Neulich, in der Shopping-Arena

Haben sie das Gemüse abgewogen?; erkundigte sich die mollige, deutschstämmige Sieglinde mit den adretten Krauslocken bei der solariumgegerbten BMW SUV-Lenkerin. Erkannte ich, als ich hinter ihr die Verkaufslokalität verliess.
Ja, eigentlich schon…
Wo ist der Zettel mit dem Strichcode?
Sieglinde hätte das Solariumleder auch nach einem Beweis für die notwendige Existenz von Singularitäten in der allgemeinen Relativitätstheorie fragen können, viel dämlicher hätten die Kuhaugen nicht unter der MaxFactor Mascara – und es gibt doch Fliegenbeine und keinen falschen Wimperneffekt – hervorgucken können.
Ich habe doch gewogen…jackie-chan-memeOb das Ächzen nun von Siglindes Sitzgelegenheit oder der Protagonistin selber erklang war schwer zu beurteilen, es ging im Stöhnen der fünfundzwanzig Einkaufswilligen unter, welche sich an den Schokoriegel vorbei bis zur Fischtheke nahezu stapelten.
Auch das Hihi aus den Gummiboot-Lippen der Solariummatte vermochte den Pöbel nicht zu beruhigen, ich glaubte zu sehen, wie sie sich des Quengelware-Arsenal bedienten, Twix scharf anspitzten und Erdnüsse auf Kondomschleudern spannten…

Nun, auch ich bin kein einfacher Kunde.
So suchte ich neulich das Shopping-Center meines Vertrauens auf.espritIm Zuge meines Gewichtsverlustes kleiden mich Hemden ähnlich wie Bruder Tuck, nur dass eben der Bauch fehlt. Das perfekte Hemd ist schwer zu finden, für mich gar unmöglich; Sitzt es am Bauch kneift es am Arm, passt der Kragen laufe ich Gefahr mit brustseitigen Schliessknöpfen um mich zu schiessen. Es ist der reine Wettkampf, ob die Verkäuferin zuerst die Segel streicht, oder es mir vorher zu peinlich wird. Wohl sitzen in einem Keller viele kleine Kinder um Kunden mit Platinum-Status die Kleider kostenlos auf den Leib zu schneidern, aber dann müsste ich die Oberbekleidung dem Personal überlassen, die Tage wieder vorbei gehen und abholen… In der Migros gibt es Shirts im Dreierpack, nehme ich fünf kriege ich die Strümpfe gratis dazu; Des Aufwand zuviel betrieben.

Ob ich alles gefunden hätte?; Als sie meine Auswahl von Plastikkarten auf dem Tresen durch den Scanner zieht. Gürtel, die wären einfach einen Tick zu lang…
Ich könne mich in der Damen-Abteilung bedienen.
Bitte?
Es wären dieselben.
Ach…
Nur der Schriftzug wäre obenrum, während er bei den Männern seitwärts platziert wäre.
Und das ist dasselbe?
Dies sieht ja niemand.
Nun, sie haben es bemerkt und würden nun noch drei Damen an der Theke stehen, wäre der Raum wohl von seichtem Kichern erfüllt.
Ob ich denn ledig sei… Man beachte, nicht Single sondern ledig; Mein fortgeschrittenes Alter setzt wohl nicht mehr eine Partnerschaft als Option, sondern bereits ein veränderter Zivilstand.
In der Tat.
Ja dann könne ich dies nicht tragen.
Nun, ich hoffe auch in einer Beziehung nicht zum tragen von Damenkleider zu neigen, aber ich wäre froh, dass wir dies geklärt haben.

Da sich das Hemden Dilemma in der Wahl der Jeans bei Esprit erfahrungsgemäss fortsetzt, irrte ich durch einen Laden, welcher wohl Fischknochen in Hosenform feil bot, von meiner favorisierten Marke jedoch noch nie gehört hatte.pepe-jeansNun, vielleicht habe ich auch die Reinigungskraft gefragt, ich wollte mich nicht versteifen und verschob in die nördliche Ecke des Centers. Der Vorteil wenn man frühen Vogel spielt, man kann beinahe bis an die Starbucks-Theke vorfahren, der Nachteil; Alle Verkäufer sind topmotiviert und widmen einem zugleich die ungeteilte Aufmerksamkeit, da man als einzige nicht auf der Lohnliste stehende Person zwischen den Kleiderständern irrt.

Suchen Sie Männer?; fragte man mich im nächsten Laden.
Ja… Also nein… Aber…; ich guckte wohl auch zu verwirrt herum, die Übergänge von Männerklamotten zu Frauenkleidern sind aber auch fliessend, bisweilen wird der Unterschied – haben wir eben gelernt – nur durch die Platzierung eines Markenlogos ersichtlich. Was natürlich keine Garantie ist, dass ihn nicht auch jede Person auf den ersten flüchtigen Blick bemerkt.
Dort drüben; Wies sie mich über den Flur.

Mittlerweile hatte ich den Eindruck, die Damen sprachen sich ab und warteten nur auf den komischen Kauz der da in den frühen Morgenstunden durch das Center irrte. Mit Propellermütze und überdimensioniertem Lutscher.

Nein, ich will nur mal gucken.
Wollte ich auch. Used mag im Trend sein, aber für eine Jeans, welche wirkt als hätte ich damit einen Trecker über einen nassen Feldweg geschleppt, mag ich kein Geld ausgeben. Dahingehend bin ich etwas altmodisch. Oder wie ein Kollege zu sagen pflegte; Er verlässt doch den Laden nicht um zweihundert Bucks ärmer mit versiffteren Hosen als er ihn betreten hatte.
Die Hosen mit den kürzesten Beinlängen in das oberste Regal zu packen ist doch nur gemein. Und damit meine ich wirklich im obersten. Ich hätte springen und den ganzen Stapel mit dem Schwung meiner Masse herunterreissen können, aber dies ziemte sich doch nicht. Mit dem Mute der Verzweiflung entfloh ich mit einem Paar Beinkleider in die Mitarbeiterküche, von wo ich zu den Umkleidekabinen am anderen Ende des Raumes verwiesen wurde.
Zu meiner Verteidigung, ich musste über drei Rahmenpaletten hechten, es war nicht klar ersichtlich, dass hinter dieser Kampfbahn noch Kundenräumlichkeiten zu finden wären. Der Name war Programm, ich brachte diesen Jeansstoff erfolgreich über die Waden, bei den Oberschenkeln war Schluss. So hüpfte ich wieder hinter den Vorhang, welchen ich im Krampfe der Anstrengung mit den Zähnen umklammert hatte um verzweifelt das Gleichgewicht zu halten, ich meine, wer sitzt schon auf die ekligen Hocker um Hosen anzuziehen?
Eine Angestellte erbarmte sich und begann mich mit Beinkleidern einzudecken. Etwa fünf Minuten – „Alles in Ordnung?“ – verbrachte ich nur damit, mir Ausreden auszudenken, warum mir gerade diese Jeans nicht so zusage, nur um nicht erwähnen zu müssen, dass ich doch nicht so bekloppt sei, den Gegenwert eines Kleinwagens für ein sackartiges, ausgeblichenes und löchriges Beinkleid auf den Tresen zu legen.
Nun wir wurden fündig, was für eine glückliche Fügung, dass es auch die günstigste Jeans war.
Die Entäuschung flackerte über das quadratische Gesicht der Bedienung als ich eine einzige Hose wie die Kronjuwelen balancierend zur Theke trug, dennoch beauftragte sie im breitesten St. Galler-Dialekt drei Mitarbeiterinnen mit Schubkarren zur Umkleidekabine um die Ausschussware zu holen und einzusortieren.

Etwas weiter im Schritt, dafür etwas knapper im Gesäss, aber die passe sich im Gehen noch an.

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State of the Union

Rechterhand, auf zwei Uhr, zickt mein Satellitenreceiver, dass die schnellen Bildformatwechsel beinahe meinen alten Plasma vom Sockel werfen.
Die Aussagen der Assis bei Britt sind noch unverständlicher, da er mir nur im zehn Sekundentakt Wortfetzen ins Wohnzimmer schleudert und bietet Gelegenheit, mir zum Sat 1-Ratespiel Gedanken zu machen.

„Womit reinigt man den Boden?“
– Staubs_uger –
(Vervollständigen sie das Wort)

Kann natürlich angesichts der Freitag-Nachmittag-Klientel bei Britts Talkshow durchaus eine Knacknuss sein.fliesentischGanz nebenbei erinnert mich diese zickende Ausgeburt der koreanischen Unterhaltungselektronik-Industrie daran, dass in drei Tagen wieder der Alltag los geht.

Soeben habe ich die Küche gereinigt, nachdem ich mir zum Mittagessen zwei leckere, diättechnisch korrekt panierte Pengasiusfilets an weisser Sauce mit einem Zitronenschnitz und gedämpften Spinat mit Zwiebelstückchen gegönnt habe. Liebevoll in Keramik angerichtet, auf einem Tischset mit einer orangen Serviette zur Rechten unter dem Besteck. Zum Abschluss des Mahls, wurde mir ein Nespresso Lungo im zertifizierten Nespresso-Geschirr und die Zeitung kredenzt.
Ab Montag stochere ich wieder mit einer Plastikgabel im der Mikrowelle entrissenen Tupperware-Geschirr herum, bestreut mit einer halben Pfeffer-Plantage, damit ich den pampigen Geschmack nicht mehr wahrnehme, Hauptsache den Magen gefüllt. Zum Abschluss ein Nespresso aus dem Pappbecher und da ich während der ganzen Aktion den Schreibtisch nicht verlassen habe, hat Hinz und Kunz das Gefühl, wenn er sowieso hier sitzt, dann arbeitet er auch, also belästige man ihn doch mit irgendwelchem Scheiss, welcher lustig noch vierzehn Tage Zeit gehabt hätte.

Gerade heute Morgen dachte ich wieder, Hausmann wäre schon ein toller Job. Zur Feier des letzten Ferientages besuchte ich das Fitness-Center in den Morgenstunden. Nachdem ich über die Leki-Ausstellung von dreizehn Paar Walking-Stöcke stolpernd das Innere des Centers betrat, wähnte ich mich nachmittags um halb drei in der Konditorei. Die Hausfrauen genehmigten sich eine kleine Auszeit bei Kaffee an der Theke.
Ein Gegackere wie in Huber’s Hühnerstall und obwohl man mengenmässig aus den fünf Hausfrauen gute zwölf hätte basteln können, sahen sie keinen Anlass, sich der körperlichen Ertüchtigung hinzugeben. Und sie fühlten sich gut dabei, dies war nicht zu übersehen.
Natürlich, ein gewisses Unverständnis, aber auch blanker Neid beschlich mich.

Es ist schon der pure Luxus, wenn ich tagsüber Einkaufen kann und nicht Abends um sechs zwischen den Regalen hindurch haste, das Altglas nicht zur Nachtstunde entsorge und das Bad nach Bedarf und nicht fix am Wochenende reinigen kann. Auch die Wäsche macht sich untertags einfach leichter als zwischen Samstag und Sonntag, diese Woche buck ich Krentenbollen – ein holländisches Gebäck -, mein eigenes Brot – da ich mein Idealgwicht schon mehr als erreicht habe, gestattet die Diät mir täglich zwei Scheiben Vollkorn-Brot und da ich der Nahrungsmittelindustrie nicht traue, mache ich es selber – und gestern fabrizierte ich über zwei Stunden lang Blätterteig, einfach weil ich gehört habe dies sei eine Herausforderung und mir danach war. Hat einen gewissen Spassfaktor, liegt jetzt im Gefrierschrank, denn essen darf ich ihn nicht.

krentenbollen
Selbst das Aufstehen ist ein gemütlicher Akt.
Gut, nicht viele Hausfrauen sehen wohl zum Frühstück die Yogi-Bär-Show.yogi-baer-showEs ist mir ein Rätsel, weswegen diese morgens um zwei gesendet wird, aber bei zwei von fünf Aufnahmedaten zeigte sich mein koreanisches Miststück gnädig, verrichtete seinen Aufzeichnungsdienst und gestattete mir in Shorts auf dem Sofa, mit 2,5 Esslöffeln Haferkleie in einem Schälchen fett-reduziertem legere-Joghurt eine kleine Zeitreise in die Kindheit. Manchmal sind es diese Inseln, diese Rückkehr zu den Wurzeln, welche das Leben bereichern, gar ausmachen.

Natürlich war ich auch noch etwas im Schnee.
Gerade dies macht den Charme eines Ferienhauses aus. Wenn ich warm will, muss ich Holz spalten, schleppen und ordentlich feuertechnisches Geschick an den Tag legen, um das Haus nicht in eine Räucherkammer zu verwandeln. Fünf Grad im Schlafzimmer sind in Ordnung, man vergisst sonst gerne, dass eine Bettdecke nicht einfach ein stylisches Accessoires ist.
Ein Entschleunigen welches ich nicht missen möchte, oder seid ihr schon einmal ab der eigenen Stimme erschrocken? So geschehen, als ich in der Migros an der Kasse feststellte, dass ich seit Tagen mit keinem Menschen verbal kommuniziert hatte, ohne mir eines Verlustes gewahr worden zu sein.
Gut, ganz alleine war ich ja nicht.gemseLeistete mir aus der Ferne Gesellschaft, als ich Kaffee kochte.kaffeeAuf Luxus verzichten bedeutet nicht Komfort aufzugeben. Glaubt mir, man muss ordentlich Schnee schmelzen um eine Kanne vollzukriegen und ein Bunsenbrenner bei minus 10° möchte gehätschelt werden, damit er seinen Dienst verrichtet. Aber es ist halt doch realer, als wenn man es auf DMAX verfolgt und langfristig entspricht es eher meinem naturell, in der Stille des Schnee die kalten Hände zu reiben, als mich an die Theke einer Apres-Ski-Bar zu krallen.

zerfreilaVielleicht bin ich langsam asexuell, aber dies gibt mir einfach mehr, als der Descente-verpackte Hintern eines bemützten Apres-Ski-Hasen.

Nun hat mich also der Alltag wieder, sogar die Zeitung traf heute wieder ein. Viel verpasst habe ich nicht. Die Alternative Liste Schaffhausen (AL) wünscht das Stimmrecht für Ausländer, welche bereits 5 Jahre in der Schweiz leben.
Bringt gewiss Schwung in die Abstimmungen, arbeite ich doch mit einem Neo-Schweizer mit Migrationshintergrund. Regelmässig übersetze ich den Initiativ-Text in eine ihm verständliche Sprache – deutsch ist bei der Einbürgerung nur bedingt ein Kriterium – und erkläre was er auf den Stimmzettel zu schreiben hätte.
Letztendlich lassen Herren Frick und Keller gewiss auch die Gäste entscheiden, wie sie ihre Wohnräume einzurichten haben.

Man könnte die Uhr nach ihr stellen; Es sind wohl wieder drei Monate ins Land gezogen, Natascha Kampusch brachte sich wieder in die Medien.
Oh, man darf nicht böse reden, war ja ein ganz armes Mädchen, hat ein Trauma hinter sich. Und setzt alles daran, dass dieses Trauma nie ganz aus den Köpfen – ihrem wie unseren – verschwindet und der Geldstrom nie aussetzen möge.
Nahezu erfrischend berichtete der Tages-Anzeiger über die spezielle Form der Trauma-Bewältigung.

kampusch

Des weiteren habe ich wieder einmal die Weltwoche erstanden, da Herr Minder vom Cover strahlte.minder-weltwocheEin tolles Portrait, welches ich hier leider nicht wiedergeben kann, da die Weltwoche keine Gratis-Online-Ausgabe bietet.
Sie war allgemein inspirierend, so auch der kritisch-witzige Bericht über die Walliser. Wer erinnert sich nicht gerne an den Militärdienst, in jeder Truppe waren ein paar aufmüpfige Walliser, welche dafür sorgten, dass der Alltag nie langweilig wurde. Touristen, fremden Fötzel, gegenüber sind sie zwar ausserordentlich unfreundlich – so meine Erfahrungen, aber vielleicht lag es auch an mir  – trotzdem finden alle die Walliser – gerade wegen ihrer Art und der merkwürdigen Sprache – irgendwie cool. Sie sträuben sich aus Prinzip gegen jeden Bundesbern-Entscheid. Macht sie soweit noch sympathisch, würden sie nicht im Gegenzug jährliche Ausgleichszahlungen und Subventionen in der Höhe von 0.8 Milliarden von den niederen Üsserschwiizer beziehen.

Wer also die Tage einmal an der Kasse im Coop bei der Quengelware steht, die Kassiererin gerade das Gemüse für die schusselige Oma abwägen geht und der Assi nicht fertig wird mit Münzen aus den Taschen klauben; Greift ruhig zur Weltwoche, welche da über dem Förderband feil geboten wird.

So, dies waren meine letzten zwei Wochen im Zeitraffer.

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Teambildender Anlass im Schnee

Vierzehn Tage, zwei Wochen, neunzehn komma vier Prozent oder einfach 1,5 Kilogramm beträgt mein diättechnischer Rückfall.doh

Die Lanze brach ich in der Ex-Bar mit einem Kaffee Baileys. Schlagsahne mit Schokostreussel auf eine süssen Kaffeemasse. Ganz nett, aber nun nicht die Offenbarung, welche ich mir vom plötzlichen Schokoladengenuss erhoffte.
Da arbeitete der Hotelkoch einiges effizienter.

Es hat seine Nachteile, wenn man die gesamte Organisation in fremde Hände legt, wenn man diesbezüglich überhaupt von Nachteilen sprechen darf. Beim Betreten der Unterkunft sah ich die vier Sterne Superior, ohne mir weitergehende Gedanken zu machen, das Wasser in der eben eingelassenen Wanne hatte auch keinen Goldschimmer und der bereit gelegte Bademantel war von Valser gesponsert.
Um sieben verabredeten wir uns zum Dinner und als ich so in Unterhose vor meiner Sporttasche stand bemerkte ich jede Menge Outdoor-Kleidung, aber kein einziges Teil, welches auch nur annähernd an eine angemessene Abendgarderobe heranreichte. Durch einen von Spiegel gefliesten Flur, traten der Herr in Tommy Hilfiger, ein Dux/Pkz-Modell, der Mann in sportlich/legerem Casual und dann noch ein frisch gebadeter, mit Cafe-Baileys und Monster-Energy Zero gefüllter Werbeträger von North Face, Salewa und Meindl. Die abschätzigen Blicke der geschlipsten und gülden bemanschetteten Herren waren mir sicher, die Damen in ihren leichten, teilweise einen Tick zu transparenten Abendroben schüttelten die bemalten Köpfe und kontrollierten, ob bei ihren Kinderchen auch der Kragen richtig sass; Schau ihn dir an Klaus, so sieht man aus, wenn man arm ist und das Hotel im Preisausschreiben gewinnt.
Der Kellner, welcher sich doch in höflicher Zurückhaltung üben sollte, fragte geradeheraus ob wir homosexuell seien. Nun, wohl nicht direkt, aber es stand im Raum und auch mit beschränkter Intelligenz war es ein leichtes zwischen den Zeilen zu lesen, als er nach der Frage, wo die Damen seien uns einen Prosecco schmackhaft machen wollte.

Gewisse weibliche Attribute will ich uns gar nicht absprechen; Nach fünf Minuten diskutierten wir über die herumsitzenden Gesellschaften, deren Zusammengehörigkeit nicht stets auf den ersten Blick erkennbar war, daher Raum für die wildesten Spekulationen bot und da wir platz- und auftrittsmässig schon auf dem Podest im Saal sassen, mühten wir uns auch nicht sonderlich um eine Beschränkung in der Lautstärke.
Ein Bündnerteller als Vorspeise, wieder einmal Brot essen, einen Wein trinken; Der Teufel in Kochmütze lockte mich in sein Verliess.
Eine excellente Kürbiscremesuppe und schon wurden wir höflich aufgefordert, das Salat-Buffet aufzusuchen. Wahrscheinlich warteten bessere Herrschaften im Foyer auf den Tisch, die Verköstigung musste zügig abgewickelt werden. Das Buffet war sehr ausladend, die Teller hingegen schrecklich klein. Es erforderte Geschick und Strategie, ihn so zu beladen, dass ich die Pracht mit der zweiten Hand nur leicht auf dem Teller zu halten brauchte, als ich ihn zu Tisch balancierte. Die Zwiebeln in der einen, die Croutons in der anderen Hosentasche.
Gemessen an meinem normalen Ernährungsplan, begonnen an einem Montag, war ich mit dem Verzehr des Salats in etwa bei Mittwoch angelangt.
Es folgte ein Fleischspiess, auf solch adrett klein geschnittenen Kartöffelchen, dass man unweigerlich eine köchersche Fingerkuppe suchte. Die Portionengrösse war auf Chanel und Boss-Passform-Kleider zugeschnitten, jedoch nicht auf einen ausgehungerten Dukanier. Ich war annähernd satt – dass sich der Magen beim Hungern verkleinert habe ich wiederholt als Lüge bestätigt – aber nicht so überfressen wie ich es erhofft hatte und die Kuchenstückchen, welche die umliegenden Herrschaften zum Dessert verspeisten und mit genipptem Kaffee spülten, schienen weder in Grösse noch Menge geeignet, an diesem Zustand etwas zu ändern.
Mein geschätzter Kollege gegenüber zerstreute meine Sorge und wies mich darauf hin, dass sich in meinem Rücken ein Dessertbuffet befinde.

Die Tellerchen schienen noch einen Tick kleiner, Herausforderung akzeptiert.

dessert

Ein Gedicht, jedes einzelne davon. Die Blicke bei den zwanzig Metern Walk-of-Shame vom Buffet zum Tisch waren mir sicher, ich würde behaupten, die Hälfe neidvoll, ganz gewiss die der wohlerzogenen Kindern, welche von den Eltern zum massvollen Umgang mit Süssspeisen angehalten wurden.
Dukan sei Dank, da ich die Kalorienbombe mit flachem Bauch an den weitgehend gut genährten Herrschaften vorbei balancierte, gönnte ich mir, diese Prozedur mit langsamen Schritt und einem selbstgefälligen Grinsen zu absolvieren.

Zur Bestellung des Espressos wurden wir von einer netten Kellnerin aufgesucht, welche beim Abtragen des Geschirrs anmerkte, ich dürfe gerne noch eine Portion holen, gerne würde sie mir neues Besteck reichen. Höflich lehnte ich ab, ohne den Vorschlag erst überdacht zu haben. Die Kollegen bemerkten, beim Espresso würde mir gewiss ein neues Löffelchen gereicht und so hantierte ich bereits wieder mit den filigranen Zangen und Schöpfwerkzeugen des Buffets, als die Kellnerin mit meinem gebrauchten Teller an mir vorbei tänzelte.
Mit freundlichem Lächeln erhielt ich neues Besteck, da es wohl offensichtlich war, dass ich mit dem süssen Espresso-Besteck der Menge an Nachtisch keineswegs Herr werden würde.

Es war das einzige Mal, dass wir zum Dessertbuffet gebeten wurden, tags darauf wurde die Süssspeise in der Küche portioniert.

Ein ausgedehnter Spaziergang, verbunden mit der Suche nach einer Lokalität um die Kehle zu befeuchten, schaffte wieder Platz.
Entweder wurden die Leute Päärchenweise eingelassen oder die Amüsierplätze waren aus gutem Grund leer, so dass wir letztendlich in der Piano-Bar des Hotels landeten. Das Keyboard auf dem Flügel erinnerte etwas an einen Hochzeits-Alleinunterhalter, die Lasershow wirkte fehlplatziert, aber die Stimme hatte er von Lionel Richie, das musste man zugestehen. So umdudelte er uns mit Frank Sinatra. Der Kellner versuchte verzweifelt, mir seinen  900-Franken Single-Malt einzuflössen, aber das Ergebnis einer Riechprobe an der Flasche, liess meine Geldbörse nicht auf den Tisch springen und ich gedachte das eingesparte Geld dafür einzusetzen, dass ein Kollege den Pianisten um das Spiel „Die Hex ist tot“ bittet.

Wurde ebenfalls nichts daraus und so labte ich weiterhin Lagavulin und der Barmann organsierte derweil eine Schubkarre um meinen Bedarf an gerösteten und gesalzenen Erdnüsse abzudecken.

Die halbe Nacht löschte ich den nachhaltigen Brand mit dem ungeniessbaren Wasser aus der Leitung, bis ich mich in der Früh an die Minibar erinnerte und horrende Preise für homöopathische Dosen an mit Sprudel versetztes Valser Quellwasser entrichtete.

Daumen hoch für den ersten Abend.

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Fail-Compilation January 2013 by Twister Nederland TNL

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Was Dukan zu erwähnen vergass…

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Es wird davor gewarnt, die Konjac-Nudeln – der Asia-Food Experte spricht von Shirataki, ich finde dieses Produkt der Teufelszunge sollte auch den Titel tragen – in grossen Mengen zu verzehren.

Dr. Dukan bietet Hand und Produkte zu einer Art Spaghetti Carbonara. Wie alles von Dukan, schmeckt die Sauce nach gar nichts oder bestenfalls nach feuchten Wattebäuschchen.
Die Eier und den Frischkäse habe ich angerührt und gewürzt, sinnigerweise denn Schwingbesen (Schneebesen, Schaumschläger) im literhohen Mass an den Rand gelehnt und die ganze Sache nahezu Millimetergenau am Rand der Küchentheke stehen lassen, während ich mich tränenden Auges dem Zerkleinern der Zwiebel hingab.
Schinken statt Speck, das kann ja nicht schmecken, in der Tefal angebraten und währenddessen die Nudeln aus ihrem mit nicht näher definierter Flüssigkeit gefüllten Behälter in ein Abtropfsieb gekippt. Gemäss Dr. Dukan zwei Minuten ausgiebig gespühlt, was einem schon misstrauisch machen sollte und hernach in das sprudelnde Wasser gekippt. Da eine Packung so mikrig aussah kippte ich noch eine in das Sieb. Ich war hungrig, also noch eine weltalltauglich verschweisste Packung aufgeschlitzt. Irgendwie immer noch nicht befriedigend… letztendlich hatte ich vier Packungen, sprich 800 Gramm, in das Behältnis gekippt.
Da die Nudeln schon weich wie eine eben verendete Qualle sind und in der Konsistenz an hoch gezogenen Rotz erinnern, müssen sie auch nur zum Erwärmen kurz in das Sprudelwasser und nach einem Umweg über das Abtropfsieb werden sie klassisch in die Bratpfanne gekippt und die Eier-Frischkäse-Mischung hinterher.
So der Plan, im Schwung der Bewegung erwischte ich den Schneebesen mit dem Ellbogen und kippte die Masse über die Theke.
Dank meiner Reflexe konnte ich die Hälfte retten, der Rest fand seinen Weg unter allerlei Küchengeräte, welche Murphy unglaublich geschickt in der Flussrichtung der faden Masse aufgereiht hatte.

998945       Empfindliche Personen sollten das Lesen jetzt einstellen

Da die Nudeln keinerlei Energie aufweisen, denkt man der Verzehr dieser Menge wäre bedenkenlos.
Eine Stunde später lag ich mit Bauchgrimmen im Bett, fühlte mich aufgedunsen wie Sponge-Bob und schwelgte im Mitleid mit allen hochschwangeren Frauen und mir selber zu gleichen Teilen. Im Bauch rumorte es und ich war überzeugt, so ich mich auf den Rücken drehe, würde einem Alien gleich eine Teufelswurz aus meiner Bauchdecke brechen und gen Decke streben.
So lag ich zwei Stunden, hörte ein Hörbuch und vermied jegliche Bewegung. Mein Magen schrie nach Erleichterung, die untere Bauchhälfte beschränkte sich auf grummelnde Laute und Luftentweichungen, ohne wirklich zur Sache zu kommen.

Gegen Abend klang das ungute Gefühl ab, hungrig war ich nicht, aber den einzigen Gemüsetag in der Woche wollte ich nicht an mir vorbei ziehen lassen.
Also gab es vor dem Fernseher Tomaten-Schnitze mit Hüttenkäse. Mit dem kleinen Hintergedanken, da mein Körper dazu neigt, Milchzucker gleich wieder abzustossen.
Er quittierte den Empfang mit weiterem unzufriedenen Grummeln, wie auch den folgenden, mit krebserregendem Aspartam gesüssten Frischkäse unter geschlagenem Eiweiss mit einer Idee Instant-Kaffee.
Keine Chance, ich verzichtete auf weitere Experimente.
Heute Morgen trug ich gegenüber 24 Stunden vorher lediglich 300 Gramm mehr Gewicht auf die Waage, was mich versöhnlich stimmte, auch wenn ich mich fühlte, als hätte ich einen Medizinball verschluckt.

Ich habe mich bemüht, gerade so intensiv, dass man an einer Hämorrhoiden-Gefahr knapp vorbei schlittert, ohne Erfolg.
Mein Organismus versuchte wohl tatsächlich diese Schleimnudeln samt und sonders aufzunehmen und nichts dem Abfall zu übergeben. Befürchtete ich, bis um exakt 11 Uhr 17, als meine Innereien mit einem Donnergrollen verkündeten, sie wären nun bereit, den Dung von sich zu geben.
So laut, dass Frau Meiers Bleiglasscheiben der Biedermeierwohnwand hätten zittern müssen. Natürlich, so ist es Sitte, weder der Kunde noch mein Mitarbeiter gaben irgendwie zu erkennen, dass sie das akustische Nebenprodukt meiner zerfetzenden Eingeweide irgendwie zur Kenntiss genommen hätten.
Ich stand da, wand mich hin und her, hatte Visionen von einer Toilette aus gleissendem, weissen Porzellan, gefüllt mich einem Duftwasser dem Himmel entsprungen und Klopapier aus reinster Seide.

Hallo, ist jemand hier? Sehe doch, dass das Licht brennt!; schrien meine Eingeweide, als ich die Warnsignale zu ignorieren versuchte, während der Mitarbeiter mit quälender Langsamkeit jeden Knopf der Fernbedienung erklärte und mein Bauch im Takt dazu rumorte, sich langsam aber sicher etwas Lavaartiges den Weg nach draussen suchte.
Endlich, die Sonne stach durch die Wolken, er kam zum Ende. Nun nur noch gaaanz vorsichtig die Werkzeugkiste heben, die kauernde Haltung und das Aufrichten unter Last ist ein teuflischer Drahtseilakt.
Meisterlich bewältigte das Heldenstück und mit stolzem Grinsen klopfte ich mir im Geiste auf die Schulter.

Wir schafften es rechtzeitig zurück, den Rest erspar ich euch. Zudem muss ich nun wieder arbeiten gehen.

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