Ein Tag im Leben von…

Es geschehen noch Zeichen und Wunder; Fortuna hat mich an ihren Busen gezogen und er fühlt sich gut an.

Wäre der Pikettdienst eine Frau, ich lebte in ständiger Panik einer ungeplanten Vaterschaft, ob des verschrobenen Zyklus. In der allgemeinen Verwirrung hat ein Kollege den Geburtstag der Oma verlegt, die Freundin vertröstet, die Blockbuster-Premiere ausgesetzt und die Hochzeit seines besten Freundes gecrasht, in der Meinung, der Stab würde dieses Wochenende schon an ihn weitergereicht.
Da es disponsorisch – das Erfinden eigener Wörter zeugt von Kreativität – unmöglich wäre, abermals alle Termine umzulegen, übernimmt er nun den Dienst, was mir ein freies Wochenende beschert, für welches er wiederum einen Gutschein erhält, welcher jedoch beim ferienabwesenden Kollegen einzureichen wäre. Ganz einfach diese Sache, man muss nur etwas flexibel sein.
Meine Wenigkeit dürfte wohl gerade in meinen Ferien wieder zum Handkuss kommen, was bedeutet, dass wieder einer einspringen muss und ich in ewiger Dankbarkeit meinen Erstgeborenen nicht auf den Namen Niklaas taufen kann.

Nun gut, das Wochenende habe ich mir verdient.
Als Ferienvertretung stieg ich in die Über-Überhosen – noch schmutziger als normalerweise – und war die letzten zwei Wochen im Tiefbau unterwegs. Mit dem entsprechenden Fahrzeug. Der Ferienabwesende übergibt es nicht gerne, die zwei sind in gewisser Hinsicht auch zu einer Einheit verschmolzen, dies geht so weit, dass ich das Gefährt bisweilen kaum Fleck bringe.
Der Wagen kann mit knapp siebenhundert Kilogramm beladen werden, mit dem Führerhaus in Normalbesetzung fallen somit keine fünfhundert Kilogramm mehr auf den eigentlichen Laderaum. Wäre an sich ganz ordentlich, hätte der gute Fahrer um der Organisation willen nicht einen Schubladenstock eingebaut. Wir sprechen hier nicht von einem Sortimo-Schrank von 37 Kilogramm, nein, Gott allein weiss in welcher Metallwerkstätte er diesen Massivschrank gefunden hat, drei bis vier Mann mussten ihn wohl in den Wagen hieven. Der Ford quittierte dies mit einem freudigen Hüpfer, ein kleines Abheben der Vorderräder und ein Zurückkippen in die herrlich entspannten Stossdämpfer. Überrollt man nun vorderrädig eine Ameise, schüttelt die höchstens erbost ihre kleine Faust und spaziert weiter.
Da solche Werkstattschränke nur bedingt für den mobilen Einsatz ausgelegt sind, die Schubladenarretierung irgend wann nur noch ein traurig gebogener Blechhaufen war, neigen die Laden dazu, mit ordentlich Getöse auf den schwermetallenen Schienen hin und her zu gondeln.
Nicht dass ihn dies aus der Ruhe gebracht hätte; In den Boden eine Schraube, an die Decke eine Bride, nun lässt sich wunderbar ein Staubsaugerrohr einklemmen, welches er dem örtlichen Schrotthändler aus seinen gierigen Fingern gerissen haben muss.
Gewiss, eine Frage der Gewohnheit vor der Abfahrt daran zu denken, meine Wenigkeit springt stets an der nächsten Kreuzung raus und fädelt nach dem Einsatz das depperte Rohr wieder in die patente Halterung.
Natürlich reichte die kleine Steigung und sanfte Kurve aus, dass zwei Schubladen aus der Schiene gesprungen sind und sich 38,5 Kilogramm Schlitzschrauben in die untenliegenden 435 M8-Muttern ergossen haben.

Man weiss nie, ob man auch alles hat was man braucht und gerade diese Schlitzschrauben, welche er gerade noch vor der Schmelze retten konnte, sind ihm ans Herz gewachsen.
Es ja so, dass die ganze Welt mit Torx oder zumindest Kreuzschlitz arbeitet, weil, und sind wir mal ehrlich; Eine Schlitzschraube war eine nette Idee, aber, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, man hätte es besser machen können.
Deswegen hat der J.P Thompson in den 1930er Jahren die Phillips-Kreuzschraube erfunden, dass Maschine wie auch Mensch innnert rentabler Frist diese Schraube in das Werkstück drehen können.
Wohl während eines Urlaub des Abfallsupervisors entledigten sich in den 2010er-Jahren alle Mitarbeiter ihrer Schlitzschrauben.
Das Rätsel, warum dieser ökonomische Fauxpas nie zur Sprache kam, ist gelöst; Der Ford-Fahrer muss sämtliche Schrauben aus dem Alteisenbehälter gerettet haben und auf seinen Gnadenhof, Ford Aiderbichl verfrachtet haben. Fortan lebte er in Nostalgie und wann immer was befestigt werden sollte, fand eine Schlitzschraube ihre letzte Ruhestätte. Dort rostet sie genüsslich vor sich hin, bis eine Ferienvertretung wie meine Wenigkeit hinzustösst und selbige lösen sollte.
Mit einem passenden Werkzeug, wohlgemerkt, ebenfalls gerettet. Der normale Handwerker entledigt sich seines Schlitzschraubendrehers, so er von der Grösse vier auf die Grösse zwei, oder gar zu einer spitzen Aale mutierte.
Der Abfallsupervisor rettet daraufhin dieses Werkzeug – das ist noch gut, das kann man noch brauchen – bringt es in das Durchgangsheim unter dem Posttisch, worauf der Ford-Fahrer sich dieses Füllhorn an Arbeitsutensilien bedient und man über kurz oder lang, mit demselben Schraubenzieher sich an einer rostigen Schlitzschraube gütlich tut.
Mittlerweile haben wir begonnen, den Abfall zu verstecken. Abfalltrennung fällt daher leider flach, aber mindestens durchsucht keiner eine leere Buttermilch-Flasche nach zu rettenden Arbeitsutensilien.
Heute löste ich einen metallenen Kabelkanal mit dem Vorschlaghammer von einer Gartenmauer. Der Ford-Fahrer, er verfügt über eine unglaubliche Körperkraft, hätte die Schraube gewiss gelöst oder zumindest den Kopf abgedreht, ich kam mit dem Schraubendreher von achtzehnhundert Apfelschnitz Grösse vier mit Skallpell-feiner  Spitze nicht zum Ziel.

Nebst mehreren Zentner Schrauben finden sich unzählige Stecker in diesem Schubladenstock. Drei Ausgaben von jedem erdenklichen Stecker, welcher seit den siebziger Jahren in je einem Kabelnetz irgendwo auf der Welt verbaut wurde.
Summa-Summarum kommt man ohne entsprechendes Zusatzgewicht auf der Vorderachse nur noch bei sehr klebrigem Asphalt vom Fleck.
Um den Truck vollends zum erliegen zu bringen, besitzt die Firma einen Anhänger um Kabelrollen zu transportieren.
Dieser ist dem Albtraum eines Konstrukteurs entsprungen und daher ein Einzelstück. Der obere Teil kann gekippt werden um die Rolle aufzunehmen. Mittels eines Stahlseils über einen Umlenkmechanismus kann diese Tonne Kupfer hochgehievt werden. Könnte.
Der Griff der Kurbel kann zur Verbesserung der Hebel-Wirkung ausgefahren werden. Wäre er nicht ganz nahe an der Winde festgerostet. Dies reduziert wohl die Zahl der Umdrehungen, der Kraftaufwand ist dadurch aber erheblich grösser. Man muss den Griff fest packen, was aufgrund seiner abgebröselten Isolation zu Rostflecken an der Innenhand führt, welche bestenfalls mit der Bircherraffel wieder komplett entfernt werden können. Das Stahlseil fiel derselben Korrosion zum Opfer, fasert sich leicht auf, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein kleiner Azubi vom reissenden und ausschlagenden Seil in der Mitte geteilt wird.
Aber das ist noch gut, das kann man noch brauchen.
Damit die Tonne Rolle in der Kurve nicht schlenkert, wird sie mittig fixiert. Von einer Art Klemmblöcke, welche auf der tragenden Stange links und rechts befestigt werden. Also eigentlich ist es nur eine überdimensionale Unterlagsscheibe, etwa 5cm stark, einseitig aufgeschnitten und mittels einer Schraube zusammengezogen. Es gibt zwei Stellungen. Lose rutschend oder Nimmer-mehr-auf. Nimmermehr gibt es natürlich nicht wirklich, man schafft es einfach nicht ohne blutige Finger, weil man mit dem Imbusschlüssel aus der mittlerweile kantenlosen Schraube unweigerlich abgleitet und an der Rolle entlangschrammt.
Aber die ist noch gut, die kann man noch brauchen.
Vielleicht habt ihr schon einen Hänger angehängt. Man fährt über die autoseitige Kupplung, eine Kugel, und senkt den Deichsel mittels einer Kurbel bis zum aufsetzen auf die Kugel herunter. Fertig.
Dieses Spezialmodell von Hänger jedoch, lässt sich gar nicht so hoch hinaufkurbeln, obwohl der Ford aufgrund der Zuladung seinen Allerwertesten quasi über den Asphalt schleift. Man schiebt ihn also hinter das Fahrzeug, greift kräftig zu und hebt ihn auf die Anhängerkupplung.
Mittlerweile haben es alle im Rücken.

Den Hänger erstmal am Heck und vorne keine 200 Kilogramm in der Führerkabine, nimmt dem frontgetriebenen Wagen den letzten Gripp. Ein Dukanier mit Lehrling kommt kaum vom Fleck.
Wird das Zusatzgewicht geladen, leidet dafür die Kupplung.
Aus der Not eine Tugend machend, hat der übliche Chauffeur einen ganz eigenen Fahrstil entwickelt. Das Gas durchdrücken und die Geschwindigkeit mit der Kupplung regulieren. Gut, riecht etwas, die Leute schauen merkwürdig, aber was verstehen die schon davon…

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Schön zu wissen, wofür man arbeitet

Das Dumme an der Weltwoche ist, dass sie bisweilen so gut geschrieben ist, dass man die Texte eins zu eins übernehmen möchte.

Im Zuge der dominierenden Blickreportage ist man etwas sensibilisiert.

blick-carlo-s

Ganz im Grundsatz suche ich Morgen für Morgen neue Gründe um arbeiten zu gehen. Könnte mich auch einfach an den Firstbalken knüpfen. Aber das soziale Gewissen – man ist gar schon gehemmt bei Krankheit das Bett zu hüten, Tee trinken und „Unsere kleine Farm zu gucken“ – hindert einem daran, die anstehenden Arbeiten einem Kollegen aufzubürden. Das soziale Gewissen, die Loyalität dem Brötchengegenüber gegenüber und das Vernunftdenken allgemein hat meine Generation quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Wichtige Werte vermitteln, nannte man dies.
Dabei hätte man es viel einfacher haben können. Carlo S. braucht sein Kick-Box-Training um zufrieden und ausgeglichen zu sein. In diesem Zustand stellt er nur noch eine minimale Gefahr für sein Umfeld dar.
In einem Gspürsch-Mi-Kreis mit allen seinen Betreuern, SP-Mitgliedern in selbst gestrickten Ponchos im Schneidersitz auf dem Boden, wurde er angefragt, ob er nicht eine Lehre in Betracht ziehen würde.
Nein, dies könne er nicht. Er müsse trainieren, da hätte er keine Zeit für eine Ausbildung. Verständnisvolles Nicken in der Runde. Man möchte ihn nicht drängen, schön sanft anfassen, behutsam in die Gesellschaft begleiten. Die einzige Möglichkeit um ihn von einer kriminellen Laufbahn abzubringen.
Viereinhalb Zimmer-Wohnung, Putzhilfe, Privatlehrer, Privatsportlehrer, Ersatzmutter und Köchin, Anwalt; Ein äusserst privilegiertes Leben führt der Carlo S. Was er dafür geleistet hat? Einen Jugendlichen niedergestochen.

Man kann kaum jemandem einen Vorwurf machen, wenn man das System hinterfragt. Letztendlich wird solcher Nonsens von der Allgemeinheit getragen und man hat keinen Einfluss auf diese Verwendung von Steuergeldern.

Schon einmal von Frau Zaki gelesen?
Die Familie Zaki unter dem Oberhaupt Ali S. lebt in einer Zürcher Stadtwohnung.
Ali S. ist Waffen- und Teppichhändler. Recherchen der Weltwoche ergaben, dass er mit der pakistanischen Armee Geschäfte im Wert von 2,8 Millionen Franken abgeschlossen hatte, sein Teppichgeschäft warf einen Bruttogewinn von 1,814 Millionen Franken ab, auf seinen Privatkonten liegen summiert eine knappe Million Franken rum.
Da man auch noch leben muss und die Zakis letztendlich pakistanische Flüchtlinge sind, erhielten sie im Sozialhilfe. Im Jahr 2006 waren es monatlich 9121 Franken, plus Putzhilfe und Kinderkrippe.
Die ganze Sache wurde unangenehm Publik, als die Angestellten des Sozialamtes Margret Zopfi und Esther Wyler der Weltwoche Dokumente zukommen liessen, Whistle-Blowerinnen nennt man solch unloyale Arbeitnehmerinnen. Für dies verwerfliche Tun wurden sie von der Stadt mit knapp 13’000 Franken gebüsst, exklusive Anwaltskosten.

Ali S. hat sich mittlerweile von Frau Zaki getrennt, aus finanztechnischen Gründen. So kann Frau Zaki Sozialhilfe beantragen und Herr Zaki nutzt sein Briefkastendomizil um Teppiche im Wert von 200’000 Franken einzulagern.
Ali S. wäre nun wohl unterhaltspflichtig, aber in Ursula Sintzel fanden die Zakis, trotz Scheidung vor dem Richter in geschlossener Einigkeit, eine gute Anwältin und der Rekurs gegen die Zürcher Sozialbehörde war ein Erfolg. Die Einzelfallkommission handelte nach der Stocker-Doktrin „Im Zweifelsfall Augen zu und zahlen, und Zweifel gibt es immer“, und so erhalten die Zakis wieder Sozialhilfe in unbekannter Höhe.
Friede, Freude, Eierkuchen.
Noch nicht ganz…

Herr Ali S. beantragte nämlich auch IV.
Die Praxis ist gängig, das Sozialamt schiebt Langzeitkunden gerne in die IV. Macht sich gut in der Bilanz des Amtes und ist für den Bezüger eine win-win-Situation. Einerseits kann er sein Monatsbatzen aufstocken, andernseits fällt das lästige Bemühen um Arbeit weg.
Leider wurden Herrn Ali S. nur 44 Prozent zugesichert, also musste er beim Amt für Zusatzleistungen vorstellig werden.
So als Zwischeneinschub; Man muss was auf dem Kasten haben, um bei all den Ämtern noch den Überblick haben. Glücklicherweise hat Familie Zaki ja Frau Sintzel an der Seite. Diese wird übrigens vom Amt bezahlt, Ali S. ist ja Sozialhilfebezüger und kann sich keinen Anwalt leisten.
Beim Amt für Zusatzleistungen geriet Ali S. an einen widerspenstigen Beamten namens Richard V. Dieser wollte den Waffenhändler partout nicht auszahlen.
Richard V. wurde mittlerweile seines Amtes enthoben, eine Mitarbeiterin fühlte sich aufgrund sexistischer Blicke belästigt. So schnell kann es gehen.

Zur ganzen Geschichte bezieht die Sozialbehörde Zürich Stellung.
Das Wohl der Kinder, denk doch einer an die Kinder, stehe im Vordergrund, zudem ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass sich das Ehepaar nur zum Schein getrennt habe – wieviel geschiedene Paare kennt ihr, welche sich Bett und Wohnung teilen – daher erhält Frau S. rückwirkend Ergänzungsleistungen. Es sei aber in Abklärung, ob Ali zu Unterhaltsleistungen hingezogen werden kann.
Grundsätzlich könnte Frau S. zur Arbeit ermuntert werde, aber da sie mit Einzug in die Schweiz sämtliche Fremdsprachenkenntnisse verlor, wäre dies nicht realisierbar. Wie schade.
Von Ali S., er erlitt das gleiche sprachliche Schicksal, hatte man nie Bemühungen um Arbeit verlangt, da man davon ausging, dass er aufgrund seines IV-Bezuges wohl nicht arbeiten könne.

Unterm Strich, man kann es drehen, drücken, ziehen und wenden; Die Familie S. wird nie arbeiten müssen, es geht lediglich darum, aus welchem Topf die Familie unterhalten wird.

Ganz im Grundsatz bin ich froh, dass ich meinen Lebensunterhalt selbst bestreite und niemandem was schuldig bin. Aber man fühlt sich schon veräppelt. Gerade, wenn die Steuerbehörde hinterfragt, ob mich mein Arbeitsweg nach Spreitenbach nun über Winterthur oder Deutschland führte und den Spesenabzug dahingehend korrigierte. Mein Einwand, aufgrund mitgeführter Gegenstände wäre die Fahrt über deutsches Gebiet ob des administrativen Aufwandes nicht zumutbar, wurde abgewiesen.

milchkuh

Wieviele solche Fälle aus unserem Kanton müsste ich wohl zusammentragen, um meinen gesamten Steuerbatzen als Spende an gemeinnützige Organisationen von eben selbigem Abziehen zu können?

Noch kurz etwas Off-Topic:lehrstelle-sanitaerSeit ich mich entsinnen kann, wird auf das Handwerk gespuckt.
Dumme Leute, unfähig für richtige Jobs, Menschen die sich dreckig machen, Menschen die nie auf einen grünen Zweig kommen…
Dumm und faul, war die letzte mir zugetragene Bewertung, aufgrund der Tatsache, dass ich in handwerklicher Beschäftigung als Angestellter mein Brot verdiene. Nun, so ich mich über meinen Job definieren würde, käme dies einer Beleidigung gleich. Aber in diesem Moment, da ich mich über den Job definiere, gelangt der Dachbalken endgültig in Griffnähe.
Was ich sagen möchte; Man hat der kommenden Generation so intensiv klar gemacht, dass nur ein studierter Mensch ein guter Mensch sei, dass mittlerweile unser Handwerk auszusterben droht. Ganz viele Schlipsträger wissen ganz genau wie ein Produkt zu erstellen sei, wissen um die Gewinnspanne und Vertriebsmöglichkeiten, tauschen sich in Sitzungen aus und networken mit dem Cüpli in der Hand. Doch bei all diesem Engagement in sauberen Hemden mit manikürten Fingern fehlt irgendwie die ausführende Komponente. Man kann nur auf das Schaffhausen Urbahn-Projekt anstossen und auf die Boss-Gewandeten Schultern klopfen, wenn vorgängig ein paar dumme und faule Leute sich den Arsch abgefroren und die Finger wund gearbeitet haben, damit eine Aufrichte überhaupt möglich sei. Beginnt beim Brummi-Fahrer und endet bei der Catering-Dame, welche das Cüpliglas nachfüllt.

Wie bringt man nun also die jungen Leute wieder dazu, dass sie nicht unbedingt studieren müssen, dass man auch ein Handwerk erlernen kann, ohne dass man die vorgängigen Aussagen lügen straft?
Hach war das in Orwell’s 1984 noch einfach, als stets die gesamte Geschichte an die aktuellen Begebenheiten angepasst werden konnte, dass der Staat stets allwissend bleibt und recht behält.

Nun reisst die IVS mit einem Technik-Köfferchen in die Primar- und Sekundarschule, um die künftigen dummen und faulen Handwerker anzuwerben.
Wenn dies funktionieren würde, hätte unsere gesamte Generation Zahnarzt werden sollen.zahnarzt-seppetoni

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Neulich auf dem Fahrrad

Gar mannigfaltig Volk treibt sich im Baumarkt, dieser, möchte schon sagen, spätsommerlicher Tage. Frühe Abende und kühle Morgen erquicken nicht nur der hitzemüde Seele, die Tage am Griff, seines Standes enthebend bedient der gehobene Gärtner ein Volant, geripptes Duroplast, sitzend auf kümmerlich gepolstertem, wetterfesten Sitze, des Mähers sind gezählt.
Des Sonnenlicht beraubt, neigt der Rasen nicht zu spriessen, wie dem Gärtner genehm; Gedacht, es reiche ihm zum Wohlgefallen, der Arbeit entlastet, trotzt er der Dringlichkeit und mit stoischer Regelmässigkeit wird die Kordel gezogen, der Schlüssel gedreht, der Rasen gemäht um des Mähens willens.
Müssiggang ist aller Laster anfang, zu richten der Zaun, zu dichten das Dach, zu streichen die Veranda; Des Samstags steigt ein jeder in die Überhosen, gibt sich bodenständig verwurzelt; Der Nussbaum möchte seine Früchte gewidert ob der Biederung frühzeitg von sich stossen.
Lässt sich das einst schöne Geschlecht heut auch nur noch locken mit dem schnöden Mammon, Männlichkeit definiert durch Nummernkonto und Visitenkarte, verwurzelt im Inneren noch Fred Feuerstein die Keule schwingt. Ein Mann fällt Bäume, treibt Nägel mit einem Schlag in die Wand und repariert sein Auto. Nicht der Mann, welcher Frau will, aber jener, welcher Frau begehrt; Frauenporno jetzt bei Weltbild in Wort und Traum.der-schwarze-wikingerKrawel krawel; Jetzt aber im Klartext.

Am schönsten ist es des Winters im Baumarkt. Wohl erstehen Hausfrauen ihre Bastelartikel, dann und wann ein verirrter Schlipsträger einen Akkuschrauber und man hat Ruhe bis zum ersten Schnee. Da zieht sich der Büropupser das eigens angeschaffte, wattierte Flanellhemd über, garniert das ganze mit einer gesteppten Thermoweste, das der füllfedergestählte Bizeps und Excel-geformte Unteram nicht beeinträchtigt werden, während er Leuchtschlangen an den First nagelt, Nikolaus samt Rentier und Schlitten aus dem Lexus-SUV zerrt, liebevoll auf dem Rasen anrichtet und mit Kunstschnee aus der Sprühdose bewirft.

Nun, heute wurden noch Gartenzäune, Schubkarren, Laubbläser und allerlei Go-On-Schnäppchen an die Jumbo-Kasse gekarrt, die my-one-Card ist für einmal die Platin-Ausgabe der Mastercard und jeder zweite Benutzer nimmt die Instruktion der Kassiererin in Anspruch.
Mittendrin stehe ich, mit leeren Händen in der unangenehmen Situation, ohne zu erwerbenden Artikel die Kasse passieren zu müssen.
Man kann nicht verdächtiger den Laden verlassen, als wenn man mit aller Gewalt den Späheraugen des Personals vermitteln möchte, man hätte leere Taschen. Geht man nun schulterzuckend, murmelt etwas in den Bart, oder meidet jeglichen Augenkontakt? Kleiner Einschub; Gestern im Lokal meiner Gewohnheit, ich weiss, in Fight-Club wurde die Thematik auch behandelt; Schrammt man so durch die Menschenmasse, geschoben, gedrückt und gezogen, Körperkontakt unvermeidbar, reibe ich nun mein Gemächt oder meinen Allerwertesten an den Körperpartien der anderen männlichen Besucher? Mir scheint stets beides verwerflich und ich bewege mich wie der Frontmann von Boney M.
Wie im Lokal meiner Gewohnheit, so auch im Baumarkt; Ich wurde nicht fündig und verliess mit leeren Händen die Räumlichkeiten.

Fahrradkette ist das Stichwort.
Ich habe mich vorbereitet, die alte Kette gar ausgemessen. In der Länge.
Selbige versagte ihren Dienst, als ich vor geraumer Zeit an der Vordersteig ordentlich in die Pedale trat. Einem Wunder gleich hämmerte ich die Klöten nicht an den Fahrradrahmen, als die Pedale, ihrer Last befreit gen Astpahlt krachte, nahezu galant federte ich die Energie ab.
Kein Mensch fährt mehr ein Gary Fisher, dennoch bin ich meines stets am sanieren.
Stehe also vor dem Regal, 132 cm misst meine Kette. Jumbo bietet genau einen Kettentyp feil, Marke Shimano, neun Gang und die Ziffer 116. Brachte mich so spontan unglaublich weiter. Gut, man hätte nun Fachpersonal herbeiziehen können, doch dies ist im Jumbo so eine Sache.
Fragt man bei den Farben den nächsten Angestellten, ist dieser für den Holzzuschnitt zuständig. Bei den Betonplatten im Gartencenter findet man den Teppichmann, bei den Kreissägen den Elektrofachmann und an der Reception den Verkehrskadetten; Ich werde den Verdacht nicht los, sie erlauben sich einen Scherz.
Natürlich, sie bemühen sich. Mein doch nicht ganz günstiger Dachträger mit der bereits geöffneten Verpackung – Rücknahme nur in tadelloser Verpackung – sollte gemäss der Verkäuferin schon auf meinen Renault Menu (ja, sie sagte Menu) passen und was noch wichtiger war, wenn der Skiträger neben der Schiene im Regal lag, dann wird er wohl schon dazugehören. Ich fühlte mich richtig fachmännisch abgeholt und kompetent beraten. Eine gute Kollegin musste wohl dasselbe Kompetenzcenter auf zwei Beinen erwischt haben, in ihrem Keller lagert ein Fahrradständer, welcher nach fachkundiger Auskunft hundertprozentig auf ihren Wagen passt, welcher sich folglich – wer zweifle an der Fachkompetenz der Jumbo-Angestellten – als Unikat in einer Reihe von über hunderttausend vom italienischen Fliessband gerollten Fahrzeugen herausstellt.

Nebst knackigen Radlerhosen führt der Athleticum glücklicherweise auch Fahrradersatzteile. Hier fand ich sechs Sorten Shimano-Fahrradketten, allesamt mit der Ziffer 116 aber unterschiedlichen Preisen. Ich bin zu arm um billig zu kaufen; Ganze 27 Franken löhnte ich und bin mir durchaus bewusst, dass ihr Kohlefaserrahmen-bewegenden Sportler mich nun hänseln werdet.
Einen Moment hielt ich mich noch bei den Sonnenbrillen auf; Etwas, was ich noch weniger gern kaufe als Jeans. Erstens ist dank der androgynen Entwicklung unserer Jugend in Sachen Brille für den Laien keine eindeutige geschlechterspezifische Trennung der Artikel möglich, zweitens fühle ich mich wie ein Clown im Schaukasten, wenn ich mit meiner abartigen Kopfform vor einem Mikrospiegel mitten im Raum stehe und dunkle Gläser mit den Dimensionen von Taucherbrillen aufsetze.

Die Kette war gute zwanzig Centimeter länger. Länger ist immer besser, sagen die Frauen.
Nun, dieses gute Stück hing zwischen vorderem und hinteren Zahnrad traurig durch, der Wechsler verkrümelte sich irgendwie Himmelwärts ohne die Kette zu spannen. Man musste sie wohl doch kürzen. Ein Holzbrett als Unterlage, ein Gabelschlüssel, Hammer und einen abgewetzten Zweier-Schlitzschraubenziehr, mehr brauchte ich nicht. Zwischen Vaters geliebtem Oldtimer und der Garagenwand hämmerte ich auf den Schraubenzieher um den Stift durch die Kette zu treiben, während dieses schlüpfrige Ding stets in alle Himmelsrichtungen davon glitt.
Ganz unmännlich konsultierte ich die Gebrauchsanleitung und las von einem Spezialwerkzeug.
Zurück durch den Stau in den Jumbo. Ein Tool, welches ich wohl nie mehr brauchen würde, aber wer A sagt muss auch B sagen. Mit einem Kettengliedstiftaustrennwerkzeug und einem Pack Guinness, der Falken Getränkemarkt liegt praktischerweise im Untergeschoss, und einem Duftbaum Alpenbrise zurück. Einkauf fünf Minuten, Stau stehen sechzig Minuten. Nur noch etwa 1800 Tage, dann haben wir einen Tunnel.

Es ist ein blödes Gefummel, aber an sich eine patente Sache. Die Kette ist tatsächlich drauf, sie dreht sich und mit einer Probefahrt via Schweizersbild und Büsingen habe ich gleich auch noch meine Radlerhose getestet.
Nein, keine welche meinen Genitalbereich in ein Spandex-Schaufenster hängt, eine Bikershort, zweiteilig. Die äusserste Schicht bequem schlabbernd. War ich bisher ob der Schmerzen etwas in Sorge betreffend der Funktionalität meiner… ihr wisst schon. Diese Shorts sollte Abhilfe schaffen. Beim ersten Probeversuch hatte ich nach drei Kilometern einen Platten, trotz selbstreparierenden Reifen. Nun, dies mögen sie machen, aber sich wieder aufblasen packen sie nicht, was für ein Konstruktionsfehler.
Beim zweiten Versuch riss die Kette. Also, das Gehen und Laufen funktioniert in diesen Hosen tadellos.
Was das andere betrifft; Mit meinem fehlenden Rückgrat wäre auch zu erwarten, dass ich ich Rosinenklöten hätte, aber irgendwie… Nun, bin nicht überzeugt, oder einfach zuwenig abgehärtet.

Und was die Zahl 116 bedeutet, ich habe immernoch keine Ahnung.

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RAB guckt fern

Durchaus, es ist Sonntag Morgen kurz vor acht.
Ganz abgsehen davon, dass ich wohl an seniler Bettflucht leide und an einem Samstag Abend um elf bereits im Bett war, sitze ich nun hier und sehe die Bill Cosby-Show. So schnell wird man alt.

Hätte ich Kinder gehabt, ich hätte gehofft, sie würden auch Bill Cosby sehen. Eine der wenigen achtziger Serien, neben der kleinen Farm, welche heute noch ihre Daseinsberechtigung haben und, im Gegensatz zu folgenden Beispielen, keinerlei Illusionen zerstört.
Natürlich war früher alles Besser, insbesondere auch das Fernsehprogramm. Zuhause hatten wir ja keinen Fernseher. Also physisch gesehen schon, nur war das Nutzen dieser Zauberkiste mit sechs Programmen, je nach Wetterlage auch mal sieben, nur nicht der gesamten Kommune gestattet, ein Hoch auf die Patchworkfamilie.
Einem Schwamm gleich saugte ich die flimmernde Unterhaltung anlässlich meiner Besuche bei Mutti auf, mit dem Nebeneffekt, dass ich eine grosse Ecke meines Hirnes unwiderruflich für cineastisches Wissen reserviert habe.

Sieht man heute die Serien der Kindheit, werden unweigerlich Illusionen zerstört. Es fällt einem erst auf, dass in keiner Serie die Luft bleihaltiger ist, als beim A-Team. Dass wir im Zuge von Hannibals Neigung zur teilweise travestieverdächtigen Verkleidung nicht homosexuell geprägt wurden, liegt wohl daran, dass man zu meiner Zeit mit solchen Symptomen zum Arzt geschickt wurde. Zappt man heute durch das A-Team, wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass Murdock endlich in der Klapse gelassen wird. Der einzige, nach wie vor authentische Charakter war der Verführer Face, da sich in den Achtzigern wie heute Frauen immer noch vom Schein betören lassen. Und Geld. Face belegte übrigens 2007 beim britischen Big Brother den dritten Platz, was wohl alles über das Leben nach der Karriere aussagt.

Hannibal und Spiessgesellen nutzten stets diese auf hochglanz polierten Ruger AC556k, das stainless-Modell. Ideal für das A-Team, eine noch unpräzisere Waffe müsste man zuhause im Schraubstock drehen, die höchste Überlebenschance hat man, wenn man direkt vor die Mündung steht.a-team
Erst als Erwachsener erkennt man, dass die Jungs tausende Schuss Munition aus einem Magazin abfeuern, aber ausser Blechkarossen, Hausmauern und zufällig herumstehenden und effektvoll explodierenden Benzinfässern nichts durchsieben, obwohl man in besagten Szenen nicht spucken könnte, ohne einen Bösewicht zu treffen. Die Resistenz einer Blechkarrosse gegenüber Durchschüssen variert übrigens, je nach der zu schützenden Person. Das ist heute noch dasselbe wie früher.
Wenn man schon denkt, peinlicher geht es nicht, biegt Mr.-T in seinen Latzhosen auf einem Panzer um die Ecke. Diesen hatten sie nicht in ihrem Van, der ist auch heute noch cool, nein, das gepanzerte Vehikel hat er selbst gebaut. Stets bei Minute achtundreissig sitzt das A-Team in der Patsche, mit nichts als drei Millionen Schuss Munition, einer Tonne Plastiksprengstoff, zwanzig Fässern Benzin, einem Altmetallhaufen und einer Schutzgasschweissanlage, welche gemäss den Serienproduzenten in keinem gut sortierten Haushalt fehlt. So baut Sergeant Bosco Albert „B. A.“ (Bad Attitude) Baracus aus einer Konservendose und etwas Maschendrahtzaun ein Gefährt, neben welchem Obamas Beast abstinken könnte.
Seine Nebenaufgabe war der pädagogische Mahnfinger. Oder war dies in seiner Zeichentrickserie, in welcher er als Trainer einer Gymnastiktruppe fungierte? Das moralische Ending war sehr trendy und wichtig, vermittelte es der zufällig durch die Stube wischenden Mutter den Eindruck, man sähe eine wertvolle Serie mit erzieherischem Inhalt.

Ein weiterer Held der Kindheit. An sich war die Serie ja nur ein gedehntes Werbevideo von Mattel für die Actionfiguren – à la YPS, das Comic zum Gimmick -, aber im Gegensatz zu den Actionfiguren dank des Kabelfernsehens auch für mittellose Jungen zugänglich. Mein Bruder besass den He-Man Thunder-Punch.he-manIn einen Tornister am Rücken wurden die Sprengkapseln, identisch jenen vom Fasnachts-Revolver, eingelegt. Dann konnte man den He-Man an der Hüfte eindrehen, bis ein Klicken hörbar war. Ein Druck auf den Arm, der He-Man schnellte herum, fiel zu Boden und es gab einen Knall aus dem Rücken. Genau vierundzwanzig mal, danach musste man warten bis zur nächsten Pfingstchilbi oder dem Fasching, weil man nirgends diese Sprengkapseln erhielt. Nur, sofern der wackere Held im Fellslip nicht mit einem Bandscheibenvorfall zwischen Lego und Playmobil verschollen ging, weil man ihn an der Hüfte etwas zu weit eingedreht hatte, was mit Klicken UND einem endgültigen Knacken bestätigt wurde.
By the Power of Greyskull, zwanzig Franken fürn Arsch.

Wirklich überzeugt, als Kind schwache Augen gehabt zu haben, bin ich jedoch wenn ich Knight Rider sehe. Effizienter können Illusionen nicht zerstört werden.knight-rider

Ich würde heute noch töten für einen solchen Pontiac, keine Frage.turbo-boostMit Turbo-Boost und so.michael-knightAbgedreht, oder? Aber wer über zehn Jahre solch hodenquetschende Jeans trug kennt keinen Schmerz.michael-knight-2Bleiben wir sachlich.
Knight Rider war die Serie der Serien. Zumindest bis Erika Eleniak im roten Badeanzug die pubertierenden Jungen durcheinander brachte.erika-eleniak

Bemerkte mein Lieblings-Kusinchen doch kürzlich, die hätte merkwürdige Augenbrauen, worauf mir zum ersten Mal auffiel, dass Erika überhaupt Augenbrauen hat und ich nun nur noch auf die Augenbrauen achte. Danke für gar nichts!

Man kann heute nicht Knight Rider schauen, ohne all die Tricks zu bemerken. Der Reiz an den Sprüngen ist die witzige Tarnung der Rampe. Oder die sich verbiegende KITT-Karrosserie, des kartonüberspannten Strandbuggys. Achtet auf die Schatten und sucht die Kamera am Fahrzeug. Mein absoluter Liebling, die Sackkarre. Achtet auf den Fahrersitz, wenn KITT alleine unterwegs ist.kitt-sackKultig auch die schlaksigen Bewegungen, angespannt und cool, des Michael Knight.
„Kumpel, ruf Devon an!“; erteilt Michael dem sprachgesteuerten Computer, welcher gleichzeitig ein Wagen ist, und drückt dafür so viele Knöpfe, als würde er eine Nummer in Okinawa anwählen. Die Übergabe an den Sack, pardon den Autopiloten, wird akustisch mitgeteilt, sowie ein entsprechender Knopf gedrückt, was infolge einer liederlichen Lampenverkabelung zur Folge hat, Augen auf, dass Autopilot und manuelle Steuerung gleichzeitig aktiviert sind.

Zum schmunzeln, der Link auf Sprittwoch, eine Seite, welche sich mit der Analyse der Folgen befasst hat.

knightriderscanner

Aber mal ehrlich, auch aus heutiger Sicht betrachtet, waren die Serien nicht annähernd so schlecht, wie das Trash-Programm, welches uns heute geboten wird.
Dschungel-Camp-Teilnehmer und DSDS-Verlierer welchen immer wieder eine neue Plattform geboten wird, dass sie sich selbst inszenieren können. Ross Anthony, Michaela Schäfer, Gina, Naddel und wie sie alle heissen; Wir wären sie alle schon längst los, würden sie nicht jedesmal kurz vor dem Vergessen auf Heels in die Wüste geschickt oder würden sich im Pro 7-Boxring auf die operierten Näschen geben. Kommentiert von Axel Schulz, welcher rückblickend auf seine sportliche Karriere kein Schwein kennen würde, aber dank solcherlei Events regelmässig seine Badezimmer-Möbel-gesponserte Kappe zur Schau tragen kann. Man muss diese Shows noch nicht einmal sehen, um davon mitzukriegen.
Auf RTL-Punkt-12 wird berichtet, dass am Abend in RTL-exklusiv ein Bericht erscheint, welcher exklusiv die selbe Story nochmals erzählt, worauf uns RTL-Punkt-12 am folgenden Tag einen Rückblick auf die Story von RTL-exklusiv vom Vorabend schenkt.
Täglich frage ich mich, warum ich RTL-Punkt-12 ständig schaue, um am nächsten Tag wieder einzuschalten. Erst die brennenden News, ein Hund auf der Autobahn, hernach das Drama, Familie Klein hat sich bei KIK hoffnungslos überschuldet, worauf Helena Fürst eingreift, eine exklusiv-Vorschau auf die Sendung, welche Abends sowieso ausgestrahlt wird. Anschliessend die Promi-News, guck mal, mit den BILD-Schlagzeilen von letzter Woche und anschliessend die Besser-Leben-News in welchen täglich eine Diät verrissen wird, sowie anhand von fünf Teilnehmern eine repräsentative Studie über den Zusammenhang von zuckerfreier Cola und dem Wachstum der Zehennägel erstellt wird.

Gehirnfick sagt mein Bruder.
Es ist allerdings beruhigend, dass mir das Fernsehen in Sachen Verblödung einen Schritt voraus ist und ich des Abends häufiger den Bildschirm ruhen lasse.

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Noch eine Nacht im Zelt

Es hat sich mittlerweile eingebürgert, dass ich nach Receptionsschluss auf den Campingplatz fahre.
Ich solle mir einfach einen freien Platz suchen, so der Herr am Telefon.

Unter dem wachsamen Auge der Dauercamper manövrierte ich durch das Gelände, bedacht, die Staubwolke auf ein Minimum zu reduzieren. Sie sehen es gar nicht gerne, diese Urgesteine des Campingplatzes, wenn Fremde kommen. Wohl hält ein Gartenzwerg ein „Herzlich Willkommen“-Schild, aber dessen neckische Mütze und weniger das Kommuniqué schienen wohl ausschlaggebend für den Erwerb des kleinen Mannes gewesen sein.
Auch die Willkommen-Matte, beim Übergang vom Rasen auf den ähm, ja, Rasen scheint mehr eine virtuelle Eingangspforte zwischen allgemeinem Platz und dem durch solarbetriebene, schwach schimmernde, bläuliche Totenlichtern abgesteckten Bereich hinter dem gedachten Lattenzaun zu sein, denn eine nette Einladung zum Willkommens-Bier.
Ein merkwürdig Volk, diese Dauercamper. Man beginnt wohl mit einem Wohnwagen, baut ein Vorzelt an, selbiges verschwindet nach und nach hinter einer Holzverschalung, Glasfenster anstelle des Kunststoff, ein Dach über das Dach des Wohnwagen, das Zelt, die Holzverschalung. Ein elementarer Bestandteil scheint zu sein, dass keine Baute die vorgehende ersetzt, sondern irgendwie mit einander verschmelzt; Wohl könnte jede autonom betrieben werden, aber vielleicht ist etwas Zeltstoff ein tragendes Element für das Gefühl, man sei auf dem Campingplatz.
Neben der Eckbank aus Massivholz, dem Kühlschrank, der elektrischen Friteuse und dem Bild von Opa Hubert selig, gleicht das Vorzelt mit der Schwarzwälder Kuckucksuhr und den Klompen – Groeten uit Kinderdijk – an der massiven Kaba-Sicherheitstür mehr dem gutbürgerlichen Wohnzimmer, als einer Camping-Urlaubsresidenz.
Abends sitzt man draussen, während Stechmücken, Fliegen und Mini-Fledermäuse im elektrischen Insektenkiller an einer zischenden, blauen Röhre ihr Leben aushauchen, bis um zwanzig Uhr fünfzehn der Andy Borg zum Musikantenstadel bittet.

Es sei denn, gegenüber erdreistet sich ein Reisender sein Zelt aufzuschlagen. Andy Borg begrüsst die Gäste in Österreich, Deutschland und der Schweiz, während der Dauercamper noch draussen bleibt und mit Argusaugen die Aufstellarbeiten des Passanten überwacht. Widerwillig, aber einer muss es ja machen.
Nun legt sich der Passant auf eine Decke, öffnet ein Bier und dreht eine Zigarette. So es denn eine Zigarette ist.
Passanten, was verstehen die schon vom Zelten, denkt sich der Dauercamper, während er sich mit angewidertem Blick in seinen Stress-Less-Sessel setzt und ihn mit leichtem Surren in eine 56°-Liegeposition und in Richtung Flat-TV schwenken lässt, welchen Mutti freundlicherweise zum Eingangsbereich gezogen hat.
Diese Passanten, denken, sie wissen wie es läuft in der Natur, murmelt er und aktiviert die Vibrierfunktion des Sessels und wartet auf die Pop-Corn, welche Mutti in der Mikrowelle poppen lässt.
Passanten, kaufen sich ein Zelt und denken, nun können sie campen, schiesst ihm durch den Kopf, als er den elektrischen Heizstrahler eine Stufe höher stellt.
Glücklicherweise kitzelten die Geschwister Hofmann die Libido des Ur-Campers, sonst hätte er noch auf dem Elektroroller die Strasse überquert und mir erklärt, dass ich völlig falsch campe, vor seiner Parzelle nichts zu suchen und im Allgemeinen besser verschwinden würde, doch so widmete er sich dem Fernsehbild.

Der Preis erschien mir recht ordentlich – obwohl ich schon wieder vergessen habe, was ich löhnen musste – die sanitären Anlagen mit vier Duschen pro Geschlecht, wobei ich das Angebot im Damenbereich nicht kontrollierte, eher etwas knapp dimensioniert und die Luftfeuchtigkeit im ganzen Nassbereich etwas zwischen Monsun und dem mittleren Sitzplatz in unserem Kabelzug-Wagen, besetzt mit zwei schwitzenden Frischluftphobikern bei fünfunddreissig Grad.
Der ganze Allgemeinbereich wirkte militärisch heimelig, mit dem Aushang des Wetters, dem Tagesprogramm, der Brotbestellung, den Benimmregeln und was sonst noch von Bedeutung schien. Während ich den Wetterbericht studierte – Sonnenschein, leicht bewölkt, ideales Wanderwetter, wurde so von Radio Grischa noch bestätigt – prasselte mir der Regen unaufhörlich in den Kragen.

Dennoch bewegte ich mich nach Sankt Antönien, die Gemeinde mit den höchst gelegenen Parkuhren der Schweiz. Naja, nicht direkt, St. Moritz liegt höher, aber so zwischen ein paar alten Ställen, Bergkäse und Wanderwegen eine Parkuhr anzutreffen wirkt schon befremdlich. Aber es musste sich rentieren, der Parkplatz, einer von dreien oder vieren, war bis am Abend ordentlich voll, jedes Auto hatte den Obulus von 6 Franken zu entrichten. Goldener Kies, auf welchem man parkierte.
Ja ja, hochfahren, ich weiss… Aber der Weg zur Wand betrug doch noch ein paar Gehminuten und man sollte, da angekommen, mit Vorteil nicht gleich auf die eigene Zunge steigen.sulzfluhEher Surselva-orientiert, stand ich dem Prättigau stets etwas skeptisch gegenüber. Davos einmal ausgenommen, ist ja beinahe Engadin, ich pflege da die geografischen Linien bisweilen etwas zu verzerren.
Dennoch, allen Vorurteilen zum Trotz, es gefiel mir ausserordentlich gut. Ein hübscher Fleck. alphauspartnunsee

Der Gipfel des Sulzfluh, aus zwei Ländern und gefühlten zwanzig Himmelsrichtungen begehbar, war dementsprechend regelrecht überfüllt. Schwierig zu unterscheiden, wer nun den Klettersteig genommen hatte, richtig kletterte oder hoch spazierte. So trat ich hinauf, begutachtete kurz die Masse, entledigte mich des Kletterzeugs und spazierte direkt auf der hinteren Seite wieder hinunter.sulzfluh-gipfelsulzfluh-gipfel-2
Über eine hässliche Schotterpiste, welche mich einige Male nicht sehr trittsicher unfreiwillig zum niedersitzen nötigte, kratzt stets am Ego, und auch das Torkeln im Schneefeld wirkte wohl äusserst unbeholfen. Nun, ich denke über ein neues Paar Schuhe nach, respektive, einen eins-zu-eins-Ersatz.
Der Klettersteig ist gut, nicht sehr anstrengend, da mehr Eisen verschraubt wurde als in einem modernen Betonbau. Zudem wird häufig auf Reibungsklettern gesetzt – nicht, dass ich meinen Salewa misstraute, aber ein unangenehmes Bauchgefühl bleibt – und dementsprechend häufig, ist man auf das Fixseil als Haltepunkt angewiesen.

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salewa
Der beste Schuh der Welt, eine beinahe schon emotionale Bindung

Öfters eine gute Tat, so lud ich einen alten Herren – 84, mit künstlichen Gelenken, drei Bypässe, etwas von einem Schwein und bis oben voll mit Medikamenten, wie er mir freimütig mitteilte, offen gesagt hatte ich Angst, mein nächster Halt wäre das Kreisspital Thusis oder so – zur Mitfahrt ein, welcher gar verwirrt und unsicher auf ein Postauto wartete, von dessen Eintreffen er nicht sehr überzeugt war. Ja, ich kann durchaus sozial sein, man muss mich nur von den Menschen entfernen. Dementsprechend dankbar war der Herr, so schnell und bequem sei er noch nie von einem Berg runterchauffiert worden, als er in Pany wieder aussteigen wollte. Tue Gutes und fühl dich gut dabei.

Sonntag Morgen der nächste Spaziergang; Wohl konnte man Brot vorbestellen, aber Butter hatten sie keine im Camping-Shop. Der Migrolino-Shop half mir aus der Patsche, dazu noch ein Sonntagsblick.
Zurück am Camping Receptionsshop fühlte ich mich kurzzeitig etwas veräppelt, als das vorbestellte, gute, einzigartige (so angepriesen) Bündnerbrot ebenfalls aus dem Migrolino stammte, aber dies tat dem Sonntag-Morgen-Frühstück und dem Ausflug im Allgemeinen keinen Abbruch.

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