Neulich im Pub

So ich Abends um halb 11 auf den Bus warte, kann dies eigentlich nur bedeuten, dass ich ein paar Tropfen Alkohol im Blut mit mir führe.
Bisher äusserte ich mich eher missmutig über die 0,5 Promille-Grenze, will ihr doch zugute halten, dass sie mich – und gewiss auch Andere – zu einem vernünftigen Fahrzeuglenken ermahnt.
Da der Pub meines Vertrauens nicht direkt – dem Herren sei gedankt – an meine Arbeitsstätte grenzt, setzte der Besuch desselbigen schon eine erste Busfahrt voraus, welche mir auch den ersten Kontakt mit einem der menschenfeindlichen Billettautomaten, let-op berichtete, bescherte.
Eine Busfahrt voller Klischees.

Das Lösen des gottlos überteuerten Fahrscheins war schon ein Erlebnis für sich. Während mein Kollege lässig zwei Münzen einwarf, Schein und Wechselgeld zog, kam ich nicht umhin, meinen zum Bersten gefüllten Klingelbeutel seiner Rappen-Stücke zu entledigen. Zehn Rappen, zwanzig Rappen, bisweilen gar fünfzig Rappen. Jede dritte Münze behielt der verflixte Bastard einer mutterlosen Blechpresse gar in sich. Dabei schwankend wie die Fischer der Beringsee, hin und hergeworfen zwischen Haltestange und Broschürenständer suchte ich den Münzschlitz weiterhin zu begatten. Mangelnde Übung machte sich unweigerlich bemerkbar und bis man 2 Franken 80 Rappen – für 1,5 km Fahrt – versenkt hat, legt man gut die Hälfte der Strecke zurück.
Die andere Hälfte studierte ich den Herren auf der vordersten Bank zur Rechten, welchen man in jedem Bus findet. Es ist dieser vom “Nicht mit dem Chauffeur sprechen”-Schild gänzlich unbeeindruckte Fahrgast, welcher den Buslenker aus einem früheren Leben oder dem Dorfverein kennt und nicht umhin kommt, dem ganzen Bus zu demonstrieren, dass er sich dadurch in den erlauchten VIP-Status erhoben fühlt. Mit der Po-Ritze auf der Kante sitzend, sich am Schlagbaum der Durchgangspassage festkrallend labert er den Fahrer zu, welcher keine Chance auf Flucht hat. Jeder neu eintretende Fahrgast wird widerwillig durchgelassen, um sich gleich danach wieder mit einem Fuss in den Gang zu stellen und seine tiefgründige Diskussion über Huberts trächtige Sau weiterzutreiben.

Jede lustige Fahrt nimmt einmal ein Ende und wir standen vor einem Pub ohne Bier. Also Bier hatte er wohl schon, nur gedachte die Barmaid dies erst um 18 Uhr feilzubieten, von der Öffnung der Tür ganz zu schweigen.
Zu unserem Glück standen Stuhl und Tisch vor der Lokalität, also überbrückten wir die Zeit mit warmem Corona aus der nahen Coopfiliale.
Kein wirklicher Ersatz, so schafften wir auch nur sieben Flaschen, bis die erste Pint gezapft wurde. Wie eh und je eine gesellige, lustige und unterhaltsame Runde und wie eh und je schaffte es die gnädige Mrs. Shanahan mir dieses eine Guinness, welches man hernach bereut, auch noch aufzuschwatzen.
Nach etwas über fünf Stunden trabte ich mit meinem Salewa-Kulturbeutel sowie einer Coop-Tragetasche voller Corona zur Bushaltestelle; Meine App flüsterte mir, dass in zwei Minuten ein Bus anlegen würde, was mich etwas zur Eile trieb. Der ausgehängte Fahrplan schien mich zu verhöhnen und offenbarte, dass zeitlich noch ein weiteres Pint genehmigt hätte werden können. Mit dem Einnehmen einer sitzenden Position auf der Holzbank, begann das Bushäuschen unangenehm zu rotieren und tanzen. Also packte ich meine Coop-Tasche und bewegte mich zur nächsten Haltestelle. Nochmals 15 Minuten zu früh und nach einer kurzen Verschnaufpause schleppte ich mich zur nächsten Haltestelle. Im Schutze der Rückwand erleichterte ich mich – der Herr sei gesegnet, dass ich ein männliches Wesen bin – und tigerte danach um die Haltestelle, da die sitzende Position noch immer üble Schwindelgefühle hervorrief.

Der Chauffeur unterbrach meine Angabe der gewünschten Haltestelle mit einer lässigen Handbewegung, er wäre eh schon zu spät und halte nun einfach an jeder Haltestelle. Also steckte ich meinen Busbatzen wieder in die Tasche, klammerte mich an die Stange im Eingangsbereich, was mir die Rüge einer alten, verschwommenen und schwankenden Dame einbrachte, bei einer Bremsung würde ich an der Windschutzscheibe kleben. Dies wäre sehr freundlich, sie sei herzlichst bedankt, aber mich deuchte, dies wäre dann wohl mein eigen Übel, nicht wahr? Vielleicht war es der Alkohol, ich möchte ihr kein abfälliges Kopfschütteln unterstellen.
Der Fahrer war währenddessen in ein Gespräch mit einem weiteren weiblichen Fahrgast der Wandergruppe Turnverein Hübelibuck vertieft und da das Gefährt bis zum Müllbehälter mit Menschen vollgepfercht war, liess er mich in meinem verkehrswidrigen Tun gewähren.
Es hätte mich irritieren sollen, dass er sich stets in Schriftdeutsch äusserte, aber dies muss in unserem Land ja nichts bedeuten.
Als er sein Fahrzeug vor meinem Ziel jedoch in das abgelegene Nachbardorf lenkte, wurde mir gewahr, da sass ich in der falschen Kutsche.
Auf weiter Flur, Meister Reineke und Meister Lampe wünschten sich gerade wohl zu ruhen, wurde ich auf die Strasse entlassen. Stand da mit meiner papierenen Tüte voller Corona und starrte in den Mond. Und es begann zu regnen.
Nicht wirklich, aber Hemingway hätte es so zu Papier gelogen.
Erst einmal lag mir daran mein Leid zu klagen, was ich via Smartphone in Richtung des auf dem Hügel gelegenen Wohnortes auch zugleich erledigte. Prompt bot mir Bella – die Beste von allen – einen Fahrdienst an, aber der Mond schien schön, ich hatte eine Tüte Bier und bin auch schon ein grosser Junge. Noch etwas nachtblind vom Display meines Smartphones stolperte ich los und fiel alsbald in einen Landstrassen füllenden, gemächlichen Trott.
Nahezu in Windeseile, geleitet von Wolfsgeheul und läufigen Wildschweinen, erklomm ich den Hügel und stiess, schon zu dreissig Prozent ausgenüchtert, meinen Hausschlüssel zielsicher in das mittlere der drei tanzenden Schlösser.

Der ganze Abend war nicht nur sehr witzig, er wirkte sich zudem positiv auf meine sportlichen Aktivitäten aus, ignoriere ich doch die öffentlichen Verkehrsmittel und fahre seither mit dem Rad zu Arbeit. Genau gesagt, bisher einmal, doch dies erzähle ich Euch das nächste Mal.

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Eine andere Möglichkeit bildend

Leitsatz 2011/2012 des BBZ Schaffhausen

Würde ich Jack London fragen, war das Aufspringen auf Güterzüge eine Alternative zum Erste-Klasse-Ticket. Um die Aussage ebenfalls mit einem Adjektiv – oder um der Grundschule gerecht zu werden, deren Bildungsstand eine solch intelligente Aussage zuzuschreiben wäre, ein Wie-Wort – auszuschmücken; Es war eine günstige Alternative zum Erste-Klasse-Ticket.
Lese ich ‘Die gesunde Hausfrau’ wäre zum Video-Abend ein Teller Gemüsestäbchen mit Magerquark-Dip eine Alternative zu den Pommes-Chips. Oder eine gesunde Alternative.
Frage ich den Junkie, ist das Methadon eine Alternative zum Heroin. Oder eine legale, staatlich finanzierte Alternative.
Neige ich meinen Blick etwas, ist die Tastatur eine Alternative zu einem Gesprächspartner. Oder eine… Es fällt mir partout nichts ein.
Doch es lässt uns zumindest erkennen, das Adjektiv ist lediglich der Zuckerguss um das Gericht ansprechend zu kredenzen. Wie man jeglichen Satzgehalt vor einem ‘aber’ getrost streichen kann, sind die Adjektive lediglich eine Schönmalerei, das Lächeln des Verkäufers, ein Wort ohne jegliche Bedeutung für die Kernaussage.

Da lese ich also dieses angeschlagene, laminierte Blatt Papier und frage mich, worin liegt die Motivation einen solchen Geistesblitz als Leitsatz zu definieren.
Sass vielleicht der Doktor Rektor auf seinem Keramikthron und wurde gewahr, dass der Einsatz einer Klobürste und eines kräftigen Spritzers WC-Ente dem stillen Örtchen gut tun würde und erstarrte in der Überlegung, wer dies bewerkstelligen würde, so nur noch Hochschulabgänger durch die Lande zögen?

Hadert einer mit seinen Unzulänglichkeiten, lobt man ihn für die ausserordentliche Kunst, über fünf Schritte hinweg einen Fuss vor den Anderen zu setzen ohne dabei der Länge nach hinzuschlagen.
Oder der Dame, entbehrend jeglicher optischer Reize, wertet man das liebevolle Wesen hoch, wohl wissentlich, dass im Getümmel der Paarungswilligen diese Eigenschaft so wertvoll sei, wie Sandpapier beim Auto polieren.
Man überzieht den sauren Apfel des praktisch Bildungsfähigen mit einem zarten Zuckerguss, dass er in seiner Dummheit blind hinein beissen möge.

Wir gehen uns einig, eine Alternative ist eine Möglichkeit.
Etwas genauer; Eine andere Möglichkeit zu einem im Grundsatz zu erstrebenden Ziel. Statt harter Kohle unterm Gesäss möchte man auf der Zugreise vielleicht lieber einen hübschen Polstersessel durchwetzen und Light-Nahrungsmittel sind doch nur Ersatzbefriedigung für die Gelüste nach etwas wirklich Leckerem.
Diese Erkenntnis in einem Leitsatz zu verstecken ist doch der blanke Hohn der Hochschulabgänger gegenüber dem Arbeiter.

Du bist zu dumm für etwas Vernünftiges, aber dir bleibt immernoch die Berufslehre. Bringt dich im Leben nicht weiter, aber hols der Teufel; Auch deine Steuern nehmen wir und verdammt nochmal, jemand muss unsere Klo’s putzen.

Eine attraktive Alternative, wohlgemerkt.
Entweder hält der Verfasser einen Beduinen für dumm genug eine Wärmepumpe zu kaufen, oder er lebt tatsächlich in einer Welt zwischen Mittelerde und Westeros.

Wer sich in der heutigen Zeit auch nur mit dem Gedanken trägt ein Leben mit Eigenheim, Frau und Kind zu führen, kommt um ein ordentliches, monatliches Einkommen nicht herum. Da kann man noch so kunstvoll einen Kabelkanal an die Wand montieren oder eine Fassade einkleiden, solange man in Arbeitshosen auf Knien durch das Leben kriecht, rutscht der berühmte grüne Zweig gerade so nah, dass man es schafft mit etwas Geschick das gegenüberliegende Ende einer kunstvoll geknüpften Schlinge über selbigen zu werfen.

Die Berufslehre ist keine Alternative zur Mittelschule, geschweige denn eine attraktive, sondern lediglich der einzige Weg.
Sei es, weil die finanziellen Möglichkeiten nicht gegeben sind weiterhin den Eltern auf der Tasche zu liegen, sei es, weil man zu jung und naiv ist um mit 15 Jahren die nächsten Jahre zu planen, oder sei es, weil man schlichtweg zu dumm ist, eine Mittelschule zu besuchen. Verzeihung; Natürlich nicht dumm, man ist praktisch Bildungsfähig.

Vielleicht verstehe ich in meiner Einfältigkeit auch schlichtweg diesen Leitsatz nicht.
Es wird schliesslich niemand direkt angesprochen, ich bin der Einfachheit halber davon ausgegangen, dieses Motto diene der Motivation der Auszubildenden des Handwerks.
Betrachten wir diesen Satz aus Sicht des Staates, der Hochschulabsolventen und unseren sozialen Institutionen ergibt er jeden erdenklichen Sinn.
Ein jeder, welcher nicht nur dumm genug ist eine Mittelschule zu besuchen, sondern in seiner Blödheit auch noch einen handwerklichen Beruf erlernt ist für den Staat eine Milchkuh. Und so er zu dämlich ist seinen Working-Poor-Status zu erkennen, bestimmt auch eine attraktive Milchkuh.
Und kriecht für die gesellschaftliche Elite durch den Dreck.

Natürlich wohnt meinen Überlegungen eine gewisse Pauschalisierung inne.
Wer immer sich den angesprochenen Gruppen in keiner Weise angehörig oder von anderer Motivation getrieben fühlt, tut dies mit Fug und Recht oder ist Meister der Selbsttäuschung; Aber ich würde behaupten, im Grundsatz liege ich sowas von goldrichtig.

Eine Stunde und 752 Worte, um einen einzigen Satz zu verstehen.
Nun, die Berufslehre schien wirklich die einzige Alternative gewesen zu sein.

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Holland und Ende

Die Musik spielte auf, kleine Kinder in Tracht gewandet warfen Bonbons. Tauben wurden fliegen gelassen, Fähnchen geschwenkt und der Teppich ausgerollt.

Nicht direkt, aber an der Reception in Holland machten sie sich dieses Jahr zumindest die Mühe zu fragen, ob ich schon einmal hier war.
Fangfrage? Wir waren nicht bekannt als Mustercamper, stellte ich mir vor. Die sanitären Anlagen waren öfters zu weit weg, die Müllcontainer füllten wir bei der Abreise mit Camping-Utensilien aller Art und statt den Shop auf dem Platz zu berücksichtigen waren wir Kunden des Monats bei Albert Heijn.
Ich outete mich.
Unter welchem Namen ich früher eingecheckt hätte, wollte sie wissen, worauf ich sie hinwies, dass ich kein Nachfahre von Tante Polly sei und mein Name buchstabierte.
Ah ja, meine Wiese sei leider nicht frei, ob ich auf den Platz bei den sanitären Anlagen möchte, und ich wusste nicht wie ich ihr grinsen deuten sollte.
Dies wäre nun doch eher was für deutsche Familien und Hippies, ich erntete Beifall, und sie schoben mich auf eine normale Parzelle.
Grosser Fehler.
Kein schattenspendender Baum und mein Zelt verwandelt sich bei Sonneneinstrahlung in einen Dampfgarer.
Nichts desto trotz, ich fühlte mich irgendwie zuhause. Man kennt den Platz, die Einkaufsmöglichkeiten und man kommt mit einer Handvoll €uronen richtig weit.

Der Sozialabstinente und das Meer.
Sass Abends in den Dünen, trank Corona und war nicht ganz so alleine, wie ich wollte. Die Dünen scheinen ein Treff für Männer mit einschlägiger, sexueller Ausrichtung zu sein. Ich würde mich nicht als homophob bezeichnen, aber eine gesunde Distanz wäre schon angenehm. Sass da, rauchte und trank Bier, während 10 Meter zu meiner Rechten plötzlich ein Mann stand und mich anstarrte. Nur ignorieren, dann geht er schon. Guckte sich um, deutete meine ablehnende Haltung richtig, kratzte sich am Kopf – hm was wollte ich schon wieder – und trollte davon. Während hinter mir ein weiterer vorbei schlich. Vorsichtig schaute ich mich um, doch keine Zeichen deuteten darauf hin, dass ich direkt in der Paarungsmulde sass.
Ähnlich einem Fischfang-Spiel schienen die Köpfe rundherum aus dem Dünengras zu ploppen.Wurde mir zusehends unangenehm, fühlte mich wie Frischfleisch in der Auslege, und als sich hinter mir ein Typ mit obszönen – in seinen Tunten-Ohren gewiss einladenden – Geräuschen in eine Mulde fallen liess, wurde mir die Sache endgültig zu blöde. Schmiss ihm meine leeren Corona-Flaschen hin, wünschte viel Vergnügen und schlurfte – in Erwartung von fliegenden Bierflaschen begleitet zu werden – zurück zum Campingplatz.

Mein zweiter Ausflug an den Strand war während des 23-Minuten Sonnenfensters. Bereitete am leeren Strand mein Tuch aus, platzierte das Radio und legte mich eingeölt wie eine Speckschwarte in den Wind.
Erst fröstelte ich leicht, als dann die ersten Tropfen fielen, packte ich ein, schlurfte zurück und wärmte mich bei McDonalds mit einem Big Mac wieder auf.

Jupp, ich habe ein Händchen für das Wetter in den Ferien.

Viel gibt es nicht mehr zu erwähnen. Die Rückfahrt in die Schweiz war erwartungsgemäss äusserst mühselig. Dabei trat ich sie bewusst am Sonntag an, um dem Werksverkehr zu entfliehen.
Die Deutschen und ihre Autobahnen.
Ich bin überzeugt, so der ordentliche deutsche Junge eine Carrera-Bahn erhält, findet er in der Packung drei Meter Bahn und 15 Autos. Moment, sind ja zweispurig, also 30 Autos. Und mit diesen ruckelt er im Kreis, das ist deutsches Autofahren.
Ich vergass, alle 3 Runden wird die Fahrbahn vereengt, auf eine Spur reduziert, die Geschwindigkeit gedrosselt und so ein Fussel neben der Bahn liegt, bleiben die Wagen stehen und betrachten den Fussel.
Unglaublich.
Des weiteren bin ich mir ganz sicher, auch an einem autofreien Sonntag würde SWR einen Stau auf der A8 wegen eines Schreibtisches auf der Fahrbahn melden. Die Deutschen würden dies hinkriegen.

Ich beschloss, wohin es mich im Urlaub auch wieder zieht, deutsche Autobahnen werde ich künftig meiden.

So, dies waren die Ferien.
Wie sagte Bella; Frei von jeglichem Luxus, so sollen Ferien sein. Und recht hat sie. Wie immer.

Der Winter naht.

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4. Juli, bei Niklaas

Man kann die selben Shorts, ich spreche von der äussersten Schicht, durchaus über mehrere Tage tragen. Erstens riecht durch die Lagerung im Rucksack sowieso alles etwas, zum Anderen unterscheidet man nur noch zwischen nassen und trockenen Kleidungsstücken.
Wohlweislich hatte ich noch drei weitere Beinkleider im Gepäck, aber wie mit den T-Shirts, Socken und weiteren Kleidungsstücken verhielt es sich wie jedes Jahr; Ein Drittel hätte auch genügt. Man unterschätzt die Zeit, welche man barfuss in Badelatschen verbringt und überschätzt den reinigenden Effekt von sanft, kühl träufelnden sanitären Anlagen. Wobei, dem Camping Omaha Beach tue ich hier unrecht. Was ich an überrissenen Preisen für ein Glas Instant-Nescafe im Shop löhnte – ich hatte wohl ein Glas dabei, schaffte jedoch das Ding der Unmöglichkeit selbiges in meinem Mikra-Zelt zu verlegen – kompensierte ich wieder mit verschwenderischem Warmwasser-Verbrauch in der Nasszelle.
Touristenabzocke lohnt sich nie, was an Parkplatzgebühren entrichtet wird fehlt dem Souvenirshop und wenn man sich das Klopapier seperat bezahlen lässt, schiebt man den Überschuss dem Propan-Lieferanten zu.
So zerbröselt der Keks. A propos: Ein Mikra-Zelt hat den Vorteil, dass man es wie eine Socke umdrehen und schütteln kann. Die Ziegen werden sich über die Krümel freuen.
Ja, das Zelt kann ich nicht genug loben. Gut, bei längerem Aufenthalt geht man irgendwann wie Quasimodo und bei Regen hat man die ganze Pracht beim Betreten sofort im Schlafzimmer, aber es erfüllt seinen Zweck voll und Ganz.

Genau, SIGG-Flaschen.
Ich muss gestehen, mich im Ausland gerne als Schweizer zu outen. Man fühlt sich immernoch etwas mehrbesser und ob in Holland, Belgien oder Frankreich; Die Eingeborenen reagieren jedesmal positiv überrascht wenn ein Schweizerkreuz auf den Papieren sie in ihrer Annahme korrigiert, das bemüht in Fremdsprache stotternde Gegenüber sei Deutscher. Tut mir leid, liebe deutsche Leser, aber das ist nunmal so.

Ich brach auf gen Belgien und besuchte im Vorbeifahren noch kurz den Soldatenfriedhof in Colleville. So kurz war ich eigentlich gar nicht dort und ich muss gestehen, neuntausenddreihundertsiebenundachtzig Tote…
Man muss schon härter als die makellosen weissen Kreuze sein, wenn einem dies nicht irgendwo tief innen berührt.
Nun, der Touristenstrom verhindert, dass man sich zu sehr hinreissen lässt und als ich erkannte, dass vor dem Eingang Rosen zur Niederlegung kostenlos abgegeben werden, gab ich mich auch nicht länger der Illusion hin, dass jeder Blumenträger seinen verblichenen verwandten Kriegshelden besucht.
Neben dem Eingang befand sich auch eine Art Gedenkhalle, ein grosses Gebäude mit Zutrittskontrolle. Mit Metalldetektor, Röntgengerät und einem Bild von einem Soldaten in zweifacher Ausführung – gross, breit und einem Haarschnitt nach dem man die Uhr stellen kann – welcher wohl jede Dame verzückt hätte, jeden Terroristen in die Flucht schlagen würde und einen kleinen Schweizer mit zwei Victorinox-Messern, verteilt über Salewa-Tasche und Beinkleider, daran hinderte die Gedenkstätte zu betreten.
Obwohl ich der abendlichen Zeremonie, Fahneneinzug und Falten unter den Klängen der amerikanischen Hymne, noch gerne beigwohnt hätte, machte ich mich auf den Weg nach Belgien.

Meine Laune hatte mit den Autobahnen gemein, dass sie mit der Annäherung an das Flandern-Land zunehmend schlechter wurde.

Vom Fernsehen beeinflusst erwartete ich etwas in dieser Richtung:

Angetroffen habe ich dies.

Und wieder bewährte sich das kleine Salewa. Eben noch an der Packung, innert sechs Minuten sass ich mit Rucksack im Inneren. Der Hersteller gibt wohl vier Minuten an, aber da das Aufbauen mittels Farbcode koordiniert wird, habe ich da wohl einen gewissen Bonus.
Zudem unterlegte ich das Zelt mit einer zusätzlichen Plane, da der Boden zugunsten der Gewichtsreduktion – das ganze Teil hat 2,5 Kilogramm – eher einer dünnen Membrane, denn einem bodenständigem, ähm… Zeltboden gleicht. Die sintflutartigen Regenfälle sammelten sich innert kürzester Zeit zwischen Plane und Zeltboden – da nützte es auch nichts, dass ich das Zelt mit dem Kompass korrekt nach Wind- und Wetterseite ausrichtete – was der ganzen Sache ein Wasserbettfeeling verlieh und ich stets mit einer Fontäne rechnete. Wirkt wie ein Elefant, bewegt sich wie eine Katze, sprich; Der Boden blieb heil und ich trocken.

Zeltcamper – also die richtigen Camper – waren auf diesem Platz der Mehrbesseren eher ungern gesehen. Zwischen Mercedes, grossen Audis und Wohnwagen mit dem Flächenmass eines Lofts bewegte ich mich per pedes mit der Vollpackung auf eine Wiese im hintersten Teil. Stolperte über Bierdosen, leere Kartons und stellte neben irgendwelchem osteuropäischen Abschaums mein Zelt auf.
Somit hatte Belgien auch schon verka…, seine Chance vertan und schon bei der Reception plangte ich auf die Weiterfahrt nach Holland.
Um zwölf Uhr – auf englisch – erklärte die filigrane, blonde Belgierin mit einem Gesicht wie Obelix, müsste ich den Platz verlassen haben.
Ich würde mit dem ersten Sonnenstrahl, ihren Platz verlassen, ganz gewiss. Angesichts der Wetterlage, welche ich mit mir zog, war dies eine etwas gewagte Äusserung.

Nahm es dann auch nicht so wörtlich und verliess unter peitschendem Regen tags darauf den Platz und fluchtartig Belgien.

Machts gut ihr Idioten.
Fairerweise muss ich sagen, Wetter- und Platzbedingt gab ich Belgien keine würkliche Chance. Es ist eine Zwitterregion. Nicht Frankreich, nicht Holland aber von beidem das Schlechte.

 

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3. Juli, Point du Hoc

Wohnt nicht eine gewisse Tragik inne; Packt einen Sozialabstinenzler in ein mickriges Zelt, wirf ihn auf fremdes Terrain und wohnt seinen Erlebnissen bei.

So langweilig selbige auch sind.

Während ich rauchend und Kaffee schlürfend vor meinem Zelt sass – witterungsbedingt mit Kapuze, Shorts und nackten Füssen einem Hobbit nicht unähnlich – begannen die lustigen Holländer ihre Behausung zu verräumen. Erstaunlich welche Gerätschaften man erstens braucht und zweitens in einem Ford Fiesta Baujahr Apfelschnitz verstauen kann. Während die Dame mit Bauarbeiter-Dekolleté in spastischen Bewegung die Matratze ihres luftigen Inhalts befreite, war ich dankbar, dass in meinem Kopfkino nachts zuvor nicht die ganz grosse Vorstellung lief.
Sass da – unter der Kapuze rauchend und schmauchend – erfüllt von einer gewissen Dankbarkeit, dass trotz aller sozialen Abstinenz, ignorierend der eigenen Defizite, nichts weniger als eine pädagogisch ausgebildete, kompromisslose Schönheit meinen Ansprüchen gerecht wird. Die Sonne träufelte weiterhin in grossen Tropfen vom Himmel, ich beschloss etwas zu fahren. Im Trockenen aufrecht sitzen, man lernt die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen.
Das Ziel war der Point Du Hoc. Etwas Geschichte, die (USA USA USA)-Rangers erklimmten an diesem Punkt die Felsen um die Geschützbunker auszuschalten, dass die Allierten mit möglichst geringen Verlusten landen konnten.
Spätestens als sich eine Japanerin – nehme ich an, diese Asiaten sehen für mich alle gleich aus – lächelnd vor einem Bunker in Pose warf und mich bat, sie auf ihrer Nikon zu verewigen, wurde ich mir der Respektlosigkeit gewahr. Vor siebzig Jahren schlachteten sich Menschen für die Interessen von höheren Herren gegenseitig ab und heute posieren auf dieser blutgetränkten Erde lachende Asiaten.
Na ja, da darf man sich wohl nicht zuviel Gedanken machen.
Nach siebenhundert Fotos tapste ich hinter einer Gruppe – sie kennzeichneten sich stets mit Namensschilder, damit auch kein Fremder den Ausführungen der Reiseleiter lauschen würde – unter wehenden Sternenbanner zurück zum Auto.

Fuhr in Richtung Grandcamp Maisy, überlegte ob dies ein Grändcämp oder ein Grondcomp ist, bis sich mein Interesse nach ihrer Entdeckung, nur noch auf die örtliche carrefour-Fililae bezog.
Der Mann der aus der Kälte kam. Und in die Kälte ging.
Der Bequemlichkeit halber haben die Betreiber den gesamten Supermarkt auf gfühlte zehn Grad gekühlt und aus jeder Ecke wehte eine klimatisierte Brise.
Der Hunger ist stets ein schlechter Einkaufsberater. Von Baguette über Apfeltasche bis zu Schokolade im leckeren Zweihundertgramm-Block mit einer eingeschmolzenen Wagenladung Haselnüssen. Bei carrefour zu kaufen hat was von Teleshopping. Die Produkte sind preislich nicht direkt beschriftet, am Regal ist der Preis vermerkt und ähnlich dem Börsenkurs sind die aktuellen Brotpreise vor der Tür angeschlagen. Die Preistafel am Regal besteht aber nicht aus irgendwelcher Cellulose; Ein digitales Display ermöglicht die sofortige Preisanpassung, sobald sich meine produktbeladene Hand in Richtung Einkaufskorb bewegt.
Dazu – scheiss auf Umweltschutz – Plastikmesser, Küchenpapier und eine Tasse. Eine richtige Tasse, weisse Keramik mit Griff und einem netten Muster. Franzosen pflegen ihren Kaffe ja aus einer Art Katzenschüssel zu läppeln, Boule nennen sie dies, da war ich direkt froh, ein osteuropäisches Gefäss zu erstehen.
Selbiges wurde mir unter Monsieur-Rufen auch nachgetragen, als ich es in der Mulde nach der Kasse stehen liess. Mein ‘oh mince alors, zut’ liess die Rentnertruppe zu allerlei amüsierten Bemerkungen hinreissen, welche ich mit zuckersüssem Lächeln quittierte. Ich verstand kein Wort.

Männer sind nunmal so; Die Zecke ging mir – im übertragenen Sinne, so hoffe ich – nicht aus dem Kopf, ich fühlte mich etwas kränklich. Vielleicht auch das Dauerleben in Feuchtigkeit. Jedenfalls kuschelte ich mich zurück in mein Zelt, ass ein Baguette mit einem halben Glas Honig und trank endlich richtig heissen Kaffee.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Stephen King und Professor Layton. Ja, lacht nur, aber ein Nintendo DS ist noch die letzte vernünftige Form der digitalen Spiel-Unterhaltung. Gut, er spielt keine BluRays, hat keinen Netzwerkanschluss, ist nicht hochauflösend, aber es geht doch nichts über den guten, alten Game-Boy und vollendete Spiele von Nintendo.

Der Winter naht.

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