Bei den Ch’tis, diesesmal wirklich

Aber ich muss nochmals hin, die Ch’tis leben in Bergues, wurde mir erst zuhause gewahr, ich war 50km zuweit südlich.

Die Richtung stand schon klar, wo hin, wenn nicht nach Frankreich, folglich; Einmal quer durch ins Nord-Pas-de-Calais.
Die Fahrt nach Freiburg habe ich wohl langsam satt – pendle ich doch nahezu zwischen dem Elsass und der Schweiz -, aber der Reiz am Kanton Schaffhausen ist, dass man mit dreimal stolpern das Land verlassen hat, daher kommt der Umweg via Basel gar nicht erst in Frage. Erst wenn man die Schweiz verlassen hat, keimt etwas, einem urlaubsähnlichen Gefühl au.
Kenne ich Freiburg bisher nur als typische, deutsche, sprich im stop&go zu querende, Stadt, hat sie morgens um fünf ihren eigenen Charme. Bis sechs Uhr wird man angehalten den Schlaf der Anwohner nicht zu stören, des Autolenkers zutun manifestiert sich darin, mit dreissig Stundenkilometern durch die Strassen gondeln. Käme natürlich nie auf die Idee meinen Teil beizutragen, was interessiert mich der Schlaf der Freiburger, wären da nicht zwei weitere Fahrzeuge ebenfalls unterwegs gewesen, ein Gruppendruck, oder mangelnde Eier meinerseits.
Also tuckerte ich nahezu lautlos mit dreissig durch die Strassen, an blinkenden Ampeln vorbei, über menschenleere Kreuzungen. Wie mit dem Dreirad im Verkehrsgarten und dementsprechend fuhr ich auch Schlangenlinie, war ganz kurz davor aus dem Auto zu springen und nebenher zu laufen.
Ich liess es dann doch bleiben und zeigte mich um ein paar Jahre erwachsener, als die zweispurige Stadtausfahrt auf die anschliessende Autobahn ganz zufällig in ein Rennen mit fliegenden Start gegen einen BMW-fahrenden Kontrahenten überging.
Er gewann, aber nur, weil ich frühzeitig vom Gas ging. Bei meiner Fahrt nach Holland, lächelte ich schon herzallerliebst in einen Blechpolizisten, als ich bei tiefschlafender Nacht das baustellenbedingte Tempolimit geringfügig ignorierte.

Kurz vor Calais konsultierte ich meinen EEC-Campingführer. Gute fünf Zentimeter dick und zwei Kilo schwer, so richtig was fürs Handgepäck, bietet er wohl eine gute Übersicht über die Übernachtungsmöglichkeiten für Camper, die Platzbewertung basiert jedoch eher auf der Selbsteinschätzung der Betreiber, oder auf dem Bakschisch für die Testcamper.
Vor Ort stellt sich heraus, dass ein beschriebender, schattenspendender Baum auf Heckengrösse schrumpft und ein Sandstrand sich auf wundersame Weise zur moosbewachsenen Treppe wandelt.besucher-campingCampingbetreiber verkaufen gerne die Katze im Sack.
Des weiteren verleihen sich Campingplätze auch gerne Sterne, sei es auch nur als Teil des Logos. Eine offizielle Wertung gibt es wohl, von Land zu Land unterschiedlich, nur erhalten 25, stinkende, versiffte Donnerbalken ohne Wischpapier und angrenzender Pinkelrinne aufgrund der Anzahl eine höhere Wertung, als 4 Closomaten, neben welchen euch ein Lakaie Rohseide reicht. Quantität vor Qualität.

Ich weiss nicht, ob sie an der Reception Ch’ti sprachen, mittlerweile war ich in Guînes bei Calais – es ist schon eine eigenständige Ortschaft, nicht wie das Niderwil bei Adlikon mit der Postleitzahl von Thalwil und der Navigationsadresse Andelfingen -, mit meinem Schulfranzösisch – un nuit oder ou une nuit, jnösäpa – kam ich nicht weiter, ich verfiel in mein Film- und Fernsehenglisch. Will heissen, ich spreche nicht wirklich englisch, übersetze einfach die Worte und stammle jeglicher Grammatik entbehrend etwas heraus.
Ich wurde geladen, der Dame zu folgen. Elegant schwang sie sich in einem Golfwagen und raste über das Gelände, meine Wenigkeit war eher etwas befangen, auf dem Kiesweg um Wohnwagen zu driften und eingeölte Sonnenanbeter zu bestäuben, musste aber doch Anschluss halten.
Mit meinem Familienkombi und dem Taschenzelt war ich mehr als underdressed, dem Prolesauftritt wiederum angemessen. Daher wurde ich wohl auch in eine heckengesäumte Ecke bugsiert, beinahe versteckt, man will den Gesamteindruck nicht verfälschen. SUV verteilten sich über den Platz, Sterne und Ringe, hier ein Lexus, dort ein Dodge. Kleine Eigenheime auf Rädern, mit eigenem Motor oder gezogen, Seidenzelte über Carbonstangen, man zeigt was man hat.

Es war mir nicht unangenehm, ich mag die Abgeschiedenheit und kombiniere Fahrzeug und Zelt gern zu einer klassischen Wagenburg, wie die Siedler es zu tun pflegten.
Als ich auf meinem kleinen Kocher einen Instantkaffee bereitete, sitzend auf der Karodecke in meiner Wagenburg, drang zwischen aufgehängtem Badetuch und Schlafsack doch ein mitleidiger Blick eines Herren im Ohrenpolstersessel auf dem Rasenteppich zu mir durch. Demonstrativ drückte er sich auf seinem Jura-Vollautomat einen Kaffee, in ein Porzellan-Tässchen mit Unterteller und entnahm dem Kühlschrank ein Kännchen Milch.
Offen gesagt; Ich hätte keine Lust das Porzellan zu spühlen, trocknen und zu verräumen. Mein Campinggeschir wird gereinigt, indem ich heisses Wasser kunstvoll schwenke, hernach auf die Nachbarparzelle schütte und die Gerätschaften unter dem Vorzelt deponiere, um mich gebührend über die resultierende Ameisenplage zu wundern.
Aber vielleicht hatte der feine Herr ja eine Frau im Schlepptau. Nicht, dass mir das Wohl der Hausfrauen am Herzen liegt – wäre auch anmassend, entzieht es sich völlig meiner Kenntis, was Frauen im Grundsatz wollen, wie könnte ich mir daher auch hinreissen lassen, Gedanken über deren Wohl zu machen – aber mir scheint, beim campen geht deren Urlaub, also mein Verständnis von Urlaub, zwischen kochen, abwaschen und staubsaugen – ja, die hatten wirklich einen Staubsauger in ihrem Camper – unter.

Die Distanz zum Meer, respektive dessen Nichtvorhandensein, kompensierte der Platz mit einem Pool, Piscine spricht der Franzose, und die phonetische Ähnlichkeit zu einem deutschen Wort deucht mich treffend. Ich war tatsächlich kurz im Wasser, das Chlor begann mein Fleisch vom Knochen zu lösen, zudem lief man stets Gefahr von Kindern erschlagen zu werden, von der Seite aus geworfen von lustigen Onkels, Papas und Opas. Ein Schild untersagte wohl das Springen vom Bassinrand sowie das Werfen von Gegenständen, von geschleuderten menschlichen Organismen stand da jedoch nichts. Bin ich wirklich schon so alt, dass ich mich über springende Kinder nerve? Wohl ein Zwischending, ich nervte mich, aber nicht so sehr, dass ich interagierte. Nicht zuletzt, weil diese Pfütze Wasser schon im Grundsatz nicht sehr einladend war, mit vier Personen darin schon eine swingerclubähnliche Gspürsch-mi-Atmosphäre vermittelte.

So sprach ich ausgiebig der Dusche zu, nur schon um der Amortisation der Übernachtungsgebühr willen.

Später entschlummerte ich im Flackern der Vielzahl von 40 Zoll-Flachbildfernseher auf dem Platz, unter den Gitarrenklängen eines Hippies in Armani-Shirt und den Flap-Geräuschen von Gucci-Flip-Flops auf dem Kiesweg.

Fotos? Nä.
Die fototechnische Dokumentation wird mir zu blöd. Eigentlich fotografiert man ja nicht was einem gefällt, sondern, wovon man sich möglichst viele „Gefällt mir“-Klicks verspricht, sprich; Fotos schiesst man nur für die anderen. Für welche anderen?
Natürlich, Generation Smartphone und Auslands-Datenpaket, man versendet hie und da ein Bild, nur um was ähnliches wie eine menschliche Interaktion zu haben.
So schauts aus.

Veröffentlicht unter Unterwegs | Kommentare deaktiviert für Bei den Ch’tis, diesesmal wirklich

Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn

Nach ein paar eher ernüchternden Tagen in Holland, zog es mich, kaum 24 Stunden in heimischen Gefilden, wieder auf den Highway.
Man sollte meinen, nach  zehn Stunden auf deutschen Autobahnen hätte man das Lenken eines Fahrzeugs satt, aber der Fluchtdrang war stärker und irgendwie braucht dieser Ferientropfen auf dem glühenden Arbeitsstein noch eine gewisse Würze, etwas mehr, als einfach 14 Tage nicht an der Arbeitsstelle angetreten zu sein.
Bereits im letzten Jahr äusserte ich mich etwas ungeschliffen über die deutschen Autobahnen und traf den Bürger im grossen Kanton mitten in das stolze, deutsche Automobilistenherz. Da nach einem Angriff der Kümmeltürken auf meine Homepage auch sämtliche Kommentare über den Jordan gingen, biete ich meine wohlgenährte Pauze als neuerliche Zielscheibe.

Ohne eine Beweiskette anführen zu können, behaupte ich, der Stolz begründet nicht auf den kilometerlangen zusammengefügten Betonplatten, welche neben dem Stossdämpfertest auch die Verdauung ankurblen und Carglass, Stichwort Riss in der Scheibe, zum Marktführer der Autoglas-Spezialisten erhob.
Wohl werden es auch nicht die Rastplätze sein, auf welchen es beinahe unmöglich ist drei Schritte zu gehen, ohne mit menschlichen Exkrementen und Wischtüchern am Hacken wieder in das Fahrzeug zu steigen. Womöglich eine Auswirkung von oben erwähntem Punkt und dem, mittlerweile im Preis gestiegen, siebzig-Cent Preis für einen Stuhlgang oder simplen Wasser lassen an der Raststätte.
Auch die Raststätten, bestechend durch streng riechende Shops, bekifften oder unfreundlichen Mitarbeitern und Preisen wie in Tante Ullas Bordell, werden kaum das Aushängeschild des deutschen Strassennetzes sein.

Es ist das Gleiten ohne Tempolimit. Rasen was die Karrosse hergibt, den Asphalt glühen lassen, die Betonplatten auseinanderschieben; die pure Automobile Freiheit, Anarchismus hinter dem Volant, das Recht dem Stärkeren.
Fuhr ich auf der A61 von den Niederlanden bis zum Hockenheimring. Satte 331 Kilometer Freiheit, Fahrspass pur.
Geschlagene fünf Stunden war ich unterwegs. Der Motor kurz vor dem Kollaps, nicht weil ich ihm das äusserste abverlangt hätte, nein, rauschender Stop & Go-Spass bei erfrischenden 35°, dass die Kupplung wimmerte.
Der Tempopilotschalter hängt traurig an drei Drähten aus dem Lenkrad, gemäss entsetztem Renaulttechniker wäre es nicht Sinn und Zweck auf diesem neckischen Zubehör Klavier zu spielen, man nutze diesen, so man über einen längeren Zeitraum eine gewisse Geschwindigkeit beibehalten möchte. Wie konnte ich anders, als ihm ins Gesicht zu lachen und von den deutschen Autobahnen zu erzählen. Es gab ein grosses Hallo, die Werkstatt sass im Kreis, es wurden Kekse gereicht.
Von Zeit zu Zeit gälte auf dem deutschen Strassennetz ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern. Nur fehlt die Spur um selbiges einzuhalten. Ganz rechts fahren die Laster. Stossstange an Stossstange. Bis Gunnar feststellt, dass sein MAN in der Stunde einen halben Kilometer mehr abreifeln könnte als der polnische Schrotthaufen vor ihm. Teils aus Arbeitseifer, teils aus Nationalstolz setzt er zum Überholen an, ignorierend der Tatsache, dass ausserhalb des Windschattens Piotr mit seinem Scania/DAF/Saurer und den losen Paletten auf der Ladefläche, wiederum die Nase vorn hat. Aber Gunnars Mutter zieht nicht umsonst LKWs auf DSF, jetzt gehts um die Ehre und wenn es bis nach Stuttgart dauert.
Obwohl im Schilderwald zur Rechten oft darauf hingewiesen wird, sogenannte Elefantenrennen sollten doch unterlassen werden, sie sind tagsüber gar verboten, werden also zuhauf zwei Spuren von den Brummis belegt. Also geht man ganz nach links und kann für etwa dreihundert Meter die Geschwindigkeit halten.
Bei geringem Abstand zum Vordermann entrichten die Deutschen 35 Euronen Strafe. Wir Schweizer begleichen diesen Fauxpas mit einem vierstelligen Betrag und mindestens einem Monat Ausweisentzug, daher sind wir wohl etwas sensibilisiert. Haltet man also den gewohnten halben Tachoabstand ein, dankt ein Fahrer auf der rechten Spur recht herzlich und fügt seinen Wagen in diese grosszügige Lücke ein. Selbstverständlich beginnt er erst danach mit dem Beschleunigen ab achtzig Stundenkilometern. Vorher war es ja nicht möglich, rammelte er doch mit seinem Stern an der Front, die Fordmuschel am Heck des Vordermannes.
Dieser Vorgang ist nach Belieben zu wiederholen.
Aber ich will mich nicht beklagen; So man dreihundert Meter mit achtzig Stundenkilometern zurücklegen konnte, hat man schon ein ordentlich Stück Weg gemeistert. Denn auf den deutschen Autobahnen dominiert die Richtlinie sechzig Stundenkilometer und Fahrbahnbreite von zwei Metern, deutlich verringert durch schlingernde Lastenzüge.
Die Baustellen. Gott weiss, was die Deutschen stets an ihren Bahnen werkeln, wobei wir Schweizer da keinen Deut besser sind, möchte ich gleich hinzufügen. Autobahnen als solches kennen wir schon lange nicht mehr und nur die Vignettenpflicht erinnert daran, dass man auf einer solchen unterwegs wäre.

Während ich also so stand, überlegte ich die Ursache von Staus, wie es wohl jeder Automobilist tut.
Vorschlag eins: Scheuklappen.
So es links und rechts nichts mehr zu gucken gibt, muss man auch nicht abbremsen. Immer wieder erstaunlich, was ein abgestelltes Motorrad und die grüne Minna auf dem Pannenstreifen für eine verherende Wirkung auf vorbeirauschende Autolenker hat.
Vorschlag zwei: Mindesttempo auf der Überholspur.
Wer nicht 130 km/h fährt, hat dort schlichtweg nichts verloren. Und man hat mit dieser Geschwindigkeit die Spur zu wechseln und nicht erst nach dem Einfädeln den Hebel vom Schildkrötchen auf das Häschen zu stellen.
Vorschlag drei: Überholverbot für Brummis
Ach so, gibt es schon. Nun, statt gelbe Nummernschilder rauszupflücken – die Polizei fuhr am 19.7 auf der A6 wirklich eine Grossoffensive gegen Holländer, so der Radiosprecher – wären vielleicht einmal die richtigen Probleme anzupacken.

Gewiss waren schon gewitztere Köpfe als ich am Werk, es ist einfach nicht nachvollziehbar. Liegt es wirklich nur an der Maut, dass es die Franzosen im Griff haben?autobahnMittags um halb zwei, auf einer Autobahn der Gesellschaft Autoroutes Paris-Rhin-Rhône (APRR).
Eigentlich dachte ich stets, das Beste was einer Gesellschaft wiederfahren kann, ist eine staatliche Non-Profit-Organisation, Stichwort Einheitskrankenkasse.
Bezüglich Strassennetz muss ich meine Meinung revidieren. Die Autobahnen in Frankreich sind in privater Hand. Natürlich lassen sich diese die Benutzung auch bezahlen, aber diesen Preis entrichte ich gerne. Man fährt staufrei. Jede Autobahn hat ihren eigenen UKW-Radiosender, welcher landesweit auf derselben Frequenz (107.7 FM) sendet. So einfach, so fantastisch. Man würde theoretisch über Aktivitäten der befahrenen Strassen informiert werden, so man die Sprache verstünde und, was die wirkliche Herausforderung ist, die unsäglichen Chansons erträgt. Aber es ist völlig unnötig, weil schlichtweg kein Stau besteht. Für Ordnung – da liegen keine Möbel, laufen keine Pferde, keine Radfahrer und auch keine Steine werfenden Kinder – sorgen die Angestellten, welche mit höchst eindrucksvollen Fahrzeugen patroullieren. sanef

Falls wirklich einmal etwas verquer läuft, wird eine immense Lichterbatterie aus dem Dach gefahren, dass man alleine aus Verzücken hinter dem Fahrzeug herzuckelt. Und wenn ich sage zuckeln, reden wir immer noch von 110 km/h.

Wenn man üblicherweise zwischen 120 und 140 mit dem Tempopilot gondelt, betätigt man innnert 50 Kilometer höchstens zweimal ein Pedal im Fussraum.
Es sei denn, man biegt auf einen Rastplatz ein. Rastplatz, ich meine Rastpark. Gepflegte, weitläufige Rasen mit gereinigten, schattigen Sitzgelegenheiten. Nicht eine überquellende Tonne, sondern saubere Abfallbehälter, man kann sogar Alu, Glas und übrigen Müll trennen. Sie möchten ihre Notdurft verrichten? Betreten sie ein architektonisches Meisterwerk und werden sie von Musik berieselt.
Sportgeräte, Joggingstrecke, was das Herz begehrt.
Ihre Vorräte gehen zur Neige, die Raststätten warten mir regionalen Produkten auf, die Bedienung freundlich, zuvorkommend. Natürlich, sie lassen sich den Service vergolden, aber man wird ja nicht gezwungen.
Ehrlich, das einzig gefährliche auf französischen Autobahnen ist die Langeweile.

Eigentlich haben die Betreiber ein Monopol, man ist ja mehr oder minder gezwungen ihre Bahnen zu nutzen, nichts desto trotz scheint ein Wettbewerb zu spielen und sie möchten sich gegenseitig übertreffen. Mein Favorit ist klar Sanef, nicht zuletzt wegen der tollen Patroullien-Fahrzeuge, soviel Kind steckt in mir.

Keine hohle Werbephrase, so sieht es wirklich aus, eigentlich möcht ich gleich wieder los.

Aber die Franzosen können auch anders, können richtige Mistkerle sein, aber dazu im nächsten Bericht mehr. Meine Ausführung ist nun doch etwas reichhaltiger ausgefallen als geplant.

Veröffentlicht unter Unterwegs | Kommentare deaktiviert für Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn

Noicontour

Einen Klick wert!

DSCI0590

Veröffentlicht unter Websplitter | Kommentare deaktiviert für Noicontour

Gesucht, loyale Mitarbeiter

Die UNIA gefällt mir irgendwie schon.
In der Schweiz fehlen Gewerkschaften, welche sich auf die Ur-Funktion besinnen. Ein vierteljährliches Vereinsheft, da ein Händeschütteln, dort ein Cüpli und gelegentlich ein rotes Fähnchen verteilen kann wohl kaum der Vereinszweck sein.

Zumindest haben die Gartenbauchefs erkannt, nicht der Angestellte muss am fünfundzwanzigsten unter Bücklingen für den Lohn danken, derjenige, welcher das Geld bringt, ist der Giovanni im Dreck.

Den sesselpupsenden Gartenbauern gefällt die Abhängigkeit von den arbeitenden Angestellten überhaupt nicht, dementsprechend angesäuert sind sie nun.

loyale mitarbeiter

Bei meiner regelmässigen Websuche entdeckt.
Ob dieser seine gesamte Belegschaft ersetzen will?

Gut, stelle ich mir schon merkwürdig vor, nach drei Streiktagen wieder im Betrieb zu erscheinen und ein paar Hunderter mehr zu erhalten. Aber es musste anscheinend so kommen, man stelle sich mal vor; Arbeiten, damit es gerade für Steuern, Kost und Logis reicht, meinte ich doch, die Haltung von Leibeigenen sei mittlerweile untersagt.

Veröffentlicht unter Kurz nachgedacht | Kommentare deaktiviert für Gesucht, loyale Mitarbeiter

Auch die Schweiz ist schön

Es muss ja nicht immer das Ausland sein.
Also dieses jenseits des Schlagbalkens, denn irgendwie fremd ist man im Berner Oberland auch.

Camping Eigernordwand, wenn dass nicht einladend klingt. Gut, der zugewiesene Platz schien mir eher auf Wohnwagen und Motorhomes ausgerichtet zu sein, für Wasserwaagenfetischisten, aber stabile Heringe, welche das Zelt sackartig an Ort und Stelle hielten, verhinderten, dass ich in meinem Schlafsack des Nachts den Hang runter rodelte, bis die Kunstfaser und mein Hintern eine schmerzhafte aber innige Beziehung eingingen.
Die Camper rundherum waren frontseitig so aufgebockt, dass man sich an der Startlinie eines Dragster-Rennen, sponsered by Hymer, wähnte.
Aber ich bin zu unbekümmert, um mich an solchen Dingen zu stören.
Ruckzuck stand das Zelt, den Wagen davor gestellt, wie vom alten Platzwart geheissen. „Tüeched eues Auto hie grad ane, denn stellt nid en angere sis Zeaut grad a üches ane“; Ich muss Privatsphärenbedürftig gewirkt haben.
Zur linken ein alter VW T2 mit einem deutschen Päärchen, zur Rechten ein Wurfzelt in der Grösse meiner Bergschuh-Tasche, in welchem Benjamin Blümchen wohnte.
Benjamin Blümchen sah aus wie ein französischer Student, dunkler Wuschelkopf, dürr wie ein Zweig im Wind, eine überdimensionierte Hornbrille und ganz verschnupft war der Arme. So, dass er stets seine Nase in ein unglaublich langlebiges Papiertaschentuch entleeren musste. Nicht ein Schneuzen, dass man mit einem Schulterklopfen ein „Fein gemacht“ anmerken wollte, ein ordentliches Rotzen, dass der Schleim beinahe durch die Finger trieft, nein, so ein hohles, schwächliches Ausatmen, vielleicht von ein paar Tropfen Wasser begleitet. In einer nervigen Tonlage, gerade so laut, dass man es noch genug hört, um derab die Wände hochzugehen. Wie diese hüstelnden Leute im Bus, welche lieber im Zehnsekundentakt etwas den Kehlkopf schütteln, statt mal ordentlich loszulassen. Man möchte sie würgen.
Aber selbst dieser trottelige, kränkliche Student in seinem YPS-Zelt, ein alemanischer Franzose, stellte ich fest, dieses Handtuch von einem Mann, reiste mit einer kleinen Blondine. Irgendetwas scheine ich ganz fürchterlich falsch zu machen.

Nun denn, für solche Gedanken hatte ich noch genug Zeit, erst schnürte ich die Schuhe. Ich weiss nicht, worüber ich mich mehr ärgere. Die Schmach, dass ich meine Trekking-Socken vergessen hatte, oder dass ich mir Blasen an den Fersen gezogen habe. Denke schon das Vergessen, einfach zu peinlich.
Aber das spürte ich da noch nicht, also trabte ich los, an der Bahnstation vorbei – seit ich im Wallis anlässlich eines schönen herbstlichen Wanderurlaubs ob meiner Begleitung mehr Bahn fuhr als in einem sehr aktiven Winter bin ich etwas traumatisiert, was die Kombination von Bergschuhen und Bergbahnen anbelangt – die Chinesen freundlich grüssend, in Richtung Alpiglen.
Die Tatsache, dass nur Trottel von Grindelwald aus den Eigertrail ansteuern, verunmöglicht eine Zeitangabe, respektive, ich müsste zu sehr rechnen und zusammensetzen.
Wenn man alleine unterwegs ist, muss man sich selbst beschäftigen. Wie in etwa, Essen erst auf 2000 Meter. Da man in Grindelwald bei 980 startet, es elf Uhr war und schon der Magen leicht knurrte, musste ich mich sputen.kueheDie Kühe tragen wieder Hörner, stellte ich mit Entzücken fest. Nebst der Achtung der tierischen Würde, sieht es doch einfach schmuck aus. Artig machten sie mir Platz, aber man überlegt sich schon manchmal, wie solch ein Vieh reagiert, wenn man es versehentlich erschreckt.
Nicht dass ich ein ängstlicher Mensch bin, möchte ich schon betonen. Gut, dass ich den Steinhaufen, welchen ich zur Mittagsrast erkoren hatte erst wie eine Katze dreimal umrunde, hier dagegentrete, dort einen Stein reinwerfe, würde mich wieder lügen strafen. Aber ich lebe in einer ständigen Panik vor Kreuzottern, doch das ist eine Phobie, das ist was ganz anderes.rabTja, einmal muss man sich selbst in Szene setzen.
Sass also da, beobachtete den Touristenstrom unter mir und so man sich fragt, was Renter macht, wenn er mit der nervigen Frau zu Berge muss…rentner-zeitungDaumen hoch für mein Spanner-Objektiv.
Weiter ging es über Schneefelder an den zu Berg gefahrenen Japaner vorbei. Ich gestehe, Asiaten nicht unterscheiden zu können, will da niemandem zu nahe treten. Im Gegenteil, ich finde sie recht knuffig, wenn sie daher kommen mit ihren Switzerland-Hütchen, den Kameras und über alle Backen strahlend. Grüsst man noch im kernigsten Grüäzi, scheint die Sonne aufzugehen.
Und es ist zu witzig, wenn sie über Schnee gehen.asiaten-1asiaten-2Statt Schweizer Höflichkeit walten zu lassen, zücke ich lieber die Kamera.
Selbstverständlich genoss ich auch die Aussicht.eigerDie Wand hat einfach was mystisches. Wunderschön.kleine-scheideggeiger-nordwandAn sich wollte ich nur ein Eis am Stiel. Gar nicht so einfach. Ich fand Bernhardiner, Tassen, Kappen, Schirme, Taucherbrillen, Handschuhe, Murmeltiere, aber kein Eis am Stiel. Da schien eine Abmachung zwischen Souvenir-Shops und Restaurantbetrieben zu herrschen. Glücklicherweise stand da ein Prager-Vermächtnis auf Rädern und bot zu ordentlichen Bergpreisen Mövenpick-Eis feil. Schon sehr touristisch ausgerichtet, die Dame auf dem Wagen verstand kein deutsch, letztendlich musste ich tatsächlich auf englisch bestellen.
Alle Coupe Dänemarks inbegriffen habe ich noch nie ein solch kostspieliges Eis genossen. Und noch nie eines, dessen Preis so gerechtfertigt war. Vielleicht war es das Ambiente, vor dem Souvenirshop auf den Stufen sitzen und Eis lecken, oder dann ist Mövenpick wirklich das beste Eis, so oder so, ihr El Bertins könnt euren Ramsch-Laden schliessen.
Es machte durstig. Also doch noch auf die Terrasse des alt-ehrwürdigen Bellevue und aus der reichhaltigen Getränkekarte eines von drei Bieren ausgewählt. Das einzige Schweizer Bier und dann noch ein Eichhof, aber was solls. Die bedienende Prinzessin Kate mit polnischem Akzent war zumindest im Ansatz der deutschen Sprache mächtig.
Grundsätzlich wollte ich wieder ins Tal, um in der örtlichen Migros noch ein Abendessen zu greifen, aber es war einfach zu gemütlich.
Da es mein Vater verstand, mich tagelang über die Hügel zu geleiten, ohne dass wir auch nur die Fahne eines Restaurants sahen, ist dieser Luxus, der Erwerb eines exotischen Nahrungsmittel während der Wanderung, immer noch eine spezielle Erfahrung.bierBei aller Liebe zum Camping, irgendwann muss ich eine Nacht in diesem Hotel absteigen.

Absteigen; Es ist nicht so, dass es extrem mühsam wäre, es ist einfach langweilig. Das einzige Ziel war, die Migros vor Ladenschluss zu erreichen. Gut, nach sieben Stunden merkte ich die 1700 Höhenmeter kumulierter Aufstieg – natürlich ohne eingerechneten Abstieg – schon etwas in den Beinen und der blutigen Ferse, daher war ich nicht unglücklich, dass der Volg im Tal noch offen hatte und ich nicht auf der anderen Bergseite wieder hochsteigen musste.

Die nächste Bergchallange war mein Gaskocher am Hang. Mit einer Hand die Pfanne haltend, mit der anderen den Wind abschotten, damit das Wasser doch noch einen Siedepunkt erreicht, musste ich ob drohender Gasknappheit irgendwann die Entscheidung treffen, weiche Pasta oder Frühstückskaffee.
Der Kaffee siegte, die Pasta war etwas knackig und kühl, aber solange man sich nicht die Mundhöhle aufschlitzt… Habe schon schlimmer gegessen.

Mangels Badelatschen, bin ja keine Tussi, erntete ich von den Dauercampern böse Blicke, also ich in meinen Trekkingschuhen in die Dusche latschte. Mein Gott, weil die etwas Kuhmist scheuen, muss ich mir doch keinen Pilz holen.
Sind mir sowieso zuwider, diese Leute.
Bauen sich eine Gartenlaube mit Wasseranschluss, Strom, Flat-TV, Kabelnetz und Kühlschrank. Legen diese mit Teppich aus, fahren einen Wohnwagen hinzu, hängen die elektrische Fliegenfalle raus und sagen, sie seien Camper.
Was immer der Platz gekostet hat, ich weiss es bereits nicht mehr, die Dusche war jeden Franken wert. Kein müder Finger vom ständigen Startknopf drücken, keine fünf-Minuten-Begrenzung für Warmwasser; Eine ganz normale Dusche. Wunderprächtig.

Am Tag danach, Benjamin Blümchen röchelte in den letzten Zügen. Nachdem sein lästiges Schneuzen bis in die Nacht andauerte, machte sich etwas Schadenfreude breit. Aber er wurde hingebungsvoll von seinem blonden Lieschen betreut.
Meine Casio Pro-Trek zeigte um fünf Uhr in der Früh 10 Grad an, das Kondenswasser im Zelt bestätigte noch tiefere Temperaturen ausserhalb meiner Masoala-Halle. Ich bin überzeugt, bei der modernen Zeltentwicklung wird die Firma Ceylor ganz eng eingebunden.
Das Kondenswasser sollte die Zeltbahn hinabgleiten und im Boden versickern, so die Idee des Entwicklers. Nun, es gleitete erst, als ich mit dem Rücken die Plane touchierte. Aber was solls, immer noch lieber als eine Holzlaube mit Rasenteppich und angestelltem Wohnwagen. Nass, aber zufrieden frühstückte ich mit Blick auf die Nordwand.fruehstueck

Hernach gönnte ich mir die Gletscherschlucht. Einfach um Zeit tot zu schlagen und ich keine Lust hatte, alleine im Hooters zu lunchen.P1000969Ob sie den Ausflug und Eintritt wert ist? Nun ja, die Holzstege haben gewiss Geld gekostet, also zweiteres kann ich geben. Ansonsten… Ist ganz hübsch, aber nicht die alleinige Anreise wert.
Alles andere schon. Ich mag die Berner mit ihrer höflichen Gemütlichkeit.

Veröffentlicht unter Unterwegs, Vom Leben und gelebt werden | Kommentare deaktiviert für Auch die Schweiz ist schön