Die Sache mit dem Mohrenkopf auf facebook

Nein, natürlich lesen sie keinen Blick. Gut, wenn er gerade am Stammtisch aufliegt. Und dann auch nur, wenn der Heiri sagt „Da, jetz muesch emol luege, die Sauerei!“.
Solch ein dummes Blatt würden sie nie kaufen. Ich auch nicht und der Heiri würde gar zahlen, damit er sie nicht lesen muss.

So der allgemeine Tenor zur auflagenstärksten Zeitung unseres kleinen Landes.
Mit der Verbreitung des Smartphones hat mittlerweile jeder die Gratis-App auf dem kleinen Bildschirm. So studiert man in der privaten Abgeschiedenheit des Aborts die dümmste Zeitung der Welt. Ganz heimlich.

Diese Woche versucht der Blick krampfhaft die SVP ans Kreuz zu nageln.
Die Schweiz ist in der glücklichen Situation, vielen Leuten eine Zuflucht zu gewähren. Menschen, welche ihr Land verlassen müssen, weil dort ein Krieg herrscht. Oder irgendwann herrschte. Menschen, welche aktiv vor dem Krieg fliehen, weil ihnen keine Möglichkeit gegeben wird sich dem Kampf zu stellen und jene, welche sich stellen müssten, aber dazu keine Lust haben. Menschen, welche keine Nahrung mehr haben und jene, welche sich Nahrung kaufen könnten, aber dafür arbeiten müssten. Menschen, welche ihre Kinder in die sichere Schweiz senden, oder jene, welche dies bereits getan, nun die Kunde der tollen schweizerischen Sozialwerke vernommen haben und vom Familiennachzug profitieren.
Die Schweizer Regierung sieht sich in der Pflicht, die Arme auszubreiten und die Bedürftigen an ihre Brust zu ziehen. Im übertragenen Sinne. Es wäre ja nicht so, dass Frau Sommaruga nun die Gästecouch frisch bezieht und ihr Ferienhaus zur Verfügung stellt, aber sie reicht gerne die Zitze der Brust des Steuerzahlers.
Der ein oder andere Schweizer fühlt sich mittlerweile etwas überfahren und bevormundet, da er, trotz gelobter Demokratie, nicht viel gegen die Flut der fremden Kultur unternehmen kann. Gewiss, hin und wieder darf er einen Zettel in die Urne werfen und mit hübscher Regelmässigkeit bekennt sich das Schweizer Volk zu den konservativen Werten der Eidgenossenschaft. Betet, freie Schweizer, betet!
An und für sich wäre der Schweizer frei, ebenfalls ein Abstimmungsentscheid, aber dennoch muss der Volkswille von Brüssel abgesegnet werden. Nicht so direkt und offensichtlich, aber unsere Regierung ist im wesentlichen damit beschäftigt, die angenommenen Initiativen so zu drehen und biegen, dass sie EU-konform sind.
Aber wir können unseren Willen kundtun. Wie Kinder, welche anmerken, sie würden lieber fernsehen, bevor sie am sonnigen Nachmittag in den Garten gejagt werden. Weil halt immer jemand weiss, was für den anderen am Besten sei.

Der Unmut wurde einst am Stammtisch verbreitet und erörtert, heute bietet jede Tageszeitung eine Online-Kommentar-Funktion und auf sozialen Netzwerken tut man kund, was einem gerade durch den Kopf schiesst.
Da diese Meinungen im wesentlichen einer sehr konservativen, patriotischen Couleur sind, ist man im linken Lager mit dem Vorwurf „rechtsradikal“ schnell bei der Hand. Einfach weil jeder, welcher einen Cervelat postet und auf seiner Kleidung ein Schweizerkreuz trägt ein verkappter Nazi ist. Der Vergleich mit dem Nationalsozialismus ist irgendwie an den Haaren herbeigezogen, aber so weiss gleich jeder, was Sache ist, weil nur ganz wenige sagen würden, dass nationalsozialistisches Gedankengut eine feine Sache sei.rassist

Nun muss natürlich ein Sündenbock her, so der Juso-Chef Fabian Molina. Und Molina ist ein Student, also ein gescheiter. Wenn der nicht weiss, wie der Karren läuft, wer dann sonst?
Da Fabian Molina dem Schweizer Volk, eben nicht alles Studenten sondern viele dumme Bauern, nicht zutraut sich selbständig eine Meinung zu bilden, muss besagten beschränkten Schweizern irgendwer diesen Floh in den Kopf gesetzt haben. Bleibt nur die SVP, weil die SVP als einzige Partei so spricht, dass die dummen Schweizer verstehen worum es geht. Die Schweizerische Volkspartei greift gerne aktuelle Themen auf, in etwa wenn ein ein Albaner einem Schwinger die Kehle aufschlitzt, und die Munition geht dank unserer multikulturellen Gesellschaft und immer weicheren Gesetzen nie aus. Weil Schweizer eher selten ihre Gäste aufschlitzen, gerät die Juso etwas ins Hintertreffen, also mischen sie die Rechten auf, indem sie den 1. August abschaffen wollen. So geschehen im Jahre 2010. Hauptsache in den Medien.
Rassisten auf dem Vormarsch titelt aktuell der Blick. Der gebildete Student ist sich nicht zu gut, sich von einer Boulevard-Zeitung interviewen zu lassen. Passt gerade gut zum Wochenthema ‚Böse SVP‘.
Die SVP radikalisiere die Schweiz indem sie das Asylrecht in Frage stellt und mit ihren Initiativen die Kündigung der Menschenrechte fordert.
Nun ist es ja so, dass die SVP keine Gesetze macht. Aber wenn die SVP in etwa eine Initiative lanciert, dass Vergewaltiger und Kinderschänder auf den elektrischen Stuhl kommen und das Volk einhellig zustimmt, rein hypothetisch, ist die Partei dann wirklich böse?
Wenn ich die Politik richtig verstehe, entsende ich Volksvertreter nach Bern, weil ich selber keine Zeit habe und ausserdem zu dumm bin, da mitzumischen. Diese Volksvertreter haben dann meine Interessen zu vertreten, in etwa, dass Kinderschänder auf den elektrischen Stuhl sollen. Denn wenn ich wünsche, dass mein Junge einen pädophilen Fussballtrainer hat, weil dieser doch eine zweite Chance verdient und ich gerne meine Kinder als Versuchskaninchen stelle, würde ich vielleicht eher links wählen. Wenn die SVP nun also eine Initiative lanciert welche meinem Gusto entspricht, macht die Partei doch nur ihren Job. Und wenn solche Initiativen angenommen werden, gibt es natürlich zwei Ansichten. Die Partei manipuliert das dumme Volk, oder die Partei hat ein etwas grösseres Ohr für die Anliegen des Volkes, als die übrigen Volksvertreter.

Also mir gefällt der Gedanke, dass die Schweizer durchaus fähig sind, sich selber eine Meinung zu bilden, aber wenn eine Fabian Molina dies anders sieht, ist dies sein gutes Recht.

Eine weitere These des Blick ist, dass Social Media die Menschen zu Rassisten macht. Was umschrieben bedeutet, dass der Mensch in erster Linie ein völlig unselbständiges Wesen ist, unfähig, sich eine Meinung zu bilden oder einen Entscheid zu treffen. Bezeichnet er also Muslime auf facebook als Menschen, welche vierbeinige mit zwei Höckern bestückte Tiere zum Geschlechtsakt bitten – natürlich benutzte Hans-Peter Mathieu einen einfacheren Ausdruck – dann benutzt er die social-platform nicht als Medium, seine Meinung kundzutun, sondern die rassistische social-media benutzt seinen guten Namen um solchen Aussagen zu verbreiten. Wenn ich die Blick-Schlagzeile eins zu eins interpretiere. Aber Blick-Schlagzeilen müssen ja nicht zwingend den Inhalt des Artikels umschreiben.
Item; Damit blick-online nicht ebenfalls solch Schindluder betreibt, löscht die Blick-Redaktion im Auftrag der freien Meinungsäusserung jeden Kommentar, welcher irgendwie in eine mir-ist-die-Schweiz-ein-wenig-fremd-geworden Richtung abzielt. Sagt der Blick. Nicht ohne Stolz auf seinen Beitrag zum Wir-Gefühl.
Klar, wenn sich die Möglichkeit bietet mit dem Ausdruck Schwinger-Schlitzer eine Woche lang Tageszeitungen zu verkaufen, gibt man sich gerne auch einmal ein wenig rechts.

Unsere Rechtsbeauftragten sehen Social-Media nicht als Rassisten. In erster Linie, weil man facebook nicht direkt büssen kann. Die Verfasser von rassistischen Aussagen sehr wohl. Weil dies nämlich eine Straftat ist. Also man muss differenzieren. Kuhschweizer und Kameltreiber, meinetwegen mit identischem Adjektiv vorneweg, klingen sich recht ähnlich. Das eine setzt jedoch eine Person aufgrund des ethisch-kulturellen Hintergrund herab, das andere ist eine Aussage, welche man nicht so überbewerten sollte.
Ernst nehmen soll man allerdings, wenn die Migros für ihr Waschmittel wirbt, indem ein schmutzig-brauner Bär wieder weiss wird.
Vor dreissig Minuten war ich im Volg. Die Schüssel mit dem Mohrenköpfen war etwas ausserhalb meiner Reichweite platziert, doch beim Anblick gelüstete es mich spontan danach. Nun frage man einmal die Verkäuferin nach einem solchen Ding. Bitte ich danach, wie mir der Schnabel gewachsen ist, wie ich es als Kind gelernt habe, stehe ich die Tage vielleicht wieder im Laden, welcher im Nebenamt die örtliche Postgeschäfte abwickelt. In der Hand ein Schreiben, welches mich zum Abholen einer gerichtlichen Vorladung wegen rassistischer Äusserungen in der Öffentlichkeit anhält. Bestelle ich ein schaumbedecktes – auf keinen Fall das Adjektiv ‚weiss‘ verwenden – mit Schokolade überzogenes Bisquit, weiss die Verkäuferin nicht, was ich will und so ich es erkläre, werde ich fortan im Dorf gehänselt.

Zu guter Letzt; Wussten sie, dass es unzumutbar ist, Asylbewerber in einer Zivilschutzunterkunft unterzubringen, jedoch dieselbe Unterkunft für Grenzwächter eine durchaus adäquate Behausung darstellt.
Weil nämlich bei den Sparbemühungen der Schweizer Regierung jeder seinen Teil beizusteuern hat.
Jeder Schweizer zumindest.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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