Der Mann und das Stillbänkli

Ich war ja nicht schon immer alt… Also alt auf die Welt gekommen.
Männer sind… und Frauen auch… Gerade weil ich es gut mit euch meine!

Es zählt wohl zu den Schutzmechanismen der Psyche, dass sich der normal gestillte Mensch nicht mehr an seine aktive Stillzeit in der Rolle des Konsumenten erinnert. Der Verarbeitungsprozess der alleinigen Vorstellung dieses Bildes würde meinem Psychiater ein neues Ferienhaus bescheren.
Genauer gesagt, ich weiss noch nicht einmal ob ich gestillt wurde – dieses Thema gehört in konservativen Familien dahin wo alle schlüpfrigen Themen hingehören, unter den Teppich – aber von meiner unglaublichen Intelligenz ausgehend, liegt der Schluss nahe, dess ich entweder gestillt oder von Aliens ausgesetzt wurde.
Wurde in Brasilien getestet, gestillte Babys haben mit 30 Jahren einen um vier Punkte erhöhten IQ. Bahnbrechend!

Warum ich mich überhaupt mit diesem Thema befasse, fragt ihr euch zurecht. Auch, warum in meiner Browser-History die Seite der La Leche Lague erscheint. Dies ist keine Superheldentruppe sondern ein Verein der das Stillen fördert. Ich bin nun also ein Experte in Sachen Verhältnis Stillen-Windelwechsel, wie auch ein wenig traumatisiert betreffend wunden Brustwarzen.

Anlass war das Stillbänkchen in Schaffhausen.
Mit dem Stillen ist es wie mit Joggen; So dazu die Facebook-Gemeinschaft nicht im Takt klatscht, ist es sinnlos. Die Zeiten, da das Anlegen des Kindes – ich muss langsam Synonyme finden – der alleinigen Ernährung des Säuglings dient sind vorbei. Es ist ein Zeichen der unabhängigen Frau. Eigentlich ein Wunder, dass die Jahrgänge vor 2013 nicht verhungert sind.
Solltet ihr also einen Minivan mit schreiendem rosaroten Bündel im Maxi-Cosi durch die Stadt rasen sehen, handelt es sich hier nicht etwa um eine Rabenmutter sondern um eine moderne, selbstbewusste Frau!
Sie könnte dem Kleinen auch zuhause die Brust geben, aber wenn es niemand sieht, wirkt dies, als wäre es nie geschehen. Also ab aufs Still-Bänkchen. Facebook und Instagramm, rückständige patriarchisch geführte Konservativbetriebe, zensieren nackte Brüste auf ihrem Portal, daher hat sich das Still-Selfie noch nicht durchgesetzt.feedingDas Bänkchen steht am Lindli, gleich am Gehweg. Das neunte seiner Art in der Schweiz. Und doch anders. So verfügt das Stillbänkli weder über spezielle Armlehnen noch über Fussraster – das Stillen muss im Grundsatz eine sportliche Sache sein, ich war noch nie bewusst Zeuge – wie etwa deren 8 Artgenossen in der Schweiz, es ist einfach eine normale Bank. Gesponsert von der Schaffhauser Regierung. Wobei, etwas hoch gegriffen, sie haben einfach eine bestehende Bank zum Stillen frei gegeben.
Gewiss, man hätte auch bisher am Lindli den Säugling verpflegen können, aber nun ist es so richtig offiziell. Damit nun kein asoziales Gesindel diese heilige Städte entweiht, hat die La Leche League einen Schriftzug einfräsen lassen, welches diese Sitzgelegenheit als „Stillbänkli“ auszeichnet. Für 500 Franken. Sie suchen noch spenden, da sie selber eigentlich kein Geld haben.
Unklar ist, ob die nicht-stillende Frau oder gar ich als Mann, auch auf dieser Sitzbank Platz nehmen darf. Und ob ich das Feld zu räumen habe, wenn eine Frau mit Maxi-Cosi des Weges kommt.

Ganz allgemein bin ich verunsichert. Wohl werden gemäss der League stillende Mütter nur von ebenfalls im Stillprozess befindlichen Personen wahrgenommen, doch dieser Missstand wird mit besagter Sitzgelegenheit ja aktiv bekämpft.
Flaniere ich nun in meiner Männlichkeit als solches während der Essenszeit, das sind acht bis zwölf mal in 24 Stunden, an diesem Drive-In vorbei, gucke ich weg oder hin? Gucke ich weg, laufe ich Gefahr, dass die Mütter dies als Missbilligung dieses in der Öffentlichkeit vollzogenen intimen Aktes verstehen und mich mit Stilleinlagen bewerfen. Gucke ich hin und mein Gesichtsausdruck spiegelt nicht genau, und zwar haargenau!, dieses „Ja zu Frauenpower“ wieder, habe ich eine Anzeige wegen lüsternem Spannern am Hals. Kehre ich bei Büsingen um und die Mutter zelebriert das Clusterfeeding – so nennt man dies, wenn der Kleine während des Trinkens kurz wegnickt und dann weiter trinkt, ist etwas anstrengend für die Mutter, jedoch wird dadurch die Prolaktinausschüttung und damit die Milchproduktion angeregt, also eine gute Sache – begegne ich der selben Mutter nochmals, kommt eine Stalking-Anzeige dazu.

Es fehlt ganz klar ein Regelwerk zu diesem Stillbänkli.
Doch die La Leche League plant mehrere themenbasierte Anlässe in der Weltstillwoche im September. Bis dahin einen stillbereiten Nachkommen zu zeugen werde ich kaum schaffen, aber vielleicht kann der interessierte Mann auch einfach so mitmachen.

Überhaupt; In der aufgeklärten Zeit fordere ich ein Pendant zum Penisneid. Der Stillneid in etwa. Schliesslich baut die Mutter ein ganz persönliche, intime – zumindest früher – Beziehung zum Kinde auf, während der Vater bestenfalls Zaungast ist.

 

 

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Das Boot ist voll

So, jetzt ist aber auch mal wieder gut.

Was beabsichtigt die Redaktion der Schaffhauser Nachrichten? Einige Minuten in sich gehen, bevor man vom Nature-Joghurt mit der reingeschnippselten Kiwi zum Croissantes übergeht?
Zeit um über Toleranz zu diskutieren, während Mutti eine neue Kapsel in die Kaffeemaschine bugsiert?
In dem an sich schon dünnen Blättchen werden gleich vier Artikel dem Mittelmeer-Drama gewidmet. Seitenübergreifend. Auf dem Papier, wohlgemerkt, denn hinsichtlich der Beleuchtung der ganzen Angelegenheit wirkt das Ganze sehr eindimensional. Es gibt nur eine Seite. Wer etwas anderes behauptet ist ein ganz schrecklicher Mensch.

Eine Träne versalzt meine Frosties.
Habe ich übrigens dafür gearbeitet. Also für die Frosties. Mit eigenem Geld erstanden.
Die Eritreer Nahom und Namid werden portratiert. Unter falschem Namen, denn eigentlich ist das Erstland für das Asylverfahren verantwortlich. Mancher Schweizer träumt davon, in der Politik ist es längst Realität. Das Binnenland Schweiz hat einen Mittelmeer-Anschluss. Nur so kann man in Tripolis an Bord gehen und Non-Stop im Tessin anlegen.

neo-europa
Die Schweiz akzeptiert diese geringfüge geografische Korrektur, denn eine Rückschaffung nach Italien – begehrtes Urlaubsland, Heimat schöner Menschen, geselliger Kleingärtner, fleissiger Gipser und illustren Politikern – bezeichnet Roben Blanck als drohendes Ungemach.

swisstopo
Indem Nehom und Namid bestreiten in Italien angekommen zu sein, sind sie auch nicht in Italien angekommen. Setzen die staatlich bezahlten Winkeladvokaten den Asylbewerbern solche juristische Schlupflöcher in die Köpfe? Denn mal ehrlich, eine Portion gesunden Menschenverstand erhält wohl jeder Erdenbürger, unabhängig von politischer Gesinnung, Geschlecht, Hautfarbe oder Religion und dieser besagt, dass ein Land ohne Meeranschluss irgendwie auch nicht direkt über ein Meer per Schiff erreicht werden kann.
Aber gut zu wissen, bei der nächsten Verkehrsbusse verleugne ich meinen Wohnort, soll der Herr Schutzmann mal sehen, wohin er den Wisch schickt.

Nahom und Hamid erzählen eine Geschichte voller Leid, Entbehrungen und Totschlag.
Was soll der Quatsch?
Was habt ihr gedacht? Sie sitzen hin, im hübschen Nabholz-Trainingsjäckchen – kostet mehr als ich für einen Winteranorak auszugeben bereit bin – und erzählen von einer Fahrt, welche eigentlich ganz angenehm gewesen sei? Nicht direkt eine Saftschubse auf dem Kahn, aber alles in allem nicht so übel?
Natürlich sind sie durch die Hölle gegangen, ich bin bereit, einen grossen Teil der Geschichte zu glauben, aber was bezweckt der Herr Blanck mit diesem Artikel? Die Schaffhauser zu sensibilisieren? Soll ich losstürzen und bei Wanner Innendekorationen einen roten Teppich erstehen, welchen ich im Tessin über die Grenze rolle?

Beides sind übrigens Deserteure.
Deserteure haben an sich kein Asylrecht, aber die Schweiz hat unlängst die Gesetze angepasst; Wer aufgrund einer differenten politischen Einstellung gegenüber dem Vorgesetzten verfolgt wird, erhält trotzdem Asyl.
Von einer Minute auf die andere beantragten keine Soldaten, sondern nur noch politische Menschenrechtler Asyl.
Ein Aspekt beeindruckte mich.
Ganz Nordafrika geht vor die Hunde, geprägt von Korruption und kriminellen Machenschaften. Ganz Nordafrika? Mitnichten; Das Geld überweisen klappt zuverlässiger als die Krankenkassenrückerstattung in der monetären Schweiz. Die Schlepper haben die Angewohnheit, während der Reise immer wieder die Fahrgäste zu melken. Wie eine Carfahrt nach St. Moritz mit Zwischenstopp im Heidiland, dem Kiosk auf dem Julier und der Bäckerei Furneria Grond in Silvaplana. Obwohl Nahom und Hamid im letzten Hemd und leeren Taschen unterwegs sind, mit Omas letzter Goldkrone die Überfahrt bezahlt hatten, obwohl sie sich ständig verstecken mussten und die Panik gefasst zu werden allgegenwärtig war, schafften sie es, mal kurz bei Western Union vorbei zu gehen und Geld zu holen, welches ihnen die Familien zukommen liessen. Wiederholt.
Also dieser Teil der Geschicht erscheint etwas undurchsichtig. Nicht zuletzt, weil es ohne Ausweis auch furchtbar schwierig ist, einen Geldtransfer in Empfang zu nehmen.

Item.
Berichte über ein blindes Büsi im Katzenhaus gehen mir näher, so ganz ehrlich gesagt.
Nennt mich Arschloch. Wenn ein Arschloch zu sein bedeutet, dass man niederschreibt, was viele denken, bekenne ich mich schuldig.
Es mag Leidtragende geben, gewiss ist es kein Zuckerschlecken. Doch wird die Glaubwürdigkeit jedes Asylbewerbers angesichts des gelebten Luxus der Einheimischen mit Migrationshintergrund zunichte gemacht.
Und nun kommt mir nicht mit ‚die ganze Familie zahlt den Mercedes‘ und so weiter, Fakt ist; Alle Bewohner mit Migrationshintergrund, unfähig ein vernünftiges Deutsch zu sprechen, mich fragend ob Schaffhausen ein Dorf sei und entsetzlich viel Freizeit haben, wurden mit einem Startkapital seitens unserer Wohlfahrt unterstützt. Ohne jegliche Auflagen und derart unverschämt hoch, dass manch Start-Up Unternehmen davon nicht zu träumen wagt.
So schauts aus.

Sieht natürlich unser Mister Social, der Herr Ex-Stadtpräsident Feurer ganz anders. Ich war ein wenig Fan von Herr Feurer, gestehe ich. Ein dynamischer, ungestelzter Stapi ohne Schlips oder Stock im Allerwertesten.
Fan bis zu diesem Moment, als er heute in der ‚Plattform für jedermann, welcher von mindestens drei Leuten in der Stadt erkannt wird‘, der Kolumnenecke der SN, sich zu den Menschen gesellte, welche mir erklären, wie gut ich es habe.
Fünf Jahre Stapi und für jedes Jahr eine Viertel-Million eingestrichen. Ist für mich in Ordnung, solange bis er, offensichtlich von seinem dicken Bankkonto ausgehend, mir erklärt, wie feudal und abgehoben ich lebe.
Wieviel Eritreer hat der Herr Feurer in seinem Hinterzimmer einquartiert? Wie keine?!? Warum nicht?
Und wieviel Geld braucht der Mensch zum leben? Warum lebt er nicht in einer mietgünstigen Einliegerwohnung, spendet sein Vermögen und kocht in der Freizeit Suppe an der Krebsbachstrasse?
Richtig, mache ich auch nicht. Aber ich predige auch nicht die grenzenlose Nächstenliebe. Die Schweizer sind ein arbeitssames, bescheidenes Völkchen. Wir arbeiten 45 Stunden, streiken nicht, feiern nicht wöchentlich drei Feiertage, verdienen unser eigen Brot und halten uns nicht mit Gedanken auf, an welcher Zitze der staatlichen Wohlfahrt man noch nuckeln könnte. Wir kommen in einer stabilen Umgebung zur Welt, doch hat nicht das Schicksal uns den goldenen Löffel in den Mund gedrückt, das waren unsere fleissigen Vorfahren. Diese Werte werden uns von Kindesbeinen an eingepflegt, so leben wir es weiter, für den Erhalt und die Stabilität unseres Vaterlandes. Das ist nichts, wofür wir uns zu schämen brauchen. So waren wir Eidgenossen schon immer.
So Gott will, werden wir es noch ein paar Jahre sein. Solange, bis unsere Werte und Mentaliät vollends untergraben sind, wir uns der EU und allen unseren armen Gästen angepasst haben.
Fleissig wie die Eidgenossen sind, arbeiten wir an unserer Assimilierung. Die Politik wendet Zeit, Energie und unglaubliche Summen dafür auf, unsere Bildung, das Rechtssystem und die Sozialdienste den veränderten Ansprüchen anzupassen.

Auf, dass sich jeder hier wohlfühlen mag.
Obwohl, so der Herr Feurer, sämtliche Asylbewerber den grössten Wunsch haben, sobald als irgendwie möglich wieder nach Hause zu reisen.

Und wenn man am Ende eines Regenbogen gräbt, findet man einen Topf voller Gold.
Nämlich.

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Überspitzte Dramen im Mittelmeer

Gestern wurde wurde ich von einem bulgarische Lastwagenlenker, offensichtlich dem morgendlichen winterthurer Verkehrschaos nicht gewachsen, regelrecht abgeschossen.
Kurze Sache, Auto ging in Flammen auf, Affe tot.

Natürlich nicht.
Aber es drängt mich, wieder einmal einige kritische Zeilen zu verfassen, in Kauf nehmend etwas zu polarisieren.

Morgens drängen die Arbeitswütigen in ihre Büros. Flink die Spur wechselnd, drängelnd und zwängend.
Abends flitzen die Heimwehgetriebenen durch das Oberland und über die A1. Zwängend und drängelnd, flink die Spur wechselnd.Mittendrin meine Wenigkeit. Ausweichend, stets bemüht einen arbeitswegbedingten Kollateralschaden zu vermeiden.

Was nimmt der Typ auch diese Tortur auf sich?
Um zu überleben.

Nicht zwei wie der Volksmund glaubt, nein, mittlerweile sind es vier Stunden. Ein Arbeitsweg, welcher als zumutbar gilt. Das RAV zwingt einem nicht den Arbeitsweg auf sich zu nehmen. Man kann auch verweigern. Der Geldfluss wird daraufhin eingestellt, der Arbeitsverweigerer motiviert, alternative Verpflegungsmethoden und ein kostenloses Dach über dem Kopf zu organisieren.

Spitzen wir die Lage noch ein wenig zu.
Die zwei Stunden für eine Strecke erlauben mir nicht, auf die öffentlichen Verkehrsmittel auszuweichen, da mir die ÖV schlichtweg keine Möglichkeit bieten um sieben Uhr in Pfupfingen zu sein.
Der Arbeitgeber besteht auf 90 Minuten Mittagspause und 8,5 Stunden Arbeitstag. Die Leistung von Überstunden kann angeordnet werden. Alles legal und durchaus üblich. Es ergibt sich ein vierzehn Stunden Arbeitstag. Im Idealfall. Da sind noch keine Einkäufe getätigt und der Haushalt macht sich nicht von alleine. Fürsorgliche HR legen wert auf eine aktives Sozialleben. Work-Life-Balance, nennt sich dies.
Somit turne ich in der Männerriege und trage für Benevol alten Damen die Migros-Taschen nach Hause. Auch mein Tag hat nur 24 Stunden, es geht zwangsläufig an der Schlafenszeit ab. Chronisch übermüdet setze ich mich ans Steuer, lenke den Wagen durch den Berufsverkehr, welcher mich massiv überfordert. Ständig Angst im Nacken, mein alter Datsun gibt den Geist auf und beraubt mich der Möglichkeit, meiner Arbeit nachzugehen. Das RAV würde mir mangelndes Engagement unterstellen. Und Taggeld streichen.
Ein Umzug ist nicht möglich, da der halbe Monatslohn für Treibstoff und auswärtige Verpflegung flöten geht. Da bleibt nicht viel über und zu allem Überdruss wurden die Pendlerabzüge noch limitiert. Keine Steuergeschenke für raffgierige Pendler stand in grossen Lettern der Tageszeitung. ‚…arbeiten nur des Geldes wegen in auswärtigen Kantonen…‘ ’sollen nicht belohnt werden…‘ entziffere ich noch durch das Gitter des Mülleimers.

Und dann, dieser eine Mittwoch Morgen. Als der LKW den Datsun unter sich begrub.
Die Steuererklärung habe ich noch eingereicht, zahlen werde ich nicht mehr müssen. Betrachte die ganze Sache nun von oben.

Wen zieht man zur Rechenschaft? Meinen Arbeitgeber? Das RAV? Die Regierung?
Mitnichten.
Der Bulgare wird wohl eine Busse erhalten. Wer jemanden unter Zuhilfenahme eines Fahrzeugs um die Ecke bringt, hat die geringsten Konsequenzen zu fürchten.
Es wir darauf hinauslaufen, dass mein Datsun wohl jeglichen Gesetzen des Strassenverkehrs widersprochen hat. Nur deswegen war der Unfall tödlich. Ich habe den Datsun todmüde gelenkt. Fahruntauglich. Nur deswegen passierte der Unfall überhaupt. Einen Tag nach dem Foto des Leserreporters von 20min interessiert die verkohlte Leiche kein Schwein mehr, der Ärger der Automobilisten, Mittwochs zu spät zur Arbeit gekommen zu sein hält länger.

Kann man so unterschreiben, oder?

Zwischen Afrika und Italien schwimmt ein Schiff.
Ein alter Kutter, wohl noch knapp schwimmfähig. Der Kapitän skrupellos, korrupt und im allgemeinen fahruntauglich.
Der Kahn voller Menschen auf der Flucht. Vor allem junge Menschen. Auf der Flucht vor Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, Korruption und Armut.

Der Kahn säuft ab. Affe tot.

Unsere Bundespräsidentin stellt alles und jeden an den Pranger. Die EU hat versprochen und nie gehalten, jetzt wäre aber höchste Eisenbahn.
Amnesty International fordert, dass Europa für alle geöffnet werde. Das UNHCR prustet ins selbe Horn und erwartet, dass Europa die Flüchtlinge in Afrika aufgreift und nach Europa bringt. Und zwar sicher. Und sofort! Lieber gestern als morgen. Afrikanische Medien bezeichnen unsere Region als „die Festung Europa“ und betiteln deren Bewohner als „Hartherzig“.

Ich bin zutiefst überzeugt; Diesen Missstand zu beheben ist kein Aufwand zu gross und sind keine Kosten zu hoch.

Der zivilisierte Abendländer hat aufgrund seines Wohlstandes die Fähigkeit verloren, Dinge in einer vernünftigen Relation zu sehen.
Im Zuge des Bestrebens, stets in der Ferne die Ärmsten der Armen zu suchen, sich durch schöne Worte und generöse Geschenke in der ureigenen Gönnerhaftigkeit in den weltlichen Schein zu stellen, vergisst Frau und Herr Schweizer vor die Tür zu treten und den Blick über die Seinen schweifen zu lassen.

 

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An die Trottel im HR, Teil 2

Ich pflege sie stets sehr persönlich zu nehmen.
Diese Mails mit dem Inhalt ‚zu unserem Bedauern müssen wir ihnen mitteilen…‘.

Ich würde nun nicht behaupten von Kopf bis Fuss mit Selbstvertrauen durchzogen zu sein. Versende ich jedoch eine Bewerbungsmappe, elektronisch oder mit der Postkutsche, durchströmt mich eine Woge von Zuversichtlichkeit.
Lese wiederholt mein Motivationsschreiben und erkenne, da gibt es nur eine Antwort; Keine Ahnung warum, aber wir stellen den Typen ein!

Aufgrund der Vielzahl an Bewerbungen müssen wir unsere Auswahlkriterien…

Pfurz; Bedeutet unterm Strich doch nur, egal wie gut du etwas kannst, es gibt etwa eine Million Menschen die es noch besser können.

…leider an einen Kandidaten vergeben, welcher noch besser in unser Profil passt…

Ach bitte, erzählt mir doch nichts. Schon vor der Ausschreibung war die Stelle Karl-Heinz‘ Bastard versprochen, der exakt neun Monate nach der Weihnachtsfeier vor 25 Jahren das Licht der Welt erblickte und nun die Trulla aus der Buchhaltung der Firma rückwirkend eine Klage wegen sexueller Belästigung anhängen will.
Oder der Max ist dem Franz wegen dieser Sache mit den Nutten auf Spesen beim letzten Firmenausflug einen Gefallen schuldig. Wie dem auch sei; es war eine Stelle welche nur pro-forma gemäss den Vorschriften für eine Staatsstelle eben ausgeschrieben werden musste.

Wir bedauern ihnen mitzuteilen, dass wir sie für ausgeschriebene Stelle nicht berücksichtigen…

Selbstverständlich ohne weitere Angabe von Gründen. Liest sich so, als hätte ich mich als A-380-Pilot beworben und anstelle des Motivationsschreibens meinen halb geleimten, halb gepressten F/A-18-Bausatz von Revell eingesandt. Gewiss ist, die Trottel vom HR wissen nicht, wie sie diese Bewerbung einordnen sollen. Schliesslich haben sie diese Schablone. Entgegen dem Kindergärtner, welcher dem Quader der partout nicht durch das dreieckige Loch passen will seine gesamte Aufmerksamkeit widmet, fliegt eine Bewerbung gleich in den Schredder.

Zu unserer Entlastung haben wir ihre sündhaft teure Bewerbungsmappe gleich entsorgt.

Nachdem der Lebenslauf und das Foto zur allgemeinen Belustigung neben dem Kaffeeautomat aufgelegen hat.

Bisweilen ergehen sich die Schreiberlinge beinahe unverschämt in Beileidsbekundungen. Quillen über vor Segenswünschen für die berufliche und private Zukunft, für die Kinder, den herzkranken Opa, die blinde Tante Agathe. Auch die ausgerissene Ehefrau, welche einem den Unterhalt nahezu aus den Rippen schneidet wird nicht vergessen.
Beinahe unverschämt, da es schon einem Hohn gleich kommt. Denn eigentlich, so schliesse ich aus den Zeilen, wäre es der seelenlosen HR grösstes Anliegen gewesen mich einzustellen, doch dies wäre beim besten Willen und allen Bemühungen ein Ding der absoluten Unmöglichkeit.
Ein Fall von Unverträglichkeit, dass gar die Breitenau verstohlen aber äusserst bestimmt die Tore zuzieht, wenn ich aus dem 6er-Bus steige.

Erkannt, wiederholt, ich halte von HR-Menschen nicht sonderlich viel.
Die nette Beate hat ihre KV-Lehre absolviert. Geht nun mit hübschen H&M-Stoffhosen
– um das Becken etwas zu knapp, dafür am Bein eine Idee zu weit, was ihr den Gang eines Pinguin mit zwei linken Beinen verleiht – und dem netten Blazer von Zebra täglich zu ihrem Job in der Gemeindeverwaltung. Dort tippt sie die Briefe des Gemeindepräsidenten und erklärt am Schalter dem Bürger, dass sein Passfoto nicht ID-konform sei.
Irgendwie will sie mehr.
Die nette Beate wird HR-Fachfrau und ist nun irgendwie gar nicht mehr so nett. Denn die einst nette Beate kann nun mit einem Stempel und vorgefertigten Antwortbriefen die Hoffnungen von Menschen ins Klo spülen. Dies gefällt ihr, weil Macht den Menschen gefällt. Und Beate ist ein Mensch. Irgendwie.
Ich erkundigte bei dem mir vorgesetzten Taugenichts, fünf Lohnklassen über mir, wie das mit Bewerbungen so läuft. Meine Worte mit Bedacht gewählt, mit dem Bauchpinsel im grosszügig auftragen. Erkundige mich, ob er jeden eingesandten Schrott durchsehen muss, oder die HR eine Selektion trifft.
Er erhalte nur die Bewerbungen, welche die HR in die engere Auswahl genommen hat. Soweit so gut.
Vor einem Monat sprach ich mit der HR-Trulla welche mich an diesem unglücklichen Tag eingestellt hat. Nachdem sie alle meine Unterlagen verlauert hatte und ich meinen Bastelbogen erneut einreichte. Die gute Dame sieht ordentlich aus, aber hat keinen Plan, was ich in diesem Laden überhaupt treibe. Gut, ich auch nicht, aber immerhin hat sie entschieden, dass ich in dieses Tätigkeitsfeld passe – eine Fehlentscheidung, welche ich aus jedem verdammten Blickwinkel nur als Beleidigung auffassen kann -, also erwarte ich schon eine gewisse fachliche Kompetenz.

Ich fasse zusammen. Die fiktive Firma ‚Orange Engel‘ sucht einen Mann, der den Müllcontainer von Gebäude A zu B schiebt, weil der Chef von Gebäude A nur noch Chef sein will und als Chef den Container selbstverständlich nicht mehr selber schieben kann.
Mit seinen beschränkten Fähigkeiten verfasst er eine Stellenausschreibung. Ohne die Stelle in ihrer kompletten Minderwertigkeit zu beschreiben, man könnte sich fragen, was er die letzten zehn Jahre getrieben hat.
Die HR setzt Kommas wo ein Komma hingehört, formuliert Kontääner korrekt und setzt es in die Zeitung. Ohne zu wissen, was ein Kontääner ist.
Die Container-Schubser bewerben sich und die HR sortiert aus. Grosszügig. Da eine Ausbildung zum Container-Schubser so nicht existiert, passt irgendwie keiner in das Schema, vor allem, weil die HR nicht weiss, was ein Container-Schubser den lieben langen Tag so tut, ausser nach zehn Jahren Chef-Container-Schubser zu werden.
Die Würfel treffen eine Selektion unter den fünf Typen, deren Antlitz sich irgendwie gut auf der Firmenhomepage machen würden.

Mein Chef war furchtbar angetan von der HR-Frau. Die sei knallhart. Kenne kein Pardon. So richtig tough. Würde man ihr gar nicht geben.
Ich möchte ja nicht behaupten, dass Bundesangestellte leicht zu beeindrucken sind – es sei denn von einem vorbeifahrenden blauen Auto oder einer Farbkopie – aber der Mangel an Einblick in die Arbeitswelt macht sich schon bemerkbar.
Ich erachtete die HR-Frau anlässlich meines Vorstellungsgesprächs nicht als sonderlich tough. Typisch HR halt. Haben alle denselben Fragekatalog erhalten.

  • Wiedergabe des CV (Lebenslauf hiess das früher) mit eigenen Worten. Im Extremfall soll man noch auf das Flipchart zeichnen.
    Irgendwie steht man als Bewerber unter Copy-Paste-Generalverdacht
  • Was erwarten sie von einem Chef?
    Dass er oft abwesend ist!
  • Wie gehen sie mit Konfliktsituationen um?
    Immer hinten drauf!
  • Nennen sie – ihr wisst es – drei Schwächen
    Überlege mir immer welche und vergesse sie wieder. Könnte ich das nächste Mal als Schwäche aufführen.
    Auch ganz nett: „Ich bin stets aufrichtig und sage dies gerade heraus.“ „Nun, das würde ich nicht direkt als Schwäche bezeichnen…“ „Was interessiert mich, was sie denken, sie dumme Trulla?“
  • Was würde ihr Chef über sie sagen?
    Ich bin der Beste der Besten. Der Besten. Mit Auszeichnung. Sir. meine… Mam.
  • Wo sehen sie sich in zehn Jahren?
    Irgendwo in der unauffälligen Mittelmässigkeit. Offen gesagt, sie werden in absehbarer Zeit nur anhand der Gehaltsliste feststellen, dass ich existiere.

Das Traurige; Ein Standard-Fragenkatalog ist wie ein Filmtrailer. So lange spannend, bis man den Film gesehen hat.
Sobald also ein Opferlamm der toughen HR-Frau und ihrem Standard Zwei-Semester-HR-Fachfrau-mit-eidg-Zeugnis-Fragebogen zum Frass vorgeworfen wurde, findet man im Internet die Standard-Antworten, was das gesamte Bewerbungsgespräch zum „Mitten-im-Leben“-Laienspiel verkommen lässt.
Eine peinliche Farce.
HR-Leute sind so notwendig, wie ein Container-Schubser-Teamleiter.

In diesem Sinne, Herr Freud, danke ich für das Gespräch. Ich erkenne, dass ich HR-Absagen nicht zu persönlich nehmen soll. Im Gegenteil, ich passe nicht in ein HR-konformes 08.15-Schema. Ich bin etwas spezielles.wir-melden-unsNebenbei; Sollte ich jedwelches HR-Personal in tiefster Seele verletzt haben, freue ich mich auf eine Reaktion.
Und werde mich gegebenenfalls mit ihnen in Verbindung setzen. Oder zumindest für die Zukunft, privat und beruflich, alles Gute wünschen.

 

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Ich fahre ein kraftbetriebenes Flurförderzeug

Unter welchen Voraussetzungen darf ein Stapler ohne Aufsicht gefahren werden?

  • Abschlossene Ausbildung
  • Erfolgreich absolvierte Prüfung
  • Gültiger Fahrausweis Kat. F
  • Mit dem Stapler vertraut sein
  • Kenntnisse der Betriebsanleitung
  • Fahrtauglichkeit

Ich setzte mein Kreuz bei „Erfolgreich absolvierte Prüfung“ und reichte den Wisch zur Korrektur.
Vier Fehler. Vier richtige Antworten nicht angekreuzt.
Den rechten Arm hochgereckt, dazu im sekundentakt schnippend, zog ich die Aufmerksamkeit des Instruktors auf mich.
Diese Frage sei blödsinnig, da die Antworten in Abhängigkeit zueinander stehen, respektive, der Punkt „Erfolgreich absolvierte Prüfung“ einzig als alleingültig anerkannt werden könnte.
Er guckte aus seinem grünen Fleece mit SVBL-Flairbutton als hätte ich ihn soeben nach der durchschnittlichen Regenmenge in Abhängigkeit des Bruttoinlandproduktes des Freistaats Lummerland befragt.

Ich dürfe einen Stapler ja nicht fahren, nur weil ich mich fahrtauglich führe.

Natürlich nicht.

Auch wäre eine abgeschlossene Ausbildung nichtens, so ich keine erfolgreich absolvierte Prüfung hätte.

Im Prinzip schon. Ich müsse das nicht so genau nehmen, er hätte den Test nicht selber geschrieben. Und es sei ja nur eine Test-Prüfung.

Mit der erfolgreich absolvierten Prüfung darf ich den Stapler nicht fahren, da ich zum ersten Mal auf einem Gerät des Herstellers Brumm-Brumm sitze und deswegen mit dem Fahrzeug noch nicht vertraut sei?

Doch, natürlich… Eben… dies müssen sie nicht so genau…

Natürlich, aber ich hätte keine Lust durch die Prüfung zu rasseln, weil sie keine korrekten Fragen stellen können.

Ja, aber die Prüfung wäre dann sowieso am Computer.

Und da stellen sie keine Fragen?

Doch schon, aber… So – wieder an den ganzen Kurs gerichtet – was haben sie bei Punkt 3?

Ich schnippste wieder.
Warum sei die Antwort Gültiger Fahrausweis Kat. F falsch?

Weil sie diesen nicht benötigen.

Wenn ich auf einer öffentlichen Strasse fahre schon.

Ja, aber dies wäre hier nicht in der Fragestellung.

Ich sehe in der Fragestellung jedoch keine Angabe, wo der Stapler fährt.

Wir gehen von einem Firmengelände aus.

Woher soll ich wissen, wovon sie ausgehen?

Na weil… eben… nicht so genau…, also, Punkt drei?

Ich schwieg.

Dürfen sie andere Personen auf dem Stapler mitfahren lassen?

  • Grundsätzlich ist das verboten
  • Ja, zum Festhalten einer unsicheren Ladung
  • Ausnahmen sind zulässig, wenn der Stapler vom Hersteller dafür vorgesehen ist und ein zweiter Sitz für einen Mitfahrer, sowie ein Haltegriff vorhanden ist

Schnipp, schnipp!
Ist es nun im Grundsatz verboten ‚Punkt‘ oder ist es verboten, sofern nicht vom Hersteller blablabla

Beides ist richtig.

Also nicht grundsätzlich verboten?

Doch.

Also keine Ausnahme?

Doch.

Ja was denn nun?

Beides.

Geht das?

Ja! und sein Blick besagte, dass ich im Grundsatz des Kurses verwiesen werde, es sei denn, ich hielte sofort meine Klappe.

Natürlich absolvierte ich die Prüfung mit 99%.
Die falsch angekreuzte Frage war, warum man die Gabel mit angehobener Last nicht nach vorne neigen darf.

  • Wegen der Verlagerung des Schwerpunktes der Last.
  • Damit die Last nicht verloren geht

Ich setzte zwei Haken, gefragt war nur der obere. Auch hier würde ich Diskussionspotential sehen. Nicht zuletzt, weil der Schwerpunkt der Ladung meines Erachtens fix ist, der des Gefährts mit Ladung jedoch verlagert wird. Aber was solls.

Es ist die angenehme Seite beim Bund. Der Arbeitgeber ist der Meinung, seine Angestellten müssen jedes erdenkliche Fahrzeug lenken können. So lerne ich zurzeit die Funktionsweise der Bremssysteme und Ladungsweisen von drei-achsigen Motorwagen mit anghängtem zwei-achsigen Anhänger mit einer Nutzlast von 18 Tonnen. Ein wenig zäher als der Staplerkurs.stapler

Vier Tage sass ich halbtägig in einem Kurslokal und verbrachte den Rest des Tages auf einem Gegengewicht oder Quersitzschubmaststapler zwischen roten Begrenzungspfeiler manövrierend.
Mit mir drei ‚Arbeitskollegen‘ aus allen Ecken der Schweiz und 17 Logistiker. Die Wiegen standen in allen Herren Länder der Welt, mittlerweile jedoch ordentliche Schweizer Bürger. Die sprachlichen Fähigkeiten waren nach ‚Guten Morgen‘ an der Grenze und nach ‚Ist schwierig, weil mit Sprache…‘ vollends erschöpft.
Da Migros, Post und Crazy Achmed’s Bazar jedoch für den den Kurs bezahlt hatten, wurde sofort der Kursablauf auf die Teilnehmer angepasst.
In etwa wie unser Schulsystem.
Das Lesen von Tragkraftdiagrammen wurde über drei Stunden geübt.
Eine halbe Stunde erklärte der Herr im Fleece, wie das Inhaltsverzeichnis und der Index des Übungsbuches zu handhaben wäre.

Sie möchten etwas über die Gabel wissen? Dann gehen sie hier von A, über B… C,D, ja genau, hier bei A beginnen, sehr gut Herr Öshgtü…ähm… jawohl, B, dann C… bis zum G.

Warum G; fragt ein Herr mit ordentlichem Schnauzer und Eau-de-Knoblauch am Hemd.

Wegen Gabel.
Totenstille im Raum.

Gabel beginnt mit G.
Überraschte Aaaah und Ooooh schallen durch den Raum.
Stille.

Jetzt blättern sie zu G.
Ratlose Stille… Rauchende Köpfe.

Der Herr Fleece schreibt das Alphabet an den Flipchart.
Aber ohne Bildchen. In etwa eine Äffchen beim A oder einen Ball beim B.
Chinesische Schriftzeichen wären nur unwesentlich nutzloser gewesen.

Letztendlich trat er zu Herr Örsgtüthme…ähm heran, schlug die Seite auf und zeigte auf G wie Gabel.
Ah, ja ja, weiss ich schon, alles klar; Bestätigt Herr Örägütjes…ähm, beinahe beleidigt, dass ihm so etwas einfaches wie etwa ‚kunstvolles auf den Boden spucken‘ gezeigt wird.

Am dritten Tag, der letzte vor der Prüfung, stand die Vertiefung auf dem Programm. So der letzte Schliff, bevor es ernst galt. Was wir noch sehen möchten, wo wir noch üben müssten.
‚Ja, wegen Sprache…. schon schwierig… fahren geht‘, sprach Ali, welcher vor einer halben Stunde einen Stapel Paletten quer durch die Halle geworfen hatte und die Sicherheitsschuhe des Kursleiters mit den linken Hinterrad einem Härtetest unterzogen hatte.

Er hatte aber auch Pech, wurde Ali auserkoren, das Ein- und Auslagern gemäss den Instruktionen des Kursleiters zu demonstrieren.
Jetzt zurück fahren; Ali fuhr den Mast aus.
Nein, den Stapler zurück fahren.
Ja ja, schon klar; sprachs und kippte die Ladung durch das Neigen des Hubmastes unter das Regal.
Also, jetzt Gabel runter; Ali fuhr hoch…
Mast zurück; Ali hupte…
und zurück fahren; Ali drehte an Ort und Stelle…

Mitfühlend merkte ich an, vielleicht sollte jemand, der deutschen Sprache mächtig die Anweisungen ausführen.
Ich wäre auch nicht perfekt, es sei ihm sehr wohl aufgefallen, dass ich den Sicherheitsgurt nie trage, dies würde mir bei der Prüfung zum Verhängnis werden; drohte es postwendend, während er knapp dem rotierenden Stapler mit einem quiekenden Ali auf dem Fahrersitz auswich.

Na ja, da wir nur halbes Schritttempo fahren dürfen und die Ladung sowieso…
Sicherheitsgurt! mit Nachdruck!

Was wollen sie ansehen, wo sind Probleme?
Ja… weiss ich nicht…

Wo sind sie stecken geblieben?
Mmmmh… kurzes Aufstossen und Zwiebelduft im Raum… ja ähm…

Nach dem guten Morgen, Dienstags in der Früh?; Warf ich in meiner hilfsbereiten Art in den Raum.

Für solcherlei Äusserungen sei hier nicht der Platz; Kam der Verweis.
Vielleicht ein Deutschkur…. ich verschluckt die letzte Silbe.

Es wurde folgendes salomonische Urteil gefällt.
Meine drei Arbeitskollegen und ich würden die Prüfung im klassischen Stil als Einzelarbeit mit Mehrfachantwortmöglichkeiten am PC absolvieren. Die restlichen Teilnehmer mit Handicap in der deutschen Sprache erhielten die Heftversion mit jeweils einer korrekten Antwortmöglichkeit.
Zudem würden die Aufgaben vor der eigentlichen Prüfung als Hauptprobe durchgesprochen. Des weiteren würde der Kursleiter im Raum flanieren und hilfreich zur Seite stehen, so Barrieren bestünden.

Kurz vor Mittag die Rangverkündung:
Zweimal 99%, einmal 97%, einmal 96%… und der Rest hat auch bestanden, hihihihi.

Am Nachmittag die praktische Prüfung.
Knapp bestanden, war mein Resultat. Den Mast eine Idee zuwenig zurück geneigt, den Boden nach der Abfahrt nicht nach Öl-Rückständen überprüft und den Sicherheitsgurt nicht angelegt.
Ali, sein Stapler wurde soeben funkensprühend auf der Seite liegend unter dem Regal hervorgezogen, und Östfwsühr….ähm, welcher sich nach dem Aufspiessen vom Kahjedtepan – Schweizer mit tamilischen Migrationshintergund – selber überfahren hat, wurden unter Fanfaren und Trommelwirbel zur herausragenden Prüfung gratuliert.


Veröffentlicht unter He works hard for the money, Hossa, Pub, Vom Leben und gelebt werden | Kommentare deaktiviert für Ich fahre ein kraftbetriebenes Flurförderzeug