenz, worauf Johanna ordentlich betupft einwirft, dass sie keine Falte hätte. Muss man ihr lassen, eine Falte in dieser gut gestopften Pelle käme auch einer medizinischen Sensation gleich. In etwa wie ein Ballon mit rechtwinkligen Ecken.

Nach einem Rührei, was soll man sonst zum Nachmittagstee naschen, führt Lothar durchs Hotel Mama. RTL hat sich beeilt das Kinderzimmer mit einem Fliesentisch auszustatten. Des weiteren ein Bett und eine Klappcouch. Margrit ist mit diesem Arrangement eher unglücklich, sie brauche im Schlaf viel Bewegungsfreiheit und zieht das Hotel vor. Wenn sie einen Hauch Selbstachtung hat, setzt sie sich in ihren Opel Kadett und sucht mit quitschenden Reifen das Weite. Aber RTL wir das Hotelzimmer schon verrammeln.

Zustellungslehrling Ingo ist auch zurück. Der sportliche, romantische Rheinländer. Das Attribut sportlich hat er, seit er sich eine Kraft-Multi-Station neben sein Teddyregal gestellt hat und seine acht Hauptmahlzeiten mit Proteinpulver ergänzt. Für den Muskelaufbau. Erhalten hat er ein hübsches Paar Männerbrüste. Ist auch was.
Schon zweimal hat er es versemmelt, obwohl er in Paris war. Mit XXL-Kondomen. schwiegertochter-gesucht-ingo-badehoseschwiegertochter-gesucht-ingo-familie-badetschwiegertochter-gesucht-ingo-familie-badet-2Weil es so nett ist, in Erinnerungen zu schwelgen.

Für Papa Luz zaubert er ein kleines Mittagessen. Sprich 8 Bratwürste und ein Kilo Kartoffeln. Dazu eine Schüssel Zwiebelringe für den guten Mundduft.
Es ist ein Rätsel, warum die ganze Familie leicht mobbelig ist.

Luz weiss genau wie es läuft. Letztendlich hat er Ingos Mutti Stups rumgekriegt und bis heute behalten. Respekt. Also nimmt er die Sache wieder in die Hand. Pflichtbewusst, irgendwie geht die Schlappe in Paris mit seinen telefonischen Tipps zur Liebesnacht auch auf seine Kappe.
Nach Polen soll es gehen. Ist irgendwie Tradition, schon der Urgrossvater hat es so gemacht. Also umgekehrt, der war ein Pole und hat sich ne Deutsche gekrallt.
Nach diesem Ausrutscher hat der Ostblock sich auf Mercedes und BMW konzentriert.
Ingo, kommste mal?
Über eine Freeware soll Ingo polnisch lernen. Sachen wie „Ja“ und „Ich liebe dich“. Nicht, dass es daran scheitert.
Auch am Äusseren soll man arbeiten. Dr. Werner Mang hat so schnell wohl keinen Termin frei, also beschränkt man sich auf die Garderobe. Frech soll sie sein. Sportlich und dynamisch. Wie der Ingo eben.
Ab auf den Catwalk zwischen Küche und Wohnzimmer.
Ein neckisches Deux-Pieces. Schwarze Hose aus der Sport-Kollektion von Kik. Etwas weiter im Schritt, luftig am Bein, dafür Passform an der Taille. Ein neckischer Blick auf die Knöchel unter weitschwingendem Saum. Obenrum ein Shirt im modernen Used-Look. Used für drei Wochen getragen. Schweissränder deuten Engelsflügen am Rücken an.
Mama und Papa sind nicht erbaut, so führt Ingo weitere Perlen seiner Garderobe vor. Dieselbe Kombination in unterschiedlichen Farben.
Er müsse anschaffen. Also Kleider kaufen, meint Mama. Selber gekleidet im neckischen kleinen Schwarzen. Nur das es blau ist, mit Blumen. Etwas weiter als das kleine Schwarze. Und länger. Also irgendwie ein Sack mit Trägern.
Auch Ingo mag es zweckmässig. Er achte nicht so auf die Kleider.
Es könne auch eine braune Kutte mit Kalberstrick um die Bauchmitte sein. Freie Interpretation der Redaktion.
Der Luz, in Jogginghosen, merkt an, dass Ingo gewissermassen das deutsche Land präsentiere, also auch stattlich erscheinen soll.

Mama Irene und Hobbydichterin setzen einmal mehr ihre Bowle auf. Nicht, dass sich das Abfüllen der Kandidaten bewährt hat, aber ich denke auch, dies wäre die falsche Ecke um was zu ändern.
Gemacht hat Beate etwas mit den Haaren. Da ist irgendwie Farbe drin. So Streifen. Frech. Und mit den Augen. Das eine scheint irgendwie grösser und höher angesetzt als das andere. Kurz gesagt, sie wirkt mit jeder Ausgabe angsteinflössender. So die Frau, welche Männer an das Kopfende des Bettes fesselt und ihnen die Fussgelenke bricht. Damit sie nicht weglaufen, bevor sie gemerkt haben was für ein Hauptgewinn Beate ist.
Beate hat ja mehr Männer abgeschossen, als ich Frauen kenne. Da war der Jens, Peer, Andre, Sven, Willi, Sascha, noch n’Jens, Kevin, Luke, Michael, noch n’Michael der es übrigens nochmal versucht und der Thomas.

Und schon wieder stehen vier Schlange. Der Schnallenschuhträger Stefan (wer denkt sich solche Begriffe aus) der markante, sprich ausgemergelte, Michael und noch zwei arme Seelen, deren Namen mir entfallen sind. Respektive ich zu langsam tippte. Ja, ich habe das Auge auf dem Fernseher und haue gleichzeitig in die Tasten. Beeindruckend, nicht wahr?

Eine Pferdegespann voller Trostpreise und mitten drin die dicke Vera macht sich auf zu Beate. Es ist ja so, dass Beate das elterliche Haus nicht verlassen möchte, potentielle Kandidaten hätten zu ihr zu ziehen. Die Prinzessin lässt bitten.
Der pferdegezogene Seelenverkäufer entledigt sich seiner Trostpreise vor der Garage, Vera checkt derweil die Lage in Beates Wohnzimmer.
Wie eh und je die Mutter auf dem Sofa. Diese welche entscheidet, wer an Beates Schmuckkästchen darf – angesichts der Beinbehaarung wäre eine Heckenscheere mitzubringen – und ihr so auch den letzten Typ vergrault hat.
Daneben Papa, welcher nach wie vor nichts wirklich mitkriegt.

Damit endete auch die erste Folge.
Fehlte etwas Panache. Das muss schlüpfrig werden. Das muss peinlich werden. Der Fremdschämfaktor um drei Punkte hoch schrauben. So ist es RTL, wir sind abgebrüht.

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Früher…

Das Leben zieht schnell vorbei. Wenn du nicht hin und wieder stehen bleibst und dich umsiehst, könntest du es verpassen.

Nein, ich habe mir kein trendiges Wandtattoo bestellt. Dieser Pseudo-Tiefsinn stammt von Ferris Bueller, aus dem Film Ferris Bueller’s day off und schoss mir heute durch den Kopf.

Ich habe mir die Platinum-BluRay von den Looney Tunes bestellt. Und weil ich eben ich bin und es davon gleich drei Ausgaben gibt natürlich das Comfort-Dreier-Paket.looney-tunes
Looney Tunes, das sind die Geschichten um Bugs Bunny, Wile E. Coyote, Duffy Duck und ich glaube, der nervende tanzende Frosch zählt auch dazu. Ihr wisst schon, dieser welcher in einer Schachtel unter einem Gebäude vergraben war und nur tanzt, wenn er unbeobachtet ist, was dem Bauarbeiter einen Strich durch den Traum von Reichtum machte.
Wissend, dass ich mich einer weiteren unbeschwerten Kindheitserinnerung beraube.

Heute guckt man Knight Rider und wo man hinguckt sieht man Sprungrampen, schief genietetes Blech und den Sack hinter dem leeren Fahrersitz für den nur allzu menschlichen Auto-Piloten. Plötzlich stört einem das quietschende Geräusch von schleifenden Rädern auf Sand wenn KITT losbrettert und fragt sich, wie ein Auto aus dem Stand aus einer Schrottpresse springen kann oder wo das hundert Meter lange Stahlseil mit Enterhaken wohl aufgewickelt wird und warum das Innere der mobilen Zentrale die Dimensionen einer kleineren Turnhalle mit Saloon aufweist, jedoch der Knight Industries Two Thousand beim Verladen in den Truck nur ganz knapp seine Aussenspiegel behält.
Und dreht es sich nicht um das Auto, hinterfragt sich der erwachsene Zuschauer, ob sich Michael Knight schon immer mit der Gelenkigkeit eines Nussknackersoldaten bewegte und was Frauen beim Anblick des wandelnden Doppelmeter mit behaarter Hühnerbrust unter wolligem Wuschelkopf zur Ekstase trieb.

Aus der Not eine Tugend machten die Jungs von Sprittwoch, eine Seite, welche alle gealterten Fans unbedingt besuchen müssen.sprittwoch

Man geht nicht mehr mit derselben Unbeschwertheit an die Sache heran.
Sass die Jeans von Colt Seavers schon immer so eng, dass nichts der Fantasie überlassen bleibt und sprang er mit dem Wagen nicht viel mehr herum? War Jody, welche Jungs in ihren feuchten Träumen heimsuchte, schon immer so merkwürdig dürr, dass man sie zu einer Pizza einladen möchte? Gleich, nachdem sie beim Friseur war und etwas mit ihrem Haar gemacht hat. Irgendwas. Es soll einfach nicht mehr so fahl und dünn erscheinen, als würde sie im Nebenjob nackig Nukular-Brennstäbe ersetzen und in Tschernobyl Wellnessen gehen.

Mac Gyver geht immer noch. Hätten mir die Manta-Fahrer nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, vielleicht würde ich heute blondierten Vokuhila tragen. Ausgebeulte Jeans, weisse Basketball-Schuhe und unter der sackartigen Lederjacke ein kragenloses Hemd. Kommt bestimmt wieder. Die Mädchen tragen schliesslich mittlerweile den Hosenbund wieder näher der Achselhöhle als dem Schritt und die Oberteile laden zur Nabel- und Bauchspeckshow.
Natürlich, mit den grauen Haaren ging auch ein wenig zusätzliches Wissen einher und ich zweifle mittlerweile ansatzweise an der Sprengkraft von Schweizer Nussschokolade. Dass der Treibsatz einer Leuchtrakete ausreicht um einen Mann über eine Klippe zu katapultieren möchte ich ernsthaft in Frage stellen und die Sache mit Mehl und Bewegungsmelder habe ich ausprobiert.Ok, wirklich gehen tut der MacGyver auch nicht mehr und der zunehmend pädagogische Anti-Gewalt und Drogen-sind-böse Mahnfinger der neuen Folgen hat die Serie schon in den Neunzigern ins Abseits geschossen.

Bonanza fand ich schon immer doof, über unsere kleine Farm lasse ich nichts kommen, ein Engel auf Erden jedoch irgendwie mehr Panache vertragen könnte.

Also werden künftig die Looney Tunes den Sonntag Morgen versüssen. Vielleicht sollte ich mir noch ein Pyjama kaufen um die Kindheitserinnerung so richtig authentisch aufleben zu lassen. Um neun Uhr foppte jeweils Jerry die Maus den Kater Tom. Auf ORF 1, während den Sommerferien. Dummer Tom, gewitzter Jerry.
Heutes sieht man zu und denkt sich; Was ist der Jerry doch für ein boshaftes Arschloch. Der arme Tom. Eigentlich will der Tom ja nur schlafen, bis Jerry irgendwelchen Schabernack treibt und das Frauchen mit den überdimensionalen Waden besenbewehrt den armen Kater dazu antreibt seine Aufgabe wahr zu nehmen und diese dumme Maus zu fangen. Die Maus welche zu gern die Bulldogge in ihr sadistisches Spiel mit einbezieht, damit Tom auch richtig die Hucke verhauen bekommt. Man wünscht sich nur noch, dass er dieses Nagetier mit Stumpf und Stiel verspeist.

Und Silvester diesen bescheuerten, nervenden, kleinen gelben Vogel, mit dem kränklich überdimensionierten Wasserkopf und Flügeln, welche jegliche phsyikalischen Erkenntnisse über Auftrieb Lügen schimpfen.
Wile E. Coyote ist witzig. Immernoch. Ich mag seine durchgeknallten Ideen.
Wegen ihm und diesem Video „Was wäre, wenn Wile den Roadrunner tatsächlich erwischt hätte“ welches ein Kollege heute im sozialen Netzwerk verbreitete, habe ich diese Discs bestellt.

Ein Psychiater hätte wohl eine ganz eigene Theorie.
Weswegen ich vor dem Schloss in Disneyland einmal leer schlucke, mir dann und wann ein lustiges Taschenbuch kaufe und in meinem Wagen ein Donald Duck mit fährt.
Mittlerweile auf der Rückbank. Die Situation befremdete mich bisweilen, wenn morgens bei der Einfahrt an meinen Arbeitsplatz ein Soldat mit Blick auf Donald im Beifahrersitz salutierte.

Mich deucht, die Zeit läuft jeden Tag eine Idee schneller. Es wird nicht früher Feierabend, aber man erwischt sich schon bei einem ‚Herrgott, es ist schon wieder Herbst und dabei habe ich doch erst die Weihnachtskeksdosen verstaut‘.
Es muss einfach alles immer schneller gehen.
Eine Online-Bestellung hat spätestens morgen vor der Tür zu liegen, der Bus soll im Minutentakt fahren, Filme gleich nach dem Kino-Besuch bei Apple verfügbar sein. Besser noch vorher. Das Essen mit der Rückgabe der Speisekarte erscheinen und mit dem Flug in die Feriendestination würde man am liebsten in der Zeit zurückreisen.
Mails werden viertelstündlich abgerufen, witzige Anekdoten nicht beim nächsten Treffen mit den besten Kollegen ausgetauscht sondern gleich in den Gruppenchat und/oder das soziale Netzwerk gestellt und Urlaubsfotos müssen vom Pool direkt in die Welt hinaus gehen. Ein Wettlauf mit den 248 facebook-Kollegen, welche ebenfalls im Urlaub weilen.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit – um eine abgedroschene Phrase zu verwenden – und daher sind wir bemüht bestenfalls eine Schuhspitze vor der Zeit zu sein. Ein permanenter Wettlauf, mit jeder Atempause fürchtet man etwas zu verpassen. Eine Beziehung hat zu funktionieren, von einer Sekunde auf die Nächste und in jeder Sekunde des Lebens. Für die Arbeit am Glück hat man keine Zeit, denn rundherum funktioniert es und während die Meiers bereits ein Haus errichten, ist Frau Müller schon wieder guter Hoffnung. Man hinkt hinterher, klappt es mit diesem Lebensabschnittspartner nicht, muss eben ein neuer her. Ganz fix, die Uhr tickt.
Die Zeit rast, zugleich darf man nicht mehr alt werden. Beständige Jugend, Dynamik und eine River-Rafting-Ausflug mit dem Altersheim zählt zum guten Ton. Vitaminetabletten und Voltaren halten den Körper bei Laune, um der Zeit im Fitnessstudio oder auf der Laufstrecke zu trotzen. Die Bikinifigur der Frau Hübeli und das Six-Pack des Anthony – der ist schon 56! hat die Partnerin gesagt – auf dem sozialen Netzwerk sind der Ansporn, mit masochistischen Trieben peitscht man sich an.

Aber wohin denn nur?
Da man nie stehen bleiben darf, ist die Ziellinie die letzte Ruhestätte. Vielleicht bedanken sich die Sargträger, dass man sich zeitlebens ausgezehrt und im Stillen für jeden Müssiggang schalt. Ansonsten geht es einem wie mit dem letzten Hemd ohne Tasche. Wie man letztendes in dieser Kiste liegt, kümmert kein Mensch.
Vielleicht sollte man die Ziellinie eine Idee früher ansetzen. Oder warum nicht Etappenziele.
Bei meinem Spaziergang durch Schottland hatte ich mir diverse Ausstiegsplätze markiert. Einfach um mir vor Augen zu halten; Es ist toll, wenn ich bis zum Ende durchmarschiere, aber ich habe niemandem etwas zu beweisen. Ich habe kein anderes Ziel, als eine schöne Zeit zu haben und wenn die schöne Zeit eine Zugfahrt beinhalten soll, dann ist dies vollends in Ordnung, weil ich mich nur vor mir selbst rechtfertigen muss.
Es ist erschreckend, wie die Entschleunigung aus dem menschlichen Trieb entfernt wurde und man sich regelrecht bewusst ausbremsen muss. Und beruhigend, wie schnell es dennoch geht. Bericht folgt an anderer Stelle.

Früher war alles besser.
Sagt jede Generation. Was nicht bedeutet, das keine Wahrheit in dieser Aussage wohnt. Letztendlich ist es doch ein persönliches Empfinden und wenn dieses ‚Besser‘ auch nur dem Blickwinkel entspringt, da man durch Kinderaugen die Welt aus einer anderen Perspektive sieht.
Das Lustprinzip bestimmt den Tag, die dritte Säule ist ein Stapel Bauklötze, auf der Uhr zeigt Micky Maus mit weissen Handschuhen auf irgendwelche Zeichen. Man schläft ein, wenn die Gutenachtgeschichte zu Ende ist, ein grünlich schimmernder Donald Duck vertreibt mit seinem Nachtlicht die bösen Geister und wenn die Sonne ihn verblassen lässt ist es Zeit aufzustehen. Um mit einer Schüssel Frosties oder Smacks im Pyjama Tom und Jerry zu gucken.

Vielleicht ergibt man sich vor dem Trickfilm-Regal oder im Disney-Hotel einfach der Illusion, ein Stück heile Welt zu kaufen. Einen Moment aussteigen, der gewitzten Maus die Daumen drücken, dass sie dem dummen Kater noch ein Schnippchen schlägt und hoffen, dass Tom das Buch noch nicht zerreisst und eine weitere Geschicht kommt.

tom-und-jerry

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Liberal auf den Mann geschossen

Nennen sie mir einen beeindruckenden Politiker.
Abraham Lincoln. So auf Anhieb.
Das Wirken eines Politikers lässt sich natürlich in gesteigertem Mass messen, so er eine Krise zu bewältigen hat und die Lorbeeren seines Stabes einheimsen darf. Ich würde meine Hand nicht ins Feuer legen, dass die neue, von Politverdruss geprägte Generation einen Abraham Lincoln kennt, da würde wohl eher der Name JFK fallen. Nicht zuletzt, weil das Kürzel markant, einprägsam und cool ist, wie das gesamte Erscheinungsbild des John Fitzgerald Kennedy. Mit dem Krönchen, als Märtyrer dahingeschieden zu sein.

Was hat der JFK denn bewirkt?
Ja… Der hat gesagt ich bin ein Berliner…. Wurde erschossen…. Ja eh…

Politik ist ein klein wenig wie Kindergarten.
Sei es nun Sandkasten oder Puppenecke – wenn einem Knaben nach wickeln und stillen ist soll er sich entfalten, wie Mädchen auch Sand baggern sollen – welcher einfach zu klein ist, als dass alle darin spielen könnten. Zudem werden die Bemühungen jedes Beisitzenden der grossen wie der kleinen Kammer mit einem Jahressalär vergütet welches der Kaderstufe eines Bundesangestellten entspricht, also im Endeffekt auch eine Budgetfrage. Ausserdem wird ein Rat nicht effizienter, indem man einfach mehr Personen in den Saal stopft.

Es will folglich wohl abgewägt werden, wen man als Interessenwahrer auf den politischen Spielplatz sendet und die Anwärter für den Posten als National- und Ständerat buhlen um unsere Gunst. Teilweise mit Argumenten, welche den Vergleich zum Sandkasten, respektive der Puppenecke, erst entstehen liessen.wahlkampf

Beginnend bei der Motivation.
Für Vertreter der Bourgeoisie war es ein wenig unverständlich, dass der Arbeiter sich gerne auf das politische Parkett begeben wollte, da die Klassengesellschaft eine Gott gegebene Tatsache war und diese sich doch über Jahrhunderte bewährt hatte. Für uns aufgeklärte Mitbürger ist es durchaus nachvollziehbar, dass der Kohlearbeiter in die Politik strebte um einen Umsturz herbeizuführen. Oder die Frauen sich stark machten um die Geschicke des Landes zum Wohle aller ebenfalls beeinflussen zu dürfen.

Die gravierenden Probleme fehlen in der schweizerischen Politlandschaft ein wenig. Mit grossem Engagement streitet man sich über die Höhe der Abgabe für Rundfunk oder Autobahnvignetten. Es ist eher eine Prestigesache, in Bundesbern den Heimatkanton zu vertreten.

So tritt die FDP Schaffhausen doch tatsächlich mit der Motivation an, dass ihnen als einer der drei grossen Partei ein Sitz zusteht. Hört ihr den kleinen Max, welcher eine gelbe Schaufel will, weil der Hans auch eine hat?
Von dieser Rechnung ausgehend, würden den Parteilosen – immerhin an die 93 Prozent der Schweizer Bevölkerung – 42 Sitze im Ständerat zustehen und selbst dann hätte man für die 0,2 Prozent zusätzlichem Sitz hin und wieder dem Nachbarn den Abstimmungsknopf zu drücken.motivation

Schaffhausen als kleiner Grenzkanton braucht eine starke Vertretung in Bundesbern, um sich für seine Anliegen das nötige Gehör zu verschaffen.

Wer will an einer solch schönen Aussage zweifeln. Streichen wir den Wortteil Grenz, kann zu Beginn des Satzes jeder Kanton eingesetzt werden. Ich behaupte kühn, dass jeder Kanton in Bern stark vertreten sein möchte. Die Verschaffung von Gehör ist die Kausalität welche so nicht unbedingt herausgestrichen werden müsste, aber der Satz stünde ohne diese Ergänzung nebst seiner allgemeingültigen Aussage auch in der physischen Präsenz furchtbar dünn da.

Ich glaube, dass ich diese Erwartungen aufgrund meiner Kompetenz und Regierungserfahrung erfüllen kann.

Sind sie der Aufgabe gewachsen?
Doch, ja, ich glaube schon.
Gut, wir melden uns bei ihnen.

Vielleicht wäre dann und wann ein Vorstellungsgespräch eine gute Übung, gerade für Politiker, welche um die Gunst der Wähler buhlen. Natürlich, die Aussage ‚Ich glaube‘ drückt eine gewisse Bescheidenheit aus, allerdings auch die Furcht vor einer verbindlichen Zusage. Dazu kommt, dass der Schaffhauser FDP-Kandidat nicht durch Rhetorik besticht. Es gibt eine Anzahl ‚ähm‘ welche in einer Rede tolerierbar sind, doch mit jedem dieser Verzögerungslaute fällt ein Teil der Sicherheit ab, welche auf den Zuhörer übertragen sein will. Möchten sie ähm einen Politiker, welcher öhm in Bern einmal hmmm sehen möchte, was sich ähm bewegen lässt?
Der Wähler ist realistisch genug, zu verstehen, dass kein gewählter Vertreter das Stöckli mal eben auf den Kopf stellt und mit dem Reisbesen tüchtig durchwischt. Doch dem Wähler gefällt die Vorstellung, dass ein Vertreter genau dies rigoroses Vorhaben gerne umsetzen würde. Das Hemd hochkrempeln und anpacken. Warum ist denn die SVP die stärkste Partei der Schweiz?

Ich weiss, wo den Kanton und die Gemeinden der Schuh drückt.

Wo? Linie 21?
Mich deucht, es wäre durchaus von Belang, ob ich als Wähler die gleichen Druckstellen spüre. Nicht, dass die Blasenpflaster am falschen Ort aufgelegt werden.

Immer mehr werden die politischen Weichen auf Bundesebene gestellt.

Wo wurden sie denn früher gestellt? Auf der Rütliwiese oder bei Morgarten? Eine interessante Aussage. Das Stellen der Weiche ist an sich nur das Ebnen des Weges für die vorbestimmte Richtung. Nicht mehr als das Umlegen eines Hebels oder Drücken eines Schalters. Die Richtung, so verstehe ich die direkte Demokratie, gibt das Volk vor. So zumindest die Theorie. Seit geraumer Zeit scheinen die Weichen etwas zu klemmen, weil stets irgendwelche Abkommen und Verträge mit anderen Ländern das Räderwerk blockieren. Welche Partei wähle ich nun, wenn ich wünsche, dass diese Mechanik frei von Fremdkörpern funktioniert?

Dabei droht der gesunde Menschenverstand unter die Räder zu geraten.

Die Arbeit mit Metaphern kann eine heikle Sache sein, sie lassen bisweilen grossen Spielraum bei der Interpretation. Man kann zum Beispiel zum Schluss kommen, dass es in den Augen des Kandidaten dem Wähler an gesundem Menschenverstand mangelt und er diesen Missstand beseitigen will.

Ich bin ein Vertreter liberaler Realpolitik, der aufgrund seiner Persönlichkeit und Verankerung auch Mehrheiten im Bundeshaus bilden kann.

Die liberale Realpolitik… Nein, ich auch nicht. Wie auch mit dem Ausdruck ‚bürgerlich‘ oder ’sozialdemokratisch‘ nicht.
Es gibt Leute, Wähler, welche sich mit solchen Ausdrücken intensiv befassen und gewiss auch Volksvertreter, welche ein klares Bild vor Augen haben.
Bürgerlich hat dieses bodenständige, dass sich der Büezer sofort angesprochen fühlt, wenn damit auch die Klasse über ihm gemeint ist. Daher würde das sozialdemokratische mit der Abschaffung der Klassen ihm doch eher gerecht werden, allerdings sind deren Vertreter Studenten und andere arbeitsscheue, selbstversorgende Sandalenträger, welche uns das Auto wegnehmen wollen.
Liberal klingt so nett. Nur nirgends anecken, mal hierhin mal dort hin, immer schön lächeln und mit allen Kaffee trinken. Dies beschreibt die Realpolitik. Diplomatisch auf die Bedürfnisse der breiten Masse abgestummen.

Drei Boote auf einem See.
Die Bürgerlichen legen sich gleich in die Riemen. Dem Takt des Trommlers folgend, flitzt man mit kräftigen Ruderschlägen über die See. Mit dem Kopf durch die Wand, ohne Rücksicht auf Verluste. Sollte die Richtung noch unklar sein, schaut man auf die Sozialdemokraten und paddelt dann einfach in die entgegengesetzte Richtung.

Die Sozialdemokraten halten sich erst an den Händen und legen einen Ablöseplan fest. Jeder darf mal trommeln und jeder soll einmal rudern, weil keiner über dem anderen steht. Die FSC-Zertifikate prominent an den Bug gehängt, fährt das Love-Boat – Galeere klingt so böse – in die Richtung, welche die natürliche Strömung vorgibt, die Ruder dienen nur kleiner, intensiv besprochener, Korrekturen.

Die Liberalen stehen erst einmal in der Mitte, beobachten die Tribüne und halten den feuchten Zeigefinger in den Wind. Die Neigung des Volkes gibt hernach die Stossrichtung vor, man hängt sich an das Heck des Love-Boats oder der Galeere, im Zweifelsfall fährt man einen angedeuteten Zickzack.

Insbesondere im Ständerat sind beide Schaffhauser Vertreter in der SVP-Fraktion. Das ist einer zu viel, wobei Hannes Germann als SVP-Ständerat für mich gesetzt ist und wieder gewählt werden sollte.

Und dies ist der Ausschlag für meinen Text.
Man will nicht gegen den Mann schiessen. Man möchte nicht Thomas Minder aus dem Stöckli werfen, sondern einfach den zweiten Sitz neben Hannes Germann erobern. Was unterm Strich dasselbe ist, aber weniger böse klingt.
Weil Thomas Minder eben so wenig für Schaffhausen macht.
Ich habe noch nie gehört, was er zu erledigen versäumt hat. Welchen Auftrag er nicht umgesetzt hat. Oder was im Gegenzug Hannes Germann für Schaffhausen geleistet hätte, was ihn so viel besser dastehen lässt.
Weder auf die Eine noch die Andere Frage habe ich je eine Antwort erhalten. Es scheint mehr ein individuelles Empfinden zu sein. Aber mit ‚Ich habe das Gefühl, er mache zu wenig für Schaffhausen‘ geht man nicht in den Wahlkampf, im Gegensatz zur Motivationsrede ist man hier konsequenter. Weil eben die anderen Parteien auch so sprechen.
Metapher; Ist Emma Watson eine gute Schauspielerin? Wenn kümmert es. Sie ist einfach ein unglaublich hübsches Mädchen, da guckt man auch einen Bibelfilm in Überlänge.
Kristen Stewart hat doppelt soviele Filme gedreht und eine Vielzahl an Preisen abgeräumt. Was den Menschen bleibt ist ihre sexuelle Orientierungslosigkeit, ihre düstere Miene und Gammelkleidung bei öffentlichen Auftritten. Da muss man die Filme gar nicht erst sehen um sie bewerten zu können.
Hannes Germann ist im Kanton verwurzelt, in einer Partei, er ist everybodys darling. Er ist im inneren Kreis, er muss nicht Zeugnis seiner Qualifikation ablegen.
Thomas Minder ist der mit der Zahnpasten-Fabrik in Neuhausen. Im Gegensatz zu Hannes Germann auch unter Proleten in der ganzen Schweiz bekannt und hat sich einen Namen gemacht, indem er unter Beweis stellte, dass auch ein Klein-Aktionär den Grossen ordentlich in die Suppe spucken kann. Wenn man so will entspricht er dem Archetyp des walisischen Kohlebergwerkarbeiter, der in das Parlament will und es schafft.
Aber er schneidet vielleicht zuwenig rote Bänder durch und schüttelt im kleinen Paradies zu selten Hände. Auch flaniert er nicht mit Frau und Kind am Unterstadtfest oder tauft Hasen beim Kleintierverein.
Sagen wir doch kurz, er tut nichts für Schaffhausen.

Aber vielleicht bringt ein schüchterner, nach Worten ringender Jurist ja die Wende in Bern.
Ansonsten sind einfach die Umstände schuld.

 

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