Die Dukan-Diät, beinahe zu Ende; Ein seriöser Rückblick

Wir wollen ihn auch mal loben, den guten Dr. Dukan.
Vergangenen 6. März vor zwei Monaten stand ich des Abends in der Küche und tranchierte ein Huhn, respektive zwei. Zwei von den sechs, welche immer noch in meinem Gefrierer ruhen. Am Tag danach hatte ich mitunter eines der ekligsten Mittagessen meiner arbeitstechnischen Laufbahn. Der Gockel konnte sich zwischen pampig labrig und trocken faserig nicht unterscheiden und es war eine art staubtrockenes Gelee welches sich durch meinen Schlund kämpfte.
Und dies soll also meine Ernährung sein. Für die nächsten zwei Monate… Am Tag darauf versuchte ich Rindfleisch. Gewürzt mit guter Hoffnung und Pfeffer. Schmeckt wie es klingt.
Wieder einen Tag danach, wir schrieben schon den Mittwoch, wurde ich vom Pouletfachverkäufer über die schmierige Theke gezogen. Achtzehn Franken nochwas für ein kleines fettiges Huhn in einer Papiertüte.
Auf dem Schreibtisch sauber tranchiert, die Haut abgezogen, die Flügel ausgerissen, alle Würze abgekratzt, kurzum; Von der ganzen Pracht wanderten gut 60% in den Müll. Nicht weil es ungeniessbar gewesen wäre, nein, es roch sogar sehr lecker, aber Dr. Dukan duldet kein Fett.

Es war dann wohl der Donnerstag, an welchem ich die M-Budget Pouletstücke entdeckte. 750 Gramm fettfreies Fleisch für 9 Franken neunzig; Meine Diät schien doch Chancen zu haben. Am Dienstag kommende Woche konnte ich Poulet nicht mehr riechen. Da kam der Pfeffer ins Spiel. Die ersten drei Bissen tränen die Augen, danach sind die Geschmacksorgane betäubt, man füllt den Magen mit einer Masse.
Kurz darauf entdeckte ich den atlantischen Lachs. Undenkbar, einen Fisch ohne Paniermehl und Mayonnaise zu essen. Bisher. Den Hungertod vor Augen, wächst der Mensch über sich selbst hinaus.

Während noch trocken Thon aus der Dosche meine Abendgelüste vertrieb, entdeckte ich bald Magerquark für mich. Eine Prise Zimt und man hat schon beinahe ein Dessert. Es beschämt mich immernoch, dass es nicht meine Idee war, aber ein Kurzzeit-Dukanier zerrieb Assugrin und fabrizierte einen Zimtzucker, welcher dem echten schon ordentlich nahe kam.
Man wird kreativ und Dukans Rechnung geht auf. Man bestellt seine Aromen im Shop. Natürlich liefert der deutsche Shop nicht in die Schweiz, also müssen wir unsere Französischkenntnisse und die Kreditkarte bemühen.
Dukan lässt sich Zeit, aber er liefert.pierre-dukanSchokoaroma und die ekligen Konjak-Nudeln, ihr entsinnt euch.

Mittlerweile findet sich noch Nuss und Honigaroma in meiner Molekularküche.
Das Dukan-Kochbuch ist für’n Allerwertesten, das habe ich nach der zweiten Backpulver-Vergiftung entschieden.
Aber es brachte einem dazu, sich mit Nahrungsmitteln zu beschäftigen und liefert kochtechnische Anreize.

Die Dukan-Methode geht weiter auf, Fertignahrung übt keinen Reiz mehr auf mich aus, ich könnte in Wetten, dass… einen Migros-Nährwerttabellen Wettstreit für mich entscheiden und man ernährt sich bewusster.

Ich liebe Fisch und paniere ihn mit Haferkleie. Morgens streiche ich selbst entwickelte, fett- und zuckerfreie Nutella – Patentanmeldung läuft – auf mein selbst gebackenes Vollkornbrot, am Wochenende stelle ich die eigene Pasta her und wenn man mit Hüttenkäse und einer beschichteten Pfanne hantiert, kann man durchaus eine Art Carbonara herstellen.

Nun, ich will nicht sagen, dass die Ernährung das Alpha und Omega ist. Natürlich gelüstet es mich nach richtiger Schokolade, nach Erdnüsse, nach Alkohol und einer richtig öligen Bolognaise und ordentlich gesalzener Speise.
Aber die Umstellung, wieder zu essen ist gar nicht so einfach.
Seit gut drei Wochen dürfte ich ein erweitertes Sortiment an Nahrung zu mir nehmen, ich konnte mich noch nicht vollends durchringen. Eigentlich bin ich schon glücklich, dass Brot in festgelegter Menge wieder gestattet ist. Vierzig Gramm Käse auf getoastet Brot mit Bündnerfleisch; Es ist eine Offenbarung zum Frühstück, auf welche ich mich schon Abends um sechs freue.
Gestattet wäre eine Frucht am Tag, einmal Pasta die Woche, einmal Schlemmermahlzeit, tägliches Gemüse….
Nun, ich arbeite daran. Die Stabilisierungsphase, pro verlorenem Kilo 10 Tage, ist die schwerste. Man gewöhnt den Körper wieder an normale Nahrung, das schrittweise herantasten soll den Jojo-Effekt vermeiden. Ein Drahtseilakt. Man muss die Zügel etwas schleifen lassen – sonst geht das Konzept nicht auf – diese und jene Nahrung zulassen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Schliesslich ist man schon auf Entzug. Die Seele lechzt nach Naschereien und der Körper nach seinen verlorenen Reserven.

Nun, Dukan hat bis jetzt funktioniert, ich bin voller Vertrauen für die letzte Phase.

Fazit, die Dukan-Diät ist wirklich eine feine Sache. Und sie funktioniert.
Wohl wird Dukan verrissen, wo man hinhört. Sich nur von Protein zu ernähren, sei schlecht für die Nieren. Die Beschränkung auf 72 Lebensmittel wär zu einseitig, ungesund. Die geforderte Disziplin eine zu hohe Anforderung.
Man wird kaum eine Diät finden welche gesund ist. Doch gesünder als das Anfressen der Pfunde wird es wohl noch immer sein.
Dukan ist die einzige mir bekannte Diät, welche das Augenmerk so gezielt auf die Nährwerte richtet. Mit Kompromissen, klar – man hat definitiv Zucker und Vitaminmangel – aber da muss man durch. Aber durch die hohe Einnahme von Proteinen bleiben die Muskeln erhalten und dies scheint mir das Wichtigste.

Das grosse Plus in meinen Augen; kein Kalorien zählen. Es ist ein Märchen, dass man soviel essen kann wie man will – sind wir mal ehrlich, damit wirbt mittlerweile jede Diät -, da lügt Dukan wie alle anderen auch, aber man setzt sich keine Kalorienobergrenze, sondern beachtet einfach die Nährwerte. Etwas Hunger leiden gehört zu einer Diät, letztendlich ist es ja das Ziel, mehr auf den Körper zu hören. Ich kann nach wie vor dieselbe Menge an Nahrung vertilgen wie eh und je – testete ich bei einem Ausnahmeweekend in Davos und einer Schlemmermahlzeit – aber ich glaube mittlerweile unterscheiden zu können, ob wirklich der Körper Nahrung braucht, oder einfach der Geist Gelüste verspürt.

Nicht geeignet ist die Diät wohl für in Beziehung lebende Menschen. Das Soziale wird schon sehr strapaziert, stets ein eigenes Menü zuhause, im Restaurant isst das Gegenüber alleine, kein gemeinsamer Alkohol, kein Pop-Corn im Kino; Es ist kein Spaziergang, hüben wie drüben.
Und, wenn irgendwie möglich sollte man einen Wingman haben. Die gegenseitige Unterstützung ist unglaublich wichtig und jeder Durchhänger konnte so bewältigt werden. Das ganz Umfeld meint „Iss mal was… siehst ungesund aus… ach, einmal macht ja nichts… jetzt ist auch genug…“; Nett gemeint, aber nicht wirklich unterstützend. Hat man einen Leidensgenossen, welcher sagt „Finger weg von Schokolade! Strong enough! Da ist noch Butter auf dem Brötchen! Heute Training!“, ist dies von unschätzbarem Wert.
Danke PD! No homo 🙂

gewichtsverlauf

Wir erkennen, ca. ein Kilo pro Woche ist durchaus realistisch. Der Beginn der Woche war jeweils pendelnd, von Samstag auf Sonntag der grosse Sprung.
Unverkennbar das Wochenende vor dem 18. Februar in Davos, bis am 26. Februar weilte ich ohne Waage in den kalten Bergen, was mein Körper mit weiterem Gewichtsverlust zur Kenntnis nahm und am 1. März dann die erste Dukan-befohlene Schlemmer-Mahlzeit.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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