Hans guck in die Luft

Es schüttet wie aus Kübeln, eine wahre Freude, doch getrau ich mich nicht richtig nach draussen zu gehen.
Wenn nur die Hälfte der Verschwörungstheorien stimmt, prasselt da ein Chemiecocktail vom Himmel, welcher meine Hoden verkümmern lässt und mich über Generationen hinweg zeugungsunfähig macht.
So erklärt sich nun auch das plötzliche Jucken im Gemächt, wenn ihr in knappen Radlerhosen den Hagenturm umrundet, denn auch Funkmasten tragen das ihre dazu bei, der Überbevölkerung Einhalt zu gebieten.
Sagen die Verschwörungstheoretiker.

Es ist kein Zuckerschlecken, wenn man den bösen Organisationen der Welt entfliehen will. Schon die Nespressokapsel zum Frühstück erinnert an eine geköpfte Pyramide. Im Aufzug fühlt man sich unwohl, wenn man vom Schindler-Logo beobachtet wird, welches zweifelsohne so sehr an die Illuminaten erinnert, dass es in seiner Offensichtlichkeit schon wieder Teil eines ganz geheimen Plan sein muss. Dass sich die Tür just in diesem Moment schliesst, als ich genau drei mal auf das Stockwerk „6“ gedrückt habe kann kein Zufall sein und der Aufzug müsste mich direkt in die Hölle fahren, wenn des Teufels Plan nicht darin bestünde, dass er mich eben trotzdem hoch fährt. Des Teufels grösster Kniff war es, die Menschen glauben zu machen, er existiere nicht.
In unserer von obrigen Mächten regierten Welt gibt es kein Zufall, es muss einem Plan zugrunde liegen, dass sich mein Bildschirm mit einer Ellipse verabschiedet und die Firmen-IT die Kurzwahl 23 hat.
Um die Zeit zu überbrücken spiele ich am Smartphone und überlege mir, ob uns ein angebissener Apfel nicht dereinst aus dem Paradies vertrieb und unterjochte. Nebst dem, dass natürlich die Frau schuld war.
Addiere ich die Daten von Steve Jobs Todestag (5.10.2011), nehme die Quersumme, erhalte ich 10. Addiere ich sein Geburtsdatum (25. Februar 1955), nehme ich die Quersumme und daraus nochmals die Quersumme, man muss zur Unterlegung der Theorien schon etwas kreativ sein, erhalte ich wieder eine 10. Huch! Die zehn wird als römische Zahl durch zwei V (oder Pyramiden), doppel-Huch, geschrieben, von welchen eines AUF DEM KOPF STEHT! Die zehn ist eine Dreieckszahl, dreifach-Huch, und wir wollen nicht vergessen, Steve Jobs wurde mit 23 Vater UND SEINE FRAU AUCH! Also Mutter natürlich.
Ich vertippe mich, gebe itanimulli.com, anstelle illuminati, ein und lande prompt auf der NSA-Homepage.

Wenn man lange genug sucht, findet man hinter allem eine Verschwörung, jeder Hahn auf dem Kirchturm zeigt über kurz oder lang auf einen alten Kartoffelkeller, welcher dereinst einem Geheimbund Unterschlupf bot und sei es nur Bierbaron Homers Schnapsbrennerei, welche er vor Marge zu verheimlichen suchte. Drehe ich beliebige Zahlen lange genug, wird sich der logische Schluss wohl nur einem Nerd hinter der fleckigen Brille eröffnen, aber zumindest kommt am Ende eine 23 raus und die Natur schlägt uns alleine aufgrund physikalischer Grundgesetze die Pyramiden doch nur so um die Ohren.

Es ist ja nichts dabei, dass sich Menschen ihr Leben dadurch zu rechtfertigen suchen, dass ein böswilliger Masterplan hinter allem steckt.
Bisweilen gar unterhaltend, hat doch Dan Brown die Verschwörungstheorien so sehr heruntergebrochen, dass selbst der dümmlichste Hartz-IV Empfänger noch folgen kann und sich bestätigt fühlt, lediglich ein Opfer des Systems zu sein. Stopft sich zehn weitere Zigaretten, legt die Füsse auf den Fliesentisch, heut ist Grosser-Onkel-Tag, und lehnt sich äusserst zufrieden mit sich selbst in das fleckige Sofa zurück.

Was mir aber so richtig auf den Zeiger geht ist der penetrante Drang der Verschwörungstheoretiker, ihr komplettes Umfeld als die pure Blödheit vor dem Herren zu sehen und in ihrem Drang uns zu bekehren die Zeugen Jehovas beschämt auf dem Absatz kehren lassen.

Ich musste mich erst ganz oberflächlich schlau machen.
Erfreut sich also ein kleiner Junge an den Flugi-Streifen am Himmel, muss ich ihm klarmachen, dass dies keine Kondensstreifen seien. Unsere Eltern, wohl alles komplette Idioten, haben uns dies so erklärt, aber mittlerweile weiss man, dass die Regierung die Linienmaschinen benutzt um Chemikalien zu versprühen. Einerseits um uns unfruchtbar zu machen, dann um den Boden zu vergiften, den Dachdeckern Arbeit zu beschaffen und nicht zuletzt, da kann ich nicht ganz folgen, wird gar ein Schirm gesprüht, welcher durch das Reflektieren des Sonnenlichts die globale Erwärmung einschränkt. Warum man eine solch feine Sache versteckt praktizieren soll, erschliesst sich mir nicht ganz.
Und die Funkmasten helfen dabei, bitte fragt mich nicht wie, ich bin nur ein blinder Sklave.

Während man früher mühselig auf eine Apfelsinenkiste steigen musste, kann man sich heute gemütlich nackig unter einer Alufolien-Spitzhaube an den Rechner setzen und via soziale Plattform die Leute bekehren. Alle drei Minuten das Passwort des WLAN wechselnd, weil man der Grossmutter im Hochparterre partout nicht über den Weg traut.

Wir kennen dies aus Schundblättchen wie 20-Minuten, wo eine Meinung veröffentlicht wird, schiessen die Experten aus dem Boden wie Steinpilze in einem feuchten Herbst.

Eben noch auf der Feuerthalerbrücke einen Notstopp gerissen, dass Hubert auf dem Rad prompt in die Geranien stürzt, das Handy gezückt und irgendwie zwischen Innenspiegel, Armaturenbrett und Wackelelvis ein Foto des Himmels geschossen, kurz bevor man der Erdrosselung durch den Sicherheitsgurt erliegt.
Schleunigst mit tiefsinnig vielschichtigem Kommentar versehen und auf facebook gestellt.
Es wird gelächelt, zynisch kommentiert und dann geht es los wie bei Niklaas im Kindergarten.

Weil ich darin keine versprühte Chemie erkenne, bin ich ein verdammter Ignorant und habe kein Gewissen gegenüber meinen blauen Mitmenschen und dem lieben Planeten… nein andersrum.
Dazu eine physikalische Erklärung, welche ich so nicht kommentiere, da war ich nie sehr aufmerksam.
Prompt fühlt sich der Flugzeugmech auf den Schlips getreten und plaudert aus dem Nähkästchen, wie gewissenhaft die Flugzeugkontrollen von sich gehen und dass da keine Chemietanks mitgeschleppt werden. Sähe auch merkwürdig aus, Flugi mit Güllewage.

Postwendend die Antwort, ich solle die Augen aufmachen und mitdenken… Nun bin ich keinen Deut schlauer als bei Roli im Physikunterricht. Also wenn ich mich auch noch selbst bekehren muss, lade ich doch lieber die Zeugen Jehovas zum Tee.
Wie würden bald 500 neue Umweltschutzgesetze benötigen (glücklicherweise erleben wir bei der Effizienz unserer Politiker deren Umsetzung sowieso nicht mehr und da wir mitunter alle zeugungsunfähig sind unsere Nachfahren auch nicht) und wir sollten ruhig weiter arbeiten und konsumieren. Da eine unverhohlene, in ihrer Unterschwelligkeit erschreckend offene Drohung mitschwingt, erscheint mir ein Ausrufezeichen angebracht. DA!
Eigentlich wird mir dieser Lebenswandel seit meinem Lehrabschluss gepredigt, nach 17 Jahren scheint es mir schwierig, das Ruder aus eigener Kraft herumzureissen. Vielleicht erwische ich die Zeugen Jehovas noch, bevor sie der Nachbar mit der Heugabel aus dem Dorf jagt
Während sich der weibliche Chemtrail-Messias aus der Diskussion ausgeklinkt hat, schaukeln sich die Experten in der feuchten Atmosphäre derart die Eier, dass ich bald Kondensstreifen in Bodennähe befürchte.
Der Hobbyphysiker verweist auf eine deutsche Chemieseite, der Nächste will in erster Linie daraufhin weisen, dass er Pilot sei und bietet als Alibi dennoch zwei Wikipedia-Artikel an, während sich ein weiterer Verfechter der Chemtrail-Lobyy darin bestätigt fühlt, dass sämtliche offizielle Studien das Versprühen von Chemie quasi in der Luft zerfetzen und es demzufolge nur eine grosse Lüge sein kann.

Ich bin nicht der Messias!
Nur der wahre Messias leugnet, der Messias zu sein!
Ok, ich bin der Messias.
Er ist der Messias!

Wenn auch nach Schoppenhauer der freie Wille eine Illusion ist, steht es jedem frei, seine Dummheit nach Belieben zu untermauern.
Und somit sind wir beim letzten Kommentar, welcher verspricht, dass sich einer hinpflanze und versuche, diesen Zirkusauftritt in einen Blog zu verpacken.kondensstreifen

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Männer sind…, Frauen aber auch!

Heute widerstrebte ich dem minimalen Drang nach körperlicher Ertüchtigung, öffnete eine Dose Bier und mietete bei Apple-TV einen sogenannten Chick-Flick-Film. Er war als Komödie getarnt, gerade im Angebot und Matthew McConaughey spielte mit. Seit einiger Zeit dürfen auch Männer McConaughey-Filme sehen, ohne Gefahr zu laufen, Spekulationen über die sexuelle Ausrichtung Vorschub zu leisten.

Wenn wir im Kino sitzen und uns daran ergötzen, wie Stallone einhändig einen Laster hochhebt um mit dem Auspuffrohr einen bösen Jungen zu verprügeln oder ein Philanthrop im Blech-Anzug die Welt vor einer Invasion aus einer Paralleldimension rettet, belächeln die Frauen den Film, die infantilen Männer und unseren Hang zu unrealistischem Filmschaffen.
Zugegeben, Batman bin ich noch nie begegnet und wir beamen uns auch noch nicht vom Fernseher auf das Klo, aber wann hat sich das letzte Mal euer Schuh, oder meinetwegen der Schuh einer Cousine der Nachbarin eurer bester Kollegin Schwester in einem Gullideckel verfangen, während ein Container während der Rush-Hour auf einer unbelebten Strasse auf euch, oder die Cousine der Nachbarin eurer bester Kollegin Schwester zuraste und prompt darauf ein atemberaubender Kinderarzt mit strahlend weissem Lächeln euch, oder die Cousine der Nachbarin eurer bester Kollegin Schwester mit seinen gestählten Armen aus dieser misslichen Situation befreite.
Ein Kinderarzt mit einem 150%-Pensum, der Krebs heilt, nebenbei mit den Kindern zeichnet, in den Ferien gegen Bezahlung – also er bezahlt – für Ärzte ohne Grenzen mit seinem Blend-a-dent-Grinsen zwischen Bombeneinschlägen ein Kind entbindet, während er mit der anderen Hand eine Rückenmarksbiopsie vornimmt.
Selbstverständlich leidet unter seinem übermenschlichen Engagement nicht sein Traumkörper, welchen er täglich im Fitnessstudio stählt ohne, dass dies eurer gemeinsamen Zeit abträglich wäre. Kein Gramm Körperfett, obwohl er nichts lieber macht, als mit euch, oder der Cousine der Nachbarin eurer bester Kollegin Schwester eine Familienpackung M&Ms zu naschen, weil es überhaupt keine Rolle spielt, wie ihr aussieht und nebst dem drei Gänge Abendmahl bei Kerzenschein, welches er in der perfekt aufgeräumten Küche jeden Abend für Euch zaubert, ist doch auch mal eine Sünde erlaubt.

Aber wir gucken unrealistische Filme.

Da gesteht ein Vampir, dass er es schon seit Monaten geniesst, euch beim schlafen zu beobachten und ihr schmelzt dahin ob seiner Aufmerksamkeit, wünscht euch nichts sehnlichers als solch einen glühenden Verehrer, werde ich jedoch mit dem Fernglas in einem Baum erwischt, habe ich eine Unterlassungsklage an der Backe. Und Harz im Schritt.

Wenn ich also diesen Chick-Flick-Filmen glauben darf, sind wir Männer dann am erfolgreichsten, sobald uns die Liebe unseres Herzens abgewiesen hat. Dies möglichst im Alter von 18-22 Jahren. Daraufhin lebt der Mann seine Verbitterung dadurch aus, dass er reihenweise Frauen flachlegt, ihm die Topmodels von Pfurzheim bis Bumbikistan zu Füssen liegen. Dies, indem er die plattesten Phrasen und Anmachsprüche vom Stapel lässt, wogegen die Ideen-Wand an der Triff-mich-Party im Güterhof das reinste Poesiealbum darstellt.
Ich würde nun behaupten, im realen Leben würdet ihr einen solchen Mann nur verachten, wüsste ich es nicht besser.
Glücklicherweise entdeckt diese eine Frau dank dem Zauber einer runzligen Zigeunerin oder einem sprechenden Frettchen das ganze verletzte Herz hinter seinen zügellosen Sex-Eskapaden. Selbstverständlich gibt es noch ein Missverständnis mit der Schwester unter der Dusche, ein fragmentweise verfolgtes und falsch interpretiertes Telefongespräch, der Vater welcher sowieso dagegen ist und dann diese Episode in der Freibadkabine mit dem Jungen. Doch letztendlich erzählt die Oma eine unglaubliche Weisheit, aufgrund eines Erlebnis mit dem Opa und wie das alles doch so ähnlich ist und warum die Enkelin diese eine und allereinzigste Chance im Leben packen sollte.
Statt in Panik auszubrechen weil die Oma schon seit zwölf Jahren auf dem örtlichen Friedhof verscharrt ist und euch als Geist erscheint, ist die unsichere, wunderschöne Dame hin und weg. Der Mann ihres Herzens verdient wohl kein Geld, weil er als Hot-Dog verkleidet vor Walmart seinen Mindestlohn verdient, aber er hat solch ein goldenes Herz und die Liebe hilft doch über alles hinweg.
Die wunderschöne Märchenhochzeit geht wohl in Flammen auf, weil der schusslige Onkel Herbert sich selbst in Brand steckt, aber innert fünf Minuten startet das Alternativprogramm welches der Ex-Freund organisiert und alles ist wunderbar, weil am Schluss ja nur die Liebe zählt.

Aber wir gucken unrealistische Filme.

Nein nein, kein Frust! Wenn man mit genügend Heineken einen solchen Film guckt ist er wirklich komisch.
So ganz sexistisch möchte ich bemerken, dass Männer cineastische Werke, wie allgemein Medien und Werbefiguren mit einem gesunden Abstand betrachten können.
Zumindest habe ich noch keine Selbsthilfegruppen, oder die Nachfrage danach, entdeckt, welche Männer darin bestärken, dass sie auch mit ihrer Bierwampe wunderschön sind. Da kann ein muskelbepackter Beckham Werbung für seine Unterhosen machen, ohne dass Mann auf die Barrikaden müsste, uns würde ein männliches Idealbild aufs Auge gedrückt, welches uns in den Hungerwahn treibt. Auch der Vertrieb der heroischen He-Man-Figuren oder andere perfekt gebauten Actionhelden wurde im Gegensatz zu Barbie nie als Problem für die Entwicklung eines Jungen gesehen.

Man könnte nun natürlich auch sagen, Frauen sind toleranter als Männer; Frauen respektieren unsere Wampe, während wir mit der 90-60-90 Schablone vor dem Auge durch das Leben marschieren.
Doch wenn ich in den Alltag schaue; Ein goldenes Herz würde nie darüber hinweg trösten, dass der Mann ein leeres Portemonnaie hat, er kann noch so lecker kochen, wenn er ein leeres Portemonnaie hat und über körperliche Unzulänglichkeiten wird nur hinweggesehen, wenn er ein volles Portemonnaie hat. So ihr aber den Mann findet, welcher blendend aussieht, Shakespeare zitiert und euch bekocht, landet er in der Friendzone, weil Frau dann doch eigentlich den Bad-Guy möchte.

Es sei denn, er hat eine volle Brieftasche.
Eigentlich darf Mann nur ein leeres Portemonnaie haben, wenn er mit einem Rucksack durch die Welt zieht, auf den Pritschen eines alten Chevrolet-Trucks mitfährt und selbst geschriebene Gedichte zitiert.
Doch nur solange er weiterzieht und euer Herz bricht, denn damit er bleiben könnte, müsste er schon eine dritte Säule und ein volles Portemonnaie haben, was aber wiederum seinem Ruhm als Lebenskünstler abgehen würde, welcher Frau doch eigentlich reizt.

Zum Teufel, was will Frau eigentlich??

Kein Unmut, sehen wir einmal vom feminin geprägeten materiellen Fokus auf die Brieftasche ab, bringt dies Leben in die Sache, was nicht verkehrt ist.

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Über’s Wasser gehen

Abgesehen von lastwagenlenkenden Ziegenhirten, dafür können die Briten ja nichts, ist England schon ganz hübsch.
Vor der Fahrt auf der Fähre war ich schon etwas nervös. Weniger des Wellengangs, als der ganzen Logistik wegen, bis mein Wagen und ich auf dem Kutter stehen würden.

Dementsprechend hielt ich es für weise, mich des Abends vorher schon in Calais niederzulassen. Ich konzentrierte mich eher auf die Nähe zum Hafen, als mein Augenmerk auf die Sterne der Unterkunft zu richten.
Ob die wacklige Holzpforte der offizielle Eingang war brachte ich nicht in Erfahrung, aber der herumlungernde, rauchende Koch und die Servicekraft machten jedenfalls keine Anstalten, mich am eintreten zu hindern. Durch einen schummrigen Flur folgte ich dem Fischgeruch, trat durch eine fleckige Tür über welligen Linoleum und stand vor einer Art Theke. Fischköpfe auf Pappteller, diverse Ordner und lose Papiere, dahinter ein unscheinbares Männchen, welches hektisch auf französisch in sein Telefon bellte und mich durch eine Handbewegung entweder des Platzes verweisen wollte oder warten hiess. Es war acht Uhr abends, ich brauchte ein Bett, also wartete ich.
Mit meiner Kreditkarte, welche ich bei der Buchung angegeben hatte, sei was nicht in Ordnung, meinte er, als ich seine Aufmerksamkeit hatte.
Freitags vor den Ferien war meine Geldbörse wie vom Erdboden verschluckt und in der todsicheren Gewissheit, Opfer eines böswilligen Diebstahls geworden zu sein, liess ich alle meine Bank- und Kreditkarten sperren.

Für diese Fälle erhält man von der Firma Viseca einen Notfallzettel mit der Nummer der Karte und einer 24/7 Notfallnummer zum sperren derselbigen. Nur, wo bewahrt man diese Zettel auf? Natürlich in der Geldbörse. Da einem jedoch kaum ein Spitzbube nach dem entwenden selbiger diesen Zettel wieder zukommen lässt, ist der Zettel so sinnvoll, wie der Wohnungsersatzschlüssel, welcher in der heimischen Küchenschublade liegt.
Gibts ne App für, die Nummer ist kein Problem. Um sicher zu gehen ob man auch wirklich der Eigner der Karte ist, stellt einem der Seelsorger an der Hotline diverse Fragen, in etwa, wo man zuletzt eingekauft hatte. Könnte unter Umständen noch peinlich sein. Nun, ich sperrte erfolgreich alle Karten um kurz darauf mein Portemonnaie wieder zu finden. Mit 23 Franken Bargeld.
Etwas knapp um nach England zu reisen.
Ein Fuchs, wie ich einer bin, hat eine Notfallkreditkarte in der Hinterhand und da ich im Ausland unterwegs war, lief ich auch nicht Gefahr, wegen des Aufdrucks ‚Supercard‘ ausgelacht zu werden.

Diese Supercard-Visa reichte ich nun dem Männchen hinter dem Tresen, worauf er mir einen Ziegelstein mit angehängtem Zimmerschlüssel reichte.
Zehn Stunden vorher verliess ich das Hotel New York in Paris, beladen mit sämtlichen Duschartikeln, Schreiber, Briefpapier, Handtüchern, einem Lampenschirm, dem Bügeleisen; Was einem eben so in die Tasche fällt, speziell wenn die Kreditkarte gesperrt ist, welche bei der Hotelbuchung als Rückversicherung hinterlegt war.hotel-new-yorkhotel-new-york-suitehotel-new-york-suite-2Nun trat ich ein in eine Besenkammer, mit einem Doppelbett und einem Einzelbett. In der Befürchtung, es werden noch mehrere Leute einquartiert, klemmte ich einen Stuhl unter die Türklinke. Im Fernsehen hatte ich wohl einige deutsche Kanäle, aufgrund des Sturmes an der Küste, ich tippte auf Satellitenempfang, dominierte die Meldung ‚No signal‘ oder ich konnte in abgehackten Fetzen dem Herrn Zwegat folgen, welcher soeben
Hartz IV-Empfänger aus der Schuldenfalle rettete.
Ich musste dem Etablissement zugute halten, dass ein Rest Gummiboden von der Rezeption seinen Weg auch in das Zimmer gefunden hatte, vermittelt dieser einem zumindest das Gefühl, dass man die Unterkunft mit einer überschaubaren Anzahl von Parasiten teilt.
Kurz überlegte ich, meinen Schlafsack im Auto zu holen, entschloss mich dann aus Gründen der Faulheit dagegen und gönnte mir eine Dusche.
Erst etwas gehemmt, da war weder Duschwand noch ein Vorhang welcher einer Überflutung des Badezimmers Einhalt geboten hätte, entschied dann aber in meiner Sorglosigkeit, dass dies nicht mein Problem wäre. Allerdings musste man sich schon anstrengen, das Wasser träufelte so sparsam aus dem Duschkopf, dass ich mich auch bei längerem Aufenthalt unter dem Strahl kaum vollständig benetzen konnte und die ganze Aktion einer Katzenwäsche glich.

Durch die fehlende Klimaanlage herrschte eine drückende Hitze in dem Zimmer, glücklicherweise war das Gebäude sehr durchzugfreudig. Mit dem Aufstemmen des Fensters hörte ich diverse Türen zu schlagen, gedämpfte Flüche drangen herauf und die Staubfusel glitten nahezu geordnet unter der Tür durch in den Flur. Da befand sich eine ordentliche Lücke, vielleicht ursprünglich für eine Schwelle gedacht.

Das Frühstück bestand aus halben Baguettes, etwas angeschmolzener Butter und einer Auswahl an Brotaufstrichen. Marmelade, Honig und Nutella. Unter Umständen hätten sich unter den Fliegen noch Fleischwaren befunden, ich verzichtete grosszügig.
Für sieben Euro fünfzig – wenn ich das Gefühl habe, etwas überbezahlt zu haben, und dies kommt beileibe selten vor, kann ich mich genau an den Betrag erinnern – labte ich mich an braunem, handwarmen Wasser, Baguettes und kristallisiertem Honig.

Also, bevor ich mich wieder mit sowas einlasse, stelle ich lieber mein Zelt auf einem Rastplatz auf.

Die SMS der P&O-Fährenbetreiber bezüglich eines Streiks der britischen Zöllner war wohl etwas übereilt, somit stand ich 90 min zu früh in der Verladespur. Natürlich Priority, soviel Luxus muss sein. Ich hatte keine Lust in Dover zu warten, bis Opa Helmuth seinen Reisehut aufgesetzt, den Koffer auf das Deck gekippt hat um den Ersatzschlüssel für seinen Opel Astra zu finden, weil er den anderen in den 24 Taschen seiner Jack Wolfskin-Reisehose verloren hat und so er dann endlich mit schleifender Kupplung und heulendem Motor bereit zur Abfahrt wäre, feststellt, dass er seine Trudi auf einer der 9 Toiletten der Fähre hat sitzen lassen, als sie ihn hiess im Duty-Free-Shop Feuchttücher zu kaufen und er an der Bar vergessen hatte was er eigentlich wollte und auf diesen Schreck hin erstmals ein Bier genehmigte.faehreSeht ihr ihn? Den zweitvordersten, gleich neben dem Laster.

Ja, das Wetter war eher stürmisch, meine Bewunderung für die Brummifahrer, welche in Adiletten auf das Oberdeck schlurften und schon vor dem Ablegen eine Dose Bier vernichteten. Morgens um halb zehn. Solange der Kutter noch im Hafen lag fühlte ich mich wie Admiral Nelson, so schlimm ist dies gar nicht, trotz der Wellen.
Etwas später, irgendwo auf dem Ärmelkanal versuchte ich das Mineral auf dem Tisch und den Blaubeer-Muffin im Magen zu behalten. Ich dachte nicht direkt ’nie mehr‘, aber hatte es mir doch lustiger vorgestellt.
Ich begann zu spazieren, Deck rauf, Deck runter, Backbord zu Steuerbord, Bug zu Heck und etwa in der Mitte des Kanals hatte ich mich an die stetige Bewegung gewöhnt. Zu guter Letzt fand ich es direkt einlullend und nickte auf einem hübschen, grossen Sofa ein, bis eine Stimme verkündete, der Shop würde geschlossen und man solle sich zu den Fahrzeugen begeben.

Mit dem Linksverkehr ist es nicht so schlimm, wie man denken mag. Bis auf die Kreisel. Und die Engländer lieben ihre Roundabout, am liebsten alle 5 Meilen eines und nach Möglichkeit zweispurig. Was man betonen muss, im Gegensatz zur Schweiz laufen diese flüssig, beinahe zu schnell, man traut sich kaum bei der Einfahrt einen Sicherheitsstop einzulegen. Aber dies hat wohl damit zu tun, dass der Engländer im Strassenverkehr grundsätzlich zügig unterwegs ist. Überland, ich habe mich mittlerweile erkundigt, sind 60 Meilen, 96 km/h, gestattet und wenn man mit 110 km/h fährt provoziert man keine wagemutigen Überholmanöver und alle sind glücklich. Inklusive der spärlichen Polizeipräsenz auf der Strasse.
Mit den Meilen tat ich mich etwas schwer, so interpretierte ich bisweilen eine blinkende ’40‘ Tafel falsch und sorgte für Stau, wie auch die Distanzangaben, welche mit meinem Tomtom so gar nicht übereinstimmten. Aber man hatte ja Urlaub, dies kann man gelassen sehen.
Langweilig wird einem nie. Obwohl man mit 110 über die Landstrassen brettert, muss man sich stets Gewahr sein, dass ein Traktor in selbige einbiegt und diese fahren auch auf der Insel nicht schneller als bei uns. Auch die doppelspurigen Linien sind nicht allzu verbindlich, da wird überholt, abgebogen und gewendet, der Adrenalinspiegel wird permanent hoch gehalten.

Und so machte ich mich auf nach Wales.
Etwas verkrampft, aufgrund der Mautpflichtigen Severn-Brücke, welche England mit Wales verbindet. Nicht, dass mich die 6.40 £ gereut hätten, es war eher eine Herausforderung physischer Natur. Wie bezahlt man eine Maut, wenn der Eintreiber auf der Beifahrerseite selbige in Empfang nehmen will. Und selbstverständlich auf Höhe Dachreling, dies ist ein PKW-LKW-Kompromiss. Also zog ich von Swindon nach Gloucestershire hoch um dort elegant oberhalb zu queren, stand eine Stunde im Stau und tuckerte danach sehr zufrieden mir selbst, mich so elegant aus der Affäre gezogen zu haben, wieder nach Süden, um in Bristol festzustellen, dass ich irgendwo eine Ausfahrt verpasst habe.routeNur so lernt man das Land kennen.
Erst noch über Opa Helmuth gespottet stehe ich an der Mautstation im Feierabendverkehr, schalte den Motor aus, krabble auf den Beifahrersitz, verheddere mich im Ladekabel des TomTom, schürfe mir heftig den Ellbogen am Sitzpolster und entrichte den Brückenzoll. Mit aller Zeit der Welt klaubt der Mautmann das Wechselgeld aus der Kasse, reicht es mir und ich krabble zurück und starte den Motor wieder.
Geht schon, man muss nur wollen.severn-bridgeBrückenzoll entrichten übrigens nur die Engländer, wer von Wales nach England will fährt kostenlos.

Two lands at last connected
Across the waters wide,
And all the tolls collected
On the English side.

Der anglo-walisische Dichter Harri Webb (1920-1994)

Ich brauchte einige Zeit um festzustellen, dass ‚milltir‘ nichts mit der Armee gemein hat sondern für Meilen stand, ‚araf‘ kein arabischer Ausdruck war, sondern bedeutet, dass ich langsam fahren soll und unter den Ortsbezeichnungen schon die Englische versteckt ist, wenn man sich nur etwas Zeit nimmt zum suchen. Während man eher noch etwas schneller auf eher etwas noch schmaleren Strassen daherbraust.

Aber ich erreichte Fishguard. Abergwaun, meine ich.

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Wenn Ziegenhirten LKW fahren

Was immer einen Bulgaren namens Poporov trieb, seinen LKW von Sofia in Bulgarien auf die britischen Inseln zu fahren entzieht sich meiner Kenntnis. Gewiss ist, dass er von der Fahrt auf der falschen Strassenseite etwas überfordert war.

Im Grundsatz deucht mich der Linksverkehr nicht weiter verwirrend. Auf der Autobahn, den sogenannten Motorways, unterscheidet sich der Verkehrsfluss von der Schweizer Verkehrswegen nur darin, dass man auf der linken Spur tatsächlich 120 km/h fahren kann und je weiter rechts man gelangt, umso flotter voran kommt.
Informationen über das Tempolimit zog ich natürlich nicht ein, also orientierte ich mich am langsamsten und schnellsten Fahrzeug auf der Strecke, nahm den Mittelwert, ignorierte diesen und fuhr daraufhin etwas zügiger als das Schnellste. Nichts ist schlimmer als schleichende Touristen und ich wollte ja einen guten Eindruck hinterlassen.

Ich meine mich zu entsinnen, dass ich gerade ganz links fuhr, aber dies konnte kaum sein, denn plötzlich fuhr links ein Lastwagen an mir vorbei. Wobei, er fuhr nicht wirklich vorbei, ich wurde seiner Existenz erst gewahr, als er mit Hingabe begann meine neue Alufelge nieder zu raspeln, was sich etwas befremdend anfühlt wenn man mit 120 kmh dahingleitet. Daraufhin habe ich wohl die Geschwindigkeit geringfügig reduziert, denn er setzte sein zerstörerisches Werk am Kotflügel weiter, verformte die hintere Türe und entschied sich erst von meinem kleinen, schwarzen Wagen abzulassen, als er an der Fahrertür angelangt war. Poporov musste den französischen Fremdkörper an seiner Stossstange bemerkt haben, was ihn veranlasste, den linken Strassenrand anzusteuern. Ich setzte meinen Wagen vor ihm in den Strassengraben.

Im Grundsatz bin ich ein ausgeglichener Mensch und war in erster Linie einmal dankbar, dass mein Reifen nicht platt war, denn ein Reserverad führte ich selbstverständlich nicht mit. Der sportlichen Linie treu bleibend verzichtet Renault auf solchen Ballast und stattete meinen Wagen mit einer Flasche voller dichtender Flüssigkeit und einem kleinen Kompressor aus. Damit sollte ein Platten wohl behoben werden können, ob es bei einem aufgeschlitzten Reifen ebenfalls reicht, wage ich zu bezweifeln.
Poporov winkte hinter seiner Windschutzscheibe hektisch mit einer gelben Leuchtweste und so konnte auch ich meine Landi-Errungenschaft für 9.95 endlich sinnvoll einsetzen. Feststellend, als ich das Pannendreieck hervorkramte, dass mich die Firma Renault ebenfalls mit einer solchen ausgestattet hatte, wie auch einer Autoapotheke, welche ich somit ebenfalls überflüssigerweise in der Landi erstanden hatte.

Poporov verliess sein Führerhaus.
In einer blauen Adidas-Trainerhose, dazu harmonierenden Adiletten und einem knapp sitzenden Feinrippunterhemd, welches seine Figur betonte.
Leicht irritiert betrachtete er seinen Truck, fuhr sich mit den Fingern durch das strähnige Haar, betrachtete meinen Wagen und begann sich in seiner Muttersprach mitzuteilen. So sprachen wir aufeinander ein, ich in meinem wohlklingenden Cambridge-Englisch, er auf bulgarisch mit einem ganz fiesen Ziegentreiber-Dialekt. Beide überzeugt davon, wir müssten nur laut genug schreien, dann würde einem das Gegenüber schon verstehen.
Eine waagrecht ausgeführte Bewegung  seiner Hand liess mich vermuten, dass er mir nun entweder eine scheuern wollte, oder wir ein Unfallprotokoll aufsetzen sollten.

Ich begab mich in meinen Wagen, in der Erwartung gleich einen bulgarischen Truck mit durchdrehenden Reifen den Unfallort verlassend zu sehen und kramte ein europäisches Unfallprotokoll hervor. Dieses Ding, welches man ruhigen Blutes aufsetzen soll, kein Schuldgeständnis sein soll, aber mit der Unterschrift irgendwie trotzdem einem gleich kommt.
Nun galt es nur, das Ding richtig auszufüllen. Ich wollte mir seine sprachlichen Unzulänglichkeiten zu Nutze machen und seine Familie am liebsten über Generationen hinweg in meine Schuld stellen. Besiegelt durch seine drei Kreuze und dem Ziegenhirtenzunftsymbol.

Poporov schien eigene Pläne zu verfolgen, lud mich aufgrund des einsetzenden Regens ein, in seinem Führerhaus Platz zu nehmen. Wie der Unhold mit Lollys auf dem Kinderspielplatz lockte er mich mit vertrauensvollem Nicken in seinen roten Laster, sein Beifahrer nickte zustimmend und setzte ebenfalls zum einladenden Winken an. Also musste ich nochmals in meinen Wagen, meinen Kulturbeutel mit dem Bear-Grylls-Survivalmesser umhängen und begab mich in die Höhle des Lew.
Die Türen der Kabine sind wohl seit geraumer Zeit zum ersten Mal wieder geöffnet worden, der Geruch von einem ungemachten Bett, abgestandenem Kaffee, Zwiebeln und kaltem Rauch nahm mir den Atem. Poporov mag es wohl, stets ein Stück Heimat dabei zu haben. Der dümmlich nickende Copilot platzierte sich hinter mir in der Schlafkoje, Poporov selber nahm zu meiner rechten Platz, während ich mich hinter das Lenkrad klemmen durfte.
Die beiden tauschten sich in ihrem Ziegenhirtenslang aus, wohl ob sie mich mit dem Sicherheitsgurt oder doch professionell mit einer Garotte erdrosseln sollten, während ich meine Angaben in das Protokoll einsetzte.

Man kann über die Schweizer Bürokratie schimpfen, aber unsere Papiere sind so hübsch sauber und übersichtlich. Als ich Poporov nach seinem Ausweis fragte, legte er mir ein zerknülltes Stück Pappe vor. In kyrillischer Schrift. Von der 10er-Karte im örtlichen Kebabhaus bis zur Mitgliedskarte der Leihbücherei Sofia hätte dies alles sein können. Das Lichtbild, verschwommen und schwarzweiss, stimmte mit etwa drei Milliarden Erdenbürgern überein, Kinder nur ausgeschlossen, weil drei Viertel des Antlitz mit Bart bewachsen waren.
Auf meine Frage, was dies sein sollte, reagierte er mit einem nickenden Lächeln, als hätte ich ihm ein höfliches Kompliment gemacht. Daraufhin kramte er einen weiteren Zettel hervor. Kinder, welche Räuber und Gendarm spielten, hätten sich wohl wertigere Ausweise gebastelt.

Mein Hinweis, dass wir nun wohl nicht um die Polizei herum kämen behagte ihm gar nicht. Zumindest den Ausdruck Polizei schien er zu verstehen.
Unbeeindruckt verliess ich die Kabine, stellte mich auf die Strasse und winkte den Vertretern von Recht und Ordnung, welche sich glücklicherweise gerade auf der gegenüberliegenden Spur mit einem schrecklick zerknüllten Vauxhall Corsa auseinandersetzten.
Ich weiss nicht ob die Zeit der Bobby’s vorbei ist, es winkte mir ein moderner Gesetzeshüter zurück. Gross und breit wie ein Kleiderschrank, mit Schutzweste und bewaffnet bis an die Zähne. Noch etwas verunsichert, ob er nun Hilfe senden würde oder mich einfach als Fan der britischen Polizei eingestuft hatte, stand ich im Regen zwischen den Fahrzeugen, bis eine Dame in Leuchtweste mit meinem Pannendreieck winkend erschien.highway

Highway Agency nannte sich diese Eingreiftruppe im bunten SUV und sie interessierten sich nicht wirklich brennend für die Probleme von zwei Ausländern. Nachdem sie uns von der Autobahn heruntergelotst hatten, betrachteten sie ihren Job schon so ziemlich als erledigt.
Ich erklärte mein Problem mit dem Leihbüchereiausweis und der Kebabzehnerkarte des bulgarischen Ziegentreibers und kurz darauf versuchten sie sich mit rauchenden Köpfen an kyrillischen Schriftzeichen. Mein Bruder hat schon recht, Bulgaren sollten nur Traktor fahren und ihr unzivilisiertes Land zum Wohle aller nicht verlassen.
Der Schutzmann lag mir daraufhin nahe, ich soll die Papiere einfach fotografieren und meine Versicherung würde dies dann schon regeln. Aufmunternd, mit Daumen hoch und breitem Grinsen. Aus den Augen aus dem Sinn.

Es blieb mir wohl nichts anderes übrig.
Poporov machte sich daran mit Klebeband seinen geringfügig lädierten Truck zu reparieren, die Hilfssheriffs halfen ihm den Scania zu wenden und machten sich daraufhin fröhlich winkend und mit erhobenen Daumen vom Parkplatz. Alle waren glücklich.

Zurück blieb ich. Mit meinem demolierten Wagen. In der einen Hand meine ordentlichen, hübschen Ausweise, in der anderen ein europäisches Unfallprotokoll, mit welchem man ja überall durchkommt. Fein säuberlich ausgefüllt mit meinen Personalien und dem Schadensverlauf. Ohne Unterschriften so wertvoll wie das Papier auf welchem es gedruckt war.
Und es begann zu regnen.

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Balzen Lvl. facebook

„Was isch das?“

Glühwürmli?; so einer der ersten Kommentare.
Ja, Glühwürmli; die Antwort.
Glühwürmli am Waldfriedhof?; möchte eine weitere Dame wissen.
Genau Glühwürmli am Waldfriedhof; bestätigt der künstlerische Fotograf.
Eine Stunde später ist sich ein weiterer Besucher ganz gewiss: Glühwürmli am Waldfriedhof.
Worauf eine weitere Dame bemerkt; Dass es Glühwürmli sind.

Ganz überzeugt bin ich noch nicht und habe mich daher ins Geschehen eingebracht und nachgefragt, ob es vielleicht Glühwürmli wären. Beim Waldfriedhof.

Es liegt mir fern, Euch zu langweilen, aber ich kann es mir nicht verkneifen, es ist einfach zu amüsant. Bis ich wohl in absehbarer Zeit aus der Gruppe entfernt werde, dies kann einem durchaus auch drohen, so mag in etwa eine Bloggerin namens Pony meine Kommentare so gar nicht.
Seht es als Dienstleistung, so braucht ihr die 87 Kommentare zu Laura’s* Frage nach einer Ausgangaktivität nicht durchzuackern, ihr könnt hier die Best-Of lesen.igel

Sie wäre eben neu in der Region, kenne niemand und würde gerne einen schönen Abend verbringen. Eine völlig legitime Frage, dazu in der richtigen Gruppe, dass ergänzend ihr – in den Augen des Otto-Durchschnittmannes – gewiss nicht direkt abschreckendes Konterfei auf dem Profilbild dargestellt wird, dürfte die Reaktionen beschleunigen. Wir schreiben den 4. Juli, zwanzig nach der Acht abends.
Der Herr F. hat mit seinem Hinweis auf die Nordagenda das Thema meines Erachtens effizient bearbeitet, worauf sich Lauras auch mit einem Like, einem Smiley und einem Kommentar höflich bedankt.

Dann beginnt der Papst zu steppen.

Der A. würde schon gerne ‚wad‘ zeigen, aber hätte schon abgemacht.
Der Informationsgehalt ist in etwa so gross, als würde der Herr Spengler in der KSS am Beckenrand stehen und die Badegäste mit Nachdruck und Fähnchen darauf hinweisen, dass das Wasser nass sei.
T. tutet in dieselbe Vuvuzela, indem er bemerkt, dass er nicht los könne, weil eben Brasilien das runde Leder über den Platz kickt.
Laura scheint nicht uninteressiert, sie würde das Spiel sehen wollen, aber eben nicht alleine, worauf F. hysterisch „Caliente in Zürch“ schreit, was meines Erachtens ebenfalls nur noch bedingt mit dem neuen Gesprächsverlauf zu tun hat, und daraufhin, wohl weiter laut schreiend, sich aus der Diskussion verabschiedet.
Plötzlich ist das Domino im Rennen, dort würde das Spiel auf der grossen Leinwand – ich frage mich schon länger, wann wird aus einer Leinwand eine Gross-Leinwand – gezeigt, worauf ein weiterer Schlaukopf darauf hinweist, das Domino hätte keine Leinwand, dies von einem weiteren bestätigt wird und der R der Erste. darauf hinweist, dass kein Mensch Fussball brauche.
K. erwähnt, dass das Domino keine Leinwand hätte.
Aus Samantha’s Wunsch, einen netten Abend zu verbringen, entspringt nun eine Diskussion, ob die Menschheit Fussball braucht oder nicht. Während sich die Protagonisten die Likes nur so um die Ohren hauen und ein kleines Ranking betreiben, liegen sich R der Erste, M und A in den Haaren, ob nun 20, 21 oder 22 Personen auf dem Feld stehen.
Und ob das Domino den Fussball zeigen würde.
Die Sache mit der Leinwand…

Jetzt hört’s aber auf, bis einer weint!

Mit dem geistreichen Kommentar „Hahaha morn piss wetter suntig morge schön am mittag piss wetter also gnüsses hüt no„, wird der tote Gaul im Kreis geschleudert.
Fäkalsprache, eine der niedrigsten Form der Kommunikation.
Mittlerweile sind drei Stunden vergangen, Laura bemerkt, es wäre wohl zu spät noch etwas zu unternehmen, worauf R der Erste etwas angesäuert ist, da er Nägel mit Köpfen gemacht hat und just in diesem Moment Single geworden ist. Einen Like von Laura über diese Entwicklung.
Ob sich die einfühlsame Reaktion „Bi eus Stürmts“ auf das Wetter oder Laura’s Beziehung bezieht bleibt offen, A. jedenfalls bestätigt „Bi eus hets etz abr nümme„.

Laura, eben noch war sie entzückt, dass R der Erste von seiner Freundin in die Wüste geschickt wurde, reagiert mit einem „Oooooh nei, sie chunt eh wieder“ und einem Smiley. Um die Schizophrenie dieses Gebaren zu unterstreichen, postet sie dies gleich zweimal. R der Erste, entzückt über die Aussichten, dass ’sie eh wieder chunt‘ schenkt zwei Likes um hernach zu schreiben, dass er eine Ex NIE zurücknehmen würde.
Zurück bleibt der verwirrte Leser.

Ob jemand ein Bier zischen komme, wollte R der Erste nun wissen und R der Zweite schnürt sich sogleich die Schuhe. Eigentlich hätte R der Erste ja die Laura gmeint, ein HAHA von R dem Zweiten, einen Like von R dem Ersten und R der Zweite zieht die Schuhe wieder aus. Wo steckt Laura? Diese macht das einzig Vernünftige in dieser Situation und textet am nächsten Morgen, sie hätte verschlafen und leider, leider die Einladung verpasst.

Gestern, halb zehn in Schaffhausen. Ob Laura einen Kaffee trinken würde.
Sie hätte, Überraschung, einiges zu tun, vielleicht später.
Es folgen Anekdoten über das Wetter. Wetter ist immer gut.
C bemerkt, dass Laura jederzeit bei ihm vorbei kommen könnte, worauf R der Erste doch glatt die Segel streicht und ankündigt, dass er sich zurück ziehen würde.
Wo bleibt der Kampfgeist?
C bedauert dies, was Laura mit einem Like belohnt, jedoch mit lautem Hahaaa kommentiert, sie würde doch zu niemandem nach Hause gehen und F, der Vernünftige in dieser Diskussion, die Teilnehmenden auf die Option C-Date verweist und prompt Opfer eines Mini-Shitstorms wird.

Die Weiterführung der Diskussion breche ich hier ab.
Als Fazit dürfen wir festhalten; Abgesehen davon, dass die Laura regelmässig einzuschlafen scheint, sobald ihr jemand eine Ausgangsaktivität vorschlägt, geht ihre Tendenz in Richtung Güterhof, was R der Erste damit kommentiert, dort würden nur Snobs verkehren und ich die These wage, dass die beiden sich wohl nie treffen werden.

* Name natürlich geändert.

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