Der Duft von Freiheit und Abenteuer

Ein gutes 2014 allerseits.
Dies gebietet die Höflichkeit, denn an sich ist es mir egal, wie das 2014 wird. Ach bitte, Euch ja auch, das Weiterleiten von „en guete Rutsch“-Nachrichten, womöglich noch mit der Anrede „lieber Max Muster“ zeugt nicht direkt von Individualität und dem innigen Gedanken an den Empfänger. Man hat mehr oder minder eine To-Do-Liste, gespickt von Leuten, welchen man unter Umständen in den nächsten 21 Tagen wieder einmal über den Weg läuft. Am 22. Januar entsinnt sich kein Mensch mehr, von wem man einen Neujahrsgruss erhalten oder wen man nicht bedacht hat.
So hoppelt der Hase.

Ein neues Jahr, stets eine Gelegenheit für gute Vorsätze. Obwohl es ja uncool ist, keiner nimmt sich mehr was vor, denn in unserer dynamischen Welt werden Ideen gleich umgesetzt, zack zack. Häufige Richtungswechsel zeugen von dynamischer Linientreue, ein reaktionsschnelles Management.

Walter Freiwald, der Mann mit den Hängebacken bei Pearl, bietet uns die E-Zigarette feil. pearl-e-zigaretteHätten die Augen nur den Hauch einer Chance den Tränensäcken und Schlupfliedern zu entweichen, sie würden aus dem Kopf springen. Der Walter nuckelt an der Zigarette, als wäre er eine frischgeborene Ziege an der Zitze der Mutter.

Gut, ich habe es noch nie versucht, aber denke kaum, dass eine e-Zigarette meine raucherischen Bedürfnisse zu befriedigen vermag und ich spreche nicht vom Nikotin-Flash. marlboroIch will mich nicht in Schwulitäten ergehen, aber wann ist ein Mann ein Mann? camel Gewiss, ich bin sehr empfänglich für Werbung, aber egal wieviel hässliche Bilder noch auf die Packungen gedrückt werden, die Zigarette bleibt für mich der Duft von Freiheit und Abenteuer.
Anstelle mit schwieligen Fingern den Tabak in das Papier zu drehen, stöpselt man seine Zigarette an den USB-Anschluss des Desktop-Rechners. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob eine e-Zigarette einen On/Off-Schalter besitzt, aber man zückt gewiss nicht das Zippo, lässt den Funken in den Docht springen, schirmt mit der Hand die aufzüngelnde Flamme ab und taucht das wettergegerbte Gesicht in den flackernden Schein des Feuers, bringt mit einem Zug den Tabak zum Glimmen, um danach wieder in der Dunkelheit zu versinken. Dunkel, bis auf das Glühen der Spitze im Schatten des Stetson.
Reiner Tabak, vollmundig und wild, steht gegenüber dem aufsteckbaren Filter, wählbar im Geschmack von Erdbeere bis Apfel über Vanille und Schokolade. Ein letzter Zug, die Zigarette in das Feuer geschnippt, die e-Zigarette verschwindet dank dem LED-unterstützten, hitzefreien Glimmeffekt an der Spitze im Anzug, bereit für den USB-Anschluss und den aufsteckbaren Filter im Geschmack Rosengarten.

Nun, man kann auf einem Baumstamm vor dem Feuer sitzen, bärtig, verschwitzt und schmutzig, seine lungenzerfressende und krebsfördernde Zigarette rauchen, den Moment geniessen, oder im Armani an der Cüplibar an der E-Zigarette mit Erdbeergeschmack nuckeln, als wäre man Mutters Busen nie entflohen, und sich über Gewinnspannen unterhalten.

Meine Reiterfahrung beschränkt sich auf das Pony im Zirkus Knie, statt Rindern bin ich bisher nur Kühen begegnet und seit Brokeback-Mountain haben Cowboys am Lagerfeuer einen merkwürdigen Beigeschmack, aber die Werbung suggeriert mir; Du bist in dem Film, alles was du brauchst ist eine Marlboro. Und sie macht es gut! Man sieht keine einzige Zigarette im Spot, aber man weiss wie es läuft.
War das nicht schön, als die Werbung noch durch das Kino flimmerte? Als Männer noch Männer sein durften?
Der angepasste Mann in der Werbebranche muss sich genderkonform anhören, dass er zu dumm ist Wäsche zu waschen, dass er mit Somat 10 natürlich kein Geschirr vorspühlen muss, du Doofi, betritt die Küche mit Cillit-Bang und gibt Reinigungstipps, oder macht sich bei Edeka zum Affen, als die Kinder ein idiotensicheres Menu für den Papa suchen.

Aber wir wollen nicht einseitig bleiben…

Du hast die Wahl 🙂

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Neulich, beim PEARL-Versand

Wo findet der passionierte Heimwerker eine CNC-Fräsmaschine für 98.95.-, einen Rasenmäher für 35.45.- und kriegt die Gartenkralle dazu geschenkt? Inklusive Futteral um sie auf Reisen zu nehmen, sowie eine Zweite für Freunde und Bekannte, gegen eine Bearbeitungsgebühr von 14.95.-, kostenlos dazu?

Richtig, bei Pearl!pearl

Der Online Versand, welcher sie begleitet, von der formaldehyd-getränkten Kinderwiege bis zum Leicht-Pressplatten-Sarg mit USB-Anschluss für Live-Entertainment während der Abdankungszeremonie.
Einmal bestellt wird man auch im zweimonatigen Zyklus mit einem Katalog bedacht. Vorwiegend in schillerndem Lycra bekleidete Blondinen präsentieren mit einer Gitarre auf den Knien die Santana-Trainingssoftware für DOS 6.22 oder den klappbaren Racing-Seat für ihren SEGA Mega Drive.
Es zieht euch weg vom Sofa? Im kleinen Weissen steht eine Dame auf dem Laufband und präsentiert die zu erwartend knackige Kehrseite, so man es schafft, täglich ein paar Minuten auf selbigem zu bleiben.laufbandSie schätzen den gepflegten Modelgang? Sie werden feststellen, nachdem es den ambitionierten Läufer dreimal in die Wohnwand gesemmelt hat, werden sie durch die minimierte Lauffläche von 36 Zentimetern Breite und 96 Zentimetern Länge motiviert, einen Fuss vor den anderen zu setzen und ein moderates Tempo nicht zu überschreiten. Durch den verkleinerten Motor, Pearl arbeitet mit einem Sechstel der, zum Beispiel, von Technogym zur Verfügung gestellten Motorleistung, lässt sich das Trainingsgerät mit einem Fusstritt unter das Sofa befördern.
Die einzige Voraussetzung, sie dürfen die dreihundert Pfund-Grenze noch nicht überschritten haben, sonst laufen sie Gefahr, dass das robuste Gerät unter ihnen zerbröselt.

Pearl scheut keine Kosten, von „Der Preis ist heiss“ hat Pearl.tv Harry Wijnvoord’s Assi Walter Freiwald abgeworben.
Gescheitelt und schmierig geleckt bietet er unter anderem den Candy Grabber feil, welcher unter gequälter „Jahrmarktsmusik“ – Einzug der Gladiatoren heisst das Stück – in den letzten Zügen ächzend eine Kinder Schoko-Bon zum Auslass zu schleppen versucht.  Wie die Moderatorin bemerkt, je grösser das süsse Goodie, desto schwerer zu angeln, nicht zuletzt, weil die Typ D 1.5-Volt-Batterien sich unter dem losen Batteriefach bereits bläht. Vorsicht, nicht im Lieferumfang enthalten! Die Typ D ist noch grösser als die gute, alte Babyzell, da wünschen wir Papa bereits viel Spass, wenn er an Heilig Abend von Esso zu BP und Avia-Shop rasen darf.

Es liegt mir fern, über Pearl zu lästern.
Man kann sagen was man will, bei Pearl erhält man die Qualität, für welche man bezahlt hat. Dies habe ich schon vermehrt festgestellt.
So bei meinem Wake-Up-Light für 9.95.-, welches gegenüber dem Philips-Klassiker immerhin eine Preisersparnis von 95% darstellt. Man könnte natürlich auch sagen, dass ich für mein Philips Wake-Up-Light zehn Franken zu viel bezahlt habe, weil das Pearl-Produkt doch nicht in jeder Hinsicht überzeugte.
Die Einschlaf- und Aufwachhilfe durch selbst dimmendes Licht vermochte im Speziellen mit der kompakten Bauform von zehn auf zehn Zentimetern nicht zu überzeugen, die Lichtstärke von einem halben Lux reichte weder zum wecken, noch zum sanft entschlummern.

Man könnte meinen, ich hätte gelernt, doch bereits schneite ein neuer Milchshaker ins Haus. Den Boden des Messbechers knapp mit Milch bedeckt vermochte er die Küchenkombination bis zum Esstisch mit einem feinen Proteinschaum zu glasieren, beim halb gefüllten Messbecher quittierte der in seiner Drehfreudigkeit nun ordentlich gehemmte Motor mit einem seltsamen Geruch seinen Dienst.
Ich will mich nicht beklagen, zu meinem neuen Turmix-Pürierstab habe ich nun immerhin einen hübschen 29.95.- Edelstahl-Messbecher des renommierten Pearl-Hauslieferanten Rosenstein & Söhne.

Hinsichtlich der Campingsaison kaufte ich bei Interdiscount einen Weltempfänger. Dieser liegt irgendwo in der Normandie zwischen den Gebeinen der gefallenen Allierten auf dem Grund des Atlantik. Nicht, dass ich daraus gelernt hätte, dass man für 12.95.- eben auch nur einen Empfänger mit der Trennschärfe von 12.95 erhält, nein, ich liess mir daraufhin von Pearl einen Deluxe-Gerät für 9.95.- Franken liefern. Mit, haltet euch fest, einem Aux-Eingang, einen Kophörer-Ausgang, einem USB-Anschluss, einem Wecktimer und einer pupillenzerfetzenden, blauen Display-Beleuchtung. Ein Weltempfänger, welcher ausschliesslich auf dem UKW-Band empfängt und auch hier nur, so man sein Zelt unmittelbar neben dem Funkmast platziert und der Sender so stark ist, dass man sein Ohr auch an die nächste Dachrinne pressen könnte um Radio 10-Gold zu hören. Diese Leistung hat seinen Preis, der Akku ist nach 5 Stunden leer und die Tatsache, dass einem der Akku-Betrieb ein ausserordentlich wertiges Gerät vergaukelte, merkt man spätestens vor dem Batterienregal, dass die gute, alte Wegwerfbatterie immernoch die verbreiteste, mobile Stromquelle wäre. So der Avision-Weltempfänger nur über einen Aufnahmeschacht verfügen würde.
Vielleicht dudelte er in der Abfallverbrennung Rotterdam noch sein letztes Lied.

Mein letztes Pearl-Schnäppchen war die Nudelmaschine, natürlich von Rosenstein & Söhne.
Ja, ich pflege vieler meiner Lebensmittel selbst herzustellen, ich bin kurz davor eine Kuh, zwei Hühner und einige Hektar Land zu erstehen. Nudeln machen ist eine gemütliche Sache, die Maschine erstaunlich massiv. Sie muss in der Hölle geschmiedet worden sein. Die Bedienungsanleitung legt mir auf drei Seiten ans Herz, das Gerät unbedingt von Wasser fernzuhalten. Keinesfalls mit Wasser zu reinigen und es schon gar nicht in die Spühlmaschine zu stopfen. Konsequenzen einer Zuwiderhandlung werden nicht aufgezeigt. Da jedoch nicht jeder freie Zentimeter mit dem Aufdruck „stainless steel“ versehen wurde, gehe ich davon aus, dass mir dieses Gerät unter der Kurbel davon rostet. Die Erfahrung wird es zeigen, mir ist nicht daran gelegen, kleine Teigresten-Tierchen im Küchenschrank zu züchten, also wird es ordentlich im Wasser getaucht.

So, und nun muss ich mich entschuldigen, ich habe soeben ein 35-PS-Chiptuning für 4.95.- und einen sich selbst aufrollenden Gartenschlauch gesehen. Ich habe wohl keinen Garten, aber man weiss schliesslich nie…

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Haben Frauen auch ihr Gutes?

Eigentlich machen sie das Leben nur kompliziert und das Wort ‚eigentlich‘ benutze ich nur des geläufigen Sprachgebrauchs willens, denn auf ein ‚eigentlich‘ folgt ein ‚aber‘ und wir wissen, was vor einem ‚aber‘ steht kann man streichen, da es nur die liebhudelnde Einleitung darstellt. Das Wischen der Schuhspitze vor dem Arschtritt, möchte man sagen.

Welch dummer Einstiegssatz.
Das grosse Dilemma begründet darin, dass der Mann trotz Jahre der Entwicklung immernoch ein triebgesteuerter Jäger ist. Frau wackelt mit dem Allerwertesten und Mann hechelt hinterher. Wird durch das Wackeln mit dem Gesäss nicht des Mannes Trieb geweckt, ist er asexuell, homosexuell, oder einfach nur merkwürdig.

Für einen Dauersingel sind die langen Festtage immer ein Tänzeln auf dem Brückengeländer. Man schätzt die freien Tage sehr wohl, mit dem weihnachtlichen Dampfhammer wird einem auch, ohne Zuckerguss und Marzipan, das eigene, erbärmliche, einsame Leben vor Augen geführt.

Weihnachten ist nicht solch ein Ding, da geht man Mutti besuchen und mit dem Abstreifen der Schuhe legt man die Schnürsenkel schon zurecht um möglichst bald wieder hinein zu schlüpfen. Durch das gezwungene Halleluja – wir tun jeweils so, als wäre es völlig normal, dass zwei Söhne von 36 und 34 alleine mit Mutter den Heilig Abend begehen – läuft die Zeit wie Harz durch das Stundenglas und man wünscht sich nichts sehnlicher, als die Rückkehr in die Junggesellen-Mansarde, die Füsse auf den Couchtisch zu legen, die Pflichtgeschenke – ooooh danke vielmal – in eine Ecke zu knallen und sich im alkoholischen Sinne das Hirn aus dem Schädel zu pusten. Allenfalls noch ein paar Christbaumanhänger zu futtern, welche am 24. Dezember bereits im Sonderangebot waren.
Von Zeit zu Zeit trudelt ein ach so lustiges „Schöne Weihnacht“-SMS rein, aber im überschaubaren Rahmen. Da dieses sowieso als Rundschreiben an das komplette Adressbuch gesandt wurde, braucht man selbigem nicht mehr Beachtung zu schenken, als den Bettelbriefen der caritativen Organisationen mit den mundgemalten Weihnachtskärtchen im vorweihnächtlichen Briefkasten.

Richtig eklig wird der Silvester, an diesem Tag ist der Typ welcher Weihnachten allein seine Mutti besuchte noch merkwürdiger, weil er um 12 nicht auf dem Platz steht um mit anderen Trotteln anzustossen.
Um dieser abartigen Sitte standesgemäss zu entfliehen, ohne zu offenbaren, dass ich des Silvester um elf Uhr zugedröhnt ins Bett zu fallen pflege, same procedure as every year, wollte ich heuer ein ganz grosses Fass aufzumachen. Europapark, Silvestergala, Parkeintritt, bling bling und heureka, ganz grosses Kino.
Könnte man alleine, aber wenn wir schon bei merkwürdig sind, würde dadurch unweigerlich die Krone aufgesetzt.
Eine tolle Kollegin entgegnet für gewöhnlich, sie würde ja schon, könne aber nicht, weil der Merkur nicht in einer Linie mit dem Neptun, die Gezeiten und auch das Herbstlaub sähe ganz merkwürdig…
Ich solle doch mit einem Kollegen gehen. Die Patentlösung der Frauen, über kurz oder lang werde ich noch mit einem Kollegen in die Flitterwochen geschickt. Es ist nicht so, dass sie nicht mitkommen wollten, es sind nur ganz widrige Umstände, was aber keinerlei Anlass sein soll, dass ich deswegen mit einer anderen Frau hinfahren solle.
Nun, die Gefahr ist eher klein, die nächste angefragte Dame würde ja schon, aber da wäre der Freund…
Aber, da ich ja sowieso niemanden zum verreisen hätte, ob ich da nicht gerne beim Umzug helfen wolle, sie ziehe mit dem Freund in ein gemeinsames Kuschelliebesnest. Der Gedanke, mich einzubauen ist ja liebevoll und reizend, aber gelegentlich frage ich mich, ob Frauen naiv, saublöd oder einfach nur stinkfrech sind.
Die dritte Dame würde ja schon, aber gerade an Silvester wäre es nicht so gut, sie hätte da eben was am Start, aber es wäre gewiss eine ganz tolle Sache. Ob ich mir eigentlich schon Katzen angeschafft hätte, sie glaube, mir täten Katzen ganz gut, das wäre super gegen die Einsamkeit an Festtagen. Na toll, und wer füttert das Mistvieh, wenn ich mich mit einem Strang Lametta an den Firstbalken gehängt habe?

Ja man hat es nicht einfach, als Alleinstehender. Allerdings ist man ein wichtiges Glied in der Beziehung der Mitmenschen. Wenn man mal eben das Pikett übernehmen könnte, das wäre grossartig, man hätte da dieses tete-a-tete und du hast ja nichts zu tun, beim Online-Spiel kannst du auch das Handy neben das Bier legen.
Auch Chefs wissen das sehr zu schätzen, wenn man die Ferien doch mal eben um ein paar Tage schieben könnte und dann wäre dieser Samstag, es solle nicht zur Gewohnheit werden, aber wäre mal eben ganz dringend, du hast ja sonst nichts ob.
Der Mitarbeiter schleicht sich dezent vor der Feierabendsirene raus, du wärst ja noch da bis Dienstschluss, ob du hier oder zuhause sitzest mache keinen Unterschied, aber er hätte halt eine Frau… Und dann Weihnacht-Neujahr, er würde dann frei nehmen, in aller Selbstverständlichkeit, da er eben Feiern angesagt hätte und man selber ja sowieso nur zuhause sitzen würde, da wäre man doch ganz froh, wenn man arbeiten kann…

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Es ist nicht direkt so, dass die Leute unrecht hätten, man hört es nur so gerne, wie die Dame von Welt eine offene Antwort möchte, wenn sie fragt, ob dieses Schlauchkleid sie fett erschienen liesse.

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Via Auszugsleiter ins Paradies

Solltet ihr auf let-op nur noch Grillen zirpen und Tumbleweeds kullern sehen, muss ich mich entschuldigen.
Da mittlerweile jeder unterbeschäftigte Beamte und pensionierte Weinbauer sich der Schreiberei widmet, formte sich die wahnwitzige Idee, meine geistigen Ergüsse zwischen zwei Buchklappen zu sammeln. Einerseits strebe ich nach den fünfzehn Minuten Ruhm, anderseits…dagobert-duckEs soll was zwischen Ephraim Kishon und Tommy Jaud werden, der Arbeitstitel könnte lauten, ‚Wenn der Pöstler mit der Ziege – Einmal Weinland und zurück‘. Wie dem auch sei, was mir durch den Sinn schiesst fliesst in dieses Projekt, in der Hoffnung, noch einen roten Faden einflechten zu können.

Täglich steht ein Trottel auf und einer dieser Trottel hat eine technische Errungenschaft des Namens DVB-T entwickelt. Die digitale terrestrische Verbreitung von Fernsehsignalen war der Bypass im Herzen der totgesagten Spielwiese unserer lieben Rentner. Die gute alte Antenneninstallation. Eine heilige Kuh, dennoch kann man sich daran verwirklichen, ohne einen tödlichen Schlag erwarten. Zumindest im elektrischen Sinne, so des Sonntag Abend um kurz nach acht anstelle einer Pilcher’schen Liebelei auf der grünen Insel, des Nachbars Babycam empfangen wird, kann für partnerschaftliche Übergriffe nicht die Verantwortung übernommen werden.
Der Pfeiffer hat diese gebaut; Dies ist ein Prädikat für eine ganz aussergewöhnliche Anlage von erlesener Qualität, vorwiegend deswegen, weil besagter Pfeiffer sich mit Kanalfiltern den Schnabel vergolden liess, folglich muss es eine aussergewöhnliche Anlage von erlesener Qualität sein, wer lässt sich schon gerne über den Tisch ziehen, und so wird das silberne Firmenschild auf der guten Asbestplatte liebevoll gestreichelt.

Kanalfilter, für den Laien kurz erklärt; Man nehme eine Metalldose, schmeisse ein paar Drähte rein, verbinde diese mit einer guten Handvoll Lötzinn und fertig ist das Ding. Dessen Sinn und Aufgabe bestand darin, nebst dem Vergolden von Pfeiffers Schnabel, dass während des Freitag-Derricks auf dem ZDF im Hintergrund nicht zeitgleich der Giro-d’Italia über die Bildröhre lief. Dies nannte man damals Schattenbild, heute würde ein Medium für 2.30 die Minute die Zukunft darin sehen.
Die grosse Herausforderung bestand im Abstimmen dieses Filters, näherte man sich mit einem Schraubenzieher dem Potentiometer, verstellte sich dieses gleich um vier Kanäle, ganz abgesehen davon, dass bei exzessiver Drehbewegung die mikroskopische Stellschraube aus dem Gehäuse fiel, oder sich das gesamte Innenleben um den Schraubenzieher wand. Mein Lehrmeister hatte grosse Freude an mir.

Nun gut, im Zeitalter der digitalen Technik findet diese Kanaltrennung im Empfänger statt. Damit selbige überhaupt dahin gelangen, müssen die Filter entfernt werden, denn genau dieses ausgeblendete Frequenzband gilt es zu Nutzen. Genug der Technik.

Mit beinahe sadistischer Freude weide ich die guten alten Pfeiffer-Anlagen aus, labe mich an den Tränen der Besitzer, welche nicht nur bares Geld sondern ein Stück Geschichte zu Boden fallen sehen. Sadistisch, weil ich mir gewiss den Mund fusselig geredet hatte, dass jeder in diese Anlage investierte Franken einer zuviel ist. Aber die Leute wollen es nicht einsehen. Uns genügen diese sieben Programme, denn, mein Lieblingsargument, man kann nur einen Sender aufs Mal sehen. Nein nein, nicht etwa weil es einen DVB-T-Receiver beim Kauf eines Kodak-Filmes gratis dazu gibt, man braucht einfach nicht mehr.
So steigt man auf den Dachstock. Wenn die Kunden einem richtig lieb haben, trägt man dabei die Schuhe unterm Arm durch den Flur, um sie auf der Auszugstreppe der Dachluke wieder anzuziehen.
Wie man beim Springen in unbekannte Gewässer kurz das Cello-Stakkato aus dem Weissen Hai im Ohr hat, fliegen vor dem geistigen Auge alle lustigen Filmsequenzen mit Dachluken und deren Auszugleitern durch. Ich habe noch keine Leiter in die Kauleiste gekriegt, aber so ziemlich jede Extremität einmal gequetscht. Es gibt die modernen im Faltprinzip, welche beim Begehen sich trotz mehrmaliger Überprüfung noch um einen halben Meter ausdehnen, gerade genug um vornüber zu kippen und eine hässliche Kerbe im Parkett zu hinterlassen. Es gibt die klassische Auszugleiter aus Holz, welches sich dank dreissig Jahreszyklen in alle Richtungen gedehnt hat, dass man sie nicht ausziehen kann, ohne dabei die Hand zwischen beiden Elementen zu klemmen. Auch beliebt, die Ein-Elementleiter, welche den halben Dachboden als Platzhalter beansprucht, was den Kunstoffnikolaus nicht im geringsten interessiert und er einem samt Rudolph dem Rentier entgegenfliegt. Wahlweise ergiesst sich auch Mäxchens Legosammlung aus dem Schimmelkarton durch die Luke. Zu guter Letzt noch die Fixleiter, welche aus dem Keller zum Dachboden getragen werden muss, vorbei um sieben Ecken an Nippes, Parfümflakon- und Porzellanpuppensammlungen. An der Dachluke wird sie angelehnt, exakt mit einem Zentimeter Gleitreserve an der Oberkante, sprich, gibt der Läufer einen Hauch nach, segelt man die Treppe herunter in Nippes, Parfümflakons und Porzellanpuppen. Da sind wir bereits bei der nächsten Thematik, diese Luken sind stets über dem letzten Treppenabsatz, was bedeutet, dass bei jedem Gang zum Fahrzeug oder Fernseher, und glaubt mir, ihr werdet viel gehen, diese Leiter ein und ausgezogen werden muss. Wie auch, wenn die Kinderlein, der Mutter ‚Niiiiicht‘-Rufe ignorierend, just in diesem Moment mit unglaublicher Geschäftigkeit zwischen den Stockwerken flanieren müssen.

Steht man also unter der Lucke mit den Schuhen unterm Arm, übersäät mit tausend toten Fliegen und schickt sich an hoch zu steigen. Wegen der Kälte brauche man die Schuhe, so der Hausherr, ich trage sie lieber, weil auf Dachböden Marder und Ratten um die Wette scheissen. Mindestens ein toter Vogel verwest in einer Ecke und im Sommer freuen sich die Wespen über die unterhaltsame Ablenkung in ihrer ganz eigenen, stichelnden Weise.

Heute zerpflückte ich wieder eine solche Anlage. Nicht mit Leidenschaft, dafür mit klammen Fingern. Für den Gang auf den Dachboden, musste ich der Nachbarin Wohnung passieren, was diese mit freundlicher Ablehnung zur Kenntnis nahm. Wie auch ihr kleines Kind, welches bei meinem Vorbeigehen stets zu schreien begann, als würde ich gegen die Wiege treten oder es mit dem Schraubenzieher pieksen. Gut, ich mag Kinder nicht, Kinder mögen mich nicht, warum kann man dies nicht mit einem gepflegten, gegenseitigen Ignorieren begehen? Nein, Kleinkinder müssen schreien wenn ich komme. Grössere Kinder fragen mir ein Loch in den Bauch, ich ignoriere sie, wissentlich, dass in 47 Sekunden dieselbe Frage noch einmal gestellt wird, unabhängig davon ob ich eine Antwort geliefert habe oder nicht und ob diese Koaxialstecker oder Puuh der Bär gelautet hat. Teenager müssen einem auf Mutters Geheiss genau zusehen, damit sie einen solch tollen Beruf erlernen können. Noch sinn- und zukunftsloser als Multimedia-Elektroniker ist wohl nur noch der Beruf des Schreibmaschinenmechaniker und Setzbuchstabengiesser, aber bitte, gucke und schmeiss dein Leben weg.
Der schreiende Balg wurde in einen Wagen gepackt und durch das Dorf gekarrt, was mir etwas Ruhe verschaffte, mich dem Generalverdacht des Babyquäler enthob und ich mich auf das Marschieren konzentrieren konnte.
Ich verliess Frau Hübelis Wohnung durch die Tür, welche nur mit Schwung und Knall geschlossen werden konnte, trippelte die Treppe runter, auf der anderen Seite des Hofes die Treppe wieder hoch in Müllers Haus, durch eine Tür welche sich nicht schliessen liess, über einen penibel gereinigten Fluch durch eine weitere Tür in die Küche, daraufhin eine Treppe hoch, über ein Babygatter, mit diesen Verschlüssen bin ich stets überfordert, hinweg, und die auszuziehende Leiter wieder hoch. Diesen Weg erledigte ich, nicht übertrieben, fünfzig mal, hin und zurück. Fünfzig mal Treppe raus und rein, fünfzig mal „tschuldigung“, und fünfzig mal ein Baby, welches wie am Spiess zu schreien begann.

Man könnte nun meinen, ich wäre so ungeschickt oder vergesslich, zweimal gehen müsste reichen. An sich schon, nur bin ich von meiner Perfektion so wenig überzeugt, dass ich den Fehler stets an meiner Arbeit und nicht an des Kunden Gerätschaften suchte. Antennen ausrichten, Stecker erneuern, Kabel ersetzen, Verstärker neu einstellen, ja, ich schleppte gar eine neue Antenne durch den penibel gereinigten Flur, am schreienden Kind vorbei auf den Dachboden, verteilte alle mitgeschleiften Jacken, Schals und Mützen wieder im Haus, nur um festzustellen, dass diese Scheisse auch nicht funktionierte.
Zu guter Letzt ersetzte ich den 85-Franken-Empfänger und der Schrott funktioniert.
Nun, du wolltest DVB-T. Gespickt mit allerlei Fachbegriffen erklärte ich, warum kein einziger Gang zuviel war und liess mir und der Firma jeden einzelnen Fussstapfen vergolden.
Da hast du DVB-T, du Sparfuchs.

Für alle Hobby-Konsumentenschützer und Schmezer-Jünger; Es war nicht jeder Gang vergebens, die gute Kundin empfängt nun Sender, von welchen sie noch nie gehört hat, was sie wohlwollend zur Kenntnis nahm, obwohl sie nur einen aufs Mal schauen kann und sowieso nur Schrott gesendet würde.
Eben weil ich so perfekt bin.

Veröffentlicht unter He works hard for the money, Hossa, Pub, Vom Leben und gelebt werden | 2 Kommentare

Eigentlich gibt es so viele tolle Jobs…

als Schrankenwärter…

als Brötchenleger…

man muss sie nur finden, da könnte man auch mit Stil kündigen.

Veröffentlicht unter He works hard for the money | Kommentare deaktiviert für Eigentlich gibt es so viele tolle Jobs…