Komm, ich zeig dir meine Eltern

Ja, auch ich dachte gleich an den Typen aus der Werbung; Komm ich zeig dir einen echten Hasen.
Auf den Link stiess ich in der Regenbogen-Familien-Broschüre.
Ein Buch des Vorzeige Schwulen-Paar Patrick Lindner und seinem Freund und Manager Michael Link. Mittlerweile wieder getrennt, aber die Homosexualität war in der Volksmusik angekommen, es war per sofort das normalste auf der Welt und die Adoption des kleinen Daniel eine absolut normale und vernünftige Konsequenz. Postum wurde auch Rex Gildo rehabilitiert, das Teilen des Hotelzimmers mit seinem Manager war anscheinend doch keine Budget-Frage.

Ganz ehrlich; Meinetwegen kann vom Stahlarbeiter bis zum Friseur die ganze Welt schwul sein, habe ich kein Problem damit. Ich kann leider nicht damit prahlen, dass mein überschaubarer Freundeskreis durch einen bekennenden Regenbogen erleuchtet wird, stelle ich mir dies jedoch durchaus bereichernd vor.

Jeder soll sein Ding leben, wer sich daran stört kann sich abwenden.
Es sei denn, er wurde adoptiert. Oder der Akt der Liebe wurde in einen Kunstoffbecher vollzogen, eine Spritze und gespendete Eizelle in einer vermieteten Gebärmutter hätten den romantischen Rest dazu beigetragen.
Dann wird es schwierig weil man, gewiss mit den besten Vorsätzen, ungefragt in diese total normale Familienkonstellation gesetzt wurde.
Ich bin furchtbar puristisch in solchen Dingen; Die Natur hat ihren Masterplan. Obwohl wir stets bemüht sind, diesen nach unseren Vorstellungen zu biegen, sollte es seine Grenzen haben. Und diese sind da zu setzen, wo die Entscheidungen Lebewesen betreffen, welche unfähig sind, ihren Willen kund zu tun.
Und um die zu schützen, welche selber dazu nicht in der Lage sind, haben wir doch eigentlich Gesetze. Da liegt jedoch die Krux.

Es gibt kein abnormal mehr, weil abnormal weder politisch korrekt noch gesellschaftlich tragbar wäre. Abnormal ist höchstens, wer etwas befremdet ist, wenn eine augenscheinliche Frau einen dichten Bart trägt und in einem filigranen Kleidchen an einer Singkonkurrenz ein Liedchen schmettert. Oder wenn man kurz verwirrt ist, wenn die Eltern von Klein-Nils Erika und Ulla heissen.

Erwachsene können sich bemühen, in dieser totale normalen Welt ein Höchstmass von Toleranz zu beweisen.Kinder machen sich diese Mühe nicht
Wenn der kleine Nils von seinen zwei Muttis, wovon eine irgendwie der Papa ist, am Schulbesuchtag beehrt wird – und sie werden ihn besuchen, es gilt schliesslich als Familie zusammenzustehen und das total normale im Zeichen des Regenbogens in das 1000 Seelen-Dorf zu tragen – hat er eine harte 10-Uhr-Pause vor sich. Und die nächsten 7 bis 8 Schuljahre.
Da muss der kleine Nils eben durch, die übernächste Generation hat es schon einfacher. War bei der Patchworkfamilie auch so. Nun, ich kann es bestätigen. In den achtzigern lebte ich den Patchworkwahnsinn, bevor er mainstream und im kleinen Bauerndorf angekommen war. Die Konstellation Patchwork war noch eine Idee näher am ‚Unzüchtigen Zusammenleben“ denn an der „Modernen Familie“. Schulkameraden wurden nicht müde, sich erklären zu lassen, warum man „Geschwister“ hatte, welche andere Namen trugen und gar Lehrer stellten sich ausserordentlich dumm, machten auf Paragraphenreiter, wenn es sich um den Skilager-Familienrabatt drehte, welchen zwei Personen mit unterschiedlichen Nachnamen auf Geheiss der Erziehungsberechtigten in Anspruch nehmen sollten. Gar heute, im hohen Alter, als man sich Patchworkintern vor geraumer Zeit unausgesprochen einigte, sich für den Rest des Lebens aus dem Wege zu gehen und die Kindheit individuell zu verdrängen, wird man noch auf die „Geschwister“ angesprochen.

Heute ist Patchwork so verbreitet, dass man nicht mehr umher kommt, dies als normal zu betrachten.
Wenn ich allerdings an den kleinen Nils mit seinen zwei Müttern denke, wird mir Angst. Jeder Marder hat heute seinen persönlichen Naturschutzbeauftragten, jeder Asylbewerber seinen Rechtsbeistand und Gesetze regeln das Zuwiderhandeln gegen die allgemeingültige Moralvorstellungen.
Im Zuge der Gleichstellung und Total-Normal-Gesellschaft steht das Wohl von homosexuellen Paaren an erster Stelle und damit einhergehend ihr Recht auf einen Artikel namens Kind.
Kinder sind ja formbar und wie der Stubenkater, welcher anscheinend nichts anderes als den Kratzbaum und das Katzenklo in seinem 20 Quadratmeter-Käfig kennt und wünscht. Mit der richtigen Lektüre wird es für den kleinen Nils total normal sein, dass er zwei Mamis hat.

Cover des Bilderbuches "Hallo, wer bist Du denn?"

Die kleine orange Katze lebt bei Mama und Mami. Auf ihrem ersten Spaziergang fragt sie jedes Tier, das ihr begegnet: Hallo, wer bist denn du? Die einfachen und vorhersehbaren Dialoge begeistern Kinder ab 18 Monate und lassen sich so lange variieren, bis die kleinen Geister endlich schlafen…

von Ka Schmitz und Cai Schmitz-Weicht

Viele Kinder in Regenbogenfamilien werden durch eine Samenspende gezeugt. Das ist gerade für kleine Kinder nicht einfach zu verstehen. Mit Hilfe des Bilderbuchs könnt Ihr mit Euren Kindern darüber sprechen. Das Buch ist auch für Fachpersonal geeignet, das sich mit dem Thema Samenspende und lesbische Familien befassen möchten.

von Petra Thorn und Lisa Herrmann-Green, empf. Alter: ab 3 Jahre

“Max und seine Mamas” ist kein Aufklärungsbuch, “lesbisch” bzw. “homosexuell” sein wird nicht direkt thematisiert. Vielmehr geht es der Autorin darum, den normalen Umgang mit Regenbogenfamilien zu fördern. Ziel ist es, Kindern zu vermitteln, dass Regenbogenfamilien nichts “spezielles”oder gar “sonderbares” sind. Das Buch ist in Eigenregie entstanden und auch so produziert worden und kann hier erworben werden.

von Martina Heinzle, empfohlenes Alter: ab 3 Jahre

Cover des Bilderbuches "Wie Lotta geboren wurde".Dieses Buch erzählt, wie Lotta von ihrem Papa geboren wurde. Wie das geht? Ganz einfach: Er hat eben auch eine Babyhöhle im Bauch… Das Buch bietet kindgerechte Worte und Bilder zu Samenspende, Ein-Eltern-Familien und Transgeschlechtlichkeit an. Für Kinder ab etwa zweieinhalb Jahren.

von Ka Schmitz und Cai Schmitz-Weicht

Da ist der Kindergarten-Aufklärungsunterricht mit Plüsch-Mumu und Holz-Pullermann pillepalle dagegen. Die Total-Normal-Erziehung scheisst, verzeiht den Ausdruck, auf Adam und Eva, Arche Noah und Dr. Thaddäus Troll, spült die ganzen althergebrachte, überholten Paarungsgeschichten den Lokus runter und zieht eine neue Generation heran.

Der kleine Nils kommt in den Kindergarten und während sich die Kindergarten-Tante – nicht abwertend gemeint – noch Sorgen um das ‚dökterle‘ macht, erklärt er im piepsstimmigen Brustton der Überzeugung, wo die Kinder eigentlich herkommen und wie das mit der künstlichen Befruchtung funktioniert.
Abgesehen davon, dass Kinder kein Verständnis für das Total-Normal der Regenbogensympathisanten haben und Nils erstmals ordentlich verdroschen und im Sandkasten verbuddelt wird, kann man beim Schulpsychologen gleich einmal regelmässige Sitzungen bis zum 16. Altersjahr vereinbaren.
Er hatte halt eine schwere Kindheit, weil die Gesellschaft so intolerant ist.

Das Plädoyer der Regenbogen-Broschüre

Respekt für alle Familien
Kinder aus Regenbogenfamilien erleben, dass in Schulbüchern, Diskussionen und Medien das Modell der Mutter/Vater/Kind-Familie vorherrscht, während ihre eigene Lebensrealität kaum widergespiegelt wird.
Abwertendes Verhalten gegenüber anderen Lebens- und Familienformen ist in unserer Gesellschaft eine Realität. Manchmal ist Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nicht bewusst, was sie sagen. Es ist daher für Kinder stärkend, wenn die Vielfalt an Familienformen auch thematisiert wird und Pauschalisierungen wie „Jedes Kind hat Mutter und Vater“ vermieden oder aber ganz bewusst zum Thema gemacht und diskutiert werden. Wie bei allen Formen der Diskriminierung ist es die Aufgabe von Erwachsenen, auch auf abwertende Bemerkungen und Ausgrenzungen aufgrund der Familienform zu reagieren und klar zu machen, dass diese nicht toleriert werden. Kinder lernen Offenheit und Wertschätzung gegenüber unterschiedlichen Menschen und Lebensformen am besten in einer Umgebung, in welcher Vielfalt positiv bewertet und als Bereicherung wahrgenommen wird. Wenn pädagogische Fachkräfte homophobe Kommentare tolerieren, bedeutet dies für die Kinder aus Regenbogenfamilien, dass sie im Kindergarten oder in der Schule nicht – oder nicht ausreichend – geschützt sind. Pädagogische Fachkräfte, die auf Vorurteile oder diskriminierendes Verhalten direkt reagieren und es zum Thema machen, stärken und schützen diese Kinder.

Meine geschätzten Homosexuellen. Ich würde es auch sehr begrüssen, wenn sich nicht die komplette Gesellschaft unter Zuhilfenahme von Farben orientieren würde. Der Rollstuhlfahrer hätte bestimmt gerne eine Welt ohne Treppen und der Hörgeschädigte wünscht sich mehr Untertitel. Dies sind Behinderungen, Barrieren mit welchen wir uns arrangieren müssen, weil man sich die Welt nicht so bauen kann, wie sie einem gefällt.
Eure sexuellen Präferenzen sind glücklicherweise keine Behinderung. Also hört auf, die Welt aufzurufen sich nur noch um euch zu drehen.

Ich baue nicht auf den Gesetzgeber, zu schmal ist der Grat zwischen moderner Toleranz und althergebrachten Werten.
Ich zweifle keineswegs daran, dass ein Kind von zwei Mamis oder Papis im mindesten soviel Liebe erfahren kann, wie in einer konservativen Familie.
Eigentlich appelliere ich nur an den gesunden Menschenverstand.
Wenn man nicht ein totaler Egoist ist, akzeptiert man, dass „de Füfer unds Weggli“ nicht zu haben ist.
Kinder finden genügend Gründe, einander zu hänseln und triezen, man muss sie nicht schon mit einem tonnenschweren Rucksack in die Spielgruppe schicken, nur um ein Zeichen für das „Total Normal“ zu setzen.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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