Die Sache mit dem Mohrenkopf auf facebook

Nein, natürlich lesen sie keinen Blick. Gut, wenn er gerade am Stammtisch aufliegt. Und dann auch nur, wenn der Heiri sagt „Da, jetz muesch emol luege, die Sauerei!“.
Solch ein dummes Blatt würden sie nie kaufen. Ich auch nicht und der Heiri würde gar zahlen, damit er sie nicht lesen muss.

So der allgemeine Tenor zur auflagenstärksten Zeitung unseres kleinen Landes.
Mit der Verbreitung des Smartphones hat mittlerweile jeder die Gratis-App auf dem kleinen Bildschirm. So studiert man in der privaten Abgeschiedenheit des Aborts die dümmste Zeitung der Welt. Ganz heimlich.

Diese Woche versucht der Blick krampfhaft die SVP ans Kreuz zu nageln.
Die Schweiz ist in der glücklichen Situation, vielen Leuten eine Zuflucht zu gewähren. Menschen, welche ihr Land verlassen müssen, weil dort ein Krieg herrscht. Oder irgendwann herrschte. Menschen, welche aktiv vor dem Krieg fliehen, weil ihnen keine Möglichkeit gegeben wird sich dem Kampf zu stellen und jene, welche sich stellen müssten, aber dazu keine Lust haben. Menschen, welche keine Nahrung mehr haben und jene, welche sich Nahrung kaufen könnten, aber dafür arbeiten müssten. Menschen, welche ihre Kinder in die sichere Schweiz senden, oder jene, welche dies bereits getan, nun die Kunde der tollen schweizerischen Sozialwerke vernommen haben und vom Familiennachzug profitieren.
Die Schweizer Regierung sieht sich in der Pflicht, die Arme auszubreiten und die Bedürftigen an ihre Brust zu ziehen. Im übertragenen Sinne. Es wäre ja nicht so, dass Frau Sommaruga nun die Gästecouch frisch bezieht und ihr Ferienhaus zur Verfügung stellt, aber sie reicht gerne die Zitze der Brust des Steuerzahlers.
Der ein oder andere Schweizer fühlt sich mittlerweile etwas überfahren und bevormundet, da er, trotz gelobter Demokratie, nicht viel gegen die Flut der fremden Kultur unternehmen kann. Gewiss, hin und wieder darf er einen Zettel in die Urne werfen und mit hübscher Regelmässigkeit bekennt sich das Schweizer Volk zu den konservativen Werten der Eidgenossenschaft. Betet, freie Schweizer, betet!
An und für sich wäre der Schweizer frei, ebenfalls ein Abstimmungsentscheid, aber dennoch muss der Volkswille von Brüssel abgesegnet werden. Nicht so direkt und offensichtlich, aber unsere Regierung ist im wesentlichen damit beschäftigt, die angenommenen Initiativen so zu drehen und biegen, dass sie EU-konform sind.
Aber wir können unseren Willen kundtun. Wie Kinder, welche anmerken, sie würden lieber fernsehen, bevor sie am sonnigen Nachmittag in den Garten gejagt werden. Weil halt immer jemand weiss, was für den anderen am Besten sei.

Der Unmut wurde einst am Stammtisch verbreitet und erörtert, heute bietet jede Tageszeitung eine Online-Kommentar-Funktion und auf sozialen Netzwerken tut man kund, was einem gerade durch den Kopf schiesst.
Da diese Meinungen im wesentlichen einer sehr konservativen, patriotischen Couleur sind, ist man im linken Lager mit dem Vorwurf „rechtsradikal“ schnell bei der Hand. Einfach weil jeder, welcher einen Cervelat postet und auf seiner Kleidung ein Schweizerkreuz trägt ein verkappter Nazi ist. Der Vergleich mit dem Nationalsozialismus ist irgendwie an den Haaren herbeigezogen, aber so weiss gleich jeder, was Sache ist, weil nur ganz wenige sagen würden, dass nationalsozialistisches Gedankengut eine feine Sache sei.rassist

Nun muss natürlich ein Sündenbock her, so der Juso-Chef Fabian Molina. Und Molina ist ein Student, also ein gescheiter. Wenn der nicht weiss, wie der Karren läuft, wer dann sonst?
Da Fabian Molina dem Schweizer Volk, eben nicht alles Studenten sondern viele dumme Bauern, nicht zutraut sich selbständig eine Meinung zu bilden, muss besagten beschränkten Schweizern irgendwer diesen Floh in den Kopf gesetzt haben. Bleibt nur die SVP, weil die SVP als einzige Partei so spricht, dass die dummen Schweizer verstehen worum es geht. Die Schweizerische Volkspartei greift gerne aktuelle Themen auf, in etwa wenn ein ein Albaner einem Schwinger die Kehle aufschlitzt, und die Munition geht dank unserer multikulturellen Gesellschaft und immer weicheren Gesetzen nie aus. Weil Schweizer eher selten ihre Gäste aufschlitzen, gerät die Juso etwas ins Hintertreffen, also mischen sie die Rechten auf, indem sie den 1. August abschaffen wollen. So geschehen im Jahre 2010. Hauptsache in den Medien.
Rassisten auf dem Vormarsch titelt aktuell der Blick. Der gebildete Student ist sich nicht zu gut, sich von einer Boulevard-Zeitung interviewen zu lassen. Passt gerade gut zum Wochenthema ‚Böse SVP‘.
Die SVP radikalisiere die Schweiz indem sie das Asylrecht in Frage stellt und mit ihren Initiativen die Kündigung der Menschenrechte fordert.
Nun ist es ja so, dass die SVP keine Gesetze macht. Aber wenn die SVP in etwa eine Initiative lanciert, dass Vergewaltiger und Kinderschänder auf den elektrischen Stuhl kommen und das Volk einhellig zustimmt, rein hypothetisch, ist die Partei dann wirklich böse?
Wenn ich die Politik richtig verstehe, entsende ich Volksvertreter nach Bern, weil ich selber keine Zeit habe und ausserdem zu dumm bin, da mitzumischen. Diese Volksvertreter haben dann meine Interessen zu vertreten, in etwa, dass Kinderschänder auf den elektrischen Stuhl sollen. Denn wenn ich wünsche, dass mein Junge einen pädophilen Fussballtrainer hat, weil dieser doch eine zweite Chance verdient und ich gerne meine Kinder als Versuchskaninchen stelle, würde ich vielleicht eher links wählen. Wenn die SVP nun also eine Initiative lanciert welche meinem Gusto entspricht, macht die Partei doch nur ihren Job. Und wenn solche Initiativen angenommen werden, gibt es natürlich zwei Ansichten. Die Partei manipuliert das dumme Volk, oder die Partei hat ein etwas grösseres Ohr für die Anliegen des Volkes, als die übrigen Volksvertreter.

Also mir gefällt der Gedanke, dass die Schweizer durchaus fähig sind, sich selber eine Meinung zu bilden, aber wenn eine Fabian Molina dies anders sieht, ist dies sein gutes Recht.

Eine weitere These des Blick ist, dass Social Media die Menschen zu Rassisten macht. Was umschrieben bedeutet, dass der Mensch in erster Linie ein völlig unselbständiges Wesen ist, unfähig, sich eine Meinung zu bilden oder einen Entscheid zu treffen. Bezeichnet er also Muslime auf facebook als Menschen, welche vierbeinige mit zwei Höckern bestückte Tiere zum Geschlechtsakt bitten – natürlich benutzte Hans-Peter Mathieu einen einfacheren Ausdruck – dann benutzt er die social-platform nicht als Medium, seine Meinung kundzutun, sondern die rassistische social-media benutzt seinen guten Namen um solchen Aussagen zu verbreiten. Wenn ich die Blick-Schlagzeile eins zu eins interpretiere. Aber Blick-Schlagzeilen müssen ja nicht zwingend den Inhalt des Artikels umschreiben.
Item; Damit blick-online nicht ebenfalls solch Schindluder betreibt, löscht die Blick-Redaktion im Auftrag der freien Meinungsäusserung jeden Kommentar, welcher irgendwie in eine mir-ist-die-Schweiz-ein-wenig-fremd-geworden Richtung abzielt. Sagt der Blick. Nicht ohne Stolz auf seinen Beitrag zum Wir-Gefühl.
Klar, wenn sich die Möglichkeit bietet mit dem Ausdruck Schwinger-Schlitzer eine Woche lang Tageszeitungen zu verkaufen, gibt man sich gerne auch einmal ein wenig rechts.

Unsere Rechtsbeauftragten sehen Social-Media nicht als Rassisten. In erster Linie, weil man facebook nicht direkt büssen kann. Die Verfasser von rassistischen Aussagen sehr wohl. Weil dies nämlich eine Straftat ist. Also man muss differenzieren. Kuhschweizer und Kameltreiber, meinetwegen mit identischem Adjektiv vorneweg, klingen sich recht ähnlich. Das eine setzt jedoch eine Person aufgrund des ethisch-kulturellen Hintergrund herab, das andere ist eine Aussage, welche man nicht so überbewerten sollte.
Ernst nehmen soll man allerdings, wenn die Migros für ihr Waschmittel wirbt, indem ein schmutzig-brauner Bär wieder weiss wird.
Vor dreissig Minuten war ich im Volg. Die Schüssel mit dem Mohrenköpfen war etwas ausserhalb meiner Reichweite platziert, doch beim Anblick gelüstete es mich spontan danach. Nun frage man einmal die Verkäuferin nach einem solchen Ding. Bitte ich danach, wie mir der Schnabel gewachsen ist, wie ich es als Kind gelernt habe, stehe ich die Tage vielleicht wieder im Laden, welcher im Nebenamt die örtliche Postgeschäfte abwickelt. In der Hand ein Schreiben, welches mich zum Abholen einer gerichtlichen Vorladung wegen rassistischer Äusserungen in der Öffentlichkeit anhält. Bestelle ich ein schaumbedecktes – auf keinen Fall das Adjektiv ‚weiss‘ verwenden – mit Schokolade überzogenes Bisquit, weiss die Verkäuferin nicht, was ich will und so ich es erkläre, werde ich fortan im Dorf gehänselt.

Zu guter Letzt; Wussten sie, dass es unzumutbar ist, Asylbewerber in einer Zivilschutzunterkunft unterzubringen, jedoch dieselbe Unterkunft für Grenzwächter eine durchaus adäquate Behausung darstellt.
Weil nämlich bei den Sparbemühungen der Schweizer Regierung jeder seinen Teil beizusteuern hat.
Jeder Schweizer zumindest.

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Er ist zurück, Terminator Genisys

Er hat es wiederholt angedroht und er ist zurück. Zum vierten oder fünften Mal. Davon abhängig, ob man Salvation als Teil der Terminator-Reihe betrachten will. Terminator Salvation war als Start einer Trilogie gedacht, welche so nicht zustande kam.
Wir danken dafür. Nicht, dass der Streifen im Grundsatz schlecht wäre, aber dem Film fehlt ein gewichtiges Element. Arnold Schwarzenegger.

Schwarzenegger hat in seiner Paraderolle nur wenig mehr Text als Chewbacca, in Sachen Mimik steht er auf einer Stufe mit einer sehr emotionalen Kristen Stewart und dennoch wäre Terminator ohne die steirische Eiche einfach nur ein pre-und-post-apokalyptischer Roboter-Film.

terminator-genisys

Der ein oder andere Filmfehler hat sich eingeschlichen, aber dies fällt wohl nur den Nerds, den Fans der ersten Stunde auf. Diesen Typen eben, welche einem seitlich anstupsen und im Flüsterton unter permanentem Pop-Corn-Spucken erklären, dass diese Zeitreise Humbug sei, weil der Nubex doch im Quadranten Xelyphon auf der Achse des Nibus liegen müsse und nur dann, wenn überhaupt…
Ich würde mich als Terminator-Fan bezeichnen, seit ich vor 23 Jahren den ersten Teil (Terminator – 1984, James Cameron) sehen durfte. Bei einem Kollegen ab VHS-Kassette. Heimlich. Die gekürzte Version, so ich mich richtig entsinne.
Die Story kurz umrissen: Im Jahre 2029 hat Skynet, ein Computersystem, die Herrschaft über die Erde übernommen. Durch einen Nuklearkrieg wurde der Grossteil der Menschheit dahin gerafft. Eine Gruppe Überlebender unter der Führung von John Connor leistet Widerstand. Solcher erbitterter Widerstand, dass Skynet beschliesst, einen Terminator in das Jahr 1984 zu senden und John Connors Mutter zu ermorden, bevor der kleine Revoluzzer das Licht der Welt erblickt. John Connor seinerseits sendet den Soldaten Kyle Reese hinterher, um Sarah Conner zu beschützen.
Richtiges achtziger Jahre Action-Kino. Gedacht als B-Movie mit Mini-Budget. Reduziert auf das Essenzielle, was das Genre definiert. Schiessen, prügeln, bluten, töten. Es brauchte keinen Witz, ein Minimum an Sex und das Skript musste die Kernelement lediglich in eine sinnvolle Reihenfolge bringen.

Termintor 2 (Terminator 2: Judgement Day – 1991, James Cameron) darf und muss man als cineastischen Meilenstein respektieren. Mit einem Budget von über 100 Millionen, damals eine astronomische Summe für eine Filmproduktion, wurden Special Effects neu definiert. Dem Zeitgeist des neunziger-Kinos entsprechend, wurde der Terminator neu aufgelegt. Mit der Auflage in der direkten Konfrontation keine Menschen zu töten, mimte Arnold Schwarzenegger zum ersten Mal die Maschine mit Herz. Oder zumindest mit einem gewissen Grundverständnis von Moral.
Wo das Gute ist, braucht es natürlich auch das Böse. So durfte Robert Patrick als Kampfmaschine aus flüssigem Metall in menschlicher Gestalt das veraltete Terminator-Modell verkloppen.

Terminator 3 (Terminator 3: Rise of the Machines – 2003, Jonathan Mostow) ist definitiv Action-Kino des neuen Jahrtausends. Es braucht Witz, Moral, weniger Gewalt und einen erhöhten Frauenanteil. Auch in der nuklear verseuchten Zukunft kommt man um die Frauenquote nicht herum. So baut Skynet einen weiblichen Terminator, welcher sich mit dem in die Jahre gekommenen Modell Schwarzenegger über die Leinwand prügelt. Ich möchte nicht behaupten, der Film wäre schlecht. Es ist wie mit James Bond. Man mag die Filme mit Daniel Craig, doch wohnt der Geist des britischen Geheimagenten nicht mehr inne. Und wenn ich daran denke, dass um der politischen Korrektheit halber bereits ein schwarzer James Bond im Gespräch ist, haftet diesem Bestreben, bei aller Toleranz, der Dunst von Blasphemie an.

Terminator Genisys. Das Grundkonstrukt wurde nicht neu geschrieben. Im Gegenteil, in der Verknüpfung mit dem ersten Teil erkenne ich Züge einer gelungenen Hommage. Die Darstellung des jungen Schwarzeneggers legt beinahe erschreckend Zeugnis ab, dass Computer-Technik Akteure ersetzen könnte. Zumindest so sich Schauspieler in brachialen Prügeleien und weniger durch mimische Glanzleistungen in Szene setzen müssen. Schwarzenegger, stolze 68 Jahre, hat den klassischen Terminator über seine politische Auszeit hinweg bewahrt und präsentiert die in die Jahre gekommene Maschine in gewohnter Manier. Die Bewegungen stets leicht mechanisch, gefühllos und nüchtern berechnend, stets bereit mit dem Kopf durch eine Stahlwand zu rennen, so dies den kürzesten Weg darstellt.
Wie bereits in Terminator 2 begleiten Story und Darsteller den Zuschauer an diesen Punkt, wo er beginnt für diese Zerstörungsmaschine Mitgefühl zu entwickeln. Man weiss, dass er sich ohne Rücksicht auf Verluste bis zur letzten Schraube für die Schutzbefohlenen aufreiben wird. Man erwartet, dass er dies tut, leidet mit wenn er zwangsläufig Stück für Stück zerlegt wird. Und man hofft, dass diese lädierte todbringende Maschine, dieses freigelegte metallene Endoskelett irgendwie überlebt. Da einem alle vorangegangene Filme hinsichtlich dieses kindlichen Wunsches entäuscht haben, möchte man beinahe wünschen, dass die nukleare Zerstörung nicht abgewendet wird und Skynet immer und immer wieder einen T-800 in unsere Zeit senden wird.

Terminator 2 ist die Legende des Filmschaffens. Terminator (1) das unverzichtbare Fundament für diesen Meilenstein. Terminator 3 war ein entbehrlicher Lückenfüller. Terminator Genisys würde ich mit dem Film Rocky Balboa vergleichen. Ein würdiger Abschluss einer grossartigen Filmreihe, eine Hommage an ein Stück Filmgeschichte, an einen unverwüstlichen Schauspieler des 80er-Jahrekinos.
Ein unterhaltender Film, welcher den klassischen Terminator-Fan, wie auch den Gelegenheitskinobesucher bestens bedient.

Off Topic.
Viele Stars erkennen nicht, wann ihre Zeit gekommen ist. Sie ihre Zeit überschritten haben. In etwa ein Steven Seagal. Schon die Filme der achtziger und neunziger hatten einen unangenehmen Fremdschäm-Faktor. Heute kann man bestenfalls die Kameramänner loben, welche stets bemüht sind, Seagals ordentlichen Bauch aus dem Bild zu halten, während dieser nach wie vor versucht, mit fernöstlichen Kampfeinlagen böse Buben dingfest zu machen.
Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger haben es geschafft, sich in das neue Jahrtausend zu retten. Sie versuchen sich weder in peinlichen Komödien, noch in klassischen Ein-Mann-Armee-Actionfilmen. Ihrem Alter Rechnung tragend spielen sie angepasst in ihren klassischen Rollen, lassen den Zuschauer mit einem zwinkernden Auge in die Achtziger schauen, ohne dabei das Filmschaffen dieses Jahrzehnts ins lächerliche zu ziehen. Sie brauchen weder das Geld noch den Ruhm, sie drehen Filme, weil das ihre Passion ist. Vielleicht bin ich alt, etwas nostalgisch wehmütig, doch behaupte ich, dass in punkto Unterhaltung die Altstars mit ihrem nicht ganz ernstgemeinten Actionkino manchen verbissenen Jungspund im Schatten stehen lassen.

 

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Besuch aus Eritrea

Es muss sich viel getan haben in der kleinen Schweiz.
Ich war ein wenig ausserhalb des Landes und fern der mobilen Datenabdeckung. Bericht folgt.
Das Leben kann so unsagbar entspannend sein ohne facebook, 20min und Blick-Online. Während der ersten Sitzung auf dem stillen Örtchen fühlt man sich ohne digitale Lektüre ein wenig verloren, aber dies gibt sich.

Die AHV ist für dreissig Generationen gesichert, Jugendarbeitslosigkeit tendiert gegen o,5 Promille und dank excellenter Lobby-Arbeit unseres Aussenministerium bauen Investoren und Käufer aus der ganzen weiten Welt auf Swissness, der starke Franken ist nur noch eine Fussnote in den Geschichtsbüchern. Wir erleben einen wirtschaftlichen Aufschwung, jeder Pendler hat einen Sitzplatz und wer immer arbeiten will, erhält einen Arbeitsplatz. Das Badewasser ist von excellenter Qualität und die jungen Schweizer vermehren sich wie die Karnickel.
Kurz gesagt, die Schweiz hat absolut keine nationalen Sorgen mehr.

Nur so kann ich es mir erklären, dass sich sämtliche politischen Volksvertreter nur noch um Eritrea kümmern. Vordergründig scheint das Bestreben zu sein, wie kriegen wir noch mehr in unser Land. Nicht nur jene welche sowieso rein spazieren. Wie können wir der Gastgeberrolle so gerecht werden, dass die Attraktivität des güldenen Schweizer Bodens weit über das Mittelmeer hinaus zum Inbegriff eines Schlaraffenlandes wird.

Mit Zeltstädten – an sich würden die Linken die Armee lieber gestern als morgen abschaffen, aber die Zelte sind dann doch ganz praktisch – versucht man ein kleines, lustiges Abenteuer-Camp zu errichten. Im Gegensatz zum Pfadfinder-Lager muss man seine tücherne Behausung jedoch nicht selbst errichten. Man ist Gast. So dürfen die Eritreer die Schweizer Armee im Einsatz bewundern.

Eritrea hat den Ruf der Berge vernommen. Mit allem was 20 Meter nach der Hafenmauer nicht abgesoffen ist, schaukelt man über das Mittelmeer. Den Magen mit den Pass-Dokumenten wohl gefüllt spaziert man den italienischen Stiefel bis hoch nach Mailand. Oder reist im Zug. Die Hände tief in den Taschen. Gemäss Schengenabkommen wäre ein Fingerabdruck wie eine Fussfessel. Jenes Land, welches ihn nimmt, hat künftig um das Wohlergehen seines natürlichen Besitzers besorgt zu sein. Obwohl direkt der Hölle auf Erden entflohen, suchen Eritreer keineswegs nur ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit. Daher kocht die Motivation in Bella Italia zu bleiben auf kleiner Flamme, was sich mit den Interessen der Italiener deckt. Das Stempelkissen bleibt hübsch in der Schublade, dafür wird an Bahnhöfen alles für eine gemütliche Weiterreise organisiert.

Schweden, die Niederlande und Deutschland gehören zu den begehrten Ziele der Wandergruppe. Doch das El Dorado findet sich quasi auf der Route. Die Heimat der genauen Uhren, Schokolade und des löchrigen Käses. Und der sicheren Banken, zumindest zur Zeit von Asterix und Obelix. Die letzten Generationen von Aussenpolitikern, gepeinigt von Minderwertigkeitskomplexen, sendet die Mitgift, bevor überhaupt von einer Hochzeit die Rede sein kann. Mit jeder Ablehnung des Volkes einer Ehe zwischen Confederation Helvetica und Europäischer Union steigern sich die Politiker mehr in das buhlen um Anerkennung auf dem Brüsseler Parkett. Das Bankgeheimnis und Kohäsionszahlungen in Milliardenhöhe sind kleine Geschenke um die EU für die störrische Haltung der Eidgenossen um Verzeihung zu bitten. Im Rahmen dieser Kniefälle bieten unsere Vertreter – ganz schön mühsam zu schreiben, wenn man für das Volk und die Politiker nicht einfach stellvertretend das Personalpronomen ‚WIR‘ verwenden kann – jeden freien oder frei zu machenden Platz unserer knapp 41’000 Quadratkilometer Fläche an. Man gewährt Asyl. Jedem. Ob jemand in seiner Heimat gepeinigt wurde, dem Hungertod zu erliegen droht oder für sein Auskommen einfach arbeiten müsste, die Schweiz bietet jedermann eine Lösung.

Nicht zuletzt, weil dies die einfachste Lösung ist.
Denn eigentlich bietet die Schweiz weder Wirtschafts-Flüchtlingen noch Dienstverweigerern Asyl, aber gerade bei Eritrea ist die Sachlage nicht so einfach. Dänemark, Norwegen und Grossbritannien schätzen die Lage in Eritrea bei weitem nicht so dramatisch ein wie in etwa des Staatssekretariat für Migration (SEM) der Schweiz. Da kann die eritreische Regierung lange von einer Entspannung der Situation sprechen, für das SEM sind dies nur leere Worte zur Aufpolierung des Images und macht sich daran den Grenzübergang bei Chiasso zu verbreitern.

Für einmal hört die Schweiz nicht auf Europa und weiss selbst, was am besten ist. Wenn, dann mache man sich selbst ein Bild, so der SEM-Vizedirektor Urs Von Arb. Dieser dinnierte kürzlich mit eritreischen Regierungsvertretern, aber dies nur zur Kontaktpflege. Dreissigtausend eritreische Anfragen um Asyl standen nicht im Fokus des Besuchs vom zweithöchsten schweizerischen Beamten für Asylfragen.
Man weiss ja wie das ist. Ich denke, eine Firma Bosch-Verpackungsmaschinen drückt auch beide Augen zu, wenn ihr Techniker in der Firma Mars-Riegel seine facebook-Kontakte pflegt, die Verpackungsmaschine mit keinem Auge streift und wieder nach Hause fliegt.

Allenfalls will Von Arb nochmals eine Reise unternehmen, will sich jedoch nicht festlegen. Nicht zuletzt müssen solche Dinge sehr vertraulich gehandhabt werden. Und nun muss man Von Arx entschuldigen, er hätte da noch ein paar Urlaubsgesuche zu stempeln.

In der Schweiz im Asylverfahren zu stecken wird kein Zuckerschlecken sein. Zumindest scheint man auch als Asylant dann und wann Urlaub zu brauchen. Zudem hat man seit dem Abschied im heimischen Hafen Freunde und Nachbarn nicht mehr besucht, warum nicht eine kleine Reise nach Eritrea?
Das Schweizer Gesetz untersagt dies wohl, aber wenn der Cousin des Onkels eines Nachbarn seinen eingewachsenen Zehennagel glaubhaft als schwere Krankheit deklariert, werden Ausnahmen bewilligt. Und falls man wider Erwarten erwischt wird, wäre ja möglich, dass man dem Vizedirektor des SEM beim Kontakte pflegen über die Füsse stolpert, bedeutet dies nicht, dass einem die Einreise in die Schweiz verweigert wird. Im Gegenteil, die Schweiz scheut keinen Aufwand um einem zurück zu holen, da ein Verfahren eröffnet werden muss. Ein Verfahren, bei welchem einem die Schweizer Regierung jeden erdenklichen Rechtsbeistand zur Seite stellt. Unentgeltlich, man hat ja nichts und soll nicht zum stibitzen ermuntert werden. Falls nun aber auch alles schief geht und man ausgewiesen wird, ist dies nicht das Ende der Welt. Denn die Schweiz schafft nicht aus, sie setzt einem nur in Kenntnis, dass man nun illegal hier wäre und hält die Tür des Gerichtsgebäudes auf. Nun kann man ja immer noch ein Spitzbube werden und klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Wird man nämlich beim Unfug treiben erwischt, muss man wiederum nicht heim, sondern hat seine Strafe im Schweizer Kuschelvollzug abzusitzen. Hernach beginnt das Spielchen aufs neue.

Unterm Strich kann man festhalten, in die Schweiz zu kommen ist einfach, um wieder auszureisen müsste man sich aufrichtig bemühen. Hat man nach der Seereis wieder festen Boden unter den Füssen, ist die ganze Sache ein Spaziergang. Die Italiener setzen alles daran, dass man zügig durchreist und die Franzosen haben die Grenzen abgeriegelt, damit man nicht Gefahr läuft in das falsche Land zu spazieren. Alles auf dem roten Teppich weitergehen, bis einem die Schweizer Grenzwache mit einem Fünfliber auf einer Lindtschokolade und einer warmen Decke in Chiasso in Empfang nimmt.
Herrn Von Arb möchte ich vorschlagen, dass er doch Ostschweizer Grenzbeamte in den Tessin sendet, da sich die Eritreer aufgrund der italienisch sprechenden Beamten oft noch in Italien wähnen, was sie sehr verunsichert und unnötig ängstigt.
Man stelle sich das Fiasko vor, einer würde auf dem Absatz wenden und wieder zurück laufen.

Nun kann man nur hoffen, dass das ungarische Beispiel Schule macht und Österreich wie auch Frankreich einen vier Meter hohen Zaun um das Land zieht. Wer weiss, wieviele Eritreer uns durch die Lappen gehen, weil sie auf falsches Hoheitsgebiet spazieren.

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Danke, liebe Concordia

Sie haben bei uns keine Zusatzversicherung NATURA abgeschlossen. Somit können wir uns an den Kosten nicht beteiligen.

Weder suchte ich den Geist- und Kräuterheiler Flitziputzi um meine Sushi-Unverträglichkeit zu behandeln auf, noch liess ich mich von einem Chinesen zur Raucherentwöhnung mit Nadeln bespicken.
Im Fitnesscenter wurde ich darauf hingewiesen, dass aufgrund der erlangten Zertifizierung – der Gutachter muss kurz vor Feierabend ein halbes Auge in die Hallen geworfen haben – die Krankenkasse ihre Anerkennung für meine sportlichen Betätigungen ausdrückt. In Form von klingender Münze.

Also sandte ich nach einigen Monaten, Bürokram liegt mir nicht, den Vertrag und die Rechnung meiner geschätzten Concordia.

Die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OPK) übernimmt keine Kosten für diese gesundheitsfördernde Massnahme.
Besten Dank für Ihr Verständnis.

Aber gern geschehen.
Vielleicht mein Fehler, ich empfing nie einen Vertreter der Kasse in meinen Hallen.
Der Neugierde geschuldet bemühte ich den Prämienrechner, mir diesen NATURA-Zusatz zu errechnen. Zwanzig Franken. Der Aufschlag auf die monatliche Grundprämie. Wären 240 Franken im Jahr. Zweihundert Franken ist die maximale Beteiligung der Kasse an meinen Bestreben zur Erhaltung der Gesundheit. Die Entscheidung wurde mir nach dem dritten Mausklick bereits abgenommen.

So darf man dies natürlich nicht rechnen.
Das Kredo der Krankenkassen. Denn natürlich würden mir so auch Besuche bei der Kräuterhexe vergütet und gewiss übernehmen sie die Kosten für kleine weisse Placebo-Zuckerkügelchen.
Und im Grundsatz soll ich glücklich und der Krankenkasse zu Dank verpflichtet sein. Für jeden Tag, an welchen ich ihre Leistung nicht in Anspruch nehme.

Ich war noch nie krankheitsbedingt beim Doktor und ja, ich bin dankbar dafür. Sehr sogar. Wie weit diese Leistung meiner heiligen Krankenkasse zugeschrieben werden kann, bleibt unbeantwortet. Villeicht wegen der Gesundheitsipps im regelässig erscheinenden Magazin Care. Wandert regelmässig in die Altpapiersammlung. Nach der Befreiung von der völlig unnütigen Cellulosefolie. Ungelesen, weil die Abogebühren von über 3000 Franken im Jahr schon ein Magengeschwür heraufbeschwören, welches kein Inhalt des Magazins zum verschwinden bringen könnte.
Aber ich bin für meine körperliche Verfassung dankbar. So es eine Garantie gäbe, dass diese ewig anhalten würde, würde ich gar noch einen Batzen mehr bezahlen.
Die Garantie gibt es nicht.
Im Rahmen dieser Dankbarkeit soll ich nicht vergessen, dass meine gesammelten Beiträge im Gegenwert von mehreren Kleinwagen Menschen zugute kommen, welche nicht mit meiner Konstitution gesegnet sind. Vom guten Gefühl zehren, dass ich Herrn Hübelis teure Medikamente mit bezahle, voller Erleichterung, dass ich sie nicht selbst einnehmen muss.

Wie man es dreht und wendet, die Krankenkasse ist das (juristisch) personifizierte Gute und alleinig Verantwortlich für mein glückliches und gesundes Leben.

care

Haben Schreiben ihrer Kasse auch stets diesen leicht arroganten Unterton? Im Subtext schwingt mit; Fühlen sie sich geehrt bei uns versichert sein zu dürfen. Gefälligst!

Nach Jahren der Treue zu einem Unternehmen wünscht man sich vielleicht eine kleine Anerkennung. Ein Ausdruck des Bewusstsein der Unternehmung, dass dies nicht selbstverständlich ist.
Weltbild sendet einen Gutschein, SBB einen Rabatt, der Handwerker im Ort schaut über eine kleine Rechnung hinweg und im Volg erhalte ich bei jedem Einkauf eine Marke. Jeder möchte Danke sagen und sich meiner weiteren Treue versichern.
Krankenkassen haben dies nicht nötig. Scheint es. Stünde vielleicht im Widerspruch zur jährlich steigenden Prämie.
Aber durch die Erhöhung der Franchise kann ich mir ja selber einen Rabatt gewähren. Was unterm Strich eigentlich nur bedeutet, dass ich den Physiotherapeuten aus eigener Tasche bezahlen muss. Einen Mehrwert generiert dieser Rabatt nicht. Gut, in hundert Jahren vielleicht.

Krankenkassen brauchen nicht Danke zu sagen.
Ich habe Danke zu sagen, dass sie das Risiko tragen, im Falle eines tragischen Ereignisses ihre Unterstützung in Anspruch nehmen zu dürfen.
Danke liebe Krankenkasse.
Gerne schaue ich darüber hinweg, dass meine Beiträge nicht nur des vom Schicksal nicht begünstigten Herrn Hübeli oder Frau Meier, in guter Hoffnung, zugute kommen, sondern ich auch Millionen an Gehälter, schicke Bürokomplexe und nette Betriebsausflüge finanziere.

Es ist auch selbstverständlich, dass ich einer Generation entstamme, welche nicht wegen jedem Wehwechen zum Arzt rennt. Dass ich den Arzt eigentlich nur aufsuche um das Misstrauen der Arbeitgeber zu zerstreuen, blau auf weiss zu belegen, dass ich wirklich krank bin.
Natürlich lebe ich nicht nach Möglichkeit gesund um der Kostenexplosion im Krankheitswesen vorzubeugen, ich tue dies für mich. Daher dürfen sie auch dieses Bestreben als völlig selbstverständlich auffassen. Gar als Pflicht erwarten.
Einer gewissen Bequemlichkeit geschuldet wechsle ich die Kasse nicht jährlich. Papa war schon bei Concordia, also bin ich es auch. Wie bei Migros- und Coop-Kindern werden hier verstaubte Traditionen weitergetragen. Warum weiss ich nicht, da die Concordia nachdem ich den Windeln entschlüpft bin noch nie eine Leistung erbringen musste. Daher könnte ich noch nicht einmal behaupten; Ja, ich bin zufrieden mit meiner Kasse. Aber bitte, nehmen sie dies durchaus als selbstverständlich hin, es Bedarf keines Dankes für Kundentreue.

Tief im Inneren hoffe ich natürlich, nie ein Schreiben zu erhalten „Wir übernehmen die Kosten für die Behandlung“.
Doch ein Ausdruck des Bewusstseins der Kasse, dass ich nicht dank ihr am Leben weile, sondern sie von mir und tausend anderen gesundheitsbewussten Kunden lebt, wäre irgendwie auch nett.

 

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Wenn wir keine Sorgen haben, machen wir uns einfach welche

An die kämpferische Front von Pinkstinks,

geschätzte Damen, irgendwo zwischen der seriösen Google-Recherche nach ultra-schlanken Top-Models und einem Online-Shop für Ferrero-Überraschungseier habe ich wohl versehentlich Ihren Newsletter abonniert.
Mit hübscher Regelmässigkeit werde ich nun darüber informiert wie man Gender-korrekt schreibt – ich bin zu alt für diese wilden Neuerungen, verzeiht meinen archetypischen Schreibstil -, dass es mehr als nur in Ordnung, gar förderungswürdig ist, wenn mein Junge mit rosaroten Ponys aus einem Mädchen-Überraschungsei spielt und Heidi Klum sämtliche Mädchen in die Essstörung treibt.
Dieses Luder!

pinkstinks

Selbstverständlich stöberte ich ein wenig durch Ihre Webseite und – Asche auf mein Haupt – wurde mir erst jetzt gewahr, welch gravierendes Problem die Menschheit die letzten tausend Jahre einfach ignoriert hat. Mir scheint die Zeit für eine Organisation wie die Ihre war mehr als reif.
Wenn ich so zurückdenke und den Erzählungen meiner lieben Oma lauschte hatten meine weiblichen Vorfahren seit jeher einen, wie wir in der Schweiz sagen, ‚Köcherliherd‘. Eine Mini-Küche für Mädchen. Als Pendant zum blechernen Bagger der Knaben. Es wird Sie entsetzen, diese Spielsachen wurden dank der sorgsamen Pflege und ihrer Robustheit bis hin zur Unzerstörbarkeit über Generationen weitergegeben. Noch schlimmer, stets wurde die Geschlechtertrennung gewahrt! Immer wieder gab es Mädchen, welche darauf brannten Hausmütterchen zu spielen. Wie abartig.

Dank ihrer Webseite weiss ich nun, dass meine verblichenen und lebendigen Ahnen und nicht zuletzt meine Wenigkeit unter einer schwerwiegenden Geschlechterverwirrung litten. Gäbe es pinkstinks nicht, wer weiss, wie lange dieser Zustand noch hingehalten hätte.
Ich gehe nicht ganz mit ihnen einig, dass die Werbung meine lieben Tanten in die Rolle der kleinen Hausfrau steckten, da wir in unserem abgelegenen Dorf von solcherlei Beeinflussung unbeeinträchtigt lebten und erst seit gestern diese merkwürdige Elektrizität haben. Auch aus eigener Erfahrung spreche ich. In meiner Kindheit spielten wir die klassischen Rollenspiele, Mädchen in die Puppenküche und Jungs in den Sandkasten.
Doch erkenne ich nun, dass die Werbung uns Böses will.
Dies mit der Unisex-Windel habe ich verpasst, als Mann richtet man sich nach den Bildern auf der Verpackung, aber mit Ihrer Hilfe kriege ich die Kurve gewiss noch. Statt die Kinder vom Urinstinkt getrieben ihre Spielsachen wählen zu lassen, gedenke ich nun dem Sohn eine rosa Puppenstube und dem Mädchen ein Captain Superblaster Laserschwert zu schenken und sie die künftigen Jahre davon zu überzeugen, dass dies das neue Normal ist. Ich werde erst Ruhe geben, wenn Klein-Ida Rugby spielt und Niklaas den sterbenden Schwan überzeugend mimt.
Also richtig glücklich werde ich erst sein, wenn ich den Dorfpfarrer unter den Tisch saufen muss und der Kirche einen neuen Flügel spende, damit er den gleichgeschlechtlichen Ehen meiner Kinder den kirchlichen Segen erteilt und ich glücklicher Opa von drei adoptierten und zwei künstlich eingepflanzten Kindern bin. Vielleicht bin ich dann auch neben meiner besseren Hälfte die Oma Nummer zwei, daran arbeiten wir noch. Meine Ehefrau, die beste von allen, ist sowas von konservativ, das geht auf keine Kuhhaut.

Ebenfalls arbeiten wir an der Aufarbeitung der Vergangenheit. Fing sie mich ab, als ich mit ihrer Classical-DVD-Romantikbox aus dem Teleshop in Richtung Müllverwertung war. Hier auch gleich einige Fragen an Sie.
Haben Sie Casablanca gesehen?
Dieser arrogante Rick Blaine, welcher abgehoben und herrisch seine Zigaretten raucht. Die Ilsa Lund geradezu dazu zwingt, in seinen starken Armen Geborgenheit zu suchen.
„Schau mir in die Augen, Kleines“. Im Befehlston!
Möchten Sie nicht dafür stark machen, dass sämtliches Filmschaffen vor den neunzigern auf eine schwarze Liste kommte? Man stelle sich vor, junge Mädchen sehen solch sogenannte Klassiker. Heroische Männer, ein Bollwerk von Testosteron und ängstliche Frauen, welche in ihren gestählten Armen Schutz und Geborgenheit suchen.
Dirty Dancing, Baby gehört zu mir. Was fällt diesem gelackten Schnösel den eigentlich ein? Baby gehört niemandem und ein Baby ist sie auch nicht, sie hat einen Namen. Wenn er mir partout auch nicht einfällt.
Sissy, jeder Film mit Robert Redford, es würde kein Ende nehmen.
Gut, unsere Mütter sahen solche Filme, die Welt drehte sich weiter und merkwürdigerweise funktionierten die Ehen, aber irgendwann muss doch einfach Schluss sein, stimmen Sie mir gewiss zu.

Heute rasen Frauen in Sportwagen und schiessen Männer über den Haufen, so läuft der Hase.
Ich würde sagen, sobald sie Heidi Klum und ihre Modelschau gebodigt haben, ist es Zeit Hollywood zu entrümpeln.

Wo wir gleich bei Heidi Klum sind; Ich habe es noch nie gesehen, aber gehe wohl richtig in der Annahme, dass die Mädchen gezwungen werden mitzumachen. Und jene, welche nicht mitmachen, werden gezwungen, es zu sehen. Also, ich muss davon ausgehen. Immerhin sind wir bei Staffel zehn, Ihren Berichten zufolge wird es immer schlimmer und die Kandidatinnen scheinen nicht auszugehen.

Als kleiner Anstoss, verlieren sie die Männer nicht aus den Augen! Sah ich kürzlich eine Folge Bachelorette. Adonis reiht sich an Muskelprotz und buhlt um ein Model. Dies muss die Knaben doch in Essstörungen treiben. Bis hin zum Tod, wie sie schreiben.
Ganz zu schweigen von Nivea-Werbung mit nackig duschenden Bodybuildern, ein Bild von einem Mann rasiert sich mit Gillette, ein Beckham zeigt wie ein Unterwäschekörper aussehen muss und ganz grundsätzlich kann man sagen; Der einzig hässliche Mann in der Werbewelt ist der Kinderschänder mit dem Hasen. Sie kennen es.
Selbst die Männer welche in Edeka oder vor der heimischen Spühlmaschine als Vollidiot in Sachen Geschirrpflege oder Einkaufsfähigkeit hingestellt werden, sehen aus wie dem Katalog entsprungen.
Sind Jungs etwa weniger anfälliger auf die televisionäre Scheinwelt oder schafft man hier ganz verborgen eine problem- und komplexbehaftete männliche Generation heran?
Also männlich, weil sie ein Zipfelchen haben, nicht, dass ich hier irgendwelche Grenzen aufbauen will.
Junge kann auch Mädchen sein, ganz wie er will.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und verbleibe mit geschlechtsneutralen Grüssinnen.

Veröffentlicht unter Hossa, Pub, Vom Leben und gelebt werden | Kommentare deaktiviert für Wenn wir keine Sorgen haben, machen wir uns einfach welche