Ein Katzenklo zum Muttertag

So in etwa verkörpere ich den Typus Sohn, welchen man keiner Mutter wünscht, der eigenen schon gar nicht, wenn man so etwas wie eine Beziehung zu selbiger unterhält.

Aller Emanzipation zum Trotz ist das zweite Wochenende im Monat Mai, präzise gesagt der Sonntag, der Tag an welchem sich die Frau als solche gerne etwas den Allerwertesten nachtragen lässt. Als Dankeschön für die wunderbaren Jahre und der aufopfernden Hingabe der Frau Mutter für die Familie und insbesondere für die Kinderlein. Obwohl die Mutterrolle nicht mehr so klar definiert ist, da mit der zunehmenden Domestizierung des Mannes kurz nach dem Stillen, damit vergeudet die moderne Frau noch drei Wochen, der ehemalige Patriarch die ursprünglich weibliche Rolle übernimmt, damit die Dame die Frauenquote der Betriebe erfüllen kann.

Der beste Freund eines Jungen ist seine Mutter; dies wusste schon Norman Bates und der hat immerhin den vertrockneten Leichnam seiner Mutter jahrelang durch das Haus getragen, nachdem er ihr Strychnin verabreicht hat.

Heute überlegte ich mir kurz, ob ich Mutter besuchen sollte. Ihr meine Dankbarkeit ausdrücken. Doch da lag der Hund begraben. Die letzten 20 Jahre, soweit reicht meine Erinnerung, musste Mutter keinen Finger für mich krumm machen und jedwelche Gefälligkeit wurde von mir gefordert. Vom defekten Fernseher über Umzugsarbeiten bis hin zum Katzen füttern.

Ich mag Katzen. Sogar sehr. Letztendlich wuchs ich auch mit einer auf, der Ausdruck „eine Katze besitzen“ missfällt mir irgendwie. Es wäre doch irgendwie pervers, sich ein Lebewesen zu halten, ein eigenständiges Individum zu unterwerfen, nur um des Spasses willen und weil man es eben kann.
Verglichen mit den modernen Katzen hatte meine definitiv einen Schaden, wie man so hübsch sagt. Sie liess sich wohl füttern, auch knuddeln wenn ihr danach war, ansonsten war sie jedoch ein Freigeist und verbrachte ihr Leben weitgehendst draussen. Tag und Nacht, Sommer und Winter.
Wenn meine Mutter mich nun bittet ihre Katzen zu füttern, ist dies beileibe kein drei-Minuten-Job und bedarf der eingehenden Instruktion. Dabei stehe ich wie ein Vollidiot daneben, welcher bezüglich Tierhaltung die letzten zwanzig Jahre auf einem anderen Planeten verbracht haben muss.

Da stehen also zwei identische, blaue Futternäpfe, ich weiss nicht welcher für welche Katze ist, aber es ist anscheinend immens wichtig, dass jede aus ihrem eigenen frisst. Die Sache ist nämlich die, dass die eine mit einer Feucht-Mischung aus der Tüte für ganz „zarte und liebe“ Katzen verwöhnt wird, während die andere einen Fleischmatsch aus der Portionen-Konserve „für den kleinen Wildfang“ in die Schale geschüttet erhält. Des Morgens, wohlgemerkt. Abends nämlich ist ein nahezu identischer Beutel mit „für die sanfte Verdauung“ gedacht, während die andere eine „Schlaf-gut“ Mischung erhält. Versetzt mit homöopathischen Tropfen und dreiundzwanzig Schüsslersalzen. Was hatte ich schon Diskussionen, warum ein Placebo bei einem Tier nicht funktionieren kann, aber da stösst man auf taube Ohren und ich spreche nicht von der Katze.
Dazu ein Dessert in Stängelform, von welchem die eine 65% und die andere 32% erhalten soll. Der Einfachheit halber gebe ich jeder einen Stängel, so muss ich das eklige Zeug nicht anfassen und die Katzen wirken ob der Zusatzration auch nicht unglücklicher.

Nun ist also eine Kernaufgabe, dass man die Futterabgabe beaufsichtigt und die Katze zu dem ihr zugedachten Futternapf drängt. Leider mag der mit Placebos bedachte Wollknäuel seine Schüsslersalze so gar nicht und will lieber den Napf des kleinen Wildfang, während dieser einfach aus Prinzip den anderen Napf will. Bevor er seinen ausschlabbert, so clever ist er, denn diesen hat er quasi auf sicher, da er sich breitbeinig darüber stellt oder um sicher zu gehen, noch einen Fuss in der Fleischpampe platziert.
Immerhin soviel wilder Instinkt ist noch vorhanden. Selbstverständlich darf ich nachher die süssen Tatzen auf dem Boden aufwischen. Nach der Packungsbeschriftung sollten sie den Duft von Huhn und Rind verbreiten, ich fühle mich eher an den Stuhlgang bei einer richtig hässlichen Magendarmgrippe erinnert. Beim Befüllen der Futternäpfe muss ich stets den Würgreiz unterdrücken und ich bin beileibe nicht zart besaitet, kaufe ich doch mein Mittagessen bei Coop, da ist man sich einiges gewöhnt.
Noch spassiger ist das Auskratzen der Futterreste am Tag danach. Mit einem speziell für diesen Zweck abbestummenen Löffel, so hoffe ich doch, hebelt man diese feste Masse vom Boden des Napfes, mit wohldosiertem Krafteinsatz, dennoch in der ständigen Angst, die Pampe sich selbst ins Gesicht zu schleudern. Ein verdammter Drahtseilakt, kein Zwei-Komponenten-Kleber haftet so gut wie Whiskas „für die sanfteVerdauung des zarten, kleinen Wildfangs“ nach einem Tag im Plastiknapf.
Als nächster Schritt gilt es die Wassertöpfe zu füllen, welche in der ganzen Wohnung verteilt sind. Warum, fragt mich nicht. Ich weiss wohl, dass Katzen ihr Wasser nicht gerne neben dem Essen haben, aber weswegen eine Schüssel hinter dem Fernseher, eine im Kleiderschrank, auf dem Klo, neben dem Schuhregal… Offen gestanden, ich merkte mir nie alle Standorte und bin nicht sicher, ob ich regelmässig alle nachgefüllt habe. Spielt auch keine Rolle, letztendlich saufen Katzen doch onehin aus den Topfuntersetzern der Orchideen und Sukkulenten oder aus der Spühle.
Meiner Mutter liegt das Wohl ihrer Katzen sehr am Herzen, so denke ich, dass an jedem Ort der Behausung, an welchem die Katze durstig ausgesehen hat, eine Schale mit Wasser platziert wird. Analog zum Katzenklo.

Wenn man dasteht, bewehrt mit einer kleinen, blauen, mit Exkrementen verkrusteten Schaufel in der rechten und dem Frischhaltebeutel in der linken Hand, weiss man definitiv, Katzen haben keine Herren und Meister, Katzen haben Personal.
Während ich meine Katze wohl zu Lebzeiten, vierzehn Jahre wohlgemerkt, nie beim Verrichten ihres Geschäfts gesehen habe, sind meiner Mutter Fellknäuel Heimscheisser wie es im Buche steht. Dank Chip im Genick und einer Klappe im Fenster können sie ein- und ausgehen wie es ihnen beliebt und es beliebt ihnen sehr, dem Whiskas „für die zarte Verdauung“ in einer der zwei oder drei heimischen Kisten Tribut zu zollen.
Die Katzen sind eher antiautoritär erzogen worden, so dürfen sie auf der Küchentheke spazieren, im Kleiderschrank schlafen und wenn sie in eine beliebige Ecke des Hauses gekackt haben, wird dort eben eine dieser unmöglichen Scheissboxen installiert. Befüllt mit „Ohne Geruch, speziell für empfindliche Katzenbabys-Näschen“-Sand, gedeckt mit einer Haube und dem speziellen „Binford Geruchsneutralisator auf ionischer Katodenbasis“ bestückt.
Nicht nur, dass ich den Katzen mit ihren langen Haaren grundsätzlich nur eine bedingte Wildnistauglichkeit bescheinige, scheinen sie mit Vorliebe auch ihre Exkremente in den Arschhaaren verkrustet mit sich zu tragen. Nein, sie sind nicht verwahrlost, meine Mutter kümmert sich hingebungsvoll. Aber ich wehre mich bisher erfolgreich dagegen, die Katze in den Schwitzkasten zu nehmen und die gesammelten Fremdkörper jeglicher Art sowie verknotete Haare vom Körper zu schneiden.
Bei allem Respekt, ich gestehe den Tieren ihre Würde zu, im Reich der wilden Tiere läuft letztendlich auch kein Trottel mit einer Schere durch die Gegend und reinigt die Viecher.im-reich-der-wilden-tiere

Wenn die Katzen von Natur aus solch lange Haare erhalten haben, wird besagte Natur auch ein Homo-Sapiens-unabhängiges Reinigungssystem des Fells einkalkuliert haben. Wenn Mutter jedoch irgendwelche perverse Haustierzüchtungen unterstützt, hätte ich ein ernstes Wort mit ihr zu sprechen.

Ob dies nun wirklich am Verdauungs-Whiskas oder an homöopathischen Globo-Kügelchen liegt, jedenfalls ich bin jedesmal erstaunt, was zwei Katzen an Exkrementen in dieser Plastikbox deponieren können. Wohl habe ich kein empfindliches Katzenbaby-Näschen, aber der Sand versagt auf der ganzen Linie und auch der ionisierende Atomfilter quittiert den Dienst. Einen Frischehaltebeutel voller Scheisse mit zwei Fingern haltend weit von mir streckend und abgewendetem Kopf renne ich zum Abfalleimer.

Ich hoffe, wo immer mein Kater auch ist, er beobachtet mich bei dieser entwürdigenden Tätigkeit und hat seine kräftige Schnauze zu einem höhnischen Grinsen verzogen. Ich habe es wahrlich verdient, zu selbstverständlich habe ich unser unkompliziertes Zusammenleben genommen.

Den Muttertag lasse ich sausen, aber vielleicht habe ich gerade das perfekte Geschenk gegoogelt.

Die Litter Spinner KatzentoilettekatzenkloPro Katze und Tag ist die Trommel einmal im Tag im Uhrzeigersinn zu drehen. Wichtig, nachdem die Katze das Klo verlassen hat. Die Hinterlassenschaft wird dann in einen speziellen Behälter befördert, welcher ganz einfach zu reinigen ist. Da das Prinzip vielleicht nicht ganz so vollendet ist, erhält man einen „Clump-Stick“ mit welchem hartnäckig und besonders klebende Klümpchen von der Innenseite der Trommel zu kratzen wären. Igitt. Irgendwie kein revolutionärer Fortschritt.
Für die gründliche Reinigung ist die Trommel komplett zu leeren, zu zerlegen, nass zu reinigen, ordentlich zu trocknen und wieder zusammen zu bauen.
Klingt aufwändig.

Katzen und Kisten ist ja eine Sache für sich, das weiss jeder, welcher schon einmal zum Tierarzt musste. Um die Katze an das neue Klo zu gewöhnen, soll man nun etwas Streu aus dem alten Klo entnehmen und in das Neue legen. Je nach Haustier hilft es vielleicht eher die Türe des Kleiderschranks, ein Streifen der Bettwäsche oder ein Flicken des Spannteppichs zu verwenden, nicht jede Katze bevorzugt die Kiste um ihr Geschäft zu verrichten.
Zusätzlich zu erwerben wäre, kein Scheiss, ein kleiner Katzenklo-Vorleger, damit die Katze ihre Pfoten sauber halten kann. Vor meinem geistigen Auge sehe ich den Fellknäuel schon mit einem geschickten Sprung darüber hinweg setzen und kleine, lecker riechende Tatzen in der Wohnung verteilen.

Ein abschliessender Tipp: Anscheinend gibt es Katzen, welche sich gerne mit den Vorderpfoten vor dem Klo erleichtern. Sachen gibt es. Da für diese Kackstellung der Einstieg etwas hoch ist, sollte man mit Büchern eine kleine Leiter bauen. Bücher nicht im Lieferumfang enthalten! Auch für Katzen mit Gelenkproblemen und Kitten. Ich gestehe, Kitten musste ich googeln, das sind die Katzenbabys von domestizierten Katzen.

Wenn man bedenkt, dass die Katze einst als pflegeleichtes und selbständiges Haustier galt, ist es heute schon mit ordentlich Aufwand verbunden. Wie gut, dass man einen Sohn in die Welt gesetzt hat, um diese Aufgabe zu übertragen.

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Schaffhausen spürt den Frühling

Was sehen sie?
Zwei kopulierende Kühe.

rorschachtestNein, ich war nicht beim Psychologen, obwohl ich zu gerne einmal den Rorschach-Test absolvieren würde.
Wobei die ‚Arbeit‘ mit Psychologen und ihren Bilder oder Farben ein ganz heisses Eisen ist. An dieser Stelle darf ich aus dem Repertoire des ganz grossen Meisters zitieren.

Dr. K: „… Und Herr Blöhmann, Ihre Lieblingsfarbe?“
Hr. Blöhmann: „Grau … aber nicht so grau … mehr grüngrau … ins Bräunliche. Eine Art Braungrau … mit Grün … ein Braungrüngrau …“
Dr. K: (notiert) „Braungrüngrau …“
Hr. Blöhmann: „Es schadet auch nichts, wenn es ein bißchen ins Bläuliche hinüberspielt, Hauptsache, es ist grau …“
Dr. K: (notierend) „Danke…“
Hr. Blöhmann: „… Braungrau …“
Dr. K: „Vielen Dank, Herr Blöhmann …“
Hr. Blöhmann: „Etwas Rot könnte auch anklingen …“
Dr. K: „Das genügt, Herr Blöhmann!“
Hr. Blöhmann: „Ein Braunrot … im ganzen Grau …“
Dr. K: „Jaja …“
Hr. Blöhmann: „Also ein grünlich-blaues … Rot-braun-Grau“
Dr. K: “ Es kommt nicht so genau darauf an, Herr Blöhmann …“
Hr. Blöhmann: „Doch doch, Sie sehen nachher in so einer Tabelle nach, und da steht dann bei >>Grau<<: Herr Blöhmann schlägt seine Gattin oder etwas ähnliches …
Dr. K: „Herr Blöhmann, ich versichere Ihnen …“
Hr. Blöhmann: „Nein nein, ich kenne diese modernen psychologischen Tricks …“

Beim Rorschachertest werden einem also die zehn Tafeln in einer definierten Reihenfolge hingehalten, es wird notiert wie oft ich selbige drehe bis ich meine kopulierenden Kühe sehe, wie schnell ich diese kopulierenden Kühe sehe, ob ich die kopulierenden Kühe klar erkenne oder es vielleicht doch ein Buchenblatt in einer leichten Herbstbrise während der Blüte der Erdbeeren sein könne und ob meine Antwort in die Spalte vulgär falle.
Alleine schon, dass diese ganze Geschichte auf Freud’s Erkenntnissen aus dem Unbewussten basiert, kann das Ergebnis eigentlich nur auf eine sexuelle Frustration jeglicher Art und Weise hindeuten.
Darauf gestossen bin ich, als ich das Interview von Paartherapeut Jürg Willi in der NZZ gelesen habe. Dieser machte die sensationelle Entdeckung, dass Männer in Begleitung ihrer Partnerin beim Rorschachtest andere Bilder sehen, als wenn sie alleine sind. Er sprach von einem Schlüsselerlebnis.rorschachtest-froschSelbstverständlich sähe ich den Frosch, wenn die Partnerin neben mir sitzen würde.
Ich stecke nicht in einer Beziehungskrise, auf den Herrn Willi bin ich gestossen, weil
Frau lic.phil. Barbara Bickel in Schaffhausen „Systematische Paartherapie“ nach Herrn Willi anbietet.

Und auf Frau Bickel bin ich gestossen, weil die Schaffhauser-Nachrichten über den ersten Single-Event im Güterhof in Schaffhausen berichteten.

An sich habe ich im Güterhof stets das Gefühl, dass alle mehr oder minder etwas läufig sind. Selbstverständlich suggeriert der Schaum im Mundwinkel des Latinos lediglich die Bereitschaft zur körperlichen Vereinigung, was noch nicht heisst, dass er Single ist und auch bei der korpulenten Dame hinter dem gespritzten Weissen weiss man nie, was man sich unter die Federdecke holt und die Gefahr, dass ein biologisches Wunder geschieht und man in 5 Monaten Alimente abdrückt scheint mir omnipräsent.
Was uns der Herr Biner vom RAV vormachte, führt die Frau Prager nun weiter, die Menschen müssen etikettiert werden. So werden die einsamen Herzen am Handgelenk mit bunten Bändern beringt – da sind die behinderten Farbenblinden bereits einmal im Hintertreffen, aber wer will denn schon defektes Erbgut – und man unterscheidet zwischen „Triff mich“, „Triff mich nicht“ und das geheimnisvolle „Triff mich heimlich“. Gerade letzters mag auf den ersten Gedanken anrüchig sein, aber wenn ich es mir recht überlege, da scharwänzelt einen Abend lang die hübsche Ex-Vize-Miss-Schweiz als Kuppelmama durch den Raum, der Herr Normalbürger mit den grossen Erwartungen ist mittlerweile geladen wie eine Strandhaubitze, aber ausser dem Gammelfleisch aus zweiter Hand mit gespritztem Weissen ist nichts mehr an der Theke; Vielleicht ist da um des Rufes wegen ein „Triff mich heimlich“ nicht das Schlechteste.

Denn gerade in Schaffhausen, so die lic.phil. Barbara Bickel, ist es in Schaffhausen für Singles sehr einfach den Seelenpartner zu finden, da die Stadt klein und weniger anonym ist.
Gewiss, ich verstehe nichts von der Materie, aber dass man aufgrund einer eingeschränkten Auswahl grössere Chancen hat, das Richtige zu finden erscheint mir als Novum. Zudem scheint mir die stärkere Vernetzung und das allenthalbe über den Weg laufen doch eher hinderlich, da kaum eine Verflossene, Versetzte oder Betrogene für ihren abtrünnigen Deckhengst die Werbetrommel rührt.
Frau Prager, welche ich übrigens sehr schätze, das möchte ich festgehalten wissen, hat die Singelparty mit einem professionellen Anbieter auf die Beine gestellt.
So erfahren die rolligen Besucher jede denkbare Hilfestellung, in etwa die Ex-Vize-Schönheitskönigin welche mit wertvollen Tipps wie „Ihr könnt euch wild austoben, Fragen stellen, schwatzen und euch kennenlernen“ aufwartet oder, mein persönlicher Favorit, die Pinnwand mit Anmachsprüchen zum mitnehmen und ablesen.

„Suche einen Herren mit dunklen Haaren und frag ihn, wieso seine letzte Beziehung gescheitert ist“

„Frag jemanden nach der Farbe seiner Unterwäsche“

„Suche eine Dame mit blonden Haaren und erzähl ihr einen Blondinenwitz 🙂 Einen netten 🙂 „

Einfach Hammer, also wenn man so das Objekt der Begierde nicht rumkriegt, kann man gleich in den Wald gehen und Bäume umarmen.
Es stellt sich jetzt die Frage, wer eher ein Experte für Singlefragen ist. Die Frau lic.phil. Paartherapeutin welche demzufolge die Welt der Alleinstehenden nicht kennt, oder der Single, welcher diese Welt ganz gut kennt aber anscheinend dennoch keine Beziehung auf die Reihe kriegt, was an der Effizienz seiner Vorgehensweise zweifeln lässt.
Definitiv ausser Frage steht, dass ein professioneller Anbieter, welcher solche Anmachsprüche kreiert ein gerissener Hund ist und aus Walter’s Weisheiten bei RTL 2 Kapital schlägt.walthers-surpriseDie Schaffhauser Nachrichten wartet mit Bildern auf, welche ich an dieser Stelle nicht einfügen möchte, es ist mir nicht an einem Rechtsstreit gelegen.
Es wird die gängige Ausgangsposse dargestellt. Die Jünglein mit Migrationshintergrund beim kuscheln, was mitunter ein Grund ist, warum ich keine Kollegen mit Migrationshintergrund habe. Also genau genommen habe ich auch keine ohne Migrationshintergrund, aber die Frau Bickel führt auch aus, dass die Geschlechterrollen weniger klar seien als früher. Eine Umschreibung für verbreitete latente Homosexualität oder sind die Androgynen wieder auf dem Vormarsch? Sinngemäss führt sie weiter aus, der Mann wurde soweit domestiziert, dass er nicht mehr weiss, wieviel Mann er sein darf und die Frau wisse nicht mehr, was sie von einem Mann erwarten dürfe.
Na dies nenne ich mal ins eigene Knie geschossen, aber mit Anlauf, meine lieben Emanzen da draussen.
Aber ich verstehe die Frauen schon; mit der unkontrollierten Einfuhr von temperamentvollen Süd- und Ostländern, welche sich während der verbalen Kommunikation unter Geschlechtsgenossen stets berühren, streicheln, in den Armen liegen und zur Begrüssung Küsse aufdrücken, dann aber dennoch wieder den coolen Macho mit Brustflaum und Goldkette markieren wollen; Es ist verwirrend.

Auf einem weiteren Foto finden wir die Rita G, nein das ist zu offensichtlich, nennen wir sie R. Gnädinger, welche mit ihrer Kollegin „zum Plausch“ da wäre und schon „eine Eroberung“ gemacht hätte. Mit flottem Kurzhaarschnitt, ein lasziver Gesichtsausdruck und diese Haltung ‚Ich brauche keinen Mann um glücklich zu sein‘, was natürlich ihre Rolle an einer Singleparty etwas in Frage stellt, Plausch hin oder her.
Ein Bild von einer Frau, im Winter gibt sie warm und im kommenden Sommer kann man in den Schatten sitzen; Ja ich bin sehr oberflächlich, aber solange Damen keinen Beipackzettel um den Hals hängen, kann man an sich nur oberflächlich sein.

Robert Langdon sagte „Google ist kein Synonym für recherchieren“ und ich möchte mich künftig auch nicht auf die SN als äusserst dürftige Informationsquelle verlassen, es führt kein Weg daran vorbei, dass der Chefredaktor am 25. April selbst an die Single-Party muss.

Anmeldungen für allfällige Begleiter/innen nehme ich gerne entgegen, denn ihr wisst ja, den Singles droht von meiner Seite für gewöhnlich keine Gefahr.

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Eine rundherum tolle Stadt

Duftschwaden ziehen durch die Gassen, geschwängert von Weihrauch und Vanille. Bunte Häuser, nicht höher als drei Stockwerke, fantasievolle Fassaden fangen den Blick und überladene Marktstände dominieren den Gehweg.
Lederkorsett und Peitsche im düsteren Laden, Tür an Tür bietet eine grauhaarige Oma ihre Cupcakes feil, du verfängst dich im wehenden Union Jack des Souvenirshops und strauchelst in einen Converse-Laden.
Symphonic-Metal-Klänge zur Linken heben in mystische Sphären, während zur rechten die wummernden, elektronischen Bässe den Besucher wieder erden.

Jupp, wir streifen durch den Camden Market.
Wird wohl nicht meine bevorzugte Einkaufsgegend werden, aber ein Erlebnis allemal, eine gute Wahl von Kusinchen, diesen ebenfalls in das Sightseeing aufzunehmen.
Kleine Hütten grenzen an Container, jener ganz in rosa gehalten und in diesem glimmt nur eine schummrige Glühbirne und wirft düstere Schatten auf Kruzifixe und Voodoo-Artefakte. Jeder Meter ein neuer Stilbruch, der Batman-Hoodie hängt neben dem Kätzchen-Pullover, hier ist ein geschwärzter Schädel zu erwerben, nebenan ein bunter Dauerlutscher.

Zwischen den Regalen ein Schrumpfkopf. Nur etwas gross geraten. Und lebendig.
Markante Wangenknochen, tief liegende Augen, die Tätowierungen betonen das knöcherne Anntlitz, man wähnt sich in Angesicht mit Gevatter Tod. Daumendicke Ohrlöcher, gleich mehrere pro Ohrläppchen, Metall im Gesicht, dass sich Robocop beschämt von dannen geschlichen hätte, den Kopf kahl, bis auf ein Haarbüschel, gebündelt bis zum Gurt reichend, jeder Skalpjäger hätte sich die Finger geleckt.
Mit klauenartigen Fingern nahm er Kusinchens Einkäufe entgegen, den schmalen Lippen entfloh nicht etwa ein Zischen oder eine gespaltene Zunge, im Kontrast zur Erscheinung und jede oberflächliche Schubladisierung verurteilend erklingt eine beinahe melodiöse, angenehme Stimme. Nun würde ich gerne sagen, wie eine Spinne ihre Beute, hätte er die Kerzenständer eingewickelt, aber ich würde ihm Unrecht tun.
Fünf Minuten lang hörte man nur die Kleberrolle. Ich musste mir das Grinsen verkneifen, wann immer man dachte, jetzt sei es genug, fischte er eine neue Plopp-Folie aus einem unerschöpflichen Karton und wickelte weiter. Wir sprechen hier von einem Kerzenständer, unwesentlich grösser als diese kleinen, weissen Rechaudkerzen, letztendlich wurde ein Bündel von den Dimensionen eines Basketballs über die Theke zurückgereicht.

Dürre Männchen in neonfarbenen, grellen T-Shirt und Girls in silbernen Röcken und Platteau-Overknee’s bewegen sich spastisch im Strobolicht auf Metallböden, die Augen und Zähne im Schwarzlicht gespenstisch leuchtend. Laser durchschneiden die Dunkelheit, Von Borgs assimilierte Schaufenstermannequins starren aus ihren rotglühenden Augen von der Decke auf einem nieder. Ob Eiswürfelform in Patronenform, Spielwaren von einem anderen Planeten oder einfach nur ein Latexkostüm für den Fetischisten im Büroalltag, im Cyberdog kriegt man so ziemlich alles, was sich der Technofreak auf seinem Trip so ausdenken kann.

Der Streifzug durch die nebenliegenden Hallen befördert einem wieder hundert Jahre zurück, verstaubte Bücher in alten Reisekoffern neben Blechspielzeug und Photografien von längst verstorbenen Generationen. Mit etwas Phantasie findet man sich auf einem Dachstock, erkennt Schatten auf den Lichtbildern, ein Clown auf dem Dreirad beginnt ohne ersichtlichen Grund seinen Runden zu drehen und die Seiten eines Buches in brüchigem Ledereinband wirbeln durcheinander. Was immer an Horrorrequisite benötigt würde, in den Pferdehallen am Camden-Market würde man fündig.

Die Cupcakes der Oma – ja ich gebe zu, ich habe Cupcakes genossen, aber in männlicher Schokolade, wohlgemerkt – waren sehr lecker, aber doch eher von übersichtlichen Dimensionen, nun musste noch was salziges her.
Man konnte kaum einen Essenstand passieren, ohne dass einem ein befliessener Asiate mit einer Gabel im Gesicht rumstocherte, einem mit Pouletstückchen bewarf, oder lauthals schreiend seine Ware anpries.
Das Gestochere in den Nudeln machte mich so gar nicht an, zumal die Hygienevorschriften wohl bestenfalls einer Empfehlung gleich kamen. Sie trugen allesamt blaue Latexhandschuhe, da kann man nichts sagen, hätten sie diese nur zwischenzeitlich mal gewechselt. Einkassieren, Nudeln wenden, Lager aufräumen, am Allerwertesten kratzen, alles mit denselben Handschuhen. Da Häuschen an Häuschen grenzte, hatten diese Stände wohl keine richtige Eingangstüre, dafür unter der Theke zur Rechten eine Art Hundeklappe. Durch diese wuselten die Verkäufer auf allen vieren, mit blauen Latexhandschuhen, wann immer sie ihre Behausung verlassen mussten. Und sie mussten sie oft verlassen, da der Andrang immens war und die Gäste auf die Sitzplätze verwiesen wurden, das Essen würde nachgeliefert.
Da waren aber nicht etwa kleine Tische und Stühle. Motorroller, alte Vespas, wurden in Reih und Glied gegen die Wand gefahren und endgültig parkiert. Der Vorderteil und Lenker wich zu Gunsten einer Tischplatte und auf dem Sattel sitzend nahm man sein Mahl ein. Also indirekt sitzend, denn zwischen Hosenboden und Sattel fanden sich zwangsläufig Hinterlassenschaften jeglicher Art vom Vorgänger, wie man auch seine Styroporbox mit Speisen auf die Kleckerflecken desselbigen stellt.
Klingt jetzt etwas eklig, aber die ganze Lokalität hatte durchwegs einen gewissen Charme.

Im Gegensatz zu Hot-Dog und Fries, welche nur eklig waren.
Nach langem Kampf gegen Pouletstückchen, Nudeln und anderen Köstlichkeiten entschied ich mich für besagtes Mahl, es gedeichte mich noch hygienisch am unbedenklichsten.
Nach zehn Minuten erfolglosem Warten an einem Stand, zogen wir um die Ecke zum nächsten, an welchem die Bedienung immerhin so tüchtig war, dass sie einmal mein Geld einzog. Wieder zehn Minuten warten.
Ein zögerliches Winken wurde mit einer erneuten Nachfrage nach dem Essen erwidert und wir erhielten zumindest einmal das Getränk.
Abermals zehn Minuten, wie ein Wiesel flitzte der kleine Mann hinter der Theke herum und fischte aus einer dunklen Ecke zwei tiefgefrorene Würste. Wir waren wohl die Ersten und Einzigen welche an diesem Tag, oder überhaupt, Hot-Dogs bestellten. Die gefrorenen Würste wurden in die Friteuse geworfen.
Mit seinen blauen Latexhandschuhen.

Nach fünf Minuten wies er uns an Platz zu nehmen, er würde die Speisen liefern.
Immer ein ungutes Gefühl, da denke ich mir, was soll der sich den Stress machen, unter der Theke durchzukrabbeln und uns mit den Hot-Dogs nachrennen, die Moneten hat er ja.
Mein Verdacht schien bestätigt. Nach zehn Minuten lief ich wieder zum Stand, mit der Angabe noch zwei Minuten wurde ich wieder auf die Vespa gesetzt. Nach fünf Minuten stand ich wieder bei der Friteuse, die ominösen Würste schwammen nun zumindest auf dem Fettfilm einer Herdplatte. Noch fünf Minuten.
Hang on, it was two minutes five minutes ago!
Kein Scherz!

Irgendwas muss schief gelaufen sein, nach weitern fünf Minuten, ich war soweit das Geld zurück zu fordern, erhielt ich tatsächlich zwei Schachteln mit Hot-Dog’s und Fritten.
Himmel war das eklig.
Die Wurst triefte das Labber-Brot so durch, dass die Styropor-Box beinahe transparent wurde, die ungesalzenen Fries flatterten so traurig in der Brise, dass man versucht war nach einem Löffel zu fragen.

Nach der Hälfte der Köstlichkeit klappten wir nahezu synchron die Box zu, ich hatte ein säuerliches Aufstossen und mein Magen rumorte sehr bedenklich.
Ironie des Schicksals, dass wir beim folgenden Verdauungsspaziergang zwanzig Schritte später einen Innenhof passierten, in welchem die leckersten Pies, Fish & Chips und Pizzen gereicht wurden.
Es war mir unmöglich noch ein Stück zu essen, meine grösste Sorge lag darin, dass diese ganze Pampe nicht den Verdauungstrakt passierte, bevor ich in der sicheren Umgebung der Hoteltoilette war.

Die Zeit reichte dann doch noch, einen Supermarkt zu besuchen. Frisches Obst, oh Ambrosia. Noch selten war ein Apfel so lecker. Und da der Markt bedient war, schaffte ich es gar, damit den Laden zu verlassen.
Am Abend zuvor waren wir zu Gast in einem unbedienten 24 Stunden Markt. Wohl flanierte soviel Überwachungspersonal, dass gut drei Kassen hätten besetzt werden können, aber da schien wohl schon eine Logik dahinter zu stecken.
Man scannte seine Artikel selber und bezahlte am Automaten. Wenn der Strichcode dann lesbar war. Zudem waren die Artikel nach dem Scannen auf eine definierte Plattform zu legen, um im Ablauf fortzufahren. Erklärte mir so niemand und die Tüte M&Ms war schon ganz durchgescheuert, als ich frustriert eine Flasche Wasser in die Ecke warf und per Zufall das Prinzip durchschaute. Als ich endlich fertig war, kam ein Angestellter des Weges und erklärte, dass die zwei San Pellegrino nur im Sechserpack erhältlich waren, was die ganze Buchung wieder durcheinander brachte.
Mit einer Tüte M&Ms stand ich schliesslich irgendwie unbefriedigt vor dem Laden, da mich der Durst hinein getrieben hatte und die M&Ms einfach günstig bei der Quengelware platziert waren. Und die Taschen voll Münzen.
Britische Pfund liegen schwer in der Tasche und irgendwie sieht keine Münze wie die andere aus. Vor der Unübersichtlichkeit in der Geldbörse kapitulierend, machten wir den Strassenmusikern grosszügige Geschenke. Haben sie auch verdient. Während hier vor dem Postamt ein Bettler die Mitleidskarte spielt und sich dabei mit der Ziehharmonika begleitet oder ein tibetischer Bauer in die Panflöte spuckt, schmettert der Musiker an der Gloucester-Street auf seiner elektrischen Gitarre Stairway to heaven und Billie Jean. Ganz allgemein ist Michael Jackson allgegenwärtig.

Nicht nur bei Madam Tussaud.
Der Andrang bei wächsernen Statuen war enorm, ich gestehe, mich dem touristischen Gebaren unterworfen zu haben und mit dem einen oder anderen Star posiert zu haben.

capt-americaMadame Tussaud ist alles andere als ein Museum, mit Pop-Corn und Dauerlutscher flaniert man durch die Oscar-Verleihung, nimmt in einem Mini-London-Cab Platz und fährt durch die liebevoll animierte Geschichte der Grossstadt oder begibt sich in das Horrorkabinett.
Es ist eine Sache, im sicheren Wagen zu sitzen und durch die Geisterbahn befördert zu werden, viel mulmiger wird es einem, wenn man auf Schusters Rappen durch die düsteren Kerker streifen muss. Da springt nicht mit elektrischem Surren ein peinlich animiertes Skelett von der Decke, nein, menschliche Akteure gleiten aus dunklen Ecken, pusten einem in den Nacken oder packen einem an der Schulter. Ich hielt mich für unglaublich klug, der letzte in einer Gruppe zu sein; Da sieht man beim vorgehenden Opfer schon, was einem erwartet. Mitnichten, als letzter ist man ein herausragender, unfreiwilliger Statist und nachdem der Zombie zufrieden und lautstark der Menge verkündet „You screamed like a girl“ hatten die Akteure vollends den Narren an meiner Wenigkeit gefressen.
Tja, cool neben Captain America zu posieren ist eine Sache, im Kerker durch Nebelschwaden, Spinnfäden und Rüttelböden zu flanieren eine andere.
Selbstverständlich endete die Tour im Souvenirshop und selbstverständlich verliess ich selbigen mit einer Tüte.

Mit den Tüten ist es so eine Sache.
Als ich im M&Ms-World mit meiner selbst kreierten Mischung bunter Glücklichmacher und einem M&Ms-Bären am der Kasse stand, kam die obligate Frage, ob man sonst noch etwas möchte. An der Kasse warten ständig ‚kauf eines, erhalte zwei‘ Aktionen auf den Kunden im Kaufrausch.
Wie will man im Land der Schokolade auch anders, als im Kaufrausch enden. Ein tanzendes Bonbon reicht einem am Eingang ein sechzig-Liter Einkaufsnetz, der Duft von Erdnüssen und Schokolade liegt in der Luft und über vier Etagen kann man sich jeden Kindertraum erfüllen.mmsMan erhält eine transparente Tüte und darf ekstatisch von Röhre zu Röhre springen und selbige mit den bunten Perlen füllen. Selbstverständlich hat man keine Ahnung, was der Spass kostet, die Waage steht zwei Etagen höher an der Kasse und ich kann mir schlecht vorstellen, dass man etwas zurückgeben kann. Aber wer will das schon.
Ob ich eine Tragetasche möchte, fragt die freundliche Dame hinter der Kasse, respektive, dies waren die paar Fetzen, welche ich aus dem hastig gesprochenen Satz mit fiesem walisischen Dialekt oder so verstanden habe, ich bitte darum, entgegnete ich. Zu meinem Jahresvorrat an Süssigkeiten und dem Bären wurde prompt noch eine Decke gepackt und bevor ich intervenieren konnte, war das gute Stück schon getippt und mit dem unschuldigsten Lächeln der Welt wurde der Endpreis im feinsten Cambridge-englisch über die Theke gesäuselt. Mein sprachliches Handicap schamlos ausgenutzt.
Dies sind Dinge, welche man versehentlich einkauft.

Wenn jedoch zwei Schweizer nach dem Mahl Jamie Olivers Tischdeko kaufen, ist dies voll geplant. Weil Jamie Olivers Tischdeko einfach cool ist und nach einem Brownie mit heisser Schokolade, einer Kugel Amaretto und caramellisierten Popcorn als Dekoration die Geldbörse einfach locker sitzt.

jamies-italien
Ich gehe nicht davon aus, dass im Jamie’s Italian der Meister selbst am Herd stand, aber sein Olivenöl hat er in der Küche gelassen und die Speisen baden darin.
Abgesehen davon, dass jegliche Wahl von der Karte stets mit einem lovely kommentiert wurde – man ist der eine Gast, welcher ganz genau weiss was lecker ist – speist man wirklich exzellent.
Während dieser Besuch eher spontan war, dinnierten wir in Jamies Barbecoa, mit traumhaften Ausblick uf die beleuchtete St. Pauls-Cathedrale, geplant und nach Reservation. Dem Dresscode entsprechend warfen wir uns gar in feinen Zwirn, feststellend, dass die Atmosphäre doch eher ungezwungen war, beinahe zu lässig, begann der Tischnachbar doch mit seinen Anekdoten in schreiender Weise das ganze Lokal zu unterhalten. Spricht für das Lokal, dass er trotz Armani und Schlips nach unserem missbilligenden Blicken vom Chef de Service angehalten wurde, seinen Schnabel zu halten.
Selbsverständlich war unsere Wahl lovely und anstelle einem erneuten Kauf der Tischdeko, hielten wir uns für dieses mal an Drinks und Desserts.

jamies-barbecoa Weil Jamie Oliver einfach so unglaublich lecker ist und man den Covent-Garden einfach gesehen haben muss, begaben wir uns Tags darauf in seinen Imbiss in selbigem und gönnten uns Fish & Chips.jamies-union-jackSelbstverständlich bietet die britische Küche noch mehr. Mit der Angst im Nacken, man saue sein Beinkleid ein, aus einer Pappschachtel einen in fettiger Sauce schwimmenden Chicken-Bacon-Kuchen zu essen ist ebenfalls nicht zu verachten.

Nun, ich gedenke hier meinen Bericht zu beschliessen, dies wird sonst noch zu einer unendlichen Geschichte, artet in Arbeit aus und wer will dies schon lesen.
Selbstverständlich waren wir im Kensington Palace und erst nach der Entrichtung des Eintrittspreises wurde mir gewahr, dass der Duke und die Duchess of Cambrigde gerade auf Dienstreise sind.kate-2Aber im Kensington Palace auf dem Klo war nun auch nicht jeder.

kensingtonWohl auch nicht an der Baker-Street 221B, wobei ich mir heute noch im unklaren bin, ob ich hier nicht ein Ausstellungsobjekt entweiht habe.

baker-street-toiletEs ist schon eindrücklich, das Wohnhaus des grössten Detektivs der Welt zu besuchen. Ja, ich bin mir bewusst, dass alles nur erfunden ist, aber dennoch.

sherlock-holmesSelbstverständlich durchschritten wir auch einen vierzig Zentimeter dicken Türbogen aus Stahl mit samtverkleideten Tresortüren und bestaunten die Kronjuwelen im Tower. Also das Zepter und die Krone und so weiter.

Buckingham-Palace, Hyde-Park, St. James-Park, Downing-Street 10, respektive, was man nach den Terroranschlägen vom Amtssitz des Premiers noch besichtigen darf, wir haben wohl nicht alles besucht, was es zu bestaunen gäbe, aber mehr war in die Tage schlichtweg nicht reinzupacken, ohne den Charakter des Urlaubs als solchen zu vernachlässigen.
Ein grosses Kompliment an die Tourplanung meiner Kusine. Wohl bin ich mit der Tube nun recht fix, aber in der Stadt würde ich mich nach wie vor gnadenlos verlaufen und ohne die minutiöse, vorgängige Recherche hätten mich die Roaming-Gebühren für Google-Maps zu einem armen Mann gemacht.

Dies hat dann ein Taxifahrer erledigt.
Die unfreiwillige, neunzig-Minuten-Fahrt machte den Abschluss. Nachdem wegen Nebel der Flug ab London City nach Basel gecancelt wurde, hiess man uns ab Heathrow nach Zürich zu fliegen.
Morgens um halb 6 aus dem Hotel, abends um 18:30 war ich zuhause. Nun ja, Launen der Natur.
Die ersten Worte, sehen wir einmal von der Flieger-Crew ab, welche ich in heimischer Sprache, auf heimischem Boden vernahm, war ein im nervigsten Zürri-Dialekt gehässig vorgebrachtes; „Hier drüben ist dann die Schlange um anzustehen!“ am Geldwechsel-Schalter.
Ist es nicht schön wieder zuhause zu sein?
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Mind the gap – die feinen Unterschiede

Next station Gloucester Street. This is a picadilly line service.

Beinahe gesungen wird die Ansage in der Londoner U-Bahn, Tube ist die offizielle Bezeichnung, na wegen der Röhren eben, und es schwingt eine richtige Freude an der Arbeit mit. Ich werde nun nicht im ‚Mind the gap‘ T-Shirt durch die Lande gehen, solcherlei Sachen empfinde ich stets als etwas peinlich. Es ist ja nicht so, dass ein ‚Planet Hollywood Singapur‘ eine designerische Meisterleistung darstellt, dem Träger ist nur daran gelegen, der Welt zu verkünden, ich war da. So verhält es sich auch mit Ahorn-Blatt-Pullovern, I Love London-Hoodies und Top of Europe-Schirmmützen.
Aber ich bin bekennender Fan der Tube.tubeWährend mich in Schaffhausen die Strecke Herbstäcker – Neuhausen-Zentrum über den Waldfriedhof führt und spätestens ‚Im Freien‘ der Chauffeur mit Oberlippenbart und Halbglatze mich auffordert das Gefährt zu verlassen, fühlte ich mich in der U-Bahn sehr schnell sicher. Es gibt zwei Richtungen, man muss nur das richtige Gleis erwischen. In grossen Bahnhöfen braucht man nur den Farben zu folgen um die Linie zu wechseln. Gut, für Farbenblinde nicht die ideale Lösung, aber mit dieser Behinderung wird man fortlaufend diskriminiert, da will ich den Engländern keinen Strick daraus drehen. Die Bahnhöfe sind besser ausgeschildert als der Parcour für das Dreibeinrennen beim letzten Firmenpicknick, es ist auch für einen Touristen unmöglich sich zu verlaufen.

Ich las einmal, wenn ein Engländer die Chance sieht irgendwo anzustehen, nutzt er sie. Dies scheint nicht sehr aus der Luft zu griffen, aber es gibt ein Anstehen und Anstehen. In unseren Gefilden wird geschubst, geflucht, Kinder wuseln um die Beine, wischen ihre schmierigen Finger an meinem Beinkleid sauber und der Hintermann kippt einem die Eiskugel in den Kragen. Denkt man, man hätte seinen Platz, kennt der Özdul von hinten gewiss den Ivan drei Personen vor dir und prompt wird die Schlange erweitert. Da keiner den Özdul nach vorne lassen will, jedoch auch keiner einschreitet, bildet sich eine Pyramidenförmige Traube vor dem Punkt des Interessens.
Fährt der Zug in den Bahnhof werden die Aussteigenden auf der gegenüberliegenden Seite auf die Geleise gedrückt, da die Menschentraube in ihrer praktischen Keilform den Zug entert. Es werden Orangennetze geschwungen, Handtaschen wie Schilde vorgehalten und mit gezieltem Einsetzen der Regenschirmspitze sichert sich auch der Silberfuchs seinen Platz.
Die Nase in der Achselhöhle des Vordermannes, den schokoladeverschmierten Kindermund am Beinkleid, die Regenschirmspitze in der Kniekehle und Özdul räumt bequem und gründlich deine Tasche aus, weil es dir unmöglich ist, dich zu bewegen.

Die Engländer stehen artig in zweier- oder dreier-Reihen am Bahnsteig. Ein Plakat weist einem darauf hin, man möge sich auf den gesamten Bahnsteig verteilen. Nicht in der Befehlsform, sie sprechen eine Empfehlung aus, es diene lediglich der eigenen Bequemlichkeit. Der Zug fährt ein, in der Mitte der Pforte verlassen die Fahrgäste die Wagen, sind sie draussen, steigt man links und rechts ein. Kein Schubsen, kein Drängen und wenn der Zug voll ist, ist er eben voll. Wenn ich voll meine, dann hat jeder ohne Sitzgelegenheit genügend Platz zum bequemen Stehen, es ist kein Gruppenkuscheln. Die übrigen warten auf den nächsten Zug, welcher drei Minuten später einfährt.
Ich wähnte mich im Paradies.
Im Inneren des Zuges befinden sich wiederum Hinweise, ich möge keinen Abfall zurücklassen. Nicht es sei verboten, ich solle es nach Möglichkeit unterlassen, da Abfall die Türen blockiere und die Abfahrt verhindere, was letztendlich ja keiner möchte.
Ja, ich war angekommen.
Steht die Bahn dreissig Sekunden länger als geplant, wird man via Lautsprecher darauf hingewiesen, dass eine Signalleuchte die Abfahrt noch verzögert, es jedoch gleich weiter gehe. Steht ein Schweizer Zug fünfzehn Minuten über der Zeit noch im Bahnhof weiss man nicht, ob der Lokführer mit Durchfall auf dem Topf sitzt, Özdul die Gleise geklaut hat oder einer von der Brücke gesprungen ist.

Sassen wir in der Tube, flitzten einige Stationen weit, als ich die tolle Idee hatte, mir ein Getränk zu öffnen. Das englische Mineralwasser scheint mit ordentlich Druck versehen zu sein, mein dynamisches Öffnen des Schraubverschlusses führte dazu, dass die umliegenden Passagiere mit einer erfrischenden Dusche bedacht wurde. Der iPad-Nutzer gegenüber, die Dame mit dem e-book-Reader daneben, wie auch der Herr mit der sich nun zersetzenden Zeitung in den Fingern . Glücklicherweise kriegte ich den grössten Schwall ab, meine Umhängetasche troff vor Nässe und unfreiwillig eröffnete ich den Wet-Shirt-Contest.
Als Schweizer stellt man sich auf tadelndes Gebrummel und den Erhalt von nicht sehr schmeichelhaften Titel ein.
Ich gestehe, als ich wie ein begossener Pudel da sass, die halbvolle Flasche in den Fingern, war ich beinahe zu Tränen gerührt, als mir stillschweigend mit freundlichem Blick Nastücher gereicht wurden.
Gewiss habe auch ich im Umgang der Menschen mit den Menschen Nachholbedarf, aber solche Dinge nimmt man als Tourist mit, viel eindrücklicher als der schönste Berggipfel und der sauberste Hofplatz, lieber Schweizer Tourismus.

An der Gloucester Street verliessen wir die Picadilly Line. Auf der Rolltreppe wird rechts gestanden, links ziehen die Leute vorbei. Fit sind diese Engländer, muss ich gestehen. Ich würde mich nicht als sehr unsportlich bezeichnen, aber das ständige Treppensteigen geht ganz schön in die Beine und ich genoss die automatische Beförderung an das Tageslicht, während zur Linken die Einheimischen wie junge Rehe vorbei sprangen.

Die Tube verlassen, standen wir direkt einem Kentucky Fried Chicken gegenüber, links davon ein Burger King, dennoch widerstand ich der Versuchung und wir zogen unsere Koffer zum Hotel. Der Umsichtigkeit der Autolenker habe ich es zu verdanken, dass ich noch lebe.look-rightÜber dreissig Jahre Verkehrsschulung lassen sich nicht ausknipsen, man sieht nach links und läuft los. Touristen eben.
Entweder hat der Bodenleger gepfuscht, oder der Hotellier hat sich bewusst für den Flauschi-Teppich entschieden. Wie zwei Ackergäule zerrten wir unsere Koffer über die Flure, bei jedem Schritt einsinkend, bis hin zum Zimmer 414.
Nach fünf Minuten rütteln, schlagen, drücken und Kopf kratzen entschieden wir uns, nochmals die Reception zu bemühen. An sich wäre es nicht verkehrt, wenn ich an meiner englischen Verständigung gearbeitet hätte, aber ich war so bequem, dankbar den Fullservice meiner Begleiterin und Reiseleiterin in Anspruch zu nehmen und wartete mit baumelnden Beinen auf meinem Samsonite, während sie die richtige Zimmernummer abholte. Es fällt mir erst jetzt auf, dass ein Zimmer Nummer 13 in einem Hotel doch eher aussergewöhnlich ist…
Nichts desto trotz gab es nichts zu bemängeln. Swisscom-TV, ich war etwas überrascht, bescherte uns immerhin vier deutsche Sender auf dem 40″-Flat, das Bett war weich wie ein Wattebausch, was dem guten Schlaf erstaunlicherweise keinen Abbruch tat. Die Fenster waren nicht sehr winddicht und die Klimaanlage kannte nur die Stufen Antarktis und Sahara, aber aufgrund der Blutverwandschaft war die Schlaftemperatur, Antarktis, kein Diskussionsgrund.
Der Wasserdruck in der vierten Etage liess etwas zu wünschen übrig. Man konnte den Duschhahn öffnen, sich die Zähne putzen, entkleiden und hatte noch genug Zeit, in die Kabine zu steigen und den ersten Wassertropfen zu erwischen, bevor dieser den Boden der Wanne erreichte.
Der Ablauf des Lavabos war auch nicht dazu geeignet, grosse Wassermengen zu schlucken, was das Zimmermädchen am nächsten Morgen behob indem sie ihn quer in den Ablauf würgte und die Klobrille irritierte mich etwas, ob der rechteckigen, sehr langgezogenen Form. Zudem war die Schüssel so platziert, dass man zur Linken wohl an die Wand lehnen kann, dennoch während der ganzen Sitzung irgendwie verkrampft da sass und Zeitung lesen ein Ding der Unmöglichkeit war.
Das Gesamtpaket passte jedoch.

Am ersten Abend wurde ich zum Picadilly Circus geführt.picadillyFür ein Landei schon eindrücklich. Es war Sonntag Abend um elf Uhr, auf den Strassen herrschte Hochbetrieb und wann immer die Leuchtreklame wechselte, der ganze Platz taghell erleuchtet wurde, zuckte ich zuammen.
Mit etwas Glück erhielten wir einen Tisch im ‚Fridays‘ und ich kämpfte mich mit Messer und Gabel durch einen 120 Pfund-Burger. Eine Premiere, aber einen Burger von gut 15 Zentimeter Höhe mit den Händen zu essen hätte zwangsläufig in einer Schweinerei geendet. Der Grundpegel war dank des Bose-Soundsystem so laut, dass wir uns über den kleinen Tisch hinweg anschrien, ich versuchte gar nicht erst den Kellner zu verstehen, aber es war eine spassige Erfahrung.
Im Souvenirshop stellte ich fest, es wäre kein Problem am ersten Abend pleite zu gehen. Sobald die britische Flagge einen Artikel ziert oder einem die Duchess of Cambridge vom Cover anstrahlte, wurden gegenüber einem vergleichbaren Artikel 10 Pfund drauf gehauen. kateDer Souvenirshop war nicht etwa ein Kiosk an der Ecke, über zwei Stockwerke verteilte er sich, im Eingang stand ein Mini-Cooper welcher ob der Grösse der Lokalität schon wie ein Spielzeug wirkte und im Untergeschoss konnte man direkt in die U-Bahn steigen.cool-britanniaLondon hat ein Herz für Nerds, die Comic-Welt mit Batman und Co. ist omnipräsent, selbstredend, dass ich mich eindecken musste. Bei einem aufgerollten Poster aufgrund des sichtbaren Streifen von 2,5 Zentimeter auf das gesamte Bild zu schliessen ist eine grössere Herausforderung, daher hat der findige Geschäftsbetreiber die Stirnseite mit einer Nummer versehen und oberhalb der Auslage das identische Bild auf dieselbe Weise gekennzeichnet.
Nun, dieser Jude war noch etwas gewitzter als ich dachte; Ich würde meinen kleinen Finger verwetten, dass ich die Nummer wiederholt kontrollierte, dennoch bin ich nun im Besitz eines dummen Nirvana-Posters mit einem noch dümmeren Smiley, anstelle des düsteren Batman-Bildes. Die Gefahr, dass ein Tourist zurück fliegt und den Artikel reklamiert ist schon sehr gering.

Und es sollte nicht das letzte mal sein, dass ich den gewitzen Shopbetreibern auf den Leim ging…

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Der Koffer ist die Reise

An sich bin ich ja zu arm um billig zu kaufen, nichts desto trotz erstand ich vor gut zehn Jahren, oder so, ein Kofferset beim Wiederverkäufer mit dem friesischen Vornamen und gestreckten Zeigefinger. Für’n Appel und’n Ei, wohlgemerkt, dennoch kam nie wirklich Freude auf. Begonnen beim Schlüssel, welcher mir die Formel ‚Torsion = Kraft mal Länge des Hebels‘ unangenehm in Erinnerung rufte; Der plastische Bereich wurde übersprungen und so landeten wir direkt beim Bruch. Glücklicherweise konnte das Schloss als solches mit derselben physikalischen Formel ohne grosse Kraftanwendung, wie auch ohne notwendiges Schliesswerkzeug geöffnet werden. Selbstverständlich nicht ohne den Reissverschluss aus seiner dürftig befestigten Naht zu zerren, notabene, mit einem kleinen Ruck hätte der Koffer geöffnet werden können, ohne sich mit jedwelchen Schliessvorrichtungen weiter auseinander zu setzen.

Die Firma Manor stand meinem Dilemma mitfühlend zu Seite, nicht zuletzt dank der hauseigenen Kreditkarte, welche einem stets das Gefühl vermittelt man hätte kein Geld ausgegeben, was wohl durchaus im Sinne der Erfinder ist.
An sich war von vornherein klar, dass nur die Firma mit dem S zum Zuge kommt, fairerweise betrachtete ich dennoch das Angebot der hauseigenen Marken. Sehr preiswert, aber ich darf mir zumindest auf die Fahne schreiben, dass ich wohl jedes Produkt einmal billig kaufe um mich eines Besseren zu belehren, jedoch niemals den Fehler zweimal begehe. Der geneigte Leser schreit nun Moooment; Zu meiner Verteidigung, bei den Campingbehausungen ist zum einen das Angebot erschlagend, zudem kaufte ich jede Marke auch nur einmal. Wider besseren Wissens, gestehe ich zu.

Es stellte sich nur noch die Frage Hartschale, was unglaublich cool wäre, oder diese Weichkoffer. Ich bin sehr qualitätsversessen, aber den doppelten Preis für einen Hartschalenkoffer liess sich auf den ersten Blick nicht rechtfertigen. Nicht, dass dies relevant wäre, aber da würde ich schon Carbon-Schalen, Titan-Räder und Graphit-Griffe erwarten. Zudem müsste er sich automatisch öffnen und in irgendeiner Form zu einem coolen Roboter transformieren.
Nichts dergleichen, also den günstigen 0815-Weichkoffer mit ordentlichen Rollen, das habe ich aus „Up in the air“ gelernt, den Koffer muss man aus dem Handgelenk um die eigene Achse rotieren lassen können.

Leider sind die regionalen Verkehrsbetriebe eher auf Schubkarren und Körbe ausgelegt, bei der Fahrt in die Kantonshauptstadt neigte mein Koffer mit den ordentlichen Rollen dazu einem Pinball gleich durch den Bus zu kullern und ich entkam nur knapp dem Tod durch strangulieren, als ich ihm nachsetzte und sich mein umgehängter Kulturbeutel im Abfalleimer verfing.
Nicht nur, dass man im ländlichen Gebiet merkwürdig angesehen wird wenn man einen Koffer mit ordentlichen Rollen durch das Dorf zieht, man hat keine Chance, diesen im Bus irgendwie zu platzieren, so man es geschafft hat, ihn zwischen den Sitzreihen hindurch zu bugsieren. Letztenendes sitzt man in einer Croissante-Haltung zum Mittelgang gebeugt, jeder Physiotherapeut reibt sich die Hände, hält seinen Samsonite in der Durchgangspassage an Ort und Stelle und hebt ihn bei jeder einsteigenden Oma auf den Schoss.

Ein Billett der Schweizerischen Bundesbahnen zu erstehen ist schon eine Herausforderung, möchte man jedoch an einem Schweizer Bahnhof eine Fahrkarte für die Deutsche Bahn lösen werden einem erst recht Steine in den Weg gerollt. Die Bahn sollte nach Fahrplan in fünf Minuten den Bahnhof verlassen, auf die obligate Verspätung wollte ich nicht bauen. Selbstverständlich startete die Wandergruppe Silberfüchse zeitgleich zum Sonntagsspaziergang, Helmut löste die Gruppenkarte und fünfzehn Paar Mephisto-Schuhe sammelten sich vor dem Schalter um ihm Rückhalt zu geben.
Zwangsläufig widmete ich mich nochmals dem Automaten und siehe da, als ich den Krümel eines Schinkenbrotes wegwischte, entdeckte ich tatsächlich den Menüpunkt „Internationale Verbindungen“ und schaffte es, ein Ticket nach Basel zu lösen.

Die Verspätung der Deutschen Bahn reichte aus, dass ich eine Matrize fertigen und mein Ticket selber hätte drucken können.

Man muss die Angst vor Keimen und jedwelche Ekelgefühle ausschalten um die Fahrt zu überleben. Zu meiner Linken frass sich ein Alternativer im gestrickten Poncho gleich einem Mähdrescher durch sein Kleiebrot, dass die Krümel durch das gesamte Abteil wirbelten, während zu meiner Rechten im Sitz über der Durchgangspassage ein alter Sack schnarchte, dass die Bahncard-Werbung wackelte. Dabei troff ihm der Rotz aus der Nase, welchen er zu sechzig Prozent alle 85 Sekunden wieder hochzog, sein Rauschebart hinterliess uf dem Pullover einen Fettfilm, garniert mit Hautschuppen.
Ihm gegenüber eine alte Dame mit pfirsichroten Wangen, welche mich wie einen Ausserirdischen anstarrte und lasziv im Halbstundentakt ihr Make-Up auffrischte. E-Book-Reader sind eine feine Sache, aber die Möglichkeit, sich mit einer grossen Zeitung die Illusion einer Abschottung zu bauen ist nicht zu verachten und man vermisst sie schmerzlich.
Mich zu einem verkrampften Etwas zusammenkrümelnd hoffte ich, der Kontamination durch Körpersekrete, Schuppenflechte und Essensresten zu entgehen, möglichst flach atmend um mir nicht die Seuche zu holen und alle unbedeckten Körperteile nah bei mir zu halten um mit dem Inventar nicht in Berührung zu kommen.
Die Hitze verwandelte den Wagen in eine Masoalahalle, Triefnase zur Rechten begann zu riechen, ein würziges Eau-de-Schweiss, gewiss seit drei Tagen regelmässig erneuert, zog in Schwaden herüber.
Ein kleines Kind muss sich mit allerlei Körperexkrementen und Essensresten an der Scheibe in der Kunst der Finger-, Zungen- und Nasenmalerei versucht haben, dennoch schafften es einige Sonnenstrahlen auf dem Poncho des Hippies zu landen. Frei schwebende Tierhaare tanzten lustig im gelben Schein und er begann nach nassem Hund und dessen Ausscheidungen zu riechen.

Den Würgereiz nur noch knapp unterdrückend, mit roten, tränenden Augen und unheilschwangerem Jucken auf jedem Quadratzentimeter Haut hechtete ich in Basel auf den Bahnsteig, die Welt auf Knien begrüssend und die abgasgeschwängerte Luft in die Lunge pumpend, als hätte ich soeben einen Rekord im Apnoetauchen aufgestellt.
Mein Bedarf an öffentlichen Verkehrsmittel war mehr als gedeckt und ich leistete mir zum Flughafen ein Taxi. Nicht zuletzt, weil ich mit Bus- und Tramverbindungen hoffnungslos überfordert bin.

Ich pflege ein Minumum an physischem Kontakt zu Mitmenschen, daher könnte man meine Zollabfertigung beinahe als sexuellen Akt bezeichnen.
Meinen Kulturbeutel, Jacke, Gürtel und was man sonst noch so auf sich trägt in einer Plastikschale, schlurfte ich durch den Metalldetektor, die Hose krampfhaft auf Hüfthöhe festhaltend. Natürlich piepste es, das Biberli vom Kiosk musste schon ordentlich schwermetallhaltig gewesen sein, und ein zwei Meter grosser, schwarzer Riese winkte mich zur Seite. Auf französisch wurde ich angewiesen die Arme von mir zu strecken, mit einer merkwürdigen Beinstellung versuchend die Hose oben zu behalten kam ich seiner Aufforderung nach. Er nahm seinen Job sehr ernst, künftig werde ich wohl den Nacktscanner bevorzugen. Sogar in den Hosenbund glitten seine flinken Finger und zum ersten Mal seit Ablegen des Gürtels war ich froh, dass meine Bundweite etwas gross bemessen war.
Durch eingehendes Tasten den Verdacht zerstreuend, dass es sich bei dem Gegenstand in meinem rechten Hosenbein um ein Langschwert handle, entliess er mich und ich durfte mich wieder ordentlich bekleiden.

Hätte der Flieger eine unplanmässige, spontane Landung hingelegt wäre ich gewiss von den Speiseboxen zur Rechten erschlagen worden, ansonsten ist das Sitzen in der letzten Reihe ganz angenehm, man hat wenig Menschen um sich. Zudem kann man ungehemmt der Flight Attendant auf den Hintern starren, während sie den Snack vorbereitet.
Nach dem trockenen Brötchen mit Streichkäse, dem Becher Henniez und Lindt-Schokolädchen kreiste der Flieger über London.
London by night von oben, ihr wisst ich stehe auf Kitsch. Wie in einer Spielzeugstadt sieht man kleine erleuchtete Fensterchen, breite und schmale, helle Streifen ziehen sich durch die Landschaft, kleine Autos bewegen sich darauf, es wirkt so ruhig und friedlich. Schon von Peter Pan’s London-Flug im Disneyland verzaubert, erlebte ich nun den wirklichen Flug, wenn auch nur durch ein kleines Flugzeugfenster.
Vielleicht weil ich weit davon entfernt bin ein Vielflieger zu sein, war ich vom Flughafen London City schon beeindruckt. Man sieht zur Linken den Thomsons ins Wohnzimmer und könnte zur Rechten die Kamine streicheln, bevor die Maschine aufsetzt und ordentlich zügig zum stehen kommt. Ich war schwer beeindruckt.
Es war sehr angenehm, dass meine Begleiterin und Reiseführerin, eine routinierte London-Besucherin, meine Begeisterung nicht schmälerte; Nichts ist mühsamer als Personen, welche alles schon erlebt haben, welche nichts mehr überraschen kann und dies vor allem in ihrem Rucksack haben, um es den anderen bei jeder Gelegenheit aufs Auge zu drücken.

Den Flughafen noch nicht verlassen, wurde ich bereits das erste Mal über den Tisch gezogen. Aus eigener Dummheit muss ich sagen.
Man ist ja cool, obwohl die deutsche Option zur Verfügung stand, lässt man sich beim Aufladen der U-Bahn-Karte auf englisch durch das Menu führen. Die Karte vor den Leser halten, sich durch die Optionen drücken, zwanzig Pfund in den Schlitz schieben und von dannen ziehen. oysterDa meine Reiseführerin die Karte organisiert und mit einem kleinen Guthaben versehen hatte, wurde ich mir meines Fehlers nicht gleich bewusst.
Wo immer die zwanzig Pfund geblieben sind, auf der Karte waren sie nicht und nach der dritten Fahrt weigerten sich die kleinen Flügeltüren mich in die Tube zu lassen.

Ihr als weltgewandte Bürger wisst dies natürlich, aber wenn auf dem Display steht, die Karte nochmals an den Leser halten, ist dies nicht eine Empfehlung, es ist Teil des Aufladeprozesses.

Fortsetzung folgt.

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