Durchblick im Prämiendschungel

Ironie ist, wenn der Kanton Schaffhausen einen Kanton Zug subventionieren muss. Zumindest im Bereich der Krankenkassenprämien. Da unsere Grundversorgung wie auch die Vergütung von homöopathischer Zuckerplacebos und chinesischer Räucherstäbchen von einem immensen privaten Verwaltungsapperat sichergestellt wird, können sich auch Fehler einschleichen. Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Kantone, welche sich aus dem Solidaritätsprinzip gemogelt und den Krankenkassen Einnahmen verweigert haben. Wiederum haben sich andere zu sehr ins Zeug gelegt und Helsana und Co. neue Mahagoniböden und protzige Gobelins geschenkt.
Dieser Missstand gälte es nun aufzuheben. Da die Schweizer jedoch alle verkappte Zigeuner sind, besteht die Gefahr, dass einer dieser Kesselflicker von 1996 bis 2013 im Kanton Schaffhausen wohnte, sich mit den geprellten Beiträgen in Zug ein kleines Schlösschen am See baute und nun im Rahmen der Rückerstattung zum Handkuss kommt.

Eine vertrackte Situation, daher hätte man diese Geschichte auch gerne mit einem schulterzuckenden ‚dumm gelaufen‘ abgetan, aber irgendwie sickerte was durch und das Volk probte den Aufstand.
Wie nun Herr Helsana und Herr Swica in löchrigen Schuhen und abgewetzten Hosen im Bundeshaus standen, brachte es das Parlament nicht über das Herz, den armen Menschen auch noch die Butter vom Brot zu nehmen. Da wollen wir nicht mäkeln, jeder weiss, dass eine Concordia in Sachen selbstlosem handeln, denken und rückvergüten nur noch von Mutter Theresa selig übertroffen wird, daher erlässt das Parlament den Krankenkassen spontan die Hälfte der gierig zusammengerafften 1600000000 (1,6 Mrd) Franken. Wo gearbeitet wird, aber auch in den Versicherungen, passieren Fehler, es wäre unmenschlich, dies einem CEO zur Last zu legen. Gerade hinsichtlich des Aspekts, dass ein Helsana-Chef mit einem jährlichen Obolus von kümmerlichen 800’000 Franken schon beinahe ein Benevol-Angestellter ist. Der Bund übernimmt daher spontan einen Drittel der Rückzahlung. Wobei der Bund an sich ja kein Geld hat, sondern von den Leibeigenen, also Dir und mir getragen wird. Ein weiterer Drittel fällt auf die Versicherten, welche schamlos die Konzerne um ihr zustehendes Einkommen betrogen haben. Also Du und ich.

Die Einkommensquelle ist somit gesichert. Der Bund darf in Raten zahlen, bis im Jahr 2017 sollte aber der letzte Batzen bei den Versicherungen liegen. Erfreulicherweise hat das Leiden und die Hungersnot im armen Kanton Zug bereits im Sommer nächsten Jahres ein Ende, im Juni wird rückvergütet. Während der einzutreibende Betrag auf Rappen und Heller genau feststeht, muss über den Umfang des zurückgeworfenen Geldsacks noch entschieden werden. Eine komplizierte Rechnung.
Vielleicht benötigt man eine eigens geschaffene Task-Force dazu. Den einen oder anderen herbeigezogenen externen Berater und diverse Meetings unter Palmen bei Pina Colada aus der Kokosnuss. Die Aufwendungen werden gering, aber leider unumgänglich sein. Da muss wohl der Versicherte einspringen. Eine Prämienerhöhung im Namen der Gerechtigkeit. Der Solidarität. Wer würde da dagegen wettern.

Trotz allem; Wenn ich allen ab und unabhängigen Experten glauben darf, kommen die glamourösen Marmorpaläste der über 30 Gesellschaften und ihr gesamter Verwaltungsapparat inklusive Gefolge den Versicherten günstiger, als eine einzige staatliche Kasse.
Insbesondere, da die Umstellung Milliarden von Franken verschlingen würde.
Für mich als hemdsärmligen, beschränkt gebildeten Mann von der Strasse klingt dies so, als wäre die Investition von zwanzigtausend Franken in einen neuen VW-Bus zu teuer, weswegen ich lieber weiterhin jährlich zehntausend in meinen alten investiere um diesen irgendwie am Leben zu erhalten.

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Durch Raum und Zeit

In zwei Stunden kann man ordentlich viel erledigen. Immer ein wenig in Abhängigkeit der Ansiedelung besagter zwei Stunden. Morgens in der früh reicht es zu gar nichts, nicht einmal für das Einräumen des Geschirrspülers, obwohl man sich diese Aufgabe in der samstäglichen Familiensitzung als vorbildliches Oberhaupt gleich auf den eigenen Ämtliplan notiert hat. Seht, selbst Papa packt mit an. Wenn man mit einem Schuh, offenem Hosenstall und anstelle der Strellson-Jackets in der gesteppten, silberfarbenen Winterjacke der Gattin durch das Dorf hetzt und auf die Gnade des Fahrers der ländlichen Buslinie angewiesen ist, fragt man sich, wo die zwei Stunden geblieben sind.
Während man ausser Atem auf den „Hello Kitty“-Schultornister in der linken Hand starrt und überlegt, ob die kleine Tochter nun mit Papas Aktenkoffer zur Schule geht.

Stolpert man jedoch an einem Sonntag über besagte 120 Minuten zu Besuch bei den Schwiegereltern, würden sie gefühlsmässig reichen ein Arche zu bauen. Begonnen beim Pflanzen der Bäume. Oder man lauscht Schwiegervaters Weltkriegsgeschichten. Alle beide. Mit allen Anekdoten, den Schützengrabenfuss in den blumigsten Bildern dargestellt, während man im Hochsommer lustlos an den verbliebenen Weihnachtskeksen knabbert und sich mit Incarom ein ordentliches Magengeschwür ansäuft.

Mir stand keineswegs der Sinn danach, heute zwei Stunden zu verballern. Nicht ich, der selbst im Llano Estacado von Winnetou nach dem Weg gefragt wird.
Ich beschloss mein Überzeit-Konto etwas zu füllen und startete daher zu nachtschlafener Stunde meine Heimfahrt. Um siebzehn Uhr.
Mit quietschenden Reifen über den firmeneigenen Kiesplatz. Vor Herrn Meiers VW Passat, der muss auf dem Sessel eingeschlafen sein, um diese Zeit ist kein Mensch mehr anwesend, auf die Hauptstrasse geflitzt und in den Verkehr eingefädelt. Wobei Verkehr wäre an sich etwas fliessendes, denke ich mir. Dieses, welches hier durch das Zürcher Oberland praktiziert wird, erinnert eher an ein Wettlauf beim Firmenpicknick. Auf bockigen Ziegen und störrischen Mauleseln. Mit zusammengebundenen Beinen. In Betonschuhen. Der Spass hält sich arg in Grenzen. Die wohlgelobten Kreisel sorgen bestenfalls dafür, dass man neben dem Treten der Pedalen nicht vergisst, auch gelegentlich am dem runden Zeitungsständer mittig der Fahrerposition zu kurbeln. Da in Unter-Wetzikon seit etwa sieben Jahren drei Quadratmeter Asphalt ersetzt werden wälzt sich der ganze Verkehr über Ober-Wetzikon. Ich nenne die Ortsteile einfach so, die werden wohl nicht korrekt benannt sein. Aber Zürcher leben auch in „Taglischwange“, „Wislig“ und „Adlischwil“, auf dieses Niveau will ich mich gar nicht begeben.
Selbstverständlich legen einem die Bahnbetriebe ausserhalb Pfäffikons eine Barriere in den Weg und die Autos stehen bis in die Ortsmitte. Durch eine Kreisel. Es ist nicht so arg wie bei der deutschen Bahn in Schaffhausen, doch auch hier legt man Wert darauf, dass die Automobilisten während fünf Minuten vor dem passieren der Lokomotive Löcher in die Landschaft starren.
Den Stau bei Winterthur langsam satt denkt sich der Fuchs hinterm Volant bei Illnau ich nehme einen Schleichweg. Eine Tafel warnt vor der erschwerten Ortsdurchfahrt in Effretikon, doch auf solche Hinweise gebe ich nie viel. Nicht aus Erfahrung, diese würde die Aussagekraft solcher Hinweise eher bestätigten, nein, aus einem unerfindlichen Grund denke ich stets, die seien nicht an mich gerichtet. Denke ich, bis ich zweimal zehn Minuten vor besagter erschwerter Ortsdurchfahrt stehe. Ein Lichtsignal bewacht hier einen Kreisel. Es ist wichtig, dass Lichtsignale vor Kreisel installiert werden, nur so kann der Verkehr vernünftig dosiert werden, damit dieser im Kreisel immer schön flüssig läuft.
Oder die Schweizer Baumeister haben im Kurs „Kreisverkehr statt Stau am Lichtsignal“ nach der Pause das Schulzimmer nicht mehr gefunden und bauen nun einfach konsequent beides.
Entweder stolperte Mario über das Kabel oder es war ein Fehler in der Programmierung, plötzlich wurde es grün und mit neuem Mut brauste ich nach Tagelswangen. Nach Nürensdorf und weiter nach Birchwil. Da wartet nicht direkt eine Baustelle, aber eine Schotterpiste, dass sich mein Automechaniker schon lüstern durch den Stossdämpferkatalog wühlt. Eine weitere Unsitte des Strassenbaus, dass man Privatwagen die Planierarbeiten übergibt. Die fahren ja sowieso hier durch und munter noch einen Eimer Rollsplit hingekippt.
In Birchwil dann der Wegweiser, dass die Strasse nach Embrach gesperrt wäre.

Gehe zurück nach Los, ziehe keine 4000 ein.
Los steht für Bassersdorf und wirft mich im Zeitplan wieder 15 Minuten zurück. Mit einer Träne im Knopfloch fahre ich an meiner alten Arbeitsstelle vorbei um mich in den bestens bekannten Stau bei der Kreuzung Kloten einzureihen. Die Schleife über Embrach lasse ich bleiben und fahre auf die Autobahn in Richtung Bülach. Für drei Kilometer.
Der obligate Stau vor Eglisau muss sich ordentlich vergrössert haben, oder beim McDonalds Bachenbülach kriegt man gerade zwei für eins.
Bei allem Ärger vergass ich zu gucken, was den Stau verursachte, aber dies ist auch nicht ganz so einfach, da blickt der Laie nicht durch. Da wird schon einmal eine Spur geschlossen und die verbliebene Fahrbahn mit vier Verkehrsleitsystemen geregelt, damit Paco ein Gänseblümchen setzen und den Holunderstrauch schneiden kann. Über Monate hinweg. Die Schweizer arbeiten genau.

Der Eglisauerstau erwartete mich erst danach. Um halb sieben mittlerweile.
Beinahe flott ging es über deutsches Gebiet, mit atemberaubenden siebzig Stundenkilometern raste ich hinter einem silbernen Kleinwagen. Dessen Aufschrift, Studien- und Lebensbahn-Beratung oder so ähnlich, brachte mich direkt zum nachdenken.

Punkt sieben lenkte ich den Wagen vor den Dorfladen.
Autofahren macht dick, da ist schon was dran. Ich war zu träge, mir noch mein eigenes Brot zu backen, also kaufte ich den weichen, ungesunden Frischback-Schwamm. Die nette Dame vom Verkauf sprang nicht gleich zwischen den Regalen hervor, die Wartzeit reichte, um noch einen Packen Magenbrot aus der Quengelware zu greifen. Einfach weil sie dort stand und ich gefrustet war.
Triefend vor Selbstmitleid, griff ich noch nach der Packung „Schenkeli“. Gedankt sei der Herr, dass die Dame zur Kasse kam, bevor ich noch Hipps Babynahrung auf den Tresen legte, weil diese auch gerade in Greifnähe lag.

Ja, auch so kann man zwei Stunden verbringen

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Die AL, Traumtänzer in Sandalen und Jute

Die Alternative Liste geht mir ordentlich auf den Sack.
Insbesondere ihre populistischen Kampagnen, lediglich dazu dienend, die Aufmerksamkeit und Sympathien des Volkes zu erhaschen.
Versucht die SVP den Eidgenossen in uns zu wecken, den bodenständigen Schweizer mit Helly Hansen und Subaru, wirft man ihr Bauenfängerei vor. Im wahrsten Sinne des Wortes natürlich, ich spreche nicht von unlauteren Absichten.
Die AL fährt dieselbe Schiene, nur eben eine andere Zugskomposition. Man greift Themen auf, welche man nur durch einen kompletten Floristik-Kleinbetrieb und hinter vorgehaltener Hand hinterfragen darf, ohne dabei gleich gegen Artikel 261 des Schweizer Strafgesetzbuches zu verstossen.

Die Kampagnen passen zu den Vertretern der Partei.
Nur wer sich bildet ist wirklich frei und so versucht man möglichst lange und ausdauernd sich zu bilden, auf Vaters Füssen zu stehend, bevor man seine eigenen gebrauchen muss.
Studenten welche von einer globalen Einigkeit träumen. Es gibt keine Unterschiede, alle haben sich lieb. Gut, vielleicht den Unterschied zwischen einem Arbeiter und einem Hochschulabsolventen, aber dies ist was völlig anderes.
Sie sitzen herum in ihren abgewetzten Cord-Hosen, den ballonförmigen Jeans, Schuhen mit Bommel und Rüschen oder irgendwelche Heiland-Sandalen. Eine wunderschöne selbstgestrickte Westen über dem noch tadellosen Jutehemd aus der Brockenstube und einer lässig über die Schulter gehängten, selbst gestrickten Tasche. Oder einer Ledermappe, deren Materiallieferant auf ganz natürliche Weise gestorben ist. Einvernehmlich mit den anderen Kühen, dem Bauern und nach der letzten Ölung durch den Dorfpfaffen.
Dann treffen sie sich in einer alternativen Beiz, sitzen in einer Wolke von Eau-de-Brocki, einen erdigen Geruch auf der Basis von Mottenkugeln, auf biologisch abbaubaren Stühlen, trinken per-pedes-importierten Kaffee von glücklichen Tagelöhnern aus den selbstgetöpferten Tassen, hören Radio Rasa und fassen dank ihres umfangreichen Schulbuchwissens Parolen, dem Rest der Bevölkerung gewisse Richtlinien zu geben.

Ich darf da durchaus etwas persönlich sein, die AL bezeichnet mich schliesslich auch als Demokratie-Feind. Unbenannt-1

Im Rahmen dieser geballten Intelligenz kommt man auf solche Schnapsideen, wie dem Stimmrecht für alle.
Die Lobbyisten des Grosskapitals bestimmen, wohin der Karren fährt und dem wäre Einhalt zu gebieten. Bin ich nicht einmal per se dagegen, aber wen will man davor spannen. Ich bin kein Bauer, aber ich zweifle an der Effizienz eines Fuhrwerks, welches von arbeitsscheuen, studierenden Sozis gezogen werden soll. Sie wissen wohl, dass es auf der Welt wunderschön wäre, wenn sich alle ganz fest lieb haben, mit struppigen Haaren im Kreis sitzen und Aquarius singen, aber vielleicht ist ihnen nicht ganz geläufig, dass für den Fortschritt ein Fuss vor den anderen gesetzt werden muss, weil dies ja der Papa erledigt.
Also soll der Fünftel der Bevölkerung vor den Karren, welcher bisher nichts zu sagen hat, weil er kein Staatsangehöriger ist. Insbesondere auch die Ausländer, so der Text der AL.
Das Bild mag etwas irritierend sein, eine Kosovare, zwei Mazedonier und ein Eriträer unter dem Joch an einen Karren gespannt und auf dem Bock ein Florian Keller, mit der Geisel knallend. Einem urigen Esel konnte man zumindest noch eine Möhre vorhalten, was schwenkt man vor den Ausländern? Das kleine, rote Büchlein mit dem weissen Kreuz ist des Anreiz zu wenig, denn ansonsten hätten sie sich ja längst um dessen Erwerb bemüht und die ganze Stimmrechtsdiskussion wäre müssig.

Es stellt sich schon die Frage, wohin die AL mit ihrer Kampagne will.
Ein Schelm, wer denkt, dass die Alternative Liste neue Stimmen erschliessen will, aber ich kann beim besten Willen keinen anderen Sinn hinter dieser Schnapsidee entdecken.
Die Initianten haben eine einfache Formel, je demokratischer die Menschen sein dürfen, desto glücklicher sind sie, desto friedlicher ist die Welt. Dies lehre uns die Geschichte.
Pass auf, gleich regelt es bunte Smarties aus den Zuckerwatte-Wölkchen und Frau Stühlinger reitet den Regenbogen.
In den französischsprachigen Kantonen, abgesehen vom Wallis, wurde das Ausländerstimmrecht eingeführt und wir müssten keine Angst haben; Die Wahlergebnisse hätten sich kaum verändert. Was wiederum die Frage aufwirft, warum wir dies denn hier ebenfalls einführen sollten, wenn nicht um die Wählerschaft der AL zu vergrössern. Hingegen lehrt uns die Geschichte auch, dass man stets Gefahr lauft, beim reichen des kleinen Fingers gleich des ganzen Armes verlustig zu gehen, sprich, ein Mitbestimmen bei eidgenössischen Vorlagen wäre die nächste logische Konsequenz. Die AL arbeitet nur mit logischen Konsequenzen. Ob nun ein Stück Kantons-Land umgezont wird oder nicht, da wird wohl des Ausländers Stimme keine Latte aus dem Zaun brechen, in Sachen Ausschaffung von kriminellen Ausländern sehr wohl. Nicht zuletzt dank der eingängigen Bildchen der SVP.

Die AL rechnet mit einem Scheitern an der Urne. Warum verschwendet die AL denn die Zeit unserer Volksvertreter mit solchem Stumpfsinn?
Damit darüber geredet wird. Aha. Des Studenten Einstllung zu Zeit und deren Wert ist unübersehbar eine andere, als die des arbeitenden Proletariats.

Der Student braucht auch kein Auto. Da schätzt er sein kreativ bemaltes Damenrad mit Einkaufskorb am Lenker und falls es einmal regnet hat ihm Papa eine Generalabonnement gekauft. Da man nicht werkstätig ist und sich das pulsierende Leben sowieso stets in der Nähe eines Bahnhofs oder einer Tramstation abspielt, kommt man damit ganz gut zurecht. Und weil der Student kein Auto braucht, hat der Rest der Bevölkerung auch keines zu haben. Geschweige den Parkplätze in der Stadt. Das neue Fernsehgerät oder die Waschmaschine befördern wir singend im Bus. Und halten uns dabei an den Händen für das Wir-Gefühl.
Wobei die Händler doch grundsätzlich alles kapitalistische Abzocker sind, eigentlich brauchen wir die Stadt nur zum Kaffee trinken, im Kreis sitzend einer Gitarre zu lauschen oder einfach um zu sein und zu spüren. Was wir nicht im Brocki finden oder uns selbst basteln können, bestellen wir im Internet und lassen es ökozertifiziert von der Post liefern.
Weg mit den Parkplätzen.

Die Alternative Liste träumt von einem Utopia.
Barfuss tanzend will sie die Gesellschaft in dieses Utopia führen. Mit einer beinahe erschreckenden Intoleranz und Agressivität gegenüber anders denkenden. Wer zögert, die traumtänzerisch geleitete Hand zu ergreifen ist ein Rassist, Feind und Kapitalist. Sich verweigernd, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und daher irgendwie unwürdig auf dieser zu existieren.
Die Linken tragen Jute statt Bomberjacke und wallendes Haar statt der Glatze, in Sachen radikaler Einstellung kann jedoch so mancher Springerstiefelträger von den Studenten lernen.

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Auf an die Urne

Wann habt ihr das letzte Mal gelesen oder gehört, dass ein Mann eine Tätigkeit ausüben will, weil er einen Pullermann besitzt?
Mal vom pinkeln im Stehen abgesehen, was wirklich eine feine Sache ist.

Die Frau als solche, modern, weltoffen und sicher auf jedem Untergrund kommt jedoch nicht um die Tatsache herum, bei jeder politischen Wahl die Tatsache hervorzuheben, dass sie mit einer Mumu bedacht wurde. Ist nicht im Grundsatz verkehrt, versteht mich nicht falsch. Des öfteren könnte der äussere Eindruck täuschen und da der Mann darauf getrimmt wird, nicht auf solch oberflächliche Sachen fixiert zu sein, kann das maskuline Auftreten einer ordentlich emanzipierten Frau schon verwirren.
Nun sollte ich jedoch, so ich im Einzugsgebiet beheimatet wäre, eine Frau Huber-Ott oder Frau Bernath wählen, nur, weil es Damen sind und dass der Stadtrat nicht zum patriarchalischen Gremium verkommt. Natürlich auch weil es ganz gescheite Frauen sind, aber das Selbstverständliche muss man ja nicht besonders hervorheben. Es geht schon darum, dass Powerfrauen an die Macht kommen.
Als Powerfrau hat man an der ETH studiert. Dies kann wohl alles bedeuten, aber den Unterschichtenbürger hat man damit schon beeindruckt. Früher war schliesslich auch jeder Swissair-Angestellte selbstredend Pilot.
Im Schaffhauser Intelligenzblatt wurden alle Kandidaten vorgestellt, flankiert vom Radio Munot, welches einem das Ganze noch akustisch aufs Ohr haute. Jedes einzelne Portrait zu ergründen kann man sich getrost sparen, unterm Strich stellen sich die besten Menschen der Welt zur Wahl. Die einen sind parteipolitisch Links, machen jedoch nichts lieber, als Kompromisse mit Rechts zu schliessen. Die Parteiphilosophie der anderen ist eher konservativ, das Schönste am politisieren ist jedoch der Konsens, miteinander die beste Lösung finden.
Diese wollen sparen, es liegt ihnen jedoch sehr am Herzen, gerade in diesem Punkt zu investieren, da dürfe man nicht auf den Rappen schauen. Da gehen sie beinahe in trauter Einigkeit mit jenem, welcher die Notwendigkeit der Investition sieht, aber natürlich in keiner Weise vergessen will, dass man gerade hier etwas auf die hohe Kante legen soll.Selbstverständlich ist jeder Anwärter und jede Anwärterin so unglaublich gemeinnützig engagiert, derart erfolgreich im Beruf und managt quasi nebenher noch die gutbürgerliche Familie, dass man sich zwangsläufig fragt; Wo finden diese Leute diese fünf zusätzlichen Stunden pro Tag, welche jedem normalen Menschen bei einem solchen Engagement irgendwo fehlen würden? Aber vielleicht unterscheidet gerade dieses kleine Geheimnis die vollziehende Gewalt von den ähm… ja, Vergewaltigten.

Es versteht sich von selbst, dass alle bürgerlich sind, wenn die Rechten sich das auch etwas dicker auf die Fahnen schreiben. Natürlich meinen sie mit bürgerlich nicht, dass sie der Bourgeoisie angehören und auf uns Arbeiter herunterschauen. Bürgerlich klingt einfach so volksnah, man hat sofort den Toni Brunner im Rössli Appenzell vor Augen. Und weil proletarisch einem eher an eine Talkshow im deutschen Privatfernsehen denken lässt, definiert man bürgerlich eben neu. Dies bedeutet nun, dass der Herr Dr. Rohner seinen Zweireiher auch einmal lässig aufknöpft und auf einen Festbank am Oberhallauer Bergrennen sitzt. Oder den Pullover frech über die Schulter geworfen sich in einer beinahe lasziven Pose auf einem Brunnenrand drapiert.
Frau Huber-Ott, gerne auch einmal in Latzhose wie ein kleiner Lausejunge, verkauft aus ihrem Bauchladen Glace auf der Munotzinne, der Herr Preisig verweist gerne auf seine eleven-fifty-Vergangeheit mit Zauberhut und Frau Bernath ist die Verkörperung der Hippie-Frau. Grün. Also mehr ins blaue hinüber. Eine Art blaugrün. Mit einer Idee gelb. Aber im wesentlichen grün. Es könnte auch etwas rot dabei sein. Ein blaugrüngelbrot. Aber im Grundsatz Grün.
An sich Politiker zum Anfassen eben. Nur wirken sie durch die Wahlpropaganda wie dieses kleine Stückchen Eigelb, welches unweigerlich in das hübsch getrennte Eiweiss fällt und mit blossen Fingern nicht zu fassen oder festzunageln ist.
Das muss der liberale Ansatz sein.

Das bürgerliche wird gerne mit liberal ergänzt. Also sie sind irgendwie über uns gestellt, aber das dürfen wir nicht falsch verstehen, denn bürgerlich bedeutet für die Zeit der Wahl, dass sie mit uns auf einer Ebene gehen. Zudem ist ihr grösstes Gut, dass wir uns selbst entfalten können und unsere Freiheiten geniessen. Also bis sie uns regieren müssen, aber für die Zeit der Wahl kann man nicht genug liberal sein.Sie machen es einem nicht einfach, irgendwie kann man alle Kandidaten aufeinander stapeln. Wo sie sich nicht decken, ergänzen sie sich in wunderbarer Weise.
Es ist beinahe unmenschlich, dass wir eine Wahl treffen müssen, man möchte keinen dieser wunderbaren Kandidaten verletzen.

Im Endeffekt liegen die Leserbriefschreiberinnen nicht einmal so falsch; Die Kandidaten unterscheiden sich nur noch geschlechterspezifisch. Lasst es mich so sagen, wir müssen darauf vertrauen, was uns Lotti Winzeler, Susi Demmerle und Genossinnen sagen, denn eine Beweiskette wird niemand anführen. Und wir müssen darauf vertrauen, dass eine Frau im Stadtrat das ultimative Glück auf Erden ist. Denn niemand schreibt, dass wir einen Herrn Preisig wählen sollen, weil er ein Mann ist.

Sollte man trotzdem noch unschlüssig sein; Das regionale Publikationsorgan bezieht als Ausdruck seiner Unbefangenheit wie üblich Stellung und sagt uns, wenn wir wählen sollen. Nicht völlig überraschend präsentieren uns die Schaffhauser Nachrichten den Ritter der Grafschaft KBA, Herrn Dr. Raffaël Rohner und den privatwirtschaftserfahrenen Partylöwen Herrn Andreas Preisig.
Bürgerlich-Liberal.

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Aus dem Leben eines Dorfbewohners

Mein Vermieter muss sich alle zehn Finger geleckt haben.
Nicht manchem kann man eine Wohnung andrehen, deren Wohnzimmeraussicht auf den Horizont durch ein Scheunendach dermassen beeinträchtigt wird, dass die Sonne nur jedes Schaltjahr am 31. Juni über den First scheint.
Wenn ich mich etwas aus dem Fenster streckte, konnte ich sogar die Ziegel richten. Nicht, dass sie gerichtet hätten werden müssen, nur um die Nähe zu veranschaulichen.
An die Scheune angebaut befand sich ein gemeindeeigenes Mietshaus mit netten Nachbarn, bis die Gemeinde zum Schluss kam, dass die Wohnung in welcher der Mieter Grossmutter wohnte, nach allgemeinen Massstäben eigentlich gar keine Wohnung wäre. Dies zog mit sich, dass aus der Wohnung, welche keine Wohnung war, eine ganze Liegenschaft wurde, welche in Abstimmung mit einem strassburgischen Menschrechtserlass über die Bewohnung von nicht existenten Wohnräumen und Liegenschaften bestenfalls zur Unterbringung von eritäischen Flüchtlingen eignen würde, wogegen sich aber der Gerichtshof Den Haag, anlässlich der Verordnung zur Bemutterung von Kriegsverbrechern aussprach und die Vereinten Nationen in Genf bemühten, während die Weltgesundheitsorganisation weiss geschürzte Experten auf den nicht zu richtenden Ziegeln krabbeln liess, um einen Ebolabefall der importierten Schindeln auszuschliessen.
Kurzum, die freundlichen Mieter, welche in einer nach besagten Richtlinien nicht zu bewohnenden Wohnung zwei ordentliche Kinder heranzogen, mussten sich eine neue Bleibe suchen.
Leicht überspitzt, aber ich bin ja nicht Satiriker, weil ich mich über das Leben lustig mache, sondern weil sich das Leben über mich lustig macht.

Da zeitgleich am Millionenhügel des Dorfes, das wäre oberhalb des alten Kinderheimes, links der Altglascontainer und unterhalb des Kindergartens, so ungefähr, die Fertigbauhäuser wie Pilze aus dem feuchten Herbstboden spriessen – das geht mittlerweile auch schneller als der Durchschnitts-Papa eine Lego-Tankstelle auf einem Noppenbrett zusammensteckt – überträgt sich die Fruchtbarkeit durch das ordentliche Fundament, via Kartonwand in das elterliche Schlafgemach und die Kinder tun es den Pilzen gleich.
Einer amerikanischen Kleinstadt ähnlich, wird mir die Population Eingangs des Millionenhügels – dem Proletariat ist es mit ausgestelltem Visum und / oder Legitimation eines Bürgers/Bürgen besagten Quartiers gestattet, selbiges zu betreten und / oder zu befahren – wie hoch der tages-, nein, stundenaktuelle Stand der Nachkommen wäre, um den geneigten, und aufrechtsitzenden ebenfalls, Autolenker zu einem Anpassen der Geschwindigkeit zu ermahnen.
Da gibt es nichts zu mäkeln und da ich alleine schon die Geschwindigkeit reduzieren muss um meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf das Schild zu richten, hat es seinen Zweck bereits erfüllt. So nicht just in diesem Moment des Nachbars Katze unter meinen Wagen huscht. So ganz grundsätzlich reduziere ich die Geschwindigkeit in kinderreichen Quartieren und seit eine resolute Mutter mit dem Unihockey-Schläger ihres auf der Strasse spielenden Zöglings mir durch das fahrerseitige Seitenfenster eine überbraten wollte, schliesse ich auch selbiges und halte die Luft an. Nur um auf Nummer sicher zu gehen. Selbstverständlich ermahnt mich auch ein Zeugungsbescheinigungs-Aufkleber am Heck eines Minivans zur erhöhten Vorsicht. Wobei ich gestehen muss, diese lasse ich auch sonst walten, in der vielleicht irrigen Meinung, auch Leute ohne „Baby an Board“ Aufkleber und jene, welche mich nicht gezielt darauf aufmerksam machen, dass sie für Tiere bremsen, würden gerne überleben.

Nun, der Fruchtbarkeit am Millionenhügel – für die ich überaus dankbar bin, denn jeder zugezogene Millionär senkt den Steuerfuss – Rechnung tragend, müssen neue Unterrichtsräume erstellt und vielleicht noch die eine oder andere blonde Primarlehrerin eingestellt werden.
Die Scheune mit angebauten Wohneinheiten wurde abgerissen und wie ein langjähriger Sing-Sing-Bewohner, wurde ich von einem spektakulären Panorama und Sonnenlicht förmlich überrumpelt. Etwas zu wenig narzisstisch veranlagt, bin ich kein Anhänger der Selbstdarstellung, die baulichen Voraussetzungen erlaubten mir bisher, auf jeglichen Sichtschutz zu verzichten.
Dem Raumklima Rechnung tragend, mein Vermieter wird das wohlwollend aufnehmen, pflege ich das mit lupenreinem Klarglas bestückte Fenster meiner Nasszelle / Toilette zu öffnen. Man sieht sich dann auch gleich viel besser im Spiegel wenn man den Duschvorhang zur Seite schiebt, so von sich überzogen ist man dann schon. Die Badewanne leicht erhöht, das Fenster leicht gesenkt, diesem Umstand habe ich bisher keine weitere Beachtung geschenkt.
Bis zu jenem Donnerstag Abend, als ich mit ausladenden, nahezu anmutigen Bewegungen das Badetuch über den breiten Rücken meines Adoniskörpers von links nach rechts und zurück zog und das Gemächt dazu im Gegentakt wippte. Trotz des bezaubernden Anblicks vermochte ich den Blick vom Badezimmerspiegel zu lösen und sah linkerhand durch das leicht nach unten versetzte Fenster, wie der Damenturnverein soeben im Begriff war, die Dorfbeiz zu verlassen. Der schon einsetzenden Dämmerung wegen, war natürlich mein geöffnetes, lupenreines Klarglasfenster und die dahinter agierende Person, also ich, in das Flutlicht meiner energiefressenden, ökostrombetriebenen Badezimmerbeleuchtung getaucht.

Selbstverständlich bietet solch ein Auftritt weder Anlass zu Klage, noch wird man darauf angesprochen. Lediglich das Echo der Türglocke im Dorfladen, welches durch die kathedralische Totenstille erklingt, lässt erahnen, dass das muntere Treiben und Getratsche eingestellt wurde, weil eben ein ganz gspässiger Kunde den Laden betreten hat.

Mittlerweile ist das Schulhaus gegen Himmel gewachsen. Eine Art Balkon zielt auf meine Wohnzimmeretage und drei Panoramafenster, ich vermute Klassenzimmer, gegen das lupenreine Klarglas meiner Nasszelle. Der Pausenplatz, um alles abzudecken, gegen die Lichtluke meines Fitnessraums, in welchem ich in Kleidern, deren Annahme aufgrund der Löcher und Abgewetztheit selbst von Texaid verweigert wurde, der körperlichen Ertüchtigung fröhne.
Selbstverständlich wird zu meinen heimischen Präsenzzeiten kaum unterrichtet, doch um nicht etwaige Erzieher beim Elternabend durch die Präsenz eines nackten Mannes im Nachbarhaus an der Seriösität der Erziehungsanstalt zweifeln zu lassen, oder die abendlich übende Blaskapelle zu Misstönen zu verleiten, werden ich mir wohl oder übel ein paar Vorhänge beschaffen, oder die Löcher am besten gleich zumauern lassen.

Als symbolischer Beitrag an das Gemeinwohl und Ausdruck der Dankbarkeit an den Millionenhügel.

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