Wehret den Anfängen, Pink stinkt

Eine geschlagene Woche glänzte ich durch Abwesenheit.
Ich war einfach zu beschäftigt, mich einem Blog-Eintrag zu widmen.

Fühlten sie sich auch schon durch Werbung sexuell belästigt oder diskriminiert?
„Es werden momentan zuviel Produkte mit sexueller Attraktivität verkauft“, so Stevie Schmiedel – gut für den Namen kann keiner was – in Bezugnahme auf den Billig-Spot von Micaela Zahnseide Schaefer und Beinahe-Adoptiv-Prinzessin Gina-Lisa Lohfink.

Als ich den Spot das erste Mal sah, dachte ich, witzige Idee, aber wohl eine rechtliche Grauzone. Ich guckte nicht so genau hin, die Frauen sind in ihrer Billigkeit reizlos, in der Annahme, dass die Porno-Sternchen hier imitiert werden. Dementsprechend war ich etwas perplex, als ich aus der Boulevardpresse erfuhr, dass die beiden Laufmädchen aus Heidi’s Modelshow (wie viele Next-Topmodels in einer Generation kann es eigentlich noch geben?) sich selber spielten.
Was für ein nette Selbstironie, welche den Silikonen auf den Bikini geschrieben wurde.

Für einen Mann ist damit das Thema erledigt. Vielleicht noch ein paar Beteuerungen auf dem heimischen Sofa, dass man eben nur ganz zufällig in die Richtung des Fernsehers schaut, so die Redcon-Werbung über den Flat ruckelt.
Nicht aber für die Damenwelt.
Den jungen Mädchen würde das Bild vermittelt; Was immer man macht, hauptsache billig wirken. Zudem steht auf dem Zunkunftswunschzettel der Mädchen nicht mehr Kanzlerin, Ingenieurin oder Juristin, sondern Topmodel und dies gelte es auszumerzen.
Ansichtssache, aber mich deucht, die Frau Stevie Meriel Schmiedel beleidigt die Intelligenz besagter junger Mädchen, oder will sie tatsächlich sagen, Männer alleine hätten die Fähigkeit, zwischen vorgegaukelter und realer Welt zu unterscheiden?
Nach einem Werbeblock muss ich feststellen, ich habe weder Matthew McConaughey’s Six-Pack aus der Boss-Werbung, lebe nicht die heile Familie des schlafenden Nutella-Mannes, an meiner Wenigkeit versagt gar der hochgelobte Axe-Effect, kann erst Waschmaschinen bedienen, seit es die einfachen Taps gibt und so ich Kinder hätte, würden sie sich an der Edeka-Theke erkundigen, welche Mahlzeit man bei der Zubereitung nicht verhauen könne, weil eben der Papa kocht. Idiotensicher, sei die Zubereitung eines Entrecotes.
Grund genug mir einen Strick zu nehmen. Im Prinzip.
Männer dürfen in der Werbung diskriminiert werden, weil es sie einfach nicht juckt.

Vielleicht würden sich Frauen auch nicht daran stören, doch glücklicherweise gibt es Organisationen wie pinkstinks, welche die Damenwelt ermahnen, dass es nicht normal sei, wenn Werbung zu stereotypisch auf Frauen abzielt.
Wie die rosa Kinderüberraschungen – welche angeblich durch den Einfluss von pinkstinks wieder aus den Regalen verschwunden war – deren einziger Fehler es war, dass sie durch die rosa Farbe Mädchen ansprechen sollte.
Mädchen-Playmobil, Mädchen-Lego, Hello Kitty… Alles böse, denn alles zwänge Mädchen in eine Rolle. Mädchen würden sich diese Sachen niemals wünschen, aber sie werden durch die Medien dazu gezwungen! Dann spielen sie mit den Figuren und werden magersüchtig, weil sie die Masse eines rosa Legomännchen haben möchten.

Ich war von einer Woche mehr als erleichtert über die Mädchenkollektion von Lego, habe mein Patenkind beschert und um das Fass zum überlaufen zu bringen, hat das kleine Mädchen Freitags gar noch den Playmobil-Adventskalender erhalten.
Gut habe ich keine Kinder; Meine einzige Sorge bisher wäre, dass der Sohn nicht beginnt mit Puppen zu spielen, nun müsste ich gar noch auf die Spielgewohnheiten des Mädchen achten und bewusst Gefahr laufen, eine feministische Kampflesbe gross zu ziehen.
Frucht meiner Lenden.

Und dann diese C&A-Werbungen mit den Damen in Dessous. Frau Schmiedel sieht nicht die Spitzen sondern nur die Ware Frau, welche da verhökert würde. Oh, ich kann mir lebhaft vorstellen, wie sich der Mann und die drei Söhne an den Dessous-Models stören.

Zu guter Letzt traumatisiert die Frau Schmiedel auch noch ihre Tochter.Mutter des Jahres, in der Tat, und die goldene Ananas für besondere Leistungen in Erziehungsfragen. Gott behüte, dass ich meine Mutter in den Himmel lobe, aber ihr wäre gewiss eine schöne Geschichte dazu eingefallen, was eine Wanderhure wäre.
Mein Vater hätte mir wohl ein Lexikon in die Hand gedrückt.

Die ganze Sache ist etwas aus dem Ruder gelaufen, hat mehr Raum als beabsichtigt in meinem Blog beansprucht.
So ihr noch etwas Zeit habt, guckt doch bei RTL rein.Bei 0:25:35, in etwa, bezeichnet Katja Burkhard ,der Pudel am Mittag, aus dem Off die Kesha als „so eine Schlampe, oder?“

 RTL now

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Wort zum Sonntag; Schlafhausen und deine Lokale

Kürzlich suchte ich des Abends einmal mehr Betriebe der regionalen Wirtschaft im Bereich Verköstigung und Tranksame auf.
In der Schweiz nennt man dies landläufig, ‚in den Ausgang gehen‘, ’steil gehen‘ so man es etwas exzessiver zu begehen denkt, oder ‚eis go zieh‘ was von einem Tête-à-tête bis zu einem Feierabendbier alles beinhalten kann und eher den kleinen geselligen Rahmen über einen begrenzten Zeitraum beschreibt, für gewöhnlich unter der Woche, im Hinblick auf den anstehenden Arbeitstag. Bezüglich des Schluckes nach Feierabend unterscheidet man je nach Berufsgruppe zwischen Feierabendbier und After-Work-Party, einerseits in der Wahl der Lokalität, andernseits hinsichtlich des Dress-Codes. Meine Wenigkeit gehört da in die Clientel des Feierabendbiers und ich bin nicht unglücklich deswegen, da ich sonst in eine kleidungstechnische Verlegenheit geraten würde, ich doch nicht wüsste, wie ich im obgenannten Ausgang neue Akzente setzen könnte, wenn ich schon für das Feierabendbier –  respektive, in diesem Fall wäre es ja eine After-Work-Party – Esprit anstelle von Mascot tragen würde.
Das Feierabendbier dient dazu, den Arbeitsalltag aufzubereiten, zwischenmenschliche, arbeitsbedingte Risse wieder zu kitten und den neuesten Klatsch auszutauschen. Wie sagte schon Robert – welches Schweinderl hätten sie denn gern – Lembke; „Es gibt Psychologen, die in einer kurzen weissen Jacke arbeiten – hinter einer Bar“. Meine Psychologe wäre daher weiblich, irisch, in bunten XXL-Überwürfen und pflegt die Meinung, es gibt kein Problem, dass grösser als ein Guinness wäre und dafür mag ich sie.

So begaben wir uns also Freitag Abend in den Ausgang. Man ist bemüht, sich adrett zu kleiden, richtet sich die Haare, Frauen – gewiss auch einige Männer – legen Make-Up auf; Alles nur, um sich selber zu gefallen und sich wohl zu fühlen. Da ist schon etwas dabei, natürlich ist es dem Wohlfühlfaktor nicht abwegig, so man ein Kompliment erhält.
Sprach ich kürzlich mit der Ehefrau eines Bekannten, welche mir bestätigte – als wäre es das Selbstverständliche der Welt und dennoch wird es stets vehement bestritten -, dass der eigentliche Zweck eines ‚Frauenabends‘ sei, den eigenen Marktwert zu ermitteln. Ihr sei sehr daran gelegen, da sie letztendlich für ihren Gatten attraktiv bleiben möchte. Daraufhin stellte ich die Frage in den Raum, ob ihr Marktwert dadurch bestimmt würde, wieviel Männer sich bemühten ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, oder wenn wir etwas weiter auf das Land gehen, sie anfrästen. Es ist unglaublich, dass man mit Ausdrücken wie ‚e heissi Chatz afrääse‘ einen Kontakt herstellen kann und trotzdem pflanzen sich die Landbewohner fort wie die Karnickel.
Die Dame gab unumwunden zu, dass mit diesem Faktor der Marktwert ermittelt wurde und bestätigte, dass dahingehend eine klassische Rollenverteilung vorherrschte, der Mann hätte um die Frau zu werben und nicht umgekehrt, worin wir uns einig waren.
Hier liegt doch der Hase im Pfeffer.
Die Damen pflegen also einen Frauenabend auszurichten, werden von fremden Männern angesprochen und kehren mit einem guten Gefühl nach Hause zurück. Dies finde ich absolut in Ordnung, würde es mir schmeicheln, so die Frau meines Herzens anziehend auf andere Männer wirkt – nicht zuletzt streichelt es mein Ego – und so man respektvoll und mit Anstand einer Dame die Aufwartung macht, erkenne ich nichts verwerfliches darin.
Die Problematik; Wird eine vergebene Dame umworben ist dies legitim, pflegt der gebundene Mann einen Herrenabend auszurichten und wirbt um andere Damen, nennt man dies verwerfliches Tun. Doch wie will denn nun der Mann seinen Marktwert ermitteln – um weiterhin für seine Partnerin attraktiv zu bleiben – so er wegen eben dieser Beziehung keine anderen Frauen ansprechen darf, selber jedoch aufgrund der klassischen Rollenverteilung nicht angesprochen wird.
Einmal mehr scheinen uns die Urtriebe das Leben schwer zu machen; Wie die Dame den gut betuchten Mann – = Sicherheit – sucht, ist es des Mannes Urtrieb, seinen Samen möglichst weit zu streuen.
Hüben wie drüben fällt man wohl steinzeitlichen Klischees zum Opfer.

Die Situation ist etwas komplex, an sich hätte ich mich um solche Sachen zu kümmern, bin jedoch eher dürftig motiviert. Man könnte sagen, gebunden ohne vergeben zu sein, es ist mehr eine Herzenssache, denn ein gehaltloses Versprechen. Hat man einmal ein grosses Goldnugget gefunden, ist die Motivation, weiterhin nach Silber zu schürfen eher gering und sprechen wir offen; Schliessend daraus, was an der Oberfläche herumliegt, könnten weitere Bemühungen im besten Falle Eisenerz zu Tage führen. Natürlich, würde das Gold auf dem Mars in dreihundert Meter Tiefe verbuddelt liegen wäre es kaum unerreichbarer, als hier, wo es beinahe greifbar vor mir liegt; Dies ist eine Ironie des Schicksals und für mich keinerlei Argument, nach Geringerem zu streben.
Das kurzzeitige Betrachten eines schönen Gemäldes im Louvre, kann einem zweifelsohne die grössere Freude bereiten, als die Macramé-Eule im heimischen Wohnzimmer. Erfüllung geht nicht mit Besitz einher.

Nach dem obligaten Besuch im Güterhof, entschlossen wir uns aufgrund der mangelnden Stellgelegenheiten für unser Bier, nach dem Vorschlag des geschätzten Kollegen, wieder einmal den Cuba-Club aufzusuchen.
Diese Lokalität berücksichtigte ich schon länger nicht mehr, was ich in Erinnerung hatte war die eher ländlich geprägte Clientel und eine Fumoir-Wand, welche sich so oft verschob und der Club so oft den Namen wechselte, dass man Gefahr lief, nach einem Toilettenbesuch in einem anderen Restaurant wieder aufzutauchen.

Der Toilettenbesuch. Ein Abenteuer für sich; Hat man sich durch die Massen geschoben, gezwängt und gedrückt, landet man zwischen Küche und Bar in einem Séparée, welches hinter einer, jeglicher Schliessvorichtungen entbehrenden, Schwingtüre neben zwei Urinalen auch eine handelsübliche Toilette enthält. Nun würde es mir nicht einfallen, klammern wir einmal die ultimative Notsituation wie eine klassische Fondueüberfressung im Güterhof aus, in einem öffentlichen Lokal den grossen Abtritt zu pflegen. Wenn doch, dann bin ich doch sehr um Privatsphäre bemüht, am liebsten ein gemauertes Toilettenhäuschen mit richtiger Türe und Entlüftung. Nicht diese zwei Meter hohen Verschalungen, unten auf Distanzbolzen und gegen die Decke offen, welche weder Geruchsemissionen noch Geräuschkulissen Einhalt gebieten. Wenn ich, um die Geschichte abzurunden, noch unsere Firmentoilette hinzufügen darf, welche während der Mittagszeit gut besucht wird. Man sitzt, liest 20min oder spielt Angry-Birds, während, abgetrennt durch zwei Zentimeter Holz, über den ganzen Zeitraum hinweg, jeder der gefühlten fünfundzwanzig Auszubildenden sein Tellerchen und Becherchen ausspülen geht. Wie will man da zu einem vernünftigen Abschluss kommen.

Also, wir waren im Cuba-Club, wo man also während der Sitzung jeden Urinalbesucher per Handschlag begrüssen und nebenbei bei jedem Öffnen der Tür seinen Kollegen an der Bar zuwinken konnte.
Mittlerweile standen drei Urinale darin, das Klosett war verschwunden, doch für Trennwände zwischen den Schüsseln hatte es nicht mehr gereicht. Nicht, dass ich mich verstecken müsste – harr harr harr – aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass stets ein Urinal zwischen den Urinierenden unbesetzt bleibt, so ein Schwarzer dort steht, nach Möglichkeit zwei, was nichts mit Rassenhass am Hut hat, es geht lediglich um den Schutz des eigenen Egos und gereicht dem Farbigen zur Ehre. Hier jedoch schienen diese minimalen Richtlinien über den Umgang mit Menschen keine Bedeutung zu haben, und in einer Gspürsch-mi-Umgebung, Schulter an Schulter, stellten wir unser Bier ins Urinal.
Das Becken zum Händewaschen besticht immernoch durch seine kompakte Bauform, ein Schwall Wasser auf der Hose beinahe nicht zu vermeiden. Die Reinigungsstelle wurde jedoch durch ein, an einer Kette hängendes Deodorant aufgewertet, was wohl ein Resultat der rauchfreien Lokalität ist.

Das Fumoir befindet sich im Bereich der Spielkästen und Dartscheibe, ein Holzverschlag mit plexiglasverkleidetem Guckloch.
Die augenscheinlichste Neuerung fand sich jedoch hinter dem Tresen. Wohl kann ich mich nicht entsinnen, jemals vor oder hinter der Bartheke einen Blickfang erhascht zu haben, aber von vier Männern bedient zu werden befremdet schon.
Mit ungepflegtem Äusseren in verschwitzten T-Shirts versuchen sie sich als Brian Flanagan, alias Tom Cruise, und lassen Gläser wie Flaschen durch die Luft wirbeln. Man muss ihnen zugute halten, dass sie die zu Boden fallenden Gläser – immerhin 75 Prozent der wirbelnden Behälter – gleich in die Spülmaschine packten, aber nach dreissig Minuten fühlte ich mich Alkohol getränkt wie ein Whiskeyhuhn und hätte dem schnüffelnden Herrn Schutzmann wohl des langen und breiten erklären können, ich hätte nichts getrunken.
Vor mir sprühte also der breit grinsende Quadratschädel Spirituosen durch das Lokal, hinter mir wurden innert fünf Minuten drei Gläser Bier über Tisch, Boden und Beinkleider ausgegossen. Ebenfalls von einem Herrn Polizist, in Zivil mit einem roten Drink in der Hand.
Im Allgemeinen scheint das Lokal immernoch der Place to be für Leute unterhalb Beringens zu sein, daher wurden wir angegafft, wie die Leute von einem anderen Stern. Nichts desto trotz bot es kurzweilige Ablenkung; Der grinsende Tänzer in rot, welcher abging wie Schmidts Katze auf Speed, oder das Weibsbild zu meiner Linken, welche zum klassischen Anfräsopfer des Herrn Polizisten Bollinger – ups – wurde, dessen Balzgebaren sich durch wiederholtes Stupsen mit dem gestreckten Zeigefinger auf der gesamten Körperoberfläche der Damen manifestierte. Solange sie es mit Lachen und Quieken quittierte, führte er seine Annäherungsversuche fort und sie quiekte lange, was unweigerlich auch mir den ein oder anderen Stupser einbrachte. Beim ersten lachte ich nicht, beim zweiten quiekte ich nicht aber beim dritten setzte es einen gestreckten Faustschlag in seine Kauleiste.

Natürlich nicht, aber etwas nervig war es schon.
Daher überlegten wir uns, ob man die Tour de Schaffhausen noch via Hänger-Domino und Sardinendose-Tabaco weiterführen sollte, oder ob heimische Gefilde aufzusuchen wären.
Wir kamen zum Schluss, dass der Nostalgie genüge getan war und beschlossen den lustigen Abend.

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Wunderbare Arbeitswelt

Noch nicht lange her, referierte ich über die peinlichen Seiten meiner Arbeit. Nun gut, wohl arbeite ich, was mich geringfüg von den Neuhauser Herrschaften abhebt, welche täglich zwei Dosen Bier und eine Packung Marlboro beim Grossverteiler – dem mit dem Alkohol – erstehen und selbige vor dem Eingangsportal zwischen Packungen voller Torf-Erde und den Setzlingen zu sich nehmen.
Nun, zumindest planen sie den Tag selber.

In meinen Schmutzklamotten war ich in den Landi-Arbeitsschuhen wieder einmal am Strassenrand zugange. Nicht irgendein Strassenrand, nein, an der einzigen Verbindungsstrasse in den Klettgau, an der Kreuzung, an welcher jeder Klettgauer eine halbe Stunde seines Tages verbringt, die Strasse, welche wohl neunzig Prozent meiner Bekannten befährt.
Nicht genug, dass ich dort wie das Mädchen mit den Schwefelhölzern in einer Wasserlache stand; Plötzlich waren auch die Sicherheitsvorschriften von Belang, also wurde mir eine Leuchtweste übergezogen, ich schimmerte wie die schönste Bordsteinschwalbe im Xenonlicht der passierenden Autos.
Mit leichtem Tunnelblick ignorierte ich alle vorbeifahrenden Autos, doch gar heute, nahezu eine Woche danach, wurde ich von völlig Unbekannten im Fitnesscenter auf meine unglaublich schicke Leuchtweste und dem Knien im Dreck angesprochen.
Meine Vorstellung – Doktor Jose Rodriguez, Chirurg im Kantonsspital – kann ich wohl nicht mehr bringen.
Dafür lernte ich ein neues Berufsbild kennen.
Neuhauser Verkehrskadett.
Auf ihren Jacken steht wohl Polizei, aber ein unbewaffneter Pseudo-Schutzmann ist entweder Inspector Columbo – Friede seiner Asche – oder eben ein Verkehrskadett.Dieser erschien, um einen schmalen Streifen der Strasse verkehrsfrei zu halten, dass mir keiner über die Beine fuhr, so ich mit dem Oberkörper in einem Schacht verschwand.
Mich deuchte, es war Herr Meier der im Opel Zafira ohne Blaulicht auf dem Dach heranfuhr. Herr Meier mag Ortsansässigen ein Begriff sein, er lehrte uns im Kindergarten die Strasse überqueren, inspizierte in der Primarschule unsere Fahrräder, nahm uns die Fahrradprüfung ab – Theorie fünfzehn Fehler, praktische Prüfung null, ich war damals schon dumm wie Brot – und wurde erst in der Sekundarstufe durch den Dorfpolizisten ersetzt, welcher uns weismachte, dass der Joint eine Einstiegsdroge war und unweigerlich zur Nadel führte. Meine Wenigkeit wuchs auf dem Lande auf, bis zum zwanzigsten Altersjahr dachte ich wirklich, Joints seien böse.
Wohl müsste der Herr Meier heute etwa 90 Jahre alt sein, aber richtig alt wird man beim Staat wohl nicht, er schien noch unglaublisch frisch.

Da wir bereits eine Stunde untätig am Strassenrand standen hatte ich mittlerweile kühle Zehen, und anerbot mich zum freiwilligen Aufstellen der Sperren.
Da bin ich dem Herrn aber ordentlich auf die lackierten Fretzman getreten. Dies sei eine heikle Aufgabe, dies erledige er besser selber.
Mit Elan flogen die Pylonen aus dem Heck des Zafira, dazu noch ausgefeiltere, klappbare Markiersäulen, welche er mit geübtem Griff grob platzierte.
Anschliessend folgte die Feinjustierung. Millimeterarbeit par excellence, passgenau wurde der Stellplatz der Säulen an die unterschiedlichen Fahrzeugbreiten angepasst.
Wir bräuchten nicht soviel Platz, wagte ich einzuwenden. Doch, doch, doch…
Er brauchte in etwa fünf Minuten um festzustellen, dass es keinen Sinn macht, nach jedem Lastwagen die Breite der Fahrbahn dem folgenden Fiat 500 anzupassen. Als er mit seiner Arbeit zufrieden war, schlug er sich die Zeit mit einem Spaziergang tot.

Eine tolle Arbeit!

Doch bin ich für die Polizeischule schon zu alt, zudem würde mich mein Vater wohl enterben, so ich ein unformierter Wegelagerer würde.
A propos, der Herr Bundesrat Schneider-Ammann sprach letzte Woche zur Stellung der Berufsbildung in der Schweiz. Irgendwo da Zwischendrin, ich frage mich, was es da zu referieren gibt.
An und für sich hätte ich gerne zugehört, angesichts der hundert Zuhörer hätte ich offene Türen eingerannt, aber erstens sah ich das kleine Inserat erst am Morgen des besagten Tages in der Zeitung und zweitens wurde der Anlass von den KV-Schulen ausgerichtet. Nichts für einen dummen Handwerker.
Einer nachfolgenden Berichterstattung entnahm ich, wie unglaublich wichtig eine Berufslehre sei, aber heute unabdingbar, eine weiterführende Schule zu besuchen, so man nicht als jammernder Blogger von fünfundreissig Jahren enden möchte, nur noch einen Anruf von der Anschaffung einer Katze entfernt, um auf sechs Beinen in den Lebensabend zu wanken.
Wahre Worte Herr Bundesrat, aber einmal mehr frage ich mich, was soll der unsinnige Umweg über die Berufslehre. So ein Kleinkind mit 10 Monaten bereits zu gehen beginnt, drückt man es zu Boden und erklärt, es hätte erst noch 4 Monate auf Knien zu kriechen? Die Dauer des Krabbelns sind reine Annahmen, ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, wann ich meinen ersten Schritt machte.

Ooooooooooh

Im Nachhinein ist man immer klüger, in meinem gesetzten Alter stelle ich fest, ein Tick mehr Aufmerksamkeit in der Schule, hätte das Leben vielleicht nachhaltig verändert.
Nach meinen sonntäglichen Google-Recherchen – Foren wie ‚Willkommen am Ende des Lebens‘, ‚Halbzeit und noch nichts erreicht‘, ‚Das Licht am Ende des Tunnels kann auch der einfahrende Zug sein‘, oder Zukunftperspektiven wie ‚Theologe auf dem zweiten Bildungsweg‘ – stellte ich fest, dass man gar um auf die Kanzel zu stehen eine Matur haben muss. Kein Scherz, Lehrer oder Pfarrer, dies würde ich wählen, so ich noch einmal dreizehn Jahre alt wäre. Wenn ich meinen Lebenswandel anschaue, würde es wohl gar zum Priester reichen.
Jedoch, angesichts der Tatsache, dass der nächste Studiengang für Idioten ohne BM erst in zwei Jahren startet, schieb ich diesen Gedanken auf die lange Bank und halte mich an die Weisheit:

Egal wie gut du irgendetwas kannst, es gibt immer ungefähr eine Million Leute die es besser können. Und was lernen wir daraus? Man soll es gar nicht erst versuchen…

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Männer sind…

…und Frauen auch. Überleg dir das mal… Gerade weil ich es gut mir dir meine.Die Lizenz, einen Fernseher zu betreiben, habe ich beim Staat noch nicht gelöst, dennoch ergab es sich, dass ich mir heute Morgen die Sendung Kulturplatz zu Gemüte führte.
Die Sendung wirkt im Grundsatz wie die Verfilmung des Magazin.

Die Beilage der grossen Zürcher, Berner und Basler-Zeitungen.
Der Inhalt richtet sich vordergründig, meines Erachtens, an Studentinnen welche bei Regen quitschfidele Gummistiefel tragen, ihr Rad bunt bemalen, die Wohnung mit Ansichtskarten aus Madrid und New York zieren, sowie deren Pendant, der schmächtige Herr mit Ledermappe, welcher nie ohne Pullunder das Haus verlassen würde, mehreren Verbindungen angehört und das Kino-Billett mit Papas Kreditkarte löst.
In Menschen wie meiner Wenigkeit, auszeichnend durch niederen Bildungsstand, lösen Artikel, welche das Sinnieren über die Struktur der Wandtäfelung der angesagten Zürcher Ein-Zimmer-Mietwohnung hinterfragen eher depressive Empfindungen aus, da die Bilder der Kunstbanause des Gefühl vermitteln, als würde den Protagonisten zur Vollkommenheit nur noch ein Kalberstrick, sowie ein ordentlicher Haken im Deckengebälk fehlen.
Und ein pulitzergekrönter Fotograf des Magazin.

Anfügen möchte ich, dass ich dem Magazin, trotz stetem gutem Zureden meines Herrn Vaters, seit fünf Jahren keine Chance mehr gegeben habe und die Tatsache, dass ich Kulturplatz sehe, sowie die Frau Eva Wannenmacher – ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten – als sehr adrett einstufen würde, könnte davon zeugen, dass ich im Zuge des alterns meinen Horizont erweitetere. Oder einfach resigniere, dieser Gedanke behagt mir doch eher, steht die Aussage „Horizont erweitern“ doch dafür, dass man während der Jugendjahre dumm war.

Es war neu für mich, dass sich der Mann aufgrund seiner Schreibtisch-Tätigkeit als entmannt empfindet.
Aufgrund der klassischen Rollenverteilung hat der Mann, ganz seinen martialischen Fähigkeiten gerecht werdend, den Acker gepflügt, Pferde beschlagen, Häuser gebaut, Bäume gepflanzt und wieder gefällt. Und Kinder gezeugt, damit haben wir die drei Eckpfeiler des Mann sein.
Die Frau, kräftemässig dem Herren unterlegen, bestellte Haus und Hof, kümmerte sich um die Kinder und wusch die Hemden. In späteren Jahren, es kann auf der Erde nicht eins komma drei Milliarden Bauernhöfe geben, fand die Frau ihre Anstellung hinter Schreibmaschinen und – so der Kulturplatz – erwiesen sich als fleissige Tippsen sowie kommunikativ sehr bewanderte Angestellte. Dies überraschte mich dann doch, behaupte ich, Männer versteht man, ohne dass man das Nicht-Gesagte hinter der Aussage suchen muss, aber da ich in der Welt der Aktenschränke fremd bin, enthalte ich mich eines Urteils.

Der moderne Mann, Pullunder und lederne Aktenmappe, sähe sich nun also vermehrt in der Arbeitswelt der Frauen. Statt einen Nagel einzuschlagen, betätigt er die Tastatur und anstelle der Latzhosen trägt er Hemd und Pullunder. Zudem soll er genug Geld für Frau und Kind erwirtschaften, ohne zu viel zu Arbeiten, zuhause soll er die Frau unterstützen, ohne dabei das sportliche Stählen seines Körpers zu vernachlässigen, ein guter Vater sein, aber dennoch eine führende Persönlichkeit im Betrieb.
Der Mann als solches muss sich wirklich komplett neu definieren und – so der Kulturplatz – er fürchte um seine Stellung in der Gesellschaft, welche in Richtung überflüssig tendiert.

Eine interessante Ansicht, welche ich so nicht vorbehaltslos teilen möchte.
Da die Frau sich emanzipiert, ihre neue Rolle neu definiert, ist es nur kausal, dass der Mann einen neuen Platz zugewiesen erhält. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Frauen sich etwas uneins sind, wohin ihr Weg sie führen soll, was sie wollen, wie ihre Erwartungen liegen und daher dem Mann keinen Weg weisen können. Man kann das Buch nicht einreihen, so man nicht weiss, wo das Regal stehen soll.
Natürlich gibt es Frauen welche ganz genau wissen, was sie wollen. Dies schreiben sie auf Pappe, nageln selbige an einen Stock und gehen damit in eine Trillerpfeife pustend vor dem Bundeshaus im Kreis. Nur brauchen solche Frauen – vordergründig – keinen Mann und so sie diesem Feindbild eine Rolle zuweisen würden, wäre diese sechs Fuss tief in feuchter Erde, in einer horizontalen Position und markiert mit einem hübschen Stein.
Dies bringt uns nicht weiter.

Ich gehe nicht einig damit, dass ein Mann sich seiner Männlichkeit beraubt fühlt, so er statt eines Bohrhammers eine Tastatur bedient.
In der klassischen Ansicht, selbstverständlich, in der Scheinwelt des Lichtspieltheaters, wer würde wohl zum sexiest Man alive gekürt werden, wer würde die Frauen zum Kreischen bringen und sie in ihren Träumen besuchen?

Nun spielt das Leben jenseits der Leinwand und dahingehend kann man wohl alle Bürogummis beruhigen.
Nicht der Umfang des Oberarms macht einen Mann sexy, sondern die Ausbuchtung an der rechten Gesässtasche. Die Männlichkeit wurde bereits neu definiert, das Bankkonto ist das neue Sixpack und dreihundertvierzig Tastananschläge die Minute erotischer als der härteste Axthieb.Pro Ster Holz brauche ich im Schnitt einen Spalthammerstiel – Fr. 7.50.- bei Coop -, dies nur am Rande.

Dahingehend möchte ich der Frau keinen Vorwurf machen, dies ist eine rein natürliche Haltung, eben weil sich das Bild geändert hat.
Kann ein Mann mit eigenen Händen ein Haus bauen, ist dies ganz nett, kann er mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegen, ist dies nett bis verwerflich und hat er die Konstitution eines Grizzly-Bären ist dies hübsch anzuschauen und nett für die Krankenkasse.
Aber nicht mehr wert, da dies in Zeiten in welchen wir leben, das Überleben einer Familie keine halbe Stunde sichert.
Kann ein Mann mit ein paar Mausklicks Geld scheffeln, sich elegant in Lackschuhen bewegen und stets Leute abbestellen, welche für ihn die Arbeiten erledigen, ist dies die neue Männlichkeit.
Denn dies sichert heute das Überleben von Frau und Familie.

Tragisch? Nein, Evolution. Die Menschheit tut sich einfach schwer, dies einzusehen. Und so am 21. Dezember die Welt untergeht, oder sich die Supermächte ihre Nuklearsprengköpfe in die Vorgärten schiessen, wird wohl wieder eine andere Männlichkeit gefragt sein.

Doch nicht nur der Verlust der Männlichkeit bewegt die Gemüter; Gemäss neuesten Angaben befürchtet der Mittelstand in die Unterschicht abzusinken.
Zur Mittelschicht gehört man, wenn in einem Zwei-Personenhaushalt 67’000 Franken Einkommen verzeichnet werden, ab 87’000 Franken zählt man zum mittleren Mittelstand, ab 111’900 zum oberen Mittelstand und so jährlich über 149’100 Franken reingespült werden, darf man sich in der Oberschicht beheimatet fühlen.
Nun stiegen die Löhne der Unterschicht in den letzten Jahren prozentual um das Doppelte gegenüber der Mittelschicht und die der Oberschicht beinahe um das dreifache.
Die Reichen, an welchen sich der Mittelstand orientiert, ziehen stetig davon, man spricht vom Regenbogenpress-Effekt, da man über das Leben der Supperreichen stets in Kenntniss gesetzt wird.
Dafür nähern sich die Proleten immer mehr dem hübschen, weissen Gartenzaun.
Nicht nur die, wenn man beobachtet, welche Häuser Leute mit Migrationshintergrund, der deutschen Sprache kaum mächtig, in die Landschaft stellen, kann man sich schon bedroht fühlen, so sich das Ego auf das Bankkonto stützt.
Man kann keinen Nagel gerade in die Wand hauen und in Sachen Wohlstand grenzt man sich auch nicht mehr klar vom Proletariat ab; Da kann es mit der Männlichkeit in der Tat kritisch werden.

Erschreckender daran finde ich, dass der untere Mittelstand in der heutigen Gesellschaft kaum überlebensfähig ist.
So am Radio Munot-Stammtisch gehört, welcher eine Familie mit einem Einkommen von monatlich 6000 Franken und zwei Kindern als Beispiel hervorhob. Ohne Rückvergütung von Krankenkassenprämien, hätte eine solche Familie gerade genug, um die Mäuler zu stopfen.
Wo soll das hinführen? Um sich Kinder zu leisten, muss man dem mittleren Mittelstand angehören, alle anderen gehören von Rechtes wegen Zwangssterilisiert? Führe ich jedoch ins Feld, dass die Erfüllung des Wunsches nach Familie eine reine Budgetfrage sei, werde ich von hüben und drüben für meine rationelle Denkensart scharf kritisiert.
Ein weiterer Wandel, welchen die Gesellschaft nicht wahrhaben will. Es gilt keinen Hof mehr zu bewirtschaften, es sind keine Kinder mehr notwendig, welche einem im Alter pflegen. Familie und Kinder sind ein Luxusgut und wer sich dieses leisten möchte, der stellt am besten schon in der sechsten Klasse die Weichen richtig, wenn sich entscheidet, ob er die Oberstufe besucht.

Eine gewisse Ironie; Nichts ist günstiger, und angeblich schöner, als die Zeugung eines Kindes und dennoch gilt es von Verstandes wegen, diesem urnatürlichem Trieb der Gesellschaft wegen zu entsagen. Doch, die Menschheit hat sich mit ihrer Zivilisation hervorragend entwickelt.

Tragisch? Irgendwie schon; Wird doch aus dem ursprünglichen Erfüllen eines Herzenswunsch der Paare ein knallhart kalkuliertes Geschäft, andernseits auch eine Folge des Wandels, sprich; Man muss es einfach hinnehmen.
Sieht der Staat seine Zukunft wirklich im Nachwuchs, wären Kinder zu subventionieren, aber erstens geht das Bestreben eher in die Richtung, die Oberschicht mit Zuzügern aus dem Ausland aufzustocken, als den ungebildeten Nachwuchs von Handwerkern zu fördern.
Zudem liegt der Hund darin begraben, dass es selbst der dümmste Prolet schafft, sich fortzupflanzen und wir bald Fliesentischverhältnisse hätten, würde der Staat dies finanzieren.

Frauen haben auch ihr Gutes.

 

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C-Alarm bei Familie S.

Nun würde ich nicht behaupten in einem Reinraum zu leben, aber ich gehe doch wöchentlich mit meinem Saublaser Heinzelmann durch.
Da ich mich nicht rühme, öfters Besuch zu empfangen und so sich eine etwaige Beehrung abzeichnet dazu neige mich unter der Treppe zu verstecken, mag man die ganze Aktion in Frage stellen, doch unverhofft kommt oft und daher bin auch stets um ein ordentlich gereinigtes Bad bemüht.
So dann in der Küche vielleicht auch das Geschirr verräumt ist, sei es nur im Geschirrspüler, und die Kaffeemaschine nicht aussieht als würde sie regelmässig im heissen Brühgetränk getaucht, wäre man schon in der Lage, eventuellen Besuch zu bewirten.
Unter Umständen gar an einem Tisch, welcher mehr als nur eine winzige Stellfläche auf der Titelstory ‚Maja Brunner gewinnt den Grand Prix der Volksmusik – Topaktuell und exklusiv nur in ihrer Schweizer Illustrierten‘ anbietet. Einmal kurz durchgewischt und schon klebt auch der Unterarm nicht an der Tischplatte fest.

Es ist ein kleines, sollte man denken, und dennoch betrete ich immer wieder Häuser und Wohnungen, nach welchen ich mir am liebsten die Haut in Streifen abziehen möchte. So auch jetzt, als ich diese Zeilen verfasse, bringe ich den Geruch der Leber an Zwiebeln vom Montag, dem Katzenklo in der Küche und der Frischwasserabneigung von Frau S. nicht aus der Nase. Gepaart mit einer gesunden Aversion gegen Frischluft, betritt man ein Ambiente, so ich behaupte, dass im Vergleich dem Herrn Howard Carter aus der Grabkammer von Tut-Ench-Amun die reinste Febreze-Brise entgegenwehte.
Dreh-, Angel- und Lebenszentrum scheint das Wohn- Schrägstrich Esszimmer zu sein, da ich unter den fünf Katzen und der gesammelten Altpapiersammlung des Dorfes ein Möbelstück vermute, welches einem Tisch nicht unähnlich sehen würde. In unmittelbarer Pupillen-Killer-Distanz dazu, eine immens grosse Staubflocke, welche sich dadurch von Artgenossen abhebt, dass ihrer Mitte ein Fernsehbild entspringt.
Selbiges erfährt eine Änderung, so man an einem zerkauten – und dies obwohl kein Familienmitglied mehr Zähne hat -, cola-getränkten und Chips-Patiniertem länglichen Stück Kunsttoff – im Fachjargon Fernbedienung – eine der drei verbliebenden Tasten betätigt.

Es gibt nichts ekligeres als Fernbedienungen. Viele würden sagen Geld, Toilettensitze oder trübe Gläser, aber nein, es sind Fernbedienungen. Da niessen die Leute drauf, die nehmen sie mit Schmutzfinger zur Hand, essen kleckert darüber, der Hund spielt damit, sie rutscht in die Sofaritze und so der Junior zwischen seinen Adult-Entertainment-Kanälen umschaltet, brauche ich nicht Horatio Caine’s UV-Licht um die Spuren von etwaigen Körperflüssigkeiten zu finden.
Es wäre gar unhöflich, demonstrativ mit klatschendem Geräusch einen Latexhandschuh überzuziehen, aber den Wunsch kann ich nicht verleugnen. Während dessen geht die Kundschaft auf Tuchfühlung, eine leicht feuchte Aussprache lässt jeden Luftbefeuchter alt aussehen und ich werde über die Mängel der technischen Funktionen in Kenntniss gesetzt. Körperkontakt zu fremden Menschen ist mir seit jeher unangenehm und ein zaghaftes Luft schnappen – ich bemühe mich ganz flach zu atmen – verrät mir, dass der regelmässige Gebrauch von Zahnbürsten im Hause S. eher leger gehandhabt wird.
Die Aufforderung Platz zu nehmen schlage ich höflichst aus und bewege mich weiterhin mit der Grazie eines John Travolta durch das Haus, um jegliche Kontamination mit Einrichtungsgegenständen oder Personen auf die Sohle meiner Caterpillar zu beschränken.

Man kann sich winden und tänzeln wie man will, einem ordentlichen Keimbesatz der Handflächen wird man sich nicht entziehen können. Den Kugelschreiber entsorgt man danach, keine Frage, aber das Lenkrad, die Türgriffe, das Handy… Es gibt kein Entrinnen. Wohl bin ich mit einem gesunden Immunsystem gesegnet, aber der Ekelfaktor lässt mich würgen, so meine Gedanken die wahren Horrorszenarien durchspielen.
Der Vorteil, man gerät nicht in Versuchung, sich eine Brotzeit zu gönnen, nichts desto trotz – und dem zahnärztlichen Rat zuwider – spülte ich den schalen Geschmack mit einem Red Bull hinunter. Erst den Dosenrand mit dem T-Shirt – es ist sicher unter zwei Kleidungsschichten verborgen – gewischt und hernach mit einem kleinen, weissen keimfreien Kunststoffbeutel als Adapter die Lasche nach oben gezogen, um den Ausguss zu öffnen.
Es Bedarf etwas Fingerspitzengefühl, hält man die Dose zu fest, wird diese durch die plötzliche Druckentweichung nach dem Öffnungsvorgang leicht gepresst und die beinhaltete Köstlichkeit ergiesst sich in einem Schwall aus dem Behälter.

Reflexartig führt man die Dose an den Mund, der Zeigefinger gerät an die Lippen und die ganzen Bemühungen zunichte gemacht.

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