Tales from the kitchen; Knusper knusper Knäuschen

Man lernt seine Grenzen kennen.

Für mein Weihnachtsgebäck habe ich nette Reaktionen erhalten, was mich beflügelte, eine weitere Aktion in Sachen backe backe Kuchen zu starten.guetsli
Gefährliche Eigendynamik nennt man dies, vergleichbar mit sich handwerklich einbringenden und kaum zu bremsenden Kunden im Arbeitsalltag.
Also mischte ich gestern eine Unmenge von flüssigem Honig mit Ruchmehl und süsste das ganze noch mit Zucker. Wer schon einmal Kekse gebacken hat, wird mir beipflichten; Angesichts der Menge Süsswaren, welche in einem Guetzli verarbeitet werden, sollten sich uns beim Verzehren die Pupillen weiten und das Insulin aus den Ohren schiessen. Gerade, wenn Honig noch mit Zucker gesüsst wird.
Aber so ist nun einmal das Rezept und schuld war nur der Restposten an Lebkuchengewürz in der Coop-Filiale.lebkuchenhaus

Geht ruck-zuck, hatte ich im Gefühl.
Eigentlich mag ich Lebkuchen nicht besonders, der ist irgendwie langweilig und angesichts der Tatsache, dass er zu einem Drittel aus Honig besteht, im Geschmack mehr als enttäuschend.
Beim Backen bin ich gerne speditiv; Brunsli, Zimtsterne etc. sind daher die reine Küchenfolter und Kühlzeiten für Teige sehe ich bestenfalls als Empfehlung. Dennoch gönnte ich dem Lebkuchenteig seine mindestens zwölf Stunden Ruhezeit, das erste Mal soll alles perfekt werden. Zwei Kilo, oder in etwa 9000 kcal, habe ich davon in einer Schüssel auf dem nun durchhängende Abteilgitter meines Kühlschranks zur Ruhe gelegt.
Dank der beigemischten Natronlauge, Triebsalz fand ich nicht und ich belästige ungern das Personal bei den Grossverteilern, explodierte der Teig nahezu in seinem Gefäss.

Ich hatte eine ungefähre Vorstellung von meinem Lebkuchenhaus, so etwas zwischen Buckingham-Palace, Hogwarts und einer Blockhütte. Den Teig auf 5 Millimeter Dicke ausrollen stand in der Anleitung. Eine Hausfrau hat dies gewiss im Gefühl, bei mir variert dies zwischen einem Stück Tischplatte in der Ausstechform und dem Verschwinden derselbigen in der süssen Masse.
Entweder ist man in der Küche cool wie Jamie Oliver, verzichtet auf Mess und Massgeräte jeder Art, oder man spielt den Biolek und sichert einen Deziliter Milch mit Massband, Waage und Messbecher dreifach ab.
Da gäbe es Schablonen, fixfertig zum Ausdrucken, aber ich schnitt mit dem Filetiermesser lieber munter darauflos und mein Tisch ähnelte immer mehr der Elk-Fertighaus-Manufaktur. Flugs in den Ofen, da nahm das Unheil seinen Lauf.
Der Teig quoll auf wie Vera Int-Veen während einer Staffel Schwiegertochter gesucht und es war nur eine Frage der Zeit, bis das Ofenfenster aus seiner Fassung springen würde. Anstelle der sauber vorbereiteten und haarscharf zugeschnittenen Kleinteile für den ausgefeilten Häuslebau kippte ich kissenförmige Pakete auf das Gitter. Oben knusprig braun, unten hartnäckig am Backpapier haftend.
Unbeirrt davon schob ich noch drei weitere Ladungen Bauteile in den Ofen, während im Elektrizitätswerk eine weitere Schleuse geöffnet wurde und die Axpo die Korken knallen liess.
Aus dem restlichen Teig stach ich süsse Herzen aus, weniger der Romantik, denn der bequemen Tatsache willen, dass dies die grösste Form in meinem Accessoires ist.

Nun sollte der witzige Teil kommen. Aus Eiweiss und Puderzucker rührte ich den Mörtel an.
Übrigens, schon einmal überlegt wieviel rohes Ei in Weihnachtsgebäck verarbeitet wird während die übrigen 11 Monate vom Verzehr derselbigen aus Salmonellen-Gründen abgeraten wird?
Mit dem Essen spielt man nicht, aber ich kam nicht umhin, mich wie ein Kind vor einer Packung Playmobil zu fühlen. Grosszügig wurden die Teile mit der klebrigen Zuckermasse bestrichen und aneinandergepappt. Danach von der Tischplatte gekratzt und wieder gepappt. Das Grundstück meines Lebkuchenhaus war schon weiss wie ein Winter im Bilderbuch, der Tisch, mein Beinkleid und die Arme bis zum Ellbogen nicht minder, trotzdem wollten diese dämlichen Wände nicht kleben.
Ganz im Gegensatz zu meinen ESPRIT-Pantoffeln am Plattenboden; Die hafteten so ausgezeichnet, dass ich mich beinahe auf die Fresse legte, als ich zum Geschirrspüler hetzen wollte. Da mussten Stützen her, was bedeutet, dass ich Gabeln abwaschen musste. Ich war noch immer frohen Mutes und trotz der Widrigkeiten, hatte der Spassfaktor noch nicht gelitten.
Mein Vater pflegt zu sagen, eine Konstruktion muss als Ganzes halten; Kaum die Wände notdürftig fixiert, machte ich mich an das Dach. Als Ästhet dachte ich mir, es wäre nett anzusehen, wenn das Dach überlappend geschichtet wäre. Daran ist nichts auszusetzen, an einem hübschen Schieferplatten-Dach…dach… nur machte das Volumen meiner Dachplatten jedem Gestein Konkurrenz. In Gewicht und Grösse. Sogar an ein neckisches Vordach hatte ich gedacht, welches sich nun traurig der Erdanziehung hingab.
Die Wände bogen sich nach aussen und ich zwang sie mit geschickt platzierten Nespresso-Tassen wieder in ihre Position zurück.
Auch einem unverbesserlichen Optimist wie mir wurde allmählich bewusst, dass hier irgendwo der Wurm drin war. Die Elemente müssten wohl dünner und härter sein.

Ich liess das Häusle bauen und entschloss mich dazu, mit der Verzierung zu beginnen. Die Zuckermasse in den eigens angeschafften Spritzsack gefüllt, zur Baustelle geschritten, zurück an der Theke den Sack abermals gefüllt und die Öffnung zuhaltend der Zuckerspur folgend wieder zur Baustelle und eifrig damit begonnen die Dachkannte zu verzieren.
Die Zuckermasse ergoss sich einem kräftigen Herbstregen gleich über meine Architektur, den Tisch, die Stühle…

Nun wurde es mir zu blöde, ich brach die Übung ab und nahm die ganze Geschichte als Motivation, mal wieder ordentlich durch die Küche zu fegen.lebkuchenhaus-2

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Das verlorene Weihnachten

Driving Home for Christmas singt Chris Rea.
Driving far far away würde mir eher zusagen.

Die Weihnachtsstimmung will sich dieses Jahr nicht einstellen. Normalerweise beginne ich mich ab Oktober auf Weihnachten zu freuen, im Dezember erreicht die Weihnachtsstimmung einen anhaltenden Höhepunkt bis am 24. Dezember und mit dem heranziehen der Sitzgelegenheit an Mutters Esstisch anlässlich des Weihnachtsmahls, findet die ganze Euphorie ein aprubtes Ende, räumt dem Weihnachtsblues bis nach Silvester Platz ein und oh Wonne, ein neues Jahr wird eingeläutet und alles bleibt wie es war.
Die Weihnachtszeit besticht nicht zuletzt durch das hemmungslose Naschen von ungesunden Leckereien. Nur ein Idiot würde am dritten Dezember eine Diät beginnen. Gestatten; Idiot.
Da in den Kaufhäusern und Supermärkten der Weihnachtszauber schon Ende September beginnt, übte ich mich bisher erfolgreich darin, vor dem ersten Dezember keine Erdnüsse und vor dem Nikolaus-Tag keine Mandarinen – Clementinen – zu verzerren. Um diesen Genuss habe ich mich dieses Jahr selbst gebracht.
Kekse backen, stets eine Freude und das Verzehren derselbigen stand in Nichts nach. Nun, gebacken habe ich sie, in ihrer Blechdose gammeln sie so langsam vor sich hin.
Christbaumanhänger ist einfach die bessere Schokolade, als wenn selbige von einem Block gebrochen wird. Nicht dieses Jahr.

Aber es liegt nicht nur an meinem Verzicht auf lecker Speisen.
Der Teufel ist ein Eichhörnchen und rundherum herrscht eine Stimmung, als würde der Nikolaus zu Grabe geschleift. Für gewöhnlich bemitleide ich Leute, denen der Geist von Weihnachten abhanden gekommen ist, dieses Jahr lasse ich mich vom globalen und lokalen Gejammer mitreissen. Wohin ich schaue sind die Leute gestresst, geplagt von finanziellen, existenziellen Ängsten, sie schuften sich den Buckel krumm und unterm Strich kann man sich nur einige Überstunden ans Bein streichen, der Aufwand hat niemandem etwas eingebracht.
Wann immer Weihnachten ins Spiel gebracht wird, sehe ich nur noch das kommerzielle Ausschlachten einer krampfhaft heraufbeschwörten Stimmung. Abzocke unter der Schirmherrschaft des Christkindes.

Nichts desto trotz gilt es Bescherung zu besorgen, also bewegte ich mich in die Stadt.
Aus dem Lautsprecher bettelt ein kongolesischer Pfarrer in gebrochenem Deutsch um Spenden. Das gibt es ein Dorf namens Kamutanga im Kongo, welches nur aus bildungshungrigen Handwerkern zu bestehen scheint, welchen so ziemlich alles zum Leben fehlt. Jeden Morgen werde ich vom lokalen Radiosender darauf hingewiesen, dass ich das warme Wasser aus dem Ideal-Standard-Mischer sowie den elektrischen Strom schätzen soll, in Kamutanga hätten sie so etwas nicht. Den ganzen Tag geht es so weiter. Wann immer ein zivilisationsbedingter Standard erwähnt wird, werden wir darauf hingewiesen, dass dieser im Kongo nicht vorhanden sei; Ja, gar Weihnachten hätten sie den armen Kerls genommen. Wohl eine Definition von Weihnachten und die Frage, ob Christi Geburt in einem Buschdorf überhaupt von Bedeutung wäre, aber Hauptsache es wird tüchtig gejammert.
Auch frage ich mich, ob es den Damen, Herren und Kinder im Kongo wohl genehm wäre, Elektrizität und fliessend Wasser zu haben, nur damit sie pünktlich zur Knechtschaft erscheinen können. Wir wollen nicht vergessen; Elektrisches Licht brauchen wir, damit wir schon zur dunklen Stunde mit dem Tag beginnen und selbigen weit über die Dämmerung hinaus ziehen können.
In Kamutanga leben wohl Unmengen von potentiellen Handwerkern, aber ohne leitende Hand sind sie nicht fähig, einen Stuhl zu zimmern. Vielleicht haben sie keine Ahnung was ein Stuhl ist, wie er aussieht und welchen Zweck er hat, vielleicht wissen sie erst, dass sie Stühle und Tische brauchen, nachdem der Matthias Hauser von Radio Munot sie darauf hingewiesen hat, Fakt ist; In Kamutanga brauchen sie Geld, Dein Geld und mein Geld.
Bisher werden die Azubis bei Sonnenwetter unter einem Baum unterrichtet – eine wahre Horrorvorstellung, in der Tat – und mit erbettelten 50’000 Franken soll eine Berufsschule errichtet werden.
Dafür werden also täglich zweihundertvierzig Jammer-Jjingels ausgestrahlt, auf der Internetplattform des Radios sehen Buschkinder traurig in die Kamera und Radio Munot veranstaltet ein Wunschkonzert. Da wünschen sich die Hörer aus dem fünfzig Compact Disc’s umfassenden Musikarchiv des Senders die Titel, welche onehin schon täglich gespielt werden, sie löhnen einfach zwanzig Franken dafür.

So unter uns; Ist es nicht erstaunlich, dass die Völker fernab der Zivilisation überlebt haben, bis wir erschienen sind und ihnen klar gemacht haben, dass sie mit dieser Lebensart zweifelsohne innert Kürze dem Untergang geweiht sind?

In der Stadt angekommen prasselt der Schnee in schweren, nassen Tropfen auf das Kopfsteinplaster und bei 5° rinnt Weihnachten in den Gulli. In dieser Laune sind auch die Leute unterwegs, so beginnen sich im Thalia ein gesetzterer Herr mit einer jüngeren Dame um den Platz in der, zugegeben etwas verwirrend aufgestellten, Warteschlange zu zanken. Er sei zuerst und sie meine nun, sie könne von der Seite und eben schon hat dieser Herr sich vorgedrängt und nun sei er…
Es ist Samstag, der Herr scheint nicht berufstätig zu sein und statt zwei Minuten länger zu warten, macht er sich lieber zum Affen der Filiale. Meinetwegen.
Asche auf mein Haupt, ich war bei Thalia.
Grundsätzlich ziehe ich regionale Händler wie den Schoch-Bücher vor, aber heute hatte ich keine Lust auf diese Gspürsch-mi-Atmosphäre. Zudem entnehme ich den Blicken der Verkäuferinnen stets ein Anzweifeln meiner Fähigkeit, aneinandergereihte Buchstaben als Schrift zu entziffern, nur weil ich weder Hornbrille noch gehäkelten Poncho trage, weder Studentenausweis noch Lehrerschafts-Rabatt-Ausweis – ja, sowas gibt es – vorweise und mich in dem irgendwie assortierten Laden stets verlaufe.
Sofern ich eine hochstehendere Lektüre als „Petzi am Nordpol“ an den Korpus trage, kommt die Frage, dass ich dies gewiss als Geschenk haben möchte, was ich so interpretiere, dass es meinen Intellekt augenscheinlich überfordert, wenn nicht die Hälfte der Seiten bunt illustriert sind.

Vom den prügelnden Rentnern geht es weiter in den Manor zum lustigen Rolltreppen fahren. Stets durchfahre ich sämtliche Stockwerke und konsultiere hernach trotzdem die Übersichtstafel um die Spielwarenabteilung zu finden. Endlich angekommen, wirken die Regale ziemlich leergekauft, was mich eigentlich schon zur Umkehr bewog. Mittendrin, zwei Herren, welche sich bei der Auswahl von Lego von einer Verkäuferin beraten liessen. Irgendwie befremdend.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie ein schmieriger, kleiner Verkäufer sich in die Startposition begab und verliess die Hello Kitty-Ecke, bevor er sich an mich ranschmeissen konnte.

Eigentlich wäre noch ein Besuch im Swisscom-Shop angesagt gewesen, da liegt ein angebissener Apfel für mich bereit, wurde mir gestern telefonisch, per SMS und E-Mail mitgeteilt.
Aber die Lust darauf ist mir vergangen. Ich denke, man muss in Stimmung sein, sonst hinterfrägt man nur Sinn und Zweck der Investition.

Im Parkhaus begegnet mir ein Paar. Sein Test, ob seine schicken Sneakers auf dem nassen Boden genügend Grip aufweisen, wirkt wie das Stolpern des dummen August im Zirkus Knie. Die Dame an seiner Seite verzichtet auf dieses affige Getue, trug stattdessen eine Art Winterstiefel mit dreifachem Klettverschluss, wie sie Zweitklässler für den Schlittelnachmittag anzuziehen pflegen.
Beim Anblick solcher Szenen frage ich mich, ab welchem Zeitpunkt Paare nicht mehr darauf achten, in Verhalten wie auch Aussehen, attraktiv auf den Partner zu wirken.
Ja, bisweilen bin ich richtig froh, dass mein Bestreben – so ziel und sinnlos es an sich auch ist – mich darin bestärkt, nicht einfach durchzuhängen.

Begeben wir uns also in die letzte Woche vor Weihnachten.

Hallelujah.

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Ein beschwingtes Wochenende

Gewichtige Gründe haben mich bewogen, einer turnerischen Abendunterhaltung beizuwohnen, Chränzli wird dies in unseren Breitengraden genannt.

Da geben sich die turnerischen Vereine ein stell-dich-ein und präsentieren mit Enthusiasmus eine gut einstudierte Darbietung, mit Grimms Märchen als gemeinsamen Hintergrund.
Hänsel und Gretel führten als Pausenfüller mit schlüpfrigen Witzen durch den Abend, haben somit den roten Faden gesponnen und verschafften den Darstellern Zeit, das Bühnenbild zu erstellen. Später ergänzt von einem Herren im Zottelkostüm, welcher sich als Wolf vorstellte.
Um es richtig geniessen zu können muss man wohl Kinder auf der Bühne haben oder sonstwie mit dem ganzen Dorf bekannt sein. Über solch gestaltete Netzwerke verfüge ich nicht direkt, es bot dennoch Kurzweil und so das Bühnenprogramm nicht allzusehr fesselte, tauschte man sich mit den Kollegen hüben und drüben des Tisches aus. Insbesondere, wenn die Teenies hüpften und hüpfen liessen, einen lasziven Tanz vollführten und man sich als erwachsener Mann irgendwie komisch vorkam, auf die Bühne zu starren, ohne das Starren mit jedwelchen verwandtschaftlichen Bindungen zu rechtfertigen. Es beruhigte mich ungemein, dass nicht nur ich peinlich berührt war und so widmeten wir uns hingebungsvoll den staubtrockenen Bierflaschen, deren Nachschub wir vor der Darbietung nicht die erforderliche Aufmerksamkeit widmeten.
„Chasch mer mol dLuft uselo, Vreni“, wie der gemeine Chränzlibesucher zu sagen pflegt.

In der Pause wurde dieser Missstand behoben, ein Kollege orderte gar noch ein Pizzabrötchen und belohnte den Service, mehr oder minder unfreiwillig, mit fünfzehn Franken Trinkgeld.
Meine Wenigkeit widmete sich dem Glücksspiel und so badete ich bald in Losen für die adrett angerichtete Tombola vor dem Eingangsportal. Da mir weder in der Liebe noch im Spiel das Glück am Hacken klebt, erwarb ich zwei Couverts, da hat man mindestens zwei Preise auf sicher. Ich verbuche es gemeinnützige Ausgabe und Aufwendungen für meine Integration im Dorfleben, war auch bedacht, dass, ähnlich einer präsidialen Stimmabgabe in Nahost, mich auch alle sahen dabei.
Selbstverständlich hatte ich im maximum zwei Preise auf sicher und bin nun stolzer Besitzer eines Wella-Pflegesets für getöntes, naturlockiges und hüftlanges Haar, bestehend aus zwei Sprays, für einen ausserordentlichen voluminösen Haarschopf und einer Art Milch für die Haare, über deren Verwendung ich mich noch schlau machen muss.
Der zweite Preis war ein Zopfgebäck, passt ausserordentlich gut in meine Gesundheitswoche.

Während der Pause traf der Stargast ein und im zweiten Teil durfte ich mit reinem Gewissen auf die Bühne starren und mit Tunnelblick, äusserst fasziniert und verzaubert einer wunderbaren Tanzvorstellung folgen.
Ganz ohne Sarkasmus und Ironie. Bisher hatte ich für High Heels nicht besonders viel über, aber wie so oft, es ist augenscheinlich davon abhängig wer sie trägt.

Der Saal wurde wohl während der Vorstellung schon gelegentlich mit fluoreszierendem Licht geflutet – dies ist normal an sogenannten Chränzli, es finden sich stets solche Spezialisten im Publikum – aber da diesmal dazu applaudiert wurde, schlossen wir daraus, dass die Vorführung beendet sei.
Gleich neben den Toiletten wurde eine Apres-Ski-Bar betrieben, welche uns mit weiterem Bier lockte.
Die Klientel bestand zu 80 Prozent aus den Protagonisten der ersten Halbzeit, was wohl daran lag, dass Leute meines Jahrgangs im Hauptsaal sitzen bleiben, noch einen halben Liter bestellen und sich über ihre Familien, die Hinzes und Kunzes austauschen.
Die anderen zwanzig Prozent der Apres-Ski-Bar wären dann wohl eine Ausgabe meiner Wenigkeit in zehn Jahren. Soviel erdrückende Erkenntnis schrie nach Bier und etwas später hatte ich den Gesundheitstag mit zwei Liter Bier, sprich 1000 kcal, ruiniert.
Auf nahezu nüchternen Magen sorgte dies für ein kleines Unwohlsein; Schönheit muss leiden.
Um Mitternacht wurde die Bar geschlossen, im Hauptsaal stand eine weitere Attraktion auf dem Programm, da jedoch der Hauptact des Abends das Gebäude verlassen hatte, war meine Motivation, die Treppe erneut hochzusteigen, eher gering, wir warteten auf die Wiederaufnahme des Barbetriebs und übten uns im Nageln.
Beim „Nageln“ wird ein Drahtstift, Nagel, ganz leicht in einen Holzklotz getrieben und hernach versucht mit der Finne, dies ist der schmale Teil eines Hammerkopfes, mit möglichst wenigen Schlägen zu versenken. Dazu wird der Hammer an den Rand des Holzklotzes gehalten, ein Schlag ausgeführt und an den nächsten Spieler weitergereicht. Wer verliert, sprich den Nagel als letzten versenkt, hat für gewöhnlich eine Runde Tranksame auszugeben.
Ist ganz witzig, die Belustigung verhält sich proportional zum Alkoholpegel.

Samstag Morgen, der Kopf war mehr oder minder klar, aber der Hunger rumorte in meinem Rumpf.
Ich wog zwei kleine Scheiben Zopf à 50 Gramm ab, bestrich sie mit je 4 Gramm Floralp-Butter und je 13,5 Gramm fett- und zucker-reduzierte Marmelade.
Was war ich pappsatt hernach.
Schlug etwas auf die Laune, da ich mir für gewöhnlich am Samstag ein ausgiebiges Frühstück gönne. Aber im Rahmen der Gesundheitswochen war die Butter und Marmelade schon ein Hochgefühl. Von Nichts kommt bekanntlich selbiges.
Nun zum Coiffeur, Gala lesen, einen gefühlten Liter Wasser um den Nachbrand zu löschen und nebenbei plapperte ich anscheinend zu viel.
Meine Coiffeuse hat mit einer Bekannten das Heu nicht auf derselben Bühne, was mich jeweils in eine unangenehme Mittendrin-Situation befördert; Man will niemandem auf die Füsse treten, was eine gewisses Mass an Opportunismus bedingt. Ist einem als Scheidungskind nichts Fremdes, wenngleich es dadurch nicht angenehmer wird.
Mir scheint ich hätte was gesagt, was ich nicht hätte sollen oder sonstwie falsch reagiert, jedenfalls, wurde mir leicht vorwurfsvoll zugetragen, flogen danach zwischen den Parteien die Fetzen.
Im Gegensatz zum Scheidungskind welches diplomatisch entscheiden muss, wo es das Weihnachtsfest feiern wolle – wobei mir diese Entscheidung stets abgenommen wurde und in meinem Sinne, zu meinem Besten, stets von höherer Instanz bestummen wurde, in welches Wohnzimmer ich geschubst wurde – kann ich in dieser Situation relativ unbekümmert sagen, dass mir doch alle die Kimme küssen mögen.

Da ich schon in Downtown war, stand ich mir mit der gezogenen Nummer 97 einen gefühlten Nachmittag lang im Swisscom-Shop die Beine in den hungrigen Bauch.
Da war vor mir der Kunde, in Kurzmantel und mit Schal, welcher mit gekreuzten Beinen lässig an den Tresen gelehnt dem Verkäufer seinen Job erklärte, die Oma, welche einem weiteren Angestellten ihre Telefondose als eckig, ins Runde gehende und weiss mit einem Stich ins beige beschrieb und mit der Nummer 96 ein Päärchen, welches für den Enkel/Neffen das beste Handy der Welt suchte und sich jedes in jeder Einzelheit beschreiben liess. Dazu natürlich noch jeden möglichen Vertrag und ob es nun günstiger wäre wenn er die Option „free flow“ mit dem Angebot „via hopsassa“ sowie die 25’000 Gratis-SMS buchen würde.
Endlich kam auch ich an die Reihe, bestellte meinen Früchtekorb, lehnte dankbar Swisscom-TV ab und biss mir nachträglich in die Zunge, dass ich erwähnte, ich sei zufriedener Satelliten-Kunde. Die Billag (GEZ) ist schliesslich eine Tochterfirma der Swisscom und letztendlich ist für meinen Haushalt bei selbiger nur ein Radio angemeldet, da, ich informierte bereits, ich kürzlich gelernt habe, dass ein Internetanschluss auch ein Radio sei.
Nun, so genau werden sie dies nicht nehmen, ich gehe davon aus, die Verkäuferin muss einfach Verträge für Swisscom-TV abschliessen.

Zuhause gab es endlich zu essen. Ganz lecker Suppe, einen ganzen Liter. 260 kcal. Was war ich satt.
Danach widmete ich mich der Backkunst, Zimtsterne, Mailänderli, Brunsli, Vanille-Gipfel… einfach weil es mir langweilig war, da soll mal eine sagen, ich wäre kein patenter Ehemann. Essen darf ich keine, Gesundheitswoche, dafür eine Dose Thon mit einem Sprenkel Mayonnaise.
Was war ich pappsatt.

Heute habe ich den Ernährungsplan ziemlich auf den Kopf gestellt. Aufgrund einer Trainingseinheit wurde das Katzenfutter der Thon zum Mittagessen vorgezogen und die Suppe auf den Abend gelegt.
Freue mich beinahe schon auf die nächste Woche, da bringe ich etwas Unruhe in den Speiseplan und gönne mir anstelle von Suppe fünf mal Ceasar-Salat zum Mittagessen.

Hach ist das ein Leben.

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Ein unbequeme Wahrheit

Obwohl ich Ende des Arbeitstages ziemlich geschlaucht war, raffte ich mich auf, noch etwas Fitness zu betreiben, nicht zuletzt, weil ich einem Nikolaus den Kopf abgebissen habe.

Da sitzt so ein junger Bursch auf der Schrägbank und warf ein, ich hätte gestern das Fitness besuchen sollen, der Damenanteil hätte überwogen.
Dazu muss man anmerken; Besagtes Fitnesscenter spricht weder die Schickeria noch die Top-Athleten an. Alles was dazwischen liegt, also ich, absolviert in der Qualitop-Zertifizierten Atmosphäre sein Concordio/Helsana-Pflichtprogramm. Wobei ich mich hier gleich wieder ausnehmen sollte, da meine Krankenkasse mir bis auf das korrekte Überziehen der Sportsocken vorschreiben wollte, wie ich zu trainieren hätte und stundenlanger Schreibkram für zweihundert Franken Vergütung war mir zu dämlich. Eins zu null für Concordia.
Zu meiner Trainingszeit, irgendwann zwischen Feierabend und Bettruhe, trifft man ausschliesslich eine männliche Klientel, es geht das Gerücht, dass Frauen das Center mieden und so ist die Anwesenheit einer solchen eine kleine Sensation.

Unser kurzes Gespräch zog sich weiter und so wurde die Bedienstete hinter der Theke thematisiert.
So genau habe ich sie noch nicht angesehen, da mich alleine ihre Präsenz nervte. Zehn Jahre im selben Center bringt ein gewisses Gewohnheitsrecht mit sich, wie die Selbstbedienung am Kühlschrank hinter der Theke, welchem ich abendlich ein überteuertes Mineralwasser zu entnehmen pflege.
Bis eben, als diese Dame ihren Auftritt hatte und für mein Wasser knapp zwei Franken einfordern wollten. Auf der Stelle. Nicht nur, dass die Anzweiflung meiner Kreditwürdigkeit beleidigend war, auch musste ich die Treppe hoch zu den Schränken laufen, um das Geld aufzutreiben.
Da verblasst jegliches Aussehen, ja, solch ein tiefgründer Mensch bin ich, man glaubt es kaum.

Der Junge auf der Schrägbank, führte ihre mangelnde Freude an der Arbeit ins Feld und überraschte mich damit etwas.
Er solle es geniessen, solange er noch eine Wahl treffen könne, irgendwann müsse er nehmen was er kriegen kann, oder erwische sich – schon die besten Jahre überschritten – dabei, stets dem Unerreichbaren nach zu eifern. Was hat zwei Daumen und ist Beweisstück A?
Ob dies dann altersmässig begrenzt sei, wollte er daraufhin wissen.
Und einmal mehr konnte ich meinen Vortrag halten.
Sein Six-Pack gereiche ihm genau noch zwei Jahre als Frauenmagnet, ab dreissig zähle nur noch seine Brieftasche.
Er könne sich weiter schinden, um mit optischen Reizen eine Frau in ein Gespräch zu verwickeln, doch was immer er hernach ins Felde führt, so es nicht auf ein fettes Bankkonto hinaus führe, wäre jeder bezahlte Drink einen Eimer Wasser in den Rhein gekippt.
Der arme Junge wurde zusehends desillusioniert, was mich nur noch mehr motivierte.
Gesetztere Frauen hätten ihren Reiz, führte er ins Feld.
Dies sei eine Ansichtssache, gewiss könne er sich jedoch sein, so sie die dreissig überschritten hat, hört sie nur die tickende Uhr und über kurz oder lang würde sein swingendes Junggesellenleben durch ernsthafte Gespräche über Zukunft und Familie einen empfindlichen Dämpfer erfahren und so er die Gespräche nicht mit der von ihr erwarteten Ernsthaftigkeit führe, oder gar einen Einwand gegen diese weitreichenden Pläne ins Feld führe, könne er nur noch hoffen, dass er nicht zusehr an ihr hänge, denn die rastlose Uhr triebe sie schneller von dannen, als er Tic-Tac sage.
Junge Frauen stehen auf ältere Männer, griff er nach dem letzten Strohhalm.
Nun, auch dies sei wieder eine Frage des Geldes. Junge Frauen stehen auf die lockere Brieftasche ohne sich weiter Gedanken zu machen, ältere Frauen auf Pensionskassen und gut bezahlte, gesicherte Jobs.
Wohl, im bleibe wohl nichts anderes übrig, als noch zwei Jahre zu geniessen, worauf ich ihm nur beipflichten konnte.

Bisweilen denke ich, einen Ring an den Finger zu stecken wäre eine gemütliche Sache; Himmel würde ich mich gehen lassen.
Stattdessen schindet man sich und legt mitten im Dezember, gar während der Samichlaus seine Tour macht, eine Gesundheitswoche ein. Da letzten Endes sowieso die Brieftasche zählt, ist es wirklich verlorene Zeit.
Aber etwas stolz bin ich schon auf mich. Das Tagesziel, dem Körper nicht mehr als 1300 kcal zu schenken, bei einem berechneten Verbrauch von  – ohne zusätzlichen Sport – 2700 kcal muss langfristig zum Erfolg führen. Gesundheitswochen sind nicht auf sieben Tage beschränkt; Vor zehn Jahre schaffte ich es, mich sechs Monate von vier Scheiben Brot und einem Eiweiss-Shake pro Tag zu ernähren. So diszipliniert, dass ich bisweilen gar bei gemeinsamen Abendessen in öffentlichen Lokalen, an einem Glas Mineral nuckelnd der begleitenden Dame beim Verspeisen ihrer Pasta zusah. Dass ich in dieser Zeit nicht nennenswert abmagerte, zeugt einmal mehr davon, dass mein Stoffwechsel der Wissenschaft nicht vorenthalten werden dürfte.
Diese Woche bin ich ordentlich auf Kurs, obwohl ich täglich eine grosse Schale voller Erdnüsse, Mandarinen, Lebkuchen und Schokolade mehrmals passieren muss. Und gar heute, als ich ich mit einem Schokoladenikolaus bedacht wurde, ass ich genau 46 Gramm davon und verzichtete auf das Abendessen. Nun, die 46 Gramm waren der erwähnte Kopf und das Abendessen hätte aus einer Büchse Thon und einem Löffel fettreduzierter Mayonnaise bestanden, kein tragender Verzicht, aber dennoch, ein Paradebeispiel an Disziplin.
Beinahe wurde ich ein Opfer des Osterhasen-Effektes.

Iss zwei Tafeln Schokolade. Jetzt gleich.
Macht kein normaler Mensch, welcher nicht gleich am verhungern ist. Etwas naschen, eine Reihe oder zwei, dann ist auch gut.


Nun, besagter abgeknabberter Kopf entspricht einer halben Tafel Schokolade. Ohne überlegen hätte ich den Rumpf auch vernascht, danach den Nikolaus beiseite gestellt, weil sich das Gewissen gemeldet hätte, und kurz darauf mich über den Rest her gemacht, ist ja schliesslich Samichlaus-Tag.
Und schwupps hat man zwei Tafeln Schokolade verputzt, ohne sich nennenswert vollgefressen zu haben.
It’s magic!

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Fail-Compilation November 2012 by Twister Nederland TNL

Da kein youtube-Channel mehr vorhanden ist, den Code freundlicherweise ausgeliehen.
Nichts desto trotz gehört das Video twisternederland.nl.

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