Das Kreuz mit der Konsole

Ihr kennt dies ja.
Man kommt vom anstrengenden Tag auf dem Felde nach Hause, schlüpft in seine Pantoffel, trinkt einen Kaffee und hat keinen sehnlicheren Wunsch, als ein paar virtuelle Figuren ins Nirvana zu ballern.

Ihr startet die Konsole, welche nun doch schon einige Zeit brach lag mit einem Tastendruck auf den Controller. Ein etwas intensiverer Druck, begleitet von gedämpften Flüchen und leichtem Schlagen des Controllers auf die Tischplatte. Die daraus resultierende Erschütterung lässt natürlich den Kaffee über die Ränder der exklusiv designt und filigran hergestellten Pixie-Tasse in Form einer Kaffeekapsel schwappen. Ja, hättest du mal wie ein vernünftiger Mensch ein Dosenbier geöffnet.
Man begibt sich auf die Suche nach dem Ladekabel für den Controller, welches versehentlich in den letzten Urlaub auf die Antillen reiste, dort überraschenderweise nicht in den E-Book-Reader passte, was soweit auch nicht tragisch war, da der universelle Reiseadapter in keine der Dosen passte, welche da traurig aus der Wand von Crazy-Achmeds Entspannungsoase hing. Diese Wendung der Geschichte entdeckte man natürlich erst, nachdem man die USB-Buchse am E-Book-Reader ordentlich verwürgt hatte, Crazy Achmed einen Elektriker für die Hausinstallation einfliegen musste – trau mir, ich bin Ingenieur, ich krieg da schon Strom in das Ding – welchen er aufgrund der Kredikartenabrechnung direkt aus Boston eingeflogen haben muss, obwohl ich schwören konnte, dass er auf dem Fahrrad ankam. Mit einem Anhänger und einer Migros-Tasche welche auf verschlungenen Pfaden den Weg auf die Antillen fand.

Ich bin überzeugt, das USB-Kabel wieder eingepackt zu haben. Gleich nachdem ich damit eine armlange Echse aus dem Zimmer gepeitscht hatte. Achmed rief noch einen Glaser. Das Mistvieh, also die Echse, glaubt es oder lasst es bleiben, welches an sich schon auf dem Boden kriecht, vermochte sich unter dem geworfenen Wanderstiefel wegzuducken, dass dieser ungebremst durch die Plastikplane sauste, welche Achmed kurzerhand durch eine schallisolierte, klimafreundliche Fünffachglasscheibe mit Ozonfüllung und Vakumzone ersetzen liess. 6’000’546 antillische Blinkemünzen.

Nun suchte ich das Kabel in Haus und Hof, fand es im fünften aufgeschnittenen Altpapierbündel, während die Uhr unaufhaltsam ihre Runden dreht. Also die Zeiger, wir sind ja nicht bei Alice im Wunderland.
Mit der Konsole verbunden reagiert noch gar nichts, bis ich den Knopf der Konsole selbst betätige, was ich sehr zu vermeiden suche, um die auf Hochglanz polierte Front nicht zu versauen.aktualisierenNatürlich, die Konsole braucht von Zeit zu Zeit ein Update, da will ich überhaupt nicht mäkeln.
Wobei, doch. Eigentlich schon. Würde das Sony Playstation Netzwerk nicht mit einer Regelmässigkeit gehackt, welcher dem Erscheinen von Enthüllungsstorys Natascha Kampusch’s in der Blödzeitung in nichts nachsteht, wären auch keine ständigen Updates erforderlich.
Meine Konsole besitze ich schon sieben Jahre, das Erscheinungsbild ist noch wie am ersten Tag, obwohl ich monatlich ein Update erhalte. Gar einmal mit drei Gratisspielen, da Sony die Benutzerdaten aller Benutzer an ein schwarzes Brett pinnte und man sich eine neue Kreditkarte besorgen musste. Die Spiele waren gratis, bis nach drei Monaten, nach dem Abklingen des Sturmes der allgemeinen Entrüstung und einem neuerlichen Update, die Spiele nur mal eben im Store wieder freigeschaltet werden mussten. Gegen eine Arbeitsgebühr von 29.90.

Nun legte ich also die Disc für GTA V ein. GTA, nicht GT. GT, also Gran Turismo ist das Spiel, welches grundsätzlich mit jeder neuen Konsolen-Generation in 4 Versionen erscheint. Erst auf der alten Konsole als Preview-Version. 89 Franken. Dann eine Preview-Extended Version mit sensationellen Neuerungen. Für 69 Franken das Update, oder 69 Franken für einen VW-Käfer, wenn man dies so will, denn dies ist die sensationelle Neuerung. Und dass die Zuschauer auf den Rängen nun Ohren und Nasen haben. Sieht man ganz schnell beim Start des Rennens.
Die neue Konsole kauft man im Bundle für 800 Franken mit dem GT jetzt in Superduper-HD. Getrennt kostet die Konsole 695.- und das Spiel 89.-, dafür fehlt der designte GT-Controller. Jener, welchen man am Tag darauf im ID zurückbringt, weil der linke Steurknubbel durch das Gehäuse gebrochen ist und einem der Verkäufer erklärt „Nur im Bundle in der Originalverpackung“. Diese, welche man praktischerweise gleich im Bus liegen liess.
Dann, endlich kommt das endliche und finale Gran Turismo. Mittlerweile hat man von dem Hype jedoch so die Faxen dicke, dass man die Disc kurz rein schiebt, keine Neuerungen entdeckt und auf den Stapel legt.
Den längst spielt man Grand Theft Auto.

Ich weiss nicht was auf diesen Discs ist, aber es dürfte nicht mehr als eine Batch-Datei sein, welche auf die Online-Server zugreift und das eigentliche Spiel runterlädt. Ihr kennt die Online-Server, namentlich die Schinkenbrote von EA.ea-serverDiese Server welche zwischen drei und vier Uhr dreissig des Morgens, Mittel-zentral-asiatische Greenwich-Zeit, erreichbar sind, und auch dann nur für 83 ausgewählte Nutzer.

Einmal drin beginnt das Spiel jedoch zu laden. Das Spiel, welches ich fabrikfertig und eingeschweisst bei World of Games erstanden habe.
80 MB, nun, das geht ja noch. Ein Bug behoben, gut, dass sie es bemerkt haben.
120 MB, ja guut… ‚Ey, spielst du schon?‘ kommt die Kurzmitteilung des Kollegen. ‚Nä, ist am update. Bin ganz hibbelig‘.

Hole mir ein Bier, kehre zurück.

256 MB. What the fuck! Ich will spielen, aaargh.
Schalte die Quelle um, bleib bei den Trovatos hängen, die Lampe an der Konsole blinkt wie wild, der Ventilator bläst die Farbe vom Regal.

95 MB.
438 MB. Ich bringe die Schweine um. Irgendwann fahre ich in die Staaten, sprenge Rockstar und zünde die EA-Server an. Toll, nun werde ich auf der schwarzen Liste stehen.

Vielmehr fürchte ich mittlerweile um das Restvolumen meine Festplatte, wir dürfen nicht vergessen, das Original wurde mit einer 80 GB-Festplatte ausgeliefert. Habe ich bald durch eine 320 GB-Platte ersetzt.
Quittierte die Konsole mit einem Röcheln und dem Red-Light-of-Death. Gamer kennen dies, entspricht dem langgezogenen Strich auf dem Monitor im Krankenhaus. Gerüchte behaupten, wenn man das IC 547 mit einem Heissluftföhn bearbeitet und dabei die an der USB-Buchse wackelt erwacht sie wieder zum Leben, meine ging zur Schweizer Reparaturstelle.
Ein nicht erlaubter Eingriff, welcher die Garantie zunichte mache, wurde mir in einem offiziellen Sony-Schreiben mitgeteilt. Die 320 GB-Festplatte wurde zu Beweiszwecken gleich eingezogen und ich erhielt die Offerte für ein B-Chassis. Das sind Konsolen, welche auch abgeschmiert sind, aber wieder zum Leben erweckt wurden. Mit einem Heissluftföhn und Streicheleinheiten an der USB-Buchse oder so.
Ich bestellte sie und bei PCP eine neue 320-GB-Festplatte.

Das mit dem Spielen ist nicht mehr so toll wie einst. Man kann jährlich ein PGA-Golf und ein FIFA-Fussballspiel kaufen. Oder, wie ich es nenne, sich für 98.- das Cover und die Mannschaften aktualisieren lassen. Natürlich, Freaks behaupten, ich erzähle Mist. Der Ronaldo rutscht nun auf dem linken Knie um zu jubeln und der Rooney hätte mehr Haare, aber im Prinzip sind die Spiele seit 5 Jahren dieselben.
GTA ist da noch ein Lichtblick, deswegen kann man das identische Spiel auch mit der Playstation 4 kaufen. Ganz allgemein sind für die Playstation 4 nur Spiele erhältlich, welche man auf der PS3 schon durchgezockt hat. Einfach in Hyper-HD. Wenn man den Fernseher für 10’000 Franken dazu bestellt.controller

So, für das einjährige Spiel habe ich nun 967 MB Software-Update geladen, jetzt sitze ich im Schneidersitz 1,5 Meter vor meine Leinwand mit 2-Meter Bilddiagonale, da der Akku des Controllers wieder leer ist und spiele 15 Minuten, bis sich die Gaming-Sickness einstellt.

gaming-sicknessErliege ich wirklich teilweise.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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