Billigschrott aus Fernost

Selbstverständlich ist folgende Anekdote nur andeutungsweise an reale Begebenheiten gebunden.

Selbstverständlich belügen wir unsere Klientel nicht. Der Kunde braucht sich nicht mehr verschaukelt zu fühlen, als wenn er Bündnerfleisch von argentinischen Rindern kauft, oder sich an einem Erdbeerjoghurt labt, dessen Fruchtanteil aus aromatisierten Sägespänen besteht.

Der Endverbraucher in der Unterhaltungselektronikbranche hat sich das Angebot selbst geschaffen. Wenn Geräte nichts mehr kosten dürfen, muss die Produktion noch günstiger ausfallen und da der Preis der Rohstoffe ab einem gewissen Punkt nicht mehr verhandelbar ist, muss eben anderweitig gespart werden.

Eine Konstruktion muss als Gesamtes funktionieren, was bedeutet, dass die Styroporverpackung durchaus ein tragendes Element des Gerätes sein kann und es ohne selbige gerade den Transport in oder auf den Fernsehtisch übersteht. Und dann hat man noch Glück, Styropor, eigentlich Polystyrol, ist nicht gerade umweltfreundlich, kleine Fische sterben beim Verspeisen der Kügelchen und mit 6,5 Kilogramm pro Kubikmeter ist die Entsorgung über den Hausmüll bei der volumenbasierten Gebühr schnell eine Budgetfrage. Nicht selten weichen Hersteller auf kunstvoll gefaltete Kartonfüllungen aus. Diese liegen enger um das Gerät, als Schwiegermutters Keilhose am Oberschenkel, während sie im Wohnzimmer die frühmorgendliche Gymnastikstunde auf dem Bayern-Fernsehrundfunk begleitet. Ein Satellitenreceiver aus dieser Verpackung zu befreien ist mühseliger als das Pellen einer unreifen Orange, der Aspekt, dass der Kunde einem und sein künftiges Heimunterhaltungssystem mit Argusaugen überwacht verleiht der Sache den Charme einer Bombenentschärfung. Mit Magnetkontakt. In einem fahrenden Zug.

Nach dem Entfernen der Verpackung ist der Gehäusedeckel festzudrücken und auf den geeigneten Augenblick zu warten, die Finger zu lösen, dass dieser die neugewonnene Freiheit mit einem Blopp und Knacken begrüsst.
Was war das? Ist der jetzt kaputt?
Das Abziehen der Displayfolie, einst ein beinahe erotischer Akt, hat sich zu einem Spiessrutenlauf gemausert, ob sich die zu schützende Abdeckung hernach noch am Gerät befindet oder an der Folie heftend im Wind schaukelt.

Unauffällig zieht man des Gerät im TV-Möbel wieder ein Stück nach vorne. Die ideale Position will gesucht werden, der Konsens zwischen Bedienkomfort und ästhetischer Wirkung. Der Receiver darf hier sein, er darf gesehen werden, schliesslich hat er 345 Franken gekostet, aber das Gerät darf nicht so dominant platziert werden, dass der zufällige Besucher auf eine häufige Nutzung desselbigen schliessen würde. Man schaut letztenendes nicht oft fern.

Es ist dem Kunden stets ein Anliegen, den Monteur auf den eigenen Fernsehkonsum hinzuweisen. Arte steht ganz hoch im Kurs, wer Arte schaut wirkt gebildet und bilingual, dieser Aspekt geht gerne vergessen. Bei der analogen Satellitentechnik beinahe unausweichlich, wenn man das Prinzip der zwei Tonträger nicht ganz verstanden hat. Nicht selten traf man eine ganz konfuse Oma, welche Arte stets in französisch und deutsch zugleich sah, Rosamunde Pilcher in der Originalsprache und als Hörfilm beinahe synchronisiert, bei RTL aktuell aus dem zweiten Kanal stets die Carpenters Top of the World zum Besten gaben und die Katze der Schwarzwaldfamilie Faller in Seelenruhe auf dem Spaltstock lag, obwohl die Toten Hosen auf dem rechten Tonkanal soeben Alex seine Horrorshow eröffnen liessen.
Für die Nicht-Techniker, wir wollen keine Spartenlektüre abliefern, bei analogen Satellitenreceivern wurde das Bild auf einer Frequenz geliefert, auf einer weiteren sandte man den Ton dazu in die gute Stube. Diese galt es aufeinander abzustimmen. Da nun jedoch für jede Bildfrequenz mehrere Tonträger vorhanden waren, packte RTL zum Beispiel noch seinen RTL-Oldie-Sender rein, der Südwestrundfunk einen seiner Radiosender, Eurosport hatte die deutsche und englische Sprache und so weiter. Gerade bei ausländischen Mitbürgern bestand die Herausforderung darin, den richtigen Tonkanal zu finden, da dieses Balkan-Kauderwelsch sich irgendwie ziemlich ähnelte. Der Kunde, seinerseits der deutschen Sprache so mächtig wie ich seinem kurdischen Bergdialekt, war keine direkte Hilfe und man musste sich auf das Nicken und jedwelche Uga Uga-Laute der zahnlosen Oma verlassen. Oder die Kinder, welche magnetähnlich an die Bildröhre gezogen wurden.

Hach, da werde ich herzloser Schreiber noch nostalgisch. Früher…sat-empfangDanke an Radio Botz

Nun, der Kunde sieht also gerne Arte, dann und wann die Tagesschau und natürlich National Geografic. Wäre dieser nur nicht verschlüsselt. Er würde nur diesen schauen, so es doch irgendeine Möglichkeit gäbe.
Man kann es sich schlecht verkneifen, man muss den Herren darauf aufmerksam machen, dass man ihm für sieben Franken gar noch den Biography und den History-Channel draufpacken könnte.
Er würde ja schon, aber seine Frau…
Was seine Frau, schallt es aufs Stichwort aus der Küche.
Ja, weisst du, dieses teure Pay-TV…
Nichts kaufst du mehr!
Mit schulterzuckender Resignation, gar nicht so unglücklich wirkend, wendet er sich wieder einem zu, er würde ja schon, aber eben…
Vox und RTL sollten auch noch in die Liste, mehr wegen der Kinder. Nur wegen der Kinder

An dieser Stelle darf man vielleicht einflechten, dass es dem Techniker so lang wie breit ist, welche Sender der gute Kunde schaut. Selbstverständlich kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen, wenn im Regal die VHS-Kassetten der Miss Italia nel Mondo, Rai Uno 1993 bis 1997, nicht annähernd so verstaubt sind wie Andreas Christoph Schmidt’s „Im Schatten Pasternaks – Peredelkino, ein Ort mit Schriftstellern“, Arte 1995, aber letztendlich erklären wir dann und wann auch, wie Herbert seinen Lieblingsporno von VHS auf DVD überspielt, daher sind wir schon abgebrüht. Und das Maul zerreissen wir uns sowieso.

Wir waren bei der korrekten Ausrichtung des Gerätes, der gute Konsument ist hin und weg, völlig übersehend, dass wir nur die Schleifspur zu verdecken suchen, welche die aus dem Gehäuse ragende Schraube auf der dänischen Kombiserie hinterlassen hat. Gehalten in eierschal, eierschal passt ja überall rein.

Den Anschein erweckend, wir würden noch weiteres Zubehör aus der Passform-Kartonschachtel zaubern, suchen wir verzweifelt den verlorenen Gummifuss. Auf Verdacht hin, dass dieser soeben in Seoul bei Samsung SDI eine Maschine blockiert, weswegen drei Ingenieure vom Dach springen werden, klemmt man das Netzkabel – nur mitgeliefert, weil es mit der Elektronik verbunden ist – unter den linken Gehäuserand und behebt das Wackeln besser, als es Hubert mit seinem Bierdeckel im Rössli bewerkstelligt hätte. Und der Hubert kann das gut, worauf im Vreni des öfteren zwei Original Krumme spendiert, aber dazu kommen wir noch.

Der grosse Moment, es fliesst guter, stabiler und ökologisch korrekter Strom in das Gerät.
Leider ist der Billigschrott aus Fernost nie so gnädig, dass er in einem Feuerball von uns geht, sein Abschied ist röchelnd und auch dies sehr zaghaft.
Ein todesähnliches Zucken selbstverständlich gleich bei der Installation, mit Vorliebe ein Absturz, welchen wir natürlich lässig abtun. Meine Ausreden varieren wie die Jahreszeiten, momentan steht auf Platz eins, dass die Ersteinrichtung eine ganz sensible Sache sei, das Gerät soeben technische Höchstleistungen erbringe und dieses schwarze Bild beinahe normal, nein, eher noch gnädig sein und mich – nun ziehe ich mit verschwörerischer Stimme den Techniker-Bonus – nur darin bestärke, dass hier ein ganz robustes Gerät stehe. Denn glauben sie mir, ich habe – das Haupt um 19.2° nach rechts geneigt, ein leichtes bedauerndes Kopfschütteln und die Augen ermattend langsam schliessend, die Hand mit einer bedächtigen, symbolschwangeren aber nicht zu ausladenden Handbewegung mittig der Brust in einer Distanz von 24 Zentimeter vom Körper startend zur rechten Seite bewegend, die Distanz auf 37 Zentimeter erweiternd und um 13 Zentimeter versetzt tiefer langsam zum Stillstand kommend – jeden Scheiss gesehen.
Anstelle eines Academy-Awards wird mich Petrus vor dem Himmelstor wohl eher etwas zur Seite nehmen und mir ins Gewissen reden.

Dem Kunden gefällt es, wenn er ein richtiges Arbeitsgerät in seiner dänischen Kombiserie stehen hat. Erinnert es an sein Goggomobil, welches er mit Bleifuss über den San Bernardino gejagt hat, den Pullover lässig über die Schultern geworfen und die Ärmel vor der Brust verknotet. Läuft und läuft…
Nun, seit den frühen Siebzigern hat sich viel verändert, zum Beispiel kauft man Billigschrott aus Fernost und keine deutsche Wertarbeit mehr.
So sehr der Kunde auch beeindruckt sein mag, die Saat des Zweifels ist gesät und sie fällt auf fruchtbaren Boden. Hat erst gestern der Grossverteiler seinen neuen 129 Franken Kühlschrank zum dritten Mal ersetzt, beim Durchdrehen der Go-On Ratsche aus dem Baumarkt hat er sich den Daumennagel eingerissen und des UV-beständige Lidl-Sonnenrollo über dem Wintergarten flackert in dutzenden Streifen fröhlich im Frühlingswind.
Nun wäre der geeignete Zeitpunkt, die Wohnung zu verlassen. Die Passform-Kartonschachtel vor sich her tretend, die koreanische Werksarbeit am Netzkabel hinter sich herschleifend, während die auslaufenden Billigbatterien auf den Flokati träufeln.

Aber es gilt den gesunden Menschenverstand auszuschalten und dann beginnt die Märchenstunde, Trudi Gerster würde sich interessiert nach vorne beugen.
Aus aktuellem Anlass wurde ich unlängst mit meinen eigenen Erklärungsversuchen konfrontiert, betrachtet es als meine Beichte und Petrus soll dies in seinem grossen Buch vermerken.
Bei der Aufschaltung von hochauflösenden Signalen kam es zu einer Überlagerung mit den standard-digitalen Signalen. Der Receiver befindet sich ein einer Konfliktsituation, versucht die Signale zu konvertieren, stellt jedoch trotzdem nur jeweils eines von beiden dar, leider eben abwechselnd. Eine spezielle, herausragende Eigenschaft des Gerätes, dass es diese Eigenschaft besitzt, ein anderes Gerät – Billigschrott aus Fernost, aber aus Incheon statt aus Seoul – würde den Dienst quittieren, aber dieses Wunderwerk der Technik würde dies schaffen und das kleine Ruckeln zwischendurch verschwinde, sobald die Senderanstalt das Signal mit dem Gerät synchronisiert habe.

Als mir der Kunde diesen Sachverhalt erklärte, kräuselte ein leichtes Lächeln um meine Lippen und als ich soeben ausholte ihn zu fragen, wer ihm diesen, zugegebenermassen originellen, Bären aufgebunden habe, beendet er seine Ausführung; … haben sie gesagt.
Die eingesogene Luft benötigte ich für ein kleines Hüsteln, Zeit gewinnen. Ich konnte mich partout nicht erinneren. Hatte auch ein wenig ein schlechtes Gewissen.
Schaute der Mann einen ruckelnden ZDF, in der Gewissheit, gleich morgen würde es besser werden. Seit über einem Jahr.

Ich tat das einzig richtige. Richtete mich auf, streckte meine Hand aus und entschuldigte mich in aller Form für diese Aussage, welche sich im Nachhinein als falsch erwiesen hätte und würde ihm gerne entgegen kommen, indem…

Natürlich nicht! Mein Brötchengeber würde mich massakrieren.

Es müsse eine Konflikt mit dem Common Interface vorliegen. Diese Sache mit dem Signal wirke sich auf die Verschlüsselung aus und wegen des Cryptoworks-Decoders, welcher nicht für das Dauerscript ausgelegt wäre, würde wahrscheinlich das Netzteil überlastet, was die stündlichen Abstürze zur Folge hätte. Ein Selbstschutz des Gerätes, damit es keinen Schaden näme. Ein gutes Gerät habe er da.
Wäre ich richtig gut, würde ich ihm noch richtig teure Low-Noise-Converter verkaufen, da ein stärker Signalfluss das Netzteil unterstützen und daher natürlich auch stabilisieren würde.
Aber morgen wollte ich mich rasieren, was bedingt, dass ich mich im Spiegel anschauen kann.

Wie erwähnt, wer tanzen will muss die Musik bezahlen, wer nicht bezahlen will muss seinen Walzer selber pfeifen. Mein Mitleid mit der Klientel hält sich etwas in Grenzen. Selbstverständlich ist der Einzelfall mit einer gewissen Tragik behaftet, aber das Kollektiv betrachtet, wer nichts bezahlen will erhält nichts, dass er dieses Nichts vom Fachhandel geliefert haben will macht aus einem Nichts auch kein Etwas. So zerbröselt der Keks.

Die nächsten Tage wird die zyklusbedingte Ausrichtung der Astrasysteme im Orbit vollzogen und, aber dies wissen wirklich nur Fachleute, wird die lokale Oszillatorfrequenz neu kalibriert. Sein spezielles Gerät könne die neue ZF verarbeiten, was zu einer deutlichen Stabilisierung des DiSEqC-1.2 Befehls führe. Er würde es sofort sehen.

Herr Hübeli ist voller Dankbarkeit und Hoffnung.
Ich der Hölle ein Schritt näher.

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Viehschau in Beringen und fragwürdige Parolen

Lifelong Learning nennt man es, wenn Opa einen Kurs für die neusten Apple-Produkte besucht. Die Kinder haben ihm dieses iPad geschenkt, weil der SBB-Fahrplan auf der Twix-Tel CD-Rom nicht mehr up to date war und sein Desktop-PC den Geist aufgegeben hat. Nun sucht er auf RailAway Vorschläge für snow’n rail, hiking und e-bike-cycling um im Rahmen der Gruppe Silberfuchs die AHV auf den Kopf zu hauen.

Worin begründet der Sinn und Zweck dieses Anglizismus? Eine Kompensation, dass kaum mehr jemand der deutschen Sprache mächtig ist, geschweige denn, ein Komma richtig zu setzen versteht?
Gewiss, auch in meinen Zeilen schleichen sich Fehler ein und die Kommas werden, unter Berücksichtigung der minimalsten Regeln der Grammatik, mehr nach Gefühl gesetzt, aber wenn ich die betriebliche Korrespondenz betrachte, fühle ich mich wie Adolf Muschg. Natürlich, man versteht die Aussage „wenn ihnen der Termin nicht passt, rufen sie an…“ schon, aber c’est le ton qui fait la musique pflegte schon mein Vater zu sagen. Auf die Eigenheit meiner Sensibilität schob ich bisher, dass das Verb „müssen“ in meinem Gefühlskonstrukt stets eine Abwehrhaltung hervorruft – „ihr müsst um 9.30 vor ort sein“ – fühlte mich jedoch gleich etwas weniger abnormal, als sich letzten Freitag eine Engländerin ebenfalls über dieses unsägliche Wort ausliess, wie denn in der modernen Zeit jemand die Frechheit besitze, ihr zu sagen, was sie tun müsse.
Nun wird wohl diskutiert, wieviele Fremdsprachen ein Kind zu lernen hat, was im Ansatz überhaupt nicht verkehrt ist, aber wenn Erwachsene geschriebene Aussagen mit „und dann“ starten, in einem Bewerbungsschreiben achtundsechzig Prozent der Sätze mit Personalpronomen, wohlgemerkt in der ersten Person, beginnen und bereits die Berufsbezeichnung zwei Rechtschreibfehler beherbergt, scheint mir am Ziel vorbei geschossen.
Die deutsche Sprache hat wohl nicht den wohlfeilen Klang der französischen, auch nicht den weltmännischen Touch der englischen oder das Urlaubsflair der spanischen, dennoch bietet sie alle Werkzeuge, sein Anliegen gewählt zum Ausdruck zu bringen und sollte, auch wenn wir mittlerweile einen Curriculum Vitae statt eines Lebenslaufs einreichen, nicht völlig in Vergessenheit geraten.
Da kommen wir auch schon zum Thema, welches ich eigentlich anschneiden wollte.

Gewiss habt ihr Onkel Tom’s Hütte gelesen, wenn nicht, ist dies auch nicht tragisch. Daran erinnert fühlte ich mich beim letzten Geniestreich des Kantonalen Arbeitsamtes. Ihr vermögt Euch zu entsinnen, die Firma Abbott schliesst ihre Niederlassung in Beringen, let-op berichtete, worauf nun 300 Arbeitnehmer eine neue Beschäftigung suchen. Derer 235 haben sich bereit erklärt an einer öffentlichen Jobmesse mitzuwirken. Sind die übrigen 65 keine deutschen Arbeiter, würde es mich sehr erstaunen, wenn deren mangelndes Engagement keine Nachwirkungen haben würde, aber darauf wird im Bericht der Schaffhauser Nachrichten nicht näher eingegangen.Die Angestellten erhielten nun T-Shirts, welche sie überstreifen mussten, ich benutze das Verb gezielt, dank welchem sie auf den ersten Blick den einzelnen Berufsgattungen zugeordnet werden konnten. Zudem war man bemüht eine Gleichheit herzustellen, dass sich niemand durch extravagante Kleidung hervorheben könne, so der Wortlaut der Schaffhauser Nachrichten.

Während man sich beim üblichen Vorstellungsgespräch so gut wie möglich verkaufen möchte, ein frisches Hemd überzieht, den Kragen richtet, sich rasiert und die Zähne putzt, schwebt dem Herr Vivian Biner also eine egalitäre Gesellschaftsform vor.
Gesichtslose Kreaturen werden etikettiert, zu hunderten in eine Verkaufshalle gepfercht und fünfunddreissig Kapitalisten entsenden ihre Kopfjäger um das ein oder andere Schnäppchen zu tätigen.
Man kann alles von zwei Seiten beleuchten, aber schon die Tatsache, dass sich die Angestellten nur mit Unbehagen zum Überstreifen besagter T-Shirts bewegen liessen, zeugt davon, dass diese ganze Sache dem gesunden, freiheitsliebenden Menschenverstand widerspricht.
Ein gemischtes Bild formt sich in meinem Kopf, die Viehschau Andelfingen trifft auf den Sklavenmarkt Curaçao mit einem Hauch Oskar Schindler – wir wollen den, hoffentlich, wohlgesinnten Gedanken nicht verleugnen – und die Frage ob der Unantastbarkeit der Menschenwürde schwebt unangenehm im Raum.

Das Fazit der kapitalistischen Headhunter war durchaus positiv, vom Vieh wurde in der SN keine Stellungsnahme verzeichnet.

Bleiben wir beim Thema; Unser Herr Schneider-Ammann, das ist der Bundesrat mit der steuerfrei gebunkerten Viertelmilliarde Franken in Jersey, spricht sich gegen einen Mindestlohn aus.
Das beste Mittel gegen Armut sei nicht Geld, sondern Arbeit.
In Dachau, Auschwitz und Sachsenhausen standen ähnlich intelligente Sprüche über dem Tor.
Dennoch habe ich wieder was gelernt. So werde ich also, und nun wirft Steine, zur Weihnachtszeit anstelle einer Spende zu Handen jedwelcher Hilfswerke etwas wirklich Gutes tun und Arbeit outsourcen.
Der Bundesrat folgt dem Grundsatz, besser eine schlecht bezahlte Arbeit als keine Arbeit. Vielleicht sollte ich für zweihundert Tage dem Grundsatz folgen, lieber nur 75% meines Einkommens erhalten, statt weiterhin 43 Stunden die Wuche für fremde Herren buckeln. Mit einer solchen Einstellung kommt keiner auf einen grünen Zweig, der Unterschied besteht leider darin, dass der Kapitalist nunmal am längeren Hebel sitzt und solche Sprüche klopfen kann.

Allerdings sollten sich unsere Regierungsvertreter nicht länger am Kopf kratzen, wenn die Berufsbildung an Attraktivität verliert, so einem nach erfolgreichem Abschluss einer Berufslehre noch nicht einmal das Existenzminimum gesichert ist. Da fülle ich lieber bei Aldi Regale auf und bin mit 18 Jahren auf einem Lohnniveau, welches ein ausgelernter Elektromonteur ohne Zusatzausbildung nie erreichen wird.

Kommen wir zu erfreulichen Dingen.
Die Gefängnisse in Schaffhausen sind äusserst komfortabel, da grenzen wir uns von der Romandie ab.
Gerade auch im Hinblick auf „Carlos“ muss ich die Meldung verpasst haben, dass Haftstrafen nicht länger eine disziplinarische Strafe sind und des Bürgers höchste Motivation folglich nicht dahin gerichtet sein soll, einen Gefängnisaufenthalt zu meiden. Sobald unsere Strafanstalt saniert ist und punkto Komfort mein Wohnzimmer übertrifft, könnte ich zum Beispiel Strafgebühr für versäumte Abstimmungen absitzen.
Diese soll übrigens verdreifacht werden. Die Idee eines Steuergeschenks für politisch aktive Proleten erhielt nie wirklich eine Chance, auf dem Schaffhauser Politparkett baut man weiter darauf, den Bürger mit der Androhung von Strafe zur Demokratie zu zwingen.

Den Demokrat zur Wahl diktieren, ist dies bereits ein Oxymoron?

Ich komme nicht von den Politikern weg, natürlich war auch unser Held der Lüfte, Swiss-Linienpilot und SVP-Kantonsrat, wieder unterwegs. Er beschreibt die Herausforderung, wenn einem um 2130Z von der Homebase übermittelt wird, dass aufgrund einer Engine-Stall-Warnung ein Triebwerk seiner MD11 überprüft werden soll. Und dies in elftausend Metern Höhe, das muss man einmal bedenken! Ich erstarre vor Ehrfurcht.

Damit belasse ich es nun auch mit dieser eher politischen Presseschau.

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Liebe Valentina

Selbstverständlich klingt dies etwas sehr verurteilend und auch ich, bedauernd Euch diese erschreckende Mitteilung zu machen, bin nicht ganz ohne Fehl.
Es gibt gute Gründe weswegen ich alleine bin, nicht zuletzt, weil ich ein Hans Dampf bin. Nicht der Tausendsassa in allen Gassen, nein, sein Vetter im Schnäggeloch, wie immer man sich ein Schnäggeloch auch vorstellen mag.
Was ich habe möchte ich nicht, was ich nicht habe will ich, was unnerreichbar ist will ich gleich dreimal und was ein Anderer bereits besitzt ist noch viermal reizvoller. Selbstredend auf den zwischenmenschlichen Bereich bezogen, denn als alleinstehender, vollverdienender Junggeselle habe ich was ich brauche und was ich haben will kaufe ich mir und was ich mir nicht kaufen kann, lüge ich mir in die Tasche; Das ist der Vorteil wenn man alleinstehender, vollverdienender Junggeselle ist.valentinstagWie bei der Lüge, es braucht einen der sie erzählt und einen der sie glaubt, gehören auch zum allein sein mindestens zwei dazu. Eine Herzensdame, welche ich will und eine die mich verschmäht.
Aber dieser Beitrag soll nun nicht mit einer Paarship-Anmeldung enden, es ist mir ein Anliegen, euch zu erzählen, was ich nächsten Valentinstag mache. Oder eben nicht mache! Gerne geschehen, ich braucht mir nicht zu danken, dass ich Euch an den Tag der Liebenden erinnere.
Als kleiner Exkurs, der Tag ist nicht in etwa eine Erfindung der Blumenläden, so werden in China zum Beispiel die Männer am Valentinstag mit Schokolade bedacht. Diese revanchieren sich einen Monat später mit weisser Schokolade, am White Day, und wer hüben wie drüben leer ausgegangen ist, genehmigt sich am 14. April Nudeln mit schwarzer Sauce.
Auf dem europäischen Kontinent wurde der Tag von England an uns herangetragen, Geoffrey Chaucer trug im Jahre 1383 am Hofe des König Richards II – etwa zweihundert Jahre nach Johann Ohneland, tut nichts zur Sache, aber ohne diesen hätte Robin Hood seine Popularität nicht erreicht und alleine deswegen ist er mir sympathisch – ein Gedicht vor, welches im Inhalt beschrieb, wie die Göttin Natur alle Vögel versammelte um Paare zu bilden.
Diese Idee aufnehmend wurden ab dem 15. Jahrhundert am 13. Februar jeweils Paare ausgelost, welche sich am Valentinstag mit Gedichten und kleinen Präsenten bedachten. Im 19. Jahrhundert, das viktorianische Zeitalter, begannen sich Liebende Geschenke zu machen. Englische Auswanderer trugen die Tradition nach Amerika und die tapferen Soldaten, Gott segne sie, landeten anlässlich eines Weltkrieges in der Normandie und brachten nebst Willys Jeeps, Kaugummi, Captain America und die ganze Superheldentruppe eben auch diesen Brauch zurück. Selbstverständlich schlachtete die Süsswarenindustrie und Floristenvereinigung darauf hin diese ganze Sache ordentlich aus, aber der Ursprung liegt beim Vereinen von Vögeln.
Wie auch immer, nun könnt ihr bei Kerzenlicht und Rosenblüten ordentlich klugscheissen.

Also ich werde am Morgen des 14. Februars ganz normal aufwachen.
Da ist keine Stimme neben mir, die kreischende, einfühlende Tonlage eines Feueralarms, der Schlag uf die Brust; Nein nicht aufstehen, ich muss was vorbereiten!
Mit dem Mundgeruch, als hätte eine kleine Katze in ihrer Mundhöhle ihr Geschäft verrichtet – ob Meg Ryan dies jemals so gesagt hat ist unbestätigt, aber Stephen King behauptet es in Dreamcatcher – wird einem ein Kuss aufgedrückt, dass man widerstandslos zurück aufs Kissen fällt. Weiss der Geier woher die Unsitte kommt, sich morgens im Bett zu küssen. Frau wie Mann mottet aus dem Mund, jeder findet es eklig, dennoch küsst man sich, als wenn nichts wär. Ist es, weil es in Filmen so gehandhabt wird? Dabei geht vergessen, dass die Dame im Film des Morgens auch hübsch frisiert, geschminkt und frisch wie nach einem Spa-Besuch neben einem im Bett liegt. Die Frau hat nichts mit dem Hintern gemein, welcher nun aus dem Schlafzimmer wackelt. Nicht in einem filigranen, transparent-schwarzen Hauch von Nichts wie er vor vier Monaten noch getragen wurde, nein die Snoopy-Shorts haben das Negligé abgelöst, verwaschen mit einem herausblitzenden Gummizug an der Seite.
So darf man also nicht aufstehen, obwohl die Blase drückt und einem fünf Minuten nach dem Klingeln des Weckers der Valentinstag schon auf den Keks geht.
Jetzt, jetzt; und man darf endlich das Schlafgemach verlassen und der Vorhang für einen Tag Theater wird gezogen.
Mal ehrlich, wir feiern nicht frei, es ist ein gewöhnlicher Arbeitstag, wie er normaler nicht sein könnte, dein Chef erwartet dich in einer Stunde am Arbeitsplatz. Dein Zeitplan zwischen Aufstehen und verlassen des Hauses ist straff, da bleibt kein Platz für Liebesbeteuerungen.
Du siehst den Tisch nicht mehr, weil da unzählige Teelichter in Herzform aneinander gereiht sind, die Lichtstärke von zehntausend Lux brennt auf der Netzhaut. Mitten in diesem Schein eine Gestalt, welche sich nach der Morgentoilette in deine bezaubernde Angebetete verwandelt, jetzt aber mit den in allen Richtungen abstehenden Haaren, den vom Schlaf verquollenen Augen und dem verschmierten Mascara in deinem alten Muskelshirt wie Dobby der Hauself wirkt. Eine schweflige Wolke „Schöner Valentinstag“ schwebt dir entgegen und alles was du denkst ist, hätte sie doch eine Kerze weniger aufgestellt und dafür schnell die Zahnbürste durch die Mundhöhle gezogen.
Statt dessen sagst du; Oooooh, so schön! und obwohl sich jede Faser dagegen sträubt, ziehst du diesen Hauself an deine Brust und drückst einen Kuss auf dies Schwefelhöhle.

Oh, ich mache mir nichts vor, des Morgens sehe ich Gollum auch ähnlicher als Hugh Jackman, aber ich bin mir dessen bewusst und trage diesem Umstand Rechnung. Vielleicht war ich noch nie richtig verliebt, aber diesen Zustand von ‚Ich liebe dich über alles, auch wenn du 120 Kilogramm hast und dir ein Ziegenbart wächst‘ habe ich noch nie erreicht, vielleicht bin ich da etwas sehr oberflächlich.
Wie dem auch sei, Liebe hin oder her, ich akzeptiere, dass wir Morgens nicht Bella und Edward, sondern Gollum und Dobby sind und irgendwie sollte man doch zumindest auf diese Ebene gelangen, dass man sich gegenseitig eingestehen kann, dass jede Huldigung an die Schöhnheit des Partners des Morgens eine glatte Lüge ist und man dies auch bleiben lassen kann.

Aber heute liest du keine Zeitung, heute wollen wir uns geniessen.
Gollum und Dobby toten Fisch essen. Jetzt. Hamma.
Wie sollte ich in diesem Kerzenmeer auch Zeitung lesen, ein Abfackeln des Esszimmers wäre unvermeindbar. Sich geniessen. Des Abends bedeutet dies, dass Dame einen Film zwischen Sissy und Die Brücken am Fluss (selbst Clint Eastwood bestreitet, dass dies ein Clint Eastwood-Film sei) wählt – einen sogenannten Chick-Flick-Film wie ich von meiner ausserordentlich filmbegeisterten Englischlehrerin erfahren habe – und man ‚Sich geniesst‘, weil der Mann bei dieser grauenhaften cineastischen Darbietung schlichtweg keine andere Wahl hat, als sich voll und ganz seiner Partnerin zu widmen. Bis er sich nach zwei Stunden oder so eingesteht, dass Romy Schneider in ihrer Schnürcorsage eigentlich schon ganz scharf aussieht. Das tut sie wirklich.sissi
Ich bin ein Morgenmuffel, keine Frage, gewiss, ich überspiele es zwei oder drei Wochen aber danach ist fertig Theater, da brauche ich meine Ruhe, meine drei bis vier Kaffee und die Zeitung. Nun, vielleicht kann man sich des Morgens ja schweigend geniessen.
Allerdings, nach fünf Minuten schweigend geniessen – selbstverständlich bleibt auch das Radio aus, nichts soll diesen Liebestag versauen – bemerkt man, wie der Kieferknochen der Angebetenen knackt, als würde sie anstelle der Brotstücke in Herzform kleine Kieselsteine zermalmen. Vielleicht hatte man nebst der Brille auch einen rosaroten Ohrenschutz auf, aber in diesem Moment wird einem bewusst, dass einem dieses Geräusch den Rest des Lebens zur Hölle machen könnte.
Du freust dich gar nicht, klingt es, wenn einem für zehn Sekunden die Gesichtszüge entgleisten und das festgetackerte Grinsen der Alltagsmimik Platz machte.
Aber klar doch, und verzerrt die Gesichtszüge, dass die Wangen schmerzen. So sitzt man wie Dimitri der Clown am Tisch und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich zur Arbeit fahren zu dürfen.

Sehr gerne besorge ich ein Geschenk, ich bin ein grosser Fan vom Online-Schokoladen-Gruss-Versand. Da kann man Ehemänner so richtig dumm aussehen lassen, man ist einfallsreich, poetisch und hat dabei sein Grundstück noch nicht einmal betreten. Das war früher schon schwieriger, als man unter dem Fenster die Laute schlagen und Blumentöpfen ausweichen musste.
Aber heute muss man ein Geschenk besorgen, weil es so üblich ist an diesem Tag, man zahlt fünfundzwanzig Prozent Zuschlag weil es eben Valentinstag ist und macht sich zum Affen, weil man mit einem Bund Rosen durch die Gegend spaziert. Man holt sie während des Arbeitstages, weil Abends bestenfalls noch Gänseblümchen erhältlich sind, und der einzige Gedanke ist, dass sie abends in Sachen Optik den 58 Franken zwanzig noch gerecht werden und nicht den Kopf hängen lassen.

Mittlerweile hat sich Dobby der Hauself wieder in die Bella verwandelt, welche man nicht zuletzt auch wegen der optischen Reize liebt.
Man geht hübsch speisen, Kerzen auf dem Tisch, ganz grosses Kino. Ich bin stets von der Angst besessen, eines Tages in einem Restaurant zu verenden, weil die Portionen kaum meinem Hunger gerecht werden. Je mehr man zahlt, desto weniger ist auf dem Teller. Natürlich, ein ganz erlesenes Stück Fleisch eines Rindes welches strahlend und zufrieden dem Metzger unter das Messer sprang und handgemachte Nudeln, zubereitet aus Eiern von ganz, ganz glücklichen Hühnern, aber hat man alle Blümchen, Kräuter und sonstige Dekoration entfernt bleibt ein Energiewert von etwa 800 Kilokalorien auf dem Teller liegen. Von diesen gehen noch hundertfünfzig weg, weil die Dame etwas Steak und eine kleine Gabel voller Nudeln kosten möchte. Selbstverständlich ist dies gegenseitig, aber spinatgefüllte Konjak-Shirataki-Canelloni an einem Magerquark-Dipp muss ich weder versuchen, noch würde eine ganze Platte dieses Gerichts die Energie der gestohlenen Speise ersetzen.

Mit knurrendem Magen verkündet man, dass man auf der Dessertkarte nun etwas unmässig sein möchte, ist ja Valentinstag, worauf die Dame bestimmt entgegnet, dass sie pappsatt sei, aber – ihr wisst was kommt – vielleicht von meinem Dessert ein Löffelchen stiebitzen wolle, hihihihi.
Das ist weder süss, noch neckisch und schon gar nicht hihihi.
Sie möge sich doch selber ein Dessert bestellen, heute schauen wir nicht aufs Geld, ich lade ein.
Ob ich glaube, sie könne nicht selber bezahlen!?! SIE VERDIENE AUCH GELD!!!, im Sperrdruck. Danke Emanzipation.
Aber natürlich, ich wolle nur, dass es ihr an nichts mangele – und dass du mir meinen verdammten Coupe Dänemark nicht wegfrisst – aber selbstverständlich müsse sie nicht…
Dass du des Nachts eine Tüte Nachos aufreisst, weisst du in dem Moment, als die Dame sich noch einen extra Löffel bestellt und der Kellner deinen Coupe Dänemark mittig auf dem Tisch platziert. Eine übersichtliche Portion von zwei erbsengrossen Vanillekugeln unter einer Prise Schlagrahm mit einem Fingerhut voller Schokoladensauce, das heruntergefallene Stück Biscuit verlor sich zwischen den Brotkrumen der Vorspeise.
Das elementarste an einem Coupe Dänemark, deswegen bestelle ich ihn letztendlich, ist natürlich die warme Schokoladencreme, meinetwegen könnten sie diese in einem Waschzuber liefern und die Vanilleclace darin schwimmen lassen.
Als hätte sie es geahnt; Nein nicht die Sauce darüber giessen, die mag ich nicht!
Ganz abgesehen davon bleibt auch nicht mehr viel zu Übergiessendes im Glas, nachdem Frau Eigentlich-bin-ich-ja-satt ihren Löffel in der Eisspeise versenkt hatte

Jeder wundervolle Abend findet sein Ende, auch am Valentinstag.
Beinahe das Ende.
Grundsätzlich finde ich die körperliche Vereinigung von Frau und Mann überbewertet, spontan fallen mir zehn schönere Nebensächlichkeiten ein, nichts desto trotz kann sie bisweilen Spass machen. Ausser an vier Daten im Jahr. An deinem Geburtstag, an meinem Geburtstag, an unserem Jahrestag – wobei soviel Jahrestage habe ich in meinen dreimonatigen Beziehungen nicht zu begehen – und am Valentinstag.
Man hat nicht Sex, weil man Lust dazu hat, aufgereizt wurde, betrunken ist oder es einfach passt, sondern weil es im Kalender steht. Obwohl man sich an einem solch schönen Tag nicht betrinken konnte, die Frau einem schon morgens um sechs auf den Zeiger gegangen ist, der Magen knurrt und der Zuckerspiegel im Keller ist, weil die Dame einem den Coupe Dänemark weggefressen hat, was man einfach nicht vergessen kann.

Nach dem Zusammentragen der Fakten bin ich nicht unglücklich, dass ich keine Valentina habe und die Damen können folgendes mitnehmen; Sollten wir je ein Dessert essen, lasst die Löffel von meinem Coupe Dänemark, auch Liebe hat ihre Grenzen.

 

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Den Verschluss des Gefängnisses wie eine Krone tragen

Das Schaffhauser Intelligenzblatt wird nach meinem Dafürhalten immer dümmlicher. Von A wie Amarillo, welcher in der Rubrik Fundgrube – dachte ich, die wäre gedacht, dass Mutti Kapital aus dem alten Kinderbett schlägt und die Wandergruppe Silberfüchse neue Mit- und ohne Glieder aquisieren kann – wöchentlich seine frisch eingetroffenen Garnelen feilbietet, über M wie Markus Müller, der Maverick des Schaffhauserlandes, bis hin zu Zeno wie Zeno Geisseler.
Dieser mir extrem unsympathische Mensch, da darf man durchaus persönliche Eindrücke einfliessen lassen, dies ist der Vorteil wenn man nicht unter der Fuchtel des Verlegers des Jahres schreibt, schafft es immer wieder, mein ausgeglichenes Gemüt in Wallung zu versetzen. Man muss ihm wohl zugute halten, dass er sich stets bemüht, sich vom allgemeinen Wir-haben-uns-alle-lieb-Stil der Schaffhauser Nachrichten abzuheben, nur wirkt es wie ein Primarschüler mit violettem Irokesenkamm. Provozieren um des Aktes willen, in Unkenntnis, wohin man damit zu zielen gedenkt und planlos, würde man sich näher danach erkundigen.
In der heutigen Ausgabe zeigt er die Vorteile eines Krebstodes gegenüber eine HIV-Infektion auf. Letzte Woche relativierte er die Auswirkung des Stellenabbaus regionaler Firman wie Abbott und Swiss-Arms auf den kantonalen Geldsäckel.geisseler-jobsZusammengefasst ist es für die Bourgeois ein Gewinn, dass die Firma Abbott hopps gegangen ist. Da sie hinsichtlich der Schliessung nicht rentiert haben kann, haben wir keine steuerlichen Einbussen zu erwarten, die Entlassenen sind entweder deutschstämmig und oder schlecht qualifizierte Mitarbeiter, was bedeutet, dass diese für das Gemeinwohl entbehrlich sind und die paar Franken Steuereinkommen sind nicht völlig dahin, da auch Arbeitslosengeld der Einkommenssteuer unterliegt. Viel deutlicher kann man dem Proletariat wohl nicht darlegen wo es hingehört, es versteht sich von selbst, dass ich einen Zwergenaufstand erproben musste, ökonomische Gesellschaftsformen sind mein Ding.
Nach Jahren der Abstinenz liess ich mich wieder einmal zu einem Leserbrief hinreissen. Natürlich, ich hätte auch mit einem Eimerchen Wasser nach Neuhausen spazieren und selbiges in das Rheinfallbecken giessen können, aber dennoch wollte ich mich wieder einmal einreihen, in die erlesene Gruppe der pseudointellektuellen Meinungschaffenden der Kommentarbewegung der Schaffhauser Nachrichten. Der Illusion hingebend, zwischen den Wehklagen über neue Busverbindungen, dem Gejammer für und wider ein Fussballstadion und den Sparexperten vom Stammtisch eine Lücke zu finden.

Die Schaffhauser Nachrichten mag es nicht, wenn es gegen die eigenen Leute geht. Kein Problem, kann ich damit leben, obwohl geschriebene Zeilen mich nun Lügen strafen mögen.

Als bekennender Fan von Carl Barks Enten hätte ich mich der ganzseitige Gastbeitrag von Frau Doktor Regula Stämpfli wohl begeistern sollen, angesichts des Vergleichs von Dagobert Duck mit Johann Schneider-Ammann nahm sie dies jedoch gleich zum Anlass, ihren kreativen Erguss hinter jedem Satz mit einer in Buchstaben festgehaltenen Reaktion zu ergänzen. Nach dem fünfzehnten ‚aaaaah‘, ‚uff‘, ‚ächz‘ und ’stöhn‘ wurde mir die Verfolgung des Textes zu anstrengend.
Wer einem Text Vorschub leisten muss, indem er seine Emotionen in kindgerecht niedergeschrieben Phrasen zum Ausdruck bringt, hat das Spiel mit dem Wort nicht begriffen und sollte sich vielleicht besser in die Reihe der Comedians eingliedern, welche zur Unterstreichung ihres komödiantischen Talents mit dem Tragen eines pinkfarbenen Trainingsanzugs oder siebziger-Jahre-Pullunders einen Grundsockel schaffen muss, um den typischen Konsumenten des deutschen Privatsenders in eine pseudohumorempfängliche Bereitschaft zu heben, ohne dass ein Wort in seinem Denkorgan weiter verarbeitet werden müsste.

Ähnlich dem violetten Irokesenschnitt wirken emanzipierte Frauen, wie Frau Doktor Regula Stämpfli, welche nur um der Sache willen sich gegen jegliche Vernunft stellen, ohne ein weiteres Ziel zu verfolgen. Massgebend bleibt, dass die Frau sich gegenüber dem Mann behaupten muss, um sich selbst mit einem Gefühl der Genugtuung in die eigene Tasche zu lügen.
Wer meine Texte verfolgt weiss, dass ich ein respektvoller Bewunderer von Alice Schwarzer bin. Sie hebt sich von der landläufigen Emanze dadurch ab, dass sie ein erreichtes Ziel als solches, sprich als Abschluss eines Prozesses erkennt und nicht jeden Fortschritt als Wasser auf die Mühle interpretiert, sie unaufhaltsam weitertreibend in eine unerreichbare, matriarchalisch geführte Weltordnung, welche doch nur in der Frustration mit resultierendem Hass auf alles männliche endet, soweit führend, dass man sich über Grundsatzfragen wie die politisch korrekte Betitelung einer gelb gestreiften Fahrbahnüberführung für sich fusstechnisch fortbewegende Elemente der Spezies Homo-Sapiens ereifern muss.
Sobald Frau es bevorzugt, den Lieferanteneingang zu nutzen um sich nicht durch den Akt einer von Mannes Seite aufgehaltenen Tür zu unterwerfen und eine spendierte Tranksame dem chauvinistischen Gentleman lieber in den Kragen giesst als auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden an selbigem zu nippen, kann man dies durchaus als prinzipielle Haltung interpretieren, wirkt auf den Mann jedoch nicht erwachsener, als ein Kleinkind welches sich lieber Frostbeulen holt, als sich einzugestehen, dass Mutti vielleicht doch recht hatte und es sich besser Fäustlinge übergezogen hätte.
Den Grundgedanken völlig aus den Augen verloren, die Errungenschaft der emanzipierten Frauenbewegung mit Füssen tretend, sticht man weiterhin auf eine längst ausgeblutete Sau ein, die kognitive Dissonanz zum Exzess treibend.

Dem Verhältnisblödsinn treu bleibend spiele ich die kleinste Violine der Welt zu Gunsten der Hallen für neue Kunst. Dieses Amüsieretablissement der gehobenen Bevölkerungsschicht kann doch, nun straft mich lügen, nur dem Zwecke dienen, sehen und gesehen zu werden; Dabei spreche ich nicht von den installierten Exponaten, sondern dem Schaulaufen der Bourgeoise.
Für jährlich rund 780’000 Franken aus der Stadt- und Kantons-Kasse.
Grosses Wehklagen bei der gestopften Bevölkerung. Die Hallen für neue Kunst haben solange für den Besitz eines Kunstwerkes prozessiert, dass sie im Endeffekt für deren richterlich aberkannten Besitzansprüche eine halbe Million Franken löhnten. Weil nun das Gehalt der Reinigungskraft nicht mehr bezahlt werden kann, müssen die Hallen schliessen.
Die Schildbürger hätten dies nicht besser hingekriegt.
Lasst mich noch schnell dieses elementare Kunstwerk beschreiben. Zur Linken projezieren zwei Projektoren, klassisch mit zwei Filmrollen, auf eine in abstruser Entfernung errichteten Leinwand. Ob sich die Darstellung auf das Kopfkino beschränkt oder wirklich Celluloid über die Linse gezerrt wird entzieht sich meiner Kenntniss. Ich würde ja nachschauen, aber die Hallen sind geschlossen.
Die Leinwand wird flankiert von einer Bockleiter zur Linken und einem aufgeklappten Flügel zur Rechten. Als Kind wäre ich angehalten worden, meinen Saustall aufzuräumen, aber ich will aus dem Kunstunverständnis meiner Erziehungsberechtigten keine Staatsaffäre machen, da unterscheide ich mich von Christian Amsler, daher bin ich willens, einen blechernen Waschzuber, eine passende Giesskanne, sowie eine altertümliche Waschschüssel und beiliegendes Handtuch als Kunst zu interpretieren. Nicht nur Kunst, ein Vermächtnis, welches einem Augen und Sinne öffnet, so man sich von einer Kunstfachfrau durch das Werk führen lässt.
Da bin ich wohl zu einfach gestrickt. So mir ein mit Klompen beschuhter Tourguide die technische Funktion einer Windmühle in Kinderdijk erklärt, kann dies durchaus zu einem Aha-Erlebnis, gefolgt Bewunderung führen. Mir jedoch eine Kunstfachfrau ein Kunstwerk, welches alleine durch die optische Wahrnehmung Eingang in meinen Geist finden sollte noch näher erklären muss, quasi mein persönliches Empfinden in Einklang mit den wirren Gedankengängen eines Künstlers gebracht werden muss, wurde meines Erachtens das Ziel verfehlt und der Schaffende hätte vielleicht besser ein Buch geschrieben.

Trotz Flashback finde ich keinen Zugang.badezuber

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Opas Bohrhammer

Es gäbe gewiss vielerlei Möglichkeiten meine traumatische Kindheit aufzuarbeiten, gewiss auch kassenbezahlte, aber warum nicht daraus Kapital schlagen?
Ein Küchentisch im Rheintal und der Duft von Incarom sind bestens geeignet, einen heftigen Flashback auszulösen.

Auszug aus „Einmal Weinland und zurück“

Lüstern streckte er seine Hände nach dem Hilti-Bohrhammer aus. Ein weiteres Utensil, welches ihm feuchte Träume beschert, welches ihm seine Gattin vergönnt, sie hockt auf dem AHV-Einkommen wie eine brütende Henne auf dem Ei und verteidigt jeden Franken unter dem Einsatz ihres Lebens.
Statt dessen hat sie ihm eine Schlagbohrmaschine gekauft. Aus dem Katalog. Schwarzer Schriftzug auf rotem Gehäuse ‚Westfalia Ultra-Bohrhammer KX 5600‘. Am ersten Backstein hat der 350 Watt-Motor seinen Dienst quittiert und statt dass die Rutschkupplung gegriffen hätte, fielen ihm diverse Kunststoff-Zahnräder vor die Füsse. Begleitet von einem widerlichen Schwefelgestank.
Sogar der Enkel war mit seiner kleinen Bosch-Bohrmaschine aus der Spielwarenabteilung im regionalen Kaufhaus erfolgreicher. Zwei AA-Batterien… Dazu muss ich noch etwas ausholen.
Selbstverständlich sind die Batterien nicht inlcluded, davon unterrichtet den geschätzten Käufer eine kleine Randnotiz auf der Packung. Nicht zu übersehen in Grösse 9, unten rechts, halb unter dem Preisschild. Die Verkäuferin wies Tante Kunigunde wohl noch darauf hin, aber diese sah in dem wertvollen Hinweis nur ein ganz unflätiger Versuch, einen bonusträchtigen Zusatzverkauf zu tätigen. Tante Kunigunde war nicht wirklich die Tante von irgendwem, alle, welche irgendwie eine Ahnung haben könnten, wie Tante Kunigunde zur Familie gehört, waren verstorben. Auf ganz natürliche Weise, dies mit ihrem Mann damals war nur Gerede. Auf jeden Fall schien in keiner Weise eine Blutsverbindung zu herrschen, aber Tante Kunigunde hatte da dieses alte, schwarze Telefon und auf selbigem erwartete sie regelmässig Anrufe, welche sich zu familiären Anlässen einlud und das Gerücht, dass sie ein kleines Grundstück am See besass, garantierte ihr auch die regelmässigen Anrufe. Von ihren unzähligen Kaffeefahrten an den Titisee hat sie vor allem eines mitgenommen; Keine Heizdecke, keinen Infrarotstrahler und keine Froschhaar-Matratze, nein, das Talent, jedem Familienmitglied die Aussicht auf eine Universalerbschaft äusserst glaubwürdig zu verkaufen.

Die Stimmung war gelöst, der Papa hat sich mit Schwiegermutters Weihnachtspunsch die Feier so richtig schön gesoffen und so sassen gefühlte fünfundzwanzig Leute in der kleinen gemütlichen Stube mit dem Querbalken, an welchem sich jeder, der nicht den Appenzellern entsprang oder anderweitige Halblinge in seinem Stammbaum hatte, unweigerlich den Schädel einschlagen musste. Damit nicht genug, der Opa trennte sich nur schwer von seinem Handwerkszeug und obwohl er fünfundvierzig Jahre lang an einer Stanzmaschine im GF stand, hält er seine bauernständische Abstammung hoch – ungeachtet der Tatsache, dass er das Bauernhandwerk nur von Carigiet’s Bildern kannte, aber dies durfte man keinesfalls erwähnen – und hat allerlei Heurechen, Sensen und Schleifsteine an das altehrwürdige, Täfer gehängt.
Schwiegermutters Weihnachtspunsch, drei mal Schädel stossen am Querbalken, die latente Todessehnsucht sobald man bei den Schwiegereltern geladen war und allerlei Gotthelf’sches Todeswerkzeug an der Wand waren eine sehr gefährliche Kombination.
Als sich Papa mit einem erneut gefüllten Punschglas, er trank stilvoll aus einem kleinen, gläsernen Elchkopf welcher ihn bei jedem Schluck dämlich angrinste und beim Hochheben ‚Stille Nacht‘ zu dudeln begann, weswegen er ihn gar nicht mehr absetzte, auf das Sofa setzte, leicht schwankend mit einem zufrieden belämmerten Gesichtsausdruck in die illustre Runde hirnloser, angeheirateter Verwandten guckte, machte sich der kleine Junge gerade daran, Kunigundes Geschenk zu öffnen. Verpackt in das Extra-Abendblatt einer Zeitung welche von der Reichskristallnacht berichtete, Kunigunde lebte wohl schon über ein Jahrhundert und konnte einfach nichts wegwerfen. Während Papa noch überlegt, wieviel ein leicht beschränkter Neo-Nationalsozialist dafür hinlegen würde und ob er dies, rein rechtlich gesehen, bei ebay versteigern könnte, hat der kleine Junge mit einem Ruck das wertvolle Blatt zerrissen und den Spielzeug-Bosch-Bohrhammer zu Tage gefördert. Ein grosse Hallo in der Runde, Opa schien gar ein wenig erregt, was aber kurz darauf in wütendem Geschrei unterging. Weder die kleine rote Lampe leuchtete, noch waren die simulierten Bohrgeräusche zu hören, welche die Packung in einer grossen Sprechblase in Aussicht stellten.
Batteries not included.
Kunigunde erklärte, mit erhobenem Finger und leicht hysterischer Stimme, früher hätten sie mit Stöcken und Steinen gespielt und der Opa zückte sogleich seinen Phasenprüfer, machte sich an dem Transformator des Weihnachtsbaum zu schaffen, was ihm von Oma einen Schlag mit dem grinsenden Elchkopf-Punschglas einbrachte, welcher daraufhin begann ‚Oh du Fröhliche‘ zu dudeln.
Papa sah seine Chance.
Er hielt sich an der Ständerlampe fest, zog sich hoch, schwankte leicht hin und her und erklärte mit schwerer Zunge, er würde Batterien besorgen. Bevor jemand Einspruch erheben konnte oder noch schlimmer, seine Begleitung anbieten würde, war Papa mit einer Behändigkeit aus dem Wohnzimmer geflüchtet, welche man ihm nach acht Stück Weihnachtsbraten, ersäuft in fettiger Sosse, dass der Tellerrand kaum mehr zu sehen war, nicht zugetraut hätte. Ganz zu schweigen von dem Liter Weihnachtspunsch den er intus hatte.
Hinaus in die Kälte.
Man konnte ihm nie nachweisen, ob er im Rausch des Alkohols oder in böser Absicht die Haustür von aussen verriegelte und den Schlüssel stecken liess, aber er konnte sich sicher sein, dass ihm niemand folgte.

Die freundlichsten Polizisten fänden sich im St. Galler Rheintal, dies wurde ihm so weisgemacht, da hätten sie bestimmt auch nichts dagegen, wenn er an Heiligabend leicht berauscht in der Familienkutsche auf Batterienjagd ging.
Eine leichte Fröhlichkeit überkam ihn, als er auf der A13 in Schlangenlinie das Heidiland ansteuerte und das Heck bewusst schlingern liess. Gut möglich, dass ein Tankstellenshop gleich in der Nähe war, aber lieber auf Nummer sicher gehen.

Das Personal und drei Taxifahrer feierten den Weihnachtsabend. Wie zur Prohibition die weissen Kunststofftassen mit einer sehr wässrigen, klaren Form von Kaffee gefüllt, unterhielt man sich angeregt, als Papa über das ‚Caution wet floor‘ Schild stolperte und mit Schwung in den Duftbaumständer rauschte.
Duftbäume warten mit einer unglaublich innovativen Idee auf, eine technische Meisterleistung. Markierungen auf der Packung leiten einem an, wie weit selbige aufzureissen wäre um sich nicht zu vergiften und ordentlich lange Freude an dieser Tanne zu haben. Jede Woche ein Stück mehr und man hat über Monate stets eine frische Bergbrise im Fahrzeug. So die Theorie, denn man weiss auch, dass die Verpackung ohne eine Schere nicht zu öffnen ist. Natürlich, man hätte eine Schere in seinem Taschenmesser, eine Schere in der Bordappotheke – ein Firmengeschenk anno 1989 anstelle der Gratifikation, welche der Chef für die Organisation ‚Ölheizungen nach Nigeria‘ oder so ähnlich im Namen der Mitarbeiter in eine Trust-Fond gespendet hatte – und dann wären da noch mindestens drei Seitenschneider im Bordwerkzeug. Der Originale, etwas schwächliche, im Lieferumfang vom Renault-Bordwerkzeug beinhaltet, der Neue günstige, welcher den Originalen etwas schwächlichen im Falle eines Falles ersetzen würde, und den ganz Neuen, welcher im Angebot war und die Vorgänger ersetzen sollte, wenn man nur die Zeit fände, sie aus dem Koffer zu nehmen.
Aber, die Packung des Wunderbaumes hat wohl nicht direkt eine Perforation, aber dennoch eine Linie, welche die Aufreissstelle markierte, das muss auch ohne Werkzeug gehen.
Ratsch.
Die Tüte wird also irgendwie wieder über den Baum gezogen, der Schlitz geht runter bis zur Woche sechseinhalb, und man fährt die nächsten zwei Wochen mit Kopfschmerzen aufgrund einer solchen Überdosis Bergbrise, dass der Innenspiegel blind wird und sich die Armaturenabdeckung rollt.

Papa erhebt sich und unter Entschuldigungen bewegt er sich an den Tresen. Duftend, als wäre er in Vanille-Erdbeer geschwommen und hätte sich mit einem Lavendelbusch angelegt, im Schritt einen halb abgelösten ‚Hans on tour‘-Aufkleber.
AA, stammelte er über die Theke, die Verkäuferin reicht ihm den Toilettenschlüssel.
Nein, nein, AA-Batterien, bringt er zustande und zeigt auf den zwinkernden Duracell-Hasen.
Nach zwei Tassen klarem Kaffee mit den Taxifahrern, zwei Packungen Batterien, einem Duftbaum und einem Koffer nigelnagelneuen Schneeketten, waren im Angebot, verliess er die Tankstelle, während Mariah Carey ihm nachträllerte, dass sie ihn sich zu Weihnachten wünsche, was sein Kopfkino in merkwürdiger Weise Karussell fahren liess.
Nach einem kleinen Abstecher ins Glarnerland, die Abfahrt Sargans ist aber auch verborgen, schaffte er es zurück in das Rheintal, von näheren Ortsangaben wollen wir absehen, und ohne auch nur einen Gartenzaun mitzuschleifen auf die Weihnachtsfeier zurück.

In der Annahme, dass sich alle mittlerweile schlafen gelegt hatten lag er leider falsch, es wurden gerade die untertassengrossen Weihnachtskekse gereicht und die Tassen mit Incarom nachgefüllt.

Die Bemühungen des Jungen, die kleine Bosch mittlerweile mit Batterien bestückt, an der Wandtappete und am Stoffbezug des Sofas waren durchaus von Erfolg gekrönt. Der Sicherheit Rechnung tragend, nicht…

Dies muss genügen, ich will ja letztendlich noch das Buch verkaufen…

Die Geschichte ist etwas ausgeschmückt, die zeitlichen und geografischen Begebenheiten ein wenig verwischt und die Personen willkürlich gewählt, aber das grobe Konstrukt steht auf Tatsachen.
Und bevor Mutmassungen aufkeimen, möchte ich festhalten, dass mein Vater keine Mariah Carey-Songs hören würde und ganz gewiss keine Schneeketten an einem Tankstellenshop kauft. Es ist also ausgeschlossen, dass ich an dieser Stelle meinen Vater in die Geschichte einfliessen liess.
Ob er mal eben für eine Packung Batterien vom Küchentisch im Rheintal ins Heidiland gefahren wäre; Ja, dies würde ich ihm zutrauen. Nur wäre er zurück gekommen und hätte mit Unschuldsmiene verkündet, der 365-Tage/24-Stunden Shop hätte geschlossen gehabt.
Ein grossartiger Mann und dies ohne jegliche Ironie!

incarom

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