Langweiliger Sonntag

20121230-163634.jpg

Eines Tages eröffne ich im Dorf eine Sonntags-Boulangerie…

Veröffentlicht unter Vom Leben und gelebt werden | Kommentare deaktiviert für Langweiliger Sonntag

Vom Einkaufen und Essen

Heute habe ich das erste Mal einen Einkaufswagen benutzt.
Es fühlte sich zumindest an wie das erste Mal, bin ich nun doch schon bald drei Jahre Single, da benötigt man selten einen Einkaufswagen und da stellt sich doch direkt die Frage, ob dieses Empfinden sich über alle Belange des Alleinstehen…
Schob ich also diesen Gitterkäfig auf vier Rollen mit Kindersitz erst in einen Aufzug, zuckelte nach unten und betrat anschliessend das Einkaufszentrum. Der Hygiene halber, las ich kürzlich, werde erwünscht, dass Kinder im dafür vorgesehenen grünen Sitz und nicht im Gitterbehälter mitzuführen seien.
Hatte eben keines dabei, daher konnte ich lediglich als unbeteiligter Zuschauer der Zeremonie beiwohnen, wie eine beleibte Mutter unter einem Kopftuch zwei kleine, pummelige und ausserordentlich agil zappelnde Stummelbeinchen durch die für diese Extremitäten gedachte Öffnung zu führen suchte, während der kleine Türkenbalg schrie, als würde er im Kebab-Bräter rotieren.

Während meiner Tour durch die Migros fühlte ich mich einem Hobbit nicht unähnlich, da der Wagen wohl für grössere Kunden geschaffen war. Mit den unnatürlich hoch gehaltenen, auf den Schiebegriff gelegten Händen fühlte ich mich bei der Fortbewegung etwas schwul, aber das mochte auch an der Nutzung des Gefährts als solches liegen. Ich stellte fest, einerseits war einem dieser Wagen stets im Wege, andernseits übernahm man als Gesamtpaket diesen Part für alle anderen Einkäufer gleich selbst.
Natürlich nutzte ich den Wagen nicht nur aus Spass am Transportsystem neben der Rolltreppe, ich hatte grosse Einkäufe zu erledigen.
Es besteht die Chance, dass ich zum Silvesterabend ein paar Leute lade – da steht die keine-Kollegen-Problematik noch etwas im Wege – daher wollte ich schon einmal vorbereitet sein.

Die Einkäufe erklärten meine Gesundheitswoche zur Farce. Aber dies ist diese Woche onehin schwierig.

Nach unserem firmeninternen Jahresend-Apero verspürten zwei Kollegen mehr Hunger als Lust nach Hause zu fahren und da ich auch noch ein paar Euronen im Portemonnaie mitführte, beschlossen wir die grenznahe Burger-King-Filiale aufzusuchen. Dies war bereits das zweite Mal diese Woche. Nachdem ich Dienstags ein Big-King XXL Burger mit einem King-Size Menu hatte, versuchte ich mich gestern an einem Steakhouse-Burger mit Pommes King-Size. Entgegen den rund siebzehn Franken in der Schweiz, löhnte ich im nahen Singen sieben Euronen und fünfzig Cent. Der Geschmack von Abzocke kriegt man in der Schweiz zum Menu gratis dazu, im Gegenzug verstehe ich, dass Hartz IV-Empfänger wohl des öfteren King-Size dinnieren gehen.
Der eine Kollege kehrt mit zwei Burgern und Pommes zurück, der andere balancierte gleich drei der Köstlichkeiten – Happy Hour, drei Burger 5 Euro – vor sich her.
Man kann anstellen was man will, Euronen wird man einfach nicht los, schon gar nicht im Fast-Food-Tempel. Da dieses Jahr nur einmal Weihnachten ist und ich limitierten Aktionen nicht abgeneigt bin, gönnte ich mir noch die zwei Burger Santa und Claus. Musste mich bereits etwas zwingen, als meine Tischnachbarn, zwei Schoko-Brownies mit Eis und flüssigem Kern kosteten.
Nun wurde mir etwas übel, also orderte ich noch ein mittelgrosses Wasser – welches preislich mit einem Burger mithalten konnte und dem internationalen, wie ernährungstechnischen Verhältnisblödsinn die Krone aufsetzte – während sich der mit Abstand schlankeste am Tisch noch einen Cheeseburger als Dessert gönnte.

Nun gut, warum nicht einmal ein rund dreitausend Kalorien Nachtessen, ich bereue nichts.
Meine Waage zeigte heute Morgen ein Kilo mehr als gestern an, reduziertes Körperfett, dafür leicht erhöhte Muskelmasse. Entweder ist Burger King ein Diätwunder, obwohl die Durchschnittsbesucher mit Hosen in der Kniekehle, quillendem Bauch über dem Gurt, Doppelkinn über dem Kragen und krasser HipHop-Mütze, wie auch Begleiterinnen in Puma-Leggings mit schreienden Nähten ein anderes Bild zeichnen, oder aber meine wieder in Betrieb genommene Waage neigt dazu, mich zu verschaukeln.

Um auf Nummer sicher zu gehen, begab ich mich mit Röstzwiebelfahne ohne Frühstück ins Fitnesscenter. Vierzig Minuten Laufband verbrennt einen halben Burger.
Wohl sein.

Veröffentlicht unter Strong Enough | Kommentare deaktiviert für Vom Einkaufen und Essen

Vom Bildungsgrad, Wirtschaftsinteressen und der Kausalität

So ganz nebenbei – Dinge die man ganz nebenbei erwähnt sind einem grundsätzlich sehr wichtig, man möchte dies, welcher Motivation zugrunde liegend auch immer, dem Gegenüber nur nicht direkt aufzeigen, oder denn wäre ein Link zum aktuellen Gesprächsthema bestenfalls durch weibliche Gedankenstränge logisch nachzuvollziehen – möchte ich auf die nervige Werbung zu ihrer rechten Bildschirmseite hinweisen. Klickt ihr auf diesen Thalia-Banner und geht shoppen, verdiene ich Geld. Aber hier greift die Zuckerberg-Problematik; Wer mit dem Smartphone surft, lässt sich nicht in digitale Knusperhäuschen locken.
Ist auch mehr ein Versuch, denn eine existenzielle Notwendigkeit.

Seit gestern spät nutze ich einen neue App. Den Tages-Anzeiger.
Anlässlich eines Jahresabschlussaperos meines Brötchengebers, drehte sich das Gespräch bald um Wirtschaft und Geld, es wurde über die Fusion von Xstrata und Glencore gesprochen; Ich marterte mein Hirn und suchte hoffnungslos die geistig gespeicherten Seiten meiner abonnierten, regional verankerten Printmedien. Glenmorangie, Glenfarclas, Graggenmore, Glendronach… Mir wurde beinahe schummrig ob der vielen schottischen Destillerien, welche vor meinem geistigen Auge durchblitzten – ein wenig bekam ich Lust auf flüssiges Gold aus dem Nosing-Glas – aber bei Glencore blieb es düster.
Ich masse mir nicht an, mich in allen Gesprächen einbringen zu können – Gott bewahre – aber da alle rundherum – vom Neunzehnjährigen bis zur Vier auf dem Rücken – genau zu wissen schienen, wer alles auf dieser Fusions-Party tanzte, fühlte ich mich wie der Zugezogene am Kaffeeklatsch über Ursulas neueste Männergeschichten und der Strickjacke der Brunnerin.

Zeitsprung

Als ich ein kleiner Schüler war, ergab es sich häufig, dass wir uns einen Zeitungsartikel aussuchen mussten, um selbigen vor der Klasse vorzutragen. Daraufhin wurde im Klassenzimmer siebzehn mal das Intelligenzblatt aufgeschlagen. Und einmal der Tages Anzeiger. Der Daniel las einen Artikel, der Andreas, die Maresa, der Peter; Siebzehn Schüler und der Lehrer hatten den Zeigefinger auf der selben Seite, unter demselben Schriftzug. Bis auf einen der aus der Reihe tanzte, der so eigentlich gar kein richtiger Schaffhauser sein könnte mit seiner Zürcher Zeitung, Grund genug zum hänseln und triezen.
Natürlich brachte ich zuhause scheu die Anfrage zu Gehör, weswegen wir keine Schaffhauser Zeitung lesen. Mein Vater pflegte daraufhin zu sagen; So er eine doppelseitige Berichterstattung wünsche, warum der Herr Meier auf seinem Rad mit der Drei-Gang-Nabenschaltung, am Plattenweg – Kreuzung Plattenhalde – während der Fahrt der Länge nach hinschlug und sich eine Schramme am linken Ellbogen zugezogen hatte, so er dies unbedingt wissen müsse und sich auch der Meinung hingeben wolle, dass nach der Feuerthaler Brücke das Ausland beginne, aus welchem man nicht allzu viel wissen möchte, da solche Informationen nur Unruhe stiften und uns nicht zu kümmern hätten, wenn er denn soweit wäre, würde er die Schaffhauser Nachrichten abonnieren. Sprachs und verschwand hinter dem dicken Bund der Tages Anzeiger-Ausgabe, las gewiss von der Minderheitsbeteiligung von Interdiscount an Radio-TV Steiner und der Fusion mit Coop und ich meinte noch etwas von wegen „und de Neininger isch sowieso en …. “ zu hören, aber dafür lege ich meine Hand nun nicht ins Feuer.

Manche Aussage meines Vaters war für Klein-Rab nicht nachvollziehbar und es mussten, und müssen, einige Lenzen in die Lande ziehen, dass ich nickend zustimmen konnte und können werde (Futur I). So fällt mir auf, dass ich die heutigen Tage wirklich genau weiss, für welches Bauerndorf Radio Munot spendet, wer am Lindli in den Rhein gespuckt hat, aber Geschichten jenseits der Feuerthalerbrücke dringen nicht an meinen Frühstückstisch, da die Doppelseite ‚Ausland‘ und die Spalte ‚Wirtschaft‘ der Schaffhauser Nachrichten einfach übersprungen werden. Ich verweile bei den Leserbriefen, lese den Regionalteil, lasse den Sportteil liegen und springe zur Tageschronik. Dafür löhne ich weit über dreihundert Franken im Jahr.
Aber nun habe ich die 20min-App durch die Tagi-App, auf Empfehlung eines Neunzehnjährigen, ersetzt, nun wird alles gut.

Heute entnahm ich dem Intelligenzblatt, dass Jungen vermehrt für den Lehrerberuf motiviert werden sollen. Nur noch zwanzig Prozent des Primarlehrkörpers sässen heute in Cordhosen mit weiten Taschen mit der rechten Pobacke auf die linke Ecke des Lehrerpultes – nachdem das grüne Fach für die Allerleihefte zur Seite geschoben worden war (Perfekt Konjuktiv?) -, um uns das Konjugieren beizubringen, sprich, war von männlichem Geschlecht, während vor fünzig Jahren dieser Anteil noch bei sechzig Prozent lag. Nun, meines Erachtens hat dies nicht wenig damit zu tun, dass vor fünfzig Jahren der Berufswunsch Ehefrau und Mutter noch durchaus realistisch und finanziell von einem durchschnittlichen Angestellten tragbar war.
Nichts desto trotz sollen Kinder nun zum Pädagogen herangezogen werden. Ihr entsinnt Euch, schrieb ich doch schon, dass die Wirtschaft vorgibt, welche Kräfte benötigt werden und einem botanischen Garten gleich werden die zarten Pflänzchen von den staatlichen Institutionen entsprechend gezogen, etwas überspitzt gesagt; Das Individum wird in Generationen ein nicht tolerierbarer Luxus sein, Orson Welles lässt grüssen.
Nun sind wir also beim ersten Schritt; Primarschüler soll die Verantwortung über Lerngruppen übertragen werden um ihnen das Machtgefüge schmackhaft zu machen, sie für den Beruf des Lehrers zu begeistern. Am Lehrer werden sehe ich kein Falsch, wäre ich nochmals Primarschüler mit einer etwas weiter fortgeschrittenen Reife als ich sie in den Achtzigern vorwies, würde ich gewiss ein solches Ziel verfolgen.

Beim Lesen dieses Artikels überdachte ich meine Berufsentscheidung. Nachdem mein Lehrer der Sprachen sich weigerte mich in englisch zu unterrichten – Original-Ton: Lerne erst einmal dich auf französisch auszudrücken, dann werden wir weiter sehen -, anderst ausgedrückt, mich in meinem Bestreben der Weiterbildung empfindlich ausbremste und als Vollidiot hinstellte, war klar, dass ich trotz dem Besuchen der Sekundarschule bestenfalls praktisch Bildungsfähig sei. Nach zwei Jahren vergeblichem Bemühen um einen Ausbildungsplatz als Maschinenzeichner oder Chemielaborant – das KV musst du gar nicht erst in Erwägung ziehen, dein französisch ist zu miserabel, werde Gärtner – kam die Ernüchterung, dass es bestenfalls zum Lebensmitteltechnologen reichen würde. Die Schnupperlehre zeigte mir jedoch, vielleicht eine völlige Fehleinschätzung, dass ich mich zum Suppen kochen, dem Befüllen von Verpackungsmaschinen und Staplerfahren überqualifiziert fühlte. Nichts desto trotz erhielt ich ein hübsches Musterköfferchen mit allerlei Knorr-Gerichten und drei Tage Bouillon schippen wurde mit hundert Franken Taschengeld und einem Stellenangebot belohnt.
Da stand ich nun ich armer Thor, war so klug als wie zu vor…
Wie die Jungfrau zum Kinde stolperte ich in den Frühlingsferien vor Schulende in einen Radio-TV-Betrieb, schnupperte mich durch und hatte zwei Wochen vor dem Ende meiner obligatorischen Schulzeit den Lehrvertrag in der Tasche, was ganz gut war, da ich keinen Plan B in der Hinterhand hatte.
Es waren weniger meine miserablen Französisch-Noten, noch meine unterdurchschnittlichen Leistungen in Mathe, denn die Tatsache, dass ich die Sekundarschule besuchte, welche mir die Lehrstelle bescherte. Und einen guten Draht zum Lehrmeister, wurde mir später mitgeteilt, da er als Einziger im Auswahlgremium für meine Wenigkeit einstand. Ich sollte ihm was schenken.

Ursache und Wirkung, und ein hübscher Schluss; Einen Lehrabschluss hätte ich kaum geschafft, wäre meine Lehrfirma nicht dreimal neu organisiert, optimiert und umstrukturiert geworden und hätte ich nicht eine gute, auf menschlicher Ebene, Beziehung zu meinem demzufolge dritten Lehrmeister aufgebaut, welcher zufällig in der Prüfungskommission sass und mich in unzähligen Samstag Vormittagen – nicht zu kompensierende Überzeit für den Lehrling (weil Lehrlinge dürfen ja keine Überzeit leisten), um den Ausbildungsauftrag neben dem gewinnbringenden Einsatz der Auszubildenden während der Arbeitswoche (der rentable Lehrling war ein Ergebnis der Umstrukturierung, die Rediffusion hatte bis dahin einen exzellenten Ruf in Sachen Ausbildung und Lehrabsolventen konnten unter Anfragen von anderen Firmen auswählen) doch noch wahr zu nehmen, die Firma war ihrer Zeit voraus – akribisch auf die Prüfung vorbereitet hatte. Der Lehrmeister durfte den zusätzlichen Aufwand kompensieren, dennoch: Ich sollte ihm was schenken.
Die Lehrstelle hätte ich nicht erhalten, hätte mich mein Sekundarhauptlehrer nicht mit grossem persönlichen Einsatz durch die Orientierungsstufe geschleift und jedes zweite Semester provisorisch versetzt. Ich sollte ihm was schenken.
Durch die Aufnahmeprüfung für die Sekundarschule wäre ich mit Pauken und Trompeten durchgerasselt, hätte mein Primarlehrer nicht ein verborgenes Potential im Beherrschen der deutschen Sprache zu sehen geglaubt und mich mit einer unterirdischen Punktzahl in die Sekundarstufe gehoben. Ich sollte ihm was schenken.
Mein Leben wäre nicht seit dem Verständnis von Wort und Schrift von der Flucht in Bücher beseelt gewesen, hätte ich nicht den Patchwork-Gräuel durchlebt. Ich sollte meiner Mutter und dem Patchwork-Drachen…
Ich denke hier sind wir bei der Ursache, soweit meine Erinnerung zurückreicht, vielleicht war ich ein unglaublich mühsamer Säugling und hatte dadurch den ganzen Stein ins Rollen gebracht, aber dies sind Spekulationen. Jedenfalls haben wir die Kausalität soweit zurückverfolgt, dass wir bei der Bedingung angelangt sind und so ich den beiden Protagonisten was schenken sollte, wäre es bestenfalls ein wohlgemeinter Tritt in den Arsch. Denn das Resultat dieses Way of Life kenne ich, eigentlich wäre ich nun neugierig auf das Ergebnis einer null-acht-fünfzehn Kindheit; Wer weiss, vielleicht würde ich in Cordhosen mit weiten Taschen auf einer Pultecke sitzen und Drittklässler unterrichten.

Hach, wie schön ist es, wenn man die Schuld auf andere Abwälzen kann.homer

Veröffentlicht unter Kurz nachgedacht, Vom Leben und gelebt werden | 4 Kommentare

Fail-Compilation Best fails 2012 by Twister Nederland TNL

Veröffentlicht unter Fail-Compilation | Kommentare deaktiviert für Fail-Compilation Best fails 2012 by Twister Nederland TNL

The same procedure as every year

Nun sitze ich also hier, neben mir läuft drei Haselnüsse für Aschenbrödel und ich frage mich, ob für diesen äusserst produktiven Arbeitstag ein Verlassen der Bettstätte zu rechtfertigen sei.
Ich frage mich ernsthaft, ob Detailhändler und Unternehmer die Angst leben, so der 24. Dezember zu einem arbeitsfreien Tag erklärt würde, die Menschen einen Tag hungern und weniger Geschenke kaufen würden? Oder würde man nicht eher dieselbe Menge – oder noch mehr – Nahrung, die gleiche Anzahl Geschenke und allen anderen Krimskrams einfach einen Tag vorher beziehen?

Aber was verstehe ich schon davon; Eine Order ist nun mal eine Anweisung und ich bin ja nicht der Einzige. So sitzen im Coop Gruben äusserst gestresste Kassiererinnen mit einem Stern auf der Brust.
Die Symbolik an sich empfinde ich etwas unglücklich – in der nicht so alten, europäischen Geschichte wurde von höherer Stelle bereits einmal ein Flair-Button in Sternform verteilt und angeheftet – zudem scheint mir der Platz auf dem rechten Busen ziemlich schlecht gewählt, da ich den Coop-Verkäuferinnen ungern auf ihr 115 EE-Dekolleté starre. Aber wie soll ich die Weihnachtswünsche annehmen, ohne auf die Aufschrift zu starren?
Da muss man einfach durch.
Es sind die wunderlichsten Leute unterwegs, wie immer, wenn die Frauen ihre Ehemänner zum Einkaufen mitnehmen. Ob die Frauen dies wünschen, dass sich der Mann in der täglichen Haushaltsarbeit mehr einbringen möge, oder ob die Männer sich aufdrängen um das Haushaltsgeld einem gewissenhaften Controlling zu unterziehen kann ich nicht beurteilen – noch nicht – aber mir scheint, diese ungewohnte Konstellation um das gegen zwei Franken Pfand geborgte, beräderte Gittergefährt mit rotem Kindersitz bringt Unruhe in die ganze Sache.
Was die Frau in den Wagen legt, fischt der Mann wieder hinaus; Ist er doch nicht umsonst um sieben in der Früh aufgestanden und hat im Microsoft Office-Word eine alphabetische Einkaufsliste zusammengestellt, um hernach plan und ziellos durch den Laden zu steuern. Meinetwegen steht der Vanille-Zucker gleich neben dem Backpulver, aber dies ist kein Grund um in der Tabelle vorzugreifen und nicht erst in der Metzgerei die Bratensauce zu greifen und danach zum Brot weiter zu zuckeln.
Die Dame soll froh sein, dass wir nicht schon das Frühjahr einläuten und er noch in die Gartenabteilung zu den Blumenzwiebeln soll, so schauts aus.
Die werte Gattin pflegte Wochentags zwischen Tee und Gewürnelken jeweils die Frau Meier aus dem Hochparterre zu treffen und man hält in der anstrengenden Tätigkeit inne, um einen kurzen Schwatz zu halten. Doch mit je einem zappeligen, sekündlich auf die Uhr schauenden, männlichen Anhängsel am Wagengriff will das Gespräch nicht recht in Gang kommen.
Zudem schmilzt die Eistorte im Wagen, da im Alphabet das E nunmal vor dem P wie heisses Poulet kommt und die Liste unbedingt eingehalten muss.

Kleiner Einschub betreffend Einkaufsverhalten; Die Organisation pinkstinks habe ich nebst dem unsäglichen, geschlechtspeziefischen Rollenzwang in Hänsel und Gretel – er lümmelt und frisst, während Gretel Haus und Hof bestellen muss, worauf ich eine Verbrennung aller Grimm-Märchen verlangte – auf die Entrecote-Werbung von EDEKA hingewiesen.

 

Geschätzte Frau Schmiedel,

ist bei Ihnen auch schon der EDEKA-Werbespot über den Bildschirm geflimmert?

Die beiden Kinderchen, welche sich erkundigen, welches Mahl am einfachsten zu bereiten wäre, bei welchem gar ein Idiot nichts falsch machen könne.
Und als der Papa sich nach dem Essenswunsch erkundigt, wird ihm gerade dieser Vorschlag des Verkäufers unterbreitet.

Da muss man wohl nicht mehr viel zu sagen.

Das Mädchen wird doch total in die Rolle der Hausfrau gezwängt, welche zu nichts anderes nütze ist, als den dummen Papa zu beaufsichtigen und ihm gar noch das Menü zum Kochen vorbereitet präsentieren muss, damit er sich hernach brüsten kann, eine Mahlzeit zubereitet zu haben.

Ich finde, sie sollten gegen EDEKA vorgehen.

Hochachtungsvoll
RAB

Nicht, dass ich mit einer Antwort rechne, aber es ist Weihnachten und der alleinstehende Junggeselle lebt doch recht einsam, während der besinnlichen Zeit.
Dagegen vor, geht zum Beispiel das Hofackerzentrum mit dem Weihnachtsanlass „Gemeinsam statt einsam“, bei welchem Leute wie ich unterkommen würden. Gefilmt vom Dieter Amsler, Schaffhausens einzig geduldetem Kamera-Voyeur, dessen stets vorgebrachten einleitenden Satz „Villicht gsehnd sie ja öpper wo sie kenned“ angesichts der Tatsache, dass vereinsamte Leute diesen Event besuchen, irgendwie bissig ironisch klingt.

Natürlich besitze ich so etwas wie Familie; So wurde ich gestern zu Mutter geladen, wie jedes Jahr. Und jedes Jahr ist etwas weniger Lametta, wobei  ich mit dem jährlichen Bekunden meines Missfallen an diesem Weihnachtsfest, wohl meinen wesentlichen Anteil beigetragen habe, dass dieses Jahr gar kein Lametta mehr war.
Das gesellige Beisammensein hatte den festlichen Touch eines Zvieri-Besuch am Dienstag Nachmittag zur lauen Sommerzeit und nachdem die Vorweihnachtsstimmung schon flöten gegangen war, hat diese Verköstigung Weihnachten 2012 noch den Rest gegeben.
Dem Wunsche nachgebend, ich solle doch bald wieder einmal vorbei schauen, versprach ich, dass Ostern ja bald ins Haus stünde, empfahl ich mich von der Party, öffnete zuhause noch eine Flasche Wein, fragte mich, ob ich weitere Weihnachtsfeste in dieser Art anstreben wolle und besoff mich in feinster Manier mit einem billigen, kundengeschenkten Fusel.

Wie schon öfters angedroht, habe ich noch sieben Monate um mir eine Lebensparole zu fassen, ein Ziel zu stecken, oder denn von einem Mühlstein um den Hals, im Treiben der Fluten mir ein Ziel weisen zu lassen – etwas angespitzt ausgedrückt.
Mir scheint, nächstes Jahr ein hübsches Weihnachten zu feiern, so wie es die Leute rundherum – Dieter Amsler ausgenommen – zu begehen pflegen, wäre wohl kein Lebensziel, doch etwas erstrebenswertes. Zumal ich um dies umzusetzen so etwas ähnliches wie eine neue Familie brauche, oder zumindest eine Person ausserhalb der Blutlinie, welche es sich vorstellen könnte, einen Feiertag mit mir zu verbringen.

In diesem Sinne, noch frohe Weihnachtstage.

Veröffentlicht unter Vom Leben und gelebt werden | Kommentare deaktiviert für The same procedure as every year