Holland und Ende

Die Musik spielte auf, kleine Kinder in Tracht gewandet warfen Bonbons. Tauben wurden fliegen gelassen, Fähnchen geschwenkt und der Teppich ausgerollt.

Nicht direkt, aber an der Reception in Holland machten sie sich dieses Jahr zumindest die Mühe zu fragen, ob ich schon einmal hier war.
Fangfrage? Wir waren nicht bekannt als Mustercamper, stellte ich mir vor. Die sanitären Anlagen waren öfters zu weit weg, die Müllcontainer füllten wir bei der Abreise mit Camping-Utensilien aller Art und statt den Shop auf dem Platz zu berücksichtigen waren wir Kunden des Monats bei Albert Heijn.
Ich outete mich.
Unter welchem Namen ich früher eingecheckt hätte, wollte sie wissen, worauf ich sie hinwies, dass ich kein Nachfahre von Tante Polly sei und mein Name buchstabierte.
Ah ja, meine Wiese sei leider nicht frei, ob ich auf den Platz bei den sanitären Anlagen möchte, und ich wusste nicht wie ich ihr grinsen deuten sollte.
Dies wäre nun doch eher was für deutsche Familien und Hippies, ich erntete Beifall, und sie schoben mich auf eine normale Parzelle.
Grosser Fehler.
Kein schattenspendender Baum und mein Zelt verwandelt sich bei Sonneneinstrahlung in einen Dampfgarer.
Nichts desto trotz, ich fühlte mich irgendwie zuhause. Man kennt den Platz, die Einkaufsmöglichkeiten und man kommt mit einer Handvoll €uronen richtig weit.

Der Sozialabstinente und das Meer.
Sass Abends in den Dünen, trank Corona und war nicht ganz so alleine, wie ich wollte. Die Dünen scheinen ein Treff für Männer mit einschlägiger, sexueller Ausrichtung zu sein. Ich würde mich nicht als homophob bezeichnen, aber eine gesunde Distanz wäre schon angenehm. Sass da, rauchte und trank Bier, während 10 Meter zu meiner Rechten plötzlich ein Mann stand und mich anstarrte. Nur ignorieren, dann geht er schon. Guckte sich um, deutete meine ablehnende Haltung richtig, kratzte sich am Kopf – hm was wollte ich schon wieder – und trollte davon. Während hinter mir ein weiterer vorbei schlich. Vorsichtig schaute ich mich um, doch keine Zeichen deuteten darauf hin, dass ich direkt in der Paarungsmulde sass.
Ähnlich einem Fischfang-Spiel schienen die Köpfe rundherum aus dem Dünengras zu ploppen.Wurde mir zusehends unangenehm, fühlte mich wie Frischfleisch in der Auslege, und als sich hinter mir ein Typ mit obszönen – in seinen Tunten-Ohren gewiss einladenden – Geräuschen in eine Mulde fallen liess, wurde mir die Sache endgültig zu blöde. Schmiss ihm meine leeren Corona-Flaschen hin, wünschte viel Vergnügen und schlurfte – in Erwartung von fliegenden Bierflaschen begleitet zu werden – zurück zum Campingplatz.

Mein zweiter Ausflug an den Strand war während des 23-Minuten Sonnenfensters. Bereitete am leeren Strand mein Tuch aus, platzierte das Radio und legte mich eingeölt wie eine Speckschwarte in den Wind.
Erst fröstelte ich leicht, als dann die ersten Tropfen fielen, packte ich ein, schlurfte zurück und wärmte mich bei McDonalds mit einem Big Mac wieder auf.

Jupp, ich habe ein Händchen für das Wetter in den Ferien.

Viel gibt es nicht mehr zu erwähnen. Die Rückfahrt in die Schweiz war erwartungsgemäss äusserst mühselig. Dabei trat ich sie bewusst am Sonntag an, um dem Werksverkehr zu entfliehen.
Die Deutschen und ihre Autobahnen.
Ich bin überzeugt, so der ordentliche deutsche Junge eine Carrera-Bahn erhält, findet er in der Packung drei Meter Bahn und 15 Autos. Moment, sind ja zweispurig, also 30 Autos. Und mit diesen ruckelt er im Kreis, das ist deutsches Autofahren.
Ich vergass, alle 3 Runden wird die Fahrbahn vereengt, auf eine Spur reduziert, die Geschwindigkeit gedrosselt und so ein Fussel neben der Bahn liegt, bleiben die Wagen stehen und betrachten den Fussel.
Unglaublich.
Des weiteren bin ich mir ganz sicher, auch an einem autofreien Sonntag würde SWR einen Stau auf der A8 wegen eines Schreibtisches auf der Fahrbahn melden. Die Deutschen würden dies hinkriegen.

Ich beschloss, wohin es mich im Urlaub auch wieder zieht, deutsche Autobahnen werde ich künftig meiden.

So, dies waren die Ferien.
Wie sagte Bella; Frei von jeglichem Luxus, so sollen Ferien sein. Und recht hat sie. Wie immer.

Der Winter naht.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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