Du bist ein Schaffhauser… der erste Schnee

Ist es nicht schön?
Es flockt vom Himmel, liegt weiss und flauschig auf Dächern, Bäumen und den Strassen. Ich hoffe euch nun nicht den Schnee versaut zu haben, falls doch; Der verschwommene Rahmen um das Display eures Smartphones ist die reale Welt. Widmet ihr eine Minute.

Natürlich, früher oder später loggte auch ich in das soziale Netzwerk ein. Aus rein wissenschaftlichen Gründen!
Wie der aufmerksame Leser weiss, pflege ich ein kleines, virtuelles Terrarium. Also eigentlich bin ich nur der lästige Zaungast. Ähnlich dem Ameisenbeobachtungskasten. Mit einem König, vielen Arbeitern, einer Polizei und bösen Früchtchen, die mit Scharmützeln immer wieder das Konzept durcheinander bringen.

Nennt sich „Du bist ein Schaffhauser/in wenn du…

Es sind ein paar harte Tage, welche hinter diesem Mikrokosmos liegen. Lebt die Community doch davon, die Kamera zu zücken, kaum lümmelt die Sonne knapp am Horizont herum. Sei es nun weil sie schlafen geht oder eben aufsteht. Da sind so 30 oder 40 Fotografen welche uns täglich mit mindestens zwei Bildern den Tag versüssen. Wer nun behauptet, dies wäre eintönig, wird mit lautem Hallo aus der Gesellschaft katapultiert. Daher ist der Tenor ‚Oooooh…. schöööön…. woooow‘ Trumpf.dubisteinschaffhauserVon morgens bis abends, in allen orthographischen Abartigkeiten.
Nun wurden uns die letzten Tage wechselhaft präsentiert. Von einem aschgrau morgens in ein frisches steingrau abends übergehend, ohne dass sich Frau Sonne durch die Wolken zwängte. Der Mikrokosmos drehte am Rad, mindestens ein Mitglied musste gewaltsam entfernt werden, da es dem Druck nicht mehr stand hielt, mutmasslich mit dem Schädel auf die Tastatur klatschte und daraufhin 280 Kommentare zu einem Bild OHNE unseren Fixstern im Zentrum absetzte.
Es wurden alte Aufnahmen hervorgekramt, man begann Lokomotiven und Flugzeuge zu posten, doch es war allen klar, dies ist nur Methadon. Dementsprechend waren die ‚oh, so schön, wooooow‚-Kommentare auch eher verhalten. Ja, ich möchte sagen, ein giftiger Unterton hielt Einzug. Auf die Frage „Wo steht diese Lokomotive“ folgte nicht ein herzliches Rätselraten, sondern ein bösartiges „Im Verkehrshaus, weiss doch jeder!!!!„. Dies ist definitiv nicht die Freude, welche von innen kommt. Dieses angenehme miteinander und füreinander.

Gott sei Dank; Frau Holle hob ihren dicken Allerwertesten endlich aus den Federn und schüttete ihr Kissen aus. Und sie schüttelt immernoch.

Ich habe nun eine kleine Collage von eisernen Balkongeländern und Sitzmöbeln aus allen vier Himmelsrichtungen unseres Kantons. Mit Reflektionen der leicht beschürzten Fotografen im Wohnzimmerfenster, über welche man galant hinweg sehen muss.

Der Frust der vergangenen Tage scheint jedoch leider nicht vom reinen Weiss bedeckt zu werden.

Bei uns hier hält sich niemand an diese Schneeräumpflicht. Von wegen 2 Fussgänger müssen gut an einander vorbei kommen
Es wird kommentiert, er solle doch mal die Füsse still halten. Gar nicht einfach, auf rutschigem Terrain. Es interessiere im Übrigen auch niemanden.
Aber es hält sich doch niemand dran!!!„, giftet er weiter.
So titelt er sein Bild auch gleich mit knallharten Texten aus unbeugsamen Gesetzbüchern.
Bei aller Schönheit des Schnees und der Postkarten-Idylle von weissen Strassen, das Gesetz ist kein Wunschkonzert. Da hat der korrekte Bürger aus dem Hochparterre schon recht. Zudem muss er wahrscheinlich flink in den Lidl Gailingen, die Speisekammer ist leer, als dessen ehrenamtlicher Pressesprecher er sich in der Vorzeit wiederholt hervortat.

schneeraueumenSteht in Pyjamahose und Pelzpantoffel am Fenster, diesen dummen Arbeitern erklärend, wie sie ihren Job zu machen hätten. Acht Leute pflichten ihm bei.

Bisweilen fragt man sich; Wohin packten die Leute vor facebook ihren Frust? Ist statistisch belegt, dass das spontane prügeln von Ehepartnern und zertrümmern von Möbeln seit der Gründung der Gruppe rückläufig ist?
Nicht jeder kann Leserbriefe schreiben, wie der Herr heute in den Schaffhauser Nachrichten. Er las ein Buch. Dies kann ein Pixie-Büchlein oder Die unendliche Geschichte gewesen sein, jedenfalls war er eine geraume Zeit damit zugange. So intensiv, dass er deswegen sein Fernsehempfänger nicht nutzen konnte. Währenddessen aktualisierte sich anscheinend die Smartkarte des Digitalempfängers nicht. Man kann diese nun natürlich aktualisieren, fernsehen und gut ist. Eben nicht! Was ist der Frust denn letztendlich schon wert, wenn ihn niemand mitkriegt. Zudem, so deucht den Leser, sieht er sich als Ritter in strahlender Rüstung gegen die örtliche Kabelnetzbetreiberin zu reiten. Stänkernd, schimpfend und trotzend, ohne eine relevante Aussage zu machen. Bemerkt, dass er nur einmal die Woche duscht, stänkert gegen den Stand-By-Betrieb, den Hunger in der Welt und, dass er fernsehen muss, obwohl er dies doch eigentlich gar nicht will.

Bisweilen frage ich mich; Sind den Leserbrieftextern ihre Zeilen peinlich, wenn sie diese nach dem Überschlafen gedruckt und für ganz Schaffhausen ersichtlich sehen oder fühlen sie sich bestätigt?

Nachdem die Räumungsdienste beim Pfaden der Hauszufahrten versagt haben, wird ihnen an anderer Stelle nun vorgeworfen, dass sie die Strassen räumen.
Eine weitere Expertin erklärt, dass der Einsatz von Streusalz völlig unsinnig sei.

Ein Streit entbrannt, ob der Schnee liegen gelassen wird, wenn ja wie lange, ob man Split oder Salz verwendet, pfaden ja oder nein und wie es nun mit High-Heels aussehe. Man zieht sich die verbalen Schneeschaufeln über den Scheitel und fährt den Nachbar mit virtuellen Pfadschlitten platt.
Ein wirklicher, realer Mr. Plow zum anfassen schaltet sich ein; Man müsse wegen der Autofahrer schneeräumen.
Sofort wird das männliche Ego gekitzelt.
J. sei Autofahrer und er könne autofahren, hat das beste Auto der Welt und sogar schon Leute aus dem Feld gezogen!
Beeindrucktes Schweigen…
Und Lastwagenfahrer?
Betretenes Schweigen…

Ein Schlaumeier bemerkt, man könne ja Ketten montieren. Stadtbusse mit Ketten, wieso auch nicht?

Salz mache die Autos kaputt, reklamiert ein Automechaniker, die Salzer sollen aufhören, Leute dumm anzumachen.

D’Winterschue vo de Frau S.D. seiched und Schneeräumer seien allgemein bescheuert.

Schnee platt walzen… Sanden… Kiesen… Salzen… Gar nichts machen… Alles weg….
Mir raucht der Kopf.
Die Ice Road-Trucker lehnen sich interessiert nach vorne und machen Notizen, denn eines ist klar; In Schaffhausen leben die besten Autofahrer der Welt. Mit Abstand! Und jeder ist ein Profi im Schneeräumen. Meier übertrifft Müller mit seinen Künsten auf der weissen Pracht und Huber wie Fricker waren schon in schneebedeckten, entlegenen Orten der Welt unterwegs, gegen welche Sibieren der reinste Palmenstrand ist.

Zusammenfassend haben es die Schneeräumer nicht einfach.
Die Strassen sollen schwarz geräumt und trocken sein, bis auf einen kleinen, weissen, lückenlosen Flaum. Für das Auge eben.
Um die Haftung soll etwas auf die Strasse, jedoch kein Salz und kein Split. Einfach etwas, man ist ja kein Experte, man weiss nur ganz genau was getan werden sollte!
Die Gehwege sollten nicht geräumt werden, jedoch die Zugänge zu den Haustüren und, also bitte, das ist ja wohl selbstverständlich, die Parkplätze und Garagenzufahrten.
Die Busse sollten anständige Reifen kaufen und vor Steigungen jeweils die Schneeketten montieren.
Zudem sammelt die Community und schenkt der Frau S.D. ein neues paar Winterschuhe. Matschresistent.

Nun habe ich viel über Schneeräumung und das prächtige Weiss im Allgemeinen gelernt und gehe einen Schneemann bauen. Morgen diskutieren wir über die ethischen Grundsätze der Verwendung eines Lebensmittels, eines Sommergemüse, als Schneemann-Nase.

 

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Das Fest der Kinder

Meine liebe Frau Mutter zeichnet unter anderem aus, dass sie furchtbar harmoniebedürftig ist. Da sie es geschafft hat, ihre zwei Söhne in getrennten Familien aufwachsen zu lassen, muss dies eine Entwicklung der Neuzeit sein.
Dank dieser unorthodoxen Situation lebte ich den Patchwork-Wahnsinn bevor es mainstream und sexy war. Ein Vorreiter möchte man sagen.

Die Weihnachtszeit ist bestens dafür geeignet Familien zusammen zu führen. Niemand will es, alle machen es. Das Klischee lechzt nach Bestätigung.

Und so kam es zu einer Vorweihnachtsfeier, bei Mutter und ihrem neuen Lebensabschnittspartner.
Zeitgleich trafen mein Bruder und ich ein, mit der Sonne im Herzen und einem Lied auf den Lippen drückten wir enthusiastisch den Klingelknopf, aufgeregt von einem Fuss auf den anderen hüpfend.
Oder, bedacht darauf mit unseren widerstrebend nachgezogenen Füssen nicht auf die Mundwinkel zu treten, welche missmutig bis zum Boden hingen. Den Klingelknopf so sanft gedrückt, als würde man eine Seifenblase streicheln, das Knie bereits leicht eingedreht, dem Fluchtreflex nachgebend. Falls innert zehn Sekunden auf die Klingel keine Reaktion erfolgt, darf man die Beine in die Hand nehmen und Fersengeld geben.
Wir waren da. Wir hatten geklingelt. Das muss ganz unglücklich gelaufen sein.
Fortuna war uns nicht hold, nach 9 Sekunden wurde die Tür geöffnet und nachdem wir der Weihnachtsdekoration vor der Tür den erforderlichen Respekt gezollt, die Kreativität gelobt und dem innovativen Gedanken gehuldigt hatten, betraten wir das Haus.

Ich stieg die Treppe hinauf, das erste was ich sah war ein Mann mit vorgeschnalltem Baby. Nicht einfach ein Tuch in Hippie-Manier, nein, eine High-Tech-Vorrichtung mit Nierengurtverstrebungen, Tragriemen, Schnallen und ich könnte schwören, am Rücken hing noch ein Fallschirm. Das Bild des G.I. Joe wurde nur durch das vorgeschnallte Baby – jöööh – gestört, welches in einer Art Latz hing. Gut, das Fläschchen in der linken Hand und den Schnodderlappen in der rechten unterstrichen das Bild des wahrhaft männlichen auch nicht direkt.
Mutter dachte es wäre eine nette Idee, wenn ihre zwei merkwürdigen Söhne die Töchter ihres Lebensabschnittspartners kennen lernen. Diese zwei, oder drei ich weiss es nicht genau, bewegen sich in unserem Alter, haben jedoch ihren dem System geschuldeten Beitrag geleistet und sich fortgepflanzt.
Und dies nicht zu knapp. Es waren sage und schreibe elf, in Zahlen 11, Kinder anwesend. Es war wohl keines älter, dass es schon über die erste Klasse hinaus gekommen war, daher war auch der Geräuschpegel dementsprechend hoch.
Meine Mutter strahlte vor Entzücken. Sie hat es nie wirklich verwunden, dass ihr keine Enkel geschenkt wurden. Aus reiner Boshaftigkeit verzichte ich darauf. Gut, richtig teuflisch wäre es wohl, Kinder zu haben und ihr diese vor zu enthalten, aber entschieden auch teurer und gewiss auch entsetzlich kompliziert. Man darf es sich auch einmal einfach machen.

Auf meine Frage hin, an den Herren mit dem angeschnallten Kind dessen Name ich vergessen habe, ob er noch andere Hobbys pflege, erfuhr ich, dass ein Teil dieser Kinder noch einer dritten Mutter zugehörig wäre, welche leider nicht anwesend sein konnte. Ich verzichtete auf weiterführende Erklärungen, man muss nicht alles wissen und wenn man nicht aufpasst wie ein Heftlimacher, entsteht daraus eine Konversation.
Mutter dachte, es wäre nett wenn ihre erwachsenen Söhne die Kleinkinder einzeln  begrüssen, deren Namen erfahren und was weiss ich. Sie hatte tatsächlich schon zwei durch, bis mein Einwand, dies würde sich im Verlaufe des geselligen Beisammenseins gewiss ergeben, man müsse ja nicht gleich und so…, zu ihr durch drang.

Man ässe um zwölf, wir möchten doch etwas früher eintreffen, war die Order gegen halb elf des selben Morgens via SMS.
Es war eine Minute vor der Zwölf, als wir den Klingelknopf drückten. Das Essen brauche noch einen Moment, hiess es nun zu den zwei Erwachsenen ohne Kind an der Hand, welche wie bestellt und nicht abgeholt verloren im Wohnzimmer standen.
Es ist eine schöne Sitte, im Haus nicht zu rauchen. So konnten wir uns in den Garten verziehen und bei einer Zigarette die Wunden lecken.

Wo man auch ist, stets dasselbe Dilemma wenn man ohne Begleitung ist; Wo platziert man sich, wenn man nirgends richtig zugehörig ist. Gegenüber mein Bruder, links ein Herr mit Ziegenbart. Ein unglaublich sportlicher Herr, wie die Dame ihm zur Front, ich nehme an die Gattin, mir versicherte. Er mache Bergläufe. Da hoch, da runter und da lang, kilometerweise. Ich nickte interessiert und drehte mich nach rechts. Da wurde soeben ein Baby gefüttert. Mit rotem Zeugs auf einem Löffel. Ein Viertel in das kleine Mäulchen, ein Viertel auf das süsse Kinn und der Rest in den Latz, auf die Hose, das Hemd, die Tischdecke… Obwohl rundherum ‚mmmmh‘, ‚ooooh‘ und ‚fein‘ erklang, schien der oder die Kleine diese Ansicht so überhaupt nicht zu teilen.
Er wolle wohl gestillt werden, sagte der Mann mit der Tragevorrichtung und es hätte mich nicht erstaunt, wenn er oder besagte Tragevorrichtung diesen Part auch gleich übernommen hätten.
Doch meldete sich die Mutter. Die wird doch jetzt nicht… schoss mir ein entsetzlicher Gedanken durch den Kopf. Ich war dann doch dankbar, dass sie ein anliegendes Zimmer aufsuchte. Nach einem kleinen Schluck Weisswein. Glückliches Baby.

Nun muss ich doch noch anmerken, dass während des Speisens keine kleine, nasse Fingerchen in mein Essen griffen, ich nicht mit Ketchup besprüht wurde und kein Wein in meinen Schoss kleckerte. Was sicher auch mit den beinahe getrennten Tischen im Zusammenhang steht, aber dennoch, wollen wir dies lobend erwähnen.

Als sich nach dem Hauptmahl abzeichnete, dass vor dem Servieren der Nachspeise gemütliches parlieren, spielen und diverse Mittagsschläfchen angesagt waren, kamen mein Bruder und ich eher stillschweigend zum Schluss, ganz ungemütlich zu sein und die illustre Runde zu verlassen. Was, so glaube ich, rundherum auch wohlwollend zur Kenntniss genommen wurde, so sind im Endeffekt doch alle glücklich.

Ich bin etwas im Zwiespalt; Ist es nun Fluch oder Segen, merkwürdiger Junggeselle zu sein.
Alleinstehend sind die Festtage schon eher öde und langweilig.
Hat man jedoch eine Partnerin, diese womöglich auch einem Patchwork-Konstrukt entsprungen ist, mein lieber Scholli, da ist man ganz flink an vier Familienfesten und hat erst eine Generation bedient.
Dann noch die Tante Kunigunde, welche seit einem Jahrzehnt verlässlich droht, es könnte ihr letztes Weihnachtsfest sein, weswegen man nicht drumherum kommt, regelmässig auch ihren Küchenbank zu drücken. Den Götti Herbert, den Neffen Karl und wenn alle Stricke reissen, richtet man zuhause ebenfalls noch eine Lustbarkeit aus. Trotz Urlaub kennt man die heimische Couch nur vom hinsitzen zum Schuhe ausziehen und ehe man es sich versieht, erholt man sich wieder bei der Arbeit. Auch besser, irgendwann weiss man nicht mehr wohin mit der schlechten Laune.

Ja, ich bin mir uneins. Ein Kompromiss wäre gut. Doch kennt jemand die güldene Mitte?

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Ich lasse mir von einem Fernseher nicht vorschreiben….

Ein hübsches kleines Nichts, dass sie da beinahe anhaben.

Natürlich, Diamantenfieber. Bevor ich jedoch bei dieser Perle der televisionären Unterhaltung im Zweiten landete, zappte ich mich verzweifelt einen Abend lang durch die geballte Ladung volksverdummenden Entertainment.

Ich bin weitgehendst entschuldigt, da ich der Gesundheit schuldend mich des Nachmittags hinlegen musste.  Nicht, dasss ich mich als fleissiger oder äusserst loyalen Mitarbeiter bezeichnen würde, doch gewisse Gewohnheiten legt man schwer ab. So nutze ich die Feiertage, eine mühseliges Unwohlsein auszubrüten.
Geruht man jedoch des Nachmittags ein Schläfchen zu halten bevor man im Rentenalter ist, fällt es einem schwer, des Abends zu vernünftiger Zeit Schlaf zu finden.

Daher wird dies auch nur ein Ich-kann-nicht-schlafen-Blog, hängt mich nicht daran auf. Gut, so unterhaltend wie Pony M. im Vollbesitz aller akademischen Power dürfte er schon werden.

So startete ich mit Snow White and the Huntsman, Kristen und Stewart dürften zwei Gründe sein, den Streifen aus dem Jahre 2012 zu sehen. Nach fünfzehn Minuten hatte sie ihr komplettes Repertoire an Mimik durch, dabei wurde sie in der Darstellung von Schneewittchens Kinderjahre während zwei Drittel dieser Zeit von einem Kind verkörpert.
Man kann sich noch die Frage stellen, wie ein junge Frau in Gefangenschaft, in einer Zelle von zwei auf drei Meter, ohne jegliche Möglichkeit zur körperlichen Ertüchtigung eine atemberaubende Figur erschaffen, sich ohne Spiegel die Augenbrauen in makelloser Symmetrie zupfen und ohne jedwelches Zahnreinigungsequipment ein bleachendes Lächeln erhalten kann. Also, was bei Kristen Stewart so als Lächeln gilt. Etwas zwischen ‚mir ist da wer auf den Fuss getreten‘ und ‚ups, ich habe was falsches gegessen und muss schnell wohin‘.

Oh, sie gefällt mir, keine Frage, aber die Geschichte war zu dünn um meiner schlechten Laune Erheiterung zu bieten. Des weiteren trug sie einfach zu viele Schichten Bekleidung um die Hoffnung am Leben zu erhalten, einen Blick auf einen Knöchel zu erhaschen.
Ich bekam noch mit, dass sie nach 15 Jahren und unzähligen Blicken auf den Ozean einen völlig sinnlos angebrachten, mittlerweile losen Nagel im Mauerwerk entdeckte.
Diesen zog sie dem inzestiös veranlagten Bruder der bösen Stiefmutter durch das Gesicht, als dieser mit lüsternem Zeigefinger demonstrativ zeigen wollte, wo Schneewittchen das Herz entwendet werden sollte. Vielen Dank auch. Dieses benötige eben die Stiefmutter Königin um ewig jung zu bleiben.
Schneewittchen entflieht der Zelle, schliesst den lüsternen Bruder ein, ruscht durch einen Abort und bietet uns eine kleine Wetshirt-Show, als sie im Ozean landet. So prickelnd, wie eine Wetshirt-Show eben sein kann, wenn man Hemd, Mieder, Wams, Weste und Jacke trägt. Die Familie Ingalls in Walnut Grove wirkt da direkt lasziv.
Nun besteigt sie ihren weissen Hengst, welcher an der kargen Küste während 15 Jahren gewartet haben muss, wohlgenährt und trittfreudig, und galoppiert in den dunklen Wald. Dunkel steht da für so richtig böse und so…

Helene Fischer trällert im Zweiten.
Silbereisens russisches Betthäschen, Елена Петровна Фишер, ist ja irgendwie nett, aber sie hat diesen Sylvie Meis-Makel. Den Fehler, dass sie keinen offensichtlichen Makel hat, was nach meinem oberflächlichen Dafürhalten einer Frau gar nicht bekommt. Die Gewinnerin der Musik-Henne und Superhenne – dies ist ein Preis des renommierten Magazins Superillu, wer  kennt es nicht, und die Verleihungszeremonie verfolgt man auf dem Sender RBB, welchen wir ja alle unter den ersten neun Tasten der Fernbedienung haben – bietet einfach für alle etwas. Nur keine Ecken und Kanten.
Die wunderschöne Frau, mit dem durchtrainierten Körper, welche jedoch so natürlich geblieben ist und ihre atemlose, atemberaubende Schönheit selbst noch gar nicht bemerkt hat und deswegen mit beiden Beinen auf dem Boden, respektive der Bühne bleibt. Für jeden zu haben. Die beste Freundin der adipösen Dame in der ersten Reihe mit dem Wolfgang Petry-Fanclub Raderthal ’84-Shirt, oder die Traumfrau, welche ohne federlesens jederzeit mit dem Jungen im Strickpullunder mit Zopfmuster und den fettigen Haaren um die Häuser ziehen würde. Jedermutters Schwiegertochter und jedervaters feuchter Traum; seit Carolin Reibers güldener Zeiten in den achtzigern war es nie mehr so einfach, den Alten zur Volksmusik zu überreden.
Wobei Helene ja keine Volksmusik sondern Schlager bietet und auch hier das Genre mit dem Pop-Schlager neu, oder überhaupt, erfunden hat. Diese Errungenschaft schreibt sich wohl ein gewisser Wendler auf die Fahne, das Problem ist, dass er zwei Argumente zu wenig hat, sich breitbandig zu etablieren.
Helene, in ihrer gottgegebenen und völlig unbewussten Schönheit, drückt diese effektvoll in Szene und liefert eine grossartige Show. Die Helene Fischer-Show. Ist sich die Presse und der sabbernde, trocken schluckende Rentner im Ohrensessel neben dem Beistelltischchen einig.
Es bewegen diverse Stars, bekannt und mir weniger bekannt, ihre Lippen zu den Klängen der Musik, synchron wie ein Disco-Übergang von DJ Pino im Güterhof. Helene Fischer bringt sich regelmässig mit ein und interpretiert die Hits des anwesenden Stars. Dabei wird immer wieder, allerdings weniger oft als erwartet, das Kostüm gewechselt. Dies in einer Windeseile, dass man nicht umhin kommt neidisch zu bemerken, dass hinter der Bühne einer beim Job-Center das ganz grosse Los gezogen hat.
Ich bin beileibe kein Queen-Fan, eigentlich mag ich die Gruppe überhaupt nicht, aber man kommt nicht umhin dem abgehalfterten Brian May Respekt zu zollen und schämt sich daher entsprechend fremd, wenn er die Saiten zupft, im Publikum der Turnverein Kummelbach schunkelt und Helene Fischer das leicht-bekleidete Hupfdoll macht.

Auf Sat 1 jagt ein Zauberer in Nickelbrille irgendwelchen Horkruxe nach. Dies sind mit der Seele des absolut Bösen versehenen Gebrauchsgegenständen, welche…
Wichtig ist eigentlich, dass mit diesem Film der männliche Zuschauer endlich gerade auf die Leinwand und damit Hermine Granger / Emma Watson starren darf, ohne sich der Pädophilie schuldig zu fühlen.
Nein, ich möchte nichts gegen Harry Potter sagen. Die Bücher habe ich verschlungen und nicht zuletzt freue ich mich, durchaus pädagogisch, dass eine Autorin Kinder, und Erwachsene, mit dem geschriebenen Wort zu fesseln vermochte. Glücklicherweise vermochten religöse Fanatiker, ja die gibt es auch unter Christen, sich vor neun Jahren nicht durchzusetzen und so liegen die Bücher in Schulbibliotheken auf.
Die Filme sind auch ganz nett. Nicht wirklich kindgerecht umgesetzt, aber unterhaltend. Kürzlich in London suchte ich das Gleis 9 3/4. Vom Gleis 9 3/4 reisten die Kinder auf die Zauberschule. Man erreichte es, indem man den Gepäckrolli in King’s Cross zwischen Gleis neun und zehn gegen den Zwischenpfeiler rammt und dann in die Zauberwelt eintaucht.Das Versehen der Autorin war, dass sie beim Schreiben den Bahnhof Euston vor Augen hatte und Kings Cross über keine nebeneinanderliegende Gleis 9 und 10 verfügte. Unkompliziert haben dies die Engländer im Rahmen der Umbauarbeiten angepasst.
Mein Versehen war, dass sich der Bahnhof St. Pancras und Kings Cross eine Underground-Station teilten und ich Kilometer auf dem falschen Bahnhof marschierte, ohne dieses verflixte Gleis zu finden.

plattformNein, bin nicht ich auf dem Bild. Man konnte zwanzig Minuten in eine Reihe stehen und sich ablichten lassen. Da ich jedoch keine zwanzig Minuten investieren wollte um dann festzustellen, dass ich niemand ablichtenden oder abzulichtenden dabei hatte, fotografierte ich zwischen durch.

Ja, ich stehe auf cineastisch genutzte oder beschriebene Schauplätze und wenn wir schon bei Bahnhöfen sind…paddington… habe ich natürlich auch den kleinen Bären Paddington aus dem finstersten Peru gesucht.

mi6Und hier haben wir die Überleitung zum Schluss des Artikels.
Den Arbeitsplatz des berühmtesten Agenten der Welt, das MI6 bei der Vauxhall-Bridge in London. Ist als solches nicht direkt angeschrieben, eine Klingel suchte ich ebenfalls vergebens.mi6-pforteIhr müsst mir wohl oder übel glauben, dass es die Zentrale des Secret Intelligence Service ist. Mit dem fotografieren war ich dann Angesichts der vielen Überwachungskameras doch etwas gehemmt, zudem verliess auch kein Aston Martin das Gebäude, welcher abzulichten wert gewesen wäre.

James Bond, ein Garant an guter TV-Unterhaltung, auch wenn der Film Diamantenfieber sechs Jahre mehr als meine Wenigkeit, dies will was heissen, auf dem Buckel hat.
Einfach zeitlos, und er rettete denn bescheidenen TV-Abend, während ich diese Zeilen tippte. Nebenbei stellt man auch erst im hohen Alter fest, wie stockschwul die Herren Wint und Kid sind. Unschuldige, kleine Fernsehkonsumenten.

Während der Lektorarbeit dudelt mir Ronny in die Ohren. Der Fernseher steht bei Super-RTL.
Er bleibt unvergessen. Die Stimme der Heimat. Die Stimme der Herzen. Ronny, das ist Halt, Trost und Hilfe für Millionen Menschen auf der Welt.
Noch nie gehört, aber seine grössten 100 Hits sind bei Shop 24 direct käuflich zu erwerben. Hundert Hits, und nur die grössten! In der Gold-Kollektion! Plus Autogrammkarte! Ich schäme mich etwas, noch nie von diesem Ausnahmekünstler gehört zu haben. Hauptsächlich scheint er Tom Astor, Johnny Hill und Kollegen zu covern.

Und bevor ich noch mehr Nonsens tippe oder aus Versehen die Kollektion bestelle, begebe ich mich nun zur Ruh.

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Du bist ein Schaffhauser, wenn du…

Du kennst das Gefühl.
Hinten rechts. Ein drücken, unangenehm. Man möchte es ein Brennen nennen. Da ist Geld, das raus muss.

Tu Gutes und spreche darüber.
Aber wo denn nur?

Radio Munot hat sein Ziel – herzliche Gratulation Jenny, ich behaupte, diesen Erfolg darfst Du Dir getrost auf die Fahne schreiben – erreicht. Jeder Rappen zählt ist für den Schaffhauser beinahe einen Tick zu entfernt, zu gross, zu anonym um sein erspartes Scherflein unterzubringen und von allen anderen Organisationen hört man ja Sachen… Nein nein, da muss was seriöses her.

Nicht verzagen.
Da gibt es immernoch diese Gruppe für alle Belange des täglichen Lebens.

Der Aufruf richtete sich an eine Community von über 8000 Personen, mit dem ehrenwerten Ziel, dass jeder zwei Franken spenden soll.
Für Menschen Schrägstrich Tiere im Kanton, welchen es nicht so gut geht.

Wogen der Begeisterung im Netzwerk!
Dann die ersten scheuen Fragen, welche armen Geschöpfe denn zum Zug kommen würden.
Dumme Frage. Für Leute, denen es nicht so gut geht natürlich. Ein seriöses Auswahlverfahren.
Juhui, die Menge tobte wieder!

Moment, schon wieder ein Querschläger; Aber dies wäre dann nicht für Erich ‚kochen tötet‘ Schlatter?
Hmmm… Grillen zirpen… Ein Busch weht über die Ebnat-Strasse. Da, ein Käutzchen in der Stille.

Man müsse nun nicht wieder ausgrenzen, hopp hopp ihr Schaffhauser, zeigt, dass ihr was auf dem Kasten habt.
Hossa, der Mob bewegt sich wieder!

Aber, ist das Misstrauen einmal gesäät; Man würde ja schon spenden, aber sollte schon wissen wofür und wohin. Es gibt also schon furchtbar komplizierte Leute da draussen. Also werden Vorschläge gesammelt.
Krebsliga, Lindli-Huus… Schnell, zücke Stift und Papier, mache Notizen, wird aufgerufen.

Im Lindli-Huus und der Suppenküche hätten sie genug Kohle, wirft ein Urgestein der Gruppe ein. Es müssen sich irgendwo doch noch ärmere Leute finden. So die ganz Armen.
Ich will nicht pauschalisieren, aber so auf Anhieb wüsste ich um die Acht… oder so.

Spendet erst einmal, dann schauen wir!
Murmeln, whispern, Unruhe…

Ja was denn?
Wo sollen wir das zu spendende Geld hinbringen?
Hmmm… öhm… Wer hilft mir?

Hallo, wer hilft mit? Hopp Schaffhausen!

Tierheim, alte Leute… Au ja lässig!
Wo kann man nun die Spende abgeben?
Öhm… Nun…

Auf dem Herrenacker, ich sitze mit einem Klingelbeutel auf den Herrenacker!
Juhuu, ausgezeichnet!

Moment… ich fahre doch nicht wegen 2. Franken von Stein am Rhein auf den Herrenacker.
Hmmm… Überweisen?

Los Leute, hopp, nicht nur dumm quatschen, macht etwas!!

Ja wo denn nun hin mit der verdammten Kohle??!!??
DAS WISSEN WIR DOCH AUCH NOCH NICHT DU ARSCH UND JETZT SPENDE!!!

Die Emotionen kochen über.

bettler

Mit dem schnöden Mammon gibt es diverse Hürden, entweder weiss man genau was man kaufen will, hat aber das Geld nicht, oder das Geld brennt in der Tasche, aber man weiss nicht, was man sich schenken soll.
Bei der „Du bist ein Schaffhauser, wenn du…„-Gruppe stehen sie vor dem ultimativen Dilemma. Sie haben kein Geld, sie haben keinen Plan wie es gesammelt werden soll und absolut keine Idee, wofür es ausgegeben werden soll.

Aber, die R… sei ein seriöse, die mache das schon richtig.
Nun, ich denke Crazy Achmed vom Satelliten-Spiegel-Verkauf ist auch kein schlimmer Finger, dennoch würde ich meine Brieftasche nicht direkt auf dem Tresen liegen lassen, nur weil der chinesische Wäschereibesitzer von gegenüber beteuert, Crazy-Achmed sei seriös. So tickt der Mensch nun einmal. Dummer Mensch.

Radio Munot klinkt sich ein, dass sie im Übrigen auch eine Spendenaktion am laufen hätten.
Nun, dies wäre schon gut und recht, aber die Sache der Gruppe, das seien Menschen welche für Menschen sammeln. Der Unterschied erschliesst sich mir nicht direkt, aber Radio Munot, muss ich freimütig zugestehen, weiss zumindest, was mit dem Geld geschehen soll. Und wie man spenden kann.

Beinahe zwei Tage, die Gruppe zofft sich schon ordentlich. Könnte wieder einmal einen hübschen Sonnenuntergang vertragen. Oder Schwäne!
Die einen spenden nicht gerne ins Blaue, die anderen beschimpfen jene, welche nichts ins Blaue spenden wollen und diese führen eine Paralleldiskussion über soziale Missstände.

Ein Konto, ein Konto!
Vier Tage und 159 Kommentare später ist ein Konto eröffnet! Nun kann der Rubel rollen.
Tu Gutes und spreche darüber. Jeder, welcher seine 2 Franken überwiesen hat tut dies kund, jedem wird gedankt, eine flauschige Wohlfühlatmosphäre macht sich breit. Alle haben sich wieder lieb.

Acht Tage durch, 65 Franken haben sich angehäuft.
Nun, da muss man diszipliniert bleiben!
Ein paar Unverbesserliche glauben, es wäre hilfreich, wenn man wüsse, wofür man spende. Wir wissen es selbst nicht, IST DIES DENN SO SCHWER ZU VERSTEHEN?!?!?

10 Tage, zehn Spender. Kontostand 107 Franken.
Eine kleine Ernüchterung macht sich breit, der Gruppe eigener Tenor bricht durch. Wer jetzt nicht spendet, hat kein Herz, ist kein Schaffhauser, ein Egoist und ganz allgemein ganz ein Schlimmer.

12 Tage, 124 Franken.
Man würde man jetzt einmal etwas warten.
Auf ein Spendenziel oder einen Spendenzweck konnte man sich noch nicht einigen. Erst müsse Geld da sein, sonst könne man gar nichts entscheiden (fragt mal Vater Staat, das geht sehr gut).

Spenden… spenden… spenden….

 

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Neulich im Sandkasten; Schawinski und Thiel

Wer bist du?
Ich bin der Andreas, wer bist du?
Ich bin der Roger. Hast du jetzt alles gesagt, oder kommt noch was?

Dann und wann bin ich auch ein wenig populistisch, ich füge mich in den aktuellen Medienhype ein.

So breche ich heute keine Lanze für Schawinski, fühle mich im Gegenzug auch nicht bemüssigt, Andreas Thiel über den grünen Klee zu loben.
Wer sich zu Schawinksi in die Talkrunde begibt, weiss worauf er sich einlässt. Durch Fragen, von Angriff bis Suggestiv, wird der mittels zusammenhangslosen Gesprächsfragmente bereits in eine Schablone gepresste Gesprächspartner genötigt, sich in stark begrenzter Redezeit aus dieser Schublade zu befreien.
Der Rest wird durch nahezu rhetorische Fragen seitens des Gesprächsleiters bestritten und der Gast vekümmert zum Sparingpartner. Eine gebührenfinanzierte Plattform, welche Schawinskis Narzissmus gerecht wird. Schawinskis Art der Talkshow ist so alt wie seine televisionären 24-Kinder und er polarisiert, seit er gelackt und gebräunt in die Kamera bleacht. Je nach Besetzung des zweiten Stuhls sympathisiert man mit dem Radiopirat oder man hackt auf seinem Gesprächsprinzip herum, ungeachtet der Tatsache, dass er gerade dank diesem eine treue Zuschauerschaft hat.

Ob Schawinski nun gläubiger Jude ist oder nicht, so startet die Sendung. Man kann über Religionen noch trefflicher streiten, als über Geschmäcker. Wenn man auf sinnlose Streitgespräche ohne konstruktiven Ausgang steht, deren einziges Ziel es ist, dem Gegenüber ein ‚Ja, du hast Recht‘ zu entlocken, was man nie hören wird, und die Diskussion bestenfalls in einem ‚Na gut, wenn du meinst‘ ihr resigniertes Ende findet.

Sie kamen diesbezüglich zu keinem Schluss, doch die Richtung war klar. Fragen münden in Gegenfragen; Trefflicher kann man sich nicht disqualifizieren.
Statt mit der Antwort dem Gespräch selbstbewusst eine Richtung zu geben, Stellung zu beziehen, lotet man mittels einer Gegenfrage die Stossrichtung des Gegenübers aus und nimmt sich die Freiheit, auch dank einer gewonnenen Besinnungspause, darauf zu reagieren.
Um den hübschen Widerspruch zu vollenden; Der Herr Thiel neigte dazu, mit Gegenfragen zu reagieren – treffend zu kontorn, werden nun seine Sympathisanten ergänzen – mokierte sich im Nachhinein darüber, dass der Herr Schawinski mehr Redezeit zur Verfügung hatte. Meines Erachtens könnte man sich mit einer guten Antwort auf eine knappe Frage ordentlich Zeit ergattern, was man sich jedoch selber verbaut, wenn man mit Gegenfragen ins Gefecht geht. Zwei Minuten Differenz waren es übrigens.
Doch die Anschuldigungen spiegeln das tiefe Niveau des Gesprächs wieder, welches kaum über die Kante eines mittelgrosses Sandkasten reichte.

Du hast viel mehr gesprochen als ich.
Stimmt doch gar nicht.
Du hast keine Ahnung vom Koran.
Habe ich doch.
Nein, hast du nicht!

Warum trägt man einen Irokesenschnitt?
Nun, ich hoffe einmal, weil er einem gefällt. Darüber hinaus, wohl kaum, weil man ein direkter Nachfahre von Chingachcook ist, oder diese kunstvolle Frisur des Morgens so unglaublich pflegeleicht ist.
Es genügt einem nicht, eine Gesinnung in sich zu tragen, man möchte sie nach aussen präsentieren; Die Meute soll die rebellische Ader sehen. Was bringt es wenn man Rebell ist und keiner kriegt es mit.
Ist ja auch in Ordnung. Frauen tragen Push-Up, Männer krempeln die Ärmel ihres Kurzarm-Shirts noch einmal um, weil ein halb bedeckter Bizeps noch ein Tick voluminöser wirkt; Ist ja auch in Ordnung.
Also, Thiel kokettiert mit seiner Bürste wie ein Teenie mit den hochgedrückten Brüsten, mit der entsprechend gespielten Entrüstung wenn man in das Decollte guckt – nicht, dass ich Teenies ins Decollte gucken würde, ich trachtete die gewählte Metapher dem Gesprächsniveau anzupassen.
Die Reaktion ist dieselbe; Man möchte sich bewusst absetzen, Aufmerksamkeit erregen, doch wehe jemand schluckt den Köder und reagiert der Provokation gemäss.

Ey, guck dich mal an eh.

So die Reaktion Thiels, auf die Frage, ob der der bunte Kamm der Provokation dient, vermag er nur zu argumentieren, dass ihn die langweilige Frisur Schawinskis provoziert. Was so nicht ganz korrekt ist, den Provozieren kann nur der Akteur selber, was bedeuten würde; Schawinksi trägt seine langweilige Frisur bewusst, um Leute mit Irokesenkamm vor den Ofen zu locken.
Ihr erkennt, das Gespräch wird schon in der dritten Minute an die Wand gefahren. Mit Nachdruck.

Die Frage, wie exhebitionistisch man sein muss, um als spärlich bekleidetes Huhn in einem Werbespot zu gackern, wird beantwortet, man dürfe in erster Linie keine staatlichen Subventionen in Empfang nehmen.

Ich finde deine Schaufel mega kitschig.
Dein Papa arbeitet bei der Müllabfuhr.

Mir ist bewusst, die ausgewählten Sekunden eines wiederholten dünnen Witzes werden kaum den Höhepunkt von Thiels Kabarett-Programm repräsentieren, die Quintessenz bleibt, dass er selbiges in subventionierten Theatern und gar dem Staatsfernsehen zum Besten gibt, was seinen Angriff wiederum mit der Wucht eines Fasnacht-Knallkörpers detonieren lässt. Mehrmals kommentiert er daraufhin mit einem, sinngemäss,; ‚Furchtbar, schlimm, oder?‘.

Ein trotzige Reaktion, welche dem Sympathisanten jedoch vermitteln will; ‚Was soll ich mit diesem Trottel diskutieren. Versteht mich sowieso nicht‘.

Schawinski griff den Ball auf und führte das Gespräch weiter, lenkte auf ein anderes Thema. Ist sein Job, man kann sich nicht in stillschweigender Übereinkunft gegenüber sitzen. Was soll der Gebührenzahler denken?

Das Gespräch führt weiter über einen Artikel der Weltwoche aus Thiels Feder, welcher an sich der Aufhänger des gesamten Gesprächs hätte werden sollen. Ich habe ihn nicht gelesen, gestehe ich ein.
Schawinski hat ihn gelesen. Offenbar jedoch den Koran nicht. Zumindest nicht vollständig. Was ihn wiederum zu, gemäss Thiel, einem unqualifizierten Gesprächspartner mache und es einer grossen Dreistigkeit bedarf, den grossen Thiel zu diesem Artikel zu befragen. Nun, da müsste ich wohl jede Zeitung beiseite legen, weil mich mangelndes Wissen zu den Hintergründen zu einem unqualifizierten Leser degradiert. Wiederum wäre die Aufgabe des Journalisten, welcher diese Recherche für den unbedarften Leser übernimmt, in Frage gestellt.

Meines Erachtens startete Schawinski nicht falsch, wenn er sich erkundigte, mit welcher Begründung sich Thiel das Recht herausnähme das Christentum wäre, ist stets gewesen und wird immer die bessere Religion als der Islam sein. Um diese Frage zu formulieren muss man den Koran nicht kennen, im Gegenteil, gerade wer dieses Buch nicht kennt, sollte diese Frage stellen.
Was machen die beiden Streithähne? Sie beginnen zu diskutieren, wer über den besseren Bildungsgrad verfüge, wer qualifiziert sei, einen solchen Artikel zu schreiben und wer berechtigt wäre, ihn zu hinterfragen. Man möchte schreien, lasst diese Peinlichkeiten!

Schawinski geht über, Thiel als Rassisten zu beschimpfen.

Muslime sind, böse gesagt, irgendwo im Übergang zwischen Neandertaler und Homo sapiens stecken geblieben.

Thiel hat diesen Satz vergessen, kann ja passieren, Schawinksi bringt ihn kurz aus dem Takt und beginnt nun, froh über einen Angriffspunkt, mit Nachdruck in diese Kerbe zu hauen. Thiel dreht den Spiess um, ohne sich auf eine Aussage von Schawinksi stützen zu können und startet der Einfachheit halber mit einer Pauschalbehauptung.

Wenn man alle deine Aussagen nehmen würde, könnte man eine ganz lange Sendung machen.schwanzvergleich

Ich war in Burma, Nepal, haumich-tot, habe das Totenbuch gelesen, das Alte Testament, das Neue Testament… In diesem Stile fahren die Gockel weiter, auf gut deutsch, ein Längenvergleich der primären Geschlechtsteile, wer das Gegenüber in Sachen Bildung schlägt. Als Zuschauer schämt man sich hüben wie drüben ein wenig fremd ob dem infantilen Gebaren. Fakt ist, beide scheinen die Weisheit mit dem ganz grossen Löffel eingeflösst erhalten und versuchen mich nun mit Zuckersäckli-Phrasen und Paulo Coelho-Philosophien zu beeindrucken.
Zitieren ist eine feine Sache, doch im Hintergrund bimmelt stets eine Klugscheisser-Glocke und das tollste Gedicht ist zunichte, sobald sie einer laut erklingen lässt.

Die letzten zehn Minuten könnte man sich getrost schenken.
Keiner der Protagonisten hat sich mit diesem Auftritt einen Gefallen getan. Im Allgemeinen Tenor scheint jedoch einer dem Schawinksi die Stirn geboten zu haben, het em Knöpf inetue.
Die Stirn geboten hat er. Zweifelsohne. An der Meisterleistung an sich möchte ich jedoch zweifeln. Über 30 Minuten einen völlig unkonstruktiven Gesprächspartner abzugeben, sich dabei als Rebell zu profilieren; Diese Leistung könnte jeder erbringen.

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