Meine Woche und die Presse

Früher, als die Fahrer noch Marlboro rauchten, als Tyrell mit einem sechsrädrigen Auto die Welt überraschte, als Brabham an Nicki Laudas Heck einen Staubsauger montierte um den Wagen an den Boden zu saugen oder Renault aus einem 1400 ccm-Motor mittels Turbo über 1000 PS kitzelte, da guckte ich noch gerne Formel 1.
Fahrer welche sich nichts schenkten und einander nach dem Rennen mit Helmen bewarfen.alain-prost
Wenn heute ein Fahrer sein Spiegelchen verstellt wird das Rennen pausiert, damit alle anderen auch ihr Spiegelchen dementsprechend ausrichten können. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Motoren mit Apfelsaft betrieben werden und die Rennen werden beim friedlichen Knobeln in der Boxengasse entschieden.
So wurde Sonntags Vettel heftig gerügt, weil er sich den Anweisungen – Stallorder ist mal verpönt, mal in Ordnung, je nach dem, wie es gerade ins Sendekonzept passt – widersetzte und seinen Teamkollegen angriff.
Er erdreistete sich, aus einem strategischen Fahrkonvoi ein Rennen zu gestalten.

Sechsundsiebzig von hundert Personen würden heute, also am Montag, einer Initiative zustimmen, welche allen Arbeitnehmern einen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde zusichert.
Der Bundesrat, bekannt dafür am Volk vorbei zu politisieren, unterstützt dies nicht; Man müsste sich entscheiden, sicherer Job oder ausreichender Lohn. Ausreichend bedeutet, dass man vom Einkommen einer hundertprozent Stelle auch leben kann, was heute nicht die Norm sein muss.
Manch Kleingeist mag sich nun fragen, wieso denn arbeiten gehen, wenn der Lohn zum Leben nicht reicht; Weil, so der Herr Bundesrat Schneider-Ammann, weil so der Ehrgeiz gefördert wird Karriere zu machen und dies ist ein zentrales Anliegen des Bundesrates, daher unterstützen sie die Sklaverei.

Des weiteren erfuhr ich, dass wir die Gripen-Kampfflugzeuge, 22 an der Zahl, brauchen, um unsere Neutralität zu stärken.
Im selben Artikel las ich, dass eine grosse Studie ergab, dass wir diese dazu eben NICHT bräuchten.
Wenn wir mal alle Studien, Beschaffungsspesen, Schmiergelder und Zuwendungen in einen Topf werfen, hätten wir aus diesem Bottich schmutzigen Geldes von den General Dynamics gewiss schon fünfzig F16, ab dreiundfünfzig gibts den Fluzeugträger kostenlos dazu, bestellen können.

Dienstags enttäuschte mich Clint Eastwood.clint-eastwoodDieser Haudegen, der harte Hund, der Gran Torino, machte sich in einem Brief an Barack Obama für die Homo-Ehe stark.
Solch verwerflich Tun kann ich nur noch billigen, wenn er in die Politik will und Stimmen braucht.
Homo-Ehen, was soll der Schrott? Kinder zeugen können sie nicht, also muss man auch kein intaktes Elternhaus schaffen, so meine Meinung. Wozu denn heiraten. Und ist dies bei den Schwulen auch so ein Geld Ding? Aber welcher Part muss nun das Geld haben, damit der Andere die rosarote Brille aufsetzt?
Fragen über Fragen…

Dafür will Cameron, der britische Premier, den Deckel auf das Marmeladeglas schrauben; Vermindertes Arbeitslosengeld für Balkan-Zuwanderer, so sie nicht die reelle Chance auf eine Arbeit vorweisen können. Wir wollen nicht vergessen, die EU gibt den Jugos, pardon Kroaten, grünes Licht; Ab Juni dürfen wir mit einer kulturellen Bereicherung rechnen.

Um beim Thema zu bleiben, ebenfalls im Juni stimmen wir über ein Asylgesetz ab. Was mit dem Atommüll nicht klappt, setzen wir mit den Asylanten um. Künftig will der Bund die Asylanten in verschiedene Bundeseinrichtungen – Armeeunterkünfte – verweisen, der Kanton hat da nichts mehr zu melden.
So freut sich das 70 Seelen-Dorf Bedretto im Tessin bereits auf die Zuweisung von 120 Asylanten. Überfremdung ist kein Thema.
Was wollt ihr lieber? Eine Arbeitsplätze generierendes Tiefenlager für Atommüll, oder vergewaltigende und stehlende Asylanten vor der Haustüre?

Im zürcherischen Weinland kann sich die Natur einmal mehr nicht mehr selbst regulieren. Deswegen prüfen Jagdgesellen den Einsatz von Nachtsichtgeräten. Der Abschuss mit einem Nachtsichtgerät sei für das Tier stressfreier. Wie selbstlos, sag ich da, und so human.

Da schiesst mir die Doku Population Zero durch den Kopf. Der Mensch brauchte 10’000 Jahre – bisher, wir sind noch nicht zu Ende – um die unfertige Welt seinen Bedürfnissen anzupassen. So weit, bis die Wälder abgeholzt, die Polarkappen weg, die Luft dünn, die Sommer brütend heiss und Winter knackig frisch sind.
Wäre morgen der Mensch weg, hätten sich in 500 Jahren die Wälder regeneriert und ausgebreitet, bereits nach 200 Jahren die Flüsse wieder ihre natürlichen Wege gefunden haben, in derselben Zeit wäre die Luft wieder gereinigt, unsere Bebauungen wären nach 120 Jahren verfallen und bereits nach 25 Jahren wäre unser radioaktiver Müll auf natürliche Weise im Boden versickert.
Irgendwie scheint die Natur schon ohne uns zurecht zu kommen, wir könnten unsere selbstlosen Bemühungen, Flora und Fauna auf die grünen Beine zu helfen, getrost einstellen.

Mittwochs setzten die Medien uns davon in Kenntniss, dass der Bundesrat nicht gedenkt, sich vom Volk wählen zu lassen. Nicht, dass wir dies nicht könnten, aber es wäre besser, wenn dies das Parlament erledigt. So könne sich der Bundesrat auch besser auf seine Arbeit konzentrieren und müsse sich nicht damit aufhalten dem Volke zu gefallen, sprich, in unserem Sinne zu politisieren.
Ich meine, die Handhabung der Vetternwirtschaft ist bei 246 Wählern einfacher als bei einigen Millionen. Alleine was da an Zuwendungen notwendig wäre, da hätten wir ja bald Berlusconische Zustände wie in Moskau.

Die Staatsanwaltschaft begründet ihre Entscheide nicht und wird auch zu Einzelfällen keine Begründung abgeben.

So der Schaffhauser Staatsanwalt Willy Zürcher.
Der 21-jährige Marokkaner Ugu-ugu – Name der SN bekannt – wurde am 28. September 2012 wegen Diebstahls und Kaputt-Machens von Sachen zu dreihundert Franken Busse und einer Geldstrafe von 420 Franken verurteilt. Dies jedoch bedingt, weil er sowieso kein Geld hat, was heisst, dass er einfach zwei Jahre die Füsse still halten musste.
Die harte Strafe musste eine Lehre gewesen sein. Für 24 Stunden. Am 29. September bemühte er sich ein Auto auszurauben, am 20. Oktober war er wieder am kaputt machen, am 8. November belästigte er eine Barbesucherin und widmete sich hernach wieder der Sachbeschädigung.
Akribische Polizeiarbeit beförderte den jungen Kerl wieder vor die Staatsanwaltschaft. 1250 Franken Busse, die Geldstrafe betrug nun bedingte 300 Franken, die vorgehende Forderung verfiel und man bat den Herren, statt der zwei Jahre, soll er doch nun drei Jahre brav sein.
Nun, das Gericht kann natürlich so entscheiden, so es davon ausgeht, dass der Fehlbare fortan brav sein werde.
Ob diese Annahme nur auf Gottvertrauen beruht oder der arme Marokkaner seine Schuld begleichen konnte, wir können nur spekulieren, siehe die Aussage Willy Zürchers.
Aus dem kurzsichtigen Blickwinkel eines Kleinbürgers könnte man sagen, wir laden mit unserem Rechtssystem die Spitzbuben geradezu ein.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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