Wir sind dran mit Korea

Grundsätzlich ist die Branche schon ein mühsames Betätigungsfeld.
Ich würde soweit gehen und behaupten, dass dieser Preiskampf in keiner anderen Sparte der Privatwirtschaft anzutreffen ist.
Der Otto-Normalbürger kauft sein Auto nicht in einem Online-Shop. Ob eine Tomate in der Migros, Coop, Volg oder Denner erstanden wird, ist von den Ansprüchen der Clientel abhängig und der Preis bestenfalls ein sekundäres Argument.
Der Kunde erwartet für seinen Apfel oder das Küchenpapier keine umfassende Beratung von geschultem Verkaufspersonal, sein einziger Anspruch besteht darin, das Toilettenpapier und die Haferflocken im Regal vorzufinden.
So ich meine Tütensuppe im Volg statt im Aldi kaufe, erwarte ich für die einen Franken betragende Preisdifferenz nicht einen kostenlosen Service über das Aufreissen der Tüte bis zur korrekten Bewegung des Schwingbesens. Ich akzeptiere den Preis angesichts der Tatsache, dass die Bedienung ein frisch-freundliches deutsch spricht und die Filialen auch im entlegensten Winkel der Schweiz zu finden sind.

Was muss Bäckereiverkäufer für ein toller Beruf sein. Der Kunde begutachtet sein
St. Galler-Brot und zieht es meinetwegen dem Baguette vor, da es eine herrlich ansprechende Krust hat. Er nimmt es mit, belegt und verspeist es und so es seinem Gusto entspricht, geht er die Tage wieder in die Bäckerei.
Das Brot hat keine USB-Schnittstelle. Der Bäckergeselle bietet es nicht feil, obwohl es nur aus der leeren Kruste besteht und im Inneren kein Gramm Mehl verarbeitet wurde. Er lässt den Kunden nicht nach Hause gehen, das Brot aufschneiden um sich hernach infolge eines erbosten Telefonanrufes mit dem Mehllieferanten auseinandersetzen, warum trotz der Herstellung nach bestem Wissen und Gewissen und nach allen Regeln der Kunst das leckere St. Galler-Brot im inneren Hohl sei.

Was ich sagen will, die Unterhaltungselektronikbranche hätte in der DMAX-Reihe „Die härtesten Jobs der Welt“ ein Sendefenster verdient.

Warum wir hohle Brote verkaufen?
Weil uns nichts anderes geliefert wird und wir von irgendwas leben, sprich irgendwas verkaufen müssen. Auf Gedeih und Verderben den Lieferanten ausgeliefert.

Willkommen in der Servicewüste Schweiz

servicewueste

Wie nahezu täglich, nahm ich eben meinen Receiver Marke Vantage in Betrieb, ein tolles Gerät; Es empfängt HDTV, es zeichnet parallel mehrere Sendungen auf, es bietet mir Timeshift, ich kann vier Karten einsetzen, kurzum; Man muss es einfach haben!

Gut, exakt nach dem Start beginnt das Bild zu zuckeln, es wird schwarz, erscheint wieder, dann bleibt der Ton stehen, erklingt wieder und mein guter, alter Panasonic fängt sich beinahe einen Chip-Infarkt ein, da er das Bild zwischen 16:9 und Vollbild nicht so schnell umschalten kann, wie es ihm der Receiver über die HDMI-Schnittstelle vorgibt.
Dieses Spiel verfolge ich nach jedem Einschalten gute fünf Minuten lang, Zeit welche zu kalkulieren ist, so ich ein Programm pünktlich verfolgen möchte. Dümmer ist die Sache, wenn ich eine Sendung aufzeichnen möchte, doch möchte ich die Spannung nicht mehr missen, wenn ich mit Pop-Corn vor das Gerät sitze, ob ich nun 120 Minuten ein hübsch schwarzes Bild aufgezeichnet habe, wie es einem nur ein Panasonic-Plasma bieten kann, oder ob doch Teile der Sendung auf der Festplatte sind.

Wenn der Vantage aufgrund eines Bugs tatsächlich aufgezeichnet hat, wird die Spannung zusätzlich erhöht, da das Gerät mit beinahe beängstigender Genauigkeit an Schlüsselstellen mehrere Sekunden zu überspringen scheint. Filmkürzungen, um der FSK 4 gerecht zu werden, wie es die privaten Stationen vorzunehmen pflegen, erscheinen mir mittlerweile gegenüber dem Pay-TV wie Extended Versionen der Kinoblockbuster.

Das Gerät hätte ich einem von Parallelimporten bestückten Online-Shop erstehen können, doch nein; Ich wollte die seriösen Lieferanten unterstützen und bezahlte einen höheren Einstandspreis bei Radio-Materiel, als ich und alle anderen Bürger dieses Landes beim Crazy Achmed online-Shop löhnen.
Dafür habe ich ja auch einen Ansprechspartner im Falle eines Problems. Nach sechs Monaten ging das Gerät innerhalb der Garantiezeit zurück.
Was überlegen sich Lieferanten und Distributoren, wenn wir ein Gerät zurücksenden? Dass wir alles verkappte Weihnachtsmänner sind und gerne Pakete schnüren? Oder dass wir um Kundenkontakte zu pflegen einwandfrei funktionierende Geräte abholen und um unserer Kurzweil willen in die Generalvertretungen senden?
Jedenfalls entsprach dieses Gerät den technischen Spezifikationen, was mich bewog das Produkteblatt zu Rate zu ziehen; Die Mätzchen waren nicht aufgeführt.

Aber vielleicht bin ich ja wirklich doof und habe das Gerät wiederum angeschlossen.
Nach der Garantiezeit kochte ich wieder über, sandte das Gerät mit den faszinierenden, einzigartigen technischen Spezifikationen, sämtlichen Pay-TV Karten und einer mit fehlerhaften Aufnahmen gespickten Festplatte dem Hersteller.
Dieser reichte die Sky-Karte wohl drei Wochen lang im Betrieb herum, jeder darf einmal gucken, verkaufte mir eine neue Festplatte, ein neues CI-Modul und sandte die Kiste zurück.
Der Fehler ist immernoch vorhanden, ich habe resigniert.

Resigniert, weil es sich diese meine Firma leisten kann, wenn ich resigniere.
Dümmer ist es, wenn wir einem Kunden ein Gerät feil bieten, welches wir nahezu viermal so teuer verkaufen müssen als es beim online-Shop Crazy-Achmed zu haben wäre, nur um mit der lächerlichen Marge den Aufwand zu decken.
Der gute Kunde kauft von einer guten Laune und Firmentreue geleitet trotzdem bei uns und letztendlich erhält er ja Service.
So ist er das erste Mal noch locker gelöst, wenn wir nach vierzehn Tagen das Gerät abholen und freudiger Erwartung, wenn wir weitere zwei Wochen, sein zum Spass eingesandtes und den technischen Spezifikationen entsprechenden Gerät nach dem dem obligaten Software-Update wieder hinstellen.
Weitere vierzehn Tage danach ist er schon etwas ungehalten, unsere Marge ist mittlerweile mehr als doppelt aufgerieben, und an der ganzen Sache verdient letzten Endes nur noch die Post.
Wir haben einen Kunden verloren, der Discounter und Crazy Achmed fünf neue gewonnen, denn für diese Preise erwartet man nicht zwingend funktionierende Geräte.

Aber wir wollen nicht nur auf Radio Materiel und dem tollen Vantage herum hacken.

Es kann vorkommen, dass ein Gerät nach einem Transponderwechsel nicht mehr funktioniert. Dass es nach der korrigierten Software jedoch während eines neunzig Minuten Filmes viermal abschaltet und neu startet ist dann doch ärgerlicher als ein ruckelnder ZDF.
Vier, wohl wiederum zu unserem Vergnügen, eingesandte Geräte entsprachen den technischen Spezifikationen und erhielten ein Softwareupdate. Da Kunden ihre Bedienungsanleitung verlegt haben, ist es uns leider nicht möglich, die technischen Spezifikationen um die tolle Neuerung zu ergänzen, also muss wohl oder übel das Gerät angepasst werden. Nichts grossartiges, es sollte lediglich auf gezielten Wunsch und nicht nach freien Stücken den Betrieb einstellen.

Üblicherweise waren wir die einzigen Fachhändler mit diesem Problem. Man ist stets der Einzige mit solchen Problemen.
Wenn nun ein Kunde seinen neuen Ford mit nicht funktionierenden Bremsen in die Garage  fährt, wortwörtlich, muss er damit leben, weil er der Einzige mit diesem Problem sei?
Angesichts der verkauften Menge, seien unsere Geräte ein im minimalen Prozentbereich bewegender in Kauf zu nehmender Faktor an Montagsgeräten. Jedoch nicht so schwer in Kauf zu nehmen, dass man uns neue Geräte schenkt, wir müssten dann irgendwie selber schauen, wie wir den Schlamassel beheben.
Irgendwie verständlich, was für Geräte soll man uns auch geben. Der Nachfolger funktioniert im selben Masse zuverlässig, umso ärgerlicher, wenn dem Kunden ein selbiger kulanterweise gestellt wurde. Auf unsere Kosten. Natürlich erst, nachdem wir ebenfalls kostenlos stundenlang die Satellitenanlage gecheckt haben, weil wir ja schweizweit die Einzigen mit solchen Problemen seien.
Man sei dran, mit Korea… Wie sie auch immer mit Korea zugange sind, bisher erschien noch nie was funktionierendes, geschweige denn eine Problemlösung aus Korea. Aber immerhin wurden wir wieder vierzehn Tage hingehalten.

Unterm Strich:
Wann immer man einem Kunden einen neuen Satellitenreceiver verkauft, fürchtet man eine wachsende Nase, ohne das Wort funktionstüchtig auch nur ausgesprochen zu haben.
Die Kundenbindung ist jedoch gesichert; Man wird ihn in seiner heimischen Stube besuchen, bis er die Nase voll hat und nicht mehr anruft, oder wir ihm einen Kabelanschluss schenken.
Es gibt in der Schweiz nicht einen funktionsfähigen Receiver zu erstehen, behaupte ich gerade heraus, und so doch, ist dieser bei Crazy Achmed zu einem viertel des Preises erhältlich.

Dann kauft doch einen Fernseher mit integriertem Satellitentuner!
Grösserer Schrott wurde noch nie auf den Markt geworfen. Welcher koreanischer Zwerg auch immer für die Software zuständig ist, schickt ihn in die Mienen.
So ein Fernseher ausgeliefert wird, er hat nie eine funktionierende Software. Ein branchenspezifisches Problem, zumal ich noch nie gehört hätte, dass bei einem Audi A6 ein funktionierender Motor nachgeliefert würde, so man schneller als dreissig fahren möchte. Dann nochmals und nochmals und nochmals…
Dennoch sollten wir diese Dinger verkaufen.
Also bei der Lieferung eine neue Software.  Nach über zehn Jahren Produktion von DVB-S Receivern, beginnt man bei Fernsehern wieder im Jahre 1998. Der Sendersuchlauf dauert 45 Minuten, ist in keiner Weise manuell konfigurierbar und nach dem Sender sortieren, sechzig Minuten, müssen wir dem Kunden einen Satz neue Batterien schenken, da die Fernbedienung in den letzten Zügen ächzt. Der Fernseher verfügt wohl über sieben USB-Anschlüsse, jedoch ist keiner zuständig, eine vorprogrammierte Senderliste zu laden. So stehen als zwei Techniker für ein Appel und ein Ei – aufgrund der total überrissenen Preise der Geräte gegenüber Crazy Achmed, darf die Lieferung nichts kosten – über zwei Stunden dumm in einer Wohnung rum.
Danach verlässt man das Haus in der Gewissheit, dass der Kunde die Gerätesoftware 2.0.1.4 von noch zu folgenden zwanzig Versionen auf seinem Fernseher betreibt, diese Kiste demzufolge nie wirklich funktionieren wird und wir somit noch fünf mal vorbei schauen. Kostenlos, versteht sich.
Dennoch wünscht man lächelnd viel Spass mit dem Gerät. Wir werden an unseren Lügen noch ersticken und alle in der Hölle landen. Nachdem wir Pleite gemacht haben, versteht sich.

Wir wollen Loewe nicht vergessen, die besten Fernseher der Welt, mit der besten Software und dem bedienfreundlichsten Menüs der Welt. Ohne Ironie. Ich hätte beinahe einen gekauft. Aber….
Vor zwei Wochen kam eine Geräteversion mit neuer Software. Träge wie Philips, unübersichtlich wie Sony und funktionsfähig wie Toshiba. Im Teststadium, diese und jene Funktion ist noch nicht ganz so wie es dem Entwickler vorschwebt.
Man ist dran mit Korea, da wett ich drauf…

Liebe Lieferanten:
– Es ist uns scheissegal, dass wir die Einzigen mit diesem Problem sind.
Uns und den Kunden. Auch wenn der Distributor tausend mal mehr Geräte verkauft als wir, wir haben den einen Kunden, welchen es zufrieden zu stellen gilt. Weil wir davon leben.

– Wir senden keine Geräte ein, welche den technischen Spezifikationen entsprechen.
Das Abholen kostet Geld, das Einsenden kostet Geld, das Retourbringen kostet Geld. Geld welches wir im Rahmen der Garantieleistungen aufbringen müssen und uns niemand erstattet.

– Warum sollen wir weiterhin Geräte bei euch kaufen?
Die Preise liegen über den Online-Shops.
Wenn wir Reklamationen haben, Reparaturen einsenden, nimmt man uns nicht für voll.
Service ist anscheinend nur zu erwarten, so ein gewisser Prozentsatz mit demselben Problem erreicht wird.
Korea als Problemlöser hat sich nicht als sehr effizient erwiesen.

– Warum sollen wir weiterhin eure unausgereiften Geräte verkaufen?
Wir erhalten kein Entgelt für das Testen und die Kunden reagieren verständnislos, wenn ihnen Prototypen zu überrissenen Neupreis an die Wand gehängt werden. Merkwürdig, nicht wahr?

Eröffnen wir doch eine Bäckerei.

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Numerus clausus, oder; Systemstabilität beginnt im Sandkasten

«Die Studienfreiheit hat ihre Grenzen»

Christian Amsler hat mit dem Ruf nach einem Numerus clausus für die Sozial- und Geisteswissenschaften in ein Wespennest gestochen. Jetzt relativiert der neue Präsident der Erziehungsdirektoren-konferenz seine Forderung.

Gedanken zum Thema

 

Gelernt werden soll demnach, was die Unternehmen gerade brauchen?

Amsler: Prinzipiell wünsche ich den jungen Menschen, dass sie jenes Fach studieren können, das sie sich wünschen. Aber wenn man Missverhältnisse feststellt, muss es möglich sein, dass man Regulierungen einführt.

Es beschleicht mich schon etwas das Gefühl des übermächtigen Staates.
Den Sinn von numerus clausus anerkenne ich in gewissem Masse; Gerade Studenten, welche die Laufbahn aufgrund privilegierter Eltern und mangelnder Notwendigkeit zum Bestreiten des eigenen Lebensunterhalt einschlagen, keine Entscheidung treffen müssen und das studieren um des Studiums willen, um des Einsitzen in einer elitären Gesellschaft wegen betreiben können.

Amsler: …Zum einen muss die von der Wirtschaft verlangte Förderung der Naturwissenschaften ganz früh in der Schulzeit einsetzen, am besten schon im Kindergarten oder in der Primarschule.

Vermehrt stelle ich fest, dass der Wunsch, nein, dem Entsprechen der wirtschaftlichen Notwendigkeit bereits in der Primarschule, oder aktuell, bereits im Kindergarten Vorschub geleistet werden soll.
Wir halten fest, für Nicht-Studierte wie meine Wenigkeit, ein Interesse der Kinder an der Philosophie wäre gemäss heutigen Anforderungen bereits im Keim zu ersticken und die Begeisterung auf Technik und Physik zu lenken.
Es macht Sinn, Kinder gerade in ihrer wissenbegierigsten Phase zu steuern; Sie saugen auf wie ein Schwamm, sie sind manipulierbar und der rollenden Kugel in der Bahn gleich, geben wir die Richtung vor.
Aber bleibt hier noch Platz für das Individum?
Ist es wirtschaftlich überhaupt noch vertretbar, dass sich ein Mensch nach eigenem Gutdünken entwickelt, oder muss, um das System am laufen zu halten, der Platz für das Zahnrad möglichst früh reserviert sein.
Ich denke ja, möchte aber mein Missfallen an diesem Gedanken bezeugen.

Es darf nicht vergessen werden, dass die Wirtschaft keine gesichtslose Institution ist, welche nur zu unser aller Wohl agiert.
Die Wirtschaft wird von Menschen gebildet. Menschen welche nach Ruhm und Reichtum streben, Humanität und soziales Denken ist bestenfalls Mittel zum Zweck.
Diese Wirtschaft bedient sich nun des staatlichen Bildungsprogramm um den Erhalt und die Mehrung des Reichtums zu sichern; Diese Wirtschaft bestimmt, in welche Richtung sich unsere Sprösslinge zu entwickeln haben, wo ihre Interessen zu liegen haben.
Diese Wirtschaft macht sich dafür stark, dass sich das Individum nicht zu stark entwickelt und das neue Zahnrädchen möglichst in das gesamte Werk passt.

Wer nicht kompatibel zum System ist, wird ausgesondert, solange vom Sozialstaat mitgetragen und geduldet, wie dies wirtschaftlich noch tragbar ist; Solange soziales Denken noch einen Platz im System hat.

Ganz offen gesagt; Die Entwicklung fasziniert mich in ihrem gesamten Schrecken.
Der Vergleich mag etwas schockieren, aber die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen wurde schon häufiger betrieben, wenn auch weniger subtil als heute.
Und bereits morgen kann ich als Gedankenverbrecher verfolgt werden.

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Ein neues Jahr, eine neue Diät

Manch Unbeteiligter möchte mir wohl eine masochistische Ader unterstellen.

Es wäre ja nicht so, dass ich mich einfach in eine Frau vergucke, nein, sie muss schon unerreichbar sein. Ihr darf man keinen Vorwurf machen, der Hinweis fand sich im zweiten Satz, nur war der zweite Satz einen Bruchteil nach dem ersten Augenkontakt oder nach meinem Empfinden; Dieser Hinweis wurde mir einmal die Unendlichkeit mit der Ewigkeit multipliziert zu spät gegeben…
Zu meinem Glück, non je regrette rien; Es gibt wenige Dinge, welche ich wiederholen würde, diese Begegnung zählt dazu.

Aber, um beim Thema zu bleiben, Aussenstehende mögen dies anders sehen, doch wie sich ein normaler Mensch während der Diät kaum ein Lebkuchenhaus baut oder Nuss- und Mandelgipfel bäckt, nur um sie Freitags in einer schwarzen Tüte am Strassenrand zu platzieren – Asche auf mein Haupt, aber was soll ich anderes machen? -, bin ich ganz augenscheinlich kein normaler Mensch.
Zum Jahresbeginn habe ich mir eine neue Foltermethode ausgedacht. Wobei ich eigentlich nur auf den Zug aufgesprungen bin, als sich ein Kollege das Buch von Pierre Dukan gekauft hat, gewillt, die Dukan-Diät zu versuchen.

dukan

Kompetent, wie er so sitzt. Die Hände gefaltet – du hast meine volle Aufmerksamkeit -, den Bildschirm gedreht, ich habe nichts zu verstecken. Der Gesichtsausdruck will mir gar nicht gefallen. Er ist das Lächeln nicht gewohnt, die Mundwinkel wirken gestellt hoch gezogen. Die Augenpartie wird lächelnd in Mitleidenschaft gezogen, in ihrer natürlichen Haltung würden die Augenwinkel gegen unten zeigen, das Lied wäre geschlossener, was ihm einen verschlagenen Gesichtsausdruck verleihen würde. Die Lässigkeit durch den fehlenden Schlips gestellt, denn Umschlagmanschetten passen nicht zum lässigen Hemd. Oder, er fühlt sich gehoben, einen eigenen Stil zu tragen, welcher sich bewusst vom Mainstream abhebt, wodurch er wiederum eine gewisse Dekadenz beweist, welche selten mit mangelndem Einkommen einher geht.

Aber urteilen wir nicht vorschnell.
Natürlich gibt es zu dieser Diät eine App, fast gratis, welche mir den jeweiligen Ernährungsplan vorgibt. Noch Proteinlastiger, noch weniger Kohlenhydrate und Fett wird gleich auch verteufelt.
Um die App zu konfigurieren muss man sich bei Pierre Dukan’s, quel surprise, Online-Portal anmelden, damit er mein Idealgewicht berechnen kann. Da gerieten wir bereits aneinander. Nach wahrheitsgetreuer Erfassung meiner Daten, hätte ich morgen spätestens nach dem Stuhlgang mein Idealgewicht. Mein Spiegelbild, welches ich abends und morgens, drehend, wiegend und hüpfend zu konsultieren pflege, teilt mir jedoch mit, da ist noch ordentlich Butter auf dem Brötchen.
Also musste mein Profil geringfügig angepasst werden. Als Durchschnittsgewicht ging ich bis auf 60 kg runter und hatte immernoch 71 kg als Idealgewicht. Also begann ich mit der Grösse zu experimentieren, bis ich mein Wunschgewicht – selbiges darf, Gesundheitsapostel lassen wohl grüssen, nicht unter dem Idealgewicht liegen – von 67 Kilogramm erfassen konnte.
In der Datenbank des Ernährungsmediziners bin ich nun siebzehn Zentimeter kleiner, aber dies kontrolliert ja keiner.

Sie sind 35 Jahre alt. Ein relativ junger Mann also. Sie sollten wissen, dass sich laut unserer Berechnungen ab dem 18. Lebensjahr bei jeder Dekade das persönliche Idealgewicht um fast 1 kg erhöht.

Ja, er weiss wie er mich packen muss. Ein relativ junger Mann, habe ich schon lange nicht mehr gehört.
Das folgende klingt weniger gut.

Das ist die Abweichung zwischen Ihrem höchsten und Ihrem niedrigsten Gewicht, das Sie im Laufe Ihres Lebens gewogen haben. Ihre beträgt 25 kg. Der Wert ist recht hoch und hat sicherlich einen großen Einfluss auf Ihren Körper gehabt. Er hat sich fest in das „biologische Gedächtnis“ Ihres Körpers verankert. Ein so hohes Gewicht hat aller Wahrscheinlichkeit nach auch Ihre Haut überdehnt. Ich rate Ihnen der Versuchung zu wiederstehen, mehr abnehmen zu wollen. Sie werden es sehr schwer haben, dieses Gewicht zu halten und riskieren das Ihre Haut schlaff wird.

Wenn ich dies so lese, fühle ich mich wie ein Hängebauchschwein. Natürlich habe ich bei der Angabe um 5 kg betrogen, die Idealgewicht-Problematik, aber dennoch… Biologisches Gedächtnis, muss ich mal nachschlagen. Es wäre nun nicht so, dass die Reduzierung meines Gewichts eine unglaublich verführerische Versuchung wäre, mehr eine Notwendigkeit, da ich – obwohl die relative Jugendlichkeit die Dringlichkeit wieder etwas relativiert – mit 35 Lenzen noch immer alleine durch das Leben stolpere und es nicht nur auf mein mikriges Sparbuch schieben möchte.
Schwer haben, das Gewicht zu halten, was versteht der schon davon! Seit zehn Jahren zähle ich Kalorien, hier geht es nicht um schwer, ist einfach Alltag.

Ohne ein wirklich großer „Diät-Experte“ zu sein haben Sie bereits einige Diäten hinter sich gebracht – einige zu viel wie ich finde. Damit sollten Sie aufhören.

Mein Leben ist eine Diät, ausserdem ist der Monsieur Dukan ein schlechter Verkäufer. Sie haben schon genug Fernseher gekauft, ich denke, sie sollten dies jetzt lassen.

Was ich Ihnen jetzt sage, mag Ihnen wenig bescheiden erscheinen. Wie auch immer, ich gehe das Risiko ein: die von mir vorgeschlagene Methode ist die einzige, die einen korrekten, strukturierten und vor allem konkreten Plan für eine Gewichtsstabilisierung und vor allem für die anschließende Erhaltung ermöglicht.

Ach so, gut habe ich weiter gelesen. Na da habe ich ja mal Glück gehabt, da bin ich prompt auf die beste Diät der Welt gestossen!usa-usaAber was für die Her Royal Hotness… Pardon, nochmal; Her Royal Highness Catherine Elizabeth, Duchess of Cambridge, Countess of Strathearn, Baroness Carrickfergus gut genug ist, kann für mich nicht schlecht sein.

Ob ihr der Herr Dukan eine lebenslange Kontrolle verkaufen konnte?

Vor allem, wenn Sie bereits am Punkt angelangt sind, eine Resistenz auf Diäten aufgebaut zu haben.  Ein wahres Handikap, dass zur Folge hat, dass Sie sich ab dann unter ständiger Aufsicht stehen müssen!

Eine Resistenz, wahre Worte… Wenn mein Körper noch ein Tick resistenter wird, lasse ich mein Skelett mit Adamantium überziehen.wolverine

Für eine Betreuung auf Lebenszeit ist er quasi gratis: ein Euro pro Woche!

Ja, ist der Service nun quasi gratis, oder kostet er?

Wohlan, ich musst lügen und betrügen, heucheln und schwindeln und so habe ich aus tausend kleinen Lügen eine universelle Wahrheit geschaffen:

berechnung

Da ich erst am Montag beginne, da könnte ich noch einen Drei-Königs-Kuchen backen, werde ich also am 8. März einfach perfekt und hinreissend aussehen. Bis am 27. Mai habe ich das Gewicht dauerhaft stabilisiert und im Juni trage ich mein Six-Pack in die Badeanstalt. Die Haut am Rücken mit drei Wäscheklammern gestrafft, wenn ich dem Herren glauben muss.

Doch erst geht es in den Angriff, das heisst; Protein, Protein und nochmals Protein. Mir graut jetzt schon vor dem Frühstück, freute ich mich doch bisher schon abends um zehn auf meine hundert Gramm trocken, getoastet Ruchbrot zum Frühstück. Ich werde mir wohl anstelle des Kühlschranks eine kleine Hühnerfarm halten.huhn

Das Ei zum Frühstück, die Henne zum Abendessen.
Es wird spannend werden. Einerseits darf ich nur das Eiweiss essen, die Flügel des Huhns haben auch zuviel Fett und vergessen wir um Himmels Willen nicht den einen und einen halben Esslöffel Haferkleie pro Tag! Ich habe keine Ahnung was dies ist, geschweige denn wie es schmeckt, aber die ganze Diät hindurch habe ich dieses Zeugs zu essen.
Werde mal im Reformhaus vorbei gehen. Gleich nach dem Brocki und dem Woll-Laden, schliesslich muss ich mir noch einen Poncho stricken.

Ich halte Euch auf dem laufenden.

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Predigt zum neuen Jahr

So wurde es also der 1. Januar 2013 und mein Zutun beschränkte sich auf das alleinige geniessen einer Flasche Rotwein. Das Angenehme am manierlichen Betrinken mit Rotwein liegt nicht zuletzt im beschwerdefreien Erwachen am Folgetag.

Sitzt man also zuhause und während sich auf der Leinwand über sechs Folgen einer Serien-Staffel eine Gruppe von Überlebenden gegen einen Planeten voller Zombies behauptet, überlegt man sich, dass das Leben an sich eine triste Sache sei, so man keine zwei Kollegen hat, aus welchen man sich einen Dritten basteln kann.
Über das Handy trudeln Neujahrsgrüsse ein, so individuell wie Streichhölzer oder Zahnstocher in ihrem Behälter, worauf mir die Erwiderung zu dümmlich und das Weiterleiten zu schäbig wäre. So man wollte, wäre dem silvestrigen Treiben analog einer BRAVO-Foto-Love-Story auf einem sozialen Netzwerk zu folgen, was einem lediglich zum Nachdenken anregen würde, ob sich die letzten zwanzig Jahre die Definition von „Freund“ gewandelt hat.
Nun, dahingehend wurde ich kürzlich belehrt, dass soziale Netzwerke in der Tat so funktionieren, dass man zufällige Bekanntschaften hinzufügt, sprich; Man muss die Personen in der Freundesliste nicht speziell mögen, man muss sie noch nicht einmal wirklich kennen, es genügt eine flüchtige Begegnung. Das Halbwissenfernsehen lehrte mich, dass ein Mensch maximal 150 Personen im Auge behalten kann, das heisst, sich wirklich für deren Belange interessieren kann. So ergibt die Sache mit den flüchtigen Bekannten Sinn und mir scheint, Twitter mit seinen Followern ist da die aufrichtigere Geschichte.

Aber lassen wir soziale Netzwerke.

In vino veritasin-der-tat

Der Mensch neigt dazu, dass ihm das Glück eingeprügelt werden muss, dass er es erkenne. Lasse ich den Blick über das vergangene Jahr schweifen – ganz oberflächlich im Stile von, nennen sie mir drei Dinge, welche ihnen spontan einfallen; Bella, Arbeit, Ferien – zeigt dies auf, welches wohl die prägenden Elemente waren.
Mir scheint, noch nie soviel gearbeitet und so wenig Ferien bezogen zu haben wie letztes Jahr. Das Unangenehme an der ganzen Sache ist, in einem Angestellten-Verhältnis kann man nicht auf Vorrat arbeiten, Fluch und Segen; Man hat seinen gesicherten Lohn in schlechten Zeiten, man hat seinen fixen Lohn in guten Zeiten. So kann man über sieben Monate eine fünzig Stunden Woche hinlegen – der Arbeitgeber bringt seine Schäfchen ins Trockene -, daraufhin können sieben magere Woche folgen und man kann seinen Job verlieren. Für einen etwas skrupellosen Arbeitgeber eine win-win-Situation, als Arbeitnehmer kann man dem nur entgegenwirken, indem man sich selbst zwingt, täglich nicht mehr als sieben Stunden präsent zu sein und davon mindestens eine Stunde mit Online-Kartenspiel und dem Studium diverser digitaler Boulevardzeitungen oder dem klassischen Solitärkartenspiel zu verbringen. Verliert man seinen Job, muss man sich nicht über die Gründe hintersinnen, man braucht sich nicht ausgenutzt zu fühlen, man kann es mit Fassung hinnehmen.

Dafür bin ich dankbar. Dankbar, dass ich nicht so gepolt bin, dass ich mit einer Aufrichtigkeit beseelt bin, welche es mir verunmöglicht auf dem Rücken anderer eine ruhige Kugel zu schieben. Natürlich, ich bin nur Mensch, es ärgert mich solche Individuen zu sehen, doch dauern sie mich auch und ich möchte nicht tauschen. Wortwörtlich mein Brot im Schweisse meines Angesichts zu verdienen beschert mir eine gewisse Befriedigung, so ich neun Stunden gearbeitet habe fühle ich mich besser, als wenn ich acht Stunden meinen Hintern platt gesessen hätte, um den vertraglichen Bestandteil der Tagesarbeitspräsenzzeit zu erfüllen, ohne dabei effektiv etwas zum Gemeinwohl beigetragen zu haben.

Dieses Glück muss man sich zeitweilen vor Augen führen, da man geblendet vom materiellen Reichtum anderer Leute und angesichts der Tatsache eher zu erkennen was man alles haben will, dazu neigt, zu vergessen was man alles besitzt.

Auch ich entsage nicht dem materiellen, ganz und gar nicht, sind es doch diese Dinge, welche die Wertpapiere erst ihrer Bestimmung zu führen.
Brauche ich ein neues Auto, einen Fernseher, neue Skier, einen Hotelaufenthalt, was immer mich gelüstet; Ich gehe hin und kaufe es. Brauche keine Schnäppchentage abzuwarten, brauche keine Artikel zu vergleichen, brauche keine Rabattmarken zu sammeln und leiste mir das Verlegen von Garantiescheinen sowie die Musse nicht danach zu suchen.
Dies klingt auf den ersten Blick sehr dekadent, doch bin ich in keiner Weise wohlhabend. Ende Monat habe ich lediglich einen Mund zu stopfen, einen persönlichen Bankrott zieht nur mich in Mitleidenschaft und ich bin einer dieser Glücklichen, welcher mit einer Zahl auf einem Bankauszug keinen Wohlstand verknüpft; Die nichtige Bedeutung selbiger Zahl, wird nur noch von der Niedrigkeit ihrer selbst übertroffen. Luxus ist für mich, zu kaufen was ich vermag, wann ich will und wo ich will.

Beim stetigen Gejammer über meine Einsamkeit vergesse ich oft, mir vor Augen zu führen, dass genau selbige mir diese unbeschwerte Lebensform zu führen erlaubt.

Weitaus tragischer wiegt, dass ich bei besagtem Jammern einem speziellen Menschen Unrecht tue.
Vielleicht hat jeder von Euch da draussen den Einen, die Eine gefunden, ich mögte es Euch gönnen. Nicht selten wird wohl auch aus einer Not eine Tugend gemacht, salopp gesagt, man nimmt was man bekommt. Einen kleinen Kompromiss da, ein Eingeständnis hier, eine Prise Sachlichkeit, etwas gesunden Menschenverstand und schon hat man eine wunderbare, funktionierende Konstellation welche Bestand über das Menschenalter hinaus haben kann.
Gewisse Stärken mag ich haben, Kompromissfreudigkeit gehört nicht dazu und Eingeständnisse sind an so viele Bedingungen geknüpft, dass sie als solche keine mehr sind, was einem zwangsläufig zu einem Leben in Einsamkeit verdonnert.

Wenn meine Laune auf dem Tiefpunkt ist und eine kurze digitale Mitteilung hebt diese auf ein Hoch, kann dies bedeuten, dass ich ein sehr launischer Mensch bin, oder, dass eine ganz spezielle Person soeben eine Nachricht abgesetzt hat.
Habe ich den Eindruck, wenige Minuten in einem Lokal gesessen zu haben und ein Blick auf die Uhr verflogene Stunden offenbart, kann dies bedeuten, dass ich über einem Scotch eingenickt bin, oder mit einem ganz speziellen Menschen Zeit verbracht habe.

Das Glück, eine solche Person in meinem Bekanntenkreis zu finden überwiegt alles. Wenn Eingeständnisse keine sind, ein allein verbrachter Silvester kein Unglück ist, da Feiertage durch ihre Gesellschaft neu definiert, im Kalender einfach neu platziert werden; Was wünscht man sich mehr?

Bisweilen soll man die Augen schliessen um das Vergleichen einzustellen und im Jammern verstummen, um der inneren Stimme Gehör zu schenken.

In diesem Sinne, ein frohes 2013.

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Das neueste was Japan zu bieten hat

Stromlose Mischpulte und CD-Player. Der DJ braucht zum Plattendrehen noch nicht einmal einen Tonträger.

Sensationell, diese Kroaten!

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