Komm, ich zeig dir meine Eltern

Ja, auch ich dachte gleich an den Typen aus der Werbung; Komm ich zeig dir einen echten Hasen.
Auf den Link stiess ich in der Regenbogen-Familien-Broschüre.
Ein Buch des Vorzeige Schwulen-Paar Patrick Lindner und seinem Freund und Manager Michael Link. Mittlerweile wieder getrennt, aber die Homosexualität war in der Volksmusik angekommen, es war per sofort das normalste auf der Welt und die Adoption des kleinen Daniel eine absolut normale und vernünftige Konsequenz. Postum wurde auch Rex Gildo rehabilitiert, das Teilen des Hotelzimmers mit seinem Manager war anscheinend doch keine Budget-Frage.

Ganz ehrlich; Meinetwegen kann vom Stahlarbeiter bis zum Friseur die ganze Welt schwul sein, habe ich kein Problem damit. Ich kann leider nicht damit prahlen, dass mein überschaubarer Freundeskreis durch einen bekennenden Regenbogen erleuchtet wird, stelle ich mir dies jedoch durchaus bereichernd vor.

Jeder soll sein Ding leben, wer sich daran stört kann sich abwenden.
Es sei denn, er wurde adoptiert. Oder der Akt der Liebe wurde in einen Kunstoffbecher vollzogen, eine Spritze und gespendete Eizelle in einer vermieteten Gebärmutter hätten den romantischen Rest dazu beigetragen.
Dann wird es schwierig weil man, gewiss mit den besten Vorsätzen, ungefragt in diese total normale Familienkonstellation gesetzt wurde.
Ich bin furchtbar puristisch in solchen Dingen; Die Natur hat ihren Masterplan. Obwohl wir stets bemüht sind, diesen nach unseren Vorstellungen zu biegen, sollte es seine Grenzen haben. Und diese sind da zu setzen, wo die Entscheidungen Lebewesen betreffen, welche unfähig sind, ihren Willen kund zu tun.
Und um die zu schützen, welche selber dazu nicht in der Lage sind, haben wir doch eigentlich Gesetze. Da liegt jedoch die Krux.

Es gibt kein abnormal mehr, weil abnormal weder politisch korrekt noch gesellschaftlich tragbar wäre. Abnormal ist höchstens, wer etwas befremdet ist, wenn eine augenscheinliche Frau einen dichten Bart trägt und in einem filigranen Kleidchen an einer Singkonkurrenz ein Liedchen schmettert. Oder wenn man kurz verwirrt ist, wenn die Eltern von Klein-Nils Erika und Ulla heissen.

Erwachsene können sich bemühen, in dieser totale normalen Welt ein Höchstmass von Toleranz zu beweisen.Kinder machen sich diese Mühe nicht
Wenn der kleine Nils von seinen zwei Muttis, wovon eine irgendwie der Papa ist, am Schulbesuchtag beehrt wird – und sie werden ihn besuchen, es gilt schliesslich als Familie zusammenzustehen und das total normale im Zeichen des Regenbogens in das 1000 Seelen-Dorf zu tragen – hat er eine harte 10-Uhr-Pause vor sich. Und die nächsten 7 bis 8 Schuljahre.
Da muss der kleine Nils eben durch, die übernächste Generation hat es schon einfacher. War bei der Patchworkfamilie auch so. Nun, ich kann es bestätigen. In den achtzigern lebte ich den Patchworkwahnsinn, bevor er mainstream und im kleinen Bauerndorf angekommen war. Die Konstellation Patchwork war noch eine Idee näher am ‚Unzüchtigen Zusammenleben“ denn an der „Modernen Familie“. Schulkameraden wurden nicht müde, sich erklären zu lassen, warum man „Geschwister“ hatte, welche andere Namen trugen und gar Lehrer stellten sich ausserordentlich dumm, machten auf Paragraphenreiter, wenn es sich um den Skilager-Familienrabatt drehte, welchen zwei Personen mit unterschiedlichen Nachnamen auf Geheiss der Erziehungsberechtigten in Anspruch nehmen sollten. Gar heute, im hohen Alter, als man sich Patchworkintern vor geraumer Zeit unausgesprochen einigte, sich für den Rest des Lebens aus dem Wege zu gehen und die Kindheit individuell zu verdrängen, wird man noch auf die „Geschwister“ angesprochen.

Heute ist Patchwork so verbreitet, dass man nicht mehr umher kommt, dies als normal zu betrachten.
Wenn ich allerdings an den kleinen Nils mit seinen zwei Müttern denke, wird mir Angst. Jeder Marder hat heute seinen persönlichen Naturschutzbeauftragten, jeder Asylbewerber seinen Rechtsbeistand und Gesetze regeln das Zuwiderhandeln gegen die allgemeingültige Moralvorstellungen.
Im Zuge der Gleichstellung und Total-Normal-Gesellschaft steht das Wohl von homosexuellen Paaren an erster Stelle und damit einhergehend ihr Recht auf einen Artikel namens Kind.
Kinder sind ja formbar und wie der Stubenkater, welcher anscheinend nichts anderes als den Kratzbaum und das Katzenklo in seinem 20 Quadratmeter-Käfig kennt und wünscht. Mit der richtigen Lektüre wird es für den kleinen Nils total normal sein, dass er zwei Mamis hat.

Cover des Bilderbuches "Hallo, wer bist Du denn?"

Die kleine orange Katze lebt bei Mama und Mami. Auf ihrem ersten Spaziergang fragt sie jedes Tier, das ihr begegnet: Hallo, wer bist denn du? Die einfachen und vorhersehbaren Dialoge begeistern Kinder ab 18 Monate und lassen sich so lange variieren, bis die kleinen Geister endlich schlafen…

von Ka Schmitz und Cai Schmitz-Weicht

Viele Kinder in Regenbogenfamilien werden durch eine Samenspende gezeugt. Das ist gerade für kleine Kinder nicht einfach zu verstehen. Mit Hilfe des Bilderbuchs könnt Ihr mit Euren Kindern darüber sprechen. Das Buch ist auch für Fachpersonal geeignet, das sich mit dem Thema Samenspende und lesbische Familien befassen möchten.

von Petra Thorn und Lisa Herrmann-Green, empf. Alter: ab 3 Jahre

“Max und seine Mamas” ist kein Aufklärungsbuch, “lesbisch” bzw. “homosexuell” sein wird nicht direkt thematisiert. Vielmehr geht es der Autorin darum, den normalen Umgang mit Regenbogenfamilien zu fördern. Ziel ist es, Kindern zu vermitteln, dass Regenbogenfamilien nichts “spezielles”oder gar “sonderbares” sind. Das Buch ist in Eigenregie entstanden und auch so produziert worden und kann hier erworben werden.

von Martina Heinzle, empfohlenes Alter: ab 3 Jahre

Cover des Bilderbuches "Wie Lotta geboren wurde".Dieses Buch erzählt, wie Lotta von ihrem Papa geboren wurde. Wie das geht? Ganz einfach: Er hat eben auch eine Babyhöhle im Bauch… Das Buch bietet kindgerechte Worte und Bilder zu Samenspende, Ein-Eltern-Familien und Transgeschlechtlichkeit an. Für Kinder ab etwa zweieinhalb Jahren.

von Ka Schmitz und Cai Schmitz-Weicht

Da ist der Kindergarten-Aufklärungsunterricht mit Plüsch-Mumu und Holz-Pullermann pillepalle dagegen. Die Total-Normal-Erziehung scheisst, verzeiht den Ausdruck, auf Adam und Eva, Arche Noah und Dr. Thaddäus Troll, spült die ganzen althergebrachte, überholten Paarungsgeschichten den Lokus runter und zieht eine neue Generation heran.

Der kleine Nils kommt in den Kindergarten und während sich die Kindergarten-Tante – nicht abwertend gemeint – noch Sorgen um das ‚dökterle‘ macht, erklärt er im piepsstimmigen Brustton der Überzeugung, wo die Kinder eigentlich herkommen und wie das mit der künstlichen Befruchtung funktioniert.
Abgesehen davon, dass Kinder kein Verständnis für das Total-Normal der Regenbogensympathisanten haben und Nils erstmals ordentlich verdroschen und im Sandkasten verbuddelt wird, kann man beim Schulpsychologen gleich einmal regelmässige Sitzungen bis zum 16. Altersjahr vereinbaren.
Er hatte halt eine schwere Kindheit, weil die Gesellschaft so intolerant ist.

Das Plädoyer der Regenbogen-Broschüre

Respekt für alle Familien
Kinder aus Regenbogenfamilien erleben, dass in Schulbüchern, Diskussionen und Medien das Modell der Mutter/Vater/Kind-Familie vorherrscht, während ihre eigene Lebensrealität kaum widergespiegelt wird.
Abwertendes Verhalten gegenüber anderen Lebens- und Familienformen ist in unserer Gesellschaft eine Realität. Manchmal ist Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nicht bewusst, was sie sagen. Es ist daher für Kinder stärkend, wenn die Vielfalt an Familienformen auch thematisiert wird und Pauschalisierungen wie „Jedes Kind hat Mutter und Vater“ vermieden oder aber ganz bewusst zum Thema gemacht und diskutiert werden. Wie bei allen Formen der Diskriminierung ist es die Aufgabe von Erwachsenen, auch auf abwertende Bemerkungen und Ausgrenzungen aufgrund der Familienform zu reagieren und klar zu machen, dass diese nicht toleriert werden. Kinder lernen Offenheit und Wertschätzung gegenüber unterschiedlichen Menschen und Lebensformen am besten in einer Umgebung, in welcher Vielfalt positiv bewertet und als Bereicherung wahrgenommen wird. Wenn pädagogische Fachkräfte homophobe Kommentare tolerieren, bedeutet dies für die Kinder aus Regenbogenfamilien, dass sie im Kindergarten oder in der Schule nicht – oder nicht ausreichend – geschützt sind. Pädagogische Fachkräfte, die auf Vorurteile oder diskriminierendes Verhalten direkt reagieren und es zum Thema machen, stärken und schützen diese Kinder.

Meine geschätzten Homosexuellen. Ich würde es auch sehr begrüssen, wenn sich nicht die komplette Gesellschaft unter Zuhilfenahme von Farben orientieren würde. Der Rollstuhlfahrer hätte bestimmt gerne eine Welt ohne Treppen und der Hörgeschädigte wünscht sich mehr Untertitel. Dies sind Behinderungen, Barrieren mit welchen wir uns arrangieren müssen, weil man sich die Welt nicht so bauen kann, wie sie einem gefällt.
Eure sexuellen Präferenzen sind glücklicherweise keine Behinderung. Also hört auf, die Welt aufzurufen sich nur noch um euch zu drehen.

Ich baue nicht auf den Gesetzgeber, zu schmal ist der Grat zwischen moderner Toleranz und althergebrachten Werten.
Ich zweifle keineswegs daran, dass ein Kind von zwei Mamis oder Papis im mindesten soviel Liebe erfahren kann, wie in einer konservativen Familie.
Eigentlich appelliere ich nur an den gesunden Menschenverstand.
Wenn man nicht ein totaler Egoist ist, akzeptiert man, dass „de Füfer unds Weggli“ nicht zu haben ist.
Kinder finden genügend Gründe, einander zu hänseln und triezen, man muss sie nicht schon mit einem tonnenschweren Rucksack in die Spielgruppe schicken, nur um ein Zeichen für das „Total Normal“ zu setzen.

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Bundesrätin Leuthard zu den TV-Gebühren

Schwarz hören und sehen kommt teuer zu stehen sagt der Volksmund.
Meine Wenigkeit fährt eigentlich günstig. Ich entrichte Radiogebühren, da ich in meinem Kraftfahrzeug bisweilen einen SRF-Sender höre. Aber hauptsächlich, weil ich einen Internetanschluss der Swisscom nutze. Für das Gesetz ist es eine logische Konsequenz, dass jeder Internetnutzer Radio hört. Klingt nachvollziehbar, für jedes Paar Schuhe entrichtet man auch Strassenverkehrssteuer, denn theoretisch könnte man mit diesen in einen Bus steigen und der ist ja irgendwie auch ein Auto.
Da die Gebühreneintreiber Billag ein Töchterchen von Swisscom ist denke ich, dass diese gut informiert sind, wer demzufolge ein Schwarz-Radiohörer ist. Und plötzlich stehen die Kontrolleure vor der Tür und sehen mein Fernsehgerät. Da ich jedoch ausschliesslich Netflix, Apple-TV und ausländisches Pay-TV konsumiere, verstehe ich beim besten Willen nicht, weswegen ich einen Bestatter finanzieren und Happy-Days verschenken soll. Also lasse ich dies auch.

Nun ändert aber alles.
Da das Handy ebenfalls ein Fernseher ist und jeder ein Handy besitzt, sollen doch alle bezahlen. Dafür nur noch 400 Franken anstelle der momentanen 451.10 Franken. In einem ersten Schritt werden die Gebühren auf 439.80 Franken gesenkt, da vom Bundesgericht entschieden wurde, dass auf die Billag-Gebühren keine Mehrwertsteuer erhoben werden darf.
Bezahlt ihr übrigens seit 20 Jahren.

Der Gewerbeverband läuft Sturm gegen die neue Gebühr. Namentlich wegen der Ungerechtigkeit, dass jeder als Konsument bezeichnet wird, als Firmeninhaber sogar zweifacher Konsument und, dass der Bundesrat künftig willkürlich die Gebühr anheben kann. Mit der Argumentation, dass die Abgabe in den letzten 25 Jahren eine Gebührenerhöhung von 61% erfahren hat.
Die SRG erhält von dem ganzen Kuchen ein Stück von 1,2 Mrd. Franken.
Die Migros-Zeitung führte ein Interview mit Bundesrätin Doris Leuthard, ihres Zeichens Medienministerin und Grinsekatze.

Frau Bundesrätin Leuthard, ist es gerecht, wenn künftig auch Nichtkonsumenten eine Billag-Mediensteuer bezahlen müssen?
Die meisten Haushalte besitzen ein Radio- oder TV-Gerät und bezahlen darum schon heute die Gebühr. Leute, die Ergänzungsleistungen beziehen, sind davon ausgenommen – heute und in Zukunft. Wenn die neue Regelung 2018 eingeführt wird, gibt es überdies eine Übergangsfrist von fünf Jahren für jene, die auf Radio und TV verzichten.

Vermisst ihr auch die Antwort?
Wo soll eine solche Praxis hinführen? Weil die meisten es sowieso tun, führen wir es doch einfach generell ein. Ausserorts 90 fahren, Kindergeld beziehen, Strassenverkehrssteuer zahlen.

Ist eine Abgabe für alle rechtens?
Ja, denn Radio und Fernsehen haben gemäss Verfassung den Auftrag, unabhängig über politische, kulturelle und ökonomische Themen zu berichten. Die Abgabe dient wie heute dazu, dies in allen Landesteilen zu finanzieren. Werbung allein würde dafür nicht ausreichen. Diese sprachregionale Verankerung fördert letztlich den Zusammenhalt im Land. Jene, die nun argumentieren, sie wollen nur noch für das bezahlen, was sie auch wirklich konsumieren, sollen mit Deutschland vergleichen: Dort kostet ein Pay-TV-Abo für die Bundesliga-Spiele über 600 Franken pro Jahr.

Nun gut, die selbe Frage nochmals.
Ein Pay-TV-Abonnement kostet übrigens auch in der Schweiz soviel. Der feine Unterschied; Jeder darf selber entscheiden, ob er Bundesliga-Spiele sehen und bezahlen will, er wird nicht per Gesetz gezwungen.
Lassen wir aber dies mit den Äpfel und Birnen; Vergleichen wir doch mit den deutschen Rundfunkgebühren, welche nicht 7 sondern 10 Fernsehsender finanziert und ohne Unterbrecherwerbung auskommt. Diese beträgt, je nach Eurokurs, momentan 231 Franken.

Die RTVG-Gegner sagen voraus, dass die Mediensteuer in Zukunft noch teurer wird. Sie argumentieren mit dem Budget der SRG, das sich seit 1984 verdreifacht hat, sowie mit Eigenproduktionen, deren Anteil von heute 20 auf 60 Prozent angehoben werden soll.
Für solch eine böswillige Behauptung gibt es überhaupt keine Grundlage. Die SRG investiert schon heute in Eigenproduktionen wie den «Bestatter». Wenn sie dies forciert, schichtet sie intern Mittel um. Aber deswegen erhält die SRG nicht mehr Geld als die 1,2 Milliarden Franken an Gebühren, obwohl der Bundesrat diese jederzeit anpassen könnte. Mit dem neuen Gesetz können wir jedoch die Bürokratie stark abbauen, weil die Billag-Kontrolleure abgeschafft werden. Wichtig zudem: Da alle ihren Beitrag leisten, reduziert sich die Gebühr von 451 auf rund 400 Franken pro Haushalt.

Muss ein einträglicher Job sein, als Billag-Kontrolleur zu arbeiten. Vorschlag meinerseits, 55 Millionen Franken im Jahr sparen, die Billag komplett abschaffen und via Steuerrechnung kassieren. Was treibt die Billag überhaupt, wenn alle Haushalte zahlen müssen? Einzahlungsscheine eintüten?

Können Sie als Medienministerin versprechen, dass die Mediensteuer, sagen wir mal bis 2020, nicht erhöht wird?
Ja. Mit der Revision sinkt sie ja auf 400 Franken.

Na ja… Ich traue Politikern nicht weiter als ich ein Piano werfen kann.

Wäre es nicht an der Zeit, den Service public als Verfassungsauftrag gesetzlich neu zu definieren?
Dazu erstellt der Bundesrat einen Bericht. Diese Diskussion kann man führen, sie ist aber nicht neu. Wenn man beispielsweise den Sport und die Unterhaltung aus dem Service public streichen will, sinkt die Gebühr. Dabei darf man allerdings nicht vergessen: Wenn private TV-Stationen sagen, sie würden beispielsweise die Sportberichterstattung übernehmen, gibt es nachher fast nur noch Fussball zu sehen, und dabei fast ausschliesslich Champions League und Super League. Randsportarten wie Gymnastik, das Schwingfest oder die Tour de Romandie würden von der Bildfläche verschwinden, weil dies mit Werbung allein kaum finanziert werden könnte. Für Berichte über Schweizer Politik, Kultur oder Wirtschaft gilt dasselbe.

Wenn dies mit Werbung nicht finanziert werden kann, scheint kein Markt dafür vorhanden zu sein. Deswegen überträgt das Privatfernsehen auch nicht den Damenturnverein Pfüpfwil bei der Seilspringkonkurrenz.
Wäre villeicht ein Ansatz; Man muss nicht jeden Schrott übertragen, nur weil die Gebühren sowieso fliessen.
Nebenbei, die ARD schafft es mit weniger Gebühren hochstehende politische Sendungen, Kultur- und Wirtschaftsmagazine zu senden. Jeden Abend.

Was ist für Sie Service public? Hört er bei ausländischen Spielfilmen auf?
In der Verfassung ist die Unterhaltung ausdrücklich erwähnt, und daran muss ich mich halten. Viele Leute sehen sich gern einen amerikanischen Spielfilm an. Das gehört zur Unterhaltung und soll ebenso Platz haben wie ein Jassabend. Die SRG bestimmt den Themenmix, die Politik mischt sich nicht in die Programmgestaltung ein. Die Geschmäcker sind verschieden.

Siehe vorgehende Frage; Service Public sollte unbedingt neu definiert werden, wenn eingekaufte Castingshows in diesen Bereich fallen.
Vielleicht sollte der Service Public keine Geschmäcker befriedigen, sondern ein Amtsblatt mit Bild und Ton sein. Was darüber hinaus geht, kann jeder abonnieren. So muss niemand auf Happy Day verzichten, er soll nur wie der Bundesliga-Fan dafür bezahlen.

Welche Sendungen schauen oder hören Sie selbst gern?
Ich schaue mir meist die «Tagesschau» und «10 vor 10» an, und ich höre das «Echo der Zeit». Am Sonntagabend schaue ich gern einen Spielfilm, und ich mag Sport, weil ich früher selber geturnt habe. Auf einem Bezahlsender finde ich das nicht. Meine Mutter interessiert sich für «Kampf der Chöre», was ich nie schaue. Ich fühle mich auch verantwortlich für die Romandie und das Tessin und schätze die Sender aus diesen Regionen. Wir sind ein Land mit vier Sprachen – das kostet etwas.

Ganz ehrlich; diese drei Sendungen können keine 1,2 Mrd Franken kosten. Da kann man sie sogar noch in künftigen Landessprachen wie kroatisch, albanisch und türkisch senden. Siehe Neudefinition Service Public. Kampf der Chöre, sorry liebes Mutti Leuthard, scheint mir doch ein Nischenprodukt zu sein. Diese überleben wunderbar im Pay-TV, wenn nicht, will es definitiv keiner sehen.

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Der dadbod-Hype

Dove versucht es seit Jahren und manch auf weibliche Kundschaft ausgerichtetes Magazin springt dann und wann, wenn die Sinuskurve des Trends es verlangt, wieder auf den Zug auf. Der Versuch in den Köpfen ein weibliches Idealbild zu festigen, welches der modernen, aufgeklärten Dame von nebenan gerecht wird.

Dass nicht nur Frau den Saum des Super-Size-Bikini unter der Bauchfalte tragen darf und soll, sondern auch der Mann sein Werkzeug im Schatten eines ordentlichen Vordachs lagert erscheint im Zuge des Genderismus nur gerecht und zeitgemäss.

dadbod

Der #dadbod soll das neue Schönheitsideal sein. Der Daddy-Body. Sei es nun die nie rückgebildete Schwangerschaftssolidarität oder einfach Ausdruck der väterlichen Zufriedenheit; Ein Bauchansatz ist das neue sexy, so spricht Paris. Respektive South Carolina, Karl Lagerfeld ‚Wer Jogginghosen trägt hat die Kontrolle über sein Leben verloren‘ würde ein solches Schönheitsideal nie gutheissen.
So regte eine 19jährige Studentin namens MacKenzie die Gesellschaft zum Nachdenken an. Respektive zum nachahmen ohne nachzudenken. Weil es einfacher ist.
Analog unserem Bildungssystem. Wenn die kulturell durchzogene Gesellschaft mit dem Schulstoff nach alter Väters Sitte überfordert ist, muss man diesen eben anpassen. Wir wollen keine geistigen Überflieger nach überholten Massstäben der Nachkriegszeit heranzüchten, sondern eine Wohlfühlgesellschaft prägen. Jedes ‚Individum‘ ist wertvoll und wir legen die Messlatte auf eine für jeden zu bewältigende Hürde. Also irgendwo am Boden. Vielleicht in einer kleinen Senke, denn wir wollen nicht vergessen, das Treppensteigen wird nicht mehr von allen Kindern beherrscht und bis in zehn Jahren wird es den Leistungssportlern als olympische Disziplin vorbehalten sein. Diese Verrückten.
Es ist nur eine logische Konsequenz, dass der Bierbauch das Waschbrett ablöst.

Wobei Bierbauch die deutsche, und daher der europäische Massstab, Auslegung des dadbod ist. Nach Mackenzie, welche die Theorie nicht etwa entwickelt hat sondern nur die Ansichten ihrer Zimmerkollegin und einiger Freundinnen wiedergibt, ist der Dadbod die gewonnene Körperform, wenn Mann dann und wann ein Fitnesscenter besucht, im Gegenzug aber auch dem süssen Nichtstun fröhnt. Es ist einem weiteren Trend geschuldet, dass wir alles aus den Vereinigten Staaten stammend als zeitgemäss hipp aufnehmen und umsetzen wollen.

Aus schweizer Sicht könnte der Zeitpunkt für ein neues Schönheitsideal nicht ungünstiger sein, treibt doch der gebührenfinanzierte Rundfunk mit einer eigenst gebührenfinanzierten App Frau und Herr Schweizer zur Bewegung an. Moderatoren, unterstützt von C und D-Prominenz, gehen mit gutem Beispiel voran. Schlank und sportlich soll die Schweiz werden.
Welches Schönheitsideal macht das Rennen?

Der dadbod soll angeblich auf das Siegerpodest, weil das Schönheitsideal von Frauen kreiert wurde. Im Gegensatz zum metrosexuell, welches von David Beckham geprägt wurde oder dem spornosexuell eines Cristiano Ronaldo.
Nun, in erster Linie wurde der Trend wohl von den Medien geprägt. Ein David Beckham war sehr auf sein äusseres Bedacht, benutzte vielleicht eine Gesichtscreme und seine Fingernägel erinnerten nicht an einen autoschraubenden Bergmann. Da man einen David Beckham mit seinem männlichen Körper und einer Victoria an der Seite jedoch nicht als schwul bezeichnen konnte, schuf man einen neuen Trend.
Dasselbe mit einem Cristiano Ronaldo, welcher schlicht und einfach ein Narzisst ist. Ein solch schwieriges Wort kann man dem Blödzeitungleser nicht ohne weiteres in den Hartz IV-gestopften Mund legen, ganz zu schweigen von der Gefahr einer Fehlinterpretation. Also kreierte man den Ausdruck spornosexuell und gab damit dem Drang der fitnessbegeisterten Masse, den eigenen Körper in homoerotischen Posen auf sozialen Netzwerken und Wettbewerben von Gratiszeitungen zu präsentieren, ein adäquates Adjektiv.

Nachdem nun Abercrombie & Fitch ‚unsere Kleider sind nur für schöne Menschen‘ mit ihren size zero-Hosen an den Pranger genagelt wurden, Dove seine Models aus Ruben’s Muse aquiriert und Mann politisch korrekt eine Frau erst ab Kleidergrösse 38 als sexuell begehrenswert empfinden darf, ist es nur recht und billig, wenn Mann seine Pauze mit stolz tragen darf und Frau beim Anblick vor Lust zerfliesst.

Der Mann ist in einer denkbar schlechten Position.
Sei es nun GQ oder Means Health, keine Zeitschrift sagt dir ‚Fühle dich wohl wie du bist‘. Vom Cover trieft das reine Testosteron, gestählte Sixpacks und muskulöse Arme. Körperfettanteil im einstelligen Bereich scheinen die Adern zu schreiben.
In Heftmitte finden wir nicht die köstlichsten Nacho-Dipps sondern Anleitungen, wie verschlinge ich ein Rind, ohne ein Gramm Fett anzusetzen.
Kein Entspannungsurlaub im Strandkorb auf Sylt, sondern zum perfekten Körper im Boot-Camp auf Zypern. Wer dies nicht bucht, ist ein Weichei und verdient nichts anderes, als einen dadbod.
Diese Magazine trimmen Mann darauf, im Alltag erfolgreich zu sein und den Damen zu gefallen.

Ja was denn nun?
Alle Studien haben einen grossen Fehler. Sie versuchen stets ein möglichst allgemeingültiges Schönheitsideal zu setzen ohne die Zielgruppe zu definieren. Für sie gibt es nur Mann und Frau.

Ganz salopp ausgedrückt; Braucht Frau einen wilden Hengst zwischen den Schenkeln, sucht sie den schwabbeligen Bierbauch mit dem Hang zum gemütlichen, oder den selbstverliebten, muskelgestählten Macho?
Will sie eine Familie gründen, sucht sie den arroganten Adonis, oder den Netten, vielleicht etwas einfältigen, mit der dicken Brieftasche?
Ich bin kein Menschenversteher, aber Männer sind da einfacher gestrickt. Die suchen einfach immer die Schönheit. Der Rest gibt sich schon. Frauen haben den grossen Vorteil; Sie müssen weder mit Karriere noch Geld aufwarten, wenn Mann die Frau in der Rolle der Ernährerin sieht, wirft er bestenfalls einen Blick auf ihre Brüste.

Dove kann noch so viele ’normale‘ Frauen – als wären schlanke Frauen abnormal – präsentieren. Dies bestätigt vielleicht die Frau Hübeli an der Kasse, wenn sie Sahnetorte und Chips auf das Förderband legt in der Richtigkeit ihrer Entscheidung bezüglich Wahl der Nahrungsmittel, aber es wird das Idealbild in den Köpfen der Männer in keiner Weise beeinflussen.
Es können noch so viele Studien zur Attraktivität des Bierbauchs erarbeitet werden, Frau lechzt nach wie vor nach dem Abbild des griechischen Gottes, der grösste Kompromiss wäre ein Vin Diesel.

Liegt man zuhause auf der Couch, blickt nach links oder rechts, sitzt mit grosser Wahrscheinlichkeit ein dadbod oder eine Dove-Model neben einem. Nicht weil man beim Anblick in sexuelle Ekstase verfällt. Vielleicht hatte die Geldbörse den vertretbaren Umfang, oder man hat einfach resigniert und erkannt, dass man nicht plötzlich ein willenloses Victoria Secret’s Model auf dem Boden einer Bierflasche findet.
Es ist eine hübsche Eigenart der Psyche, dass es dem Menschen gegeben ist, solange in die eigene Tasche zu lügen, bis darin kein Zweifel mehr Platz findet

Der Hintergrund dieser dadbod-Bewegung liegt im übrigen nicht darin, dass Männer der körperlichen Ertüchtigung müde sind. Sind sie vielleicht, doch haben sie die Kurzhantel noch nicht ins Korn geworfen, da die Oberflächlichkeit des weiblichen Geschlechts omnipräsent ist.

Zu guter Letzt, was in den hiesigen Medien irgendwie unter geht, die Gründe nach Mackenzie’s Freundinnen für einen dadbod:

  • Frauen fühlen sich schlecht, wenn sie mit ihrem „Fühl-dich-wohl-wie-du-bist“-Körper im Badekleid neben einem muskelbepackten Körper fotografiert werden.
  • Wenn die Leute sagen „Ihr seid ein schönes Paar“ möchte Frau im Fadenkreuz des Bewunderers stehen, das Kompliment zu 90% auf sich beziehen. Sie fühlen sich einfach besser, wenn sie die CEO und Team der Abteilung ‚optische Wirkung des Paares auf Umstehende‘ im Alleingang repräsentieren.
  • Frauen wollen nicht mit einem Stein knuddeln (oder Edward Cullen, Originaltext). Weiss ich nicht. Muss ich so stehen lassen. In erster Linie wird es dem Ego gut tun.
  • Mit einem dadbod-Boy kann man spontan Tacos essen und Bier trinken.
    Und dies, liebe Leser, verstehe ich und anerkenne ich. Zum Teil. Nichts ist mühsamer als Menschen, welche statt Speisen Nährwerte sehen und nie für einen spontenan Snack zu haben sind. Der Hund liegt darin, dass man ’nid de Füfer und’s Weggli‘ haben kann.
  • Frauen sehen gerne beim ersten Date, was sie erwartet, so sie erst älter sind und drei Kinder haben.
    Gequirlte Sch… Wenn Frau einen Mann sucht um die Zukunft zu planen zählen drei Sachen. Sein Einkommen, er soll kein totales Arschloch sein und die dritte Säule. Also ich habe noch nie gehört, dass eine Dame mit einem Mann eine Beziehung eingegangen ist, weil er bereits jetzt einen Bierbauch hat und daher nicht nach 15 Ehejahren mit dieser uangenehmen Überraschung aufwartet. Ich baue ja auch kein Haus ohne Dach, damit ich in zehn Jahren nicht erschrecke, wenn es rein regnet.
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Neulich im Wartezimmer

Von Zeit zu Zeit verlangen es die Umstände, dass man den Onkel Doktor aufsucht. Selbstverständlich war ich nicht krank, ich habe das Immunsystem einer bulgarischen Bahnhofshure. Ein Bagatellunfall und der Wunsch nach einem Arztzeugnis, dem ersten in meinem langen Leben, trieb mich in die Hände des Medizinmannes.

unser-doktorNur der Beste aller Doktoren darf seine Händen an den Tempel der mein Körper ist legen, dementsprechend steht man auch etwas Schlange.
Das Wartezimmer.
Man geht mit einem eingerissenen Fingernagel rein und kommt mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung in das Behandlungszimmer. So fühle ich mich zumindest. Das Betreten eines Wartezimmers ist im Grad der Peinlichkeit zu Vergleichen mit dem Abholen der DVD-Box Schumädchen-Report 1-13 in der örtlichen Postfiliale / Dorfladen. Unverpackt, in der ultimativen Fan-Box mit Papp-Aufsteller. Jeder Anwesende kann zum Kauf gratulieren und sich das Maul zerreissen.
Betritt man diesen kleine Raum mit den unbequemen Stühlen, sind da 7 Augen und eine Mullbinde auf einem gerichtet, man wird gescannt wie als Flugreisender mit Vollbart am JFK-Airport.
Nicht, dass ich mich diesbezüglich unterscheiden würde, kaum habe ich mich gesetzt, checke auch ich die anwesende Clientel und jeden Neuankömmling ab. Sind irgendwelche äusseren Anzeichen erkennbar? Humpelt er, kratzt sich, hält sich ein Körperteil? Ist dies nur ein Altersfleck oder doch eine aufgeplatzte Pestbeule?
Kriecht einer rein, blutüberströmt mit einem und einem halben Bein, verschwinden die Blicke schneller wieder hinter der Zeitschrift, als wenn ein offensichtlich kerngesunder eintritt.
Dann kann sein Problem nur psychischer Natur sein, oder irgend ein kleiner juckender Pilz an einer sehr persönlichen Stelle.
So hinke ich in einer oscarreifen Bestleistung zu meinem kleinen, harten, unbequemen Stuhl. Da sollen gar nicht erst merkwürdige Gerüchte aufkommen. Früher, als ich noch im Ort lebte, kannte man eine Dame aus dem Hägli-Quartier mit Entengang, ABM-Tasche und gelocktem Haar als wandelndes Tratschblatt, man konnte sich vorsehen. Heute weiss ich nicht mehr, wer der Lord Varys, der Meister der Flüsterer im Dorf ist.
Die beleibte Dame mit den ausgetretenen und abgewetzten Leder-Halbschuhen? Ihr kennt diese Schuhe, bei der das Oberleder aussenseitig irgendwie über die Sohle getreten wurde, welche ihrerseits auf der Gegenseite etwas aufsteht.
Eine Stoffhose, klassisch, etwas zu hoch am Bein, dafür etwas knapper am Gesäss und obliegend ein buntes Shirt. Ein wenig eingegangen, dass es nach jeder Bewegung wieder nach unten gezupft wird. Damit kein Mann einen Blick auf den teilweise abgelösten Spitzenrand des M-Budget-Slip – die Verführer-Linie im 10er-Pack – erhascht.
Nebensitzend ein Mädchen. Das Alter kann ich nicht schätzen, da ein Mann nur auf der sicheren Seite ist, wenn er die Augen ganz fest zusammenkneift und die Hand davor hält, sobald ein weibliches Wesen erscheint, dass nicht ganz offensichtlich bereits gegen die 40 zu geht. Man liest ja 20min und den Blick.
Jedenfalls hatte sie auf dem Schoss eine Handtasche liegen. Ein Handtäschchen, möchte ich sagen. Heute gibt es ja nur zwei Grössen von Handtaschen. Diese kleinen Etui-Taschen, welche man nach dem Einlegen des Kajalstiftes nur schliessen kann, indem man den Gucci-Heel mit den ganzen 45 Kilogramm Körpergewicht drauf stellt, oder Ledertaschen in praktischer Sporttaschengrösse. Diese Taschen, welche nach einem Jahr anmuten, wie ein faltbarer, plastifizierter Wassereimer.
Dieses Mädchen jedoch hatte eines dieser exotischen „Deine erste Handtasche, jetzt im neuen GIRL-Heft“ auf dem Schoss. Das Modell vom Typ ‚eigentlich weiss man noch gar nicht was reinpacken, weil die letzten 13 Jahre auch ohne gegangen sind, aber wenn man schon Lidschatten aufträgt, kann man auch keinen Bodybag mehr tragen‘. Mit Schnörkel, Kette und Riemchen. Die Achtziger kommen immer wieder.
Sie benutzte es vorwiegend zum verstauen ihres weissen iPhone. Es galt jedesmal einen Knopf zu lösen und einen Reissverschluss geräuschvoll zu öffnen. Und selbstverständlich zu schliessen.
Mutti zischte rüber, sie könne dies auch mal lassen, mir lag auf der Zunge „Das Mädchen kann knipsen und gucken so oft sie will“, verkniff es mir aber, da gewiss keiner der Anwesenden den Loriot-Sketch kannte. Zudem hätte dies auch sonstwie ausgelegt werden können, wer weiss, wofür ‚knipsen‘ im Jugendslang steht.
Wer von beiden Patient und wer Begleiter derstellte war nicht offensichtlich, auch das verhalten geführte Gespräch ‚ich so… dann sie so… dann ich so… dann sie so…‘ lieferte keine Antworten. Nur, dass sie schon eine Stunde warteten, was mich entmutigt zusammensacken liess und den Junkie zu meiner rechten in eine Meditationsstellung versetzte.

Ich weiss nicht ob es ein Junkie war. Ein weiblicher. Sah zumindest aus wie ein Junkie. So ein wenig verbraucht, mit dem Gesichtsausdruck, für einen Fuffi mache ich alles. Widerstrebend und mit Verachtung, aber alles. Mit unglaublich schlechter Dauerwelle. Also als neuen Aspekt. Die Dauerwelle unterstreicht höchstens, dass auch der Freier alles macht und keinen Abscheu kennt.
Rutschend und zuckend, als hätte sie Reisszwecken auf dem Stuhl. Der Magen machte Geräusche, wie man sie von keiner Frau hören will. Ich bin da etwas traumtänzerisch, wenn es nach mir geht, haben Frauen keinen Verdauungstrakt, weil das einfach das Gesamtbild stört. Frau Junkie klang, als käme sie gerade von einem Chilli-Wettessen, oder als würden kleine Aliens da drin ein Nest bauen.

Sie verliess als erste das Wartezimmer, ohne Anzeichen von Hinken oder sonstigen körperlichen Gebrechen. Abgesehen von der Dauerwelle.

Ich vertiefte mich im Nebelspalter. Kicherte bisweilen ein wenig, was mir erstaunt-erboste Blicke der Wartensgenossen einbrachte. Es wird im Wartezimmer nicht gekichert, ein Artbesuch liefert keinen Grund zu Heiterkeit.
Wer entscheidet über die Auswahl der Zeitschriften im Wartezimmer? Ich habe die Wahl, irgendwelche anatomischen Abartigkeiten eines ugulu-Stammes im tiefsten Kongo in Hochglanz und Farbe zu bestaunen, indem ich das Geo zur Hand nehme, oder den Nebelspalter zu lesen. Das wars. Neben der aktuellen Tageszeitung.
Zudem, wer hatte diese Zeitschrift vorher zur Hand? Die Pestbeule?
Wäre ich Arzt, wären da die gesammelten Lustigen-Taschenbücher. Die komplette Edition. Liest jeder gerne, von 6 bis 70. Und Frauen haben ja ihr Smartphone. Knipsen und gucken.

Nicht einmal das Spielen mit den Bauklötzen war eine Option, auf dem kindsgerechten Stühlchen setzte sich gerade eine weitere Patientin.
Mit der klassischen 20 Jahre MaryLong extra aus Überzeugung-Reibeisenstimme bemerkte sie, es gehe schon hust hust, sonst würde sie eben nach draussen gehen, als meine neue Sitznachbarin ihr den Stuhl anbieten wollte.
Einen kurzen Moment überlegte ich, ob die Höflichkeit gebieten würde, meine Sitzgelegenheit ebenfalls zur Verfügung zu stellen, kam jedoch zum Schluss, dass meine Quasimodo-Darbietung beim Betreten des Zimmers zur Farce verkommen würde und ich niemenden von meinen Qualitäten als Gentleman überzeugen musste. Zudem, wenn man als zweiter, respektive schon dritter, den Sitzplatz anbietet ist es schon ins peinliche gekippt. Oder die Dame nimmt das Angebot an, nur damit nicht noch ein vierter sich bemüht.
Auf den kleinen Holzschemel hatte ich so gar keine Lust.

Zumindest war ich so freundlich, dass ich mich bei Mutter und Tochter, welche schon einen Stunde warteten, entschuldigte, als ich als nächster aufgerufen wurde und das Behandlungszimmer betreten durfte.

Tja, seit 37 Jahre Kunde und der pflegeleichste sowieso.
Ich finde, da wäre bald ein Geschenk fällig. Eine Stunde mit dem Röntgengerät. Mein heimlicher Wunsch.

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Zum Muttertag – Eltern sein ist Teamarbeit

Ihr da draussen, die ihr jeden Morgen aufsteht, bei fremden Herren in Lohn und Brot steht.
Sich wie ein Schelm aus dem Schlafgemach stehlend um der Gattin Träume nicht zu stören. Vielleicht ein kurzer Blick in das Kinderzimmer, bevor ihr das Heim verlasst, zu nachtschlafener Stunde, weit vor dem Morgengrauen.

Getrieben von Pflichtbewusstsein, der Verantwortung, die Angst leugnend, wie wenig es Bedarf, dies wacklig Konstrukt zum Einsturz zu bringen.
Im stetigen Wettkampf euch beweist, jeden Tag aufs neue, verschafft euch euer Tagwerk Befriedigung oder nicht, bestenfalls ein Bonus.

Das Mittagsmahl an einem Tisch, jeglicher Hygienevorschriften strotzend, nur das Pflichtbewusstsein hält die Krankheitserreger in Schach. Speisend aus Plastikschalen, die Resten des gestrig Mahl, eine müffelnde Masse in einer Mikrowelle erwärmt.

Vielleicht reicht die Zeit, unterm Türrahmen der letzten Zeile der Gute-Nacht-Geschichte zu lauschen, zu oft bleibt nur ein Blick auf das schlummernde Kind.

Die Familie soll standesgemäss fahren, gemütlich hausen. Einen Garten um das Haus, welchen du samstags zu bestellen hast. Ein Urlaub gehört schon dazu und der Gattin Freundinnen sollen ihn im sozialen Netzwerk neidisch verfolgen.
Dies ist deine Aufgabe, du sollst die Deinen ernähren, nicht nur heute und morgen, sondern bis auch das Nesthäkchen das gewünschte Studium abgeschlossen hat und flügge geworden ist.

Nicht nur das monatliche Geldsäckchen sollst du abliefern, du hast dich auch stets um deine Gattin zu kümmern, sie soll sich begehrt fühlen. Die Gattin entlasten, bei des Haushalts pflege zur Hand gehen, wann immer es dein Feierabend gestattet. Um der Kinder willen nicht zu lange im Büro sein, auf deine äussere Erscheinung achten und auf der Karriereleiter nie verschnaufen.

Mit Freuden sollst du diesen Pflichten nachkommen, dein Glück aus der Selbstverständlichkeit deiner Aufopferung ziehen.
Nicht der Sünde des Stolzes verfallen und dich hüten, ausserordentliche Dankbarkeit zu erfahren; Das Damoklesschwert des chauvinistischen Machos hängt über Dir, denn nie sollst du vergessen; Die Mutter ist die Superheldin der Familie!
Huldigst du dieser Tatsache nicht gebührend, singen tausend andere Männer wie Sirenen und du wirst auf dein Geldsäckchen reduziert.

Es ist kein Fehl am Muttertag, doch während ich heute über die Felder trabte und meinen Gedanken nachhing, überlegte ich, wann den Vätern dieser Welt gedankt wird.
Es scheint, sie benötigen keinen Dank, weil sie ein monatliches Entgelt erhalten, während die Mutter sich für ein Vergelts Gott den Rücken krumm schuftet.
Ich hoffe die Mütter dieser Welt erfahren mehr, als ein Vergelts Gott.
Frühstück mit den Kindern im Pyjama, während Papa mit fremden Herren auf Stehplatz 7f im Tram kuschelt.
Kaffeerunde bei der Nachbarin, während Papa eine verdünnte, braune Durgol-Mischung aus dem Selecta-Automat nuckelt.
Grillplausch im Kindergarten, während Papa zuschaut, wie der dicke Hubert aus der Buchhaltung mit offenem Mund die geräuschvoll eingesaugten Spaghetti zerteilt und leicht spuckend von seinem Modellboot erzählt.
Mit den Kindern ein Eis schlecken, während Papa in einer zugigen Raucherecke eine kleine Pause macht.
Den Abenteuern von Prinzessin Lillifee folgen, während Papa der geistreichen „Und denn ich so… Und denn sie so…. weisch jetzt muesch lose…. sie denn so und denn ich so….“ im Zugabteil lauschen darf, durch Handymusik zusätzlich akustisch vergewaltigt.

Mit einem Lächeln saugt er abends noch kurz still und leise durch die Wohnung, damit die Mama endlich eine Minute für sich hat.

Keinesfalls möchte ich den Fulltime-Job der Hausfrau und Mutter verniedlichen, Gott bewahre.
Nur in Erinnerung rufen, dass bei der gesamten heutigen Lobhudelei, auch die Väter ihren Beitrag zur Familie leisten. Ganz ohne Dankeschön, mit aller Selbstverständlichkeit dieser Welt, weil es schon immer so war.jaeger

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