Abstimmungsempfehlung

Es wäre an der Zeit, sich zu den kommenden Abstimmungen Gedanken zu machen, was ich mit Gewissheit weiss, ich bin unentschlossen.

Ins politische Nirvana senden können wir die 1:12-Initiative, möge es dort als Luftschloss ewig weiter leben. Wie jeder aufrichtige Handwerker, von der Gunst besser betuchter Clientel abhängige Arbeitnehmer, ärgere ich mich über Saläre, welche insofern nicht begründet sind, dass keine Arbeit dutzende Millionen wert sein kann. Mein Brötchengeber schlägt mir monatlich die Umsatzzahlen um die Ohren, auf Rappen und Heller genau sehe ich schwarz auf weiss, wieviel ich zum Buffet beigetragen habe und wie gross letztendlich mein gezogenes Kuchenstück ist.
Nicht die unglücklichste Praxis, gewiss ist ein Leistungsdruck vorhanden, jedoch kann ich hoch erhobenen Hauptes dem Geschäftsführer gegenüber treten, fühle mich nicht genötigt unter Bücklingen dem Chef für das monatliche Entgelt zu danken, da ich weiss, dass ich jeden Franken im Idealfall mehrfach eingebracht habe.
Wenn ein Vasella, ein alter Hut, sein Salär nun um das zehnfache auf 20 Millionen erhöhen konnte, ohne dass das ihm anvertraute Unternehmen nennenswerten Gewinn eingefahren hätte, muss er dies in erster Instanz vor seinem eigenen Gewissen verantworten können, so er vor die Pillenpackerin steht und erklärt, warum ein Mindestlohn nicht realisierbar sei. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, sich um die Entlöhnung in der Privatwirtschaft zu kümmern, man mag sich gar nicht ausdenken, wieviel steuerlich entlöhnte Stellen dafür geschaffen werden müssten.
Zudem deucht es mich eine fragwürdige Befriedigung, wenn die Pillenpackerin nun weiss, dass der grosse Chef offiziell einen tüchtigen Batzen weniger erhält, der eigene Lohn jedoch um keinen Cent steigt, ja, einem mittels schwarzem Brett mitgeteilt wird, man soll froh sein, noch einen Job zu haben. Einen Schritt weiter in die zivilisierte Sklaverei.
So wenig ich die Befriedigung eines Rentners nachvollziehen kann, welcher einen Handwerker verzeigt, weil er auf einem nichtgekennzeichneten Parkplatz parkiert, so sinnlos wirkt das trotzende Gebahren der Jungsozialisten. Selbst Hansli mit seinen fünfzig Legosteinen weiss, wenn Maxli von seinen hundertfünfzig Legosteinen zwei Drittel abgenommen werden, hat Hansli deswegen kein Klötzchen mehr.

Wenn die Partei des gestopften Mittelstandes aufruft, dass die Betreuung des Nachwuchses in den eigenen vier Wänden steuerlich begünstigt werden soll und dies den schwach Verdienenden zum Vorteil gereicht, ist ein gesundes Missvertrauen angebracht. Baut der Wohlstand des Mittelstandes doch nicht zuletzt auf der Schröpfung des Proletariats auf und so einem der Herr eine Brotkante zuwirft ist Vorsicht angebracht. Ich bin ein Verfechter der klassischen Familie, Mutti ist zuhause und kümmert sich fürsorglich um die Kinder, während der Vater mit der Keule auszieht und die dafür erforderlichen Mittel besorgt.
Natürlich ist dies überholt, aus schönen Gründen wie der Tatsache, dass sich viele Frauen im Berufsleben etabliert haben und dies wegen der Familiengründung nicht über den Haufen werfen möchten, während der Mann die Karriereleiter weiter hochkrabbelt. Über den Aspekt, dass letztendlich alle gewinnen wollen wir heute nicht referieren, viel mehr möchte ich betonen, dass das klassische Familienbild im Proletariat kaum mehr zu realisieren ist. Wenige Handwerker fahren genug Geld ein, eine Familie zu unterhalten, dass völlig auf ein Zweiteinkommen verzichtet werden kann. Es springen Grosseltern, Nachbarn und Freunde ein, während der gestopfte Mittelstand, man fährt die Kinder im SUV zur Schule, sich diesen Luxus der Selbstbetreuung sehr wohl leisten kann. Die Missgunst des Bürgertums auf die Steuerabzüge der gehobenen Proletarier, welche auf Kinderkrippen zurückgreifen müssen, bringt nun also diese Initiative aus Parkett. Nicht weil sie auf die Abzüge angewiesen wären, es ist einfach das Gefühl, man würde übergangen. Unterm Strich, den Beutel füllen sich die Initianten, bei der Unterschicht wird weiterhin der Status Quo herrschen. Somit erklären sich auch die Beweggründe der SVP.
Der Gedanke klingt schön, ich würde ihn zu gerne unterstützen. Doch die einzige Veränderung, welche wir vom Proletariat erfahren wird darin begründen, dass nun eben Steuerausfälle kompensiert werden müssen und dies nicht zuletzt, und vor allem einmal mehr, bei den alleinstehenden Bürgern, welche unisono Sozialschmarotzer sind, weil sie mit ihrer Kinderlosigkeit zum gemeinen System nichts beitragen.

alleinstehende-ziehen-den-karrenhttp://www.beobachter.ch/familie/kinder/artikel/familienpolitik_die-alleinstehenden-ziehen-den-karren/

Zu guter Letzt die Vignette. Hundert Franken, ja oder nein. Das dürftigste Argument, es hätte seit zwanzig Jahren keine Preiserhöhung mehr gegeben. Punkt.
Dies könnte man anfügen, wenn die Produktionskosten für diesen Aufkleber in astronomischen Umfang gestiegen wären, worauf man sich wiederum fragen müsste, wer will den Aufkleber denn überhaupt, der Autofahrer wohl zuletzt, nur wenige Brummifahrer bringen ihn freiwillig an. danke-dorisSelbstverständlich, wir kaufen ja nicht einen Aufkleber, sondern die Legitimation uns auf den Schweizer Autobahnen zu bewegen, wir tragen damit den Unterhalt derselbigen. Dies erkennt man nicht zuletzt an den vielen Baustellen, es wird was getan, das Geld wird benötigt. Man möchte noch mehr tun, man benötigt noch mehr Geld.
In erster Linie möchte man sich natürlich fragen, wo die knapp sieben Milliarden Franken versumpfen, welche der private Verkehrsteilnehmer dem Staat entrichtet und nie in ein Strassenstück investiert werden. Ich berufe mich ohne weitere Recherche auf die Zahlen der Initiativgegner. Allerdings wurde von öffentlicher Seite nie verleugnet, dass ein grosser Teil der Verkehrsabgaben anderweitig verwendet wird.
Daher macht es in meinen Augen wenig Sinn, für eine Vignette mehr zu bezahlen. Ich wäre sofort dazu bereit, wenn die Einnahmen für den Strassenverkehr sinnvoll und erforderlich wären. Aber nur, weil unser Staat mit unserem Geld nicht haushalten kann, im Rahmen seiner Quersubventionierung den Überblick verloren hat und nun den Autofahrer weiterschröpfen will weil sich diese Zitze nun einmal so praktisch anbietet, kann ich diese Erhöhung nicht gutheissen.

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Wieder einmal Loriot

Eine topologische Ordnung scheint mir nicht möglich, doch gereicht es mir nicht zur Schande, eine gewisse mediale Enthaltsamkeit bestätigen zu dürfen.
Was war zuerst; Die Henne oder das Ei?
Hat sich das Fernsehen der Klientel angepasst, oder trägt selbiges in erschreckendem Masse zu deren Bildung bei. Gott behüte, dass ich mich zu einem Urteil über unsere nördlichen Nachbarn, dem grossen Kanton, hinreissen lasse, aber – Satzteile vor einem ‚Aber‘ können, dies als kleiner Einschub, getrost gestrichen werden, da sie zum Gesamtkontext bestenfalls in Form einer schmeichelnde Einleitung beitragen – obwohl das Zweite Programm nach letztjähriger Erhebung noch marktführend ist, folgt die RTL-Gruppe mit lediglich o,3 Prozent weniger Marktanteilen auf dem Fuss.
Dies beinhaltet Proletenbildung wie Reality-TV zu gleichen Teilen, Wer wird Millionär trifft auf Familien im Brennpunkt, ein charmanter Günther Jauch auf castingermittelte Laiendarsteller in der Verkörperung von schwangeren Teenies, eifersüchtigen Dritt-Ehemännern und arbeitslosen Messehallenkehrerinnen.

Ohne die Formate näher zu erörtern, wäre das Zielpublikum nicht vorhanden, würde die Sendung nicht ausgestrahlt. Das schnelle, einschaltquotenorientierte Handeln zeigte sich kürzlich in der Sat-1 Gruppe, als Schiffers Fashion-Show kurzerhand mit dem grossen Messer gekürzt und von der Prime-Time in die Nachtstunden verschoben wurde. Anlässlich Ausstrahlzeiten eine interessante Beobachtung zu einer Trendserie namens House of Cards. Unser gebührenfinanziertes, jährliche 1.2 Mrd Franken zu Handen der SRF-Produktionen, Fernsehen brachte es bereits zustande, dass eine Serie wie die Simpsons als unrentabel abgesetzt werden muss. Nun wollte das Schweizer Fernsehen mit der US-Politserie im Fahrwasser der ganz Grossen mitgleiten, exakt einen Tag und eine Stunde später, sprich Montags um Mitternacht, nachdem ORF und SAT 1 gestartet sind. Der Einkauf der Serie wird SRF 1 ganz gewiss Traumquoten bescheren.

Im Rahmen der zuschauerorientierten Programmgestaltung, man nehme Berlin Tag und Nacht oder Frauentausch, wird im grossen Kanton nahezu täglich ein Komiker, neu auch Comedian, aus der Gosse gespühlt.
Während der Clown mit roter Naser, weitgehend sprachfrei durch ungelenkes Auftreten sein Publikum amüsiert, frei nach Stephen King auch einmal verspeist, setzt der Kabarettist einen gewissen Bildungsgrad voraus und spielt mit humoristisch aufbereiteten politischen und gesellschaftlichen Aspekten.
Die Comedians versuchen beides zu vereinen, nur wird hier die Clownnase in etwa durch einen pinkfarbenen Trainingsanzug ersetzt und dem Verständnis der komödiantischen Einlagen wird ein gelegentliches Studium der Bild-Zeitung sowie der regelmässige Konsum des Unterschichtenfernsehen, die Trovatos ermitteln, vorausgesetzt.
Vielleicht liegt es daran, dass ich weder der Plattenbau-Trulla aus Marzahn, noch einem Mario Barth oder dem Ceylan Bülent etwas abgewinnen kann.

Meine Gedanken zu dieser Thematik regte soeben der Norddeutsche Rundfunk an, welcher einen toten Gaul über die Bühne schleifte. Asche auf mein Haupt, Loriot als toten Gaul zu bezeichnen, aber der gute Herr von Bülow hat ja keinen Einfluss auf die Verramschung seiner Werke mehr.
Da er diese Woche seinen neunzigsten Geburtstag begangen hätte, widmete ihm das Dritte Programm eine Sondersendung. Eine äusserst bemühte Schöneberger, ihres Zeichen Comedian, führt mit ihrem Sidekick Plasberg durch die Sendung, Gäste erwählen ihren Lieblingssketch, welcher in gekürzter Form zum Besten gegeben wird.
Der Charme Loriots, das Spiel mit den Worten, leidet unter der lieblosen Zusammenstellung der Einspieler und sinnentleerten Kommentare der Gäste auf der Couch. Der Vergleich primärer, geschlechtsbestimmender Gliedmassen, wer mit Victor von Bülow nun besser bekannt war, sich findend auf dem Nenner, dass ihn keiner der Anwesenden wirklich näher kennt als der Zuschauer auf dem Sofa und ambitionierte Wikipedia-Nutzer, ist nur noch das Zitronencremebällchen auf dem Mokka-Trüffel-Parfait.
Bereits letztes Jahr, ich wohnte einer Loriot-Vorführung im Stadttheater bei, sah ich den Zauber durch die Asbestdecke entfliehen, als die Schauspieler trotz der Darstellung der Sketche im exakten Wortlauten, durch die Einbringung von individuellen oder zu bemühten Betonungen, die Darbietung zu einem ländlichen Laienbühnenschwank verkommen liessen.

Vielleicht sollte man mit dem Auspressen der Zitrone innehalten und diesem grossartigen Künstler, Friede seiner Asche, die angemessene Plattform bieten.
Die Weihnachtssitzung im dritten Programm.

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Neulich beim Exorzisten

Wenn der Regen gegen die Scheibe prasselt, der Wind um den First heult und dunkle Wolken über den Himmel ziehen gelüstet es einem bei Kaminfeuer und Kerzenschein sich dem süssen Nichtstun hinzugeben, zu laben an heissem Kakao und geniessen von seichter Lektüre.

Oder ich steige in den Keller, willentlich mich einer digitalen Herausforderung zu stellen, ich bewege den Fledermausmann durch die virtuelle Nacht von Gotham City. Das Spiel will erst käuflich erworben werden, das Playstation Network bietet online Hand dazu, niemand muss öfters als unbedingt notwendig die sicheren Gefilde des durchgesessenen Sofas verlassen. So man sein Passwort noch weiss. Bequemlichkeit vor Sicherheit, beim Playstation Network sind meine Kreditkartendaten an eine digitale Wand gepinnt, nur habe ich mittlerweile ein neues plastifiziertes Zahlungsmittel erhalten, worauf diese Daten nach Aktualisierung rufen. Wozu ich wiederum ein Passwort benötige, welches sich selbstverständlich durch eine winzige Abweichung von allen anderen benötigten Zugangswörtern zu Sicherheitsportalen unterscheidet.
Entweder notiert man sich die Passphrasen, wovon einem in sämtlichen AGBs und führenden Sicherheitsbroschüren abgeraten wird, oder man lässt sich bei jeder Anmeldung ein provisorisches, neues Passwort zuweisen.
Der zuständige Mitarbeiter beim Playstation Network sass wohl gerade zu Tisch, also verzichtete ich auf den Online-Kauf und legte ein bereits in meinem Besitz befindliches Spiel in den dafür vorgesehenen Schlitz.
Es müssen seit der Erscheinung ein paar Monate ins Land gezogen sein, das Spiel erforderte eine kleine Aktualisierung. Präzise gesagt derer vierundzwanzig, im Volumen von 150 bis 1259 MB. Es grenzt an ein Wunder, dass dieses Spiel dereinst überhaupt funktionierte, wenn es Fehlerkorrekturen und Überarbeitungen von diesem Umfang bedarf.

Um die Zeit zu überbrücken klickte ich mich durch das Fernsehprogramm und blieb doch tatsächlich beim schweizerischen öffentlich rechtlichen Fernsehprogramm hängen. Teufelsaustreibung.
In meinem eingeschränkten Blickfeld betreibt die Heilsarmee in erster Instanz ein Brockenhaus und pflegt die Wintermonate singend um einen Pfadfinderkessel auf dem Fronwaagplatz zu verbringen. Gewiss eine gute Sache, sie bauen beim Missionieren auf die Eigeninitiative des Individums und gehen keinem auf den Senkel.
Neu war für mich, dass ein Angehöriger der Kirche mit Öl beträufelt wurde und unter der aufgelegten Hand zu spastischem Zucken und kamerawirksamen Gesichtsentgleisungen neigte.
Er manifestiert sich, sprachs der Mann mit vollem weissen, zum Gary Cooper-Scheitel gelegtem Haar. Wir gehen in einen Nebenraum, fuhr er fort.
Der  Mann im Strickpulli wurde vom Offizier Beat Schulthess in ein Nebenzimmer geführt, eben noch vom Teufel besessen, nun lammfromm ohne Zwangsjacke oder Kreuz auf der Stirn. Flankiert von zwei jungen Damen.
Das Kamerateam blieb aussen vor. Entweder entwickelte der Tontechniker bei der Nachbearbeitung eine künstlerische Eigendynamik, oder im abgetrennten Raum ging es bei der Manifestierung ordentlich zur Sache. Der Zuschauer musste sich jederzeit gewahr sein, dass Max von Sydow durch die Papptür geschleudert werde und man einen traumatischen Blick auf Linda Blair mit unnatürlich verdrehten Gliedmassen erhaschen konnte.

Nichts dergleichen.haeuserbefreiung
Dafür konnte man ein paar Einstellungen später Offizier Schulthess in seinem Heils-Mobil Marke Toyota verfolgen, wie er ein Eigenheim von bösen Geistern reinigen sollte. Des Nachts rauben Schritte der Hausherrin und den Kindern den Schlaf. Mit zwei verwirrten Schäfchen am Rockzipfel durchschritt der Herr die Schlafsäle, auf dem Hasbro-Spielteppich zwischen Feuerwehrauto und Shaun dem Schaf bemerkte er ein erdrückende Enge.
Etwa zweihundert Hausreinigungen stehen pro Jahr an, Tendenz steigend, doch als ich mich interessiert nach vorne beugte, machte er den Markt gleich wieder zunichte. Die Heilsarmee bietet den Dienst gratis an. Daher ist die Frage nach Garantie auch müssig, bei besagter Familie stand er bereits das zweite Mal auf der Matte.
Mit Gebeten wurden nun die Untoten, es seien hier Verblichene welche durch das Haus strömten, aus den Räumen vertrieben. In schneller Schnittfolge betete er unter der Dusche, im Kinderzimmer, Estrich, Wohnzimmer, Waschraum, Dark Room, Toilette, stets verfolgt von den Schäfchen, welche mit Halleluja den Worten Nachdruck verliehen.
Um auf Nummer sicher zu gehen, auch wandelnde Leichen oder zumindest deren Geister nutzen die reguläre Eingangstür mit der Jumbo-Schmutzmatte, bestrich er den Türrahmen mit Öl, nicht ohne den Boden dabei ebenfalls ordentlich zu netzen.
Wurde den Kindern die Mär von Geistern im Kinderzimmer bis jetzt nur elternseitig eingetrichtert, tragen sie nun das Trauma mit geölter Gewissheit davon.

Was wäre dies für eine gemütliche Art sein Geld zu verdienen.
Und wer will einem haftbar machen, wenn der Hokuspokus nicht anschlägt?

Auf CMS-generierten Low-Budget Internetseiten werden mir alle möglichen Arten zur Kontaktaufnahme mit meiner Grossmutter selig geboten. Vom günstigen Telefonat zu 2.50 die Minute über die Kristallbettsitzung bis zur Hypnose für läppische 350 Franken. Ohne Garantie, dass ich hernach nicht in der Auffahrt nach Würmern scharre und wie ein Huhn gackernd in meinen Wagen steige.
Bei allem Respekt vor der Kunst unterbeschäftigter Hausfrauen und durchgeknallten Arbeitsscheuen, gerade als religiöser Mensch mangelt es mir etwas am Glauben.

Wer verleiht den Auserwählten diese Gaben? Der letzte von Gottes Gnaden bedachte, schriftlich beglaubigte Übermensch feiert in etwas über einem Monat sein zweitausendunddreizehntes Wiegenfest.
Wäre dieser nun von Tür zu Tür gezogen, einmal Wasser in Wein macht 48 Goldstücke, einmal vom Blinden zum Sehenden bitte 200 Taler und die Heilung von Gelähmten gibt es nur für Kassenpatienten, wie lange wäre er wohl im Besitz seiner Kräfte geblieben?

Ein weiterer Lieferant für übernatürliche Kräfte wäre da villeicht der Belzebub. Ein Anruf direkt in das Fegefeuer, was allerdings die Sprachgebühren von 2.50 gegenüber den griechischen Roaming-Tarifen wiederum wie ein Schnäppchen wirken lässt.


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Platt, platter, Achtung, fertig, WK!

Warum eigentlich nicht, Achtung, fertig Charlie! war schliesslich ganz witzig.
„Und wenn ich säge Achtung, fertig, Charlie! isches gfööhrlich, au wenns grad nid so gfööhrlich usgseht!

http://www.achtungfertigwk.ch/assets/img/teaser.png

Achtung Spoiler!

Ist allerdings auch schon zehn Jahre her, ich absolvierte meinen Wiederholungskurs im schönen Appenzell, als die gesamte Kompanie in das Herisauer Lichtspielhaus geladen wurde und wir in Uniform der Abfertigung sämtlicher militärischer Klischees beiwohnten. Das ein oder andere Quöllfrisch mochte den Geist etwas abgestumpft haben oder der Film profitiert vom Fakt, dass jeder gestandene Eidgenosse den aktiven Militärdienst als mitunter tollste Zeit seines Lebens beschreibt.
Die Verkörperung der urigen Männlichkeit, eine durch und durch heroische Angelegenheit, ein unfehlbares Gesprächsthema unter an sich wildfremden Männern und der Reiz einer beinahe servilen Anbetung durch die weibliche Spezies an die mehr oder minder adrett geschnittene, stimmige Komposition von ordenbehangener Jacke unter korrekt sitzendem Berrett auf einem Haarschnitt nach dem man die Uhr stellen kann.

Doch verlieren wir uns nicht in freudschen Analysen.
Mike Eschmann hatte es fertig gebracht, sämtliche Stammstischplattitüden auf Zelluloid zu bannen, vom waffenlosen Romand, über das latent homosexuelle Muttersöhnchen, zum grossmäuligen Deckhengst und wieder zurück zum hirnlosen Grenadier, ohne den bananengassüchtigen Kiffer zu überspringen. Die ganzen Charaktere wurden in eine Story gepresst, getragen von einer Hommage an die fruchtlosen Bemühungen, aus pazifistischen Tunichtgute die beste Armee der Welt zu bilden.
Und natürlich Melanie Winiger, wie immer stets bemüht eine Rolle zu verkörpern, ohne jedoch über das blosse Spielen herauszuwachsen, aber zumindest hübsch anzuschauen.Meine Generation steckte mitten im jährlich wiederholenden simulierten Kriegstreiben, die ältere Generation konnte zumindest sagen, früher wäre dies strenger gewesen und Frauen fanden es wohl einfach lustig. Und konnten Uniformen gucken. Ein Familienfilm, es funktionierte.

Achtung, fertig, WK!
Güzin Kar, welche mich schon als Kolumnistin nie zu begeistern aber immerhin zu nerven vermochte, schrieb das Drehbuch. Ohne in ein chauvinistisches Schema zu verfallen; Aber würdet ihr mich ernst nehmen, wenn ich ein Sachbuch über den weiblichen Hormonhaushalt während der dreizehnten bis achtundzwanzigsten Schwangerschaftswoche verfassen würde, weil ich gelegentlich mit einer Dame in guter Hoffnung ein Mineral getrunken habe? Wie kann also eine dem Wehrdienst ferngebliebene Frau ein Werk verfassen, welche den militärischen Alltag auf die Schippe nehmen soll, und, da sind wir uns wohl einig, dies ist der Grund, warum man sich diesen Film zu Gemüte führt. Oliver Rihs versuchte dieses Meisterwerk filmisch umzusetzen und heraus kam eine Film, platter als die Leinwand und der einzige Pepp war das Salz auf meinen gepufften Maiskörnern.
Die Tochter des Oberstleutnant Reiker, schwanger vom yogalehrenden Freund, sucht eine neue Bleibe. Oberstleutnant Reiker besitzt ein Häuschen, dieses überlässt er der Tochter, sofern der yogalehrende Dienstverweigerer den WK absolviert.
An den Haaren herbeigezogen, dass die Kopfhaut ziept, aber es musste ja ein WK sein, sonst hätte es mit dem Titel nicht harmoniert.
Zeughaus-Angestellte bieten alleine schon humoristisches Potential für einen abendfüllenden Spielfilm, werden aber durch einen Vierfrucht-Pyjama-Träger ersetzt; Man kann eine Steilflanke auch in die dritte Etage hochballern.
Statt feinem Humor baut man lieber auf Chillisauce in der Unterhose, antibockresistente Soldaten welche sich an einem Poulet verlustieren und bindet Wachtmeister wie Soldat in blasphemischer Weise an ein Kreuz, inklusive symbolisiertem Dornenkranz. Grenzwertig in meinen Augen, aber im Saal herrschte grosse Heiterkeit, der Dienstveteran in der Sitzreihe hinter mir kriegte sich bis zur Pause kaum mehr ein, wenn ich ihm – Psychologie im Kinositz – auch unterstellen möchte, dass er mit seinem ausladenden Gelächter der Begleitung lediglich versinnbildlichen wollte, dass er den Ablauf ganz genau kenne und dies alles schon erlebt habe. Nur noch extremer. Natürlich.

Selbstverständlich wird die Story gespickt mit dem klassischen Liebeswirrwarr – beinahefremdgehen, doch wieder finden und Friede, Freude, Eierkuchen – ein Hauch Dramatik mit der missbrauchten Köchin und selbstverständlich findet die Komödie ihr explosives Ende im simulierten Kriegsspiel.
Nichts setzt die mangelnde Schlagfertigkeit der Schweizer Armee besser in Szene, als wenn erwachsene Männer mit Lasergewehren über das Feld rennen, über die eigenen Füsse stolpern und „Peng-du-bist-tot“ spielen.

Welche Ironie, dass an jenem Punkt, an welchem die Lächerlichkeit zum filmischen Exzess getrieben werden sollte, der Blick auf unsere Armee nicht nüchterner und realistischer hätte dargestellt werden können.

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Sparen auf Regierungsart

Gewiss wart ihr auch schon etwas klamm. Ebbe im Portemonnaie, Ende des Geldes zuviel Monat, den Überblick verloren wohin das Geld verschwunden ist.
Dann geht man kurz über die Bücher, verschafft sich einen Überblick und bestellt vielleicht das ein oder andere Abonnement ab, Männer künden ihre Mutterschaftsversicherung, man kündet die Vollkasko für Muttis Golf II Jahrgang 92 des letzten Jahrtausends und überlegt sich, ob man die Erdnüsse im Ausgangslokal mit zwanzig Prozent Trinkgeld nicht etwas zu hochkarätig vergoldet.

Der Kanton Schaffhausen ist in solchen Dingen bekannterweise sehr unselbständig, so entschieden unsere Volksvertreter ende September für beinahe eine halbe Million Franken eine externe Beraterfirma zu engagieren, welche unser Sparpotential eruiert. Na ja, wenn man’s hat.
Ziemlich stillschweigend, der Regierungsrat darf bis zu einer einmaligen Zahlung von 100’000 Franken eigenmächtig entscheiden, wurde die Zürcher Hochschule für eine 60 Seiten starke Studie eingespannt.
Die klugen Köpfe in der Fachstelle für Wirtschaftspolitik kamen zum Schluss, dass die jährliche Pro-Kopfbelastung für Gebühren und Abgaben im Kanton bei 28’500 Franken liegt, wovon 12’500 Franken für Sozialversicherungen drauf gehen. Weitere Schlüsse konnten wegen zu dürftigen Daten nicht gezogen werden.
Dachte ich bisher, genau solche Dinge zu wissen wäre Aufgabe unseres Finanzdepartements, aber was verstehe ich schon davon.
Die Seite kostete 738 Franken, respektive die ganze Studie 44’280 Franken. Millionenloch hin oder her, mein Geld sitzt bei unserer Regierung ordentlich locker.

Wo wir gleich beim Sparpotential sind; Mehrkosten von 280’000 Franken beim Museum zum Allerheiligen gelten Angesichts der ausufernden Bauten im Kanton bereits als überschaubar, so der Grosse Stadtrat.

Auch im Weinland ist man bautechnisch aktiv.
Auf der Weinlandbrücke bei Andelfingen wurde eine 2,5 Meter hohe Glaswand errichtet. Lärm und Windschutzmassnahmen wurde dem Volk mitgeteilt.
Nach der Fertigstellung wurde berichtigt, es handle sich um eine Suizidprävention. Man wollte die Leute nicht animieren, vor Abschluss der Arbeiten die eigene Flugtauglichkeit zu testen, daher der Etikettenschwindel. Lügen nennt man in der Politik also Etikettenschwindel. Klingt auch gleich sympathischer.
Bereits vorgängig wurde eine Eisenplastik, ein abflugbereiter Reiher, entfernt, da er bei den Leuten Suizidgedanken hervorrief und sie zum Sprung animierte. Wenn ich nur schon daran denke, wie oft ich diese Brücke überquerte, gut habe ich den Reiher nie näher betrachtet.
Den Schutz vor suizidbedingtem Steuerausfall liess sich die Regierung 700’000 Franken kostet. Es erstaunt mich immer wieder, welche Summen bei Bautätigkeiten buchstäblich verlocht werden können.

In den Bereich Sparpotential fügt sich auch die Sparte „Sinnlose Anfragen“ ein. So beschäftigten sich unsere Volksvertreter mit der Frage, ob die Aisuma-Abonnementspreise für Männer günstiger sein sollten, da es einen reinen Frauentag, aber keinen reinen Männertag gäbe.
Wenn wir sonst keine Sorgen haben. Es wird ja auch jeder Bürger gezwungen den Schwitzschuppen zu nutzen.

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