Presseschau

Nicht ausschliesslich der grosse Van vor der Garage zeugt von Reichtum, als Statussymbol zeugt länger je mehr die Anzahl von Kinderschalen auf dem Rückbank.
Sich Kinder anzuschaffen ist nicht ausschliesslich eine Frage von sich gern haben und weil es zu viert unterm Weihnachtsbaum einfach gemütlicher ist, mit etwas gesundem Menschenverstand betrachtet man dies aus ökonomischen Gesichtspunkten. Manchmal.
Die Gesellschaft teilt sich zwei. Gibt der CEO seine erfolgreichen Siegergene weiter, tut er ein gutes Werk, denkt an die Welt von morgen und hält die Schweiz am Leben. Pflanzt sich der Sozialempfänger fort, ist er ein kurzsichtiger, egoistischer Schmarotzer, scharf auf Kindergeld und zu arm oder dämlich, sich mit Verhütung auseinander zu setzen.

Unterm Strich bleibt, die Schweizer sind in Sachen Fortpflanzung etwas gehemmt, was auch Regierungsrat Ernst Landolt fest hält. Er wünschte sich 2, 5 Kinder pro Frau. Ich war nie dabei, aber denke, wenn man schon die Hälfte durchgestanden hat, sollte man das Ding durchziehen und besser die drei voll machen. Aber Männer können da nicht mitreden, weil wir unsererseits keine Ahnung von den Schmerzen der Geburt haben, wiederum die Frauen mit absoluter Gewissheit sagen können, dass der durchschnittliche Mann bei einer Niederkunft tausendundeins Tode sterben würde.

Die Schweiz muss gegen die Überalterung angehen.
Die Pharmaindustrie muss jedoch auch leben, daher werden die Alten weiterhin nach Möglichkeiten zu dreistelligen Geburtstagen getragen, vegetativ und im wörtlich tragenden Sinne,  und man setzt am anderen Ende der Lebensspanne an. Beim Beginn.
Die Frau trägt eine grosse Verantwortung; Mit jedem Kinde, das sie der Nation zur Welt bringt, kämpft sie ihren Kampf für die Nation.

Da vor 2014 Jahren in einem Stall ein sehr bedeutendes Kind das Licht der Welt erblickte und momentan sonst nicht viel passiert, blickt die Tageszeitung zurück auf das Jahr 2013 und hält die Erfüllung der ehelichen Pflichten in einer Statistik fest.
In einem furchtbaren Bericht. Ja, furcht, nicht frucht.

Pablo Bäni setzte über die Höhe der Seite eine Statistik in die Zeitung und erklärte selbige über eine Doppelseite hinweg.
Zum Beispiel, dass in Gemeinden mit hohem Ausländeranteil mehr ausländische Kinder zur Welt kommen als in Gemeinden ohne Ausländer. Eine messerscharfe Analyse. Auch dass in Schaffhausen mehr Geburten zu verzeichnen waren als etwa in Bargen. Bevor wir aber erstaunt die Augen aufreissen und schnappatmend vom Stuhl kippen, erklärt uns Herr Bäni, dass dies nicht so erstaunlich sei, wie es sich liest; Schaffhausen sei die grösste Gemeinde im Kanton.
Sachen gibts.

Durchschnittlich kann man sagen, dass es in Lohn hergeht wie im Kaninchenstall, während in Beggingen tote Hose herrscht.
Erfreulicherweise darf man jedoch berichten, dass der Posten der gebärenden Position ohne spezielle Quotenregelung zu 100 Prozent von Frauen besetzt war.

Leider stemmt die Frau auch die Hauptschuld, ich klammere mich an die Statistik, dass immer weniger Kinder zur Welt kommen. Die Aufgabe der Frau bestünde im Kern nicht mehr darin, ein Heim behaglich einzurichten und für die Wärme des heimatlichen Herdes zu sorgen, sie absolviert eine Ausbildung oder studiert und verbringt einige Zeit im Beruf. Intensiver als ein Mann.
Gemäss Herrn Landolts Masterplan sollten nun mehr Horte errichtet werden, dies attraktiviere das kleine Paradies.
Finden wir gut. Die Kinder könnten nach der Niederkunft somit gleich deponiert werden und die glückliche Mutter kann nach der Mittagspause schon wieder am Schreibtisch sitzen. Wir gehen noch weiter; Nebst der Einrichtung von Stillzimmern in Grossfirmen könnte man sich mit dem Gedanken tragen, auch einen Kreissaal mit Stempeluhr anzuschaffen oder ein Erweiterungskit für den Bürostuhl zu erwerben.
Dieses Modell soll nach Aussen getragen werden, dies würde junge Paare wie die Schmeissfliegen anlocken, denn unterm Strich ist es Ernst Landolt piepegal, ob Schaffhauser die Kinder selber produzieren oder wir aus anderen Kantonen importieren, Hauptsache, der Kanton werde verjüngt.

Und nun zu etwas völlig anderem.

Grosse und sperrige Postsendungen müssen künftig bei der städtischen Hauptpost in Empfang genommen werden. Je nach Grösse und Sperrigkeit einer Postsendung durchaus eine Herausforderung, da die Post in einer Fussgängerzone liegt.
Während Frau Grossstadträtin Stamm-Hurter klar sagt, dass eine Zufahrt mit dem Auto verboten sei, empfiehlt der abtrende Stapi Feurer lässig; „Ich würde es einfach mal versuchen.“; Manchmal muss man einfach frech sein.
Wem es gelänge, glaubhaft zu belegen, dass man ein schweres Paket abzuholen oder zu liefern hätte – ohne das Adjektiv „schwer“ näher zu definieren – der könnte zumindest in die Nähe der Post fahren, so die Verwaltungspolizei. Der Innenhof jedoch gehört der Post, welche wiederum die Auskunft erteilt, dass im Prinzip gegen vorgängige Anmeldung eine Abwicklung von voluminösen und schweren Postgeschäfte möglich wäre.
In diesem schwammig-gummigen Stil geht die Diskussion weiter.
So stehen in der Nähe fünf Parkplätze zur Verfügung, welche jedoch maximal für 5 Minuten in Beschlag genommen werden dürfen. Die Gehzeit nimmt zügigen Schrittes, ohne sperrige Gegenstände und bei tiefem Verkehrsaufkommen, schon zwei Minuten in Anspruch. Da müsste die Abfertigung in der Posthalle ganz flott erfolgen und die Frage zu den Gummibärchen und der elektrischen Zahnbürste, welche sich beim Spiessrutenlauf durch den Postshop am Weihnachtspaket verfangen hat, „Hätten sie gerne noch Swisscom-TV, eine Lebensversicherung oder wäre dies alles?“, müssten sich die Angestellten auch verkneifen.
Die Verwaltungspolizei sitzt sich jedoch vehement dagegen zur Wehr, die Parkzeit zu erhöhen. Womöglich würden die Plätze danach missbraucht, Autos zu parkieren und Einkäufe in der Stadt zu erledigen! Solch Tun ist gleich im Ansatz zu unterbinden. Dafür, und darin liegt das verblüffende Novum, sei die Verwaltungspolizei gewillt, Verhältnismässigkeit walten zu lassen.
Wenn ich dies richtig interpretiere, wird der Automobilist dazu aufgefordert, ein ehernes Gesetz – ich meine, wir reden bei der Überschreiten der zulässigen Höchstparkzeit von einem Kapitalverbrechen und nicht etwa von einer Bagatelle wie einer Messerstecherei in der Repfergasse – zu übertreten und darauf zu vertrauen, dass die Polizei ‚Verhältnismässigkeit walten lässt‘ und schon ein Auge zu drückt.
Ein Polizist mit gesundem Menschenverstand; Das Hallenfreibad wurde als beispielhaftes Oxymoron soeben abgelöst. Insbesondere, wenn man den Schutzmann noch vor die Beurteilung des Sachverhaltes stellt, ob der Autolenker nun in der Post oder nicht etwa doch am Bahnhofkiosk ist.
policeman

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Klaus und Lars, im Dienste unserer Sicherheit

Kaum zu glauben, aber ich lief Klaus in die Arme. Vielleicht auch Lars. Obwohl wir uns bei rotem, blitzenden Licht begegneten, hatte er sich nicht vorgestellt. Ich werde das Gefühl nicht los, für ihn nur eine Nummer gewesen zu sein. Ein kurzer, teurer Moment.

Peinlich ist mir, dass ich diesen Mistkerl nicht gesehen habe. Wir sprechen hier immerhin von einer Blechdose mit den Dimensionen eines anständigen holländischen Wohnwagens. Mit Ausguck.

Beim ersten Blitz war ich etwas irritiert warum mein Wagen plötzlich in rotes Licht getaucht werde, Petardenwerfer sind zwischen Beringen Enge und Beringen City eher selten anzutreffen. Klaus scannt und feuert dann Doubletten ab, daher wusste ich nach der ersten Irritation, woran ich war. Mit 67 km/h in der Sechziger-Zone. Auf freiem Feld. Ziehen wir die drei Stundenkilometer ab, welche mein Tacho der Sicherheit halber zu viel anzeigt, subtrahieren die Toleranz von 5 km/h der Radarstation, bleibt unterm Strich wohl nur der Schreck. Gut, der Korrektheit halber werde ich wohl trotzdem einen Einzahlungsschein über 40 Franken erhalten. Letztendlich sah ich erst auf den Tacho, nachdem ich dieses grelle Rot wieder aus den Augen hatte und da steckt meines Erachtens der Wurm drin.
Gehen wir von den 67 Stundenkilometern aus, fahre ich in der Sekunde gute 18m.

Würde ich eine Sekunde auf mein Mobiltelefon starren, wäre dies wohl eine sehr fahrlässige Handlung, ein grober Verstoss gegen das Verkehrsgesetz und würde gewiss mit drei Jahren Gulag geahndet. Oder Ausweisentzug, mindestens so schlimm.
Fahre ich jedoch blind weil mir irgendwelche Lausejungen mit ihrer Teufelsmaschine in die Augen geblitzt haben wird die Sache anders ausgelegt. Schabernack im Rahmen der Verkehrssicherheit.

Darob ein wenig verunsichert fragte ich bei der Polizei nach, wie sie zu der blinden Irrfahrt nach einem Blitzlichtgewitter stehen.
Klaus blendet nicht. Und Lars nämlich auch nicht!
Bevor man die beiden Jungs an den Strassenrand stellte waren diese beim TÜV für Polizei-Gimmicks, dem Bundesamt für Metrologie (METAS). Dort wurde bestätigt, dass die
semi-stationären Anlagen absolut blendfrei seien. Auf die Frage hin, weswegen Klaus mich nicht ordentlich von hinten nahm, gerade hinsichtlich der Verkehrssicherheit, erhielt ich die Antwort, dass die Herren in der Auswertung gerne meinen Gesichtsaudruck während des Aktes sehen. Dies wäre wichtig.

Unterm Strich muss es wohl an meiner Windschutzscheibe oder meiner Netzhaut liegen, wenn mich ein semi-stationärer Radarkasten meiner Sehfähigkeit beraubt. Weitere Fragen liess ich bleiben. Ich bin nicht der erste, welche sich über Blendgranaten im Dienst der Verkehrssicherheit beschwert. Verriet mir Doktor Google. Andere Beschwerdeführer wurden der amtsärztlichen Untersuchung überstellt, um sie auf übermässige Blendempfindlichkeit zu überprüfen. Was, erstens, gewiss nicht kostenlos ist, zweitens, einen Entzug der Fahrtauglichkeitsbescheinigung zur Folge haben könne und drittens sehen Farbfehlsichtige in der Nacht besser als normale Menschen, weswegen man ihnen wahrscheinlich nicht in die Augen leuchten sollte. Wers nicht glaubt, der lies nach.
Wikipedia

Nun, diesen Vorfall lasse ich auf sich beruhen und freue mich auf amtliche Post.
Nichts desto trotz habe ich mich etwas mit Klaus und seinem Spielgefährten Lars beschäftigt und wühlte im Zeitungsarchiv. Ganz nebenbei, wann wurde aus Zocki eigentlich Lars? Die SN-Leser entschieden sich am 4. Dezember 2013 für den Namen Zocki, bevor das Kind geboren war.

Bevor überhaupt einer dieser Kollegen auf unseren Strassen stationiert wurde, war die Polizei noch mit Blechkisten und VW-Bus auf Tour. Unbestätigten Gerüchten zufolge, packte ein alteisengeiler Ex-Jugoslave dereinst eine dieser Radarstationen in seinen Kombi. Ungeachtet der Tatsache, dass da noch ein Bündel Kabel aus dem Gehäuse hing, machte er sich mit dem wertvollen Schatz auf und davon. Erzählte mir ein Kroate. Vielleicht frei erfunden, aber die Geschichte gefällt mir.

Am 19. Februar des Jahres 2011 versprach uns Herr Verkehrspolizei-Chef Martin Tanner, dass wir jederzeit und überall mit einer Geschwindigkeitskontrolle rechnen müssen!

martin-tannerFrau Widmer-Gysel betonte, dass mit den Bussen kein Geld verdient werden solle! Man liege sogar unter Budget.
Warum man ein Budget erstellt obwohl keine Budgetvorgabe besteht wissen die Götter.

Am achtundzwanzigsten Tag des Monats Juli im Jahr 2011 begrüssten wir die erste semi-stationäre Radaranlage in unseren Reihen und auf unseren Strassen. Er erhielt den Namen Klaus.klausEine Schönheit ist er gewiss nicht, aber einem Goldesel schaut man nicht ins Maul. Man stellt ihn auf die Strasse, sagt Bricklebrit und klaubt die Münzen zusammen. Und er machte seine Sache gut.
In unmittelbarer Nähe von Spielgruppen und Kindergärten, in etwa an der Autostrasse Herblingen – Thayngen….herblingen-thayngen… wurde ihm eigenst ein kleiner Standplatz gebaut.

Dort arbeitete er Tag und Nacht für die Sicherheit der kleinen Kinder und gebrechlichen Fussgänger und spühlte ganz nebenbei 900’000 Franken in die Kasse. Mehr als das vierfache seines Anschaffungspreises. Das Sicherheitsempfinden der Finanzdirektorin war grenzenlos.

Bis er am 7. Februar 2012 das Opfer eines Brandanschlags wurde.
Nicht nur Klaus, auch die Kantonskasse wurde hart getroffen und obwohl er mittlerweile wieder Verkehrsverstösse zu Gold verwandelt stand ausser Frage, dass ein Zweiter her muss.

Nein, nicht nötig, befand der Kantonsratspräsident Hans Schwaninger und strich mit seiner ausschlaggebenden Stimme die 250’000 Franken aus dem Budget. Bei Klaus profitierten wir noch von einem Lern-uns-kennen-Rabatt, mittlerweile ist die Kiste 30’000 Franken teurer.

Hat man erst eine Goldader aufgetan, lässt man sich ungern vertreiben. Die Schaffhauser, wir haben schweizweit die grösste Radardichte, wussten schon immer im Namen der Sicherheit die Kasse zu füllen.
Unsere Sicherheit hat keinen Preis, dennoch erwartete man von dem Radar auf der Rheinbrücke einen kleinen Unkostenbeitrag.

rheinbruecke-a4Diesen vignettenpflichtigen Schulweg darf man nicht unterschätzen!
Gesamthaft wurden nach der Installation für das Jahr 2005 einen Bussenbetrag von
3,4 Millionen Schweizer Franken budgetiert. Mit 924 dokumentierten Verkehrsübertretungen in den ersten sechs Tagen erlangte Schaffhausen mediale Berümtheit, der tüchtigste Blechpolizist der Schweiz.

Von der Bordsteinschwalbe zum Zuhälter

… so hätte ich bei Blick getitelt, nach der Aussage, dass er unzählige Stunden am Strassenrand verbrachte, wie heute seine vier Untergebenen.

martin-tanner-2Quelle: Schaffhauser Nachrichten 5. April 2013

Aber wir sind ja nicht bei Blick.
Er möchte niemanden büssen, dies wäre ein Erfolg, spricht der letzte Gutmensch dieser Welt.
Wann immer man das Gefühl hat, vor dem eigenen Gartentor würde gerast, darf man sich bei der Polizei melden. Diese installieren dann ein Messgerät um das Verhalten der Fahrzeuglenker zu erfassen. Nur zu statistischen Zwecken, betont Tanner, es gehe nicht um Verzeigungen.
Die Statistik gibt dann Aufschluss, zu welcher Uhrzeit eine Kontrolle am rentabelsten wäre. Pardon, am sicherheitsrelevantesten! Natürlich. Mein Fehler.

Was lange währt…
Zu Beginn des Jahres 2014 wurde Zocki angeschafft, welcher nun Lars heisst.
Während Klaus in seinem ersten Amtsjahr abgefackelt wurde, wurde Lars nur blossgestellt. Eine nicht mindere Tragödie.

21. Oktober 2014. 2 Uhr morgens.
Regen prasselt, es ist für die Jahreszeit kühl. In Deutschland peitschen Sturmböen über das Land. Die Menschen liegen in den Betten, die Decken bis an die Nasenspitze hochgezogen. Die Fensterläden klappern, in der Ferne kracht ein Ast vom Baum. Apokalyptische Stimmung.
Nur einer steht draussen.

Sein Revier ist die Autostrasse. Sein Standplatz betoniert. Seine Gegner; Raser, Raser und ähm… Raser. Einsatz rund um die Uhr für Zocki-Lars. Unsere Sicherheit ist sein Job.

Ein Automobilist fährt in seine kleine Nische an der J15. Der stationäre Standplatz für halbstationäre Radaranlagen an der Autostrasse fern von Kindergarten und Schulhäusern, ohne Radstreifen, Zebrastreifen und Bordstein, an welcher er auf unsere kleinsten Verkehrsteilnehmer achtet. Also die in Stetten, Lohn oder so.
Ein Mann steigt aus. Der dunkle Trenchcoat mit hochgestelltem Kragen spannt über das breite Kreuz. Der Fremde richtet sich langsam auf, gross wie ein Kleiderschrank. Ein Schlapphut tief ins Gesicht gezogen lässt das Gesicht im Schatten versinken, nur die Glut der Zigarette wirft einen Schein auf sein Antlitz. Verzerrte Züge, eine gebogene Nase. Unrasiert. Die quer gestreifte Krawatte wird vom Wind gepackt und über die Schulter geworfen als seine Hand unter den Mantel wandert. Ein hässliches Grinsen entblösst unerwartet makellose Zähne, als seine sehnige Hand wieder zum Vorschein kommt. Die Klinge eines Bowie-Messers glänzt im Mondlicht. Regen perlt von der makellosen Klinge. Tropft auf den Boden. Die Augen scheinen irre zu funkeln, leicht geduckt einem Raubtier gleich bewegt er sich aus dem Schatten auf Lars zu.
Lars hat seine kleinen Rädchen hochgeklappt, den Deichsel festgezurrt. Unfähig sich zu bewegen. Weit und breit kein Martin Tanner in Sicht.
Semi-stationär für’n Arsch, schiesst ihm noch durch den Kopf. Ein letzter Blick durch die kleinen, regenverschmierten Fensterchen auf die verlassene J15, als der bedrohliche Fremde wie ein Panther auf ihn zuspringt und das Messer an die Abdeckblachen ansetzt. Ein kurzer Schnitt, ein hässliches Reissen und seine kleinen Rädchen sind schonungslos dem Regen ausgesetzt. Lars wurde es schwarz und nur noch benommen nahm er war, wie sich der Fremde mit kehligem Knurren an seinem Deichsel zu schaffen machte.
Weit und breit kein Martin Tanner…

larsQuelle: Schaffhauser Nachrichten 9. Dezember 2014

Verbrechen zahlt sich nicht aus, an unseren Radarstationen gleich zweimal nicht.
Und weil sparen manchmal auch ausgeben heisst, schafft sich die Polizei nun eine dritte semi-stationäre Radarstation an.
Für unsere Sicherheit. Und weil sich der Kanton Mehreinnahmen von 270’000 Franken verspricht.

Ich habe geschlossen.

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Männer sind, und Frauen auch…

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse…
RTL Bildungsfernsehen. Habe ich bei meiner Mutter gesehen, als nicht mehr ganz so kleiner Junge. Bei Papa hatte ich a) keinen RTL und b), wäre dessen Existenz irrelevant gewesen, da Fernsehen sowieso ein Teufelszeug war von dessen Einfluss man Kleinkinder, Teenies und angehende Erwachsene zu behüten hatte. Im Auftrag der gutbürgerlichen Erziehung. Hat ihm nicht geschadet, dem angehenden Erwachsenen, dafür hat er viel gelesen, merkt Papa heute an. Hat er nicht unrecht, vielleicht würde ich gar ähnlich verfahren. Allerdings hat der mittlerweile körperlich zusehends vollumfänglich ausgebildete Erwachsene sämtliche Pay-TV-Kanäle geordert, eine dicke Monatsrechnung bei Apple-TV, ein Abonnement bei Netflix und hält mit regelmässigem Zustupf das örtliche, serbelnde Multiplex-Kino am laufen. Und sollte mehr lesen. Ein findiger Couch-Doktor würde da bestimmt einen Zusammenhang erkennen.

Aber wir waren bei einem kleinen Stück Watte, das mehr für die Freiheit und das Selbstbewusstsein einer Frau getan hat, als jedes andere Produkt.
So lehrte mich Bettina Schmitz, Journalistin, dass ein Tampon von OB nicht wie eine Binde auf dem Handrücken liegt, sondern das Blut da saugt, wo es passiert. Im Inneren der Handfläche.
tmiZu viel Information. Ein eher neuer Ausdruck, mit welchem man die Ausführungen eines Gesprächspartners unterbindet. Und der Bedarf scheint gross zu sein, sich mit der Bearbeitung von Tabu-Themen hervor zu heben. Die betonte Lässigkeit, ganz offen über ekligste und persönlichste Dinge zu referieren, scheint der Versuch, den mangelhaften Bildungsgrad des kleinen Mannes – und Weibchens, wir wollen nicht sexistisch werden – zu kompensieren.
Mit gestreckten Armen, abgespreitzten Fingern – wie unsere abergläubischen Urahnen dem bösen Blick begegneten – leicht abgedrehtem Kopf und lauter Stimme um das Ausgesprochene zu übertönen, richtete ich mich gegen einen Arbeitskollegen, respektive wendete mich ab, welcher sich soeben genötigt fühlte, mir mitzuteilen, dass seine zehnjährige Tochter sich mit dem Erwerb ihres ersten BH beschäftigte. Nun bin ich der merkwürdige Verklemmte. Hätte ich mich für den BH interessiert, wäre ich wohl der pädophil veranlagte Sauhund. Ich denke, ich habe das Gewinnerlos gezogen.

Könnte Pony M. nie passieren.
Also dies mit dem merkwürdig verklemmt sein. Aus Langweile zappte ich wieder einmal durch ihre Texte. Auch weil „Du bist ein Schaffhauser, wenn du… „ wirklich nur noch aus Fotos von Sonnenuntergängen besteht. Und Weihnachtsbeleuchtungen, so fair bin ich. Aber warum auch nicht, wenn es für die Mitglieder stimmt?
Pony M. fühlte sich genötigt, die Vorgänge des weiblichen Zyklus zu umschreiben. Im Auftrag der Entwicklungshilfe, der Förderung des Verständnis der beschränkten Männer. In ihrem ge- und beliebten Schreibstil, neunzig Prozent der Männer und ich tanzen durch unser Missfallen da etwas aus der Reihe, angesiedelt zwischen den ersten Gehversuchen des Kindergärtners in der deutschen Schriftsprache und der Fäkalsprache eines Müllmannes. Am Stammtisch. Ich möchte nichts gegen Müllmänner sagen, benutze ihn hier nur als synonym für eine Person, welche spricht wie ihr das Mundwerk gewachsen ist. Gespickt mit Mundartausdrücken gibt sie sich volksnah. Die begeisterten Frauen lieben die Authentizität, es ist eine von uns. Meine Wenigkeit wäre vielleicht etwas gekränkt, wenn mein Gegenüber sich auf die Augenhöhe einer Küchenschabe niederlässt, dass ich nicht Gefahr laufe, dem Text nicht folgen zu können.

Aber: Wir finden’s imfall auch nicht so lässig, dass da einfach Blut aus uns rauskommt. Völlig unnötig. Und dass das auch noch weh tun muss, ist noch viel unnötiger. Und Pickel bekommen wir auch. Fuck you, mother nature.

fäkalspracheAnlass des Artikels war eine Diskussion, ob Frau drei Krankheitstage im Monat zustehen würde. Warum auch nicht? Allerdings würde ich damit warten, bis die Frauenquote in den Grundrechten in Stein gemeisselt ist. Es ist schwer vorstellbar, aber die Möglichkeit bestünde, dass sich Unternehmen schwertun das Management mit Personal aufzustocken, welches jeden Monat drei Tage fehlen würde. Oder auch sechs, vielleicht sieben Tage. Die Nachfrage, ob die Dame soeben menstruiert würde wohl den Tatbestand der sexuellen Belästigung erfüllen. Wir kennen dies aus dem gemischten Turnunterricht, als besonders gepeinigte Frauen über Wochen hinweg ihre Monatsblutung hatten. Die einzige Alternative wäre ein Arztzeugnis. Die Freude bei Ärzten und Krankenkassen wäre wohl grenzenlos, die willkürliche Erhöhung der Monatsprämien auch. Jeder, der sich dagegen ausprechen würde, wäre ein verkappter Frauenhasser.
Gut, wir können im Stehen Wasser lassen. Bewahren wir uns das! Über kurz oder lang befürchte ich, Mann kann sich nur noch an dieses Privileg klammern. Bis uns auch dies genommen wird. Wenn ich es recht bedenke, und hört ganz tief in euch hinein; Wer setzt sich zuhause bereits automatisch hin?

Die Monatsblutung, und nachher enden wir mit diesem Thema, müsste ich mir folgendermassen vorstellen; Es wäre vergleichbar, wenn mir drei bis fünf Tage die Eier verdreht würden, mir die Freude an allem Schönen genommen würde und mir nebenbei bis zur Auslösung eines Brechreizes jemand in den Magen boxen würde. Natürlich sprach Pony von ‚kotzen‘.
Ich weiss nicht woher Pony M. weiss, wie sich ein tagelanges verdrehen der Hoden anfühlt, aber in diesem Punkt hat sie mir offensichtlich etwas voraus. Hinsichtlich der bildlichen Vorstellung von Menstruationsbeschwerden bin ich so klug als wie zuvor.

Pony M. ist weiblich, Akademikerin, erfolgreich, Mitte dreissig. Und Single.
Und das ist gut so. Und wenn Pony M. sagt, dies wäre gut so, plichten ihr innert dreissig Minuten 486 Frauen zu, achtundreissig geben einen beipflichtenden lobhudelgeschwängerten Kommentar ab und der eine nicht ganz so einverstandene Mann wird von der Communitiy im bester facebook-cyber-mobbing-Manier in der Luft zerfetzt und auf den Scheiterhaufen gesetzt. Gesalzt, geteert und gefedert.

Pony M. mag Männer. Sogar sehr. Betont sie wiederholt. Und es ist nötig, dass sie es wiederholt betont, denn in ihren Texten ist der einfältig, leicht beschränkte Mann welcher bestenfalls als ordentlicher Deckhengst taugt und ihr die Einkaufstüten trägt, der stille Protagonist im Hintergrund. Aus demselben Grund warum eine attraktive Frau stets eine, ganz oberflächlich betrachtet, nur annähernd so attraktive, im Auge des ganz oberflächlichen Duchschnittsmannes und Pro7-Modelscout, Kollegin an ihrer Seite hat. Eine Rose im Rosengarten ist eine Blume mit Dornen, eine Rose in einem Steinhaufen vor einer zerbombten und nuklear verseuchten ukrainischen Kindertagesstätte hat gleich einen spendenziehenden Jöh-Effekt.
Man tut gut daran, den gesamten Rahmen des Erscheinungsbildes gleich mitzuschleppen und deswegen setzt sich Pony M. in ihren Texten gleich ins richtige Licht.
Und alle Anhängerinnen ebenfalls.

Sie ist nicht Single, weil sie – ganz oberflächlich betrachtet, in den Augen des primitiven Neandertalers, unterentwickelten Pro7-Modelscouts und dummen Mannes im Allgemeinen – eine paar Pfund zu viel auf den Rippen hat und eine verkappte Emanze ist, nein; Sie ist Single weil wir Männer die erfolgreiche Frau fürchten. Pony M. fürchten.
In ihrem Text investiert sie viele Zeilen in den Status. Der Bildungsgrad ist ein Indikator für den Wert eines Menschen. Je höher die Schule, je zahlreicher die Diplome, desto besser ist der Mensch. Für die Gesellschaft, das Land, die Welt und das Universum im Allgemeinen. Was an Menschheit über bleibt, ist der Humus. Man hantiert nicht gerne mit ihm, gibt schmutzige Hände, aber irgendwie scheint es ihn zu brauchen, damit die wertvollen Pflänzchen gedeihen können. Erfolgreiche Akademikerinnen wie Pony M.

Das Problem der erfolgreichen Partnersuche begründet daher im Feminismus. So Milos Matuschek in der NZZ. Frau setzt alles daran, nach Möglichkeit ganz Oben an der Pyramide zu sitzen. Nebst der Tatsache, dass es sich auf einem Pyramidenspitz gewiss unbequem sitzt, ist es so alleine auch etwas einsam. So eingeschüchtert Männer, nach Erkenntnis von Pony M. von erfolgreichen, also die mit besserem Status, Frauen wie Pony M. sind, so angewidert sind Frauen von unwürdigen Männern wie Klempner, Holzfäller und Handwerkern ganz allgemein. Sich nach oben zu orientieren würde aber dem Grundgedanken des Feminismus widersprechen, also orientiert man sich am besten gar nicht.

Würde unter Hartz-IV-Empfängern nicht gerammelt wie die Karnickel und hätte die Schweiz die Ecopop-Kondomlieferungen an der Urne nicht ins Nirvana gesendet, ich würde um den Fortbestand der menschlichen Rasse fürchten.
Fragt man den durchschnittlichen Single nach seiner Traumfrau, sagt er diplomatisch, dass er keine Vorstellungen davon hätte. Everybodys Darling. Nimmt man jedoch die Summe der Kleinigkeiten, welche ihn bei einer Frau stören würden, addiere welche Eigenschaften auf keinen Fall fehlen dürften, läuft es darauf hinaus, dass der passende Deckel erst geschmiedet werden müsste. Oder schon auf einer anderen Pfanne liegt. Nebenbei, wer ist eigentlich Pfanne und wer Deckel?
Kompromissbereit wie ein arabischer Sprengstoffgürtelträger, mit Tunnelblick wie die Sicht durch einen Strohhalm, ist man zwangsläufig zum dauerhaften Singledasein verbannt. Anscheinend hüben wie drüben.

Wenn man bei Pony M. ist, kommt man um die Huffington Post nicht herum. So habe ich gestern noch einige interessante Dinge über mich in Erfahrung gebracht.

Ich stehe nicht zu mir selbst und bin gehemmt, Entscheidungen zu treffen. Dies ist mitunter ein Grund, warum ich im beruflichen Leben nie eine wichtige Stellung einnehmen würde. Darüber hinaus wirke ich auf die Mitmenschen schwächlich, unterwürfig und besitze die Männlichkeit eines Gänseblümchens. Auch meine äussere Erscheinung wirkt kleiner als ich es wirklich bin, dazu wird die mangelhafte Ausstrahlung von einem schwächlichen Körperbild unterstrichen.
Menschen sehen mich und vergessen mich gleich wieder.

Der Grund? Ich trage Haupthaar. Voll und in Farbe. Ergänzt mit Gesichtshaar. Alle diese mir angekreideten Attribute liessen sich in das Gegenteil umwandeln, würde ich mir eine Glatze scheren.

Die einzige Erkenntnis welche ich aus diesem unglaublich wichtigen Artikel, auf einem Nivau als wäre 20min mit Blick und Sun in die Kiste gesprungen, liegt darin, dass ich bei all meiner offen zugegebenen – ich schäme mich keineswegs dafür – und selbst diagnostizierten Oberflächlichkeit, doch noch furchtbar tiefgründig und sehr selbstbewusst sein muss. Nicht im Traum käme es mir in den Sinn, die Menschheit nach dem Kopfhaar zu sortieren und ich kann sehr gut damit umgehen, wenn ich wiederum von einer Huffington-Post schubladisiert werde.

Unter dem Strich bleibt, mit einer Rasierklinge wird man zu einem besseren Menschen, einem Gewinn für die Gesellschaft.barber

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Mind the gap

Einen Fensterplatz.
Ja, ich hatte mir gut überlegt, wo ich sitzen wollte. Beim Online Check-In hat man ja die Möglichkeiten, seinen Präferenzen Ausdruck zu verleihen und einen Sitzwunsch anzubringen. Je nachdem gegen eine kleine Bearbeitungsgebühr. Ich war bereit das Risiko zu tragen, jegliche Ausweichmöglichkeit zu verwerfen – für den Fall, ich neben einem zweihundertfünfzig-pfündigen Bayern platziert werde – und entschied mich für den Platz am Fenster. Für dieses Peter Pan-Feeling, wenn der Flieger über London kreist um im Sturzflug auf den City-Airport zu hüpfen.peter-panSieht so im Peter Pan-Land in Eurodisney aus. Nein, da ist man nie zu erwachsen dafür!

Alleine im Flieger ist grundsätzlich eine dumme Sache. Man kann sich dank der nummerierten Sitze nicht einfach etwas breit machen und darauf bauen, dass sich niemand hinpflanzt. Da wird einem das Reisegspänli zugeteilt. Oder die Gspänli, in meinem Fall. Meine Vorstellung eines Fensterplatzes unterscheidet sich leicht von der einer Fluggesellschaft namens Swiss und so zog ich das glückliche Los, bei einer Dreier-Reihe den mittleren Sitz zu belegen. Zu meiner Rechten eine Dame mit osteuropäischen Einschlag. Nein, nicht diese wie man sie im Katalog aussucht bevor man gegen eine geringe Maklergebühr in die Ukraine fliegt. Eher die russische  Frau ab 34.russiaNachdem wir uns geeinigt hatten welcher Gurt wem gehört – stets gewahr, dass sie zuhause wohl den Pflug zog und mir mit zwei Fingern ihrer schwieligen Hand das Genick brechen könnte – schien sich bei Mutter Babuschka langsam eine gewisse Flugangst einzustellen. Sie begann stossweise zu hecheln, dass ich befürchtete, gleich würde unter dem Rock über dem Unterrock, Unterrock und Unterrock ein kleiner, glibbriger (natürlich süsser) Iwan zu Boden purzeln. Ich kenne das nur aus dem Fernsehen und es klang sehr ähnlich. Nichts dergleichen geschah, sie begann sich abzulenken, indem sie hysterisch, beinahe einem Daumenkino gleich, durch den Swiss Duty-Free-Katalog blätterte.
Zur Linken, nicht weniger unangenehm, einer dieser Business-Reisenden. Diese, welche selbst in den 75 Minuten Flugzeit nicht auf ihr Notebook verzichten können. Sobald sie sich aus ihren drei Schichten – bestehend aus Anzug, Mantel und Outdoor-Jacke – geschält haben, dir Ärmel und Ziergürtel über die Ohren und auf die Nase gefitzt, sich in den Sitz gepfercht und via Blackberry Gott und der Welt mitgeteilt haben, dass sie nun im Flieger sitzen, hat man solange Ruhe, bis das Anschnallsignal erlischt.
Sofort hauen sie dir unter Beileidbekundungen den Ellbogen in die Rippen und pflücken das IBM Thinkpad aus der Tasche. Dieses zwängen sie zwischen Vordersitz, Schlips und Hemd und beginnen sofort ihre Mails abzurufen. 10’000 Meter über Meer, fern von WLAN. Danach dümpeln sie in irgendwelchen Excel-Tabellen, ständig den ein und selben Eintrag am korrigieren, weil beim Tippen die kredenzte Butterbrezel über die Tastatur krümelt und zudem des Sprudelwasser im Pappbecher im Gleichgewicht gehalten werden will.
Aber, der Laie erkennt die Wichtigkeit. Also ich bin überzeugt, solch ein Herr im Anzug entscheidet schon vor dem Morgen-Espresso über Investitionen, welche das dreifache meines Jahresgehalts ausmachen. Ich bin sehr beeindruckt.
Leider sind diese Sesselpupser nicht direkt mit einer Stahlblase bewehrt. Oder sie haben in der Abflughalle während Business und Networken das Pinkeln vergessen. Von milchgesichtigem Antlitz wirken sie samt und sonders als würden sie noch stündlich gestillt, aber irgendwie fehlt Mutti, welches den Herrn Sohn im Anzug vor dem Abflug nochmals auf das Klo schickt. Kaum hängt der Flieger halbwegs in der Waage, machen sie ihre Büro-Installation wieder rückgängig und stellen sich in die Schlange vor dem Klo. Gewiss, nach intensivem Bier- oder light-Getränke-Konsum leide ich auch unter einer Konfirmandenblase, aber wenn man das Wasser keine 75 Minuten mehr halten kann, sollte man dem Deluxe-Muffin von Starbucks nebst dem Blattgoldüberzug vielleicht eine Handvoll Kürbiskerne beifügen.

So hatte ich also weder Gang- noch Fensterplatz, kam von links kein Ellbogen, musste die Russin rechts ihre fünf Röcke raffen und aufs Klo. Ich hatte mehr Bewegung als an einem Abend in der Männerriege, nehme ich an, und bevor sich Langeweile überhaupt einstellen oder ich meinen e-book-Reader aus der Tasche ziehen konnte, erhob der Herr in Schlips seine Arme gegen die Flugzeugdecke. Erst dachte ich an ein Stossgebet wegen einer versemmelten, im wahrsten Sinne des Wortes, Exceltabelle, doch er begann lediglich sehr umständlich und rundherum einsehbar, unter ’sieht mal alle her‘-hüsteln, die Zeiger seiner IWC eine Stunde zurück zu stellen.
Die Landung musste kurz bevor stehen.

Ein kreativer Flughafenarbeiter hatte mit bunten Absperrbändern einen lustigen Parkour gesteckt, durch welchen die Immigranten mit gezückten Ausweisen und wedelnden Pässen im Zick-Zack rannten. Nach einem flüchtigen Blick reihte ich mich zwischen potentiellen, arabischen Bombenkurieren in die Schlange der ‚Nicht-EU‘-Staaten. Dementsprechend langsam ging die Abarbeitung an der Zollkontrolle voran. Bis ich endlich an der gelben Linie stand, nur ein Katzensprung trennte mich noch vom grimmigen Zollbeamten hinter Panzerglas und dem gelobten Land. Ein schlanker Wurf mit Wuschelfrisur über der Hornbrille wies mich mit Blick auf meine ID darauf hin, dass ich in der falschen Schlange stehe. Die Einreise geht schon schneller, wenn man am Grenzbalken noch die letzten Fetzen des Passes aus den Zähnen puhlt und runter schluckt. Aber da ich kein Eriträer bin, hiess es; Gehe zurück auf Los, ziehe keine 4000 ein.
Nachdem die Schlange der ‚EU-Staaten / CH‘ abgearbeitet war, stand ich wieder vor dem bärbeissigen Zollbeamten. Wäre der Blick ein Fusstritt gewesen, ich hätte wieder auf der Landebahn gesessen. Energisch wurde ich letztendlich durchgewunken, mit einem ‚Na dann halt eben…‘ und ‚Scheiss-Touristen‘-Blick.

Bei meinem letzten Besuch hatte ich gut aufgepasst. Aus dem Flughafen gleich rechts und die Oyster-Card aufladen.oysterJa, mittlerweile besitze ich eine Oyster-Card, mit etwas Stolz. Unterscheidet dies doch den etwas ortskundigeren Touristen vom Laien. Sogar zwei Karten sind mein Eigentum, in der stillen Hoffnung, dass dereinst jemand anderes als nur der ‚Coole-Idee müssen-wir-unbedingt mal-machen‘, der ‚Ich-würde-ja-mitkommen aber…‘ und der ‚Ich-weiss-noch-nicht mal-gucken‘ mich begleiten würde.
Im Gegensatz zum letzten Mal habe ich nun die Karte wirklich auch geladen, nicht nur den Schlitz mit einem 20£-Schein gefüttert, und sprang nach erfolgreicher Transaktion schnurstracks in den bereitstehenden Zug. So schnell man mit einem Koffer eben springen kann.

Während er auf dem Viadukt in Richtung City donnerte und ich den Bussenkatalog studierte, wurde ich gewahr, dass ich meinen Eintritt in den Zug mit besagter Oystercard nicht registriert hatte. Wo denn auch? Es teilte so mancher bunte Passagier den Wagon mit mir, aber ich war gewiss, der einzige Schwarzfahrer zu sein. Mit dem Zahlsystem der überirdischen Strecken bin ich nicht so vertraut.
Bei der Station Canning Town erzählte der kleine Mann im Lautsprecher etwas von einem Wechsel zur Underground, worauf ich die Bahn verliess und Treppchen hoch, Treppchen runter spielte, ohne besagte Underground zu finden. Scheisstourist eben.
Eine Zigarette später stieg ich wieder in den Zug derselben Linie und flitzte mit Angst im Nacken weiter. Also eigentlich nicht wirklich. Also Angst. Im schlimmsten Fall wäre ich ein schulterzuckender Tourist. Irgendwie machte es sogar noch Spass. Ich lebe in der Meinung, solange man eine Kreditkarte und einen Ausweis hat, kann einem in der zivilisierten Welt nichts passieren.

Bei der Station Bank holte sich mein Samsonite glühende Rollen. Wirklich, die Tube ist eine feine und unglaubliche spassige Sache, aber als Farbenblinder, respektive ganz krasse Rot-Grün-Sehschwäche sagt der Doktor, ist man etwas der Gelackmeierte. Ich kann wohl geistig zwei Farben – also das Abbild der Farbe, denn eine Farbe an sich gibt es für den Farbenblinden meines Schlages ja nicht – übereinanderlegen und sie somit vergleichen, aber auf der Tube-Map ist die Distanz der Legende zur eigentlichen Strecke eine Idee zu weit, um diese Technik anzuwenden. Zudem ergibt die Farbe der District-Line direkt neben der Circle-Line wiederum die Mischung einer Farbe, welche jener der Center-Line furchtbar ähnlich sieht. Daraufhin bleibt dem Behinderten, barrierefrei für’n Allerwertesten, keine andere Möglichkeit, als alle Bahnsteige abzuklappern und die Stationennamen der Infotafel zu lesen, danach wieder eine Map zu suchen, einen Plan im Taschenformat habe ich noch immer nicht, und das Gesehene in Einklang zu bringen. Dies ist der Grund, warum Farbenblinde eine Tick intelligenter sind, da wir für alles was farbenorientiert ist Alternativen suchen müssen, welche mit der Welt der Farbensehenden kompatibel ist und daher ein paar Synapsen mehr aktivieren müssen. Behaupten führende Wissenschaftler, würde ich so nie für mich in Anspruch nehmen.
Bedeutet ganz viel Laufarbeit, bei vier Bahnstrecken, 200 Meter langen Tunnels und diversen Höhenunterschieden.
Hat man dies gepackt, wird man verwirrt, weil auf der selben Linie mit derselben Farbe ein Zug nach Wimbledon und eine Minute später ein identischer nach Ealing Broadway gondelt.
Natürlich, der Welterfahrene sagt nun, das kann dir egal sein, da beide die Gloucester Road passieren, aber in diesem Moment war ich etwas verwirrt. Was die Aussage über besagte Synapsen wieder wie Seifenblasen platzen lässt.

london-tube

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, gute vierzig Minuten später zuckelte ich an der Gloucester Road wieder ans Tageslicht. Theoretisch, es war neun Uhr Abends. Dunkel. Also so dunkel, wie London bei Nacht eben ist.
Zu meiner, und der Verteidigung der London Underground, möchte ich sagen, dass ich bereits tags darauf wie selbstverständlich kreuz und quer durch die Stadt flitzte. Das System ist wirklich idiotensicher und nur zweimal verpasste ich den Ausstieg, da ich die durchgestrichene Haltestelle Gloucester Road auf der Piccadilly Line für einen Lausbubenstreich hielt, bis mich die Durchsagen und der vor dem Fenster vorbeiflitzende Geisterbahnsteig eines Besseren belehrten.

Ich würde behaupten, meine Englischkenntnisse etwas verbessert zu haben, wäre da nicht dieser Bar-Pianist gewesen. Als ich an der Reception stand und die kleine Dame hinter dem Tresen mich aufs herzlichste Willkommen hiess, so denke ich, wähnte sich besagter Musikant der nebenliegenden Hotelbar in der Royal-Albert-Hall und unterstrich sein Geklimper mit Gesang aus voller Kehle. Über den Tresen gebeugt versuchte ich verzweifelt der Dame Worte zu lauschen, welche dieser intimen Annäherung mit einem fliehenden Schritt zurück begegnete. Daraufhin war ich wieder gleich weit, nur mit dem imaginären ‚Eklig aufdringlicher Gast‘-Schild um den Hals.

Ein Zimmer für eine Person. Oder Besenkammer mit Dusche.
Gegen das Hotel möchte ich nichts sagen, eine feine Übernachtungsmöglichkeit. Und ich bin da gewiss nicht schnell zufrieden. hotel-park-internationalAber auch als notorischer Single ist man sich dennoch das grosse Bett gewohnt, wenn man da seine Glieder plötzlich wieder im Kinderbett Gulliver ausstrecken soll, fühlt man sich schon etwas fremd. Zumal die Matratze auch noch weich war wie die Schaumstoff-Hüpfburg im IKEA-Kinderland.

Beim Frühstück wird man ungläubig gefragt, ob man wirklich alleine speise. Dann erhält man einen Tisch, irgendwo zwischen Toilette und Küche. Wenn man schon die Frechheit besitzt, als Einzelperson einen ganzen Tisch zu belegen…
Das nächste Problem. Da man eine Karte und keinen Zimmer-Schlüssel mit einem Schiffs-Bojen-grossen Anhänger dabei hat, kann man seinen Tisch auch nicht reservieren. Ein Handtuch hat man als Schweizer auch nicht dabei. Kehrt man also vom Buffet mit dem beladenen Teller zurück, ist es möglich und so auch passiert, dass eine zweite Angestellte den Tisch bereits wieder belegt hat. Dann spaziert man ziellos mit beladenem Teller durch den Saal, auf der Suche nach der Platzanweiserin.
Derselbe Spiessrutenlauf, wenn man für den zweiten Gang wieder an das Buffet spaziert und niemand die Stellung hält. Am zweiten Tag erwischte ich die Angestellte gerade, wie sie meine dreiviertel volle Tasse Kaffee davontragen wollte und ein neues Gedeck aufgelegt hatte. Sie heuchelte Betroffenheit, sie hätte mich eben nicht mehr gesehen. Am dritten Tag war ich in der Bäckerei um die Ecke. Da brach keine Verwunderung aus, dass ich alleine unterwegs war.
Über kurz oder lang werde ich wohl wie Mister Bean mit einem Teddy auf Reisen gehen und selbigen zum Frühstück gegenüber platzieren.bean-teddyIst bei Cool Britannia übrigens käuflich zu erwerben. Verzichtete ich leider aus, im nachhinein unbegreiflichen und für mich eher untypischen, Spargründen. Aber gehe sowieso bald wieder.
Soviel für heute.

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An die Trottel im Human Resource Management

Ihre Bewerbung als ………………..* (m/f), Ref. OAA

Sehr geehrter Herr B.*

Vielen Dank für die Zustellung Ihrer Bewerbungsunterlagen und Ihr Interesse an einer Mitarbeit in unserem Unternehmen.

Nach sorgfältiger Prüfung Ihrer Unterlagen haben wir festgestellt, dass Ihre Qualifikationen und Erfahrungen dem Stellenprofil nicht allen Punkten entsprechen. Aus diesem Grund können wir Ihre Bewerbung leider nicht weiter berücksichtigen.

Wir bedauern, Ihnen keinen besseren Bescheid geben zu können, laden Sie aber herzlich ein, regelmässig unsere Stellenausschreibungen auf unserer Homepage www.hau-mich-tot.com* zu besuchen und sich gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu bewerben.

In der Zwischenzeit wünschen wir Ihnen alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Freundliche Grüsse

S* Recruitment Team

S* Switzerland AG
Human Resources
8…. Zurich A*
www.hau-mich-tot.com

(Name, Firma, Webadresse und überhaupt alles der Redaktion bekannt)

 

Sehr geehrtes Recruitment Team,

gerne würde ich Sie mit einem Namen ansprechen, aber dies ist beim Versand von standartisierten Absageformularen ohne direkten Ansprechspartner mit einer gewissen Schwierigkeit verbunden, seien Sie sich meines Verständnis gewiss.

In erster Linie möchte ich für die prompte Sichtung und Bearbeitung meiner Bewerbungsmappe danken. Es ist erfrischend angenehm, nicht wochenlang auf die Folter gespannt zu sein.
Sollte es Ihre Zeit erlauben, möchte ich Sie höflichst ersuchen, die doch eher pauschal gültige Absage etwas persönlicher zu verfassen. Besonders hinsichtlich Ihrer freundlichen Einladung, doch weiterhin Ihre Stellenseite zu konsultieren.

Ich erlaube mir im Namen aller Stellensuchenden zu schreiben und erweise Ihnen die Ehre, stellvertretend für alle Vertreter des  Human Resource Management dieser unserer Hemisphäre zu antworten; Die erhaltenen Absagemeldungen seitens grosser Konzerne unterscheiden sich nur hinsichtlich des Absenders.

Es liegt mir fern, Ihnen Ihre Arbeit erklären zu wollen, doch dürfen sie davon ausgehen, dass der Stellensuchende Ihre Ausschreibung studiert, seine Sätze mit bedacht wählt, stets bestrebt sich im Aufsetzen von Bewerbungsschreiben zu verbessern.
Damit Sie Ihrerseits nicht wöchentlich die selben Unterlagen auf dem Tisch liegen haben, worauf sie sich genötigt sehen eine Antwort wie die untenstehende zu versenden, dass besagte Bewerbung ‚in einigen Punkten nicht dem Profil entsprechen‘, könnten Sie sich und nicht zuletzt dem hoffnungsvollen Bewerber Arbeit und Frustration ersparen, indem sie drei Minuten mehr aufwenden und besagte Punkte ansprechen.
Lasse ich in der Gaststätte mein Mittagsmahl zurückgehen, weil das Menü ‚in einigen Punkten nicht meinem Gusto entspricht‘, ist der Küchenchef so klug wie zuvor und die Gefahr ist gross, dass ich denselben Teller wieder zurück erhalte.

Ich gestatte mir, die Ausschreibung zu zitieren:

Abgeschlossene Berufslehre als Elektroniker o.ä

  • Konnte ich ausweisen. Ansonsten sollte das ‚oder ähnlich‘ vielleicht etwas präzisiert werden. Dies würde verhindern, dass man Zeit aufwendet, sich in einen völlig fremden Berufszweig zu bewerben.


Gute Deutsch- Englischkenntnisse

  • Nun, immerhin verfasste ich ein Schreiben, wohlklingend, fehlerfrei und mit einwandfreier Grammatik, ohne Smiley oder bunten Kartoffelstempel. Dies dürfte meine Kenntnisse der deutschen Sprache belegen. Hinsichtlich Englisch führte ich Grundkenntnisse an. Vielleicht wäre hier auch eine genauere Angabe hilfreich. Immerhin haben wir das Instrument des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen zur Verfügung, welches ideal ist, einen Massstab zu setzen. Dies würde einem erklären, wenn hier der Hebel anzusetzen wäre. Dürfen Sie doch davon ausgehen, dass man sich auf einen absoluten Traumjob bewirbt und durchaus gewillt ist, für selbigen auch einige Anstrengungen in Kauf zu nehmen.


Bereitschaft für Schichteinsätze (auch an Wochenenden und Feiertagen)

  • Gewiss, ich zeichnete mich nicht direkt als Nachteule oder Wochenendarbeiter aus, verwies jedoch auf meine Flexibilität. Ich möchte behaupten, wenn man diesen explizit aufgeführten Punkt liest und sich bewirbt, darf die HR von einer gewissen Bereitschaft seitens des Bewerbers ausgehen.

Dies wären schon die drei Punkte der Ausschreibung. Nach meinem Empfinden war ich nicht der komplette Quereinsteiger. Auf Ihrem Onlineportal hatte man ergänzend die Möglichkeit, seine Gehaltvorstellungen sowie PC-Anwenderkenntnisse zu bekunden. Nun, hinsichtlich Gehalt besuchte ich noch kein Job-Interview, im Rahmen dessen die Lohnvorstellung etwas anderes als eine Verhandlungsbasis gewesen wäre. Nichts desto trotz könnte man auch hier anmerken, dass das Wunschsalär jenseits von Gut und Böse sei und man dahingehend nicht dem Profil entspräche.

Ich hoffe Sie können meine Neugierde nachempfinden und Ihre Zeit gestattet die Bearbeitung meines Anliegens.

Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen bereits im Voraus.

Mit freundlichen Grüssen
R*

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