Zum Ständeratskandidaten Reto Dubach

Es sind noch zwei Jahreszeiten hin, doch der Wahlkampf hat begonnen. Bald werden sie wieder vom Strassenrand grinsen. Hochmotiviert, ermunternd ihren Namen auf den Wahlzettel zu schreiben. Haben sie doch so nett Grittibenzen auf dem Fronwagplatz verteilt und bei der Gesangsveranstaltung des Kindergarten in der vordersten Reihe mitgeklatscht.
Unsere neuen und alten Ständeratskandidaten.

Die FDP schickt Herrn Reto Dubach ins Rennen, den Föderalismus zu stärken. Föderalismus ist ein anderer Ausdruck für Kantönligeist. Im Widerspruch gegenüber dem föderalistisch gesinnten Kanton Schaffhausen steht vielleicht das Bestreben des Regierungsrates im Jahre 2013, die 26 Schaffhauser Gemeinden zentral zu verwalten. Aber dies ist was völlig anderes.

Im Moment vertreten Dich und mich Hannes German (SVP) und Thomas Minder, parteilos.
Thomas Minder war der Kandidat des Volkes, entgegen dem Wunsch der kantonalen Regierungsmitglieder. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder parteilose fremde Fötzel mal eben nach Bern geht und uns vertritt.
Demzufolge konnte Thomas Minder den Schaffhauser Regierungsvertretern seit seinem Wirken auch nichts recht machen. Er vertrete den Kanton zu wenig, neige dazu, sich mit seinen Anliegen selbst zu profilieren.

„Los mol zue Bürschli“
Ich darf aus dem Bock zitieren:

„Ich sagte ihm bei seiner Wahl, ich war damals Regierungspräsident, dass wir ihn daran messen werden, wie stark er sich für den Stand Schaffhausen einsetzen wird. Diese Erwartung hat er nicht erfüllt, vor allem auch, weil es mit der ungeteilten Standesstimme nie und nimmer getan ist.“

Nicht genauer definiert ist, wen das „Wir“ beinhaltet. Das Regierungsrat-Gremium? Die Schaffhauser Bürger?

Der pure Gegensatz ist Hannes Germann. Vertraue ich blind unserer Kantonsregierung und den heimischen Medien, rauscht er wie William Wallace mit dem Schaffauser Banner durch das Bundeshaus.
Grund genug Googel nach den kürzlich vollbrachten Heldentaten zu befragen, denn, im Vertrauen gesagt, ich habe keine Ahnung was der gute Mann in Bern so treibt.
Auch ihr surft gelegentlich und wisst, Google kennt kein blättern. Was nicht auf Seite 1 erscheint zählt zu den irrelevanten Suchergebnissen.
Hannes Germann spricht sich parteikonform für die Masseneinwanderungsinitiative aus, was sich anscheinend mit dem Amt den Ständeratspräsidenten schlecht verträgt.
Dafür ruft er die SVP bezüglich des Asylrecht zur Räson, was ihm wieder gut bekommt. Dann schätzte er an seinem Amt das Auslandreisen und das wars auch schon.

Also so munter werde ich als Schaffhauser Steuerzahler auch von Germanns Seite nicht vertreten. Nicht, dass ich diesbezüglich irgendwelche Erwartungen an einen Kandidaten stelle, aber es stört mein Sinn für Gerechtigkeit, wenn Thomas Minder in diese Ecke gestellt wird.

Reto Dubach will nun den Thomas Minder aus dem Stöckli schubsen. Gerade, weil er mit Hannes Germann auch immer einer Meinung sei. Fügt er tatsächlich als Charakterstärke an.

Der Bock-Chefredaktor möchte gerne wissen, was Herr Dubach, abgesehen vom Stärken des Föderalismus, sonst in Bern anstossen wolle. Zum Wohle von Schaffhausen.
Und da kommt der Herr Dubach, wie wir ihn kennen. Unser Landschaftsgärtner mit Schlips und Anzug. Mit hübscher Regelmässigkeit lächelnd einen Spaten in gelockertes Erdreich stossend.

Der Fäsenstaub braucht eine zweite Röhre und die A4 zwischen Andelfingen und Winterthur müsse ausgebaut werden.
Geschätzter Herr Dubach, vielleicht sind sie im regierungsrätlichen „Bike to work“ ganz vorne mit dabei, vom pendeln haben sie keine Ahnung.
Es ist in etwa wie beim nähen, vielleicht möchten Sie sich bei Ihrer werten Gattin erkundigen. Das Einfädeln geht nicht leichter von Statten, wenn man anstelle des Sternlifadens einen Kalberstrick durch das Öhr zwingen will.
Von der Pendlerobergrenze Betroffene wissen, dass man wohl auf zwei Spuren in Richtung Andelfingen zuckeln kann, sich dann nach der Brücke dennoch auf eine einigen muss. Nach geschätzten fünf Jahren Bauzeit sollen wir nun also auf zwei Spuren nach Winterthur zuckeln. Und dann?
Glauben Sie der morgendliche Stau bei der Einfahrt auf die A1 wäre behoben, wenn wir auf zwei Spuren herbei rasen? Sie können die Miniautobahn auch zur Champs Elysees ausbauen, das Nadelöhr wird keinen Deut grösser.
Und was soll eine zweite Röhre im Fäsenstaub? Einfach weil es momentan populär ist, zweite Röhren zu buddeln, soll Schaffhausen auch eine haben?

Bis zu den Wahlen sind noch ein paar Monate hin.
Ich würde mir vielleicht noch das ein oder andere Wahlversprechen einfallen lassen.

 

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Das trägt Paris; Leute und Mode im Gym

Ey Alte, musch Fitnesskleider chaufe!, mit dieser Betonung, wie sie nur frisch importierte Shipis oder nachgezüchtete Secondos beherrschen.
Was?, zieht die mit seinem Smartphone verbundenen Ohrstöpsel aus den abstehenden Flatterlappen an seinem Haupt.
Musch Fitnesskleider chaufe, weisch Mann! zeigt mit dem Indexfinger seiner linken Hand zum Angesprochenen, nicht ohne im Spiegel seinen definierten Arm zu bewundern, welchen seine Fitnesskleidung zur allgemeinen Betrachtung frei gibt.

Der Junge mit dem wertvollen Tipp sass auf dem Butterfly Reverse, kennt ihr nicht aber ist auch nicht weiter relevant, der Knabe, welcher seine Garderobe aufzubessern hat, lümmelte drei Stationen weiter auf dem Vertical Row und tippte Nachrichten.
Meine Wenigkeit, unbemerkter Zeuge der Unterhaltung und sich bezüglich Garderobentipps irgendwie auch angesprochen fühlend, eingezwängt im Abdominal Crunch und völlig demotiviert, die Gewichte auch nur einen Millimeter zu bewegen.

Der Bub auf dem Vertical Row trug eine kurze Adidas-Hose, ein unscheinbares, graues Shirt und auf dem Kopf eine Kappe. Eine Schirmmütze, nannte meine Generation dies noch. Nur stand da weder Interdiscount, Fendt noch Rinatol auf der Front, sondern Chicago Bulls.
Daran stört sich auch niemand. Was ich nicht verstehe, ist die Bauform der neuen Mütze. Wurde früher der Schirm sofort zwischen den Händen gerollt um eine der Gesichtsform entsprechende Biegung desselbigen zu erreichen, trägt man ihn heute gerade. Und wirklich gerade, da könnte man Murmeln balancieren. Auf, oder unter dem Schirm befindet sich ein schillernder Aufkleber. Ihr wisst schon, glänzend in allen Farben reflektierend, wie jeweils die heiss begehrten Wappen bei den Fussball-Panini-Bildern. Wirkt für den Laien wie ein Preisschild oder eine Pflegeinstruktion, scheint aber ein unabdingbares Styling-Accessoires zu sein.
Die Mütze wird eher lose aufgefsetzt. Mit dieser Tragart, in Kombination mit dem geraden Schirm und dem lustigen Sticker, wirken die Träger wie Lausejungen und man guckt unweigerlich nach einem oben montierten Propeller und dem unvermeidbaren Pflaster am aufgeschürften Knie. Nur die Eigenschaft, dass der Schirm in eine x-beliebige Himmelsrichtung zeigt und mit Gewissheit dem Antlitz keinen Schatten spendet, stört die Vollendung des Charlie Brown-Verschnitt.charlie-brownWieso Alte?

Isch ims mega wichtig eh Mann; Sprachs vom Butterfly Reverse.
In einer grauen Trainerhose. Im Bereich des Gesässes leicht durchgeschwitzt. Obenrum einen sehr figurbetonten Pullunder. Mit Kapuze. Klingt nach einer merkwürdigen Kombination, aber da verstehe ich nun wirklich nichts von. Die Ärmel so ausgeschnitten, dass die Schultern möglichst frei sind.
Mann weisch, wie wetsch Schultere pumpe wenn Schultere nid gsehsch.
Wo er recht hat. Wenn man in Anatomie nahe beim Fenster sass, kann man durchaus in der Annahme leben, dass Körperteile, welche nicht öffentlich zur Schau getragen, irgendwie verschwinden.
Isch voll guet für Motivation!

Ja eh Mann, mues ich nochli weniger fett mache, weisch.

Ey was Mann, spinnsch oder bisch dumm ims Kopf Alte, du bisch so krass, aber muesch zeige weisch. Suscht gsehsch nid.
Was man den Kindern zugute halten kann, sie bekräftigen sich gegenseitig ständig und sparen nicht mit Komplimenten. Zumindest, das was ich verstehe. Zugegeben, nicht viel.
Ey, sit ich ims da Shirt han, Mann weisch, grad zwei Kilo meh. Kleider isch huere wichtig. Ohni Kleider isch nüt.

Hey isch krass Mann, wo hesch kauft?

Ey, bstellsch Dütschland oder ich säge nur Diesshofe (Ich glaube Diessenhofen verstanden zu haben, aber lege keine Körperteil ins Feuer)

Voll Mann!

Isch au für Bewegig; dreht sich auf dem Sitz und lässt seine Schultermuskeln springen, viel besser weisch.

Nei isch ims huere wichtig Mann. Aber hey, mach jetzt Mann. Nei wart, lueg schnell wie ich Üebig mache. So fahrt i weisch.

Ich kann mich jeweils des Gedankens nicht erwehren; Unsere Zukunft. Und sie vermehren sich wie die Karnickel. Isch ims scho chli beängstigend hey.

Aber mir ist nun klar, weswegen ich in meiner ausgeleierten, verwaschenen Trainingshose und dem Turnschuh-Schnäppchen aus dem Athleticum nie auf einen grünen Zweig kommen werde. Ich habe die huere Wichtigkeit der Kleidung völlig ausser Acht gelassen. Obwohl mir das Center doch Anschauungsobjekte zur Genüge liefert.
Werfen wir eine Blick auf die typischen Muckibuden-Besucher.

Den Hantel-Hamster
Die Schrägbank hat er bereits mit seinem klammen Trainingstuch reserviert, die Getränkeflasche und sein Trainingsplan liegt auf der flachen Bank, welche er kurz darauf ebenfalls zu nutzen gedenkt.
Er reiht Satz an Satz. Für die Nicht-Fitter; Ein Satz besteht aus einer gewissen Anzahl Wiederholungen, zwischen Sätzen macht man für gewöhnlich eine kurze Pause. Da er unterschiedliche Gewichte benötigt, räumt er kurzerhand das Kurzhantel-Regal leer und legt die Gewichte zu seinen Füssen rund um seine zwei alternierend bestiegenen Trainingsbänke.
Kommt nun ein Hobby-Fitnessler und benötigt dummerweise eines der Gewichte zwischen vier und 26 Kilogramm, muss er den Hamster erst fragen.
Ja Mann, grad, nur no 15 Sätz, wart, bin grad sowiet.
Entweder stellt man das Bürschchen in den Senkel oder geht nach Hause, denn vor einer halben Stunde ist keine der Hantel verfügbar.weight-hog

Ein verwandter Kollege ist der Platzhalter
Sei es nun eine Hantelbank oder die Sitzfläche einer Maschine. Er sitzt darauf und starrt mit hilflosem Blick in die Leere des Raums oder auf das Display seines Smartphones. Fünf Minuten, zwölf Minuten.
Erkundigt man sich höflich, ob er fertig sei; Ja eh, no zwei Sätz, isch guet?
Absolviert seinen Satz, schickt im Zuge der Anstrengung seine letzte Hirnzelle ins Nirvana und hängt wieder mit orientierungslosen Blick im Polster.
Fünf Minuten, zwölf Minuten. Man befürchtet, stört man ihn nochmals, muss man ihm erklären, wo er hier ist und lässt ihn besser sinnieren.

Der Dressman
Wir haben gelernt wie wichtig Kleidung ist, auch dass ich selbiger zu wenig Beachtung schenke, was mich für folgende Studie irgendwie disqualifiert. Ich versuche es trotzdem.
Seit Dwayne The Rock Johnson im Kino ist, trägt alle Welt „Under Armour“ figurpressende Kleidung. Der Nachteil, das Entblössen vor dem Spiegel muss dem Schälen einer Kiwi gleich kommen und von Zeit zu Zeit ist das Entblössen sehr wichtig.
Hey Alte, bi voll nid zfriede Mann; und mit einer lasziven Bewegung hebt er sein Shirt, präsentiert in einer wundervoll einstudierten Choreo sein Six-Pack im Spiegel.
Ey was hesch Mann, bisch dumm im Chopf, isch ja voll krass Mann?
Meinsch….? und fährt mit den Fingern den Erhebungen entlang, Ey Mann zeig du mal…, schon beinahe zärtlich vorgetragen.
Was sich früher nur über Webcam’s in verdunkelten Teenie-Zimmern abspielte, wird im Fitnesscenter hemmungslos praktiziert und man erwartet eine Marvin Gaye-Hymne zu hören. Eine Weiterentwicklung der Doktorspiele, nur eben unter Jungs. Man erkundet gegenseitig den Körper.
Aber wehe, wer hier eine homoerotische Komponente vermutet!
Im Fitnesscenter ist „voll schwul“ wenn man mit Apothekergewichten arbeitet und oder während der Ausübung seines Workouts nicht röhrt wie ein lüsterner Hirsch.
Wiederum männlich ist jedoch Schuhwerk, mit welchem in der guten alten Zeit Prinzen von Hof zu Hof zogen um die angebetete unbekannte Schönheit zu finden, welche kurz vor Mitternacht den Ball verliess und nur den Schuh auf der Treppe liess.
Ein filigranes Schühchen, dass ich befürchte, dem Schwarzenegger-Verschnitt wurde von Mutti ein Lotosfuss geschnürt. Eine silbernes Söhlchen geht über in ein Oberleder, mit feinstem Gold überzogen. Kleine Luftschlitze lassen vermuten, dass gleich eine Elfe hinauswinken wird. Ein kleines Band einem Schuhbändel nicht unähnlich, durchzogen von silbernem Engelhaar, hält das funkelnde Kunstwerk am Fuss.
Als Gegensatz findet sich über selbigem eine Hose, wie sie die Spartaner getragen hätten, so es damals schon Hosen gegeben hätte. Aufgedruckte Motivationswörter wie Power, Flex, Nutrition und Maximal zeigen mir, dieses brachiale Stück Stoff ist das beste und männlichste Beinkleid der Welt.
Bella lehrte mich, das Oberteil muss zum Schuh passen. So lässt der Disco-Pumper hier gerne wieder zartes rosa mit feinen Trägern seine Muskeln umschmeicheln. In der nächsten Kollektion gewiss mit Spitzenbesatz am Dekollte.
Dem gegenüber steht…

Der alte Bodybuilder
In jedem Center ist mindestens einer. Tipps streuend wie ein Rasensprenger, oder der klassische schweigsame Eisenfresser. Die besten Zeiten hat er hinter sich. Wie auch seine verwaschene, ausgeleierte Trainerhose, der löchrige Fetzen eines 80er-Jahre Goldsgym-Muskelshirt und die Adidas Rom in der Originalversion mit einem zusätzlichen Schnallenverschluss über dem Rist. Um die Hüfte eine Lendentasche. Abgewetztes Leder oder grünes Neon, spielt keine Rolle, aber vergisst die Lendentasche nicht! Seine Hände schützt er nicht mit synthetischen Trainingshandschuhen, er wickelt alte Lederlappen um die Stangen. Und diese bewegt er auch nach alter Väter Sitte. Jeglichen Erkenntnissen der modernen Sportmedizin zum Trotz wird gerissen, als gelte es einen festgefahrenen Pflug aus lehmigen Erdreich zu befreien.
Danach, nicht ohne die alte Sportverletzung zu reiben, humpelt man wie Quasimodo zum Latzug, hockt sich verkehrt auf die Bank und greift irgendwie zwischen den Schenkeln hoch zur Stange um in einer abartigen Übung den linken Oberschenkel zu trainieren. Jeder antrabende Instruktor streicht ob dem gehässigen Ich-weiss-was-ich-tu-Blick des figurformenden und rohe-Eier-schlürfenden Urgestein die Segel.

Wo wir bei der Kleidung sind, vergessen wir die Frauen nicht!

Spandex
Ich bin überzeugt, ein ganz vorzüglich zu tragendes Material. Wie eine zweite Haut schmiegt sich die glänzende Leggings bequem und in den schillerndsten Farben um die Schenkel. Und die Männer gucken. Alle.
Es ist wie ein Unfall im Feierabendverkehr. Man richtet während der Vorbeifahrt den Blick korrekt auf die Fahrbahn und schielt dennoch kurz aus dem Augenwinkel auf die Szene. Unvermeidlich
Gewiss, zwei von dreissig Damen sehen in Spandex ganz interessant aus. Denke ich. Müssen wohl. Ich kann nichts dafür, dass stets die anderen 28 im Center sind.
Liebe Damen; Ich bin nicht perfekt, deswegen verzichte ich darauf, meinen Schwimmreifen in einem hautengen Dress spazieren zu führen. Was Euch immer der Hersteller versprochen hat, er lügt. Man sieht die Cellulite, es tut mir leid. Auch die endlose Elastizität einer Leggings ist ausgereizt, so das Gewebe sich der Transparenz nähert, ich bedaure. Warum nicht eine Idee SM, aber die tollste Wetlook-Leggings verliert jede verruchte Note, wenn sie wie eine alte Plastikplane um die dürren Beine einer Rentnerin flattert.
Zu guter Letzt; Wenn man schon hauteng trägt, wäre vielleicht das Augenmerk auf die Unterwäsche zu richten. Selten bis nie in der Damenabteilung unterwegs, bin ich mir trotzdem sicher, es gibt eine Alternative zu der Pantyline des figurformenden Slips, welche eure Gesässhälften in die Gemeinden Oberquill und Unterquill teilt.

Freuen wir uns auf den
Bürogummi
Barmann
LKW-mit-den-Zähnen-Schlepper
die Kaffee-Tanten
und den merkwürdigen alten Mann in der nächsten Ausgabe.

 

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Tales from the kitchen; Bündnerfleisch

„Ohne Beilagen ist Bündnerfleisch die erlesenste Art, Diät zu halten.“

Wird es günstiger wenn ich gleich mehrere nehme?loriot-einkaufDu bist was du isst.
Gestatten, Roman Cathomas. Einfach weil ich Cathomas cool finde. Weil bei Cathomas, im Gegensatz zu Caduff, die Betonung schon die Spreu vom Weizen trennt.

Mein Verzehr an Bündnerfleisch bedroht die argentinischen Viehbestände und im Betrieb werde ich bereits gehänselt. Während andere die Reste vom gestrigen Abendmahl, in viel Sauce schwimmend aus Plastikschalen löffeln, das Ganze mit einer Cola extrarot runterspühlen und das Mahl mit einem Schokoriegel oder einer Nussstange von der Tanke beschliessen, knabbere ich an einem Rind zwischen zwei Brothälften. Selbst gebackenem Brot versteht sich. Nicht die abwechslungsreichste Form der Ernährung, aber der Sommer naht und Dr. Dukan hat mich in seinen Klauen.
Die Effizienz einer Diät scheint in Frage gestellt, so man sie bereits zum dritten Mal anstrebt. Nun, ich bin nicht der disziplinierteste Dukaner. Dukaner ist man letztendlich ein Leben lang, hält man sich nur an die Richtlinien. Einfache Richtlinien.letsplaySchokolade habe ich einfach zu gerne und in meiner Ahnengalerie muss ein Eichhörnchen unter den Stammhaltern sein. Erdnüsse und ihr verschlagener Vetter, die Cashew-Nuss, haben ganz schnell ihren fixen Platz in meiner Grundernährung.

Dukan ist nach wie vor die perfekte Diät, da lasse ich nichts drauf kommen.
Auch die Promidiät genannt. Wohl nicht nur wegen der illustren Dukaner auf dem Planeten…kate

… sondern auch wegen der Kostspieligkeit.
Selbstverständlich zählt die bezaubernde Duchess of Cambrigde zu den Dukaniern, nicht der Windsor zu ihrer rechten.

Kaufe ich also mein Bündnerfleisch in der Migros, räume ich regelmässig das Regal leer. Entweder ist die Nachfrage extrem gross und ich pflücke nur noch die Reste aus dem Kühltruhe, oder der Grossverteiler rechnet nicht mit ausgehungerten Dukaniern. Wenn man Pech hat, muss man auf das Bio-Bündnerfleisch zurückgreifen.
Ob es nun an der essbaren – unterstelle ich nun einfach – Verpackung liegt oder Bio-Rinder im Grundsatz müffeln wie grüne Deodorant-Verweigerer und dies an ihre Oberschenkel weitergeben, Fakt ist, das Bio-Bündnerfleisch riecht wie Oma unterm Arm.
widerlichDie nächste Peinlichkeit erwartet mich am Kassenkorpus. Der Erwerb von waffenfähigem Plutonium ist gewiss um vieles einfacher.
Wer noch nicht mit dem Finger auf mich zeigt wenn ich meine drei Kilogramm Magerquark und fünf Packungen Bündnerfleisch auf das Band lege, wird spätestens auf mich aufmerksam, wenn die Pakete über den Scanner gezogen werden.
Nicht dieses leise ‚ich hab es gescannt‘-Piepsen, nein, ein dreifaches ’sieht mal alle her‘-Piepsen mit Feuerwache-Alarm-Klingel-Effekt.
Die Kassiererin sollte es langsam wissen, komme ich doch dreimal die Woche vorbei, reagiert dennoch jedesmal mit einem „Häääh?“ gefolgt vom unweigerlichen „Trudi kommst du mal?“. Während die übrigen Feierabend-Kunden mich am liebsten durch die Kaffeemühle drehen würden.
Jede Packung Bündnerfleisch muss nun von der toupierten Frau Siebenhaar, die heisst wirklich so, quittiert und von Trudi durchgenickt werden. Warum wissen die Götter, es ist mir zu peinlich, nachzufragen.

Nebst diesem Spiessrutenlauf geht die Sache langsam ins Geld. Aber hauptsächlich ist es schon die Mühseligkeit des Einkaufs.
Ich weiss nicht, wieviel der Oberschenkel eines gesunden Rindes namens Gion oder Luregn wiegt, doch habe ich mir vier Kilogramm in einem Online-Schlemmer-Shop davon bestellt und fühle mich wie ein Wilderer. Bei einer Preisersparnis von 27%.
Da gönnte ich mir gleich noch eine Fleisch-Schneidemaschine aus dem regionalen Elektronikversand. Nach einem Kilo Fleisch beginne ich schon Profit zu machen. Nach zwei Kilo kann ich die Maschine wegschmeissen und mir eine neue bestellen. Theoretisch.
Dienstags bestellt, Donnerstag lag es in meinem Milchkasten. Dies nenne ich prompt.
Die Packung ins Haus getragen, mit dem Schraubenzieher raus und die Milchkasten/Briefkasten-Kombination wieder im porösen Mauerwerk befestigt und danach die Maschine aufgebaut.loriotKunstoffteilen welche gemäss Anleitung zusammengesteckt werden sollen ‚bis klick hörbaren eines sehen‘ stehe ich mit einem gesunden Misstrauen gegenüber. Lego machten nie Klick, weder hör- noch sehbar, und darin liegt wohl das Geheimnis, dass diese auch wieder zu trennen sind. Wenn auch bisweilen mit einem Küchenmesser. Die Maschine war von erlesener schlanker Bauart, man kann sie mit etwas gutem Willen in der Besteckschublade versorgen. Gerade wegen des gewitzten Klapp- und Steckmechanismus. Nun, besagter ‚Klick‘ hatte den Klang von einer Unendlichkeit, ich verzichtete darauf, die Teile wieder zu trennen.
Um sie zu starten hat ein normal ausgestatteter Mensch zu wenig Gliedmassen. Wie mein Vater zu sagen pflegt; Montiert man an einer Fräse alle Schutzabdeckungen nach Suva-Norm, ist man chancenlos das Schnittgut an das Sägeblatt zu bringen.
So muss ich meine Fleischschneidmaschine mit einer Taste entriegeln, selbige gedrückt halten, während ich den Startknopf presse. Hernach kann ich die Sicherheitsentriegelungstaste in ihre Ruheposition zurück führen, habe jedoch die Starttaste während des gesamten Schnittvorgangs gedrückt zu halten, während ich das Fleisch der Trennscheibe zuführe.
Eine Trennscheibe, welche mit der Geschwindigkeit eines ausgeleierten Plattenspielers ihre Runden dreht. Man ist versucht, sie ein wenig anzuschubsen, obwohl in der Betriebsanleitung in jedem zweiten Abschnitt davor gewarnt wird, irgendwelche Extremitäten auch nur in die Nähe des traurig eiernden Blechtellers zu bringen. Da man sowieso keine Hand frei hat, fällt es leicht, der Versuchung zu widerstehen.
Selbstverständliche, haute cuisine, wollte ich das Fleisch hauchdünn schneiden. Durch einen filigranen Drehknopf kann die Schnittstärke gewählt werden.
Nach mehrmaligem enthusiastischen Vor und Zurückschieben des Schnittgutbefürderungsschlitten, so enthusiastisch wie man zwei harzig laufende Plastikteile aufeinander eben schieben kann, erwartete ich schon, dass auf der anderen Seite der Trennscheibe langsam etwas zum Vorschein kommen sollte.
Nun waren die Scheiben so hauchdünn, dass sie irgendwie in das steck-und-klickverschlossene Gehäuse gelangten.
Die zuschauenden Mäuse auf den Logenplätzen in der obersten Etage des Gewürzbord schnalzten mit der Zunge, leckten sich die Schnauzen und schüttelten sich die Pfoten wie Bundesräte bei der Einfuhr einer neuen Steuer.
Ich musste mich für eine Dicke entscheiden, irgendwo zwischen Grabsener Mailänderli – für unregelmässige Leser, die hält man mit zwei Händen und stützt dabei mit Vorteil die Ellbogen auf den Tisch – und einem Toastbrot.

Schnittgut vertuppert und kühlgestellt, ging es daran die Maschine zu reinigen. Ich erinnere an meine Pearl-Pasta-Maschine. Vom Wasser fernzuhalten wie einen Mogwai. So stand es in der Gebrauchsanweisung. Natürlich nicht mit diesen Worten.
Na so schlimm wird es wohl nicht sein, dachte ich mir, und reinigte sie, wie dies ein gewissenhafter Hausmann eben tut. Vor drei Wochen gab ich einen Beutel voller Rost und einer kleinen Kunststoff-Kurbel Mutter Erde zurück.
Die Schneidmaschine durfte mit Wasser in Berührung kommen. Zumindest Teile davon. Jedoch nicht mit Reinigungsmittel und scheuernden Hilfsutensilien.
Ich entfernte die Abdeckungen, löste das ‚Schneiderad‘, zog den Netzstecker, steckte den Zeigefinger unter lästerlichen Flüchen über koreanische Schneidmaschinenhersteller in den Mund und überlegte, was an dieser Reihenfolge nun verkehrt war.

Unter Protest des diplomatischen Abgesandten der Gewürzbordmäuse entfernte ich die Rinderstücke aus dem Gehäuse und setzte zur fachgerechten Reinigung an. Mit einem sanften Schwamm. In etwa Sandpapier, Stärke 40.
Die gesamte Steck- und Klickkonstruktion, gehalten von Kunststoffdrehknöpfen, basiert auf dem Prinzip, dass man sich mit genügend Schmiere sämtliche Gleitlager ersparen kann.
Besonders alt wird das Ding kaum werden. Aber für 46 Franken will ich nicht reklamieren.
Ansonsten, habe ich gerade recherchiert, der gute alte Pearl hat noch einen für 39 Franken im Angebot.
Da nehme ich gleich zwei und krieg die 50-Watt Gartenfräse kostenlos dazu.

 

 

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Ein normaler Sonntag

Vielleicht ist es ja Karma.
Heute morgen erwachte ich, weitgehendst in meiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Mein Kopf liess sich nur noch einseitig drehen, was mich vor die Auswahl stellte, während der Zuführung meines künstlich gesüssten Magerquark mit entöltem Kakao-Zusatz schielend die Looney Tunes zu sehen und nur die Hälfte von Wil E. Coyotes Bemühungen um ein Roadrunners-Frühstück zu begreifen, oder dann – langer Satz ich weiss – wie eine pflichtbewusste Restaurationsfachfrau, ja so heisst dies, stets sprungbereit nur eine Pobacke auf das Sofa zu setzen.

Mein fortgeschrittenes Alter lässt sich durch das ins einseitig kippende Verhältnis von Nivea Bodylotion zu Voltaren, welches ich nach dem Duschen aufzulegen pflege, erkennen. Weswegen mein Badschrank entsprechend gut an verspannungslösenden und rehabilitierenden Cremes und Salben bestückt ist.
Nun, das Werkzeug zu haben ist erst die halbe Miete.
Die Verspannung, Versteifung oder wie das auch genannt werden will, lag selbstverständlich an dieser unerreichbaren Stelle im Bereich des linken Schulterblattes. Ohne dritte helfende Hand vollführt man auf den glitschigen Fliesen einen Tanz und Verrenkungen, welche die gesamte Aktion in Frage stellt. Pah, Robinson war auch alleine, an einer fehlenden Hand werde ich nicht scheitern. Grosszügig im gerade noch erreichbaren Bereich aufgetragen, schob ich die Salbe mit dem übergestreiften T-Shirt an die richtige Position. Der Türrahmen übernahm den Part des Einmassierens, als ich wie eine Kuh mit dem Rücken daran entlang strich.
Schmerzempfindlich wie der Mann angeblich ist, hätte ich nun in Embriostellung auf dem Sofa still leiden und das Unglück in der Welt beweinen sollen.
Hätte vielleicht…

Dreissig Minuten später humpelte ich wie Kapitän Ahab auf dem Laufband im Fitnesscenter. Mit 11 Kilometern pro Stunde. Und dies ist gar nicht einfach, wenn man wie Kapitän Ahab humpelt.

ahabGanz der Theorie folgend, wenn die Muskeln nur richtig warm werden wird sich dies schon lösen, schlenkerte ich mit den Armen wie die aufblasbaren Luftmännchen an Ausstellungstagen beim örtlichen Autohändler.
Ich habe in diesem Center ja nicht mehr viel zu verlieren.
Das Tuch wie ein Cape um die Schultern, ich versprach mir einen Hitzestau, trainierte ich wackere 90 Minuten lang.

Nun sitze ich wie Schroeder, der von den Peanuts, an meinem MacBook, was der Entspannung gewiss unglaublich zuträglich ist.schroederÖlig wie eine Sardine. Ich habe mir ein Entspannungbad gegönnt.

Während ich so in der Wanne in meinem eigenen Schmutz suhlte, baden ist per se schon eine eklige Sache, testete ich meinen neuen E-Book-Reader auf die versicherte Wasserfestigkeit. Bis einen Meter unter Wasser könne man noch lesen, sprach die Verkäuferin und die Bedienungsanleitung bestätigte ihre Aussage.
Etwas von Langeweile befallen, während der Reader wasserspuckend auf dem Handtuch wieder zurück zu den lebenden gelangen sollte, dachte ich über Frauen nach.

Flugzeuge sollen ja nur noch von Frauen gelenkt werden. Oder geflogen. Aber Lokomotiven gelenkt. Wobei man diese ja auch nicht lenkt. Doch auch bei Reisecars, sollten Frauen ans Steuer.
Dies nicht zwingend, weil Frauen im Führen von Massenverkehrstransportmitteln eine übermenschliche Geschicklichkeit an den Tag legen, sondern weil Frauen im allgemeinen lebensfreudiger sind als die männlichen Vertreter unserer Spezies.
Männer neigen anscheinend nicht nur dazu in geblümten Sitzgruppen ihre Gattinen zu meucheln – Gruss an den Altmeister – nein, auch haben sie einen Drang, dies ist mir und wohl allen meines Jahrgangs auch neu, am Steuer von Personenbeförderungsfahrzeugen Suizid zu begehen. Neu, weil der bedauerliche Vorfall bei Germanwings meines Erachtens in den letzten knapp vierzig Jahren ziemlich einzigartig ist. Nehmen wir die Kamikaze-Flieger und Terroristen aus, die machen es fürs Vaterland und 32 Jungfrauen.

Aber die Statistik stützt die Theorie, da gibt es nicht zu rütteln.

Nur schon die Schlagzeile ist sexistisch, ich müsste beleidigt sein.
Erinnert ihr euch an den November 2008?
„Oh super“ war der Kommentar von Stefanyshyn-Piper. Die erste Frau welche einen Ausseneinsatz im All anführte und, die Erinnerung kommt wieder, prompt ihre Werkzeugtasche verlor.
Dumme Sache, eine fliegende Werkzeugtasche mit Schuss im schwerelosen Raum kann durchaus ein bemanntes Shuttle oder noch schlimmer, einen Fernsehsatelliten abschiessen. Ich las jedoch keinen Kommentar, dass Frauen vielleicht besser auf der Erde bleiben sollten. Die Empörung wäre enorm gewesen.

Aber vielleicht wäre es grundsätzlich besser, wenn Frauen gleich alles übernehmen. Es ist eine Laune der Natur, dass die Männer zum bestäuben bisher unersetzlich sind, aber da müsste sich doch eine Lösung finden lassen.
Vielleicht löst sich die Sache über kurz oder lang auch in Wohlgefallen auf. Immerhin nehmen sich Männer dreimal mehr das Leben als Frauen und die heranwachsenden Jünglinge werden zusehends domestiziert. Guckt mal hin, haben noch nicht einmal mehr Bartwuchs. Dies hat man ihnen schon ausgetrieben. Über kurz oder lang wird die Frauenquote ein überflüssiges Relikt sein.

Wo wir gleich bei kräftigen, pardon starken Frauen sind; Pony M. hat ein Fahrrad geschenkt erhalten.
Ihr Jolly Jumper wurde unlängst im innigst geliebten Zürich entwendet, worüber ich mich diebisch gefreut habe. Einfach weil ich diese bescheuerten selbst bemalt und blumenbeklebten Fahrräder urhässlich und total bescheuert finde.fahrradSie nannte es Jolly Jumper. Wie das Pferd von Lucky Luke.
Nicht genug, dass Lucky Luke nicht mehr rauchen darf, nun muss sein getreuer Gaul als Namensgeber für die Fahrräder von Pseudo-Hippies hinhalten. Blasphemie!

Weil die Pony M. solch eine arme ist und ordentlich im Netzwerk gejammert hat, wurde ihr von einem Radhersteller ein neues geschenkt.
Neid? Nein. Aber wer hat, dem wird gegeben. Und ist sich nicht zu schade um zu nehmen.

Als ausgleichende Gerechtigkeit zur sexistischen und männerfeindlichen Berichterstattung, beschliesse ich mit einem Video aus den siebzigern, als die Welt noch in Ordnung war.

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Neulich im Fitnesscenter

Lange nachdem von Otto-Normalbürger heftig gefasste Vorsätze nach 13 Tagen konsequenten Umsetzen dem Alltag zum Opfer fielen, begann ich mich mit der Umsetzung der meinigen.
Eines hübschen Abends feststellend, dass die Hose nicht mehr zu schliessen war, die Jeans irgendwo mittig Oberschenkel zwickte und klemmte – und ich bin beileibe kein Fan von diesen Super-Skinny-Fit Jeans. Dies sieht schon an 93% der Frauen bescheuert aus, aber die feminine Ausprägung eines Skinny-Jeans-Trägers ist nicht zu leugnen.
Will sagen, trägt irgend ein Punk-Rocker solche Hosen ist dies sein Style und in der Gesamtkombination irgendwie auch ok. Doch die Vorstellung, dass ein Mann mit Vaseline in seine Hosen steigt kann eines homoerotischen Touchs nicht entbehren.Gesteigert auch in der Kombination, Super-Skinny-Harem-Jeans.
Dies sieht aus, als wäre Dobby der Hauself mit einer Giraffe intim geworden und hätte die Nachgeburt aufgezogen.skinny-haremZieh mal die Hose hoch. Und geh zum Friseur.

Bevor ich mir also bei PEARL einen Hosenbund-Dehner bestellte, beschloss ich der Ursache auf den Grund zu gehen. Die einzige Alternative bestand in einer Reduktion der Leibesfülle.
So begab ich mich wieder in ein Fitness-Center.

Der Ausflug in das M-Fit war ja eher ernüchternd.
Beim Passieren der Theke wurde schon meine Gangart korrigiert und egal an welchem Gerät ich trainierte, wie aus dem Nichts tauchte ein Physiotherapeut auf. Den Körper ausgezehrt und definiert bis auf das Knochenmark hat er sich völlig unsichtbar hinter einem Bambusstengel verborgen und hebt nun den knochigen, feingliedrigen Zeigefinger.
Langsamer… viel langsamer. Und reduziere das Gewicht.
Bis ich die unbelasteten Seile mit der reinen Erdanziehung als Trainingsgewicht in Zeitlupe bewegte.
Siehst du, so fühlt es sich gleich viel besser an. Und gesünder!
Ich wagte kaum zu atmen, aus Angst, durch das Heben der Brust eine zu hektische Bewegung zu vollführen.
Der Physio schlich, nein wippte, in seinen MBT-Gesundheitsschuhen rückwärts in Richtung Theke. Mich immernoch mit Argus-Augen beobachtend.
Langsam… du wirst hektisch, viel langsamer… Klang es durch die Totenstille der Halle, als ich mal eben mit der Nase zuckte, weil eine Fliege sich genüsslich niederliess und die Ruhe geniessen wollte.
Sanft, als wollte ich einem Schmetterling die Flügel streicheln, setzte ich die imaginären Gewichte wieder ab. Erhob mich von der Maschine, erschrocken innehaltend, als der Kunststoff der Sitzfläche leicht knisterte.In einem unbeobachteten Augenblick schaffte ich es, mich in den Hantelbereich zu stehlen. Eher stiefmütterlich in der bösen Ecke sind 20 niegelnagelneue Freihanteln auf einem blitzenden Eisenregal gelagert. Nicht zwingend zur Nutzung gedacht.
Mit einem kurzen Ruck zerrte ich die gummierten Scheiben aus dem Regal, ein Flutsch-Klatschgeräusch, als hätte ein Militärarzt soeben seinen Latexhandschuh angezogen.
Drei Augenpaare waren auf mich gerichtet, die Nackenkrause wurde auf der Theke bereit gelegt und ein vierter Physiotherapeut zerrte das Wirbelsäulenstabilisierungsbrett aus der Abstellkammer.
Nach drei Monaten trennten wir uns in gegenseitigem, stillen Einverständnis. Nachdem ich einen Monat das Training geschwänzt hatte.
Ich schätze Physiotherapeuten sehr, da will ich kein Zweifel aufkommen lassen. Der Herr Doktor ist ganz nett, seine Medikamente toll, aber dass ich meine Schuhe noch selber binden und in selbigen gehen kann, schreibe ich den Folterknechten in Gesundheitsschuhen zu und bin immens dankbar dafür!

Zurück auf Start.
Wie würde Rocky trainieren, fragte ich mich.rockytrainingEisen fressen halt.
Rohe Rinderhälften sind schwer zu finden.
Also suchte ich das älteste Fitnesscenter der Region auf.
Der Besitzer taxierte mich von oben bis unten.
Willst du ein Einführungstraining oder gleich beginnen? Gut, da hast du ein Wasser, geht aufs Haus, viel Spass.Mein Herz hatte er erobert. Nicht, dass ich den Fitness-Check vom M-Fit missen möchte, der war spannend. Aber hinter einem kichernden Mädchen in Spandex nachtapsen musste auch nicht sein. Auf dem metallenen Klemmbrett der gelbe Zettel mit den Standard-Übungen, welche jedes potentielle Neumitglied erhält, welches nicht gerade den Kopf unter dem Arm trägt oder laut Attest eine um 45 Grad verschobene Wirbelsäule mit Flexkrummzwirbelung zum Anlass nimmt, sich körperlich zu ertüchtigen.

Trete ich also im ausgeleierten und doch irgendwie unfreiwillig eng anliegenden Shirt, der fleckigen Trainerhose und den drückenden Turnschuhen zwischen die Athleten.
Es scheint ein gewisser Dress-Code zu herrschen. Weniger ist mehr.
Ich weiss nicht, ob die Bezeichnung Shirt auf die Oberbekleidung zutrifft.
Der Stoff hängt irgendwie lose in der Bauchgegend. Gehalten von solch feinen Trägern, dass ein Victoria’s Secret-Büstenhalterträger wie ein Sicherheitsgurt wirkt. Mann zeigt gerne Brust, weniger Stoff wäre nur möglich, würden sie anstelle der Oberbekleidung Nippelquasten tragen. Im Rücken laufen die Träger zusammen, verschwinden zwischen den Trapezmuskeln.
Die nackte Haut von einem Schweissfilm überzogen, welcher nur von den zerfledderten, speckigen Plastikpolstern der Hantelbank abgewischt wird. Natürlich tragen sie ein Handtuch mit sich, wie es in Fitness-Centern üblich ist. Von der Grösse eine Tempo-Taschentuchs. Eines gefalteten Temoptaschentuch. Mit diesem Tupfen sie sich gelegentlich die Stirn ab.
Man muss schon über seinen Schatten springen um in diesem Center irgendwas mit blossen Händen zu berühren. Im speziellen, da die Muskelberge von einer pickeligen Haut überzogen sind, wie sie nach der Pubertät nur noch durch ausgewählte Aufputschmittel zu gewinnen ist.
Es versteht sich von selbst, dass ich mich zwischen diesen wandelnden Kleiderschränken nahezu tänzelnd bewege. Als wäre ich dadurch nicht schon Aussenseiter genug, bewege ich meine Fliegengewicht mit einer Langsamkeit, dass Arnold Strong nebenan mit viel Schwung, unter thestosterongeschwängerten Schreien in derselben Zeit drei Übungen absolviert. Oder mal eben einen Laster um den Block zieht. Mit den Zähnen. Einbeinig. Hüpfend.

Doch eine Unterhaltung wäre sowieso nicht möglich. Kaum einer ist der Fremdsprache deutsch mächtig.
Es sind diese Neu-Schweizer. Diese mit den kastenartigen Köpfen, schwarzen Doppelkopf-Adler auf roten Shirts und dem passiv-aggressiven Ausdruck um Gesicht. Ich wollte Rocky, jetzt hab ich Rocky III. Trainieren unter Menschen, welche einem bei einem falschen Blick massakrieren und – eine Frage der Ehre – die Kehle aufschlitzen. Frau Sommaruga hätte schon eine Erklärung, warum ich röchelnd in meinem eigenen Blut die Schuld trage und selbige jemand aus meinem Umfeld noch sühnen sollte, da ich dies aus der Kiste heraus nicht mehr könne.
Ausser den Namen der Jungs habe ich noch nicht viel mitgekriegt. Fünf heissen „Kasten“, dann sind da noch 13 „Maschinen“, ein „Fetzen“ und sieben mit dem Doppelnamen „Hey Alter“. Sie begrüssen sich gerne mit klatschenden Handschlägen. Also nicht der klassische, sondern der coole, mit dem Unterarm hochgereckt und 45 Grad geneigt. Nicht nur weil es Buddy-Style ist. Sobald sich der feine Schleier der stiebenden Schweisstropfen verflüchtigt hat, können sie ihren Bizeps vergleichen. Der Laie kann nur staunen, wie man so verkrampft und dynamisch zugleich die Hand schütteln kann.

Erwische ich Sprachfetzen, dreht es sich um Autos, Chicks, Autos, Training, Chicks oder sie streicheln einander stumm die Muskeln und betrachten sich in einem Augenblick inniger Verbundenheit im Spiegel. Die Arme um die Schultern und gegenseitig das Waschbrett befühlend.
A propos Chicks; Ich weiss nicht ob Frauen trainieren. Einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen passt nicht in meine drei-Monatsplanung, also richte ich den Blick gegen den durchgetretenen Boden. Irgendwann werden sie mich wohl die Treppe hinunter stossen, weil meine Reserviertheit als Ignoranz interpretiert wird. An manch Orten der Schweiz ist es etwas schwierig, einfach nur in die Welt zu gucken, ohne jemanden zu beleidigen.

Die angenehme Seite, dass jeder Trainieren kann wie er will, ohne dass ein Aufpasser reinquatscht lässt einem einerseits am Sinn der Krankenkassenrückerstattung zweifeln, zum anderen bietet es manch heiteren Anblick.

Da hängt schon einmal ein alternder Herr in Jeans, Hemd und löchrigen Lackschuhen auf der Hantelbank und treibt irgendwas, was entfernt an einen Workout erinnert. Auch muss man sich nicht wundern, wenn ein Danny Zuko-Verschnitt in Stiefeln mit Absatz und Fransenjacke auf dem Laufband sprintet, als sässe ihm die County-Police im Nacken.
Einer meiner Favoriten ist irgendwie weiblich. So genau sieht man dies nicht. Etwas beleibter, die Liedschatten über die Stirn spitz zulaufend zum Haaransatz hochgezogen. Die Finger enden in Krallen. Aufgesetzte Nägel, zwei Zentimeter lange tödliche Spitzen. Tippt sie auf ihrem Smartphone, und sie tippt oft, klingt es wie Mäusegetrappel in einem Schuhkarton. Sie bewegt an den Maschinen beeindruckende Gewichte. Über einen Weg von drei Zentimetern, in atemberaubenden Tempo hoch und runter. Dabei folgt sie mit den Pupillen der weitaufgerissenen Augen ihren Handgelenken. Beindruckt und zufrieden lächelnd. Gerne würde ich sie filmen, aber ich habe Angst vor einem Zigeunerfluch. Oder Krallen in meinem Gesicht.

Irgendwann kommt man in die Umkleide. Nicht dass ich mich umziehen würde. Im Gegenteil, ich verbrenne die Shirts auf dem Vorplatz und steige nackig ins Auto. Würde ich gerne. Alternativ habe ich den Sitz mit einem Schutz versehen und reinige das Volant und den Schaltknüppel intensiver, als ein Chirurg sein Werkzeug. Selbstverständlich wasche ich vor dem Verlassen des Centers die Hände und bediene alle Türen nur noch mit den Füssen; Kurz, ich verhalte mich wie an einer deutschen Autobahnraststätte.
In der Umkleide kommen die Poser erst in Fahrt. Nackig vor dem Spiegel. Kein Scherz. Ich will nicht behaupten, ausgesprochen prüde zu sein, aber bin doch peinlich berührt. Zumal diese Neu-Schweizer die Eigenschaft haben, beim Sprechen immer wieder ihr Gemächt (Gemächtchen) zu kratzen. Gut, ich verstehe die Worte nicht, aber sie können ja nicht jedesmal über Sackläuse sprechen.
Sind es nicht die posierenden Shipis, stehen nackte alte Männer mit stattlichen Bierbäuchen herum. Die kratzen sich wenigstens nicht am Sack, weil der Durchschnittsarm nun einmal eine beschränkte Länge hat. Vor dem Gang in die Sauna – ich würde mir die Haut vom Leibe reissen, müsste ich einen Fuss in selbige setzen – pflegen sie im Kreis zu gehen oder da sie schonmal nackig sind, ans Pissoir zu stehen.
Eine rundherum abstossende Sache.

Mittlerweile bin ich etwas verwirrt. Wird die Welt immer abgedrehter und ich vermag nicht Schritt zu halten, oder habe ich ein Händchen, die absurdesten Orte der Welt zu finden?

Veröffentlicht unter Hossa, Pub, Strong Enough | Kommentare deaktiviert für Neulich im Fitnesscenter