Auf Sherlock’s Spuren

An sich hielt sich mein Bedürnis in Grenzen, die heimischen Gefielde zu verlassen. Die Wetterprognosen waren präzise zu meinem pikettfreien Wochende nicht wirklich wander- und campingfreundlich.
Dem entgegen stand, dass ich die nächsten zwei Wochenende gewiss meiner Umwelt die Ohren volljammern werde, weil ich dank der Samsung-Fussfessel an das Haus gebunden bin, und es bereuen würde, nicht gegangen zu sein.

Eher ziellos landete ich im Berner Oberland, ohne weitere Pläne in Meiringen und weil ich eben mal hier war, könnte ich einen neuen Versuch am Reichenbachfall starten.
Die Wanderwegweiser führten durch das Gelände der Meiringer Privatklink genau bis zur Talstation der Reichenbachfallbahn. Man wollte die Besucher zweifelsohne in dieses Gefährt zerren, was nicht so ganz mein Ding ist. Dies ist mehr für Leute, welche auf 1945 Meter über Meer in der horizontalen ein oder zwei Kilometer gehen, dann ihre Carbonstöcke im Alprestaurant demonstrativ im Kreis schwingen und den Rucksack welchen sie eigentlich nur dabeihaben weil am Tragriemen dieses prähistorische Tier abgebildet ist mit welchem sich Städter so gerne zeigen, auf die Eckbank werfen.
Auch ich bin kein Alpinist, aber wenn man an einem Detail den Geldsack aus dem Tal erkennt welcher mal eben auf Hochgebirge macht, ist es seine nigelnagelneue Mammutausrüstung, von der Socke bis zur Mütze, mit Schuhen, Rucksack und dem Eispickel an selbigem.
Der Preis der ganzen Sache, welche den Zahnarzt und Architekten von der Qualität überzeugt, macht es einem relativ einfach, auf andere Produkte auszuweichen.

Neben der Bahn führte ein Privatweg den Berg hoch. Durch den Garten des Angestelltenhaus und über einen Kiesweg gelangt man an einen neuen Wegweiser, also mehr ein Insidertipp, angeschrieben mit Grosse Scheidegg, vier Stunden 50 Minuten. Es war zehn Uhr morgens, ich war auf 660 Meter, wieso eigentlich nicht. Nach 150 Höhenmeter, findet man den ersten Wegweiser nach dem Reichenbachfall, aber ich beschloss, dies auf später aufzuschieben.
Ein furchtbar langweiliger Wanderweg. Alle paar Meter kreuzt man wieder die Strasse, Radfahrer ziehen vorbei, ein BMW-Corso strebt ebenfalls die Höhe an.

Man spaziert durch den Wald bis zum Hotel Rosenlaui, den Reichenbach entlang, quert gefühlte 50x die Autostrasse und ist bisher weder kräftemässig noch in der Ausdauer wirklich gefordert.rosenlauiIn den Wolken steckt das Wetterhorn und links war vor der globalen Erwärmung der Rosenlauigletscher. Die Gletscherschlucht hat eine Postautohaltestelle und die Besucher können ohne einen Höhendifferenz überwinden zu müssen direkt durch das Drehkreuz in die Schlucht spazieren. Ich halte mich aus später ersichtlichen Gründen mit Lästereien nun etwas zurück und will mich auch achten, dass ich nicht schreibe wie die wandernden Silberfüchse.
Das Hotel selber ist schon hübsch anzuschauen, auf das Postauto habe ich extra gewartet, um das Bild abzurunden.hotel-rosenlauiRosenlaui, die kleinste Ortschaft der Schweiz, so als Randinfo.
Endlich, auf Höhe Schwarzwaldalp – der Name stört mich extrem, hat sowas von deutschem Naherholungsgebiet – wird aus dem strassenquerenden Wanderweg, sowas wie ein Gebirgspfad.

schwarzwaldalpIch schrieb, der Randen ist an sich schon ganz schön.
An sich, es ist eben doch nur der Randen und selbst ein sozial Abstinenter wie ich stolpert da noch über bekannte Personen. Da schätze ich schon die Abgeschiedenheit. Und irgendwie beginnt doch Wandern erst über der Baumgrenze, alles andere ist Zustieg.
Es sind nicht endlose Weiten und dennoch ist man alleine auf weiter Flur. Hängt seinen Gedanken nach, setzt einen Fuss vor den Anderen und die pure Zufriedenheit im Einklang mit sich selbst. Manchmal denke ich, es wäre schön dies zu teilen, aber mehrheitlich schätze ich die Ruhe. Und sonst gibt es ja die sozialen Netzwerke.

Bäume sind nicht im Grundsatz schlecht. Bevor keine mehr rumstanden, konnte ich doch noch ein paar nicht völlig durchnässte Zweige finden und gab mich den pyromanischen Gelüsten hin.grillierenInklusive Grillieren war ich nach vier Stunden und 10 Minuten auf der grossen Scheidegg.
Barfuss im Regen, merkwürdige Dehnübungen vollziehend.
Ohne eine Jammertirade anzustimmen, meine Füsse benötigen dringend Schonzeit, irgendwann werde ich wohl auch zu zwei Monaten kassenbezahltem Couchliegen verdonnert. Schon auf Höhe Rosenlaui wechselte ich zu einer sehr merkwürdigen Gangart und ich gestehe, dass ich nur wegen des Wissens um eine Postautohaltestelle als Rückversicherung noch bis ganz oben gegangen bin.

Ich habe mich noch nie so alt gefühlt, mich im Postauto von einer Wanderung zurückführen zu lassen. Gedemütigt bis auf die Knochen.
Nun gut, habe ich diese Erfahrung auch gemacht.
Vor mir die Helden des Gebirges, mit grossen Schirmmützen und breiter Zürrischnorre, im Feinsten was an funktioneller Kleidung zu erhalten ist und sie übertrafen sich gegenseitig mit der Erzählung ihrer Abenteuer. Jeder hörte dem anderen freundlich zu, aber nur um zu ergänzen, dass er den grösseren Bach überquert hätte, noch länger auf die Frau warten musste und unten noch das grössere Bier trinken würde.
Ich konnte nicht eruieren, von wo aus sie losgelaufen sind, vielleicht hat sie auch der Bus von Grindelwald auf die Grosse Scheidegg gefahren, aber aus der Erzählung zu schliessen musste mindestens der Mount Everest auf ihrem Weg gelegen haben. Doch musste ich Tribut zollen, während ich doch leicht hinkend in den Bus stieg, ein triefnasses Shirt am Rucksack hängen hatte und gewiss auch etwas roch, waren sie trotz aller Abenteuer frisch und wie aus dem Ei gepellt.

Die Gelassenheit der Berner finde ich ganz entspannend und es macht sie sympathisch. Zumindest, wenn sie einem im Bus das total überrissene Ticket verkaufen, oder in aller Seelenruhe die Landschaft erklären, während sie das Gefährt bewundernswert millimetergenau über die Passstrasse manövrieren.
Wenn sie jedoch mit derselben Ruhe aus einem Parkplatz manövrieren, nicht in eine Hauptstrasse einbiegen weil weit weg am Horizont ein Fahrzeug erkennbar ist und an der Migroskasse jedes Geldstück im Zeitlupentempo in die Kasse legen, kann man als Nordschweizer schon zappelig werden.
Eine Menschenschlange bis zur Fleischtheke und hinter dem Förderband fragt die Heidi den Kari wie es denn dem Godi ginge und was er gestern so getrieben hätte. Und der Kari erzählt vom Godi und dass die Kuh heute gekalbt hätte. Dreissig Leute stehen sich die Beine in den Bauch und keinem ist auch nur die Spur von Ungeduld anzumerken. Unglaublich, aber vor Ladenschluss schaffte ich es aus dem Einkaufscenter und begab mich mit Zwischenhalt im Coop, die Migros hat kein Bier, nach Interlaken auf den Campingplatz.

Jaaaa, sie hätten vielleicht schon freie Plätze….
Pause.
Ich wusste nicht, kommt noch was, haben sie noch freie Plätze, haben sie, aber wollen sie mich nicht auf dem Platz? Ich fühlte mich sehr widerwillig bedient.
Die Nummer 31 könne ich haben.
War mir soweit egal welche Nummer.
Wie gross mein Zelt denn wäre. Viereinhalb Meter lang.
Also ein Familienzelt.
Nein, ein zwei-Personen-Zelt.
So gross, das könne nicht sein. Das sei ein Familienzelt.
Meinetwegen können sie es als Zirkuszelt verbuchen, ich sage nur was in der Packungsbeilage stand.
Der Witz kam nicht an, dafür eine weitere Angestellte von den Dimensionen einer Schwingerin.
Dann ginge es nicht auf der 31, ich solle auf die 27 gehen.
Siebundzwanzig klinge auch gut.
Sie sagte nichts, aber ihr Blick sagte aus, dass es ihr solange wie breit war, ob mir die 27 passte oder nicht.
Die Schweiz hat in Sachen Tourismus nichts dazugelernt, seit die Engländer Anfangs
19. Jahrhundert nach Kandersteg stolperten und uns lehrten, dass mit unserer schönen Bergwelt Geld zu verdienen wäre. So man denn möchte.

32 Franken löhnte ich für die Übernachtung.
Ich denke kurz zurück, vor drei Wochen war ich im Elsass, übernachtete für 8 Euro. An der Rezeption wurde man beinahe umarmt, ich konnte mir meinen Platz selber aussuchen und der Dame war, als sie meinen Rucksack sah, sehr daran gelegen, dass ich die Telefonnummer des Platzes dabei hätte, falls ich mich im Wald verlaufen würde.
Die Schweizer haben einen Rheinfall, stellen einen Bratwurststand hin, widmen sich mit viel Herzblut den Parkuhren und verbringen die kommenden Jahre mit Jammern, wo denn die Touristen blieben, wo sie doch so tolle Bratwürste hätten.

Viereinhalb Meter, klingt schon lange für ein Zwei-Personen-Zelt.

7499_0_NordiskNordland2SI_1rNatürlich ist Salewa immernoch mein Erstausrüster, aber meine Markentreue geht nicht soweit, dass ich Salewa kaufen muss, nur weil ein Adler aufgedruckt ist.
In Sachen Trekkingzelte haben sie mich nicht enttäuscht, wenn man aber eine Nacht länger bleibt und etwas Vorraum braucht, haben sie nichts im Programm, auch wenn Markenfetischisten was anderes behaupten würden.
Nordisk, im Ursprung Dänen, liefern mit dem Nordland 2 alles was man braucht und ich habe so viele Zelte getestet, dass ich einen für ein Outdoor-Magazin schreiben könnte.

Errichtete ich also meinen Palast und immernoch etwas frustriert über die schroffe Bedienung verzichtete ich auf Rugenbräu und trank provozierend ein Calanda. Danach ein Cardinal und erst danach ein Rugenbräu, weil ich einfach nichts anderes mehr hatte.
In den Duschen war in jeder Kabine ein Schaber platziert, so ein Ding wie zum Tafel reinigen in der Grundschule. Was damit anzustellen wäre, keine Ahnung, aber wenn die sich dachten, dass ich für 32 Franken die Nacht noch  irgendwelche Reinigungsarbeiten vornehmen würde, hatten sie sich ordentlich geschnitten. Auch die Mülltrennung können diese mal hübsch selber vornehmen.

Über mir waren Engländer platziert mit rollenden Eigenheimen. An sich hätte ich gerne ein solches Teil. Anderseits, wenn sie ihren Rasenteppich auf dem Rasen ausrollen, die Tische aufstellen, den Kaffe aus Porzellan trinken und das Essen im Ofen zubereiten, frage ich mich schon, wo der Geist des campens bleibt.
Camping ist so viel mehr, als nur eine günstige Hotelalternative.

Die Odysse fand morgens um acht ihre Fortsetzung, als ich einkaufen wollte.
Durch die offene Tür tretend, erkundigte ich mich, ob der Shop schon geöffnet wäre.
Wozu denn?
Hmm, lassen sie mich überlegen… weil ich mir gerne die Haare schneiden lassen möchte?
Ich würde gerne einkaufen.
Was denn?
Öhm… ein Pony?
Nun, ich dachte an Butter, vielleicht ein Getränk.
Na, wenn es denn eben sein müsste; Mit einer abschätzigen Handbewegung wurde ich in den Shop geladen
Unter Bücklingen, mich in einem fort entschuldigend, trug ich Butter an die Theke, Gott seis gedankt, dass ich Brot und Honig bereits in der Migros erstanden hatte. Nach dem Sonntags-Blick wagte ich gar nicht zu fragen, sie hätten wohl die Kasse nach mir geworfen.

Zusammenfassend: Camping Alpenblick in Interlaken hat wohl einen ausgezeichneten Rasen, sehr Heringsfreundlich und bequem, aber sie lassen wohl nicht gerne Touristen auf selbigen. Vielleicht passte ihnen auch einfach meine Nase nicht, oder Leute ohne Camper sind allgemein zweitklassig.

So brach ich viel zu früh auf und entschloss mich, noch an den Reichenbachfall zu laufen. Die Bahn würde 10 Franken kosten, aber diesen Spass kann ich mir jederzeit sonst noch gönnen.
Zumal die Bahn an der falschen Seite hält, schliesslich hatte ich ein anderes Ziel. Nachdem ich schon an der Baker Street in Sherlock Holmes Haus war, wollte ich auch noch sehen, wo er zu Tode kam.sherlock-tafel
Sherlock Holmes war mit Dr. Watson unterwegs, die Nacht im Hotel Rosenlaui zu verbringen. Auf Anraten des Wirtes in Meiringen machten sie einen kleinen Umweg zum Reichenbachfall.

„Es ist in der Tat ein furchterregender Ort. Der vom geschmolzenen Schnee geschwollene Wildbach stürzt in einen gewaltigen Abgrund, aus dem Gischt aufwallt, wie Rauch aus einem brennenden Haus. Der Schacht, in den der Fluss sich wirft, ist eine ungeheure, von glänzendem, kohlschwarzem Fels gesäumte Kluft, die in einem schäumenden, brodelnden Kessel von unermesslicher Tiefe mündet, der überläuft und den Strom über seinen gezackten Rand weiterschleudert. Der unablässig hinabdonnernde grüne Wasserschwall und der unablässig heraufstiebende dichte, wabernde Gischtvorhang machen mit ihrem immerwährenden Wirbeln und Tosen einen Menschen völlig schwindlig. Wir standen nahe am Rand und starrten hinab auf den Schimmer des weit unter uns an den schwarzen Felsen sich brechenden Wassers und lauschten dem halb menschlichen Brüllen, das mit dem Gischt aus dem Abgrund heraufstob.

Als sie dort standen, wurden sie von einem Botenjungen eingeholt, welcher Dr. Watson wegen eines Notfalls in das Hotel nach Meiringen zurück bat.


Als ich mich fortwandte, sah ich Holmes mit dem Rücken an einen Felsen gelehnt und mit verschränkten Armen dastehen und auf die schäumenden Wassermassen hinabschauen. Es war das letzte, was ich auf dieser Welt je von ihm sehen sollte.“

So empfand Sir Arthur Conan Doyle den Reichenbachfall. Eindrücklich, abschliessend mit der heroischen Darstellung des einsamen Detektivs. Ich liebte die Geschichten.

Nun, ich hoffe vor der globalen Erwärmung war der Ort noch etwas furchterregender.reichenbachfall-1reichenbachfall-2reichenbachbahnDas obere Haus ist die Haltestelle der Reichenbachfallbahn. Von da kann man zur Absturzstelle blicken. Ich denke mit einem Fernrohr, welches mit einem Franken gefüttert werden will.
absturzstelleEin hässlicher Maschendrahtzaun.
Was spräche gegen eine Statue von Holmes am Felsen?
Im vorderen Teil des Weges hat Holmes seinen Gehstock und sein Zigarettenetui mit einem Abschiedsbrief an Dr. Watson deponiert. Wo ist dieser?
Man muss nicht alles ausschlachten, aber wieviele Holmes-Fans pilgerten wohl an diesen Ort?holmes-kranzUnd es wird so gar nichts geboten. Kein Vergleich mit der Baker-Street in London.
Aber so sind die Schweizer.
Wir haben eine unvergleichliche Landschaft, der einzige Beitrag des Schweizer Tourismus, die Schauplätze zu einem Erlebnis zu machen besteht darin, dass sie ein Drehkreuz aufstellen und Eintritt verlangen. Vielleicht noch einen Souvenirshop mit einer schlecht gelaunten Teilzeit-Hausfrau hinter dem Tresen.

Wie auch immer, ich will das Berner Oberland nicht schlecht machen, jederzeit ein Ausflug wert.

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Ein Kreuz mit den Online-Shops

Geschätztes Pearl-Team,

der Tag geht, die Hitze bleibt und jeden folgenden Morgen quittiert der Postbote meinen erwartungsvollen Blick mit einem Schulterzucken und mitleidigem Kopfschütteln.

Die hübsche Ampel auf Ihrer Seite leuchtete vor einer Woche im sattesten Grün, ab Lager verfügbar, vor meinem geistigen Auge sah ich Paco auf einem Berg Klimaanlagen sitzen und nur danach lechzend, diese endlich auf die Reise zu schicken.
Nun, mittlerweile leuchtet die Ampel rot, was mich nicht weiter beunruhigt, da sie mir die Lieferbarkeit auch in einer Mail zusätzlich bestätigten. Nicht zuletzt war dies das Hauptargument, warum ich Ihren Onlineshop berücksichtigte.

Gott bewahre, ich will Ihnen nicht erklären, wie Sie Ihren Job zu erledigen haben, aber ich würde mich nun gerne erkundigen, an welcher Ecke das Paket hängen geblieben ist. Selbstverständlich gönne ich Ihnen den freien Pfingstmontag, aber so im Verlauf des Dienstags erhoffte ich mir schon eine Mail, dass die ganze Geschichte der Post übergeben wurde.
Es ist ja nicht so, dass ich eine Packung Batterien für 2 Franken bestellt habe und dazu das gratis Kundengeschenk verlangen würde, nein, sie dürfen ein ordentliches Paket schnüren. Einmal kurz durch das Lager fahren und einen Umsatz von xxx Franken machen, man meinte, der Mitarbeiter schwingt sich mit der Sonne im Herzen und einem Lied auf den Lippen hinter das Steuer des Staplers.

Morgen haben wir also Freitag, ich gehe einfach einmal davon aus, dass Ihr versprochenes Informationsmail untergegangen ist, mein Postbote morgen um die Ecke biegt, freudestrahlend meine Klimaanlage huckepack und alle sind glücklich und zufrieden. Mein Leben wird sich ungemein verbessern, wie es Ihr Moderator in Pearl-TV angekündigt hat. Dieses Video habe ich mittlerweile gut viermal gesehen, mit allen Versprechungen das Televerkäufers, möge ihnen dies nun zum Vorteil gereichen oder für Schweissausbrüche sorgen, wir werden es sehen. Ich bin sogar hängen geblieben, Mister ‚der Preis ist heiss‘, ihr Verkäufer mit dem Hundeblick, Walter Freiwald, plaudert wie gewohnt aus dem Nähkästchen. Ich weiss nun wie er gerne schläft, wie seine Frau schläft, wie gross sein Bett ist, dass er es gerne kühl mag, dass seine Frau es heiss mag; Wie gut, dass Pearl ein Produkt hat, welches im Ehebett für ein ausgewogenes Klima sorgt. Was heisst, an
der klimaregulierenden Matratzenauflage von newgen medicals bin ich sehr interessiert. Selbstverständlich mit der Wasserzuleitungs-Verlängerung, obwohl ich fürchte mein Schlafgemach zu fluten und das Ding gemäss Walter ja so flüsterleise ist, dass ich es unter das Bett legen könnte, aber wenn schon, denn schon.

Sollten nun alle meine Erwartungen enttäuscht werden, das Paket noch irgendwo in Ihrem Lager liegt oder der Lieferschein unter den Tisch gerutscht ist, könnten Sie natürlich beim Gang ins Lager einen Schlenker durch des Chefs Büro machen und beim gemeinsamen Brainstorming Gedanken über ein kostenloses Goodie wälzen, um mein erhitztes Gemüt zu beruhigen.

Nicht, dass Sie in der Pflicht stehen würden, es wäre nur eine Geste des guten Willens, schliesslich habe ich schon allerlei Plunder bei Ihnen erworben und stillschweigend entsorgt.

So hoffe ich nun, diese ganze Sache hat sich morgen in Wohlgefallen aufgelöst, ansonsten würde ich mich über einen kleinen Zwischenbereicht ausserordentlich freuen.

Mit freundlichen Grüssen

 

 

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Juhuu, endlich Sommer!

Juhuu, der Sommer ist da!

Die Frau bei Meteonews schlägt beinahe einen Purzelbaum; Einfach nur prächtig, sonnig und warm!
Heute könnte es sogar über 35 Grad werden!
Seit 70 Tagen habe man keine solch hohen Werte gemessen!

Ironie ist, wenn ein Land den grossen Nationen vorschreibt, wie sie der globalen Erwärmung entgegenwirken sollen und jeden gebrochenen Hitzerekord frenetisch feiert.

Na, da öffne ich doch gleich ein Bier und feiere dies. Passend ein Starkbier, die Luft zum atmen muss man abschneiden, das Bier vor dem Schlucken kauen.
Was führenden Experten schon lange bewusst ist, habe ich erst kürzlich entdeckt. Alki’s Choice.
Kürzlich kehrte ich im malerischen Ribeauvillé von einer Wanderung zurück, streifte schmutzig wie ein Franzose und wohl auch etwas riechend durch das Städtchen, übrigens immer einen Ausflug wert, auf der Suche nach Honig. Es hat sich eingebürgert, dass ich Bella nach jedem Besuch im Elsass mit Honig beschere. Der muss anscheinend unglaublich sein, habe ihn schon kiloweise über die Grenze geschleppt, aber merkwürdigerweise noch nie genossen, obwohl der süsse Nektar zu meinen Leibspeisen zählt.
Nebst dem Honig gelüstete es mich nach einem Bier, ein kleines Lebensmittelgeschäft bot beides feil und wenn ich sage klein, spreche ich von einem Schuhkarton. Links Regale, rechts Regale und im Mittelgang ein drittes. Etwa drei Meter lang. Am Ende des Mittelganges stand eine Kasse, hinter der Kasse eine Wendezone. Hat man etwas mehr Leibumfang als ein Kleinkind ist das Umkehren im Gang unmöglich. Hat man beim Durchschreiten etwas vergessen, geht man zurück auf Los und startet neu. Natürlich muss man beim Verlassen der Lokalität abwarten, bis kein Gegenverkehr herrscht. Aufgrund dieser Enge werden auch keine Einkaufskörbe gereicht, man nimmt was man tragen kann. War etwas schwierig, da ich nebst dem Honig auch noch Obst, Chips, Kekse und eben Bier benötigte. Ich errichtete also bei der Kasse ein Depot und kreiste solange im Laden, bis ich alle Artikel hatte, nahezu widerwillig reichte mir die Verkäuferin immerhin eine Tüte, damit ich mit den Äpfeln nicht jonglierend wie ein Zirkusclown den Laden verlassen musste.
Zu guter Letzt trat ich an das Kühlfach. Neben Heineken war auch Bavaria 8.6 im Angebot, mich reizte einfach die Etikette.bavaria86Es ist nicht nur lecker, haut mit seinen 8.6% auch richtig rein. So, dass ich mich bereits vor neun gemütlich betrunken in das Zelt rollte.

Nun, seit diesem Moment mag ich das Bier und an einem öden, heissen Nachmittag wie heute, angebunden zu Hause, müsste ich wohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einem Pikettanruf nachkommen.
Ehrlich, an Tagen wie heute, wo ich eigentlich hoch in den kühlen Bergen im Schatten liegen würde, wird einem wieder bewusst, was für eine unendlich dämliche Sache solch ein Pikettdienst darstellt. Aber, zwei Wochenende sind durch, nun noch zwei Wochenende Ferienvertretung, dann nochmals zwei Wochenende regulär und ich verbrenne in einer hübschen Zeremonie das Firmenhandy.

Eigentlich sollte ich jetzt meine jährliche Jammertirade über die Hitze verfassen, aber ich lasse es.
Diese ganze Klimadiskussion erübrigt sich doch. Mal offen, wenn man sich unter den Bewohnern unserer Hemisphäre so umhört; Sobald die letzte Skihütte geschlossen hat und der Pulverschnee verdunstet ist lechzt das Volk unisono nach einem heissen, langen Sommer. An dieser Stelle komme ich nicht umhin, der Menschheit ein Kränzchen zu winden. Wenn man bedenkt, dass viele Menschen im nahen Umfeld Veränderung scheuen, Stichwort Überfremdung, akzeptiert man die globale Erwärmung nicht nur, man rollt ihr den roten Teppich aus.
Jedes Jahr lautet die Devise, wann wirds mal wieder richtig Sommer.

Letztes Jahr war doch richtig Scheisse, hoffen wir auf einen krassen, heissen Sommer.

klimawandelVon 1963 bis 1990 wurde der Mittelwert bestimmt, die bunten Bildchen geben die prozentale Abweichung der Durchschnittstemperatur von besagtem Mittelwert an. Rot ist natürlich wärmer, blau ist kühler.
Ich denke es, ist eine Tendenz abzulesen. Meiner Wenigkeit genügte ein Besuch am Rhonegletscher im Jahre 1996 und 2013 – na wo iss‘ er denn? Ah ja, da hinten – um mir den Klimawandel vor Augen zu führen.so-schmeckt-der-sommer

Aber…

Die Welt ist entrüstet, weil die USA in Sachen Kyoto-Protokoll nicht so recht vorwärts macht. Warum eigentlich?
Warum wollen die Menschen der globalen Erwärmung entgegenwirken? Die Sommer sind den Menschen immernoch zu lau und die Winter zu lang. So müssen nichts weiter tun, als wie bisher weiter zu leben und die Sache wird sich irgendwann von selbst erledigen. In Afrika dörrt die Landschaft aus. Na und? Früher sagte man uns, den Teller leer essen, die Negerchen wären froh, sie hätten dieses Essen. Wir assen nicht aus und es gibt immernoch Negerchen und sie vermehren sich mehr, als sie weghungern.
Die Gletscher schmelzen weg, wir müssen Wasser sparen. Wozu? Nachbar Müller spritzt seit es Kärcher gibt jeden Samstag mit reinstem Quellwasser seinen Vorplatz sauber, seine Hecke wird getränkt und der Pool regelmässig gefüllt. Und wir haben immernoch Trinkwasser.
Die Arktis schmilzt und dank der Abkühlung des Golfstromes haben anfangs 2014 die Bewohner in Minnesota -36°, in Chile brennen aufgrund der Dürre die Wälder ab und in der Antarktis erlebt man einen Frühling. Na und? Hätten die mal ihre Häuser anständig isoliert, dann wäre es halb so schlimm. Weicheier die Amis.

Die Europäer, und die Schweizer insbesondere, sehnen alle Aspekte der globalen Erwärmung herbei, also in Gottes Namen, hört auf mit der Heuchlerei um umweltschonende Fahrzeuge, Fahrverbot an Sonntagen, Klimaabgaben auf Flugtickets und der Sanierung alter Ölheizungen.

Und deswegen scheiss ich auf das Energiesparen und schaffe mir eine Klimaanlage an. Die Amis beginnen ihre Häuser mit Heizungen auszustatten und wir rüsten mit Klimaanlagen nach. So ist der Lauf der Erde, der Zeit, ich weiss nicht, wieso wir uns dagegen sträuben sollten. Wenn nicht diesen Sommer, wann dann?
Beleuchten wir es von der anderen Seite. Wir leben nur einmal auf diesem Planeten, wir wünschen uns heissere Sommer und haben alles Werkzeug in der Hand uns diese ohne grossen Aufwand zu verschaffen. Warum also sich zurückhalten?
Die Kinder wachsen schon in dieser Atmosphäre auf, die stecken das wohl lustiger weg als wir alten. Und mein Wasser kommt von San Pellegrino, deines vielleicht von Henniez und seines aus Vals. Wir brauchen keine Gletscher. Und nicht zu vergessen, wenn diese dummen Eisblöcke weg sind, wird es noch heisser! Hossa!

Letzte Nacht hatten wir wohl noch keine Tropennacht, aber wenn das Thermometer erst um 2 Uhr auf unter 20° fällt nützt mir dies herzlich wenig. Mein Ventilator, extra leise und stark, wirbelte mir die Bettwäsche, extra kühlende Seide, um die Ohren und dennoch erwachte ich verschwitzt fühlte mich wie durch die Mangel gedreht.
Warum sollte ich mir dies länger antun? Ich arbeite, verdiene Geld und habe mir verdammt nochmal meinen Schlaf verdient.
Daher habe ich genau noch so lange zu jammern, wie Pearl’s Lieferdienst benötigt, mir meine neue Bettgefährtin zu liefern.
Ich ärgere mich einzig über den Gedanken, nicht schon vor Jahren zu dieser glorreichen Erkenntnis gelangt zu sein.

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Eine sexuelle Beziehung mit dem Fahrradsattel

‚Treib Sport oder bleib gesund‘ ist nicht direkt ein geflügeltes Wort, ein solches muss auf eine konkrete Quelle rückverfolgbar sein, aber dennoch eine beliebte Redewendung und in ihrem Ansatz nicht direkt falsch.

Als Freizeitsportler ist man doch stets der Verschaukelte.
Während der Couchpotatoe sich dank der fettigen Speisen einen Gallenstein holt, dann und wann ob der kontinuierlich steigenden Belastung auf die Knie selbige operativ sanieren und sich hernach kassenbezahlt zwei Monate auf der Couch durch Britt und Co. zappt, kann er sich des Mitleids und uneingeschränktem Verständnis der Umgebung gewiss sein.
Auch der leicht adipöse Mittvierziger, welcher im Fitness-Center auf einem Klappstuhl sitzt, Espresso schlürft und mit seinen Kollegen das Fussballspiel vom Vorabend im Detail durchgeht, hat da irgendwas falsch verstanden, aber die Kasse begleicht anstandslos sein Abonnement.
Der Freizeitsportler kriegt für seine sündhaft teuren Laufschuhe keine Kassenrückvergütung, behandelt seine Zipperlein durch entzündungshemmende Cremes, rezeptfreie Medikamente, selbst bezahlte Physiotherapien, teure Schuh-Gel-Einlagen und allerlei Bandagen inklusive dem Richtig-Tapen-Buch. Nicht nur weil die Tapes was nützen sollten, dank der modischen, poppigen Farben sieht jeder, dass man Leistungssportler ist, auch wenn man eben nur dynamisch am Eisstand in der Schlange steht.
Dies alles nur, damit man gleich morgen Abend wieder lossprinten kann um weiteren Raubbau an seinem Körper zu betreiben.

Eigentlich will ich gar nicht jammern. Wann immer ein knieoperierter Fernsehsportler seine Gallensteine über zwei Wohnetagen die Treppe hochgeschleppt hat, sich keuchend an das Geländer hängt und den japsend gewonnen Sauerstoff zu neunzig Prozent damit verbraucht die gotteslästerlichsten Flüche in Richtung mehrstöckige-Häuser-bauende Architekten zu senden und den Mieter höchstpersönlich dafür verantwortlich macht, dass sich kein Lift in diesem Bauwerk befindet und er mit böswilliger Absicht ins Hochparterre gezogen ist, immer dann fühle ich mich eigentlich schon wohl in meinem mit Tapes und Bandagen fixierten Körper.

Normalerweise ist Doktor Google derjenige, welcher einem bei einem Juckreiz ob der zweiten Rippe die absolut tödliche Diagnose stellt und jeden Surfer zum Hypochonder werden lässt. Nicht so diesmal, als mir eine tolle Webseite gar ein kostenloses E-Book zur Verfügung stellt um meinen drohenden Fersensporn mit Dehnübungen, drücken und wiegeln sowie dem Balanceakt auf einer gefrorenen PET-Flasche wieder zum Verschwinden zu bringen.
Während ich mich samstags behände aus dem Bett schwang um hernach der Länge nach hinzuklatschen weil links die Achillessehne zu reissen drohte und rechts die Ferse mit einer Faser meines Bettvorlegers in Berührung kam, war es sonntags schon angenehmer. Man muss nur den Druck auf der Blase ignorieren, sich zehn Minuten Zeit nehmen und vor dem Aufstehen sämtliche Gehwerkzeuge dehnen und strecken, dies den ganzen Tag mehrfach wiederholen und abends nochmals eine halbe Stunde.
Nicht mein Ding, weswegen ich den Fachhändler meines Vertrauens aufsuchte. Jener, welcher mir schon die Achillessehne-reparierenden Wunderschuhe verkauft hatte, so hoffte ich jetzt auf einen weiteren von kleinen koreanischen Kinderfingerchen gefertigten Zauberschuh.
Ob ich schon die Physio besucht hätte, war seine Frage, gleich nach dem Schulterzucken. Eigentlich nicht, um dies zu vermeiden wäre ich ja hier.
Man könne mit den Schuhen nur einen Fersensporn vermeiden, aber nicht kurieren, aber ich solle mal diese Gel-Einlagen versuchen.
Voller Tatendrang sprintete ich los, um nach einer kleinen Schleife und 890 Metern von der anderen Seite wieder leicht hinkend ins Haus zu schleichen. Etwas peinlich, wenn man vom Lauftrainung zurück kehrt und die Dame im Smartphone just in diesem Moment lautstark die zurückgelegte Distanz bekannt gibt.

Wie dem auch sei, nach einer Woche herumsitzen zwickte die Hose, die Decke fiel mir auf den Kopf und ich stieg auf radfahren um. Nicht zuletzt, weil mir Bella dies auch nahelegte und wenn einem eine Frau die Wiederaufnahme einer sportlichen Tätigkeit empfiehlt, dann gewiss nicht aus gesundheitlichen Aspekten.
Biken nennt man dies ja, ich besitze kein Rennrad. Auch keinen Helm. Wie auf der Skipiste wird man vom Umfeld schon einmal schief angesehen. Und wie auf der Skipiste auch, frage ich mich, was hat sich seit den Achtzigern geändert?
Abgesehen davon, dass es innerorts immer mehr Dreissigerzonen gibt, dass es mehr Radwege gibt und sich die Fahrzeuge öfters an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten weil die Bremshügel einem die Karre zusammenstauchen oder die Radarfalle den Urlaub bachab schickt. Aber heute können Kinder auch nicht mehr alleine eine Hauptstrasse überqueren, nicht mehr einen Spielplatz von einer Quartierstrasse unterscheiden und sollten ganz allgemein wie ein rohes Ei durchs Leben getragen werden. Es ist erstaunlich, dass wir noch leben.

Radfahren ist nicht mein Sport und dies nicht nur, weil trotz Polsterhose meine Kehrseite schmerzt. Aber ich habe festgestellt, dass der Schaffhauser Randen an und für sich schon noch ein schönes Gebiet ist. Wir wollen es nicht überbewerten, ich ziehe noch immer das Gebirge vor, aber wenn man Pikettdienst zu leisten hat, sollte man in der Nähe bleiben und innert nützlicher Frist in der Firma stehen können. Aber unter uns, wenn ein Couchpotatoe anruft weil er kein RTL gucken kann während ich stinkend und schwitzend mit wundem Gesäss um den Hagen-Turm kreise, kann der mich mal kreuzweise.
Als Notlösung ist das Biken schon in Ordnung. Doch nicht nur weil ich als Wanderer der Meinung bin, die Trampelpfade gehören nicht den Radfahrern, bin ich wohl etwas zu ängstlich gestrickt um den „Spass“ bei der Talfahrt in einer vernünftigen Relation mit dem Stress beim Hochtrampeln zu bringen.
Meine Schutzausrüstung besteht allerdings auch nur aus der gottgebenen Haut, den paar Knochen darunter und einer Sonnenbrille. Mein Rad hat keine hydraulischen Scheibenbremsen, ganz klassisch werden drei Franken-Bemsklötze aus dem Baumarkt gegen die leicht ovale Felge gepresst. Alleine durch den Zug an einem Bremsgriff, übertragen durch ein Stahlseilchen, welches gewiss schon 15 Jahre in Gebrauch ist. Mein Vertrauen in diese Konstruktion ist in etwa gleich gross, als würde ich mit in die Speichen greifenden Jasskarten das Rad zum Stillstand bringen wollen. Der Vorteil bei der Wahl der Wegstrecke über Wurzeln und Steine liegt aber klar darin, dass man dabei steht, was das Gesäss entlastet. Allerdings musste ich auch durch eine Beinahe-Rektal-Entjungferung die Erklärung erlangen, warum die Downhill-Biker ihren Sattel so tief angesetzt haben. Kurz überlegte ich es mir, ihnen dies gleich zu tun, sah jedoch davon ab. Die Angst, die in die Jahre gekommene Befestigungsschraube würde mir zwischen den Fingern zerbröseln und ich würde wie Karl Arsch auf einem Kinderrad den Rest des Weges hinter mich bringen,  obsiegte.
So legte ich über Wurzel und Stein vierhundert Höhenmeter zurück. Die Felge glühte beinahe, der Bremsklotz blank geschliffen wie ein Baby-Popo, das Hinterrad versah meine Rückseite mit einer Schlammspur vom Hinterkopf bis zur Kimme, im Vorderrad verfingen sich Äste und Zweige, die Federgabel ächzte und am Wegesrand lachten mich die Eichhörnchen aus.
Was für eine kluge Entscheidung, den Sattel nicht herunterzusetzen. Durch das Wahren des Sicherheitsabstand zwischen Sattel und Anus, begab ich mich in eine merkwürdige Stehhaltung, worauf sich der Schwerpunkt irgendwie einen Meter vor den Lenker verschob. Während ich die erste Wasserrille geschickt übersprang – natürlich nur mit dem Vorderrad denn selbstverständlich halten meine Füsse alleine durch die Schwerkraft auf der Pedale was einen wirklich coolen Sprung verunmöglicht – schaffte ich es mein Vorderrad bei der folgenden Pfütze herrlich tief einzugraben.
Vielleicht doch ein Glück, dass ich keine Click-Pedale habe. Nicht von Coolness geprägt, aber ich schaffte es stehen zu bleiben. Die Füsse neben dem Vorderrad, den Sattel in der Wirbelsäule, den Lenker in den Kronjuwelen und das Navi in der Leiste.
Ja, ich habe mich mit einem Navi ausgerüstet. Während mein Vater die Himmelsrichtung an den Bäumen, die Uhrzeit an den Vögeln, die Höhenmeter am Moosbefall von Steinen und aufgrund der Beobachtung von vier Cumuluswolken eine drei-Wochen-Wettervorhersage macht, ist das Blut unserer indianischen Vorfahren in meinen Venen noch einen Tick mehr verwässert und ich greife auf allerlei technischen Hilfsmittel zurück um auf dem Randen nicht verloren zu gehen. Wobei es ebenfalls mein Vater war, welcher mir als kleinen Jungen weitergab, auf dem Randen kann man sich nicht verirren. Du gehst einfach den Hügel runter, dann landest du in Hemmental oder Schleitheim und von beiden Ecken solltest du wissen wie du wieder nach Hause kommst, ansonsten wohnen dort Leute und die haben ein Telefon.
Was ich damals als unglaublich beruhigende Tatsache aufnahm – und ich war gewiss nicht das einzige Kind, welches mit solchen Weisheiten in die Wanderschuhe gestellt wurde – wäre es heute gesellschaftlich gesehen gewiss eine grobe Vernachlässigung der elterlichen Fürsorgepflicht. Allerdings, zur Verteidigung der heutigen Eltern, wir lebten auch nicht in einer Welt voller fremder Fötzel, irgendwie traute man den anderen Menschen noch über den Weg.
Nun gilt es also mein Wandernavigation-System zu amortisieren.
Mit Kabelbindern an der Lenkstange rundet es das Bild des Dorftrottels ab, welcher das Gefühl hat, er müsse mit seinem neunziger-Jahre-Mountain-Bike durch den Wald radeln.
Aber, ich bin in Bewegung!

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Ein Phänomen und neue Artikel im Flohmi

Mein Vier-Stunden-Beitrag über die KBA-Hard hat so richtig reingehauen, mein Besuchercounter lief zeitweise gar rückwärts.

Ich sollte schon zur alten Form zurückfinden; Schreiben ohne Sinn und die Massen begeistern, alleine dafür bewundere ich Yonni Meyer, DAS neue Schweizer Facebook-Phänomen. Sie berichtet frisch von der Leber weg unterhaltsam über die Einträge einer Pendlerzeitung und die Leute huldigen ihr.
Asche auf mein Haupt, ich musste erst googeln – ich bin mir bewusst, googeln ist kein Synonym für recherchieren – was ein Facebook-Phänomen ist. Es gibt kein altes Facebook-Phänomen, fragt sich also, wie denn jemand DAS Neue sein kann.
Eine Ausnahmeerscheinung in einem sozialen Netzwerk wäre dann wohl jemand, der… ja was denn nun, eigentlich ist jede Spezies der Nutzer vertreten und wird von angehenden und absteigenden Komikern auf Kleinkunst-Bühnen der Lächerlichkeit preisgegeben. Ironie ist, wenn ein Stefan Büsser dadurch Anerkennung sucht, dass er auf eine Bühne steht und sich über Leute auslässt, welche Anerkennung suchen. Oder wenn ein schwangeres Teeniemädel eine Hülle für ihr iPhone kauft, aber der ist nicht von mir.

Wer ist denn nun eine Ausnahmeerscheinung auf Facebook. Wenn wir den allgemeinen Sprachgebrauch verlassen ist die Geschichte mit dem Phänomen ja eine sehr subjektive Sache, denn ein Phänomen bezeichnet nicht das Wahrgenommene an sich, sondern beschreibt mein Grad an Wahrnehmung. Zum Beispiel, wenn ich meiner geschätzten Kollegin, welche zwei Monate nach ihrer Niederkunft mit einer atemberaubenden Figur daherschreitet, mit verzücktem Blick auf den Hintern starre, möchte ich durchaus von einem, wenn leider auch nicht greifbarem, Phänomen sprechen. Das muss ein anderer ja nicht so sehen. Wobei dann dieser einfach mit Blindheit geschlagen wäre, was wiederum einer Diagnose entspricht, welche eine Klassifizierung von einem Phänomen wäre. Ist Wikipedia nicht geil, um mich der Unterschichtensprache zu bedienen?
Mitunter ein Grund, warum die Menschheit zusehends verblödet, denn Einstein erwähnte einmal, er müsse sein Hirn nicht mit Wissen beladen welches niedergeschrieben steht, er brauche sich nur den Ort zu merken. Mittlerweile braucht man sich noch nicht einmal diesen zu merken, man muss nur den Zeigefinger an der Hose abwischen und auf das entsprechende Bildchen auf seinem Smartphone bewegen, schon hat man das geballte Wissen der Menschheit vor Augen.

Wenn wir facebook als eine Plattform für Selbstdarsteller sehen, ist dann der lediglich konsumierende Zaungast ein Phänomen? Wenn man ihn denn als solchen empfindet, aber dies ist ja eher schwierig, da wir etwas erfassen oder erblicken müssen um uns zu einem phänomenalen Empfinden hinreissen zu lassen, lässt er sich jedoch virtuell blicken verrät er genau dieses, was ihn zu einem Phänomen hätte werden lassen können und wird zu einem ordinären Berichterstatter.
Ich lasse mich nun nicht über die unterschiedlichen Benutzer aus, möchte aber doch einen kürzlich entdeckten Typus nicht aussen vor lassen.
Jeder, ausschliesslich jeder, benutzt ja facebook nur, weil es an sich „eine ganz selten dumme Sache“ ist, aber man soviele Gspänli wieder findet. Von der Doktorgespielin im Kindergarten bis zum One-Night-Stand vom Sprachaufenthalt in San Franc… pardon Frisco, von welchem man nie wieder etwas hören wollte, aber es eben doch cool ist wenn man einen „Freund“ in den Staaten hat.
Nun gibt es aber die, welche wohl von den Freunden gefunden werden wollen, aber doch nicht von allen Freunden, vielleicht gerade vom One Night Stand nicht, und diese cleveren Leuten gehen mit falschen Namen in das soziale Netzwerk. Was bedeutet, dass sie alle Freunde, von welchen sie wiedergefunden werden wollen, irgendwie auf anderem Weg wiederfinden müssen, damit sie ihren Decknamen „Rügenwalder Deckhengst“ weiterflüstern können und sich anschliessend überraschend auf facebook finden und sich gemeinsam darüber freuen, welche Möglichkeiten einem ein weltumspannendes Netzwerk eröffnet.
Auf eine gewisse Art und Weise sind solche Personen wirklich phänomenal, mit wählbarem Adjektiv im Anschluss. So ganz subjektiv.

Ich habe festgestellt, dass man im Schaffhauser Flohmi nicht mehr nur Dinge feil bietet weil man sich die Sperrgut-Marke sparen will oder die KBA-Hard Abends geschlossen hat, sondern auch um sich etwas zu profilieren.
So bietet der Burak P., nein das ist zu offensichtlich, nennen wir ihn B. Palabiyik (crtl-c ctrl-v) seinen Rasenmäher feil, weil er zu klein ist für den Rasen. Understatement im Subtext. Ein etwas entfernter Nachbar von mir wäre da vielleicht ein Abnehmer. Der hat das gegenteilige Problem, er fährt einen heissen Aufsitzrasenmäher für einen Rasen von der Grösse dreier Strandtücher.

Die Debora L. fotografiert ihr Sofa, will aber den Teppich verkaufen, welcher unterkant noch ins Bild blinzelt.

Angela F. interessiert sich für Claudias Warzenentferner, weil der Yanik eine am Finger habe. Eine wichtige Info, gerade für Yanik’s Umfeld.

Oder Sandra verschenkt einen Waschbetontisch, gewiss seine Tonne schwer, was der Grund sein mag, warum er gratis abzuholen ist.fb-flohmi

Natasche K. präsentiert ihren Gourmet Hobel, eine Art Gemüseraffel, mit der wertvollen Zusatzinfo, weil sie nun eben eine Multiküchenmaschine habe.

Auch Corrado D.’s Spiegel wird Zuspruch finden, da er noch nie gebraucht wurde! Meiner ist vom vielen rein gucken schon beinahe blind.fb-flohmi-2Auch hier streiten sich führende Experten, die Frage ist durchaus berechtigt.

fb-flohmi-3Und Sandra G. verschenkt einen Sack Tampax, kein Scherz, mit Einführhilfe.

Zu guter Letzt noch dies;
Zuerst dachte ich, meine Verwandten wären im Urlaub, aber es waren dann doch Einheimische. Der Darwin-Preis geht nach Phnom Penh

Einem Familienvater fielen 60 Rappen in einen Brunnen. Da dies in diesen Gefilden durchaus eine erkleckliche Summe Geld sein muss stieg er nach um das kostbare Gut, wie auch sein Feuerzeug, zu retten.
Nach Anbruch der Nacht wurde er vermisst. Da hinkt die Geschichte etwas, da doch ziemlich detailliert bekannt war, was in den Brunnen fiel und dass er selbigen Besitztümern nachhechtete, aber sind wir nicht kleinlich.
Also suchte der Sohn seinen Vater, stieg nach und erstickte in dem Brunnen.
Daraufhin starteten die zwei Töchter eine Rettungsaktion und kamen unter nicht näher umschriebenen Umständen ums leben, was den Cousin auf den Platz rief, welcher bei einer weiteren Rettungsaktion ebenfalls das Zeitliche segnete. Nicht, ohne drei weitere Erwachsene mit ins Nirvana zu reissen, welche bei der versuchten Rettung des Cousins den Weg alles irdischen gingen.
Ich vermute der Brunnen, seine Tiefe war mit fünf Metern angegeben, war daraufhin voll, sonst wäre Phnom Penh heute wohl eine Geisterstadt.

So, nun aber Licht aus.

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