Neulich in der Klubschule

Guten Abend, ruft es jedesmal über die Theke.
Eine Frau mit gelocktem, zusammengebundenen Haar, welche ich nur von Mitte Brust aufwärts kenne, begrüsst mich jeden Freitag um sechs Uhr abends. Dabei strahlt eine unerklärliche Freude aus jeder Falte ihres gefühlte, mitte anfang vierziger-Gesicht, als wäre gerade ein Engel winkend vom Himmel herabgestiegen und nicht einfach ein weiterer, schweren Schrittes schlurfender Kunde an der Theke vorbei geschlichen.

Ich habe mir nun angewöhnt die Treppe zu nehmen. In der Angst, so ich die dreissig Sekunden auf den Fahrstuhl warte, würde sich eine erzwungene, die Peinlichkeit der Stille überbrückende Konversation ergeben um nach der Erörterung des schlimmen Sommers 2014 in eine noch viel peinlichere Stille überzugehen, oder dieser missgelaunte Kunde würde mit seiner Aura von negativen Schwingungen die Dame ihrer Freude an der Arbeit berauben. Das Glück einsaugen wie ein Dementor.

Stets mit etwas Neid, aber auch ein Quentchen Freude, darob die Welt doch kein hoffnungsloses Jammertal wäre, blicke ich auf Menschen, welche mit der Sonne im Herzen und einem Lied auf den Lippen ihre Arbeit verrichten.
Menschen, welche ihrem Tun einen gewissen Sinn abgewinnen können. Wie der Herr, welcher eben auf dem Herrenacker stand, in Knickerbocker-Hose und einem Bücki auf dem Rücken. Dies ist eine hölzerner Rucksack, in welchen die Trauben geworfen werden, für die Nicht-Rebbauern unter uns. Der Herr ist darauf angewiesen, dass die Sonne scheint, dass Touristen aufkreuzen und, dass die Bevölkerung im unsinnigen Treiben unseres Tourismusunternehmens etwas ähnliches wie einen Sinn erkennt, dass weiterhin ein Batzen gesprochen wird und er seiner Berufung nachgehen kann. Dem zugeströmten Volk etwas über Weinkeller zu erzählen.
Dessen Einkommen ist von solch vielen nicht beeinflussbaren Faktoren abhängig, auch wenn er noch so schön von Weinkellern und Fässern erzählt, wird der Herr Hübeli deswegen nicht morgen nochmals eine Führung buchen, dass ich mir schon morgens prophylaktisch einen Strick um den Hals legen würde.

Mit dieser mir eigenen Begeisterung, Freitag Abends in eine Art Schulzimmer zu sitzen, bewege ich mich die Treppen hoch, als würde ich durch Uhu Alleskleber im Endstadium waten.
Erwachsene, welche einen Kurs in der Migros Klubschule besuchen, haben sich vor ganz langer Zeit einmal ganz entsetzlich falsch entschieden und versuchen nun aus den Trümmern ihres Lebens etwas sinnvolles zu zimmern.
Nicht, dass ich gegen die Klubschule wettern möchte; Ganz im Fahrwasser der Migros-Linie liegt dasselbe Angebot auf wie im Schokoregal. Die Imitation einer Marke, dem kleinen Geldbeutel gerecht werdend, nicht direkt schlecht, aber ein Mahony-Schokoriegel ist nunmal keine Toblerone.
Neben dem korrekten Gehen in High-Heels, Zehn-Finger-System für Einarmige und Kochen für unzureichend assimilierte Ehemänner, werden auch diverse Sprachkurse angeboten. Deutsch für Immigranten, Spanisch für den zweiten Frühling mit einem Latino oder Englisch für Dummies.
Heute einen Englisch-Kurs zu besuchen fühlt sich in etwa so an, als würde man mit fünfundreissig Jahren in einem Herblinger Kindergarten anklopfen, man würde gerne das Treppensteigen erlernen. Es wird einfach vorausgesetzt, dass man dies spricht. Natürlich, wenn nicht findet man sich uneingeschränktem Verständnis gegenüber, dennoch fühlt es sich stets etwas gönnerhaft an; Das muss man ja auch nicht unbedingt können, beim Zuschnitt von Dachlatten und Spanplatten im örtlichen Baumarkt, gehört es nicht zum zwingenden Anforderungsprofil und im Neckermann-Ferien-Resort spricht sowieso jeder Deutsch, isn’t it?

Als ich also feststellte, dass mein Gehirn schneller Synapsen aufbröselt als Wasser durch die Finger rinnt, wollte ich etwas dagegen unternehmen. Bevor ich für meinen Namen eine Zeichenschablone benötigen würde. Da sich meine Englischkenntnisse auf Filmfragmente, lustige Bilder im Internet, T-Shirt-Aufdrucke und den Abenteuern der Famous Five beschränken und ich bei meinen Gehversuchen im Englischen an Hotelrezeptionen regelmässig zu den Garderoben der Stand-Up-Comedians verwiesen werde, bot es sich doch an, meine Gehirntätigkeiten durch ein Festigen der Grammatik und dem Pauken von irregularen Verben wieder zu reaktivieren.

Ab der dritten Lektion wurde es mir langweilig. Selbstverständlich habe ich den Powerkurs gebucht. Schnurstracks ans Ziel, walisisch in der vierten Lektion und schottisch-gälisch kurz vor dem Abschluss. Oder so. Mit wehenden Fahnen unter Trompetenfanfaren und Rosen werfenden Jungfrauen durch den Eignungstest und beim Betreten des Schulzimmers war ich einen Moment versucht, gleich am Lehrerpult Platz zu nehmen. Meiner Natur gemäss wählte ich dann doch den hintersten Tisch, nahe dem Fenster.
Ich bin noch immer derselbe faule Sack, welcher mit sechzehn Jahren wider aller Erwartungen die Schule abgeschlossen hat. Natürlich mit einem Minimum an Aufwand und dem Lehrvertrag zwei Wochen vor Schulende in der Tasche. Den dämlichsten Beruf welcher sich je ein Berufsberater ersinnen konnte, mit einer Zukunftsperspektive wie eine Mäusefamilie im Katzenheim, aber Bedingung war nur, dass ich eine Lehre absolvierte.

Entgegen meiner Schulzeit lerne ich dieses mal wirklich für mich. Meine Erziehungsberechtigen wurden vor achtzehn Jahre ihrer Aufgabe erlöst und die Frau Lehrerin ist in erster Linie daran interessiert, dass die Kursgebühren pünktlich überwiesen werden, der Rest ist meine Sache.
Grosser Fehler.
Da der Eignungstest nur dazu dient sich selbst einzustufen, mir danach wäre, ich wohl gleich beim Cambridge Exam einsteigen könnte, wurde Kraut und Rüben in den Kurs gepackt. Einfach jeder, welcher die Gebühren entrichten kann.
So sitzt zu meiner Linken das Blick-Girl Oktober 2010, kein Scherz, und fährt mit dem Finger über das Blatt. Die Satzmelodie erinnert mich an die stakkatohaften Geigenklänge aus Hitchcocks Psycho, mit der Geschwindigkeit einer anfahrenden Dampflokomotive, betrieben von einem Heizer, dessen Gewerkschaft verbietet, mehr als eine Schaufel Kohle die Stunde in den Ofen zu werfen.
Man sitzt nebenan, die Hände unter den Oberschenkeln, um der Versuchung zu widerstehen, ihre Nase in das Übungsheft zu klatschen. Jedes Wort mit mehr als drei Vokalen wird von der Lehrerin korrigiert, was die Dame mit einem solch jämmerlich erschöpften ‚Oh Gott‘ quittiert, als müsste sie besagte Lokomotive an einem Strick über den Gotthard ziehen. Hat man den Text nicht selbst vor Augen, ist es unergründlich, ob da zur Linken eine Teufelsaustreibung in rückwärts gelesenem Latein zugange ist, oder jemand mit einer Kartoffel im Mund Hänschen Klein singt. Unterbrochen von Oh Gott.
Sämtliche ihr gestellten Aufgaben werden nur gelöst, wenn aus jeder Ecke des Raumes die korrekte Antwort gezischt wird und die Lehrerin nur daran erkennt, dass besagte Dame noch nicht zur richtigen Lösung angesetzt hat, weil kein ‚Oh Gott‘ vorangesetzt wurde.

Einen Stuhl weiter sitzt ein Jüngling mit einer Fistelstimme, welche unweigerlich darauf schliessen lässt, dass er seine Freizeit im Knabenchor verbringt. Oder Slips träget. Etwas knapper im Schritt, dafür etwas weiter im Gesäss.
Dieser zeichnet sich vorwiegend dadurch aus, dass er an jedem Kursabend einmal Ukraine und ein weiteres Mal Irak sagt. Auf die Frage der Lehrerin, was in der Welt denn so geschähe. Nicht weil die Frau Lehrerin speziell schlecht informiert wäre oder es sie brennend interessieren würde, der Grundgedanke liegt darin, eine Konversation anzuregen.
Ukraine.
Ja was geschähe denn in der Ukraine.
Putin… walk…. army… in…. Ukraine… war…
Vielleicht fistelt er zwischen den Verben und Nomen noch ein paar Pronomen oder Adjektive, aber jemand, der nicht mit den Ohren einer Fledermaus begünstigt wurde, kann unmöglich aus dem Gestammel einen Satz bilden, oder gar in das Gespräch einsteigen, weil schlicht nicht erkennbar ist, was dieses Kerlchen mitteilen möchte. Nach seinem ersten ‚Ukraine‘ oder ‚Irak‘ folgt eine Schweigeminute. Vielleicht aus Betroffenheit, vielleicht, weil niemand wirklich informiert ist, aber gewiss auch, damit Fistelchen seine nächsten Buchstaben aus dem imaginären Scrabblesäckchen klauben und auf den Tisch legen kann.

Die Lehrerin übernimmt für gewöhnlich und rattert BBC-mässig die aktuellen Tagesnachrichten zur Ukraine herunter. Oder Irak. Um die Stunde zu einem Ende zu bringen.
Das wäre die Konversationsübung gewesen.

Gut, worüber soll man auch sprechen. Ich gestehe, in Sachen Ukraine und Gazastreifen bin ich furchtbar schlecht informiert. Der Rest der Gruppe auch. Bis auf Fistelchen, aber auch da weiss man es nicht genau. Putin, war und Ukraine habe auch ich den Schlagzeilen entnommen.
In Sachen Literatur hat noch keiner seit Anna Göldin – Letzte Hexe in der zweiten Oberstufe ein Buch von innen gesehen. Ich war etwas entzückt, als die Lehrerin den kleinen Hobbit behandeln wollte. Es scheiterte jedoch daran, dass die Gruppe noch nie etwas von einem Buch dieses Namens gehört hat und vom Film blieb bestenfalls ein Stückchen Pop-Corn-Schale in den Backenzähnen hängen.

Und so dümpelt man Freitag für Freitag drei Stunden in einem stickigen Schulzimmer und ich würde wohl mehr Synapsen knüpfen, wenn ich zuhause TKKG lesen würde. Gestern habe ich mich für den nächsten Kurs angemolden.

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Glotzekotze

Es wird mir empfohlen meine Abonnement – im Sperrdruck – sofort zu wechseln um Geld zu sparen.
Ich sollte mich SOFORT mit dem Berater in Verbindung setzen. Der Befehlston, mokierte ich mich kürzlich darüber, scheint durchaus im allgemeinen Sprachgebrauch Einzug zu halten. Sah ich kürzlich eine Parkuhr in Sils Maria, das ist im Engadin, mit einem grossen Schild versehen „Die Parkuhr muss bedient werden!“. Mit Ausrufezeichen.
Eigentlich hätte ich diese gerne fotodokumentarisch festgehalten, mit den neuen Smartphone klickt man ja jeden Schrott, aber ein Rentner druckste orientierungslos davor rum und ich war etwas gehemmt. Leute fotografieren ist ein heikles Thema, da hat man sofort den Herr Thür im Nacken. Ein paar Minuten wohnte ich unauffällig der Szene bei, aber man kennt das ja, je unauffälliger man wirken will, desto eher überzeugt man die Leute davon, dass man üble Dinge im Schilde führe. Dasselbe Dilemma, wenn man versucht in der Einkaufslokalität einer bestimmten Person aus dem Wege zu gehen. Möchte man in schönster Stalkermanier eine Person verfolgen um einen Blick auf das neckische Hinterteil zu erhaschen, gelingt es dieser auf 25 Quadratmeter zwischen Tütensuppen und WC-Papier spurlos zu verschwinden. Auch wenn man den Mount-Backwaren ersteigt, mit der Hand die Augen vor dem Licht der Fluoreszenzröhren abschattend. Kommt aber diese eine Person, welche man so gefliessentlich zu übersehen versucht, trifft man sich bestimmt drei mal, auch wenn man den Umweg zu Kasse zwischen den weiblichen Hygieneartikeln und Hipp-Babynahrung nimmt.

Nun, dieses SOFORT-SMS von meinem Mobilfunkbetreiber erhielt ich, weil ich mangels WLAN mehr Daten verbraucht hatte, als mir in meinem Abonnement frei zur Verfügung stehen. Für ganze zwanzig Franken. Wo ich die nur wieder herkriege?
Als langjähriger Swisscom-Kunde habe ich einen Dinosauriervertrag mit einem lächerlichen Fixbetrag und ein paar SMS-Kosten, ich berappe keine siebzig Franken im Monat. Nun sollte ich wegen der 20 Franken SOFORT meinen Berater kontaktieren, dass er mich zum aktuell günstigsten Abo von aktuell 99.- beraten kann.
Dazu wohl noch ein App-Guthaben, eine Glasbruchversicherung, ein 3.-Säulefond und zwei Zahnbürsten. In rot und blau. Alles was man heute halt so kriegt, wenn man mal eben eine Frage zu seinem Mobiltelefon hat. Oder eine Weihnachtskarte an Tante Emma senden will.

Nun bin ich also wieder in der Heimat und habe mir einen Abend Zeit genommen, mich durch das TV zu klicken.
Nur noch Nackedeis im Fernsehen. Bei Promi-Big-Brother tauschten sich drei Männer geschlagene 15 Minuten über die weisse Badehose von Michael Wendler aus. Eine gefühlte Ewigkeit hält ein gewisser Hubert Kah seine Nase an den Hintern von Wendler, betrachtet ihn von allen Seiten, um danach festzustellen, die Badehose würde schwul aussehen. Was nun wirklich homosexuellen Charakter aufweist, darüber kann man sich streiten.

promi-big-brotherGerne würde ich ja den Clip zeigen, aber bei sämtlichen deutschen Videoportalen hat man schlichtweg zu wenig Zeit, zwischen den Werbepopups den Quellcode zu klauen. Klickt hier rein. Etwas witzig ist es schon.

Des weiteren versuchte ein gewisser Roland der Spielerfrau Effenberg zu zeigen was er hat. Sie verpasste es, aber der Sat 1-Zuschauer war mittendrin.promi-big-brother-2Ich bin ja nicht prüde, aber etwas irritierend ist es schon.
Denke ich an früher zurück, als die Fa-Duschmittel, oder war es ein Shampoo, Werbung im Fernsehen lief. Da sah man einen Nippel! Mit zugehöriger Brust!
Papas sahen verstohlen zur Topfpflanze auf dem Fernseher, Mutti huschte in die Küche um einen Snack zu bereiten und Kindern schmerzten die Augen, weil der Kopf auf das Micky Maus-Heft gerichtet war, die Pupillen aber auf die Mattscheibe stierte. Dreissig Sekunden genügten um die Werte von Moral und Anstand einer gesitteten Familie über den Haufen zu werfen. fa-werbungNun, zumindest diese Werbung würde heute nicht mehr akzeptiert werden. Die Frau müsste etwas Orangenhaut haben und leicht adipös veranlagt sein. Gesund eben. Dazu müsste sie auf dem Arm ein adoptiertes, schwarzes Kind tragen, zu Füssen hätte ein dreibeiniger Strassenköter zu liegen und im Hintergrund würde der Opa auf ein Spenderorgan warten. Dies sind in etwa die Aspekte, welche das Bild des Durchschnittsbürgers reflektieren sollten. Die Werbung, welche Dich und mich ansprechen sollte und wenn nicht, dann wäre mit mir und Dir was nicht in Ordnung.

Ich zappte weiter auf RTL. Seit Tutti-Frutti der Nackedeikanal schlechthin.
Gestern strandeten zwei Singels auf einer Insel. Adam und Eva nennt sich das Format. Das Experiment soll zeigen, ob sich zwei Personen einander annähern können, ohne von Oberflächlichkeiten wie Wohlstand im Allgemeinen und Kleidung im Speziellen beeinflusst zu werden.
Es dreht sich also um tiefe, innere Werte, welche einen Menschen ausmachen. Wie Vulva-Formen, Penislängen, Brustgrössen und Schambehaarung.
Mehr oder minder planlos dümpeln sie auf der Insel und der Zuschauer spienzelt eigentlich nur um einen Blick auf die Geschlechtsteile zu erhaschen, sei es zu Vergleichszwecken oder einfach der Lüsternheit willen.
Eigentlich, nebst dem spienzeln, blieb ich hängen, weil mir die Sache so furchtbar sinnlos erschien. Da strandete ein weiterer Adam auf der Insel. Ein Bild von einem Mann, ein muskulöser Gastronom welcher in jeder Hinsicht besser bestückt war, als der bisherige Adam. Ein Wettstreit sollte nun die Sache in Schwung bringen. Statt sich ordentlich zu kloppen, mussten sie jedoch ein Bild malen. Ich glaube es sollte einen Bezug zu Eva haben, während der Aufgabeninstruktion war ich im Obergeschoss am Bier holen.
Der schmächtige Adam zeichnete ein Herz, eine Sonne, wie es in jedem ordentlichen Kindergarten in vierzehnfacher Ausführung zu finden ist. Der Adonis zauberte mal eben Botticelli’s Geburt der Venus auf die Leinwand.
Dafür hat er sich ein Date verdient. Ich begann mich zu langweilen.
Bei Sekt unter der Palme, erkannte Eva Adam. Also nicht im biblischen Sinne. Aber sie kam zum Schluss, natürlich nur auf die inneren Werte achtend, dass der muskulöse Gastronom schon eher ihr Typ wäre.
Inzwischen bastelte der andere…

Ich schaltete ab.
TV ist nicht mehr das, was es mal war.

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Neulich, am Julier

Für gewöhnlich bemühe ich mich Toleranz an den Tag zu legen. Ok, das ist gelogen. Aber manchmal gegenüber Autolenkern mit fremden Autoschildern. Letzendlich lenkte ich mein Fahrzeug auch schon eher unorthodox durch fremde Städte und war froh, wenn ich nicht allzu sehr bedrängt wurde.
Doch jede Toleranz hat irgendwann Grenzen. Da zuckelt man hinterher, die Geschwindigkeit schwankend zwischen 15 und 45 Stundenkilometern, gewürzt mit spontanen Bremsmanövern und man fragt sich, ob es in der modernen Zeit mit Navigation wirklich so schwer ist den Rheinfall zu finden. Zumal einem das überdimensionierte Schild beinahe gegen die Stirn schlägt.
Nun, dank des unglaublich innovativen Schaffhauser Tourismus-Verein hält sich der Besucherstrom in Grenzen. Zumindest nach meinem Empfinden und dem Gejammer der Hoteliers. So arrangiert man sich mit den Deutschen, Holländern und Franzosen.
Doch wie muss es da den Bündnern gehen? Mit den Zürchern, Schaffhausern, Thurgauern und 22 anderen Kantonsvertretern.
Da kommen sie aus dem Unterland in ihren fahrbaren Untersätzen. Wenn man Graubünden erwähnt sieht der Unterländer Automobilist schmale Strassen durch eng gebaute Dörfchen und Kurvenschneiden. Ein Hauch von Rallye und Freiheit. Eine Frage der Ehre.

passfahren

Den Hund in der Box, sieben Sporttaschen dazu gequetscht, die Mountainbikes am Heckklappen-Träger, die Kinder im Storchenmühle festgezurrt und Mutti auf den Beifahrersitz gesetzt. Selbige hat sich gut vorbereitet und will sämtliche Spiele durchführen, welche die Coop-Zeitung für eine entspannende Fahrt im Familienmobil aufgelistetet hat. Die Kinderchen wollen doch lieber DVD gucken und können sich nicht entscheiden zwischen Nemo und Shrek, so oder so muss Papi alle 20 Kilometer raus und die verklemmte DVD aus dem Interdiscount-Spezialangebot puhlen oder zumindest heftig fluchend dagegen schlagen. Nur weil es zum Treten zu hoch hängt und er den Kindern gepredigt hat, man trete mit den Schuhen nicht gegen die Sitze.
Obwohl die Kinderchen Kopfhörer erhalten haben,- einmal Micky Maus, einmal nicht identifizierbares, blaues Monster was sauteuer war – legt Mutti Wiederspruch ein, weil man so ja nicht das Käfer-Hüpf-Spiel spielen kann. Zudem sind diese Dinger schlecht für das Trommelfell. Und den Kindern würde schlecht. Frag nicht, sagt die Coop-Zeitung.
Hintergrundsound, Shrek und Nemo im Wettstreit und die Lautstärkeregelung des Interdiscount-Schnäppchen scheint gegen oben endlos zu sein. Zur Rechten rattert Mutti gebetsmühlenartig alle 12 Minuten das Nahrungsangebot aus der Coop-Superpunkte-Kühltasche zwischen ihren Füssen runter und aus dem Radio klingt der Sheriff Nepomuk.
Alle sind Coop-Zeitung-konfom tiefenentspannt und abgelenkt. Bis auf Papa. Doch nun hat er bei Thusis die Autobahn verlassen und seine Finger krallen sich energisch in das Volant.
Er lockert die Schultern, streichelt den Ganghebel seines Familienkombis und fühlt sich wie Colin McRae, Friede seiner Asche, und Sébastian Loeb in einer Person. Aus der Zeugungsfähigkeitsbescheinigung am Heck – ‚Hupsi und Pupsi fahren mit‘ gesponsert von Milupa links und ‚Baby an Bord‘ von Hipp rechts, wird im Geiste ein sportlicher Remus und Brembo-Sticker. Nicht so schnell, klingt es von nebenan und die Füsse klemmen die Kühltasche fest, sonst wird es den Kindern wieder schlecht.
Nein nein… Ich hoffe nur, dass ich nicht wieder einen verdammter Unterländer vor mir habe, der nicht weiss wie man durch die Berge fährt und nachzuckeln muss.
Jetzt noch überholen was geht; Sprachs und tritt energisch das Gaspedal. Um den Vierzylinder richtig heulen zu lassen hätte er aber zumindest auskuppeln müssen. So äussert sich diese unterstreichende Geste nur in einem erstickten Ruckeln und der Sohnemann kippt seinen Jogi-Drink in die Spielwarentasche welche hinter dem Fahrersitz hängt.

Nein, ich bin kein Familienvater.
Ich bin der entnervte Typ hinter dem Familienvan. Hinter dem Nissan-Kleinwagen, hinter dem deutschen Brummi.
Nicht, dass ich mich als herausragender Autolenker bezeichnen würde, aber zumindest weiss ich welche Dimensionen die französische Traditionsfirma meinem Automobil verpasst hat, was mir erlaubt, eine Kurve vernünftig zu fahren und nicht bei jedem kreuzenden Fahrzeug wahlweise in den Abgrund runter oder die Felswand hoch zu fahren. Kaum zu glauben, aber dies unterscheidet einem schon von 73 Prozent aller anderen Autolenker. War das Erste, was mich mein Vater lernen liess, bevor ich drei viertel meiner Fahrstunden auf Grimsel, Julier, Albula und Oberalp absolvieren durfte.

Unter zuckelnden Autofahrern existiert ein ungeschriebenes Gesetz; Man muss mindestens in Vierergruppen auftreten. Nicht, dass sie sich kennen oder so, auch die Automobile sind willkürlich gewählt, alles was sie verbindet ist das gemeinsame Ziel und das Gefühl jedes einzelnen, er könnte schneller als der Vordere und sei gewiss schneller als der Hintere.
Aus diesem Grund fahren sie Stossstange an Stossstange. Langsam fahrende Fahrzeuge sollten Lücken lassen um den schnelleren das Überholen zu ermöglichen. Lernt man so beim Lenken von Militärfahrzeugen. Das Problem ist, weder Papa Müller-Loeb noch Papa Schmidt-McRae halten sich für ein langsam fahrendes Fahrzeug. Also im Moment schon, aber sie könnten ja schon schneller, nur werden sie gerade ausgebremst. Daher immer schön Kontakt halten, bis ein dreitausend Meter langer, gerader Strassenstreifen ohne Gegenverkehr erscheint um den korrekten Überholvorgang einzuleiten. Mindestens 7 Meter breit.
Erschwerend dazu, jeder will nach vorne gucken um besagten Streckenabschnitt zu finden, wodurch der Konvoi gerne in der Mitte der Strasse schlängelt. Mit vierzig bis fünfzig Kilometer pro Stunde.
Möchte man einen überholen, muss man den Vordermann von der Strasse drängen. Empfiehlt sich nicht, furchtbarer Papierkrieg. Setzt man sich vor Papi im Familienvan und baut darauf, dass er sich etwas zurückfallen lässt um eine Lücke zu generieren damit man wieder einspuren kann, hat man sich auch geschnitten. Siehe oben, Papa ist der Schnellste, jeder welcher noch schneller ist, stellt einen unverantwortlichen Raser dar und diesen gilt es zu belehren. Am Besten, indem er auf der Gegenspur frontal in einen Valserwasser-Truck kracht.
Hat man tatsächlich einen Strassenabschnitt auf welchem man gleich alle vier packen könnte und prescht bereits los, findet just in diesem Moment Papa seine Eier und leitet den Überholvorgang ein. Erst auf die linke Spur fahren, dann den Blinker setzen. Sobald man das Auto positioniert hat, schaltet man einen Gang runter und latscht auf das Gas. Ganz langsam schieben keuchende 68 Pferdchen den hoffnungslos überladenen Wagen – die Schwiegermutter hat einem beim Pflichtbesuch noch eine alte Couch auf das Dach gelegt und man kann ja nicht sagen, sie soll das olle Ding gefälligst selbst entsorgen – neben den Laster, bis er registriert, dass in 800 Metern bereits eine Kurve erscheint. Man wird von Bremslichtern geblendet, Papa lässt sich wieder zurückfallen, zwängt sich hinter den Laster und selber sieht man schon sein Spiegelbild im verchromten Kuhfänger des Valserwasser-Trucks.

Hast du gesehen, das Arschloch hinter mir? Hat mich gedrängelt, dabei sieht jeder mit etwas Grips, dass dies nicht reicht. Wegen solcher Raser passieren immer wieder diese Unfälle. Gut habe ich so blitzschnell reagiert.
Ereifert sich Papa.

Zur Rechten gibt es immer wieder Buchten, in welchen ein langsam fahrendes Fahrzeug ausscheren kann um den Schnelleren die Vorbeifahrt zu ermöglichen. Natürlich kein Thema für Familienkombis und japanische Kleinwagen. Die sind ja nicht langsam. Das ist für Postautos und Lastwagenfahrer. Nur für Postautos und Lastwagenfahrer.
Sobald ein rücksichtsvoller Postautochauffeur, welche übrigens meine uneingeschränkte Bewunderung haben, oder Lastwagenchauffeur Platz macht, prescht der japanische Kleinwagen los. Würde gerne. Aufgrund der dünnen Höhenluft und nicht vorhandenem Turbolader hoppst er wie ein Marienkäfer mit Schnappatmung auf der Strecke herum. Durch den beherzten Tritt auf das Gaspedal verschluckt sich der gute noch an der Extraladung Treibstoff oder würgt sein Vehikel ab, weil der Gangwechsel allzu hektisch erfolgen musste. Zu guter Letzt wäre das Postauto oder der Lastwagen besser auf der Strecke geblieben.

Definitiv verloren hat man, wenn die Strecke so richtig kurvig wird. Nicht weil sie Angst haben, nein im Gegenteil! Papa strotzt vor Selbstvertrauen und schneidet die Kurven, wann immer sich Gelegenheit bietet. Die Linkskurve beherzt bis auf einen Meter an die linke Leitplanke heran, die Rechtskurve auch sehr mutig; Zwischen Fels und Wand bleibt höchstens eine Handbreit Platz. Mit zugehörigem Menschen. Mit noch einem Menschen an der Hand. Mit gestreckten Armen nebeneinander her gehend. Unbestritten, eine knappe Sache.
Das Überholen wird fast zur Unmöglichkeit, da einem ja eigentlich nur die Kurven bleiben. Auf den Geraden beschleunigt der Familienwagen auf halsbrecherische siebzig Stundenkilometer. Nichts, was ein Überholen verunmöglichen würde, aber wenn man auf der Bergstrecke mit 130 km/h vorbei rauscht, kann man den Führerschein schon mal etwas lockern.
Insbesondere, wenn man den Remus/Brembo-Kombi-Piloten vor Frau und Kind in seiner Ehre gekränkt hat und er eine Anzeige wegen Drängeln, Nötigen und Gefährden in Kombination mit Rasen als probates Mittel sieht, ja es als seine Pflicht erachtet, um die Strassen etwas sicherer zu machen.

Ja, etwas Mitleid habe ich mit den Bündnern, welche sich tagtäglich mit den Schumi’s aus dem Unterland rumärgern müssen.

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Schwiegertochter gesucht – 2014

Da ich gerade fern meiner heimischen Gefilde weile, verfüge ich über kein Pay-TV und bin dazu verdonnert, RTL zu gucken.

schwiegertochter-gesucht
Die ehemalige Wurst-am-Mittag, Vera Int-Veen, leistet wieder Sozialdienst und versucht Mamasöhnchen zu verkuppeln. Man kann sich natürlich streiten, ob wirklich der Wunsch Gutes zu tun oder die Quote im Vordergrund steht.
Es gibt Leute, die sind von Natur aus eine Peinlichkeit auf zwei Beinen, auch der liebe Gott hat mal einen schlechten Tag, da will ihm keiner einen Strick drehen. Eine gewisse Tragik steckt dahinter, wenn ihnen dabei auch noch jegliches Schamgefühl abhanden gekommen ist und RTL die ganze Sache gnadenlos ausnutzt. Nicht, dass ich nun den Mahnfinger erheben will, ich amüsiere mich ja auch ganz gerne über diese mediengeilen Trottel.

In der Vergangenheit betonte ich stets meine Angst, dass sich plötzlich Vera durch meinen Türrahmen zwängt und mich mit Liebespost überrascht. Wobei Überraschung in Gänsefüsschen gesetzt werden sollte, denn obwohl die mit Briefchen bedachten Liebhaber in spe jedesmal aus allen Wolken fallen, steht das RTL-Kamerateam bereits in der Wohnung. Aber ich will RTL nichts unterstellen, vielleicht kriegen die Mamasöhnchen und deren Familie von der Vorbereitung wirklich nichts mit. Ein gewisses Defizit an Intelligenz steht im Anforderungsprofil.
Meine Befürchtungen scheinen mir je länger unbegründet. Weder wohne ich noch bei meiner Mutter, noch würde es mir im Traum einfallen, selbige in die Partnerwahl einzubinden. Versucht hat sie es schon, im Ansatz. Mit Empfehlungen, diese wäre doch, oder dann diese. Wobei unsere Vorstellungen von der perfekten Frau nicht weiter auseinander klaffen könnte. Mutter schaut in erster Linie auf den Charakter und dieser ist gut, wenn Frau einen unglaublichen Hang zu Familie und ähnlichem in sich hat und am liebsten jeden Sonnenaufgang Hand in Hand über drei Generationen zurück feierlich begehen würde. Auch wenn man dazu Urgrossmutters alte Knochen aus der Kiste klauben müsste, hauptsache Familie und alle haben sich fest lieb. Da darf es schon einmal eine Frau mit einem Hintern wie ein Brauerei-Gaul sein, einer schiefen Nase, oder sieben Finger an der linken Hand. Eine liebe Frau eben.
Ich finde, ich bin da wesentlicher unkomplizierter gestrickt. Charakter wird erst im Recall geprüft. Und, würden auch alle Stricke reissen; Ich besitze keinen Fliesentisch, da packt RTL gar nicht erst die Kamera aus.

Bewährt hat sich der Ingo.
Ingo ist 23, etwas übergwichtig und wurde von seiner Traumfrau der letzten Staffel nach der Ausstrahlung völlig überraschend abgeschossen. Dabei hat sich Papa Luz doch wirklich ins Zeug gelegt und Ingo telefonisch angewiesen, wie der Beischlaf zu vollziehen zu wäre und wo der Heiratsantrag, nach zwei Wochen ‚Beziehung‘, erfolgen sollte. Auch im Hallenbad, Familie Barbapapa geht schwimmen, hat Ingo in der knappen Slipbadehose im Kinderbecken sitzend nicht mit seinen Reizen gegeizt.
Nun, Ingo bezeichnet sich heute als selbstbewusster, reifer und stärker. Nicht zuletzt, weil in seinem Kinderzimmer vor einem Rocky-Poster ein Fitnessgerät steht. Sechzig Kilogramm drücke er bereits auf der Multi-Kraftstation, welche eigentlich nur aus dem Pearl-Versand stammen kann.

Bilder die man so nicht sehen will, aber dennoch gerade deswegen schaut. Ingo steht vor dem Spiegel. Im Handtuch. Das flauschige Frottee-Einmannzelt hält wie durch ein Wunder auf der grössten Erhebung seines Bauches, irgendwo zwischen Nabel und Brustansatz. Ich vermute Ansatz, denn der gute Ingo hat einen Vorbau, welcher manche Frau vor Neid erblassen liesse. Gut, nicht straff und neckisch, aber ein C-Körbchen würde er wohl schon füllen.
Das Gesicht vor Anstrengung verzogen spannt er seinen Bizeps, die Brustmuskeln, sein… nein, das war es eigentlich auch schon und man müsste ganz genau hinsehen um unter aller Masse etwas wie einen tanzenden Muskel zu sehen. RTL immer mit der Kamera dabei.
Papa Luz und Kettenraucher-Mutti kümmern sich derweil um das Abendmahl.
Das Prinzip der Sauerbraten-Vorbereitung ist mir nicht bekannt, aber bei Ingo’s Familie steht der Topf mit dem Braten im Bad. Vielleicht stand er auch nur strategisch dort um Papa Luz ins Geschehen einzubinden, RTL darf darauf bauen, dass der Fernsehkonsument aus der Unterschicht sich keine weiteren Gedanken macht, daher lasse ich es auch.

Ingo hat sich hübsch gemacht, was in seinem Fall heisst, in ein frisches Zirkuszelt geschlüpft zu sein und begibt sich zum Bahnsteig um die Steffi abzuholen.
Ich bin der letzte, welche sich über Handschriften lustig machen sollte, aber Frauen bestechen für gewöhnlich durch kaligrafische Kunstwerke, da tanzt Steffi mit ihrer „Schnürlischrift“, Stufe Elementarschule drittes Jahr, schon etwas aus der Reihe. Ob nun Ingo des Lesens nicht mächtig ist, oder nebst der Kinder-Schrift noch Rechtschreibefehler das Communique zierten entzieht sich meiner Kenntnis, aber die gesamte Familie, von der Kette rauchenden Mutter, über den dauerlüsternen Papa bis zu Super-Ingo beugten sich über den mit Kartoffelstempeln verzierten Brief. Ihr Hobby, das Sammeln von Delfinen, Dart spielen und Flohmärkte
Was sind das nur für Leute? Gut, die männlichen Kandidaten werden wohl gecastet werden, oder man greift auf Bewährtes zurück, aber da gibt es erwachsene Personen, welche einen Brief basteln und diesen in der vollen Gewissheit einsenden, dass sie damit eine Bewerbung als Fernsehtrottel im Sonntag-Vorabendprogramm einreichen. Sollten diese Leute nicht vor sich selber geschützt werden?

Ingo wird von der Steffi schon auf dem Bahnsteig geknuddelt. Es gibt gewisse Dinge, die will ein Mann nicht hören, wie in etwa ‚Du bist herzig…“, „Du bist süss…“, „Das macht doch nichts…“, oder eben „Du fühlst dich so weich an“. Ingo hingegen fühlt sich jedoch geschmeichelt. Und sie knuddelt ihn gerne, was er jeweils mit zufriedenem Grunzen quittiert.
An seiner Stelle würde ich die Muskelmaschine Pearl zurücksenden. Von wegen; Das Erfolgsrezept der Profis und; Täglich nur 7 Minuten. Selbst der weltbekannte Profi-Bambusrohr-Springer, welcher an der berühmten Laufkonkurrenz im hintertumbuktischen Putschingistan den sensationellen 35 Platz erreichte setzt voll auf dieses Gerät. Mit erhobenem Daumen.
Ingos Papa Luz ist von der Steffi begeistert, wenn sie bisher auch weder Knöchel noch Schulter gezeigt hat, aber der Papa Luz würde auch einen Briefkasten bespringen, so dieser einen Rock tragen würde. Er hat mein Verständnis, ist Ingos Mutter doch die typische Stammtisch-Kellnerin, welche ihre Freizeit gerne mit dem Stopfen von Zigaretten verbringt, welche sie in einer Tupperware-Schale auf dem Fliesentisch aufbewahrt. Eine Brille mit solch grossen Gläsern, dass im Winter die Nachbarskinder damit schlitteln wollen, strähnig fettigem Haar und einer Lache die wie ein vom Wind geplagter Fensterladen in rostigen Angeln klingt. Übergehend in Husten, versteht sich.
Nun, Steffi scheint hin und weg, weil Ingo solch ein lieber Mensch sei. Und so weich.
Eigentlich spricht alles dafür, dass er direkt gefriendzoned wird, aber auch die Steffi muss wohl nehmen was sie kriegt.
Wir werden nächste Woche mehr erfahren.

Frauen haben bei Schwiegertochter gesucht einen grossen Vorteil; Neben diesen Trostpreisen von Männern können sie nur glänzen. Sollte man meinen. Tun sie nicht und um den Schnitt noch ganz in den Keller zu reissen, wird Beate wieder über die Bühne gepeitscht. Sie geniesst es.
Beate ist jene mit dem Psychoblick und Drohungen wie ‚Man sieht sich immer zweimal‘ oder dem Kandidaten schon die Liebe bis zum Tode schwört, bevor er den Bahnsteig von Pupsdorf überhaupt betreten hat. Seinem Tode.
Nach den Misserfolgen im guten Deutschland wurde sie von RTL nach Alaska geschafft und der ganze deutsprachige Teil von Europa durfte sich amüsieren, wie Beate und Mutter Ingrid – oder ähnlich – sich in englisch und an Holzfällern versuchten. Erstaunlich, aber die Flanellhemde in den Wäldern haben auch nicht direkt auf die Raststätte-Verkäuferin gewartet.
Nun wird Beate, mit Vorliebe trägt sie Pullover mit Hunde-Motiven, nach Bali geflogen. Mit dabei natürlich die Mutter und die Liebespost von zwei Verehrern. „Serienkiller – die Top 100“ könnte das Buch heissen, aus welchem die Profilfotos der Liebeshungrigen entwendet wurden. Topf und Deckel, Beate ist begeistert.
Damit der Zuschauer auch bei der Stange bleibt, liess es sich RTL nicht nehmen eine Vorschau auf die Abenteuer in der nächsten Folge zu präsentieren. Wie etwa der Besuch im Badepark. Vielleicht hat der geneigte Leser den Ausdruck Rückentitten schon gehört, ein Phänomen welches Auftritt, wenn Frau vorne wie hinten mit etwas zuviel überschüssiger Materie ausgestattet ist und diese in unvorteilhafter, sprich etwas zu enger Kleidung, derart in Form gepresst wird, dass auf einen flüchtigen Blick Vorder- und Kehrseite nicht direkt zu unterscheiden sind. Nicht genug damit, war nicht zu übersehen, dass sich die Vorliebe für Fellknäuel nicht nur auf Pullover und Vierbeiner in natura beschränkt, sondern der Wuchs anscheinend auch auf den eigenen Extremitäten gepflegt wird. RTL liess es sich nicht nehmen, uns einen Vorgeschmack auf Sonnencreme-Szenen am Pool zu schenken.

Mit von der Partie ist auch Harald. Achtundreissig Jahre. Lebt bei der Mutter und hatte noch nie eine Partnerin.
Vera besucht die Leute gerne selber mit der Liebespost. Einerseits scheint sich der DHL-Kurier standhaft zu weigern, andererseits gibt es immer lecker Torte und Teilchen und die Vera futtert gerne. Zudem kann sie auch gut mit alten Müttern, obwohl diesmal Haralds Mutter in Tränen ausbricht, weil der gute Junge immernoch alleine ist.
Eigentlich bringt Harald’s Mutter die ganze Sendung auf den Punkt, als sie losheult wie ein Schlosshund, während Vera sich mit einem Spaten Sahne-Torte einverleibt. Die Frage, was hat man falsch gemacht steht als unsichtbare vierte Person im Raum, irgendwann kann man nicht mehr behaupten, er warte auf die Richtige. Zudem wirkt es auch nicht direkt einladend wenn man nach dem Date fragt „Kommst du noch hoch? Zu Mutti?“.

Etwas Mitleid, also aufrichtiges, habe ich mit dem Postboten Benjamin aus der Schweiz. So rein landschaftlich und sprachlich scheint er mit Mutti im Berner Oberland zu logieren, RTL’s eingespielte Heidi-Melodie würde eher auf das Bündnerland schliessen lassen, aber da wurden wohl nur die Klischees bedient.
Dieser Benjamin erscheint einfach nicht so grunddämlich und urhässlich, dass er in das ganze Schwiegertochterkonzept passen würde. Er ist einfach etwas unbeholfen im Umgang mit der Damenwelt. Nun darf er sich mit einer untersetzten Blondine ernsthaften Hautproblemen und einer etwas weniger hässlichen Mutter von zwei Kindern herumschlagen.

Nun, dies war der Auftakt. Nächsten Sonntag erfahren wir mehr.

Veröffentlicht unter Hossa | Kommentare deaktiviert für Schwiegertochter gesucht – 2014

Das Leben ist eben doch ein Pony – Hof.

Selbstverständlich betrachte ich es als grosses Kompliment.
Da erwähnte meine beste gute Freundin neulich Abend, in Ermangelung unterhaltender Zeilen auf meinem Blog bat sie Google, doch einen lesenswerten Blog zu finden.
A propos Google bitten; Da wurden kürzlich – ihr verzeiht, es ist mich nicht mehr präsent ob Tageszeitung oder online-Tagblatt – Alternativen zu Google veröffentlicht. Für paranoide Menschen. Damit Google nicht weiss, wo ich entlang surfe. Ja, ich habe mich schon oft beschämt etwas zur Seite gedreht, aus dem Blickwinkel des Bildschirms, wenn ich einen anrüchigen Begriff in die Suchleiste getippt habe. Damit die Menschen bei Google, welche in das Archiv rennen, nicht sehen wer jetzt Nacktbilder von Claudia Cardinale sucht. Natürlich nachdem sie sich lachend in den Armen lagen und blaue Flecken auf den Schenkeln hatten. Natürlich suche ich kein Nacktbild von Claudia Cardinale, aber hätte ich das Intro des Li-La-Launebär getippt, hätte ich ein Quentchen weniger Eurer Aufmerksamkeit erhascht. Wenn nun jemand in seiner Paranoia Google umgehen will, erscheint mir dies, als würde ich anstelle der Linie 21 in die Stadt, den Weg durch den Wald wählen. Furchtbar umständlich, aber zumindest unauffällig, nass und kalt, aber niemand der Buspassagiere weiss nun, wo ich hin will. So sie dies interessieren würde. Nackt und barfuss, nicht dass jemand aufgrund der H&M-Etiketten in meinen Kleidern mein Einkaufsverhalten analysieren könnte. Paranoia entwickelt nur, wer sich selber für etwas zu wichtig hält.

Googelt man nun nach einem Blog, erscheint zuerst der Wikipedia-Eintrag, was so völlig in Ordnung ist, ohne Wikipedia läuft nichts mehr. Gleich danach der Tagesanzeiger, welcher ausgewählten Bloggern eine Plattform bietet, ähnlich den „Kolumnisten“ in den Schaffhauser Nachrichten. Meine Texte passen nicht in das Portfolio des Tages Anzeigers. Sagen die. Und die Schweizer Illustrierte. Wie auch nicht in das der Schaffhauser Nachrichten, ja darüber bin ich noch immer nicht hinweg; Norbert Neininger, hashtag und hau mich tot, ist der Meinung, meine Qualitäten als Schreiber seien für ein exquisites Blatt wie den Schaffhauser Nachrichten unzureichend. Natürlich, an seine 41 Zeilen, inklusive Unterschrift – ein cooles N.N, subtil im Auftritt, ein verschwörerisches ‚Du weisst schon‘ – über den Feiertag im Ländle Lichtenstein komme ich nicht ran. Seine Kommentare zum Wochengeschehen unter dem Titel 58, der Chefredaktor gibt sich die Ehre und spricht zum gemeinen Volk, Pulitzer-verdächtig.
Vielleicht liegt es an meinem analysiertem Suchverhalten, Claudia Cardinale nackt mit abgewendetem Kopf, wie die Suchergebnisse aufgereiht werden, als nächstes erscheint der Blog von Alt-Bundesrat Leuenberger, welcher nur noch mitteilt, dass er eben nicht bloggt.

Einen Blog führe ich nicht mehr. Zu Twitter, Linkedin oder Ähnlichem mochte ich mich nicht aufraffen, da ich den permanenten Dialog und die öffentliche Präsenz nicht mehr so intensiv suche. Immerhin sind meine Koordinaten zur Kontaktaufnahme angegeben und können gerne genutzt werden.

Danach wieder Tagesanzeiger, NZZ, offizieller SBB-Blog, weitere Blogs sich selbst darstellender Firmen, Bilder und natürlich die Links zu kostenloser Blog-Software. Eigentlich erstaunlich, Google lebt von den Werbeeinnahmen. Jede Werbeeinblendung welche unter den Suchbegriffen erscheint, will mich zu einem kostenlosen Artikel verlinken. Das bedeutet, Gutmenschen sitzen in Gutfirmen, welche kostenloses Gut gratis abgeben wollen, es jedoch nicht an den Mann, respektive Frau, bringen und daher kostenpflichtige Werbung auf Google schalten.
Basiert diese Einschätzung des Google-Surfers als unglaublich naives Wesen auf den eingegebenen Suchbegriffen oder werden werbekonsumierende Menschen grundsätzlich als etwas dumm betrachtet.
Denken diese, es fällt nicht auf, dass seit einem Jahr und 243 Tagen dieselbe rollige Hausfrau für eine erfolgreiche Plattfrom namens Partnership wirbt? Jeder Topf findet seinen Deckel, nur diese Trulla anscheinend nicht, dennoch ist sie unglaublich glücklich und überzeugt von Partnership.
Oder dass ein Mann erst ein Mann ist, wenn seine empfindliche Haut nicht mehr brennt, weil er nach der Rasur das feine Nivea-Gel für ganz sensible Poren verwendet. Steht im Bad vor klarem Spiegel, mit Six-Pack und einem Gesicht wie aus Granit gemeisselt, erzählt von einem leichten Brennen unter dem Kinn, welches ihm den ganzen Tag versaut. Wer soll da nun angesprochen werden? Ganz allgemein sollten nur noch Männer mit Bierwampe für Pflegeprodukte werben, ich fühle mich als Zuschauer genötigt, einem Idealbild zu entsprechen und das geht ja nun wirklich nicht.

Wenn man bei Google nicht auf der ersten Seite erscheint, kann man sich getrost als Nicht-Existent bezeichnen, nur ganz verzweifelte Leute klicken auf die zweite Seite. Da es kein vernünftiges Blog-Verzeichnis gibt, findet man diese geltungssüchtige Schreiberlinge nur, wenn man gezielt Artikel sucht. KBA-Hard, nur einer meiner Seite 1-Artikel bei Google.

Ich betrachte es als grosse Ehre wenn meine beste gute Freundin nach anderen Blogs sucht. Als würde man während der Werbepause bei den Simpsons mal kurz nach RTL rüberschalten. Nicht das bevorzugte Programm, aber man möchte die unerträgliche Wartezeit bis zum Fortsetzen mit Unterhaltung zweiter Klasse überbrücken.
Um dieser Sparte nun gerecht zu werden, habe ich meiner besten guten Freundin auch Pony M, das facebook-Phänomen, vorgeschlagen, auch wenn meine beste gute Freundin nicht durch soziale Netzwerke navigiert. Aber glücklicherweise schreibt Pony M auch Kolumnen. Daher, klick doch mal hier rein Huffington-Post, Watson, oder gleich auf ihrer offiziellen Webpage Yonni Meyer.pony-m
Ja, ich habe keine Mühe damit, eine Frau Meyer zu verlinken.
Der Leser glaubt eine leichte Verbitterung zu hören. Ja zu Hören, denn die Symphonie meiner Texte berührt die Seele, ob gelesen, gefühlt oder gehört. Ihr hört recht, doch ist es der blosse Neid.
Politisch korrekt müsste ich nun sagen, ich gönne ihr den Erfolg. Dies sagt der Mund der politisch Korrekten, das trotzige Kind im inneren sagt, ich will auch. Denn trotzige Kinder sind aufrichtig. Ich stehe nicht bei der Migros in der Warteschlange und beobachte, wie sich ein Kind freut, dass der kleine Kutscher auf dem Wägelchen vor ihm eine Kinderüberraschung in der Hand hält. Der erste Gedanke ist, ich will auch, und kaum zu Ende gedacht, wird dies verbal zum Ausdruck gebracht. Da die kurzen, dicken Beine im Gestänge des Einkaufwagen stecken und die Windel sich auf dem kleinen roten Sitz verkeilt hat, ganz zu schweigen vom Knopf der Latzhose, welcher irgendwie in den Gitterstäben hängt, kann er nicht tobend im Kreise rennen und auf gelenkeverachtende Weise auf die Knie fallen, also setzt er zu einem Geschrei an. Der Kutscher im Wägelchen vor ihm erschrickt und fürchtet um seine Kinderüberraschung, denn Mama, gerade im Gespräch mit einer anderen Hausfrau, hat noch nicht bemerkt, dass er diese höchst eigenmächtig mit seinen kleinen Knubbelfinger aus dem Regal geklaubt hat, da der Marketingverantwortliche die Kinderüberraschung geschickt in Greifnähe der kleinen Einkaufswagenkutscher platziert hat.
Nun beginnt der kleine Junge mit dem Batman-Pullover zu schreien und zeigt mit einem klebrigen Finger genau auf ihn und seine Kinderüberraschung. Da er seinen Fang bereits als verloren sieht, fällt ihm nichts anderes ein, als wiederum auf den anderen Jungen im Winnie-Puuh-Pullover zu zeigen und ebenfalls ein Schreien anzustimmen. Die armen Hausfrauen wirken erst verdutzt und schiessen sich danach hasserfüllte Blicke zu, denn es besteht kein Zweifel, dass dieser Bastard im anderen Wagen dem eigenen Sonnenschein soeben die Pest an den Hals gehext hat. Und selbstverständlich erhält er eine Kinderüberraschung, ist das Mindeste, bei all dem Ungemach, welches der kleine Engel erlitten hat.
Es ist mir unbekannt, wieviel die kleinen Jungen von ihrer Aktion wirklich geplant und vom glücklichen Ausgang mitbekommen haben, aber ich glaubte zu sehen, dass sie an der Einkaufswagen-Rückgabestation, zwischen dem Ausladen der Tüten und dem Ausfädeln des Nachwuchses aus dem Wagengestänge, mit schelmischem Grinsen ein High-Five austauschten, bevor sie sich mit Insbrunst daran machen, die Kleinteile der Überraschung zu verschlucken.
So nebenbei, gibt es dies kleinen Kindersitze in den Einkaufswagen überhaupt noch?

Mein Neid auf Yonni Meyer, nach meinem Dafürhalten schreibt sie nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Sie schreibt einfach. Wie fünf Millionen anderer Blogger auf dem Planeten eben auch. Nur hatte sie das Glück vom Zukkihund protegiert zu werden. Der Zukkihund ist eine facebook-Seite, deren Sinn und Zweck sich mir nicht ganz erschliesst, aber dennoch über nahezu 50’000 Fans verfügt, sprich, ein Text von Pony M. wird gewiss von einem Fünftel der Leser betrachtet und wenn facebook-User per Like bestätigen können, dass sie des Lesens mächtig sind, so tun sie dies.
Und schwupp, hat man Fans.
Fünfundsiebzig Prozent der Fans sind weiblich, was so nicht verwundert. Ich glaube, Frauen lassen sich schneller vom geschriebenen Wort verzaubern, was ich wertend meine und zwar durchwegs positiv. Während dem durchschnittlichen Mann die Karte am Geschenk lediglich dazu dient, zu eruieren, welches ihm zugedacht ist, legt die Dame grösseren Wert auf die Karte und die verfassten Zeilen, als auf das Geschenk als solches.

Und Yonni Meyer bedient alle Frauen. Sie wohnt an der rüchigen Langstrasse, welches ihr den Touch der Cüpli-trinkenden Carrie aus Sex and the City beschert. Jede Frau will doch irgendwie in New York leben und Mister Big finden. Ja, ich habe die Serie gesehen; Rambos Credo ‚um den Krieg zu gewinnen musst du selbst zum Krieg werden‘ etwas frei interpretiert, behaupte ich, um Frauen ansatzweise zu verstehen musst du Twilight gelesen, Sex and the City-Charaktere kennen und Legenden der Leidenschaft gesehen haben. Aber nicht die Brücken am Fluss. Clint Eastwood ist dieser Film etwas peinlich und kein Mann würde Clint Eastwood beschämen wollen. Es ist eine Frage des Respekts.

clint-eastwoodGleichzeitig ist Yonni eine Frau vom Land und deswegen weiss sie ganz genau wie es läuft. Hey, diese Frau ist eine von uns. Und von uns. Und wie wir. Wir sind Pony M.

Yonni Meier ist eine Singlefrau, wie wahrscheinlich 73 Prozent ihrer Fans auch. Sie spricht ihnen aus dem Herzen. Unverblümt, offen und ehrlich. Über Sex als das was es ist, die natürlichste Sache der Welt. Den Frauen gefällt dies „hihihi, wie wahr“ oder, „nur du kannst so schreiben, hihihi“ und „das ist hihihihi unsere Pony M“.
Die Männer, 25 Prozent ihrer Fans, davon 22 Prozent Single und die drei Prozent, in deren Namen die Frauen bei facebook „Gefällt mir“ geklickt haben. Den Singles gefällt der unkomplizierte Umgang mit dem Thema Sex, da sich im einfachen maskulinen Hirn eine simple Synapse bildet. Will Sex. Pony M. will Sex.
Irgendwie will sie trotzdem nicht, worauf sich der zweite Strang bildet. Dumme Schlampe.

Pony M. zeigt ein Bild von sich.
Ungeschminkt. Frauen sind entzückt. Frauen freuen sich, wenn sie sich natürlich zeigen können und dies können sie erst, wenn ein Promi dies getan und es somit legitimiert hat.
Daher sind Klatschhefte auch eine Achterbahnfahrt.
Nicht zuletzt bedienen Klatschhefte das Körperbewusstsein der Frauen. Also alle beide.
Auf Seite 13, zur Bikini-Figur in drei Wochen.
Auf Seite 18, 87 kg auf einen Meter 52 ist das neue schlank, liebe dich wie du bist und ganz wichtig, sei du selbst.
Auf Seite 25 wird es knifflig. Raffael van der Vaart hat Sylvie das makellose Topmodel betrogen und wurde verlassen. Dieses Arschloch, dieses abgrundtiefe Arschloch.
Nun ist er mit Sabia zusammen. Sie ist im Vergleich zu Sylvie richtig natürlich, mit Bauch, Hängebrust und Cellulite. Und er liebt sie. Dieser aufrichtige Mann, dieser Grundgute, liebt eine von uns und er kümmert sich um ihre Kinder.
Achterbahn auf einer Doppelseite.

Über 1000 Likes für ein Foto mit Sommersprossen.
Und ein Kommentar, welcher etwa das aussagt, was alle Männer dachten. Also nicht die Männer, welche finden „ooooh diese Augen!“. Augen sind immer gut, da kann man nichts falsch machen, kaum eine Frau hat hässliche Augen. Wenn einem sonst nichts anspricht, kann man immernoch die Augen beglückwünschen. So ziemlich das Einzige am Körper, welches wir einfach so mitbekommen und nicht beeinflussen können.
Gut, während der Durchschnittsmann vielleicht denkt; So der Brüller bist du nun nicht, aus einem Grund gibt es Schminke, leg sie doch wieder auf, drückt sich der Kommentator eher ungelenk aus.

pony-m-2Pony M. macht das einzig Richtige, sie schreibt einen Blog an die Adresse des Kommentators. Er landet in den Top 10 der deutschsprachigen Blogs und 18’221 Frauen unterstützen sie.
Eine von uns.

Frauen gehen gerne in Gruppen, Männer sind da etwas zurückhaltender. Aber Frauen können angeblich sogar ihren Zyklus synchronisieren, das muss ein Urtrieb sein.
Mit jeder begeisterten Frau, hat man 10 ihrer allerbesten Freundinnen gewonnen.
Jeder begeisterte Mann muss zehn Kollegen erklären, warum er ein Foto einer ungeschminkten Frau toll findet. Also lässt er dies mit dem Like. Weil er irgendwie auch durchschaubar wäre, siehe Synapse.

Unter dem Strich sollte ich also mehr Frauenthemen verfassen. Und le protégé einer grossen Facebook-Ikone werden.

Oder ich mache einfach weiter wie bisher.
Gestern war ich etwas in Erklärungsnot. Meiner Muse zu erklären, warum ich einen Blog über Burn-Out der Hausfrauen verfasse und warum eben gerade dieser sie nicht beträfe, obwohl sie meine kreative Inspiration als solches ist.
Gar nicht einfach.
Doch für sie habe ich nun wieder auf die Tasten gehauen. Schreiben ist einfacher als reden. Über 1000 Zeichen mehr als sonst und drei mal soviel, wie ein Norbert Neiniger in einer Woche zu Papier bringt.

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