Männer sind…

…und Frauen auch. Überleg dir das mal… Gerade weil ich es gut mir dir meine.Die Lizenz, einen Fernseher zu betreiben, habe ich beim Staat noch nicht gelöst, dennoch ergab es sich, dass ich mir heute Morgen die Sendung Kulturplatz zu Gemüte führte.
Die Sendung wirkt im Grundsatz wie die Verfilmung des Magazin.

Die Beilage der grossen Zürcher, Berner und Basler-Zeitungen.
Der Inhalt richtet sich vordergründig, meines Erachtens, an Studentinnen welche bei Regen quitschfidele Gummistiefel tragen, ihr Rad bunt bemalen, die Wohnung mit Ansichtskarten aus Madrid und New York zieren, sowie deren Pendant, der schmächtige Herr mit Ledermappe, welcher nie ohne Pullunder das Haus verlassen würde, mehreren Verbindungen angehört und das Kino-Billett mit Papas Kreditkarte löst.
In Menschen wie meiner Wenigkeit, auszeichnend durch niederen Bildungsstand, lösen Artikel, welche das Sinnieren über die Struktur der Wandtäfelung der angesagten Zürcher Ein-Zimmer-Mietwohnung hinterfragen eher depressive Empfindungen aus, da die Bilder der Kunstbanause des Gefühl vermitteln, als würde den Protagonisten zur Vollkommenheit nur noch ein Kalberstrick, sowie ein ordentlicher Haken im Deckengebälk fehlen.
Und ein pulitzergekrönter Fotograf des Magazin.

Anfügen möchte ich, dass ich dem Magazin, trotz stetem gutem Zureden meines Herrn Vaters, seit fünf Jahren keine Chance mehr gegeben habe und die Tatsache, dass ich Kulturplatz sehe, sowie die Frau Eva Wannenmacher – ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten – als sehr adrett einstufen würde, könnte davon zeugen, dass ich im Zuge des alterns meinen Horizont erweitetere. Oder einfach resigniere, dieser Gedanke behagt mir doch eher, steht die Aussage „Horizont erweitern“ doch dafür, dass man während der Jugendjahre dumm war.

Es war neu für mich, dass sich der Mann aufgrund seiner Schreibtisch-Tätigkeit als entmannt empfindet.
Aufgrund der klassischen Rollenverteilung hat der Mann, ganz seinen martialischen Fähigkeiten gerecht werdend, den Acker gepflügt, Pferde beschlagen, Häuser gebaut, Bäume gepflanzt und wieder gefällt. Und Kinder gezeugt, damit haben wir die drei Eckpfeiler des Mann sein.
Die Frau, kräftemässig dem Herren unterlegen, bestellte Haus und Hof, kümmerte sich um die Kinder und wusch die Hemden. In späteren Jahren, es kann auf der Erde nicht eins komma drei Milliarden Bauernhöfe geben, fand die Frau ihre Anstellung hinter Schreibmaschinen und – so der Kulturplatz – erwiesen sich als fleissige Tippsen sowie kommunikativ sehr bewanderte Angestellte. Dies überraschte mich dann doch, behaupte ich, Männer versteht man, ohne dass man das Nicht-Gesagte hinter der Aussage suchen muss, aber da ich in der Welt der Aktenschränke fremd bin, enthalte ich mich eines Urteils.

Der moderne Mann, Pullunder und lederne Aktenmappe, sähe sich nun also vermehrt in der Arbeitswelt der Frauen. Statt einen Nagel einzuschlagen, betätigt er die Tastatur und anstelle der Latzhosen trägt er Hemd und Pullunder. Zudem soll er genug Geld für Frau und Kind erwirtschaften, ohne zu viel zu Arbeiten, zuhause soll er die Frau unterstützen, ohne dabei das sportliche Stählen seines Körpers zu vernachlässigen, ein guter Vater sein, aber dennoch eine führende Persönlichkeit im Betrieb.
Der Mann als solches muss sich wirklich komplett neu definieren und – so der Kulturplatz – er fürchte um seine Stellung in der Gesellschaft, welche in Richtung überflüssig tendiert.

Eine interessante Ansicht, welche ich so nicht vorbehaltslos teilen möchte.
Da die Frau sich emanzipiert, ihre neue Rolle neu definiert, ist es nur kausal, dass der Mann einen neuen Platz zugewiesen erhält. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Frauen sich etwas uneins sind, wohin ihr Weg sie führen soll, was sie wollen, wie ihre Erwartungen liegen und daher dem Mann keinen Weg weisen können. Man kann das Buch nicht einreihen, so man nicht weiss, wo das Regal stehen soll.
Natürlich gibt es Frauen welche ganz genau wissen, was sie wollen. Dies schreiben sie auf Pappe, nageln selbige an einen Stock und gehen damit in eine Trillerpfeife pustend vor dem Bundeshaus im Kreis. Nur brauchen solche Frauen – vordergründig – keinen Mann und so sie diesem Feindbild eine Rolle zuweisen würden, wäre diese sechs Fuss tief in feuchter Erde, in einer horizontalen Position und markiert mit einem hübschen Stein.
Dies bringt uns nicht weiter.

Ich gehe nicht einig damit, dass ein Mann sich seiner Männlichkeit beraubt fühlt, so er statt eines Bohrhammers eine Tastatur bedient.
In der klassischen Ansicht, selbstverständlich, in der Scheinwelt des Lichtspieltheaters, wer würde wohl zum sexiest Man alive gekürt werden, wer würde die Frauen zum Kreischen bringen und sie in ihren Träumen besuchen?

Nun spielt das Leben jenseits der Leinwand und dahingehend kann man wohl alle Bürogummis beruhigen.
Nicht der Umfang des Oberarms macht einen Mann sexy, sondern die Ausbuchtung an der rechten Gesässtasche. Die Männlichkeit wurde bereits neu definiert, das Bankkonto ist das neue Sixpack und dreihundertvierzig Tastananschläge die Minute erotischer als der härteste Axthieb.Pro Ster Holz brauche ich im Schnitt einen Spalthammerstiel – Fr. 7.50.- bei Coop -, dies nur am Rande.

Dahingehend möchte ich der Frau keinen Vorwurf machen, dies ist eine rein natürliche Haltung, eben weil sich das Bild geändert hat.
Kann ein Mann mit eigenen Händen ein Haus bauen, ist dies ganz nett, kann er mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegen, ist dies nett bis verwerflich und hat er die Konstitution eines Grizzly-Bären ist dies hübsch anzuschauen und nett für die Krankenkasse.
Aber nicht mehr wert, da dies in Zeiten in welchen wir leben, das Überleben einer Familie keine halbe Stunde sichert.
Kann ein Mann mit ein paar Mausklicks Geld scheffeln, sich elegant in Lackschuhen bewegen und stets Leute abbestellen, welche für ihn die Arbeiten erledigen, ist dies die neue Männlichkeit.
Denn dies sichert heute das Überleben von Frau und Familie.

Tragisch? Nein, Evolution. Die Menschheit tut sich einfach schwer, dies einzusehen. Und so am 21. Dezember die Welt untergeht, oder sich die Supermächte ihre Nuklearsprengköpfe in die Vorgärten schiessen, wird wohl wieder eine andere Männlichkeit gefragt sein.

Doch nicht nur der Verlust der Männlichkeit bewegt die Gemüter; Gemäss neuesten Angaben befürchtet der Mittelstand in die Unterschicht abzusinken.
Zur Mittelschicht gehört man, wenn in einem Zwei-Personenhaushalt 67’000 Franken Einkommen verzeichnet werden, ab 87’000 Franken zählt man zum mittleren Mittelstand, ab 111’900 zum oberen Mittelstand und so jährlich über 149’100 Franken reingespült werden, darf man sich in der Oberschicht beheimatet fühlen.
Nun stiegen die Löhne der Unterschicht in den letzten Jahren prozentual um das Doppelte gegenüber der Mittelschicht und die der Oberschicht beinahe um das dreifache.
Die Reichen, an welchen sich der Mittelstand orientiert, ziehen stetig davon, man spricht vom Regenbogenpress-Effekt, da man über das Leben der Supperreichen stets in Kenntniss gesetzt wird.
Dafür nähern sich die Proleten immer mehr dem hübschen, weissen Gartenzaun.
Nicht nur die, wenn man beobachtet, welche Häuser Leute mit Migrationshintergrund, der deutschen Sprache kaum mächtig, in die Landschaft stellen, kann man sich schon bedroht fühlen, so sich das Ego auf das Bankkonto stützt.
Man kann keinen Nagel gerade in die Wand hauen und in Sachen Wohlstand grenzt man sich auch nicht mehr klar vom Proletariat ab; Da kann es mit der Männlichkeit in der Tat kritisch werden.

Erschreckender daran finde ich, dass der untere Mittelstand in der heutigen Gesellschaft kaum überlebensfähig ist.
So am Radio Munot-Stammtisch gehört, welcher eine Familie mit einem Einkommen von monatlich 6000 Franken und zwei Kindern als Beispiel hervorhob. Ohne Rückvergütung von Krankenkassenprämien, hätte eine solche Familie gerade genug, um die Mäuler zu stopfen.
Wo soll das hinführen? Um sich Kinder zu leisten, muss man dem mittleren Mittelstand angehören, alle anderen gehören von Rechtes wegen Zwangssterilisiert? Führe ich jedoch ins Feld, dass die Erfüllung des Wunsches nach Familie eine reine Budgetfrage sei, werde ich von hüben und drüben für meine rationelle Denkensart scharf kritisiert.
Ein weiterer Wandel, welchen die Gesellschaft nicht wahrhaben will. Es gilt keinen Hof mehr zu bewirtschaften, es sind keine Kinder mehr notwendig, welche einem im Alter pflegen. Familie und Kinder sind ein Luxusgut und wer sich dieses leisten möchte, der stellt am besten schon in der sechsten Klasse die Weichen richtig, wenn sich entscheidet, ob er die Oberstufe besucht.

Eine gewisse Ironie; Nichts ist günstiger, und angeblich schöner, als die Zeugung eines Kindes und dennoch gilt es von Verstandes wegen, diesem urnatürlichem Trieb der Gesellschaft wegen zu entsagen. Doch, die Menschheit hat sich mit ihrer Zivilisation hervorragend entwickelt.

Tragisch? Irgendwie schon; Wird doch aus dem ursprünglichen Erfüllen eines Herzenswunsch der Paare ein knallhart kalkuliertes Geschäft, andernseits auch eine Folge des Wandels, sprich; Man muss es einfach hinnehmen.
Sieht der Staat seine Zukunft wirklich im Nachwuchs, wären Kinder zu subventionieren, aber erstens geht das Bestreben eher in die Richtung, die Oberschicht mit Zuzügern aus dem Ausland aufzustocken, als den ungebildeten Nachwuchs von Handwerkern zu fördern.
Zudem liegt der Hund darin begraben, dass es selbst der dümmste Prolet schafft, sich fortzupflanzen und wir bald Fliesentischverhältnisse hätten, würde der Staat dies finanzieren.

Frauen haben auch ihr Gutes.

 

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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