Jogging mit dem Osterhasen

Natürlich mag ich den Goldhasen.
Lindt macht nichts verkehrt, die Werbung mit den älteren Maîtres des Chocolatiers, das Glöckchen um den Hals, die goldene Hülle und die Schokolade ist einfach lecker. Alles erste Klasse und ich ärgere mich über die deutschen Trittbrettfahrer.lindtNun, ich würde so oder so den mit dem Glöckchen nehmen.

Wer mich kennt weiss; Um mir den richtigen Hasen zu schenken muss man die Migros aufsuchen. Den mit den grossen Augen, da ich mir den Namen nicht merken kann.osterhaseIch liebe diesen Hasen und es gibt ihn wirklich nur zu Ostern. Nicht als Adventbär, nicht als Weihnachts-Elch, nicht als Herbstbiber oder Sommermurmel. Er ist ein reiner Osterhase. In den Ausführungen 650 und 180 Gramm, mit richtig dick ausgegossenen Ohren und Mandelsplittern; Ein grosser Klumpen Schokolade, ein Gedicht, Poesie in Hasenform.

Diese Poesie liess ich mir heute Abend auf der Zunge vergehen, respektive hätte ich tun sollen.
Es gibt zwei Nahrungsmittel, welche in meinem Hirn einen Schalter umlegen, welche kein Sättigungsgefühl zulassen und nur der Verstand oder das komplette Vertilgen des Angebots Einhalt gebieten kann. Portionierte Schokolade in Riegel, Ei oder sonstwelcher Form und Erdnüsse. Geröstet oder als „Spanisch Nüssli“.
Glücklicherweise war ich so vernünftig und wählte die 180 Gramm Variante und, ganz atypisch, nur einen davon.
Nun, in etwa 15 Minuten war er verputzt.
Ich fühlt mich gar nicht mehr wohl, der Hase schien irgendwie quer in meinem Inneren zu liegen. Nebst dem physischen Unwohl sein, erschien vor meinem geistigen Auge ein kopfschüttelnder Dr. Dukan und ich vor dem Spiegel mit einer Träne im Knopfloch.
Es gab nur eine Möglichkeit. Ich begab mich ins Bad, öffnete den Deckel…

… des Wäschebehälters und entnahm die schon etwas riechende Trainerhose. Alleinstehende Männer pflegen ja zwei Wäscheberge. Riecht schon und riecht aber geht noch.
Einen Stock tiefer stand meine ausgeleierte Jogging-Jacke, welche ich einige Male gegen den Türrahmen schlug um die Salzkruste zu brechen, damit ich meinen Hasenbauch hinter den Reissverschluss zwängen konnte.
Leichter Nieselregen und drei Grad Celsuis erwarteten mich, als Vanessa hektisch den Start-Countdown herunterleierte. Vanessa ist mein persönlicher Couch. Während des Laufes orientiert sie mich über die zurückgelegte Strecke, die Geschwindigkeit, die Zwischenzeit und die verbrauchte Menge Osterhasen in Kilokalorieneinheiten. Des weiteren sendet sie die Daten an Google, soziale Netzwerke, Nasa und die NSA. Während diese werbetechnisch ausgeschlachtet werden, sind ganz nebenbei auch allfällige Kollegen informiert, dass ich nun begonnen habe zu laufen, Stalker können auf einer Karte verfolgen, wo ich durchsprinte und mich per Tastendruck anfeuern, was mir Vanessa auch weitergibt.
Vanessa steckt in meinem Telefen, selbiges einem kleinen Täschchen, welches wiederum an meinen Oberarm geschnallt wird. Ist eine feine Sache, keine Frage.

Ich sprang los wie Bambi mit Klopfer. Meine regenerierten Achillessehnen – erholten sich übrigens erst, als ich jegliche Physiotherapie verweigerte – sind bei der Verrichtung ihrer Arbeit wieder die reine Freude, zudem lassen mich zehn Kilo weniger Ballast mit der Dynamik eines homosexuellen Balletttänzers aus dem Dorf hüpfen.

Nach einem Kilometer merkte mein Körper, dass er soeben in jeglicher Hinsicht verschaukelt wird, ich bewegte mich von einem Schritt zum anderen mit der Anmut von Pooh dem Bären. Dachte mein Organismus, den Hasen langsam zu zerlegen, Fett und Zucker als Reserve hübsch einzulagern. Stattdessen rief da plötzlich etwas; Energie, wir brauchen Energie. Der körpereigene Drill-Instructor und der Materialwart waren im Clinch, was dazu führte, dass mein Hasen auf halber Höhe hin und her gezogen wurde, mal die Speiseröhre hoch wanderte, dann wieder direkt den Darmtrakt aufzusuchen schien. Ich musste kurz innehalten, dachte das Hasenproblem löst sich gleich in den Busch zur Linken.

Die wiederholte Kontraktion meines Musculus rectus abdominis, ich glaubte ein Knacken zu hören, begann den Hasen zu zerlegen, wobei der Streit in meinen Innereien erstmals abklang und ich den Lauf fortsetzte.
Als der kleine Bursche in meinem Inneren zerlegt war, wollte der Körper ihn auch wieder loswerden. Ich verschone euch mit anatomischen Details, aber ich war ganz froh, dass ich so ganz alleine durch die einbrechende Dunkelheit und den Nieselregen trabte. Trötend wie Benjamin Blümchen.
Als sich meine übliche Runde denn dem Ende neigte, entschied ich mich kurzentschlossen, 1000 Kilo-Kalorien müssen weg. Dies dürfte in etwa der Energie eines Schokohasen entsprechen.

Also verbrachte ich die letzten Kilometer damit, die Dorfbewohner zu verwirren, als ich ganz in schwarz, mit hochgezogener Kapuze auf leisen Sohlen den Millionenhügel hoch und runter trabte.
Drehte einem Linienflieger gleich meine Runden, bis mir Vanessa sagte, die 1000-kcal-Grenze sei geknackt, was glücklicherweise auch gleich mit meinem Verdauungstrakt korrespondierte, welcher meldete… ach lassen wir das.

Ich fühle mich wieder wohl und glücklich, hoffe dies war eine Lehre für mich und werde künftig den Verzehr von Schokolade mehrfach abwägen.runtastic-30-03-13

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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