Gratis, nehmen wir, aber…!

Wenn man das Schreiben als Leidenschaft betrachtet, kann man schon in die Situation geraten, vor einem leeren Bildschirm zu sitzen, es juckt in den Fingern und es fehlt einem an Inspiration, den richtigen Gedanken, um selbigen zu füllen.

Dann klickt man sich in das soziale Netzwerk, einfach aus Langeweile, wer kennt dies nicht. Habe ich mich übrigens ordentlich in die Nesseln gesetzt. Aus Blödsinn, wider besseren Wissens, den 20-Minuten Artikel über die masturbierenden Schaffhauser gepostet und prompt erhalte ich 50 Likes, weil sich die Schaffhauer geschmeichelt fühlen, in Sachen Selbstbefriedigung ganz vorne weg zu schwimmen.
Nun, dies ist deren Ding, peinlicher ist es, wenn die Schwester meiner guten, besten Freundin – selber pflegt sie kein elektronisches soziales Netzwerk – selbige fragt, was denn ich für ein Freak sei, dass ich ein solch direkt widerliches Thema in einem öffentlichen Forum poste und selbiges gar noch mit einem pseudo-humoristischen Satz begleite.
Asche auf mein Haupt; Daher prüfe, was du online stellst, schreibt so auch der David Herzog in den Schaffhauser Nachrichten in einem ganz liderlichen Artikel.
Ärgert sich darüber, dass man bei facebook nicht Kunde, sondern ein Versuchskaninchen sei, dass facebook Daten auswertet und den Newsfeed manipulierte.

Für nicht-facebook-Nutzer; Der Newsfeed ist die Startseite, vergleichbar mit der Frontseite eurer Tageszeitung. Auf selbigem seht ihr die neusten Aktionen eurer sozialen Kontakte, der Gruppen oder die von Managern gepflegten Seiten der Showbiz-Stars. Diesen Feed könnt ihr mehr oder minder anpassen, so sperrt ihr eure Mutter welche im Sekundentakt süsse Katzenvideos hochlädt oder bestimmt, dass ihr nur mittels gezielten Klick sehen wollt, wenn im Schaffhauser Flohmi das selbe Paar High-Heels zum achtunddreissigsten Mal feilgeboten wird.

Facebook passte den Newsfeed also dahingehend an, dass eine Gruppe mehrheitlich Gute-Laune-Beiträge präsentiert bekam, während die andere prioritär eher mit deprimierenden Meldungen bedacht wurde. Daraufhin analysierten sie die folgenden Aktivitäten der betroffenen Personen, hinsichtlich der Entwicklung ihres Gefühlzustandes.
Darüber regt sich die Welt ganz ordentlich auf. Herr Herzog gar fordert, dass der Umgang mit facebook in der Schule unterrichtet werden sollte, nicht nebenbei, es soll Teil des Lehrplan werden.
Es sei ein ganz fragwürdiges Geschäftsmodell, dass facebook seine Benutzer als Produkt sieht.

Meine Güte, wir leben schon in einer undankbaren Welt.
Da erhält die Menschheit eine soziale Plattform um sich auszutauschen, sich zu präsentieren, für den Nachrichtenversand und eine Werbeplattform. Alles kostenlos, im Gegenzug wird lediglich unser Verhalten auf dieser Plattform beobachtet – welches wir immer noch selber in der Hand haben, notabene – und am rechten Bildrand erscheinen personalisierte Werbeangebote. Kann man davon halten was man will. Meine Wenigkeit wird zum Beispiel von jungen Russinnen eingedeckt, welche auf diversen Partnerbörsen auf mich warten – NUR auf mich – aber erscheint mir immernoch sinnvoller, als wenn mir präsentiert wird, wie flexibel die neue Always ist.
Der Menschheit fällt nichts besseres ein, als gegen die Betreiber von facebook zu wettern und ihnen zu erklären, wie sie ihren Job zu erledigen haben und was eine kostenlose Plattform im Internet gefälligst zu präsentieren hätte.

Am Pranger stand auch Google.
Ebenfalls kostenlos unterstützt uns diese Suchmaschine dabei, den richtigen Weg durch das World-Wide-Web zu finden.
Nun möchte der Herr Bankdirektor jedoch vermeiden, dass die Bilder seiner Sauftour anlässlich der letzten Firmenreise in den nahen Osten in den Suchergebnissen nach seinem Namen erscheinen.
Ein grosser Tag für die Datenschützer wurde getitelt, als Google gezwungen wurde, solcherlei Daten auf Wunsch zu löschen. Das Recht des Vergessens wurde es genannt.
Nur als Randnotiz erschien letzte Woche die Meldung, dass die grossen Datenschützer eine Kleinigkeit übersehen haben.
Der Herr Bankdirektor hat nämlich schon vier Banken und 50’000 Kleinanleger in den Ruin getrieben. Ein Klick und alles ist gelöscht.
Das Rössli in Hintertupfingen, zum schmuddeligsten Restaurant gewählt und in diversen Foren wird, gerade im Hinblick auf die Gesundheit, davor gewarnt in diesem zu speisen. Ein Klick und schon ist man wieder die feine Gaststätte ums Eck.

Selbstverständlich liegen die Daten dem Gesundheitsamt noch vor und natürlich geht auch der Bankdirektor nicht straffrei aus, nur der kleine Bürger, für welchen Google oftmals die einzige Wissens- und Informationsquelle darstellt steht nun da, der arme Tor, ist so klug als wie zuvor.

Google Street-View, ein nettes Tool, ebenfalls kostenlos, um sich zu orientieren. Hat die Rechnung ohne die Schweizer gemacht. Kostenlos ist schon gut, nehmen wir, aber dann wäre hier noch dies anzupassen, dort ein Mosaik und überhaupt. Nein nein, Google StreetView MUSS für die Schweiz zur Verfügung stehen, ihr müsst es nur eben etwas anpassen.

Der Mensch lechzt förmlich danach, sich selbst zu präsentieren, will dabei aber nahezu unsichtbar bleiben.
Findige Programmierer sollen dieses Dilemma für ihn lösen.
Und gefälligst gratis!

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Neulich, bei den Hübelis

So ganz allgemein, wäre es wohl an der Zeit, meinen Bestseller endlich zu Papier zu bringen und dass es ein Bestseller wird, daran zweifle ich keine Sekunde. Es muss alleine ein Bestseller werden, damit ich Herrn Neininger sagen kann, den Schaffhauser Nachrichten gäbe ich kein Interview. Denn selbiger vertritt die Meinung, respektive liess sie von seiner Sekretärin in seinem Sinne formulieren, dass das Schreiben nun mal nicht direkt mein Ding wäre. Etwas salopp formuliert.

Unter Umständen könnte mein Bestseller ‘Wenn der Pöstler mit der Ziege – Einmal Weinland und zurück’ – für die unregelmässigen Leser, der Titel meines Werks über muntere Gesellenjahre – durch die baldigst zu erreichende Distanz zu meiner Tätigkeit – ich habe mir extra einen Adventskalender aufgehoben und klappe munter jeden Morgen ein Türchen auf, labe mich an Schokolade, deren Haltbarkeitsdatum empfindlich bis bedrohlich überschritten ist – von einer blumigeren Ausschmückung profitieren.

Ich soll nicht so lange Sätze schreiben, ruft meine Lektorin, aber das hätte Kafka auch gemacht, doch du bist nicht Kafka, mit Nachdruck zurück.

Jeder Wehrdienstleistende wird mir zustimmen.
Sitzen drei gestandene Eidgenossen zusammen, hat man die Blickschlagzeilen durch und dem Polizisten, Gemeindepräsidenten, Steuerbeamten und Karl vom Hubelhof ordentlich, zumindest verbal mit dem Grossmut der physischen Distanz, den Kopf gewaschen, einem langsam die Gesprächsthemen entfleuchen, landet man unweigerlich beim Militärdienst. Dieses Band, welches ein einig Volk von Brüdern schafft. Also plus minus 5 Jahre im Jahrgang, denn danach sind nur noch Weicheier eingerückt und Waschlappen entlassen worden, dass muss nicht speziell erwähnt werden. Mit jedem grauen Haar auf dem Haupt und drahtigem Kollegen in der Ohrmuschel wie auch den Nüstern, sprich mit wachsender, zeitlicher Distanz zu unserem Aktivdienst, mit steigendem Alkoholpegel und zunehmender Attraktivität der Dame an der Theke, pardon Servierschlitten, werden unsere Heldentaten stets fantastischer.
Da wir Schweizer seit Sempach, oder so, nie mehr ernsthaft in eine Schlacht verwickelt waren, jedenfalls keine deren wir uns brüsten könnten, erleben wir die zu überliefernden Anekdoten stets im Rahmenprogramm des Wiederholungskurses. Und je intensiver das Rahmenprogramm das eigentliche Tagesprogramm der bestreiften und gewinkelten Animateure tangierte, desto abenteuerlicher war das Erlebnis. Gangsta, würden die Jugendlichen wohl sagen.

So erfuhr ich kürzlich, dass ich doch in einem der letzten Wiederholungskurse im Appenzell den Duro gemopst hätte und mich mit fünf Leuten abdetachiert hätte, um in St. Gallen Eis essen zu gehen. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinneren, jemals einen Duro gelenkt zu haben, geschweige denn damit nach St. Gallen gefahren zu sein, was mich in der geselligen Runde jedoch keinesfalls daran hinderte aus dem Duro einen 2DM zu machen und aus dem Eis wurde ein Badeausflug nach Rorschach. Des uniformierten Kollegen Erinnerungen derart auf die Sprünge geholfen, wurde die Geschichte weitergesponnen und bei allen wiedergegebenen Erlebnissen war es erstaunlich, dass wir in den 3 Wochen überhaupt einmal in der Kaserne Herisau waren.

Worauf ich hinaus will, den Faden zu verlieren zeichnet mich aus, je länger ich zuwarte meine Erzählung zu veröffentlichen, desto blumiger wird wohl die Beschreibung und der Herr Amsler wird meinen Bestseller in die Auslegeware des BIZ aufnehmen.
Eine Hommage an die beste Berufswahl, welche ein Jugendlicher nur treffen kann.

Wenn sich der Lehrling in den Betrieb begibt um Artikel nachzufassen, welche sich geschickt vor des Arbeit-Vorbereitenden Kollegen Adleraugen verborgen hatten, bewegt man sich etwas ungelenk in des Kunden Wohnzimmer.
Etwas übertrieben gesprochen feilt man eine M8-Schraube erst aus einem Stahlbarren, bevor man sie in Wand dreht und das Ausfüllen eines Arbeitsrapportes würde nur unwesentlich länger dauern, würde man seine Aufwendungen mit einem kleinen Hämmerchen in eine glatte Marmorplatte meisseln.
Der Kunde sieht, dass man eine an sich nahezu beendete Installation in die Länge zieht, der Techniker bemerkt, dass diese Praxis nur allzu durchschaubar ist, aber die schweizerische Höflichkeit gebietet, dass keiner dem Anderen dies zu verstehen gibt und man beginnt eine typisch, schweizerische Diskussion über die Kapriolen des launische Wetters, da eine vorbeiziehende, einsame Schäfchenwolke einem gerade eine Steilvorlage liefert.

Ganz untypisch schweizerisch könnte man natürlich auch über die AVOR (Arbeitsvorbereitung) schimpfen, gemeinsam auf die Terrasse sitzen und ein Bier wegzischen.
Dann wiederum würde ich in der Bedrouille stecken, meinem Brötchengeber zu erklären, warum ich von den fünf Stunden bei den Hübelis in Pupsheim nur deren drei verrechnete und mit einer Bierfahne wiederkehrte. Der Herr Hübeli wiederum müsste seiner Gattin erklären, warum er mit dem Techniker auf der Terrasse ein Bier trinkt, während das Wohnzimmer wirkt, als würde gleich RTL mit einem Fliesentisch reinschneien und eine Pseudo-Doku über Hartz IV-Empfänger in der zweiten Generation drehen.

In solchen Momente drehe ich verträumt an meinem Schraubenzieher, während sich vor meinem geistigen Auge Buchstaben zu Wörter, Wörter zu Sätzen und Sätze zu ganzen Fragmenten bilden. Ich sehe quasi den Film, im Kopf bildet sich das Buch dazu, von welchem alle sagen werden, es wäre viel besser als der Film.

Und ich habe Zeit und Musse dazu, denn der Hübeli wird gerade von seiner Gattin so richtig kalt abgeduscht.
„Siehst du, jetzt hast du es geschafft! Ganz toll, jetzt hast du es geschafft.“
„Ja ja…“, etwas protestierend von Herrn Hübeli, teils um seine Ehre vor den Technikern zu wahren, anderseits nicht zu aufmüpfig, da die Nacht auf der Couch seinem Rücken nicht zuträglich ist.
„Jetzt hast du es geschafft“; im Sperrdruck.

Herr Hübeli wollte ganz nah an der Sache sein. Gefühlte 10 mal bin ich über seine Füsse gestolpert und sobald ich arbeitstechnisch an einer Stelle verharrte, atmete es mir in den Nacken. Nahe an meinem Ohr, mit beinahe wohllüstigen Grunzern versetzt. Warm und feucht oberhalb meines Kragens, ein Hauch von zwiebelgschwängerter Leberwurst, abgestandenem Kaffee und vergorener Milch spielte um meine Nasenflügel.
„Pardon, wenn ich zuschaue, aber ich muss dies wissen.“
Gefolgt von „Sie sagen es, wenn ich störe.“
Eine verdammte Tretmine, kann ich Herrn Hübeli in seinem Wohnzimmer schlecht sagen, er störe mich. Insbesondere, da er eine Leiter angeschleppt hat, mit beinahe erregtem Grinsen tänzelnd den Bohrhammer – was haben die Leute auch immer mit diesen roten Bohrmaschinen?? – trug, mich beinahe zum Best-Friend-Forever ernannte, weil er meine Maglite – und zwar die ganz Grosse, welche im Wagen eine eigene Halterung hat – halten durfte und seine Frau mit Häppchen und Köstlichkeiten aufwartete, als würden wir Bar Mizwa feiern.

Nun, die ganze Aktion schien ihn doch etwas zu ermüden – gewiss hat er die Nacht zuvor kaum geschlafen – und so stützt er sich an einem kleinen Kinderwagen ab.
Ob es ein Ausstellungsobjekt war oder Klein-Hübeli höchstpersönlich darin die Welt entdeckte kann ich nicht beurteilen, aber das Adjektiv klein ist nicht ganz korrekt, denn mittlerweile bot der Wagen rund 34 Clowns ein gemütliches Zuhause. Diese Clowns, wie sie ältere Damen gerne in Zimmerecken hängen haben, teils traurig, teils lächelnd, aber immer mit diesem Hauch von Pennywise aus Es, irgendwie gespenstisch. Willst du einen Luftballon?
Wie es sich für einen anständigen Kinderwagen gehört, stand er auf vier Holzrädern. Eine ordentliche Wertarbeit, wie sie Charles Ingalls nicht schöner hätte herstellen können. Und wenn ihr nicht wisst, wer Charles Ingalls ist, seid ihr einfach zu jung.

Er hat es geschafft.
Der Kinderwagen saust an mir vorbei, wie der Regionalzug nach zehn Minuten warten am Guntmadinger Bahnübergang.
Wie ein Adler die Maus, krallt sich der Herr Hübeli mit unnatürlich verdrehtem Handgelenk an die Haltestange, stolpert aus seinen Filzpantoffeln und rauscht mit wehendem Handwerksmäntelchen hinter dem Wagen her in einen wunderschönen Blumentopf.
Nicht etwa ein kleines Zimmerpflänzchen, in diesem Topf hätte eine gestandene Eiche gemütlich ihre Wurzeln räkeln können. Da aber nunmal keine Eiche darin stand, sondern eine Pflanze sich wohl dem Wuchs verweigerte, wurde sie gewiss über einige Tage mit ordentlich Trinksame bedacht. Einfach ausgedrückt, in diesem Topf war einfach ein einziger, grosser brauner See.
Ein brauner See, welcher sich in aller Pracht in den wunderschönen, seit den Siebzigern gehätschelten und gepflegen SCHUHE-AUS!-Flokati ergoss.
Flokati sind diese wunderschönen, weissen, flauschigen Teppiche, auf welchen man sich als Kind räkelte und fest vornahm, die gesamte eigene Wohnung würde ein einziger Flokatiteppich sein.
Bevor man sich Gedanken über Staubmilben und Saugkraftverlust machte.
Dem See folgten Hydrokügelchen, Erde und Schlamm. Ein Stubenwagen und Herr Hübeli.

Er dauerte mich schon ein wenig. Wie er es geschafft hatte. Da stand wie ein Schuljunge, gescholten von der Clownsammelnden Ehefrau.
Dies vor des Handwerkers Augen, welcher mit vor mentaler Angstrengung verkniffenem Gesichtsausdruck möglichst unbeteiligt wirkend der Szene beiwohnte, während der Lehrling schnurstracks mit einem leeren Karton die Behausung verliess, schneller als man ihn jemals heissen könnte und kaum jemals zuvor erkannte er eine zu erledigende Arbeit aus freien Stücken.
Durch das angekippte Fenster erklang schallendes Gelächter und das Scharren liess vermuten, dass sich draussen jemand den Bauch haltend auf dem Kiesweg wand.

Ihr glaubt es mir nicht?
Nun, ich gestehe; Bisher habe ich noch nie einen Herrn Hübeli getroffen, was ihn zum Protagonisten in all meinen Arbeitserzählungen macht.
Alles andere ist ein reiner Tatsachenbericht.

Ich fürchte, alle diese Hübelis werde ich schon ein wenig vermissen.

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Dumpert Fail Compilatie Mei en Juni

Bereits fürchtete ich, die Vollidioten dieser Erde wären mittlerweile alle Darwin-Preisträger und in das grelle Licht gegangen, doch glücklicherweise werden täglich neue gezeugt.
Endlich wieder einmal eine Fail-Compilation.

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Du bist Schaffhauser….

Ob heute in der Unterstadt ein feierlicher Anlass begangen werde, das sogenannte Unterstadtfest, wollte ein Benutzer wissen.

Geh googeln, so die erste Antwort.
Es stehe nicht drin. – verzeiht meine ungepflegten Sätze, ich gebe nur in Schriftsprache wieder, was die Benutzer in Schweizerdeutsch an die Pinnwand schreiben.

Richtig, ich bin im sozialen Netzwerk, meinen voyeuristischen Trieben nachgebend. Für die Abstinenten, ich schreibe ja nicht ausschliesslich für die zuckerbergsche Plattform, in facebook kann sich jeder selber präsentieren, Beifallsstürme aus seinem virtuellen Umfeld erhaschend, oder Gleichgesinnte schliessen sich zu Gruppen zusammen. Solcherlei Gruppen entwickeln dann eine gewisse Eigendynamik, woraus resultiert, dass die veröffentlichten Inhalte mit dem Titel nichts mehr gemein haben müssen. ‚Du bist ein Schaffhauser, wenn…‘ verkommt zum Arbeitstitel, heute könnte die Beschriftung zum Beispiel lauten ‚Seht, ich habe einen Flieger, eine Kamera und setze mich damit gerne in Szene‘. So wird ein und derselbe Acker aus vier Himmelsrichtungen und jedem zwanzigsten Grad dazwischen fotografiert. ‚…wenn weisch wo da isch‘, als Beschriftung

Die ersten 15 Kommentare loben den Fotografen. Schön, toll, grossartig und tolles Foto.
Dann schreibt der Erste, dass dies – meinetwegen – Guntmadingen sei. Der nächste schreibt Siblingen, der dritte Wiechs am Randen.
Wir wollen nicht vergessen, mir bricht der nackte Angstschweiss aus, wenn ich nicht weiss ‚…wo das isch‘, bin ich kein Schaffhauser! Glücklicherweise habe ich meine Steuern noch nicht beglichen, mir würde die Ausschaffung drohen.
Die Diskussion entbrannt, ob Wiechs am Randen denn zu Schaffhausen gehört, wobei der Name der Gruppe nicht explizit vorgibt, dass eine Fotografie in Schaffhausen entstanden sein muss, oder Schaffhausen zeigen sollte, ich muss nur wissen, wo dies sei, um als Schaffhauser anerkannt zu werden. An und für sich kann ich auch das Matterhorn posten. Posten nicht im Sinne von Schlendern mit einem Einkaufskorb, posten bedeutet, in der Überzeugung man diene dem Gemeinwohl, seine Meinung an eine virtuelle Pinnwand zu heften.

Der Künstler löst das Rätsel, es sei Guntmadingen und, was wirklich wichtig ist, dass er dies aus dem kleinen, gelben Flieger HB-haumichtot fotografiert habe.
Sofort erkennt einer, dass im Schuppen links früher ein Tante-Emma-Laden war, in welchem man in der guten alten Zeit für einen Rappen einen Lolly erstehen konnte. Und noch Geld zurück erhielt!
Ein anderer erkennt sein Elternhaus, dieser kennt den Köbi, welcher beim Ruedi die Zeitung einwarf und der Ruedi war eben im Turnverein mit dem Schwani und eben dieser Schwani hätte einen Cousin, dessen Schwager in diesem Haus mit der grossen, gelben Blume im Garten aufgewachsen wäre.
Worauf die Trudi schreibt wie lässig das wäre und wie klein die Welt doch sei.
Nach einem Tag und drei Stunden schreibt der Max, dies sei Siblingen. Der Peter meint Löhningen, der Arthur vermutet Diessenhofen, es müsse aber mit der Blende 345:59 abgelichtet worden sein, weil der Rheinfall auf dem Bild seitwärts nach oben fliesse.
Daraufhin wieder der Autor, es wäre Guntmadingen, kein Rheinfall und er habe die Blende 345:58 benutzt, aber gut erkannt. Und er habe das Bild aus seinem kleinen, gelben, einmotorigen HB-haumichtot geschossen.

Weil die einen ja und die anderen nein sagten, erkundigte sich die Maus, ob das Unterstadtfest wäre.
Erst nächstes Jahr.
Es wäre letztes Jahr gewesen.
Es wäre heute Albanifest.
John hat einen langen Schnurrbart.

Ihr erkennt, die Antworten müssen noch nicht einmal etwas mit der Frage gemein haben.

An welchem Datum Scafhusia 15 sei, er müsse eben frei eingeben.
Heute sei Albanifest. In Winti.
Es sei einmal Stadtfest, dann Unterstadtfest und einmal Scafhusia.
Albanifest hätte nichts mit dem Unterstadtfest zu tun.
Wann City-Fest sei?
Molesse bringt morgen wieder Cognac
Heute sei Albanifest.
Ja super, der eine sage nein, der andere ja
Es wäre kein Fest.

Nein, nicht nur ihr seit verwirrt, so liest sich dies wirklich.

Man solle bei der Stadt anrufen.
In Singen sei Stadtfest.Albanifest sei. In Winterthur.

Die Maus bedankt sich herzlichst für die Kommentare, was erahnen lässt, dass sie langsam den Kanal voll hat von den Benachrichtigungen, insbesondere, da die Frage vor 18 Stunden eigentlich schon beantwortet wurde, oder sie spätestens beim Einkaufen heute Morgen festgestellt hat, das keine Festlichkeiten im Gange sind.

Daraufhin schrieb der Stefan vor einer Minute, es wäre kein Unterstadtfest. Wetten, dass… hier noch zehn Antworten kommen?

Etwas Drama kommt auch hinzu, dies verleiht jeder Gruppe die nötige Würze, einen gewissen Tiefgang.
So war ich gestern nur Schaffhauser, wenn ich wusste, was ein Hubschrauber über dem Rhein suche.du-bist-schaffhauser
Elf Personen wussten es nicht, aber bestätigten zumindest mit einem sogenannten Like, einem Daumen nach oben, dass ihnen die Frage, was ein Helikopter über dem Rhein suche sehr gefalle und den Tag versüsse. Respektive den Abend.

Der erste tippte auf Zürcher Grenzkontrolle, ein ganz heisses Eisen! Bei dramatischen Themen steht man bei falschen Antworten mit einem Fuss stets im Shitstorm.
Daraufhin folgt auch gleich, dass es nicht witzig sei, es wäre die Rega. Imfall! Franco wollte gerne einbringen, dass er am Rhein lebe und tat kund, dass vor seinem Anwesen der Fluss „abglüchtet“ werde.
Der Marco trägt nicht viel zum Thema bei, aber erwähnt in diesem Zusammenhang, dass er in Aarau wohne, was der Dani mit einem Like belohnt.
Franco’s liveticker verkündet, dass die Suche abgebrochen wäre und es hoffentlich nicht dies sei „was die meischte denked“. Dass der Pilot mal schnell für kleine Jungs musste? Zwei Leuten gefiel dies ausserordentlich. Die ursprüngliche Fragestellerin erkundigte sich, ob sie es wüssten.
Marco, der aus Aarau, verneinte, aber er fahre jetzt nach Schaffhausen. Warum weiss niemand, daher auch kein Like.
Langsam steigert sich die Communitiy rein, es werden Transparente gebastelt, Kerzen ins Fenster gestellt und die Trudi organisiert einen Trauermarsch.
Rahel ist soeben aufgewacht, zwei Likes, – wir haben nun Mitternacht – und klinkt sich ein. Sie hoffe es sei nichts tragisches, weiss eine Minute später schon, dass jemand verunglückt sei.
Der Heli sei weg, weiss Thomas.
Maurice, ein Insider, zitiert die Polizei, es sei eine Suchaktion, alles andere wäre geheim.
Wir sind froh um diese Info, dies lag nun wirklich nicht auf der Hand, wenn ein Hubschrauber mit Scheinwerfer über dem Rhein schwebt. Trotzdem kein Like.
Rahel vermutet ein Selbstmord. Gefällt auch niemandem.
Tanja weiss nun, dass es ein Mann sei, Jasminka sagt ‚Uhhh‘ und erhält ein Like.
Anno Nymus bricht in Tränen aus, bekundet dies mit einem bekümmerten Smiley.
Polizisten leuchten auf den Rhein, ein wildes Gefuchtel müsse dies sein.
Der grosse Auftritt der Insiderin Dara! Sie wüsse es! Ihr Mann wäre dabei gewesen. Sei sehr tragisch!
Ohje.
Oh nein.
Dara wolle nicht mehr sagen, sonst hätte sie die Polizei am Hals.
Was ihre ganze Aussage eigentlich zur Farce erklärt, aber den Charakter von facebook aufzeigt, man will sich einfach präsentieren. Drei Likes.
Nun den nächsten Wink mit Mahnfinger; Dara will noch immer nicht plaudern, aber gibt uns den Tipp, nicht zuviel Alkohol zu konsumieren. 5 Likes.
Ein Link zu Radio Munot wird gepostet. Für alle, welche zu dumm zum klicken sind kommentiert Verena „E vermiesti Person!“. Sei meinte es sicher nicht böse.

Mittlerweile stellte sich heraus, dass zwei Schwimmer den Rhein durchquerten und der eine, statt am Ufer auf seinen Kollegen zu warten, davon spazierte.

Rahel traut der Sache wohl nicht, sie möchte aufhören zu spekulieren und auf das Beste hoffen. Ein Like.
Tanja freut sich.
Tanja finde den Beitrag nicht.
Rahel hatte eine schlaflose Nacht.

Aus die Maus.
Kein Selbstmord, kein Alkohol und kein Haifisch. Wie öde.

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Neulich, im Strassenverkehr

Wenn ich bedenke, mich bald wieder in den Pendlerstrom einzufügen, frage ich mich ernsthaft, ob dieser Entschluss reiflich durchdacht war.
Nicht nur, dass sich täglich gefühlte 20 Fahrzeuge zusätzlich in den Strassenverkehr begeben, die Autolenker werden auch immer mühseliger.

Neulenker, welche ja allesamt auf Probe unterwegs sind, besuchen diverse Kurse um sicher zu fahren, umweltschonend zu fahren, Gefahren zu erkennen, aber hauptsächlich, um 800.- Franken nach dem Absolvieren der Prüfung abzudrücken.

Dabei gäbe es noch so viele Kurse, gerade für die gestandenen Lenker. Auch die haben Zitzen, auch diese kann man melken.

Zum Beispiel; Sicher, auch über 60
Wie wäre es mit einem Kurs für Rentner, welchen der kalte Schweiss die Hutkrempe nässt, wenn sie ihren Opel Kadett auf über 60 km/h beschleunigen sollten?
Oder ein Spiel für zuhause, wozu ist dieser Hebel linkerhand hinter dem Lenkrad, wie und wo habe ich ihn einzusetzen.fahrtrainerOder, fahrn auf der Autobahn
Der Rentner, welcher nach Leukerbad zur Kur will, nimmt nach guter alter Sitte seinen Opel Kadett. In schillerndem rot, mitte der achtziger bei Opel Neck gekauft, seither keine vierzigtausend Kilometer abgespult und den 5. Gang noch nie gebraucht. Die Klorolle mit dem gehäckelten Überzug auf der Hutablage, gleich neben dem Auto-Apotheken-Kissen.
Morgens um viertel nach sieben lässt er sich mit dem arbeitenden Teil der Bevölkerung nach Schaffhausen tragen, reiht sich bei Winterthur in den nächsten Stau, hoppelt durch den Gubrist und will sich gleich nach diesem auf der linken Spur einreihen, weil bereits nach 110km bei Bern-Wankdorf der Abzweiger in Richtung Berner Oberland erscheint.
Nachdem er erfolgreich, für Uneingeweihte überraschend, auf die mittlere Spur gewechselt hat, hinter ihm ein Brummi seinen schlingernden Anhänger wieder zu kontrollieren versucht und ein Smart aufgrund des aprubten Bremsmanövers über die Leitplanke gehoppelt ist, wird Opa Herbert die ganze Sache mulmig.
Rast er mit neunzig Stundenkilometer und heulendem Vierzylinder mit 7000 Touren, weil er sich nicht getraut die Hände vom pelzbesetzten Volant zu nehmen um den Gang zu wechseln. Rechts rasen überdimensionale Brummi vorbei, dass Oma Hedwig von einer heftigen Inkontinenz befallen wird und beinahe den Haltegriff von der Tür reisst, links fluchende Sportwagenfahrer welche mit obszönen Fingerzeichen ihrem Ärger Luft machen und aus dem Innenspiegel werfen die reflektierende Xenon-Lichter der folgenden, hektisch blinkenden Wagen ihren pupillenkillenden Schein auf den grünen Star des noch sehenden rechten Auges. Dies alles kriegt Opa Herbert jedoch kaum mit, sein Blickfeld hat sich auf zwei Meter Breite reduziert, die Knöchel der verkrampften Hände treten weiss hervor und der Hut droht vom Kopf zu rutschen.
Er sieht keine Chance, wie diese Höllenfahrt wieder zu beenden wäre.

Natürlich behindern Rentner nicht grundsätzlich den Verkehr. Es lässt sich einfach hinterfragen, was gefährlicher ist. Der Lenker, welcher ausserorts einmal auf 90 beschleunigt, oder jener, welchem ab siebzig km/h die Muffe geht, weil seine Reaktionsgeschwindigkeit gerade knapp ausreicht, den Wagen zu stoppen, bevor er mit drei Stundenkilometern die Rückwand der Garage ins Gemüsebeet schiebt, weil Oma die Markierung auf Aussenspiegelhöhe an der Seitenwand entfernt hat.

Liegt es an den vielen Radarkästen, den steigenden Spritpreisen oder wieso haben die Verkehrsteilnehmer Angst vor Geschwindigkeit?
Sollte der Kreisel für einen flüssigen Verkehr sorgen, wird dies zur Farce, weil die Lenker bei dem Hinweisschild in die Eisen treten, als würde Oma Duck mit ihren Enten und sieben süsse Karnickel ganz überraschend die Fahrbahn queren. Sie würden den Wagen am liebsten in den Kreisverkehr schieben oder mit einem Seil zur Ausfahrt schleppen. Statt mit etwas Geschick vorausschauend, die leere Fahrbahn nutzend, dynamisch den Kreis ausfahrend wird angehalten und auch bei leeren Strassen wird lieber noch drei Sekunden gewartet, ob vielleicht nicht doch noch ein Wagen aus dem Nichts auftaucht.
Regionale Künstler welche sich in der Kreiselmitte selbst verwirklichen durften und irgendwelche augenkrebs verursachende Bauwerke errichteten, verhindern erfolgreich den Blick auf die gegenüberliegende Seite und so sorgt ein vor sich hin rostender Monolith für eine völlig sinnlose Ausbremsung des Verkehrsflusses.
Damit nicht genug, wird bei der Kreiselausfahrt sehr gerne ein Fussgängerstreifen oder eine Bushaltestelle platziert, damit die rückstauenden Fahrzeuge auch gleich alle anderen Abgänge unpassierbar machen.

Öffentliche Verkehrsmittel bewegen sich im Grundsatz um zehn Stundenkilometern langsamer als private Verkehrsteilnehmer.
Befindet sich die Haltestelle auf der Strasse und eine ausgezogene Linie das Überholen bei Todesstrafe untersagt, lässt sich der Chauffeur alle Zeit der Welt um dem einsteigenden Rentner den Unterschied zwischen Zone 10 und einem Erste-Klasse-Billet nach Luzern zu erklären. Oder eine Monatskarte zu verkaufen und das erste Bild von Bohem wiederzugeben, weil ein Ticket dafür zur Monatskarte vergünstigt erhältlich ist.Befindet sich der Bus in einer Haltebucht, welche eine Vorbeifahrt theoretisch gestatten würde, setzt der Chauffeur den Blinker während man auf halber Höhe ist, um eine Zehntelsekunde später das Volant herumzureissen und sein Elektrofahrzeug auf die Fahrbahn zu katapultieren. Das Sonnenlicht gleisst auf der polierten Glatze, der Schnurrbart zittert und die Augen funkeln böse hinter der Brille, während er dir alle Schande der Welt anhängt, wenn du nicht auf sein Blinkzeichen hin sofort in die Eisen gestiegen bist und den Wagen mit rauchendem Kühler und aufgeschlitzer Ölwanne auf der Insel über der ‚Biene Maja‘ zum stehen gebracht hast.

Beschleunigung. Moderne Fahrzeuge sind mit zehnfach-Zündung, Turboladern, elektronisch geregelter Einspritzung, Anfahrhilfen und Anti-Schlupf-Regelung ausgestattet. Serienreifen halten wie Slicks auf dem Asphalt und mit einem Druck auf das Gaspedal galoppieren serienmässig dreihundert Pferde los.
Was bleibt ist die Überraschung.
Obwohl es seit Jahr und Tag über Generationen passiert, bleibt die Überraschung, dass nach einem Erlöschen des roten Lichtes an der Ampel ein grünes erscheint. Die Leute sind so perplex, dass sie leer schlucken, einen Gang einlegen, die Kupplung schleifen lassen, die Handbremse lösen und ganz langsam los rollen.
Wenn man grosses Glück hat, würgen sie den Motor nicht ab und drei nachfolgende Fahrzeuge können die Kreuzung passieren.
Hingegen die Rot-Phase können die Lenker nahezu riechen. Rollen sie auf einer leeren Strasse an eine Kreuzung, verleitet sie die grüne Ampel dazu, die Geschwindigkeit zu reduzieren, für den Fall, dass diese gleich auf Rot wechselt. Noch etwas langsamer, noch ein Stück, bis das Licht zehn Meter vor der Linie tatsächlich auf gelb (oder orange?) wechselt. Ups das reicht noch, man latscht auf das Gaspedal, schiesst auf die Linie zu. Nein, reicht doch nicht und steigt in die Eisen, als würde Oma Duck… Karnickel…

Diese Furcht vor Geschwindigkeit setzt sich auf Hauptstrassen fort.
Ich habe nichts gegen Landwirte, Gott bewahre, auch nicht gegen Bauarbeiter mit ihren Dumper oder Staplerfahrer Klaus, auch der Baggerfahrer Bruno hat mir nichts zuleide getan.
Aber bitte, müssen diese jeweils den Arbeitsverkehr wählen um ihr kastriertes Vehikel durch die Hauptverkehrsachsen zu bewegen?
Wie immer diesen auch zumute sein mag, als folgender Autofahrer sieht man nur die böse Absicht.
Erbost blickt man aus der Windschutzscheibe auf dieses dreckstrotzende Ungetüm vor einem, mit hasserfülltem Blick registriert man das auf- und abhüpfen des Bauern in seinem zehnfach gefedertem Sitz, wie ein springender Clownkopf aus der Trickkiste scheint er einem zu verhöhnen. Hoppst herum wie Sébastien Loeb auf Schotterpiste, tuckert dabei aber mit 35 km/h über den Asphalt. Man möchte aussteigen, nach vorne sprinten und den arroganten Latzhosenmann von seinem federnden Sitz zerren.
Ein Aussenspiegel wie ihn Victoria Beckham kaum grösser in ihrer Ankleide hat, darin sieht man das grinsende Konterfei des Bauern und man weiss genau, wie er am Küchentisch über die Suppe gebeugt zwischen den Fliegenfängern hindurch seine Trudi mit Stolz erfüllt, wenn er mitteilt, dass er von Guntmadingen bis in die Enge sage und schreibe 23 Fahrzeuge in Schach gehalten hat. Darunter gar einen Porsche.
Während des Überholverbots hätte er jeweils auf 20 km/h reduziert ‚isch mer fascht verreckt, de Fendt, hahahaha‘ während er bei der freien Fahrbahn seinen Hänger dermassen ins Schlingern versetzt hat, dass jeder vernünftige Lenker Abstand hält, ein Vorbeischauen schon gar nicht möglich ist. Zum Glück habe er den Blinker nicht repariert, das linke Licht leuchte so unregelmässig auf, dass man stets damit rechnen muss, er biege ab.

Habe ich noch wen vergessen?
Kinder brauchen heute mehr Schutz als früher, nicht nur, dass sie bis mitte Pubertät im Kindersitz bleiben müssen, nein die ganze Karrosse muss die Dimensionen eines Panzers aufweisen. Etwas kleineres als einen Audi Q7 kann man natürlich kaufen, aber der Verdacht steht im Raum, dass man seine Kinder nicht so fest lieb hat, wie sie es verdienen. Ob nun der Papa einschärft, dass man mit einem SUV stets vortrittsberechtigt ist, oder die Gattin noch nie mit grossen Dingern umzugehen hatte, auf jeden Fall kommen einem diese Ungetümer stets in der Mitte der Strasse entgegen. Hinterm Steuer eine Mutti mit panisch geweiteten Augen hinter der Chanel-Brille, den Wagen verkrampft führen, als müsste sie eine Elefanten auf einem Hochseil über die Niagara-Fälle reiten. Nicht der SUV, mit einem halben Meter Abstand zum Fahrbahnrand hockt der Sensenmann quasi schon grinsend auf dem Kuhfänger, sondern der langweilige Strassenkombi muss letztendlich in den Strassengraben ausweichen und im Slalom um die Birken fahren.
Abends wird sie Papi erzählen, wie gut, dass sie einen grossen SUV hätten, heute musste sie wegen eines entgegenkommenden Arschlochs verkehrstechnisch durch die Hölle brausen, mit einem Kleinwagen wären 3/4 der Familie drauf gegangen.

So läuft das.

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