Schwiegertochter gesucht 2015 – Die Vorstellung

Die Einschläge kommen näher.
Ich spreche nicht von den düster gerahmten, mit bedrückenden Worten gefüllten Anzeigen in der Tageszeitung, nein, ich habe „Schwiegertochter gesucht“ geguckt. Die gefühlte Staffel 325, an omnipräsenz nur noch von Oli Geissens Chartshow übertroffen. Mit einem leicht panischen Anflug stellte ich fest, dass die angebotenen, schwer vermittelbaren Muttersöhnchen sich mittlerweile in meinem Alter befinden. Oder ich mich in ihrem, was mich irgendwie auch in diese Kiste steckt.

Die einstige Wurst am Mittag, Vera Int-Veen, machte sich auf und präsentierte neue Schwiegersöhne und altbekannten Quotengaranten.schwiegertochter-gesucht

Wie starten im romantischen Rheinland mit dem fitnessbegeisterten Fantasyfreund Ingo, seinem dauerlüsternen Papa Luz und der kettenrauchenden Mama Birgit. RTL spielt gerne mit den Adjektiven.
Die Hauswirtschaftshelferin Steffi eroberte das Herz des charismatischen Karoliebhabers im Sturm. Also Karo ist das Muster der Zeltplanen, welche er sich um den fitnessgestählten Leib wickelt und nicht etwa eine Nachbarin. Das Herz von Ingo zu erobern ist nun nicht die grosse Herausforderung, der gute Ingo nimmt, was ihm Vera durch die Türe schiebt. Papa Luz, welcher auch den Stadtbus rammeln würde, so dieser einen Rock trüge, bestärkt ihn in seiner Wahl stets mit guten Tipps, bei Bedarf auch via Ferngespräch in eine Pariser Telefonzelle.
Steffi war schon die zweite Frau seines Lebens – und dies mit knackigen 24 Jahren und durch die Haare wachsender Kopfhaut – dennoch hat sie gleich nach Drehschluss Fersengeld gegeben und so ist der Fantasy-Autor, er schreibt sein zweites Buch, wieder auf der Balz.
RTL lässt ihn nicht im Regen stehen und hat Papa Luz Beates Nummer zugeschoben. Während Mutter Birgit eine Fluppe ansteckt, ruft Papa Luz ganz spontan im beschaulichen Bayern an und wie der Zufall so spielt, steht dort auch gleich ein RTL-Team im Wohnzimmer. Wobei der Verdacht besteht, dass RTL immer ein Team bei Beate hat.
Auf dem Sofa die Beate. Zur Linken die Mutter, welche als Anstandsdame fungiert und ums Eck der Papa, welcher wie eh und je, und er solls dem lieben Gott danken, irgendwie von allem nichts richtig mitkriegt.

Siegfried 48, seit 20 Jahren Single, wünscht sich nichts mehr als eine Organspende. Also er will spenden. Sein grosses Herz möchte er einer Frau geben. Seit 15 Jahren sammelt er Zucker, ein schönes anständiges Hobby. Natürlich nicht die grossen Säcke aus dem Supermarkt, sondern die kleinen Kaffeebeilagen, welche er in seinem Kinderzimmer in Tupperware-Schalen hortet wie ein Eichhörnchen.
Mein lieber Scholli. Manch Oma war kriegstraumatisiert und die Erben fanden Wandschränke voller Zuckersäckchen. Ist nachvollziehbar. Aber wenn einem 48-jährigen Mann keiner auf den Kopf haut und beim Anblick der 13’000 süssen Tüten nachfragt, ob hier drin noch alles am richtigen Platz sei, grenzt dies an unterlassener Hilfeleistung.
Seine Frau muss sein Hobby teilen und sich dafür interessieren.
Dies erklärt natürlich in gewisser Weise sein 20-jähriges Single-Dasein.

Mutter Erna, 78, verrät, dass der Siegfried lieber von einem Menschen zurück geht als wie er einen Menschen ansprechen tät. Original-Ton.

Der humorvolle Handwerker Christian ist 32 und will endlich nageln.
Mutter Ute, 54, gibt zu verstehen, dass sie nun auch bereit wäre und Christian das Projekt Frau angehen könnte. Solange gehen die beiden gerne miteinander in die Sauna, sitzen sich gegenüber und tauschen sich aus.
Zu den Dingen welche ich nie erleben möchte, zählt definitiv ein Saunagang mit der Mutter. Mit der Schwiegermutter schon gleich dreimal nicht. Nein, genau so wenig. Aber villeicht bin ich da etwas sehr verkorkst.

Der Lothar ist 54, Single seit 1996, wohnt mit seiner Mutti zusammen, hat einen Fliesentisch und 50 Hühner. Mit diesen möchte er sich gerne selbständig machen, solange ist er Gebäudereiniger.
Seine Frau müsste einfach anders kochen als seine Mutti. Mehr Ansprüche hat er nicht. Junge, geh McDonald. Oder nimm dir den Dieter…

Der Dieter, 36, backt gerne Muffis (Muffins, Anm. d. Red), hat ein Puzzle von Neuschwanstein an der Wand und verlässt sein Haus nie. Er hätte eben die richtige noch nicht getroffen um das Haus zu verlassen.
Ist eine Einstellung, kann man so stehen lassen.
Solange baut er Modelle und wartet. Rufen sie jetzt an um den schüchternen Dieter zu treffen.

In Bayern setzen Beate und Mutter Irene auf Alkohol um Ingo gefügig zu machen. Eine Fruchtbowle muss her.
Man nehme:
2-3 Flaschen Keller Geister (also Kellergeister, ein Perlwein mit mind. 7 % Alkohol)
2-3 Dosen Mandarinen (wusste nicht, dass es diese in Dosen gibt)
1 Flasche Sekt (mindestens 10 % Alkohol
1 gute, halbe Flasche Brandwein (also Branntwein, mind. 15 % Alkohol
1 grosse Packung Zucker (oder auch mehr)
eine Idee Sprudelwasser (lieber etwas weniger)

Abgesehen davon, dass vom Mund bis Schliessmuskel hernach alles zusammenklebt, wird die Brühe wohl kräftig reinhauen. Ob es genügt, sich Beate schön zu saufen sei dahingestellt. Immerhin ist da ein ziemlich dominanter, stattlicher Damenschnurrbart und Oberschenkel wie Unterarme sind auch ganz ordentlich buschig.
Aber, so klärte mich Bella auf, es gibt keine hässlichen Frauen!

Der Thomas ist auch wieder im Rennen.
„Beate“, an Förmlichkeit nicht zu übertreffen, „hast du Lust mit mir gemeinsam eine Nacht zu verbringen?“; sprach er letztes Jahr in Bali. Im figurbetonten, vollsynthetischen Funktionsshirt und eine Kik-Shorts, welche er bis knapp unter die Achseln zu ziehen pflegte. Auf den Stockzähnen grinsend, dass mich deucht, RTL hätte ihm diese Worte in den knochigen Kiefer gelegt.
Da hat er die Rechnung ohne Mama Ingrid gemacht, welche ihre Prinzessin doch nicht dem erstbesten Lüstling in die Kiste wirft.
„Nä!“, war die Antwort.
Um dem Ganzen noch einen draufzusetzen, hat ‚jemand‘ (RTL?) der Beate gesteckt, dass Thomas‘ Mutter die Beate im Fernsehen gesehen hätte und als „grotten-hässlich“ bezeichnet hätte. Es muss sie also doch geben, die hässlichen Frauen.
Man muss der Beate zugestehen, und dies rettet RTL wohl auch vor einer Klage wegen der Zurschaustellung von Menschen mit einer Beeinträchtigung, dass sie ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein hat. Selbst als Vera ihr ins Gewissen redet, sie darauf hinweist, keine Bachlorette zu sein und, auf gut deutsch, einmal nehmen muss, was sie kriegen kann, hat sie nur stolze Verachtung für die Moderatorin übrig.

Vierhundert Kilogramm, oder drei Personen, treffen im schönen Bayern ein. Super-Ingo mit Familie besuchen Beate. Papa Luz will Schlachtpläne entwickeln, wie man die Problemkinder unterbringen kann.
Beate hat die Vermutung, sie schmeisse ihr Herz den Männern zu schnell hin.
Nun gut, sich etwas rar und interessant machen klappt im Prinzip ja schon, aber auch mit Perlmutt-Türklinke bleibt ein Dixi-Klo ein mobiler Donnerbalken. Aber dies ist meine Sichtweise.
Der Ingo hingegen kommt zur Einsicht, dass er vielleicht mit dem Heiratsantrag etwas schnell zur Hand ist. Kennenlernen und heiraten innerhalb zwei Monaten könne die eine oder andere Frau etwas abschrecken.
Nicht unbedingt, lieber Ingo, wenn ich korrigieren darf. Nicht, wenn du einen acht bis neunstelligen Betrag in deinem Sparschweinchen hast. Aber solange du noch oben bei Mutti im Kinderzimmer wohnst, wäre es möglich, dass dies der springende Punkt ist, da hast du recht.
Nun möchte er jedenfalls langsam den Grundstein legen und eine Paramide, ja Paramide, aufbauen. Wir sind gespannt!

Im reizvollen Ruhrgebiet wohnt der Maik, 38 Jahre, und hat ein zwei Meter grosses Herz.
Er kuschelt gerne mit seiner Mama und ist auch sonst ganz ein lieber, guter Junge.
„Ich würde schon gerne mal eine Frau im Arm haben“
„Ach komm, wir kuscheln mal“; spricht die Mama. Verrucht, rauchig, wie in einem Inzest-Porno-Streifen. Hat ein Kollege gesagt, der jemanden kennt, welcher schon einmal gehört hat wie jemand einen solchen Film gesehen hat.
Selber länger Single als eine Hand Finger hat, bin ich mir des Sitzens im Glashaus bewusst. Dennoch behaupte ich zu wissen, Frauen wollen keinen lieben Kerl. Ausser er hat ein volles Sparschwein.
Frauen wollen auch keinen, der seine Mutti kuschelt. Ausser er ist Italiener, mit einem ganz innigen Verhältnis zu seiner Mamma und Nonna, dann ist dies irgendwie etwas anderes.
Aber gewiss wollen Frauen keinen 38-jährigen Zwei-Meter-Mann aus dem Ruhrpott im H&M-Streifenhemd, welcher gerne mit Mami kuschelt und bei Mutti seine eigene Nasch-Schublade hat, weil er solch ein Schleckermäulchen ist.
Ich behaupte, würde sich jemals einer zum Verkauf bieten, welcher vom lieben Gott nicht kurz vor Feierabend gemacht wurde und unter Umständen noch eine patente Person wäre, die RTL-Drehbuchautoren und Kameramänner des Teufels würden ihn trotzdem als kompletten Trostpreis präsentieren.

Sie haben noch mehr vorgestellt, aber ich mag nicht mehr gucken. Muss reichen für heute.

 

 

 

 

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Landesverweis mit Status NEE, wie weiter?

Achmed hat mich weiter beschäftigt.
Ich durchforstete das Online-Archiv meiner Tageszeitung, eine tolle Sache, nach Gerichtsurteilen.
Wir wissen ja, die Verhältnismässigkeit der Schweizer Gerichtsbarkeit sorgt bisweilen für etwas Verwunderung. Gerade im Bereich des Strassenverkehrs wird die Todessstrafe nur ausgesetzt, weil es wirtschaftlich nicht vertretbar ist, dass man die gute Milchkuh zum Schlachter führt.

So wird in der Schweiz eine Geschwindigkeitsübertretung ohne weitere Folgen härter bestraft, als wenn man unter Zuhilfenahme eines Fahrzeugs wirklich jemanden um die Ecke bringt.

bekiffter-rentnerWie wir sehen, wird das Lenken eines Fahrzeugs in bekifftem Zustand begrüsst, während ein konzentriertes Schnellfahren eine höchst fahrlässige Handlung darstellt.

busseAlso unter uns Pastorentöchtern; Nicht, dass ich das Schnellfahren per se verniedlichen will, aber auf dieser Strecke, zur Rechten nur noch Industriebauten mit Kein-Vortritt-Einfahrten und zur Linken Ackerbaufläche, fuhr gewiss mancher unter uns schon unbeabsichtigt schneller als die zugestandenen 50 km/h.

Während der Durchforstung der Urteilssprüche weckte aufgrund der parallelen zu unserem Achmed folgender Fall mein Interesse.
asylbewerberUnbeantwortet blieb ja die Frage, warum Achmed trotz der Auflage das Land zu verlassen noch hier war und was er trieb.

Nennen wir den Iraner Hussein.
Hussein hatte im Dezember 2014 eine handgreifliche Diskussion, aufgrund derer ihm eine Haftstrafe von 10 Monaten auferlegt wurde. Am 9. Juni des Jahres 2005 hatte er diese abgesessen und hätte darauhin das Land verlassen müssen. Es ist eine Schweizer Eigenheit, dass wir böse Buben gerne noch etwas einsperren, bevor wir sie bitten, das Land zu verlassen. Das Geld der öffentlichen Hand wächst gewissermassen ja auch auf den Bäumen und dies jedes Jahr aufs Neue, da muss man nicht haushälterisch sein.

Ein Asylbewerber mit dem Status NEE (Nichteintretensentscheid) erhält eine Tagesfahrkarte für die SBB, damit er mit selbiger in seine Botschaft fährt und seine Reisevorbereitungen treffen kann. Ein NEE erhält man, wenn eine Rückkehr in das Heimatland zumutbar ist und/oder der Asylbewerber ein kleiner Spitzbube ist und sich mit der Schweizer Gesetzgebung etwas schwierig tut. Wieviel Schabernack man treiben muss und was zumutbar ist, da streiten sich im Moment das Linke und Rechte Lager. Während Toni Brunner der Meinung ist, wer hier sei hätte sich ohne wenn und aber an das Gesetz zu halten oder sollte nach Hause gehen, vertritt Frau Sommaruga die Meinung, dass eine aufgeschlitzte Kehle nicht im Grundsatz ein schweres Delikt sei und man die Fälle sehr differenziert betrachten soll.

Mit der Ausreise ist es so eine Sache.
Einerseits muss der abgewiesene Asylbewerber auch wirklich nach Hause wollen, anderseits muss der Heimatstaat ihn auch wieder aufnehmen wollen. Dies wird mit gegenseitiger Unterzeichnung der Reisepapiere zum Ausdruck gebracht. Stellt sich hier einer quer, ist die gesamte Geschichte hinfällig. Des weiteren tragen die wenigsten Asylanten ihre Ausweise wie ein Ferien(s)pass um den Hals, eher drehen diese in einer Kläranlage ihre Kreise, was die ganze Sache beinahe unmöglich macht.
In Ausschaffungshaft kann man einen des Landes verwiesenen Spitzbuben übrigens nicht nehmen. Dies geht nur, wenn eine Rückführung absehbar ist. Klingt merkwürdig, ist aber so.

Nun spazierte der frisch entlassene Hussein an diesem sonnigen Montag vom Gefängnis in Richtung Bahnhof, als er zur Linken das Sozialamt sah. Kurzerhand drehte er auf dem Absatz links herum und beantragte Sozialhilfe.
Was ihm mit dem Status NEE auch zusteht, so das Schweizer Gesetz. Im Gegensatz zu den allgemeinen Regeln des Miteinander, werden Asylbewerber von der Flüchtlingshilf mittels Flyer über ihre Rechte sehr genau aufgeklärt. Erhält er diese nicht, stellt ihm die Schweiz einen Rechtsanwalt zur Seite, welcher wiederum die Schweiz wegen unterlassener Hilfeleistung einklagt. Also gibt man besser gleich eine Tüte Geld, bevor sich der Hund in den eigenen Schwanz beisst.

Nun genoss Hussein also seinen Urlaub im kleinen Paradies und nuckelte regelmässig an der Zitze des Sozialamtes.
Bis er am 19. Juli im Mosergarten über zwei Polizisten stolperte welche ihm nahelegten, er möge doch in den nächsten drei Monaten seinen Auflagen nachkommen und die Schweiz verlassen.
Diese Dreistigkeit lag Hussein derart quer im Hals, dass er schnurstracks in der Sunset-Bar seinen Ärger hinunterspühlen musste. Dort musste ihm nochmals ein Einheimischer blöd gekommen sein, jedenfalls flogen die Caipirinha-Gläser kreuz und quer durch das Lokal. Was ein Caipirinha-Glas von einem normalen Trinkglas unterscheidet weiss ich nicht, aber das Gericht legte Wert darauf, dass es eben ein Caipirinha-Glas war. Vielleicht ist es etwas filigraner als ein Bierhumpen mit Zinndeckel und daher auch nicht so schwer zu gewichten.
Der Wirt fürchtete um Inventar und Gäste, griff ein, worauf ihm ein Caipirinha-Glas über den Schädel gezogen wurde.
Erbost von diesem ungastlichen Gebaren der Schweizer, stapfte Hussein zeternd und schimpfend wie Rumpelstilzchen über den Bahnhofplatz, wo er von der Polizei aufgegriffen und eingesperrt wurde.

Wegen des Rausches sei ihm leider jegliche Erinnerung abhanden gekommen, liess Hussein während der Verhandlung durch seinen Anwalt verkünden. Daraufhin wäre für ihn die Sache eigentlich erledigt.
Aber er möchte sich durchaus kooperativ zeigen, möchten wir nicht unerwähnt lassen. Er würde 5 Monate bedingt akzeptieren, so diese in eine Massnahme umgewandelt werden, im Zuge derer er in einer Klinik von seinem Alkoholproblem geheilt würde. Asylanten mit dem NEE haben Anrecht auf medizinische Hilfe, dies klingt doch durchaus annehmbar.
Des weiteren sei er über seine Ausreisepflicht ungenügend informiert worden, zudem sei die Reiseorganisation furchtbar lausig gewesen, so der Herr Anwalt weiter.

Der Richter, muss von altem Schrot und Korn gewesen sein, pfiff auf des Anwalts Traumpalast und verordnete 12 Monate Haft. Unbedingt. Daraufhin ein Landesverweis für sieben Jahre. Wobei wir dann wieder gleich weit wären wie am 9. Juni 2005.
Hier verliere ich die Spur. Es wäre der Recherche zuträglicher, wenn die Medien Namen drucken würden.

Ob die im Iran ihren Hussein wieder möchten ist offen und für eine Zwangsausschaffung muss der Zwangsauszuschaffende seine schriftliche Einwilligung geben.
Klingt abermals komisch, ist aber so.
Wobei; Die Schaffhauser haben sich letztmalig im Jahre 1982 an der Urne per Stimmabgabe ausgesprochen, dass sie gebüsst werden wollen, wenn sie keine Stimme abgeben.

Also so merkwürdig ist dies in Schilda gar nicht.

Zumindest wissen wir nun, was ein Asylbewerber so treibt, wenn er von der Gerichtsbarkeit aufgefordert wird, das Land zu verlassen. Wie der Fall Achmed zeigt, sind die Schaffhauser etwas überfordert, wenn einer der Aufforderung nachkommt, wie auch im Fall Hussein, wenn einer partout nicht gehen will.

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Schaffhauser Justiz in Bestform

Nach erstmaligem Durchlesen verlor ich nach wenigen Zeilen den Überblick. Auch ein wiederholtes, etwas intensiveres, Studium des Textes vermochte nicht die notwendigen Brücken zum Allgemeinverständnis zu schlagen. Also begann ich die ganze Geschichte mit meinen Worten niederzuschreiben.
Ich möchte damit nicht Herrn Robin Blanck ins Gärtchen treten, es liegt zweifelsohne daran, dass man alleine mit gesundem Menschenverstand, gewisse Dinge nicht versteht.

Unserer ordentlichen Schweizer Gerichtbarkeit wurde ein Marokkaner zugeführt, nennen wir ihn der Einfachheit halber Achmed.

Wo wir gleich bei Namen sind, ein heisses Eisen. Nenne ich Herbert einen Vollpfosten, dann ist dies wohl eine unfeine Aussage, gerechtfertigt oder nicht wird eine ungeregelte Ansichtssache bleiben.
Nenne ich Herbert einen schweizer Vollpfosten, klingt dies merkwürdig, ist aber nicht weiter von Belang. Und damit hat sich die Geschichte.
Nenne ich jedoch einen türkischstämmigen Bürger einen türkischen Vollpfosten, ist dies eine Ehrverletzung, welche die Schaffhauser Gerichtsbarkeit mit 950 Franken zu büssen pflegt.
Gehört in dieselbe Sparte wie der Unterschied zwischen einer mit Edelweiss-Motiven bestickten Kutte und einem T-Shirt mit einem aufgedrucken doppelköpfigen Adler.schwinger-hemd So, nun zurück zu unserem Achmed aus dem schönen Marokko.

Achmed ist eine frohe Natur, bisweilen vielleicht ein wenig impulsiv. Die Schweizer haben einfach noch nicht das richtige Fingerspitzengefühl entwickelt. So geschah es, dass im Herbst letzten Jahres Achmed den Leiter der Unterkunft für Asylsuchende an den Haaren riss und ihm einen Kopfstoss versetzte. Auf dem Fussballplatz wird dies mit 7500 Franken Busse geahndet, wir entsinnen uns an die WM 2006.
Unser Achmed wird daraufhin in den Container für ungezogene Asylanten gesperrt.
Dies klingt jetzt schrecklicher als es ist. Für maximal drei Monate kann ein schlecht assimilierter, papierloser Eingereister in diesen Bungalow ‚gesperrt‘ werden.
Das Ferienhäuschen befindet sich im Schweizersbild. Ausgestattet mit Schlafzimmer, Fernseher, Küche, Bad und einem kleinen Gartensitzplatz. Ein normales Gefängnis eben. Für schlappe 90’000 Franken auch nahezu ein Schnäppchen.
Der gravierende Unterschied zum Knast, in welchem etwa zahlungsunfähige Temposünder einsitzen, liegt darin, dass sich der Insasse aus freien Stücken Abends um sieben in selbigen zu begeben hat und sich morgens um sieben, so er das möchte, auch wieder entlässt. Des weiteren wird die Gefängnistür von innen, also dem Bewohner selbst, zugesperrt.

Nun war es so, dass sich Achmed in diesen Räumlichkeiten nicht besonders wohlfühlte und in einem Anfall von Eigeninitiative begann das Häuschen neu einzurichten. Dies mit einem bewundernswerten Engagement.
Als die Polizei am Morgen des 26. September 2014 mit kuhwarmer Milch und frischen Croissantes * im Schweizersbild eintraf, war Achmed gerade nicht zugegen. Doch er hat eine Visitenkarte hinterlassen; Aufgrund von Achmeds Umbauarbeiten wäre der Bungalow gemäss Sozialamt für zehn Tage nicht mehr bewohnbar und der Schaden belaufe sich auf mehreren tausend Franken. Sobald der erste Schrecken verflogen sei, gedachte das Sozialamt bei der Polizei Anzeige erstatten.
* (Spekulation des Autors, Anm. d. Red.)

Nun, Achmed kehrte auch des Abends nicht zurück. Mit einer Träne im Knopfloch mussten die Behörden feststellen, dass er das Land wohl verlassen hätte.

Drehen wir das Rad der Zeit etwas zurück und betrachten Achmed’s Leidensweg.

Im Februar 2008 wurde das Asylgesuch von Achmed abgelehnt und er wäre daraufhin verpflichtet gewesen die Schweiz zu verlassen. Doch da gilt es einen Dienstweg einzuhalten, es wird nicht einfach über die Grenze ins Ausland geschlurft.
Sei es nun weil die Armee ihr Transportflugzeug noch nicht hat, oder Achmed über seine Verpflichtungen nie richtig aufgeklärt wurde, jedenfalls blieb er in unserem kleinen Land. Nicht untätig, hier ist der Bericht etwas schwammig, doch hie und da befand er sich gemäss dem Artikel in Haft. Nun ist der Aufenthalt in der Haft ein legitimer Aufenthalt in der schönen Schweiz, so kann man Achmed ein rechtswidriger Aufenthalt eigentlich nur vom Juli 14 bis im September 14 zum Vorwurf machen.
Würde es nach den Linken gehen, wäre eine ordentliche Einbürgerung wohl bereits überfällig.
Doch dafür hatte der gute Marokkaner beleibe keine Zeit, denn in den zwei Wochen vor dem Einzug in besagten Container, hatte er noch eine Ersatzfreiheitsstrafe abzusitzen. Eine Ersatzfreiheitsstrafe bedeutet, dass jemand anstelle der Begleichung einer Busse in das Hotel Staat zieht und für freie Kost und Logis einige Tage in der Zelle schläft.

Nun wurde er also am 24. September 2014 aus dem Gefängnis entlassen und sollte am 25. September wegen des tätlichen Übergriffes in den Bungalow im Schweizersbild ziehen.

Ich habe ja gesagt, die Geschichte ist etwas schwierig zu verstehen.

Am 26. September, wie erwähnt, war Achmed also über alle Berge.
Am Stammtisch würde man wohl sagen; Dahin zurück wo er hingehört, wir hätten nun etwas Lehrgeld gezahlt, aber das ‚Problem‘ hat sich von alleine erledigt. No en Kafi im Glas und zwei Chrummi, Rosmarie!

Doch in der Verwaltung sitzen keine Stammtischler und so haben wir es nur ihren Bemühungen zu verdanken, dass Achmed am Kragen gepackt und in die Schweiz zurückgeschleift wurde. Wäre ja noch schöner, wenn jeder Asylbewerber auf eigene Faust die Schweiz wieder verlassen würde, wo kämen wir da hin?
Also holen wir den abgewiesenen Asylbewerber, welchen wir vor sieben Jahren des Landes verwiesen hatten, wieder zurück, um ihn zu büssen.
Wir finanzieren nun drei Monate Gefängnis, daraufhin wird er noch die Ersatzstrafe für die 600 Franken Staatsgebühr absitzen müssen. In der Schweiz ist der Mindesttagessatz 10 Franken, was nochmals zwei Monate bedeutet. Das soll dem kleinen Schlingel eine Lehre sein!
Danach geht es auf Reisen. Wir werden Achmed zurück schaffen, denn eigentlich hat er gar nicht hier zu sein. Unter Umständen muss sich der Gute noch gedulden, denn seit das Bundesamt für Migration im Jahre 2008 ein Privatflugzeug für die Ausschaffung zweier Asylbewerber nach Ghana charterte, ist die Bevölkerung hinsichtlich der Kosten für diese Reisen etwas sensibilisiert.

ausschaffung

Für Achmed müsste man wohl ein kleines Häuschen bauen.
In der Asylunterkunft ist kein Platz für sogenannte renitente, ein hässliches Wort, Asylanten und für den Bungalow im Schweizersbild wurde über Achmed während seiner auslandsbedingten Abwesenheit vom Sozialamt ein Zutrittsverbot verhängt.

Der Bungalow…. War da nicht noch eine Anzeige offen?
Diese ging leider unter, obwohl die Staatsanwaltschaft des öfteren beim Sozialamt nachhakte. Aber dies sei rückblickend nicht weiter tragisch, da sich der Ersatz eines Feuerlöschers und der Fensterscheibe nicht auf mehreren Tausend Franken belief, sondern im Endeffekt mit 250 Franken zu Buche schlägt. Auch das Strafmass wäre kaum erhöht worden, hätte man die Sachbeschädigung auch noch zur Anzeige gebracht. So der Herr Roost des Sozialamtes.
Manchmal muss man eine fünf gerade sein lassen. Ich bin beruhigt. Mein Gefühl für Verhältnismässigkeit geriet leicht durcheinander, als mich die Steuerbehörde mit einer Betreibung über 90 Franken überraschte, da ich beim E-Banking durch einen Zahlendreher unbeabsichtigt die Steuerschuld nach unten korrigierte. Auch der ein oder andere Sprayer wird aufatmen, da das Strafmass für Sachbeschädigungen künftig vernachlässigbar sein wird.

Bleibt noch die Missachtung der Eingrenzung. Wir entsinnen uns, der Asylbewerber hätte sich selbst von 7 bis 7 Uhr einzuschliessen.
Da hat die Justiz einen richtigen Homer gebaut.

homerDurch die unbewachte Selbsteinschliessung kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass Achmed sich auch wirklich selbständig in den Vollzug gebracht hatte. Mit anderen Worten, man kann nicht beweisen, dass die Verwüstung des Containers auf Achmeds Kosten geht. Im Zweifel für den Angeklagten.

Es geht noch eine Idee verzwickter.
Obwohl Achmed sich auch nach dem 26. September noch Abend für Abend selbst einschliessen sollte, erliess das Sozialamt ein Hausverbot.
Wäre Achmed am 26. September 2014 nun noch hier gewesen und hätte sich des Abends gemäss Auflage um sieben in den Container geschlossen, hätte er sich eine Zuwiderhandlung gegen das Hausverbot zur Last gelegt.
Wäre Achmed am 26. September 2014 nun noch hier gewesen und hätte dem Hausverbot Rechnung getragen, hätte er sich der Zuwiderhandlung der Einschliessauflage schuldig gemacht.
So nebenbei, Hausverbot im Gefängnis; Dies ist wohl die erste ‚Du kommst aus dem Gefängnis frei‘-Karte welche ausserhalb der Monopoly-Spielumgebung überreicht wurde. Die Schaffhauser sind einmal mehr Trendsetter.gefaengnis-frei

Minus mal minus gibt Plus.
Oder wie es die Richter betiteln, ein juristischer Widerspruch, woraufhin sich alles in Luft auflöst.

Puff.

Und damit endet der neuste Streich der Schildbürger.

schildbuerger

 

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Der (graue) Schatten bringt es an den Tag

Begeben wir uns in dunkle Abgründe. Ins Reich der Schatten. Heben die geklöppelte Tischdecke, schieben die Klatschnachrichten über Schwedens Thronerbin und Rudi Carrells verschwundenes Haus beiseite, greifen beherzt zum Hausfrauen-Porno, welcher zurzeit in aller Munde ist.

Mit der Sklavin des Wikingers habe ich bereits erste Schritte in dieses Metier gewagt, ohne jedoch überhaupt den schlüpfrigen Teil zu erreichen. Oder habe ihn überlesen, des Mannes Erwartung an lüsterne Gedankenschubser scheinen sich von den weiblichen ganz grundsätzlich zu unterscheiden. Man spricht nicht darüber. Oder sprach. Es hat sich nun einiges geändert. Nur schon, dass sich die Weiblichkeit öffentlich dazu bekennt, gelegentlich durchaus von unanständigen Gedanken getrieben zu werden, lässt die Erkennung der Nacktheit im Garten Eden zum harmlosen Doktorspiel verkommen.

Und wie die Damen sich bekennen!
Unser regionaler Multiplex-Tempel zelebrierte einen ‚Ladies at the Movies‘-Event. Wann immer mit einem Film das weibliche Publikum speziell angesprochen wird, ruft die Kinepolisgruppe von Benelux bis Zwitserland einen solchen aus. Nebst der Präsentation des Streifens, kann man sich im Rahmen dieses Gedankenpornos mit Liebeskugeln behängen und Handschellen-Schwingend den Alltag vergessen, während man die frisch aufgelegte Föhnwelle an Giorgio Risotto’s eingeölter Adonis-Brust reibt.

Twilight habe ich gelesen, ich bin einer der vier Männer weltweit. Davon ausgehend, dass ein Pattinson und Lautner zur Studie der Lektüre gezwungen wurden. So schlecht ist dies Werk gar nicht, gestehe ich freimütig zu. Sogar das Spin-Off ‚Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl‘ gönnte ich mir. Im Zuge der konsequenten Verarbeitung der gesamten Geschichte, sollte ich mir E. L. James Fifty Shades of Grey wohl auch noch geben.
Ihr fragt warum.
In Twilight wurde ein Bett zerlegt, ein paar Daunenfedern durch die Luft gepustet und dem Leser zu verstehen geben, dass Vampire die ganze Nacht pimpern wie die Karnickel, da Vampire Mangels Schlafbedarf sonst nicht viel zu tun haben und zu allem Elend auch nie müde werden oder zum Ende kommen. Es ist dem Leser überlassen, seine Schlüsse zu ziehen, was anzustellen wäre, dass sich keine Langeweile einstellt, oder wie es klingt, wenn kristallene Leiber aufeinander klacken wie ein Windspiel im Föhnsturm.

Dies war einer Erika Leonard nicht genug, so setzte sich das Mutti zweier Söhne hin und schrieb den zwei Cullens ihre ganz private, leicht versaute Fan-Fiktion auf den blassen, steinharten Leib.bella-edwardGewiss, manch männlicher Kinobesucher, welcher zu seinem Glück gezwungen werden musste, hätte sich wohl eine Fesselszene mit Kristen Stewart gewünscht, aber den richtigen Fans zerstörte diese Fantasie die schöne Liebeswelt im Washington National Park. Die entsetzlich geschriebene Fortsetzungsgeschichte wurde von der Twilight-Fangemeinde nicht akzeptiert.
So schrieb die Frau Leonard fortan als E. L. James, die Geschichte nannte sich nicht mehr ‚The Master of the Universe‘ – vermied wohl auch einen Rechtsstreit mit Mattel – sondern Fifty Shades of Grey, aus Bella und Edward wurden Anastasia Steele und Christian Grey und vernachlässigte Hausfrauen rund um den Planeten sorgten für das am schnellsten verkaufte Taschenbuch der Welt.

Nicht zur Freude aller Frauen.leserbriefDas Entsetzen teilt sie mit manchen Frauen. Anscheinend sei der Film zu kuschelig und nicht annähernd so versaut, wie sich die ungezügelten Frauen dies erhofften. Ganz zu schweigen von den, wiederum, zu ihrem Glück gezwungenen Partnern.
Angesichts des weiteren Textes gehe ich jedoch davon aus, dass weder Buch noch Film, schon gar nicht der Gedanke, in unserer sittsamen Gesellschaft etwas zu suchen hätten. Wer in aller Welt sich etwas solches anschaut beantwortet die NZZ. Respektive deren youporn-Statistik. Es sind in etwa 20 Millionen Menschen. Täglich. Für acht Minuten, durchschnittlich. Also der ordentliche schweizerische Nicht-Vampir. Ob es sich hier explizit um Quälereien der Frau handelt, kann ich nicht beurteilen. Davon augehend, dass nach landläufiger Ansicht in diesen Pfui-Filmchen die Frau zum Objekt verkommt, kann man getrost von einer Geisselung sprechen.

Einerseits wird alles unternommen, um Mobbing in Schulen und am Arbeitsplatz zu verhindern, auf der anderen Seite ist es lustvoll, bei der Sexualität Sadomaso- Spiele zu machen und dies zum Vergnügen im Kino anzuschauen.

Absolut. Einerseits Sonnenschein, anderseits Kartoffel. Geht gar nicht. Gebe ich ihnen völlig recht, Frau D.H.
Bisweilen weise ich durchwegs weibliche Charakterzüge auf, verstehe mich darauf um sieben Ecken zu denken. Für normale Menschen nicht nachvollziehbar. Ich meine dies, sage das und zicke hernach, weil das Gegenüber jenes nicht versteht. Aber hier gerate ich an meine Grenzen.
Soll ich mich nun lustvoll in verbalen Fesseln winden, wenn ich am Arbeitsplatz gemobbt werde? Oder anstelle der Sado-Maso-Spiele, die Bettgespielin wegen des Snoopy-Pijama hänseln? Ohne dabei Lust zu empfinden! Wohlgemerkt. Und ins Kino soll ich sowieso nur noch mit Widerwillen gepeitscht oder genötigt werden. Jedoch keinesfalls lustvoll, Kino soll kein Vergnügen bereiten!
Irgendwie finde ich die Parallelen nicht.

Zu guter Letzt frage ich mich, wie gesellschaftsfähiger Sex aussieht. Oder welcher Sex würde eine Verherrlichung verdienen?
Wie testet man überhaupt die Gesellschaftsfähigkeit des eigenen Sex?
Am Mohrenbrunnen, Morgens um halb zehn mal eben spontan den Doggy Style oder die Powerpoint-Präsentation der Quartalszahlen mit ein paar Schlafzimmer-Selfies auflockern?

Also Freud würde gewiss diagnostizieren, dass Frau D. aus T. als gemobbtes Schulmädchen ein gewisses Lustempfinden empfand, aus Angst vor der Gesellschaft dies jedoch nicht verherrlichen wollte, deswegen eine Affinität zu nummerierten Kinosessel entwickelte und durch das Auftauchen solcher Lektüre und Verfilmungen einen Flashback fürchtet.
Und unter Penisneid leidet. Frustriertem Penisneid. Nur um sicher zu gehen.

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Im Namen der Blogger dieser Welt

Geschätzter Herr N,

angesichts Ihres Leitartikels der letzten Samstag-Ausgabe Ihrer Zeitung, wurde ich das Gefühl nicht los, in einen, in meine Richtung gereckten Zeigefinger zu starren.
Dies mag durchaus etwas anmassend klingen, doch sind mir neben meiner Wenigkeit nicht viele Schaffhauser Blogger bekannt.
Insbesondere wenn sich Ihr Groll gegen die, ich darf zitieren, ‚Rassisten und feige – anonyme – Heckenschützen‘ richtet, sehe ich mich vollends vor der Lanze des Ritters mit dem offenen Visier.

Ein Rassist ist man heute furchtbar schnell. Nicht, dass ich mich als Rassist bezeichnet fühlte, meines Erachtens ist man mit diesem Begriff nur etwas zügig bei der Hand. Da genügt ein wenig scheu gegenüber fremden Gepflogenheiten, eine Verschlossenheit gegenüber neuen Kulturen und man hat den Stempel. Es entspricht dem Zeitgeist, sendet ein den Menschen genehmeres Signal in die Welt, wenn man die Arme ausbreitet, sich hier ein wenig anpasst und dort eine Idee zurücksteckt, als wenn man konservativ seine Tür schliesst und ängstlich durch die Gardine auf das Weltgeschehen blickt.
Zudem dürfen wir nicht vergessen – und dies ist universell einsetzbar – die Welt von seiner eigenen Offenheit gegenüber allem und jedem zu überzeugen ist für den Augenblick am wirkungsvollsten, wenn man den Mangel an solch Tugenden einer anderen Person auf den Leib schreibt.

Nicht der Rassist, Herr N, mich kränkte die Bezeichung als feigen, anonymen Heckenschützen.
Sie sprechen Staaten an, in welchen die anonymen Publikationen als Widerstand gegen die Zensur und Einschränkung der Pressefreiheit verstanden werden, der Zweck heiligt die Mittel. Gehe ich mit Ihnen einig. In der Schweiz muss keiner befürchten, wegen einer spitzen Feder vor den Scharfrichter, im wahrsten Sinne des Wortes, geführt zu werden. Was jedoch nicht bedeutet, dass jegliche Meinungsäusserung toleriert wird und ohne Konsequenzen bleibt.

Jeder Zeitgenosse hat seine Interessen, tangiert das Weltgeschehen diese, bildet er sich eine Meinung. Sei es eine Krise in einem fernen Land, das Bankwesen oder die Tatsache, dass nachts um halb drei ein Hubschrauber über Schaffhausen kreist. Man tauscht sich aus, früher am Waschplatz oder Stammtisch, heute in sozialen Netzwerken oder ihm Rahmen eines Blogs.
Konnte Karl sich früher darauf verlassen, dass Fischer’s Hans nach dem Stamm nicht direkt zu Karls Chef rennt und ihm brühwarm auftischt, was besagtem Karl heute auf der Baustelle gegen den Strich lief, ist dies im World Wide Web etwas komplexer. Man kann sich darüber entrüsten, sich ein wenig sperren, doch ist es eine Tatsache, dass das Internet teil unseres Alltags ist und manche Aspekte desselbigen auch in diesem aufbereitet werden. Vor wenigen Jahren wäre dem Menschen nichts ferner gelegen, als sein Tagebuch im Rahmen einer Lesung vorzutragen, heute führt er einen Blog, schreibt seine Emotionen in soziale Netzwerke.

‚Wer isch da, wo ghört de ane, wa tuet de Vater?‘, hiess es noch, als ich ein kleiner Junge auf dem Land war. Vielleicht wusste die Nachbarin Bescheid. Heute tippt man den Namen in eine Suchmaschine und Google weiss es ganz sicher.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und ich möchte sagen, die Menschen sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst. Die Datenschützer haben ihren Teil dazu beigetragen, die Benutzer dieses Mediums sind sensibilisiert, sie setzen auf Anonymität, wie sie richtig bemerken.
Doch nicht jeder Blogger möchte im Zuge der Anonymität verschleiern, dass er in etwa seine Notdurft gerne gegen Polizeifahrzeuge verrichtet. Es ist auch nicht Feigheit, welche ihn daran hindert, mit Namen und Adresse zu seinen Texten zu stehen.
Etwa ein Roger Köppel lebt vom provokativen Charakter seiner Texte. Jedes Schienbein, gegen welches er tritt bedeutet einen Leser und nochmals einen als Bonus, welcher ihm für den Mut auf die Schulter klopft. Jeder Giftpfeil bringt bares Geld.
Jeglicher Veröffentlichung wohnt eine gewisse Hungrigkeit nach Anerkennung inne. Nicht nur als klingende Münze, sondern auch für das eigene Selbstwertgefühl. Auf diese muss ein Blogger weitgehend verzichten. Denn vielleicht verdient er seine Brötchen in einem Umfeld, in welchem seine Gedanken fehl am Platz wären, oder einfach nur falsch interpretiert werden könnten. Und man stelle sich vor, ein Artikel würde Wellen schlagen, welche gar seinen Arbeitgeber in ein falsches Licht rücken könnte.
Es wird ihm nicht der Prozess gemacht, es werden ihm keine Gliedmassen abgehackt, aber mit dem Verlust der Arbeitsstelle erhält die Bedrohung doch existenziellen Charakter.

Es ist also durchaus denkbar, dass manche Anonymität im Internet nicht auf Feigheit basiert, sondern zum Schutz gewählt wird. Und vielleicht wird dadurch auch manch wertvoller Denkanstoss geliefert, welcher aus Angst vor ungerechtfertigten Konsequenzen die vorgehaltene Hand nie passiert hätte. Das Internet ist beileibe kein Teufelsding, man muss lediglich etwas selektieren. Wie bei Tageszeitungen eben auch.

Mit freundlichen Grüssen

RAB

Veröffentlicht unter Kurz nachgedacht | Kommentare deaktiviert für Im Namen der Blogger dieser Welt