Neulich, beim PEARL-Versand

Wo findet der passionierte Heimwerker eine CNC-Fräsmaschine für 98.95.-, einen Rasenmäher für 35.45.- und kriegt die Gartenkralle dazu geschenkt? Inklusive Futteral um sie auf Reisen zu nehmen, sowie eine Zweite für Freunde und Bekannte, gegen eine Bearbeitungsgebühr von 14.95.-, kostenlos dazu?

Richtig, bei Pearl!pearl

Der Online Versand, welcher sie begleitet, von der formaldehyd-getränkten Kinderwiege bis zum Leicht-Pressplatten-Sarg mit USB-Anschluss für Live-Entertainment während der Abdankungszeremonie.
Einmal bestellt wird man auch im zweimonatigen Zyklus mit einem Katalog bedacht. Vorwiegend in schillerndem Lycra bekleidete Blondinen präsentieren mit einer Gitarre auf den Knien die Santana-Trainingssoftware für DOS 6.22 oder den klappbaren Racing-Seat für ihren SEGA Mega Drive.
Es zieht euch weg vom Sofa? Im kleinen Weissen steht eine Dame auf dem Laufband und präsentiert die zu erwartend knackige Kehrseite, so man es schafft, täglich ein paar Minuten auf selbigem zu bleiben.laufbandSie schätzen den gepflegten Modelgang? Sie werden feststellen, nachdem es den ambitionierten Läufer dreimal in die Wohnwand gesemmelt hat, werden sie durch die minimierte Lauffläche von 36 Zentimetern Breite und 96 Zentimetern Länge motiviert, einen Fuss vor den anderen zu setzen und ein moderates Tempo nicht zu überschreiten. Durch den verkleinerten Motor, Pearl arbeitet mit einem Sechstel der, zum Beispiel, von Technogym zur Verfügung gestellten Motorleistung, lässt sich das Trainingsgerät mit einem Fusstritt unter das Sofa befördern.
Die einzige Voraussetzung, sie dürfen die dreihundert Pfund-Grenze noch nicht überschritten haben, sonst laufen sie Gefahr, dass das robuste Gerät unter ihnen zerbröselt.

Pearl scheut keine Kosten, von „Der Preis ist heiss“ hat Pearl.tv Harry Wijnvoord’s Assi Walter Freiwald abgeworben.
Gescheitelt und schmierig geleckt bietet er unter anderem den Candy Grabber feil, welcher unter gequälter „Jahrmarktsmusik“ – Einzug der Gladiatoren heisst das Stück – in den letzten Zügen ächzend eine Kinder Schoko-Bon zum Auslass zu schleppen versucht.  Wie die Moderatorin bemerkt, je grösser das süsse Goodie, desto schwerer zu angeln, nicht zuletzt, weil die Typ D 1.5-Volt-Batterien sich unter dem losen Batteriefach bereits bläht. Vorsicht, nicht im Lieferumfang enthalten! Die Typ D ist noch grösser als die gute, alte Babyzell, da wünschen wir Papa bereits viel Spass, wenn er an Heilig Abend von Esso zu BP und Avia-Shop rasen darf.

Es liegt mir fern, über Pearl zu lästern.
Man kann sagen was man will, bei Pearl erhält man die Qualität, für welche man bezahlt hat. Dies habe ich schon vermehrt festgestellt.
So bei meinem Wake-Up-Light für 9.95.-, welches gegenüber dem Philips-Klassiker immerhin eine Preisersparnis von 95% darstellt. Man könnte natürlich auch sagen, dass ich für mein Philips Wake-Up-Light zehn Franken zu viel bezahlt habe, weil das Pearl-Produkt doch nicht in jeder Hinsicht überzeugte.
Die Einschlaf- und Aufwachhilfe durch selbst dimmendes Licht vermochte im Speziellen mit der kompakten Bauform von zehn auf zehn Zentimetern nicht zu überzeugen, die Lichtstärke von einem halben Lux reichte weder zum wecken, noch zum sanft entschlummern.

Man könnte meinen, ich hätte gelernt, doch bereits schneite ein neuer Milchshaker ins Haus. Den Boden des Messbechers knapp mit Milch bedeckt vermochte er die Küchenkombination bis zum Esstisch mit einem feinen Proteinschaum zu glasieren, beim halb gefüllten Messbecher quittierte der in seiner Drehfreudigkeit nun ordentlich gehemmte Motor mit einem seltsamen Geruch seinen Dienst.
Ich will mich nicht beklagen, zu meinem neuen Turmix-Pürierstab habe ich nun immerhin einen hübschen 29.95.- Edelstahl-Messbecher des renommierten Pearl-Hauslieferanten Rosenstein & Söhne.

Hinsichtlich der Campingsaison kaufte ich bei Interdiscount einen Weltempfänger. Dieser liegt irgendwo in der Normandie zwischen den Gebeinen der gefallenen Allierten auf dem Grund des Atlantik. Nicht, dass ich daraus gelernt hätte, dass man für 12.95.- eben auch nur einen Empfänger mit der Trennschärfe von 12.95 erhält, nein, ich liess mir daraufhin von Pearl einen Deluxe-Gerät für 9.95.- Franken liefern. Mit, haltet euch fest, einem Aux-Eingang, einen Kophörer-Ausgang, einem USB-Anschluss, einem Wecktimer und einer pupillenzerfetzenden, blauen Display-Beleuchtung. Ein Weltempfänger, welcher ausschliesslich auf dem UKW-Band empfängt und auch hier nur, so man sein Zelt unmittelbar neben dem Funkmast platziert und der Sender so stark ist, dass man sein Ohr auch an die nächste Dachrinne pressen könnte um Radio 10-Gold zu hören. Diese Leistung hat seinen Preis, der Akku ist nach 5 Stunden leer und die Tatsache, dass einem der Akku-Betrieb ein ausserordentlich wertiges Gerät vergaukelte, merkt man spätestens vor dem Batterienregal, dass die gute, alte Wegwerfbatterie immernoch die verbreiteste, mobile Stromquelle wäre. So der Avision-Weltempfänger nur über einen Aufnahmeschacht verfügen würde.
Vielleicht dudelte er in der Abfallverbrennung Rotterdam noch sein letztes Lied.

Mein letztes Pearl-Schnäppchen war die Nudelmaschine, natürlich von Rosenstein & Söhne.
Ja, ich pflege vieler meiner Lebensmittel selbst herzustellen, ich bin kurz davor eine Kuh, zwei Hühner und einige Hektar Land zu erstehen. Nudeln machen ist eine gemütliche Sache, die Maschine erstaunlich massiv. Sie muss in der Hölle geschmiedet worden sein. Die Bedienungsanleitung legt mir auf drei Seiten ans Herz, das Gerät unbedingt von Wasser fernzuhalten. Keinesfalls mit Wasser zu reinigen und es schon gar nicht in die Spühlmaschine zu stopfen. Konsequenzen einer Zuwiderhandlung werden nicht aufgezeigt. Da jedoch nicht jeder freie Zentimeter mit dem Aufdruck „stainless steel“ versehen wurde, gehe ich davon aus, dass mir dieses Gerät unter der Kurbel davon rostet. Die Erfahrung wird es zeigen, mir ist nicht daran gelegen, kleine Teigresten-Tierchen im Küchenschrank zu züchten, also wird es ordentlich im Wasser getaucht.

So, und nun muss ich mich entschuldigen, ich habe soeben ein 35-PS-Chiptuning für 4.95.- und einen sich selbst aufrollenden Gartenschlauch gesehen. Ich habe wohl keinen Garten, aber man weiss schliesslich nie…

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
Dieser Beitrag wurde unter Pub, Vom Leben und gelebt werden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.