Den Dummen gehört die Welt

Selig sind die Armen im Geist, denn ihr ist das Reich der Himmel.
Matthäus 5,3

Es mag etwas anmassend klingen, doch bisweilen stelle ich mir die Frage, überfliege ich meine irdischen Mitstreiter tatsächlich, oder bin ich mit selbigen einfach inkompatibel.

Mein Arbeitgeber erwies mir die Gunst, mich im Rahmen eines Kurses in das Berner Seeland zu entsenden. Die Gewichtung eines solchen Kurses hängt stets von den Mitarbeitern ab. Der eine wähnt sich an einer Hochschule, der andere, oder ich, geniesst lediglich die Abwesenheit von Chef und Stempeluhr.

Was, oder wer, garantiert nicht fehlt, ist jener, welcher bei einer oberflächlichen Betrachtungsweise völlig überflüssigerweise hier ist. Jener, welcher die Weisheit mit der Muttermilch aufgesogen hat. Aus der Not eine Tugend machend, geniesst er nun eben den ganz grossen Auftritt. Von fünf Teilnehmenden zeichneten sich deren drei durch diesen unbestreitbaren Vorsprung an Wissen aus. Zehn Prozent des restlichen Bestandes entfielen auf meine Wenigkeit, während der Letzte ein Gast älteren Semesters war, welcher seine Stellung nur noch wegen der Aussicht auf das pralle Pensionsbeutelchen behauptet. Er begnügte sich damit, dümmlich in die Luft zu gucken und seinen Schulbeutel mit den bereitgestellten Snacks zu füllen. Angenehm unauffällig, bis auf die Tatsache, dass er fortwährend krampfhaft versuchte, den abwechslungsreichen Aspekt der Tätigkeit zu erörtern, ob man Zeltheringe in Brigels oder in Chur zähle.
Vielleicht etwas dümmlich stellte ich die Frage, wie zeitgleich Signale über einen Lichtwellenleiter in beide Richtungen übertragen werden, meiner Erfahrung gemäss seien dafür zwei getrennte Leitungen notwendig.
Der Kursleiter setzte an, mir das Multiplexverfahren zu erklären, bis zu meiner Rechten der Kollege den Begriff Optokoppler in den Raum warf. Lässig im Stuhl liegend, von oben herab an mich gerichtet. Lichtwellenleiter und Optokoppler mag in seinem Kopfmemory zusammenpassen wie Hund und Knochen, dennoch war es nicht die erwartete Antwort, der Kursleiter ging auch nicht näher darauf ein und bemühte sich, das Verfahren zu erklären.
Bis von links „Optokoppler“ erklang. Meine Güte, nun lasst den guten Herren doch einmal ausreden. Doch die Sache war schon gelaufen, der dritte setzte an; „Beim LWL-Kabel ist es einfach wichtig, du darfst dies nicht biegen.“
Dies wäre mir schon klar, ich sei kein Idiot, wüsste nur gerne… „Nicht biegen, dies geht kaputt!“, im Sperrdruck.
Is nich wahr?!
„Mich würde einfach interessieren, wie das Verfahren funktioniere.“
Der Herr in der Mitte des Raumes wollte eben wieder zur Erklärung ansetzen, als es von rechts ertönt; „Deswegen haben wir auch diese robusten Stecker. Ganz einfach anzuschliessen, in diesem Sinne.“; nickend wandte er sich dem Kursleiter zu, die Gestik drückte aus; Du kannst weiterfahren, keine Ursache, ich unterstütze dich gern. Verzeih, dass wir einen solchen Idioten dabei haben.

Dies zog sich über Tage dahin. Einer dieser feinen Teilnehmer wusste sich immer in Szene zu setzen, indem er die Aussagen des Kursleiters mit Jawohl, Genau und Richtig unterstrich. Dabei auf dem Stuhl immer leicht zu den Übrigen gewandt. Ein anderer las den projezierten Textteil von der Wand und fiel dem Herrn Lehrer ins Wort, sobald sich aus dem Kontext ergab, dass nur noch besagte Aussage folgen konnte, während der Dritte wie ein Papagei die letzten Silben nachplapperte. Ganz im Sinne von; Wollte ich auch eben sagen.
Wobei wir dem Umstand, dass die Herren lesen konnten durchaus Respekt zollen möchten, was ich so auch zum Ausdruck brachte. Zur Hervorhebung des sarkastischen Untertons hätte ich wohl ein entsprechend beschriftetes Schild schwenken müssen, da sich die Herren nicht etwa auf die Zunge bissen, sondern beflügelt noch unterstützender in den Unterricht eingriffen.

Schrecklich diese Geltungssucht, wider jeder menschlicher Vernunft. Sagt einer, welcher einen Blog schreibt, ich bin mir der Ironie sehr wohl bewusst.

Da der Röhrenfernseher in meinem Hotelzimmer bestenfalls ein Mäusekino darstellte, die Programmreihenfolge jeglicher Logik entbehrte und vernünftige Sender komplett fehlten, verbrachte ich viel Zeit an der Bar und sprengte mein Spesenkonto.
Leicht angetrunken lässt sich auch die Gesellschaft leichter ertragen. Zu meiner Rechten platzierte sich ein computerbegeisterter Personenschützer. Wenn er nicht über sein Mobiltelefon lauthals schreiend die Kollegin beim Einrichten ihres E-Mail-Accounts unterstützte, „SSL, DU MUSST SSL ANKLICKEN“ – ich muss unbedingt solch kluge Wörter in meinen Alltag einbauen, etwa Türklingel oder Computer – berichtete er von seiner wilden Kindheit, der Ausbildung beim Personenschutz und seinen Heldentaten bei der Schweizer Armee.
Ich befürchtete, mein Fremdschämen würde erst enden, wenn ich sturzbetrunken vom Hocker rutschte, als ihn die Bardame mit seinem Mobiltelefon vor die Tür verwies.
Damit er sich den nächsten Faux-Pass leisten konnte.

Korrigiert mich, aber ein gewisser Reiz beim Kennenlernen anderer Personen liegt doch darin, dass man nichts über selbige weiss und wird durch spielerische Geheimniskrämerei noch gesteigert.
Als der Herr Bodyguard, seine Ausbildung hat er wegen nicht näher umschriebenen Umständen nie abgeschlossen, wieder zurückkam, wollte er die Dame beeindrucken. Vor der Tür hat er aufgrund ihrer Autonummer den vollen Namen und die Adresse in Erfahrung gebracht, sie gegoogelt und lebte nun tatsächlich die Meinung, wenn er seine Stalkerqualitäten offenlegte würde sie wie Wachs schmelzen. Dies wäre eben sein Job.
Ich rechnete damit, dass er jeden Augenblick seinen Micky-Maus-Detektivklub-Ausweis und die YPS-Fingerabdruck-Ausrüstung zückte und wäre am liebsten mit leisem Plopp in einer blauen Wolke verschwunden.
Doch statt mich aus der Sache rauszuhalten, wollte er nun altersmässig geschätzt werden und konnte es nicht umgehen, zu erwähnen, dass wir uns einen Jahrgang teilten.
Ich tu mich schwer mit meinen Lenzen, gebe ich offen zu und schätze es, dass ich in selbem Masse von meinem Babyface profitiere, wie ich die ersten 25 Jahre darunter litt. Doch dies ist natürlich hinfällig, wenn mich ein abgehalfterter, verkappter Jerry Cotton dermassen bloss stellt.yps-detektiveDass solche Trottel erreichen was mir wohl zeitlebens verwehrt bleibt, gehört in meinen etwas voreingenommenen Augen zu den Mysterien des Universums. Er ist tatsächlich verheiratet und hat zwei Kinder. Daher, betonte er, er wolle die Frau für mich klar machen. Nicht, dass ich darum gebeten hätte.
Ich versuchte ihm daraufhin klar zu machen, dass selbst eine tote Ratte auf dem Barhocker neben mir einen besseren Wingman abgeben würde, als die Vorstellung, welche er die letzte halbe Stunde geboten hätte. Unter schallendem Gelächter gab er mir ein Bier aus und ich gab mich der Überlegung hin, ob ich eigentlich rätoromanisch spreche.

Der nächste aus der Gruppe setzte sich an den Tresen und knüpfte beinahe nahtlos da an, wo der Bodyguard geendet hatte.
Seine Stärken waren jedoch anders gelagert. So bezeichnet er sich als eine Mischung von Rocco Siffredi und John Holmes. Die Sprüche flacher als ein Bierdeckel und das Niveau nicht höher angesiedelt, als selbiger, wenn er einem wippenden Bartisch unterlegt ist.
Auf meinen verzweifelten Ruf, dass ich gerne noch ein Bier hätte, reagierte die Dame, sie komme gleich. „Höhö, jetzt kommst du schon zum dritten Mal, ist der so gut?“. Ganz professionell lachte die Barfrau natürlich, ist ihr Job, was den Herren im Glauben ob der Wirkung seiner Sprüche noch bestärkte. „Und geh ihm noch an die Nüsse hähä, meine fülle die Nüsse nach, höhöhö“, schlägt sich vor Begeisterung gleich selbst den Schenkel rot.
Obwohl es sogar dieser Typ geschafft hat, eine Frau zu ehelichen bitte ich dennoch; Schlagt mich auf der Stelle tot, wenn ich es nicht mehr schaffe ein Gespräch zu führen, ohne mir ob meiner unglaublich sorgfältig gewählten, schlüpfrig zweideutigen Bermerkungen selbst auf die Schulter zu klopfen. Obwohl es natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass genau dieser Weg zum Ziel führt. Aber lieber darbe ich in Einsamkeit.

Irgendwann kommt der Moment, da die Sturzbetrunkenen tiefgründig werden.
„Eigentlich wäre das Verhältnis Arbeit und Kaugummi, nicht ausgeglichen und ein Papier würde doch erst leben, wenn man… und darum…. er lieber 500 weniger verdienen, dafür jedoch weniger Weihnacht… aber wenn dann der Schnee und darum Gänseblümchen… es gehe doch um die Kinder!“
Zustimmend brummt es links und rechts und die Helden der Theke weinen in ihr Bier, weil sie doch so hart schuften und überhaupt, alles Arschlöcher.
Richtig glücklich wären sie doch eigentlich, wenn sie in einer Höhle leben und jagen würden.
Durch meine Aussage, dass ich mir aufgrund der letzten drei Stunden sehr wohl vorstellen könne, dass sie mit Fell und Keule in einer Höhle leben könnten, versicherte ich mich der Freundschaft, dieser tollen Leute.

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Neulich im Personalbüro

Es gibt Dinge, die sollte man gelegentlich wieder üben. Radfahren, Schuhe binden und sich gelegentlich irgendwo vorstellen.
Plötzlich müsst ihr und die zierliche Dame der Human Resources tritt euch mit ihren Lack-Pumps an die Wand. Da ist es besser, wenn man ein wenig vorbereitet ist. Zudem, wie oft haben einem, im übertragenen Sinne, diese HR schon trocken von hinten… ihr wisst schon. Da kann man getrost deren Zeit verschwenden, auch bei minimalstem Interesse an der Stelle.

Lüstern gucke ich auf die grosse Schale voller bunter Sugus auf dem Tresen.
„Bitte nehmen sie doch bei der Sitzgruppe einen Moment Platz, die Frau Hübeli wird gleich kommen.“
‚Das ist keine Sitzgruppe, dies ist eine Ansammlung von Stühlen. Und ein Tisch….‘
„Aber gerne“

Eine unfreiwillige Spur mit Sugus hinterlassend begebe ich mich zu den gewiss sündhaft teuren Plastikstühlen.
Der Wartesaal, oder wie man dies nennen soll, sollte doch eine Visitenkarte der Firma sein. Wie auch die Eule hinter dem Tresen. Eine zerlesene 20Minuten liegt da. Fühlt sich an, als wurde bereits ein Fisch darin eingewickelt.
Ein Drahtseilakt. Broschüren welche das Unternehmen präsentieren, liegen keine auf, die Absicht bereits beim ersten Sehen ein unglaubliches Interesse zu heucheln fällt ins Wasser.
Lese ich die 20min, hat die Frau von der HRM gar den Eindruck, ich hätte dieses Schundblatt selbst mitgebracht und würde meinen Schrott auf ihrem Tisch liegen lassen. Ich beschränke mich darauf, mit übergeschlagenem Bein, die Finger zu einem Zelt geformt, in aufmerksamer Haltung auf den Lift zu starren und den Paten zu mimen.
Und die Sugus aus der Tasche in meinen Kulturbeutel zu bugsieren.

Für die Leser welche mich nicht persönlich kennen; Selbstverständlich schleppe ich kein Necessaire mit mir rum, mein Kulturbeutel ist die männliche Erweiterung dieser Handtäschchen, welche sich gelackte, metrosexuelle Ostblocker mit gezupften Augenbrauen und Kajalstift umhängen.salewaGanz furchtbar praktisch.

Guten Tag, ich bin die Frau Hübeli.
Angenehm…
Die Liedschatten etwas verwischt und ausgedünnt, dafür neckisch den Kajal über die Augenwinkel gezogen. Absicht oder das Ende verpasst? Knochig. Gute vier Jahre jünger als ich. Die Zähne gebleacht, was die merkwürdige Zahnstellung betont. Ja, ich bin sehr oberflächlich und der erste Eindruck ist gegenseitig.
Es ist ein Fluch. Die HRM-Püppchen werden immer jünger und man kommt sich so minderwertig vor, wenn ein Mädchen, welches seine ersten Strümpfe noch nicht durchgelaufen hat, mitentscheidet, ob man eine Stellung erhält.
Lifte können nicht schnell genug hoch schiessen. Glücklicherweise leidet die ganze Schweiz an verstopften Strassen. Man lässt peinliches Schweigen gar nicht erst entstehen.
„Haben sie es gut gefunden?“
„Ganz wunderbar, das Signet strahlt ja über Kilometer wie ein Batsignal. Und dann ihre Beschreibung, einfach excellent. Ich würde mich schämen, es nicht gefunden zu haben“
Natürlich nicht so dick aufgetragen.

Den vom Batsignal hätte ich bringen können.
Im Büro sitzt die Dame vom HRM rechts. Also erst nahm sie gegenüber Platz, merkte dann an, dass dies doch etwas weit entfernt wäre und rutschte um die Ecke näher zu mir. Gegenüber der Herr Abteilungsleiter. Links Robert Downey Jr. Also nur seine Rüstung. Der Iron Man. Und eigentlich stand er.iron-manEs gibt wohl nur eine HRM-Schule in der Schweiz. Und einen Standardfragenkatalog.

„Was bezeichnen sie als ihre Schwäche?“
Beim letzten Gespräch schwieg ich volle drei Minuten. Und drei Minuten sind lang, wenn einem vier Personen anstarren.
„Es kann ja auch sein, dass sie keine Schwächen haben, hihihi“; Ein Eisbrecher…
„Ich befürchte, es läuft darauf hinaus. Will ich ihnen einen Dodge Ram verkaufen, beginne ich ja auch nicht damit, dass der säuft wie ein Loch, nicht wahr? Wobei, eine Schwäche habe ich; Sehen sie, ich bin Perfektionist. Es muss einfach immer alles perfekt sein, glauben sie mir, das kann ganz schön anstrengend sein.“
Wäre eine mögliche Antwort.

„Sehen Sie, ich sage einfach immer geradeheraus und offen was ich über eine Sache denke“
„Das muss ja nicht schlecht sein.“
„Was interessiert es mich, was sie denken, sie dumme Kuh?!?“
Auch möglich, aber ebenfalls nicht die ultimative Lösung.

Beim letzten Gespräch, ein erfolgreiches, half mir der Chef auf die Sprünge, indem er seine Vergesslichkeit aufführte. Eigentlich musste ich nur noch mit dem Zeigefinger symbolisch auf ihn schiessen, ein Auge zukneifen und „Katsching“ sagen.
Man sollte das negative immer positiv verpacken.
„Sehen sie, ich bin so vergesslich, dass ich jede Menge an Notizblöcken brauche um mir alles zu notieren.“
Warum bin ich eigentlich kein Bewerbungscoach?

Heute fragte die Dame richtig provozierend, „Wollen sie sagen, sie sind perfekt?“
Mit aggressivem Unterton. Hoppla.
„Nein, aber vielleicht könnten sie die Frage etwas präzisieren. Es wird ja kaum von Belang sein, dass ich mich grundsätzlich in verheiratete Frauen vergucke, oder?“
Es war mir doch schon einige Minuten bewusst, dass die kostenlosen Sugus das Tollste an dieser Firma waren und sein werden.
Bumm, schweigen, ein bemüht unbeschwertes Lachen.
„Waschmaschinen, sie sagten mit Weisswaren kennen sie sich nicht aus.“
„Nun, ich kann eine bedienen, wenn ich davor stehe, aber – knick knack – da haben sie recht.“

„Welche besondere Erfahrung können sie vorweisen?“
„Nun, ich bin die perfekte Mischung aus jung und erfahren, das finden sie so nur auf dem bulgarischen Strassenstrich“
Ok, den habe ich nicht gebracht, ist auch geklaut. Schoss mir einfach als erstes durch den Kopf, als sie die Frage stellte.

Der Abteilungsleiter klinkte sich in die Unterhaltung.
Bla bla bla, bis zum Punkt, mit dem Team die Zielsetzungen erfüllen.
Musste ich nachhaken
„Na zum Beispiel Zubehör verkaufen. Wobei es da keine Richtlinien gibt“
„Aber wenn sie von Zielsetzungen sprechen, müssen sie ja ein Ziel setzen, nicht wahr?“
„Ja schon, es geht mehr darum, dass man sich bemüht“
„Und die Bemühungen messen sie woran?“
„An den Umsätzen“
„Und die sollten wie hoch sein?“; Ich sass einem Vollidioten gegenüber.
„Nun, wenn ein Team 200 umsetzt und ein anderes 4000, dann muss man wohl einmal nachhaken“
„Also 4000 ist das Ziel“
„Nein, nur als Annahme. Wir haben da keine bestimmte Zahlen“
Der denkt wirklich, er hat einen Trottel gegenüber. Die Iron-Man-Rüstung schien noch am gehaltvollsten zu sein.
„Aber sie verdienen ja nicht nur am Zubehör“; wer fragt eigentlich wen aus?
„Nein, natürlich nicht.“
„Vergleichen sie Team A mit Team B, hinsichtlich des Umsatzes?“
„Also da haben sie keinen Einfluss darauf, die Auftragserteilung geschieht durch die Disposition“
„Aber ich soll mit meinem Team die Zielsetzung erfüllen“
„Ja“
„Sie vergleichen doch bestimmt, wer wieviele Aufträge im Tag erfüllt“
„Ja aber nicht wertend.“
„Sondern?“
„Wenn ein Team 2 Lieferungen erledigt und ein anderes sechs, muss man natürlich nachhaken“
Meine Fresse, den Typen lockt man nicht aus der Reserve.
„Welche Ansätze haben sie denn?“
„Nun“, das war nun wieder sein Ding „Wir haben da unterschiedliche Pakete“
Teuer, Sau-teuer, Total überrissen; Schoss mir durch den Kopf, danke lieber Bruder.
„Eine Lieferung 129, Zusatzgerät +49“
„Zwei Leute, ein Lieferwagen, bis 2 Stunden Fahrzeit?“
„Ja. Wird natürlich quersubventioniert…“
Ich hasse solche Buchhaltermätzchen. Pauschalen, Geschenke, Quersubventionierung und am Schluss einen Sündenbock, welcher zuwenig Umsatz generiert.
„Bei grösseren Sachen gibt es natürlich eine Offerte, es liegt im Ermessen des Disponenten ob eine solche Notwendig sei.“
Na, dass klingt ja mal richtig sinnvoll und durchdacht. Bazinga.
„Eine Satelliteninstallation kostet pauschal 149.- bis zwei Anschlüsse“
„Quersubventioniert?“
„Quersubventioniert. Und sie müssen wissen, die Centerleiter können natürlich auch Aktionen machen. Vierzehn Tage alle Installationen gratis und so.“

„Darf ich zum Verständnis zusammenfassen?“
„Klar doch.“
„Korrigieren sie mich… Sie liefern zu Pauschalen, die Disposition bestimmt, wie lange man für eine Lieferung hat, wann eine Offerte angesagt wäre und Lieferungen können bei Bedarf, im Ermessen des Centerleiters welcher nicht nur eine eigene Kostenstelle sondern eine eigene AG hat, geschenkt werden“
„Ganz genau“
„Und die Abteilung Service soll rentieren, Umsatz mit Zubehör generieren und die Teams von je 8 Personen stehen im losen Wettbewerb untereinander.“
„Ja… so in etwa“
„Und Sat-Anlagen kosten pauschal 149.-„
„Genau.“
„Danke schön“
„Aber wir arbeiten mit Fachleuten; Nicht dahergelaufene Arbeitslose. Wir haben im Service Verkäufer, Elektriker, Sanitäre….“
Ich habe kein HSG-Diplom, aber habe etwas gesunden Menschenverstand.
Dieser riet mir, bevor seine Aufzählung beim Gemüsebauern endete; Lauf!!

„Welche Gehaltsvorstellung haben sie?“
Ich war nahe dran, etwas fünfstelliges zu fordern. Monatlich, versteht sich.
Blieb dann doch realistisch.

Bis nächsten Dienstag soll ich mitteilen, wie sehr sie mich für die Stelle begeistert hätten.
… bin doch nicht blöd.

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Nonsens

Die EU weiss nicht was die Schweiz will, titelt das Schweizer Boulevardblatt.
Auf Arbeit – Boulevardkonform verwende ich die falsche Präposition und lasse den Nominativ gleich ganz weg – habe ich damit viele Freunde gewonnen. Ob es daran liegt, dass mir der Blick täglich zugestellt wird, Bruder im Geiste, weisste, oder daran, dass ich diesen mitbringe und unentgeltlich auflege bleibt offen.

Worauf die Schlagzeile abzielt weiss ich noch nicht, aber grundsätzlich ist die Schweiz selbst uneins, was sie eigentlich will. Wobei man Schweiz vielleicht definieren sollte, da wir föderalistisch ja vierundzwanzig und zweieinhalb Mal wissen sollen was wir wollen und darüber hinaus gegen die 8 Millionen mal nochmals unsere Meinung kundtun. Die Sache ist etwas komplex. Und wenn eine Mehrheit der über fünf Millionen Stimmberechtigten bestimmt, was alle acht Millionen wollen, sind die 253 Vertreter uneins, wie sie diese Wünsche umsetzen sollen, damit dies auch in die globalen und vor allem europäischen Richtlinien passt.
Ganz hübsch mühsam. War es Lenin, Putin oder Stalin, welcher sagte, dass eine Demokratie nicht jederzeit für jedes Land die beste Staatsform sei?
Wie dem auch sei, die EU möge sich gedulden; Seit zwei Jahren versuchen wir einen Gesetzestext von 124 Worten in unserer Verfassung unterzubringen, welcher regelt wer wo wieviel Wohnraum besitzen darf. Aber ich bin sicher, was immer es sei, unsere Regierung arbeitet mit Hochdruck daran.

A propos Diktator; Den Kaffeerahm-Eklat mitgekriegt? Hitler’s Konterfei auf einem Kafferahm-Deckeli. Welch Symbolik, Hitler macht aus einem Schwarzen einen Braunen. Also Kaffee jetzt.
Meines Erachtens reagieren wir ganz allgemein etwas übersensibel und übertrieben bemüht um politische Korrektheit. Wenn wir bald beginnen Geschichtsbücher zu verbrennen, weil sie von Diktatoren und totalitären Staatsformen berichten, scheint sich der Kreis zu schliessen.
Mitgefühl und Toleranz. In der heutigen Zeit gilt es als Frevel, wenn man einen Mann in Frauenkleidern und Bart nicht als Frau akzeptiert. Auf eine totale Abartigkeit ist die politisch korrekte Reaktion; Huch, ist mir gar nicht aufgefallen!
Je stärker sich jemand aus der Masse abzuheben versucht, desto intensiver sollten unsere Bemühungen sein, eben dieses spezielles Auftreten komplett zu ignorieren. Diese Rechnung geht irgendwie nicht auf.
Nebenbei, nicht auffällig, wie sehr sich die MIGROS – ich bin MIGROS-Kind vom Handy-Spühlmittel bis zum legere-Joghurt aus Überzeugung – mit ihren Werbe-Faux-Pas in die Presse bringt?

Blick sagt mir, aufgrund meines Sternzeichens, dass ich lebenslang dieselbe Frisur tragen und auf Farbspielereien im Haar verzichten werde. Natürlich gewachsen ist Trumpf, tragen wie sie fallen und Gel ist mir ein Gräuel. Beruhigend, dass mir die Matte nie vom Kopf fallen wird, was alles andere anbelangt, muss ich wohl die Coiffeuse meines Vertrauens von der Blick-Analyse in Kenntnis setzen.
An sich wäre ich geneigt, meine natürliche Haarfarbe zu erlangen, möglicherweise reicht meine Graumelierung bereits für den George Clooney-Look.

Der Silvan sieht die Fux’sche Sexberatung als Lebensleitfaden, steht im Moment jedoch an der Wand. Er sollte üben Frauen anzusprechen. Üben an Objekten, welche ihn gar nicht interessieren. Kriegt jedoch die Zähne nicht auseinander und meint bereits abschliessend, er werde zeitlebens keine Beziehung haben.
Etwas despektierlich, eine Frau aufgrund ihrer nicht zum Koitus animierenden, äusseren Erscheinung als Objekt zu bezeichen. Ist dieser Status doch den Doppel-D Blondinen vorbehalten.
Aber wenn Frau Fux das rät, wer bin ich, dass ich zweifle. Er soll seine Panik dringendst bekämpfen, über kurz oder lang würde er sich sonst noch nicht einmal mehr seinem Teddybär mitteilen. Silvan sollte also dringend mit einem Psychologen Frauen ansprechen gehen. Erinnert mich an einen Lehrer im Skilager. Welcher an seiner Schüler statt für selbige Frauen zum Tanzen aufforderte. Mit mässigem Erfolg.

Frauen sind doch auch nur Menschen. Irgendwie. Warum sollte man mit ihnen nicht sprechen können?
A propos Frauenlogik; Frauen sehen es lieber, dass der Partner mit einer Herde Jungs loszieht, als alleine mit einer Ex-Freundin ein Bier trinkt.
Es ist ihnen also angenehmer, wenn Mann im Rudel motiviert wird seinen Marktwert auszuloten, als mit einer Verflossenen über die alten Zeiten zu plaudern.
Und Mann muss doch seinen Marktwert ausloten, denn ein Element des Mädelsabend ist es doch, festzustellen, wie begehrt man noch ist und wie soll das ohne Männer funktionieren?
Ach bitte, wir wollen doch beide Ansichten nicht abstreiten; Wir sind alles Menschen und begehrt werden schmeichelt dem Ego. Ist auch nicht verkehrt.
Was jedoch eine weitere Diskrepanz mit sich zieht.
Wenn Frauen angesprochen werden, ist dies nicht ihre Schuld. Unabhängig davon, wieviel Fleisch sie ins Fenster hängen oder sonstwelche Tricks anwenden, unterm Strich können sie nichts dafür. Und wenn sie ins Gespräch kommen ist da auch nichts dabei. Man stellt nur seinen Marktwert fest.
Um dieselbe ausgangstechnische Studie zu betreiben, muss Mann jedoch in die Offensive gehen, da wir bei allem Genderismus glücklicherweise noch etwas konservativ sind. Der Mann spricht die Frau an. Doch gerade dies gehört sich nicht.
Auf den Punkt gebracht; Hans spricht Heidi an. Aus Heidis Sicht, liiert mit dem Peter, ist da nichts dabei, weil aber Hans mit Trudi liiert ist und er somit nicht anzusprechen hat, ist da irgendwie trotzdem was dabei. Man kommt einfach nicht auf einen Nenner.
Darf ich auf der Tramspur fahren, wenn mir ein Tram entgegenkommt und wenn ja, wie lange?

Das grösste Schweizer Talent hat sich von seinem Partner getrennt.
Uff… Wer ist nochmal das grösste Schweizer Talent?
Ich verliere da gerne den Überblick, aber verfolge die Shows auch nicht direkt. Ganz unter uns gesagt; Mir waren die aufrichtig gecasteten und sauber abgestimmten Boygroups lieber.
Für jede Frau etwas dabei; Der Wilde, der Sinnliche, der Draufgänger, der Süsse, der Erotische und der Traumschwiegersohn, denn jemand musste ja die BRAVO bezahlen.Um Spesen zu sparen teilten sich die muskulösen Hupfdolls gleich Bett und Duschen, dies praktizierte schon Rex Gildo mit seinem Manager, und richtig reich wurde eigentlich nur Lou Pearlman (Manager der Chippendales, Backstreet Boys, N-Sync, O-Town, Natural, US5). Gute alte, aufrichtige Abzocke mit eingängigem Sound.backstreet-boys  Wie konnte man jemals an der homosexuellen Ausrichtung zweifeln? Aber in den Achtzigern und Neunzigern war man da etwas naiver…club-tropicanaNebenbei, was hat Wham! auch immer mit diesen Jeeps zu Beginn des Musikvideos?

Zurück zum Thema, welches durch den ganzen Eintrag schon schmerzlich vermisst wird;
Um heute als Sänger gecastet zu werden musst du folgendes mitbringen.
Einen Bart. Nicht einen ordentlichen Vollbart, wie ihn der Alm Öhi trug. Mehr solch ein flaumartiges Gewächs, welches nebst dem grundsätzlich schon spärlichen Wuchs, des Nachts auch noch von Mäusen angeknabbert zu werden scheint. Trage eine alte Cordhose oder eine Non-Label-Jeans, selbstverständlich mit umgekrempeltem Saum. Wenn möglich gar noch mit Hosenträgern. Über einem Flanellhemd. Rot-Schwarz, kariert. Auf dem wuscheligen Haarkopf thront eine Mütze. Eine dieser Altherrenkappe, ebenfalls in Manchesterstoff. Vielleicht neckisch schief. Und die übergrosse Hornbrille, vergiss die Scheiss-Brille nicht.
Lässig mit einer der knöchernen Arschbacken auf einem Hocker, das eine Bein angewickelt und die Gitarre auf dem Knie. Eine Gitarre muss sein, denn nur diese vermittelt das authentische Bild des Musikers, welcher in der Unterführung zwischen Herrentoilette und Selecta-Automat auf einer Flickendecke im Duft der Urinsteine die Saiten zupft. Und jeden kapitalistischen Plattenboss mit selbst gebackenen Hanfplätzchen bewerfen würde.
In einer Castingshow nimmt er nur für den Weltfrieden teil.

Singe mit einer nasalen Stimme ein stimmiges Lied über den alten Mann welcher im Schützengraben einen Fuss verlor und hernach ein Waisenhaus gründete. Oder die Katze, welche in einer Regentonne ersoff. Eigentlich egal.
Die anrufenden Voter verstehen kein Wort und reagieren nur auf das Schluchzen hinter der unglaublich kraftvollen Stimme mit allen Nuancen und der Träne, welche bei 3:42 auf der rechten Netzhaut schimmert. Wenn du beim veranstaltenden Sender einen ganz grossen Stein im Brett hast, führe als Argument für deine emotionale Art noch den Prostatakrebs deiner Tante, das Patenkind in Nigeria und deine täglichen Besuche im Altenheim an.

Nein nein, da bleiben wir bei den aufrichtig gecasteten Gruppen.

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Gspürsch mi?

Gueten Morgen.
Morgen.
Hallo.

Es war ein erklärtes Ziel, den Arbeitsalltag in einem Betrieb mit vielen Menschen zu vollbringen. Nicht, weil ich ein ausgeprägter Menschenfreund wäre, eher schwebte mir vor, als vollkommener Durschnittsmitarbeiter in der grossen Masse zu verschwinden. Dieser, welcher nur auf der Liste erscheint, wenn wieder Mitarbeiterbeurteilungen anstehen. Ach so, diesen haben wir ja auch noch. Dann saugt sich der Chef eine Beurteilung über diesen völlig unauffälligen und total durchschnittlichen Menschen aus seinen kleinen Fingern und man einigt sich auf eine perfektes „entspricht den Anforderungen“ weil nie etwas Gegenteiliges bekannt wurde. Und er stets auf das Blatt schielt, bevor er einem beim Namen nennt, weil ihm diese Person gegenüber total fremd ist.

So der grosse Plan.
Was ich nicht berücksichtigte, war das ausgeprägte Gspürsch-Mi-Gefühl.
Durch welche Tür in welcher Aussenstelle man sich auch immer in den Betrieb schleicht, man kommt keine fünf Meter ohne die besten Segenswünsche zum Tag zu erhalten. Vorgetragen in einer offenen Lebensfreude, welche so gar nicht zu meiner „ich hasse den Morgen, die Arbeit und das Leben im Allgemeinen“-Stimmung um sieben Uhr in der früh passt. Zur nachtschlafenen Zeit. Gerne würde ich behaupten; Keiner, welcher seine fünf Sinne beinander hat, beginnt seinen Arbeitstag bevor der Hahn kräht, aber gefühlte fünftausend Autofahrer auf der Einspurstrecke der Autobahn strafen mich lügen. Und irgendwie scheinen alle glücklich zu grinsen, weil sie zur Arbeit dürfen. Sie ärgern sich nicht, dass sie im Stau stehen, sie ärgern sich nur, weil sie nicht schon bei der Arbeit sind. Was für ein degeneriertes Volk, diese Schweizer Ameisen.

Auch in ‚meinem‘ Betrieb – ich benutze stets die 2. Person Plural, wenn ich gegenüber Mitarbeiter vom Betrieb spreche –  scheint zudem ein kleiner Wettkampf zu herrschen. Wer drückt als erster die Stempeluhr.
Während ich mit schlaftrunkenen Augen still in meinen „Kaffee“, Aldi-Kapsel in einen Plastikbecher gepresst, weine, berichtet mein Gegenüber voller Stolz durch eine Dunstwolke von geronnener Milch, er arbeite seit sechs Uhr. Dies mit der Arbeit ist etwas geschwindelt, aber dass er seit sechs Uhr Löcher in die Luft guckt, glaube ich ihm aufs Wort. Er hätte eben nur fünf Minuten Arbeitsweg. Wann ich abgefahren sei, will er weiter wissen. Nun, etwa fünf Minuten vor dir. Eben, siehst du, kommentiert er und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Zufrieden mit sich, der Welt und dem Universum.
Es war mir nicht ganz klar, was ich sehen sollte und hakte nach.
Dass er eben nach mir losgefahren sei, aber vor mir angefangen hätte, fasste er wild nickend zusammen. Er wohne eben gleich um die Ecke.
Ob er da seine Zeit nicht lieber nutzen wolle, ein gemütliches Frühstück mit der Gattin zu genehmigen oder zumindest etwas länger im Bett zu liegen. Schliesslich sei er Abends ja auch ratzfatz zuhause.
Nein nein, leicht verdutzt über den abartigen Charakter dieser Idee, er mache dies schon dreiundvierzig Jahre so und lehnt sich mit entrücktem, träumerischen Blick zurück. Irgendwo im Geiste wird er wohl eine alte Fabriksirene hören.motivation-3

Momentan bin ich noch zu beschäftigt, everybody’s darling zu mimen, aber dem Herren die totale Sinnlosigkeit seiner letzten dreiundvierzig Jahre vor Augen zu führen steht weit oben auf meiner to-do-Liste. Einfach weil ich das kann, gut darin bin und er mich mit seinem ‚eben, siehst du‘ irgendwie persönlich angegriffen hat.
Als wäre es eine ausserordentliche Leistung, gleich neben dem Betrieb zu wohnen. Über vier Jahrzehnte nie sein Brot verdienen müssen und in vier Monaten die fette Pension und eine Urkunde für eine schaffensreiche Zeit einstreichen. Ohne den kleinsten Anflug von Scham. Ich wünsche ihm einen Herzinfarkt beim Schleppen des Früchtekorbs.

Natürlich, die Absicht als unsichtbarer Durchschnittsmitarbeiter mein Dasein zu fristen steht im Gegensatz zu ‚alle haben mich lieb‘, aber da an meiner Stellung noch einige Ecken und Kanten geschliffen werden müssen, flattere ich wie eine Fahne auf dem Bundeshaus und drehe mich flink wie ein Kreisel.motivation-1
Ich würde behaupten; Müssten sämtliche Arbeitskollegen den Neuen nur aufgrund der Charakterzüge und Einstellung beschreiben, sie kämen zum Schluss, dass mindestens drei neue Mitarbeiter unterwegs wären.

Natürlich nehme ich auch mein Mittagessen im Kollektiv ein. Nur nicht aus der Reihe tanzen.
Ich habe die Wahl zwischen der Beulenpest und Ebola, wenn man so will. Oder „in dem Sinn“ wie ein Arbeitskollege in jedem dritten Satz sagt. Keinem scheint es aufzufallen, ich zähle es bereits unbewusst.
Sandwich oder Restaurant. Überall kennen sie Lokale, welche unglaublich gut und günstig seien. Fürstlich entlöhnen lassen sich die Gastrobetriebe nicht, das stimmt. Dafür schwimmt das Essen in einer Brühe aus alter Bratensauce und besteht zu je fünzig Prozent aus gesättigten Fettsäuren und garstigen Kohlehydrate. Zudem kostet jeder Restaurantbesuch eine halbe Stunde zusätzliche Gleitzeit, welche ich mir mühsam zusammengespart habe. Da ich eben nicht täglich zehn Stunden Löcher in die Luft gucken, über eine Stunde Gleitzeit ergaunern und trotzdem um vier Uhr zuhause sein kann.motivation-2
Die Alternative ist der kollektive Sandwichgenuss. Also, was meine Wenigkeit betrifft. Was ich als Sandwich bezeichne. Hundert Gramm Bündnerfleisch zwischen zwei knochentrockenen Vollkornbrotscheiben. Selbst gebacken, versteht sich.
Die übrigen schleppen die Reste des Sonntagsbraten, die Lasagne vom Vorabend oder eine Mikrowellenpizza an. Stammtischphrasen und die Meinung zum Blickgirl fliegen über den Tisch. Daneben auch kleine Stücke vom Rind, Brotkrumen und spucknasse Käsestückchen.
Es fällt mir nicht schwer, nach zehn Minuten die Reste meines Brotes in den Eimer zu werfen und spazieren zu gehen. An sich müsste ich mittlerweile gertenschlank sein. Wäre da nicht der Selecta-Automat, welcher täglich mit frischen Appenzeller-Bibern bestückt wird.

Er müsse eben etwas abspecken, meint auch der rundliche Herr, als er zur Pausezeit Karotten knabbert. Zwei Stück. Danach einen Fenchel. Eine Salatgurke. Und nochmals etwas geschältes Weisses. Einer Gemüseraffel gleich verschwindet die gesunde Rohkost zwischen seinen häckselnden Zähnen.
Nicht schlecht, zollte ich höflich meinen Respekt an seine Disziplin. Gell, meinte er strahlend. Er wolle schon etwas achten, deswegen das Gemüse, erklärt er, während er einen Zopf aus dem Cellophan wickelt. Nicht eine Scheibe oder eines dieser Schulkind-konformen Mini-Zöpfchen. Gut ein Viertel dieser Familienzöpfe, welcher eine Entenfamilie durch den Winter bringen könnte. Der Länge nach aufgeschnitten. Belegt mit Gala-Käse. Eine Unzahl dieser dreieckigen Stücke. Auf Butter. Etwas Hunger hätte er eben trotzdem noch. Das liege auch durchaus drin nach soviel Gemüse, ich kenne mich da etwas aus, pflichtete everybody’s darling bei.
Auch Mittags gibt es nochmals eine Pause. Von einem seiner drei Olma-Besuche hat er eine Tüte Magenbrot mitgebracht. Kleine braune Krümel spuckend bietet er mir in einer generösen Geste, dennoch leicht zaghaft die Tüte an.
Er wirkt glücklich als ich dankend abwehre und blitzschnell hat er sich einem Eichhörnchen gleich wieder über den Knabbersack gebeugt. Argwöhnisch nach links und rechts schauend.

So, nun habe ich vergessen, worauf ich eigentlich hinaus wollte.
Eigentlich war mir nur daran gelegen, etwas zu tippen. Langsam wieder zurück zu finden. In diesem Sinne… Bon Appetit.

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Dein Nervfaktor im sozialen Netzwerk

Als Abstinenter weiss ich nun ganz genau wie es läuft. Und zögere nicht, dies den Umstehenden auf die Nase zu binden, denn dies zeichnet den Klugscheisser doch erst als solchen aus.

Ich habe auf watson.ch eingeklickt, in der Hoffnung, mal wieder etwas von Pony M. zu lesen, der Bloggerin welche strenggenommen gar keine Bloggerin ist. Wenn ihr nicht glaubt, fragt die Community. Was natürlich nicht heisst, dass sie nicht erfolgreich ist, aber das sind Waschmaschinen auch.

Der Neugierde halber, als Aussenstehender mit dem erforderlichen Blick aus der Distanz und angepasstem Abstand, habe ich ein Quiz gelöst; Wie sehr nervst du auf facebook. Zu 39% nerve ich, ich solle einen Gang runter schalten, so die watson.ch-Analyse. Angefügt gleich den Button, das Ergebnis zu teilen. Als würde man mit dem Schutzmann nach dem Alkoholtest noch am Strassenrand gemeinsam ein Bier zischen.

nervig-auf-facebookKlickt und macht den Test

Wie sieht dein Profilbild aus?

Meine ureigenste Hässlichkeit aus wohlwollender Distanz, halb im Schatten unter einer ganz schummrigen Beleuchtung stehend. Kann jeder, oder auch nur ein Hutständer sein. Ohne Hut. Da man auf Profilbildern nach Möglichkeit zu zweit sein soll, habe ich mich hinter einem wächsernen Prominenten versteckt. Hatte nun mal weder Hamster noch Katze oder Hund zur Hand, was einen Jöh-Effekt auslösen könnte. Oder ein Automobil. Mein Kombi ist ganz solide, aber nun nicht das Gefährt, um dessen Beifahrersitz sich die holde Weiblichkeit prügelt, weil der Besitz einer solchen Kutsche auf eine wohlgefühlte Brieftasche deutet oder die Freindinnen vor Neid erblassen.
Freindinnen sind irgendwie Freundinnen, welche sich gelegentlich anzoffen, dann aber wieder ganz fest lieb haben. Von Best-Friends-Forever zu verfickte Schlampe und zurück im Minutentakt.
Frauen haben es mit ihren Profilbildern einfacher. Den Arm gegen den Himmel gestreckt, den Kopf leicht abgedreht und die vollen Lippen zu einer kleinen Schnute – oooooh – gespitzt. Wobei absolut irrelevant ist was sie mit ihrem Kopf anstellen, denn elementar ist, dass der Winkel einen Blick in das Decollte erlaubt und dieses dank zweier in bester Spannset-Manier festgezurrter Büstenhalter – habe ich bei der Katze so gelernt – ordentlich prall daher kommt und die schwarze Spitze oder zumindest das Leoparden-Muster des einen noch zu sehen ist. Weil das Foto ja wirklich ganz spontan gemacht wurde und man dies – oooops – gar nicht erst bemerkt hatte. Nachdem 376 Jungs mit geifernden Kommentaren darauf hingewiesen haben, will man es nun auch nicht mehr ändern. Hauptsache authentisch.

Etwa 50 Prozent der Personen erstellen ihr Profilbild im Badezimmer. Klingt komisch ist aber so. Eine Auswahl an Duschvorhängen, Spritzwänden, gehäckelten Klopapierrollenüberzieher und bunte IKEA-Badetücher stellen den Hintergrund, davor zeigt der Jüngling seine Muckis. In der anderen Hand ein Telefon.badezimmer-selfieNein, das bin nicht ich.

Ein Profilfoto soll, einer Bewerbung gleich, auch sofort den richtigen Eindruck vermitteln, was für ein unternehmungslustiger Globetrotter oder wagemutiger Extremsportler man sei. Das Motorrad oder eine Inka-Pyramide muss unbedingt mit aufs Foto.

Die letzte Kategorie präsentiert an seiner statt ein Tierbildchen, eine Hängebrücke oder sonst ein Bauwerk. Ausdruck von, ich bin nicht geltungssüchtig, anders zu sein und sich aus der Menge hervorheben ist oberstes Gebot. Aber ich bin nicht geltungssüchtig!

Wie oft postest Du auf facebook?

Warum postet man überhaupt auf facebook? Klar, um Stilleinlagen und Kinderwagen zu verkaufen, aber ansonsten, um seinen Lebenslauf zu bereichern.
„Hansruedi war hier – Ursis Nacktbar“
Unternehmungslustig und spontan, reich und man weiss es. Für das Präsentieren des aktuellen Standorts bedankt sich nicht nur Ali der Einbrecher, es zeigt den Freunden auch, dass man ganz lässig mal hundert Kilometer fährt um ein Bier zu trinken, ein Aufenthalt in St. Moritz Daily Business ist oder gerade rund um die Welt reist.
Wenn man vor dem Eiffelturm einen Kaffee trinkt, dieses aber nicht auf facebook postet, war man eigentlich gar nicht hier.
Wie die sportliche Aktivität. Wenn ich eine gestartete Aktivität nicht allen Freunden mitteile und das Resultat der selbigen nachschiebe, hätte ich es auch bleiben lassen können. Erzeugt ein fallender Baum ein Geräusch, wenn niemand da ist es zu hören?

Nun, ich postete so zwei bis drei Mal pro Tag.
Welchen Schlager ich höre, damit die Leute erkennen, wie unglaublich witzig ich bin. Das Foto meines Mittagessens, damit Frauen beeindruckt sind, ob meiner Fähigkeit einen Kochlöffel zu bedienen. Ein tiefgründiger Gedanke über die Menschheit als solches, so man erkennen möge, wie furchtbar gebildet ich sei und zu guter Letzt eine sportliche Aktivität um mich mit einem Profil ohne Ecken und Kanten neben allen anderen einzuordnen.
Ein Supertyp.
Ein ganz grosser Fan bin ich von Coelho-Weisheiten und kleinen Hunden mit sinnigen Sprüchen. Beide wissen ganz genau wie das Leben zu leben wäre, was zählt und worauf man achten soll. Wenn man ein reicher Schriftsteller am Palmenstrand oder ein kleiner Hund sei. Nichts desto trotz bringen Freunde ihre Tiefgründigkeit zum Ausdruck, indem sie wiederum die Aussagen teilen, wie das Leben zu leben wäre, was zählt und worauf man achten soll. Vier bis fünf mal am Tag.

Bei dir im Job oder in der Schule könnte es momentan besser nicht laufen. Informierst du deine Freunde über deinen aktuellen Erfolg?

Eigentlich nicht. Im Job feiere ich keine ausserordentlichen Erfolge und während meiner Schulzeit war das Internet noch CERN vorbehalten.
Aber natürlich freue ich mich stets mit anderen, welche gerade ihren Bachelor of Master of the Universe oder den Häckelkurs in der Migros Klubschule mit summa cum laude abgeschlossen haben.

Rund um deinen Beziehungsstatus: Wie intensiv findet deine Beziehung auf Facebook statt?

Um richtig glücklich miteinander zu sein, muss man dies der Welt mitteilen.
Das Fundament einer richtig guten Beziehung besteht aus „Oooooh, ihr seid so süss“, „Ein tolles Paar“, „Soooo toll“, „Heee Bella hihihihihi“ und zwei Drittel der Freunde sollte also schon liken, sonst sind es keine richtigen Freunde.
Als hübscher Nebeneffekt kann man der Ex elegant ans Bein pinkeln. Nachdem diese zwischenzeitlich dreissig Deckhengste in der Kiste hatte, zeigt man, ich habe es auch noch drauf.
Ein schlechter Nebeneffekt, das Feuer unter allen Pfannen, welche man nebenher noch etwas warm gehalten hat ist nun aus. Oh ja, ich sehe das ganz pragmatisch.
Ich kann nicht durch die Augen einer Frau auf die virtuelle Pinnwand blicken, aber mal ehrlich; Wieviele Männer freuen sich über romantische „wir-haben-uns-fest-lieb“ Fotos in ihrem Newsfeed, solange die Frau nicht im knappen Fummel posiert?
So spannend wie ein Ferienalbum, welches nur Gesteinsformationen und Eingeborene beim feilschen auf dem Gewürzmarkt zeigt. Jeder Klick ist die unverhohlene Lüge. Dies will keine Sau sehen!

Du bist in den Sommerferien und verspürst das Bedürfnis, ein Bild davon auf Facebook zu teilen. Wie würde das aussehen?

Natürlich ist es mir wichtig ein Bild zu zeigen, wie sollt ihr sonst sehen, wie cool ich bin? Selbst in der grössten Pampa, der entlegensten Wüste finden die Leute einen Internetzugang um ihre Bilder hochzuladen. Das Teilen des Erlebnisses macht das Erlebniss doch erst real und die Anzahl likes für das Bild, bestimmt, wie sehr uns der besuchte Ort gefallen hat.
Da bin ich nicht anders. Zumindest habe ich mich der Selfiekultur nicht hingegeben. Meines Erachtens sehe ich auf Selfies ganz schrecklich aus. So mollig im Gesicht, zwanghaft lässig in die Kamera blickend oder krampfhaft in die Gegenrichtung, was irgendwie merkwürdig wirkt, weil ein Selfie doch eher selten ohne Wissen des Abgelichteten und spontan geschossen wird. Eine rundherum gestellte Sache.
Also poste ich ein Foto meines Bieres um zu zeigen, auch am Ende der Welt finde ich ein Corona. Irgendetwas muss ja aufs Bild, man zeigt ja nicht, dass man extra des schönen Strandes wegen hier ist, er befindet sich ganz zufällig im Hintergrund. Man ist zu cool, sich von solchen Dingen beeindrucken zu lassen.
Im Grundsatz sollen Ferienfotos auf facebook doch nur zeigen, seht her ihr Idioten, ihr müsst arbeiten und ich eben nicht. Selbstverständlich verdoppelt sich die Freude, wenn man sie teilt. Mit jedem, der neidisch ist, verdreifacht sich diese beinahe.

Du gratulierst einer Kollegin auf Facebook. Welcher dieser Posts entspräche deinem Glückwunsch am ehesten?

Lassen wir doch Bilder sprechen.geburtstag-auf-facebookFacebook stellt die beste Möglichkeit dar, „Freunden“ zum Geburtstag zu gratulieren, welche einem am Allerwertesten vorbei gehen. Jene, welche man nur einmal im Leben oder drei Jahre nicht mehr gesehen hat. Diese Freunde von Freunden, welche einem letzten Freitag Abend ein Bier ausgegeben haben, weil es unhöflich gewesen wäre, dich in diesem Pulk von Bekanntschaften zu übergehen.
Warum man solche Freunde hat? Man kann nun sagen, weil man keine Eier hat. Mir gefällt die Version besser, dass gelegentlich der diplomatische Weg besser ist. Manche sehen  das soziale Netzwerk als unterhaltsame Blödelei, für andere ist es ein Lebensindex. Diese können äusserst empfindlich darauf reagieren, wenn man eine Freundschaftsanfrage ablehnt. Einer unangenehmen Begegnung aus dem Weg gehen; Könnte man dies immer mit einem Klick bewerkstelligen, wir würden es wohl öfters machen.

Ganz ehrlich: Verschickst du «Farmville»-Einladungen oder ähnliches?

Ganz ehrlich, ich habe das Prinzip von Farmville nie wirklich verstanden. Es wäre gelogen, zu behaupten ich hätte besseres zu tun, aber dieser Spieltätigkeit im sozialen Netzwerk bin ich nie nachgegangen. Vielleicht auch, weil mich dutzende virtuelle Schafe, Heuballen und Traktorenanteilsscheine erreicht haben, bevor ich mich damit befasst habe. Es war einfacher, die „Freunde“ aus der Liste zu werfen, als mich als virtueller Farmer zu profilieren.

Du bist gerade Mutter/Vater eines Babys/Haustieres geworden. Wie viele Fotos postest du von deinem kleinen Schatz in der ersten Woche?

Wieder ein Frauen/Männer-Ding. Süss, süsser am süssesten.
Einige Männer gehen mit mir einig, 95% der Neugeborenen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Schrumpelig, schreiend und mit geschlossenen Augen. Die Fingerchen vielleicht zur Faust ballend.
Zumindest aus der Sicht von Drittpersonen.
Ehrlich; Ich hätte Panik, müsste ich meinen Niklaas im Spital unter zehn anderen Babys herauspicken. Da entsinne ich mich an eine Szene aus Don Camillo, wie die Schergen des Bürgermeisters Peppone dem Genossen zu seinem Sohn gratulieren wollen. Durch die Scheiben zeigend „Ein Engel, ein strammer Bursche! Aber seht euch diesen an, wie ein gerupftes Huhn“, bis die Schwester kommt mit dem Finger erst abwinkt und dann auf eben dieses ‚gerupfte Huhn‘ zeigt und nickt.
Es werden wohl auch nur Frauen sein, welche beim hundertsten Babybild innert zwei Tagen immer noch auf ‚Gefällt mir‘ klicken.

Was machst du, wenn du auf deinen Post kein einziges Like bekommst?

Letzter Punkt, ja dachte auch, dies endet nicht mehr. Aber ich muss ja schreiben. Schreiben, schreiben, schreiben.
Ich zähle zu jenen, welche den Beitrag wieder löschen. Sage ich erfrischend ehrlich. Warum setze ich denn was an die Pinnwand? Damit mir die Personen ihre Sympathie ausdrücken können, mir bestätigen, dass ich unglaublich lustig oder zumindest verdammt gut aussehend bin. Kein Komiker wird sein zwei-Stunden-Programm durchziehen, wenn im Publikum nur Grillen zirpen, dann und wann ein Tumbleweed durch den Saal kullert.
Habt ihr andere Gründe euch zu präsentieren, ich bin neugierig darauf. Wenn es nicht der Selbstdarstellung dient, kann man sich den Beitrag auch zuhause an den Kühlschrank pinnen. So schauts aus.

Kommt nichts mehr.

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