Devisenhandel für Dummies

Gestern fragte mich Cousinchen via Kurznachricht, was ich über diese ganze Eurodebatte denke. Die Frage ehrte mich, musste ihr jedoch eingestehen, dass ich von solchen Dingen zu wenig verstehe. Eigentlich gar nichts.

Bisweilen ist die Belastung, etwas nicht zu verstehen, vernachlässgbar, zuweilen nagt es schon an mir. Insbesondere, wenn einem alle Menschen im nahen Umfeld suggerieren, sie verstehen es schon, aber es wäre nun etwas zu komplex, dieses zu erklären.
Spätestens seit ich ‚Die Maus‚ gucke ist mir klar, man kann alles erklären.  Vorausgesetzt, man hat selber den Durchblick. Natürlich, ganz rudimentär, aber doch so, dass der Aufgeklärte einen Aufhängepunkt hat, sich weiter in die Materie zu vertiefen.

Die Hausfrau Hübeli kauft gerne ennet dem Balken ihr Toilettenpapier. Weil Toilettenpapier weder der Milchkuh Lisi noch dem Gemüsebauern Kari am Umsatz abgeht, schämt sie sich auch nicht dafür. Während sie hier für das Hakle, neu ohne Wundscheuern auch bei Dünnpfiff, 3.60 Franken zahlt, kostet es in Jestetten nur 2.40 €. Dies sind nach dem letzten Kurs (1 Fr. = 0.83 € / 1 € = 1.20 Fr.) 2.88 Franken. Man profitierte hauptsächlich vom Franken als harte Währung und den Unterschieden in der Kaufkraft. Die Kaufkraft gibt Auskunft darüber, wieviel Geld vom Einkommen nach Abzug aller Steuern und Abgaben im Geldbeutel verbleibt. Ist diese tief, werden auch die Preise für Güter des täglichen Bedarfs angepasst. Kommen also die Schweizer mit einem Kaufkraftindex von 280 nach Deutschland mit einem Kaufkraftindex von 169, wähnen sie sich im Schlaraffenland.
Dann noch die Mehrwertsteuer-Rückvergütung.
Diese in Kürze, warum man die Mehrwertsteuer zurück erhält, ist ein Kapitel für sich. Kaufe ich in Deutschland ein, bezahle ich 19% Mehrwertsteuer. Der Zoll bescheinigt, dass ich die Waren aus dem deutschen System entnommen habe und der Lieferant, also Karstadt etc, entrichtet mir daraufhin die Mehrwertsteuer zurück.
Der Einkauf in Deutschland ist also ein doppeltes Schnäppchen.

Wie jetzt, harte Währung?
Eine harte Währung bedeutet, eine stabile Investition. Niemand wird in Rubel investieren, wenn ich heute für zehn Rubel einen Laib Brot erhalte, morgen für denselben Preis jedoch nur noch eine Scheibe, weil das Geld nichts mehr wert ist.
Angebot und Nachfrage; Die Schweizer Wirtschaft giltet als stabil, dementsprechend interessant. Je mehr Leute ihr Vermögen in Franken anlegen, sprich, je mehr sie von ihrem eigenen Geld dafür zahlen müssen, desto stabiler bleibt er. Ein starker Franken. Dies hat bedingt auch mit den Währungsreserven zu tun.

Reserven? Also das Geld in der Matratze?
Gewissermassen. Wenn wir nun Gefahr laufen, dass der Franken nichts mehr wert wäre, bräuchten wir etwas als Gegenwert. Gold ist das leichtverständlichste. Gold ist physisch, kann gewogen werden, etwas stabiles. Des weiteren kann man Devisen bunkern, also einige Pakete Dollars. Da man, böse gesagt, Dollars einfach nachdrucken kann, hat der Internationale Währungsfonds noch das SZR, Sonderziehungsrecht, eingeführt. Eine Währung, nur auf dem Papier, welche nicht am Markt gehandelt wird, beim IWF aber theoretisch jederzeit in richtige Dollar eingelöst werden könnte. Das SZR ist quasi ein Körbchen voller Geld, aus den vier wichtigsten Währungen; dem amerikanischer Dollar, japanischen Yen, dem Euro und den britischen Pfund.
Gehen wir nicht näher darauf ein.

Warum druckt man dann nicht einfach mehr Geld?
Die beste Frage. Nun, geben wir jedem Schweizer doch einfach eine Million. Man müsste es nicht einmal drucken, wir zahlen ihm diese einfach auf das Konto. Eine Zahl, mehr nicht.
Was würden sie mit einer Million tun? Das Problem ist, dass langfristig keine Güter mit dem entsprechenden Gegenwert im Umlauf sind, respektive; Mit der Million auf dem Konto sind nicht plötzlich tausend Handwerksbetriebe mehr auf dem Markt, welche uns für die Million ein Haus bauen. Und warum sollten sie auch, sie haben selber eine Million, welche sie ausgeben müssen, sie haben keine Zeit zu bauen.
Was wir dennoch brauchen, sind Brot und Ravioli. Zum Beispiel. Diese produzieren sich nicht selbst, also müssen den Angestellten Anreize geschaffen werden, denn diese sind ja kürzlich Millionäre geworden. Um den höheren Lohn zu zahlen, müssen Brot und Ravioli eben teurer werden. Letzten Monat, hatten wir noch 6000 Franken, das Brot kostete 2.50 Franken. Gestern hatten wir eine Million, macht für das Pfund Brot 416 Franken. Unterm Strich haben wir nichts gewonnen.
Kaufen wir halt im Ausland. Doch was soll der Yachtbauer auf der anderen Seite des Bodensee mit einer Million Franken? Er kann damit in der Schweiz nicht mehr kaufen, als du und ich. Daher hätte er sein Geld gerne in einer stabilen Währung. Euro, Dollar oder Gold. Kein Problem, gehen wir zur Bank und wechseln das Geld. Ups. Die Bank musste den Euro ja auch kaufen, die kann ihn nicht selber drucken. Wir haben gesehen, das Brot ist um den Faktor 164 teurer als gestern. Was bedeutet, der Euro ist noch 0.0050 Franken wert. So kleine Münzen haben sie nicht, für den kleinsten Schein, 5 Euro müssten wir tausend Franken bezahlen. Unsere Million ist auch im Ausland nichts mehr wert. Dies bemerkte auch die Finanzwelt, welche sofort alle Franken abgestossen hat. Wir würden buchstäblich im Geld schwimmen, mehr könnten wir damit jedoch nichts mehr ausrichten.
Ich denke, dies mit dem Drucken lassen wir lieber.

Und manchmal drucken sie eben doch
Der stabile Franken treibt ausländische Investoren dazu, dem eher schwächelnden Euro zu entfliehen und sie horten Franken. Der Franken wird teurer, der Euro verliert an Wert. Ich produziere hier meine Tanzbären, seriös im Inland, zu Schweizer Preisen. Das Problem liegt darin, dass ich die Bärchen gerne in Deutschland verkaufen möchte. Das Bärchen kostet mich siebzig Franken in der Herstellung, in der Schweiz verkaufe ich es für 100 Franken. Ein teurer Tanzbär, aber der Aussagekraft willen müssen wir mit grossen Beträgen arbeiten. Im Ausland, muss ich dafür nur 95 Euro haben, da der Euro den Gegenwert von 1.20 Franken hat und ich somit meine Gewinnmarge von 30% erhalten kann.
Die Nationalbank sorgt für die Stabilität des Euro, indem sie ihm eine gewisse Attraktivität beimisst. Sie kauft und kauft und kauft… Unser Devisenlager steigt und steigt und steigt… Die Nationalbank wird anfälliger auf Kursschwankungen, da wir Milliarden an Euro im Keller haben. Steigt er, verdienen wir Geld, fällt er, verlieren wir Unsummen. Es ist eine Gratwanderung. Mit dem Drucken von Geld schwächt man den Franken, stützt die Wirtschaft, welche im Ausland zu „attraktiven“ Euro-Preisen verkaufen kann, geht aber das Risiko einer Inflation, siehe oben die Abwertung des Geldes, ein. Ein Tanz auf dem Feuer.

Warum ist der Euro nun gefallen
Wann immer der Euro drohte unter die 1.20 Franken-Marke zu fallen, kaufte die SNB Devisen ein. Nun hat jedoch der Euro dennoch an Wert verloren und zwar gegenüber dem Dollar. Da der Franken auf Gedeih und Verderben an den Euro gekoppelt war, riss dieser Kursverlust den Franken mit, was die SNB so nicht hinnehmen wollte. Die Stützung des Euros wurde aufgehoben.
Vergleichen wir mit dem Coop. Da sind noch säckeweise Christbaumanhänger im Regal. Diese braucht keiner mehr nach Weihnachten. Was machen wir? Halber Preis, viertel Preis… Der Wert der Anhänger sinkt gegen null.
Die Schweiz investiert keine Milliarden mehr, der Euro ist unattraktiv, er fällt auf etwas über 80 Rappen.
Die günstige Preis der Schokoanhänger lockt die Kunden, sie räumen das Regal. Der Hersteller kommt gerade eben raus.
Der Euro ist tief, dies ruft die Spekulanten auf den Plan. Von der Hausfrau bis zum professionellen Devisenhändler. Der Euro zieht wieder leicht an, der Wechselkurs Euro-Franken erreicht Parität, er pendelt sich bei 1:1 ein.

Was bedeutet dies nun für meine Tanzbärchen. Diese werden weiterhin für 95 Euro verkauft. Da diese 95 Franken jedoch auf dem alten Wechselkurs beruhen, verdiene ich nun 5 Franken weniger, meine Gewinnmarge im Ausland beträgt nur noch 25%. Ist nicht so tragisch mit meinen Tanzbärchen, aber exportierende Firmen mussten natürlich feiner jonglieren, auch da sie die schwächere Kaufkraft im Ausland kalkulieren müssen, etc.

Frau Hübeli freut sich natürlich.
Heute fährt sie wieder nach Jestetten, kauft wieder Toilettenpapier. Statt denn
2.88 Franken bezahlt sie nun nur noch 2.40 Franken.
Den Schweizer Detailhändler freut dies weniger, noch mehr Kaufkraft wandert nach Deutschland ab.

Die Tourismusbranche frohlockt auch nicht.
Das Arrangement um 4000 Franken bei Art Furrer im Wallis buchte der Herr Müller-Giesebrecht für 3320 Euro. Die Rechnung wird bei Antritt bezahlt. Die Reise kostet nun seit vorgestern 4000 Euro. Da spart man noch, wenn man eine Stornierungsgebühr von 200 Franken bezahlt.

graechen-euroIdioten, dachte ich erst, doch eigentlich machen sie das einzig richtige.
Beim 4000-Franken Arrangement streichen sie sich gut 1000 Franken ans Bein, aber besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Und steigende Reservierungen scheinen ihnen recht zu geben.

So, ich hoffe, nicht den totalen Blödsinn geschrieben zu haben, Berichtigungen sind ausdrücklich erwünscht!

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Nespresso. What else…?

Schweinerei!
Heute hatte ich keinen Blick im Briefkasten. Muss umgehendst reklamieren. Wozu bezahle ich denn keine Abo-Gebühren??

Als Entschädigung eine Mail der Blick- Wirtschaftsredaktion, anlässlich meines letzten Beitrag über das Opfer des Kapsel-Tricks.

mail-blickKonnte ich so natürlich nicht akzeptieren. Nespresso ist kein Zustand, Nespresso ist ein Gefühl.

Sehr geehrter Herr K.,

herzlichen Dank für Ihre Antwort, meine Sympathie für Blick ist soeben gestiegen!

Von dreist möchte ich nicht sprechen, genau genommen; Nicht einmal von einem Trick.
In erster Linie verkauft Nespresso Kaffeekapseln. Da mit den Kapseln alleine niemand glücklich wird, bieten sie die passenden Maschinen an. Designt und preisgekrönt verleihen sie dem Besitzer natürlich auch einen gewissen Status, haben gegenüber seelenlosen Plastikhaufen anderer Anbieter auch ihren Preis. Kostenlos dazu das Gefühl, einem exklusiven Club angehörig zu sein, ohne, dass man für selbigen auserlesen sein muss. Jeder kann der Nespresso-Familie beitreteten.

Selbstverständlich kann sich jeder eine Nespresso-Maschine kaufen. Der Gedanke war jedoch keineswegs, dass Nespresso hier ein Open-Source-Produkt auf den Markt wirft, im Stil von, kauf das Ding und drück rein, was du willst.
Eigentlich offensichtlich für jeden, welcher schon der traurigen Zeremonie beiwohnte, wenn das Kapselsystem mit Wucht geschlossen werden musste, das Wasser durch alle möglichen Kanäle durch und neben der Kapsel vorbei drückte. Die Beleidigung des Gaumens nach einen Schluck von der mühsam erkämpften Brühe ohne Crema kann man sich nicht einmal mit der Ersparnis von drei komma fünf Rappen rechtfertigen.
So hoch ist diese nämlich, wenn man das Angebot von Nespresso mit der billigsten Kopie aus dem Aldi vergleicht.

Niemand wird gezwungen Nespresso zu trinken, aber jeder, welcher die letzten dreissig Jahre bisweilen einen Blick in die Medien warf weiss, Nespressokapseln und das System gehören zusammen wie Apple und iPhone.
Ist es da nicht eine nette Geste, wenn Nespresso mir 200 Kapseln schenkt? Kapseln, welche ich so oder so brauche, aber nun nicht bezahlen muss.

Nein, ich arbeite nicht nicht für Nestlé, verkaufe keine Maschinen und kenne die Boutiquen nur als zufriedener, Wertschätzung erfahrender Kunde.
Ich störe mich lediglich an dem Ideenklau der Discounter und der medialen Stimmungsmache gegen einen innovativen Schweizer Arbeitgeber.

Nichts auf dieser Welt könnte nicht irgendwo noch einen Zacken billiger produziert werden. Nicht besser, nicht einmal gleichwertig, es muss nur billiger sein. Und den Menschen das Gfühl verleihen, hier kämpfe ein wackerer Recke gegen das böse Monopol. Als hätte Nestlé ein Monopol, die Regale sind voll von Kaffeesorten und Brühverfahren unterschiedlichster Marken.
Die Discounter agieren nicht etwa als Wohltäter im Namen des Kunden. Sie wollten lediglich auch ein Stück vom Kuchen, die Tatsache nutzen, dass schon Millionen Nespresso-Maschinen auf den Küchentheken stehen.

Wenn Nespresso nun versucht mit den Regeln der freien Marktwirtschaft ihre Produkte auch den Rappenspaltern schmackhaft zu machen, ohne an Qualität und Prestige einzubüssen, ohne treue Kunden zu verschaukeln, empfinde ich dies als noble Geste und keinesfalls als Trickserei.

Mit freundlichen Grüssen

RAB

what-else

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Blick macht den Kassensturz

kapsel-trickGut, jetzt gehen wir noch raus. Ist hier irgendwo ein Container? Wir brauchen ein Foto, wie sie die Maschine entsorgen wollen. Nein nein, ja nicht rasieren! Bringen sie ihr Haar noch etwas durcheinander. Hätten sei eine ältere Jacke? Vielleicht… Ja gut, nehmen wir diese. Sie haben soeben Geld verloren, wurden schmählichst über den Tisch gezogen, ihre Existenz steht auf DER KIPPE! Das muss der Leser sehen. Ganz genau, ja so… wunderbar!
Fertig, wir gehen.

Bei mir drängt sich die Frage auf, was wollte Bachier Herimi mit seiner Nespresso-Maschine?
Wasser kochen? Briefe beschweren? Die Tür stoppen?
Falls er diese Citiz mit Milchschäumer dennoch dem eigentlichen Bestimmungszweck zuführen will, kommt er nicht darum herum, Kapseln zu kaufen. Wer möchte sich nun dagegen wehren, wenn ihm Kapseln geschenkt werden?

Nein, ich möchte dieses Auto nicht. Ich habe festgestellt, für die 500 Liter Gratis-Benzin muss ich zur Tankstelle und es volltanken. Ist doch eine Schweinerei.

Ich bin nicht dumm; Der Herr wirkt wie ein Aldi-Kunde. Nehmen wir an, dass er nicht nur Jacke und Brille, sondern auch den Kaffee dort kauft. Es gibt Leute, die stehen auf diese kaffeefarbene Brühe, welche links und rechts aus dem Kapselsystem tropft, weil die Kapsel eben doch nicht 100 Prozent passgenau ist.

Für 75 Franken erhält er nun von Nespresso 350 Kapseln. Richtigen Kaffee. Gut, unterm Strich bezahlt er mehr als für die billigste Brühe bei Aldi. Drei und ein halber Rappen. Uff. Dies sind 5 Franken 25 mehr, für die 150 Kapseln.
Diese Anzahl Kapseln benötige ich in etwa in einem Monat. Vielleicht könnte er ja bei den Glimm-Stengeln sparen. Als Sparfuchs kauft er den Tabak gewiss im Eimer. Hauptsache es qualmt und stinkt. Brookfield bietet ihn an, mit zweihundert Gratishülsen, für 69.20 in der 450 Gramm-Dose. Ergibt ca. 900 Zigaretten.
Nach Adam-Riese; Wenn er über einen Monat täglich zwei Zigaretten weniger raucht, hat er den Mehrpreis für die guten Kapseln bereits wieder drinn.

Aber er kann natürlich auch die Nespresso Citiz & Milk für 274.95 auch in den Container werfen. Jeder spart wie er kann. Blick hilft.

mail-blick

 

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Schaffhauser und die ÖV

Eines der letzten grossen Abenteuer in Schaffhausen muss die Fahrt in einem städtischen Bus sein.
Ich selber kann leider nicht auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Habe ich doch stets das Gefühl, korrigiert mich, die Wahl der korrekten Linie anhand der stirnseitigen Nummer setzt eine gewisse geografische Kenntnis von Little-Paradies City voraus. Vielleicht könnte einem der Herr im Führerstand weiterhelfen, doch blickt der jeweils so missmutig durch seine Brillengläser, dass mir der Mut in die Kniekehle sackt. Es ist nicht so, dass ich stets über denselben Chauffeur stolpere, mich deucht eher, die sehen sich alle ähnlich. Fliehendes Haar, hin zur Halbglatze, Schnauzer und eine Brille. Gelbes Hemd, blaue Hose und böser Blick.
Seit die Massenbeförderungsmittel mit Automaten bestückt sind traut man sich noch nicht einmal, bei dem Herren einen Fahrschein zu lösen.
Kürzlich reiste ich mit einem Koffer von Schaffhausen in meine Wohngemeinde. Ein grosses Hallo, belustigt und verärgert, setzte ein, als sich mein Koffer selbständig in Richtung Heck des Busses bewegte, während ich noch überlegte, in welcher Zone ich lebe. Den kleinen Samsonite mit einem sehr lasziven Vorschieben der Hüfte zwischen mir und der Haltestange einklemmend surfte ich weiter im elektronischen Fahrscheinschalter.
Im Wellblechquartier, unterhalb des Millionenhügels, steht mein Wohnklo, aber es hatte keine Zone mit entsprechendem Piktogramm. Aufs Geratewohl drückte ich den Monitor. Irgendwo zwischen einem Marmeladefleck und den Rückständen einer Niesattacke. Keine Reaktion.
Letzten Endes belästigte ich doch den Chauffeur. Zwei Franken neunzig. Mit Halb-Tax. Hat mir mein Arbeitgeber geschenkt. Ohne zahle ich vier Franken vierzig.
Ich muss es ja nicht verstehen.

Nun, die Schaffhauser erleben noch ganz andere Sache in den Bussen.
Anscheinend bringt der Chauffeur in böswilliger Absicht sein Fahrzeug so zum stehen, dass der Ausstieg über eine Bank der Haltestelle erfolgen muss. Da kann man nur hoffen, dass alle Wartenden rechtzeitig die Beine hoch ziehen wenn das gelbe Ungetüm heran rast. Gerade wenn man bedenkt, dass die Busfahrer gar nicht Bus fahren können; Weiss der Dani. Ich bin entsetzt!
Für einen weiblichen Fahrgast Grund genug den Ärger öffentlich zu bekunden. Man ist nur ein Schaffhauser, wenn man die Busse hasst.

Die Michelle hat das korrekte Bus fahren erlernt. Also das mitfahren. Wo käme man auch hin, wenn Hinz und Kunz ohne korrekte Ausbildung einfach in das Gefährt springen würden. Man liesse zuerst aussteigen, dann steige man ein. Habe ich einmal versucht. Gerade, als ich zum einsteigen ansetzen wollte, wurde ich gewahr, dass die bestufte Einsteighilfe mitsamt Bus eben um die nächste Ecke biegt. Da sieht man, ohne Kurs kommt man da nicht weit.

De Aahstand isch im vortschritt unterläge; weiss der Marcel. Muss ich so hinnehmen, weil es mir schlichtweg nicht möglich ist, dem Satz einen tieferen Sinn zu entlocken. Oder ihn überhaupt zu verstehen.
Lara fährt mit einem Wagen Bus; joo nid mol den gö ds ussem weg wend mitem chinderwaage wetsch usse! ich mue jedesmol flueche doch nicht vor den Kindern! Aber wenn es fluchend besser geht, dann muss es eben sein.
Ish doch aber abartig oder?! Ich han mit schwerem rucksack und täshe müesse über s benkli chlettere… und wennd denn na eine streifsh chunsh en böse blick gschenkt über… jupiii; In erster Linie überlege ich, wie nutzt man die gewonnene Zeit durch das Weglassen einzelner Buchstaben. Trainiert man das Bankspringen mit Tasche und Rucksack? Ja, die Hürde streifen gibt Abzug, weiss doch jeder.

Hüt isch eini schier umgheut well de chauffeur ned het chönne fahre und bi jedere haltistell e halbi vollbrems gmacht het!… wie macht man eine halbe Vollbremsung? Die Hälfte einer Vollbremsung klingt nach einem Halt, als würde er auf ein Wattebausch prallen.
neii ich hass es au würcklich und den motzeds no nid normal!… Das normale Motzen, also ein Zusammenschiss mit Gefühl, vielleicht bietet der Kurs auch dieses Modul an.
Ich han letscht mol de ganz bus zämegschisse. De i de mitti bom bus het wele use und keine het platz gmacht und jede het is handy ine glueget… aber woni bället han ischs gange… sehr amüsant.. Ich benutze das Wort Held beileibe äusserst selten, aber sie Marcel, sie sind ein Held. Das mit den Ausscheidungen ist etwas eklig, aber gut gebellt ist halb gewonnen, insbesondere, als er hinzufügt; Jede wo seit dass schimpfe und flueche nünt bringt het mich no nie ghört schimpfe und flueche MUAHAHAHAHAHAHA… Cheeriooo… guets nächtli… adee Also ich fühle mich wohler, jetzt wo ich weiss, welch tapfere Recken in einem solchen Bus sitzen.

Die Ivana empfiehlt das wegdrücken, Marco ergänzt Bim usstiege eifach breit mache und zuelaufe. Wer im Weg staht wird usem Weg gmacht. Sind aber sicher die Erste wo duredrehet wenn Du würsch indrucke... Immer auf die Rippen, sei am wirksamsten, führt der Björn noch an. Mir graut immer mehr vor der nächsten Busfahrt. Da scheint die reinste Anarchie zu herrschen. Hat nichts mit der Flex-Tax-Wohnzimmer-Atmosphäre gemein.  flextaxFür Einheimische; Beim Blick aus dem Fenster stelle ich fest, die frisch verliebten steuern froh lächelnd über den neuen, schönen Platz direkt in die Fluten des Rheins.

ja un denn am mittag chasch nid mal annhocke wil die vom staat unterstützte nichtarbeiter biertrinkender weisse alli bänk blockiere….
Der Staat bezahlt also Platzhalter. Weisse Platzhalter. Weisse Platzhalter, welche Bier trinken. Ja will denn die Claudia über Mittag selber hinhocken und ein Bier trinken? Mädchen, das ist doch keine Kantine!

Ihr entsinnt euch an Monty Pythons Rentner-Gang?

retireDie haben wir in Schaffhausen auch. Morgens um halb sechs prügeln sie die jungen Pendler nieder und klauen die 20min-Zeitung für die Homies in ihrem Block. Weiss die Marion.

Stefanie hätte gerne Samstag Morgen um sechs Uhr einen Bus, welcher sie zur Arbeit fahre. Sie hätte dies bei den städtischen Verkehrsbetrieben angemeldet. Bisher ohne Reaktion.
Bei den Zuständen sollten wir froh sein, dass sie nicht einfach einen geklaut hat. Jeden Samstag um sechs Uhr.

Marcel, der Passagier, welcher zwischen Bellen und Fluchen an schrecklicher Diarrhoe leidet und damit gerne einmal einen Bus füllt, sei froh nicht die ÖV benützen zu müssen, da er zwei Autos und ein Motorrad besitze. Ich wage zu behaupten, alle Passagiere teilen seine Freude.

Zum Abschluss noch die Antwort auf folgende Frage:bernies-schnitzelSchützenstübli bei Annegreth, Kronenhof, Schützenstübli bei Annegret,
Restaurant Ufenau, Ziegelhütte, Vrenelisgärtli, Wii am Rhi, Bienegarte, Rest. Krone Bargen, Rest Kronenhof, Vrenelis Gärtli, Restaurant Ufenau, Rest. Herbilo, Gasthof Frohsinn, Bienengarten, Restaurant Schönbühl, Bienengarten Schlattingen, Gemeindehaus Merishausen, Schwarzbrünneli, Ziegelhütte, Vrenelis Gärtli, Restaurant Schützenhaus, Restaurant Gmaandhus Merishausen, Siblinger Randen, Restaurant Ochsen, Rossberg, Ziegelhütte, Restaurant Rheingold, Restaurant Mühlental, Restaurant Rhyhalde, Vrenelisgärtli, Grundstein Flurlingen, Güterhof, Waldheim Büsingen, Landgasthof Hüttenleben, Rhiihalde, Schwarzbrünneli, EPA-Restaurant, Restaurant Rheingold, Restaurant Herbilo, Restaurant Adler, Schützehuus Breiti, Rössli Marthale, Reiatstübli, Restaurant Bären, Schützehuus Breiti, Vrenelis Gärtli, Rössli Marthalen, Restaurant Ochsen….

Soll mal einer sagen, Schaffhauser sind nicht hilfsbereit.
Ich bin wieder einmal keiner. Denke die Kinderteller mit Schnipo sind überall ganz ok.

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Wie trauert man angemessen?

Soll ich nun meiner Betroffenheit Ausdruck verleihen? Oder mich betroffen geben?

Die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ wurde Opfer eines Anschlags.

Nun sollte ich das Bild meines Blogs durch den Schriftzug „Je suis Charlie“ ersetzen. Danach drei Sätze über die Schändlichkeit dieses Tuns schreiben, die Zeitschrift Charlie Hebdo abonnieren und danach zum eigentlichen Artikel ansetzen.
Das Ereignis als wunderprächtigen Anlass nehmen, die Pressefreiheit zu loben und hart ins Gericht gehen mit den islamistischen Terroristen. Aber nicht zu hart. Wir wollen nicht die lieben Muslime bei uns erzürnen, sondern die Bösen rügen, welche es so ja eigentlich gar nicht gibt, denn nichts lieben wir mehr, als die fortschreitende Islamisierung unserer abendländischen Kultur. Gut, sie neigen schon eher zum zeuseln als die Christen, auch verbreiten sie ihren Glauben lieber mit der Splittergranate als dem Weihwasserwedel, aber in solchen Dingen sind wir sehr tolerant.
Vor allem weil sich die Christen an der Nase nehmen sollten, weil sie im dreizehnten Jahrhundert mit dem Schwert ihren Glauben verbreitet haben. Wir müssen tolerant sein, wird gerne gepredigt.
800 Jahre ist eine lange Zeit. Da möchte man sich fragen, müssen wir einem Erwachsenen Rüpel alles durchgehen lassen, nur weil wir zur Kindergartenzeit auch so richtige Rabauken waren?

Nun, ich bin zu ehrlich gestrickt.
Mir wollen keine mitfühlenden Worte einfallen. Von der Zeitschrift hörte ich heute das erste Mal. Die getöteten Angestellten kannte ich so gut, wie die 29’000 Kinder, welche täglich sterben, oder die Opfer des Anschlags auf das World-Trade-Center, oder die enthaupteten Journalisten, oder Mönche, welche sich protestierend selbst in Brand stecken.
Nennt mich einen gefühlskalten Mistkerl, aber solche Ereignisse berühren mich nicht, es müsste wohl schon jemand sehr nahestehendes zu Schaden kommen.

Über die Tatsache selber erbost und geschockt sein?

Am 17. Juli letzten Jahres wurde ein Flugzeug mit 298 Passagieren abgeschossen. Alle tot. Interessiert niemanden mehr. In Flaach wurden vor sechs Tagen zwei Kinder getötet, der Blick füllte über Tage hinweg die Hälfte der Zeitung mit Berichten. Heute kein Wort mehr. Es gab ein neues Ereignis. Mit noch mehr Toten.

Ich weiss nicht wieviele Menschen täglich einer radikalen Gesinnung zum Opfer fallen. Wir haben uns über die Jahre ein dickes Fell zugelegt. Nach der Tagesschau wird Meteo ausgestrahlt, jegliche Horrormeldungen rutschen in die Vergessenheit. Was in diesem Moment wirklich Priorität hat, eine ganz grosse Priorität, ist die Schneesicherheit in unserem bevorzugten Skigebiet, ob morgen die Sonne scheint und wir am Wochenende vielleicht spazieren können.
Noch ein Schnäppchenangebot von Inter-Discount und wir haben den Hunger in der Welt komplett vergessen.

Es ist nicht falsch, wenn der facebook-User ‚Je suis Charlie‘ als Profilfoto verwendet. Es ist nett, wenn er seine Anteilnahme ausdrückt.
Ich stelle mir einfach die Frage, wo wir die Grenze ziehen. Wann erhalten Opfer ein Gesicht und sind nicht einfach in Lumpen gehüllte Menschen irgendwo am Ende der Welt? Bei einer Distanz von sechs Stunden Autofahrt? Bei der Gewissheit, dass es ein Familienvater war? Die Mutter eines ganz kleinen Kindes? Oder genügt es, dass es eine Person aus unserer Kultur ist? Der Zivilisation?
Die Medien haben dies ganz schön im Griff. Haben unsere Emotionen im Griff. Blick sagt, wann wir weinen sollen und wann es uns nicht kümmern sollte. Wieviele Flüchtlinge ertrinken täglich im Mittelmeer? Wir wissen es nicht. In der Zeitung bestenfalls eine Randspalte und was noch viel wichtiger ist; Das sind irgendwie ganz andere Menschen als wir es sind.

Angesichts des Todes neigen wir zur Verzerrung der Tatsachen. Über die Feiertage verstarb ein Arbeitskollege.
So richtig wollte nie jemand mit ihm zusammenarbeiten. Er war sehr penibel, dementsprechend langsam, dementsprechend zogen sich die Tage in die Länge und hinter vorgehaltener Hand wurde man des Lästerns nicht müde.
Nächsten Mittwoch gehen wir geschlossen zur Beisetzung. Dieses armen Kerls, viel zu früh aus dem Leben gerissen, er, der solch ein herzensguter Mensch war, so der allgemeine Tenor.
Wird dies als Arbeitszeit angerechnet?; heisst es hinter nicht mehr ganz so vorgehaltener Hand.

Wir müssen eine Grenze ziehen, ansonsten müsste man den ganzen Tag in einer abgedunkelten Kammer sitzen, hätte nicht genug Tränen für all die Menschen, welche sie verdienen würden.
Dies anerkennt jeder. Allerdings ist man schnell mit Entrüstung bei der Hand, wenn jemand diese Grenze quer über die Fussmatte seiner Wohnungstür zieht. Ein gefühlloses Arschloch ist ein solcher.

Ganz anders als die Tageszeitungen, welche keinen Aufwand scheuen, ein solches Ereignis wirksam auszuschlachten. Aus reiner Anteilnahme.
Ganz anders als Politiker, welche gleich über die Sicherheitsaspekte und der Dringlichkeit des Polizeistaates referieren. Wie wichtig es ist, dass der Staat uns bespitzelt und wir dringend die Gesetze anpassen müssen. Wie man eben gesehen hat.

Die Zeilen mögen pietätlos aufgenommen werden.
Aber unterm Strich bin ich mit meiner Aufrichtigkeit vielleicht gar nicht solch ein Mistkerl und der Mercedesfahrer mit seinem 350’000 Jahressalär und dem hundert-Franken-Beitrag zu Gunsten von Brot-für-die-Welt auch nicht solch ein Wohltäter.

Wer will das beurteilen? Du?

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