Menschen sind nunmal Menschen

Menschen und ihre Beziehungen dürfen nicht auf die Sexualität reduziert werden.

So der Kontrapunkt des St. Galler Bischof Markus Büchel zu Bischof Huonder’s Äusserungen.
In der besten Absicht die Wogen zu glätten. Ein Satz, welchen sich vielleicht Pink Cross hinter die Ohren schreiben sollte, denn seit Beginn dieser Hetze sind sie mit nichts anderem beschäftigt; Die Menschen dadurch einzuordnen, mit wem sie ihre Intimitäten ausleben.

Jedem Individum sind seine eigenen Ansichten zugestanden. Solange er sie dort behält, wo sie hin gehören. Tief in seinem Kopf.
Äussert er sich öffentlich, die Spannweite reicht vom sozialen Netzwerk bis hin zur Predigerkanzel, sollen sich seine Ansichten mit der allgemeingültigen Meinung decken.
An der genauen Definition arbeitet man noch, doch die Richtung ist gegeben. Man bedient sich aus der Bibel, den besten Paulo Coelho-Zitaten, den schönsten Weisheiten auf Verpackungen der Zuckermühle Rupperswil und jeder Aussage, welche einem fernöstlichen Menschenfreund jeden Zeitalters in die Sandalen geschoben werden kann.
Kulturelle Unterschiede sollen ausgemerzt werden indem sich die grössere Kultur der kleineren – weil schon immer unterdrückt und ganz arm – anpasst und wäre es irgendwie möglich, würden wir alle unsere Hautfarbe zu einem schwarz-rot-gelb ändern.

Man sollte sich auf eine Weltsprache einigen, Neusprech oder so. Vielleicht ein Mix aus Rätoromanisch und den Kehllauten eines südamerikanischen Volkes, welches erst gestern bemerkte, dass ausserhalb des Dschungels eine Welt existiert.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, die Bibel gehört überarbeitet. Wir erkennen, dass die vermittelten Werte mit der neuen Gesellschaft nicht vollumfänglich vereinbar sind. Es droht die Gefahr, die Ideale einer Gruppe von Individualisten zu nähren.
Natürlich will man die Bibel nicht verbannen. Eine leichte Abänderung, dass sie die Aussagen der Inneren Partei gewählten Volksvertreter untermauert und wir wollen so tun, als hätten diese Zeilen schon ewig dort gestanden. In etwa, dass die Ehe zwischen zwei Männern das normalste der Welt ist und jede andere Religion gleich gut, gar noch etwas besser sei. Wer andere Ansichten predigt, soll als Ketzer gebrandmarkt werden.
Auch die Geschichtsbücher gehören überarbeitet, zeigt die Erfahrung, dass diese Geschichten den Menschen nur Flausen in den Kopf setzt. Dieser Aufstand gegen Obrigkeiten und das kindische Verlangen nach Freiheit wird hinfällig, wenn das Individum als solches nicht mehr existiert.
Die Geschichte soll neu definiert und niedergeschrieben werden, dass sich künftige Generationen an den Wurzeln der neuen Gesellschaft erfreuen dürfen.

Diese wunderbare Welt bedarf natürlich einer gewissen Führung. Auch wenn wir fortan alle gleich sind und die gleiche Meinung vertreten, erwacht dann und wann ein Rebell. Die neuen Geschichtsbücher legen wohl kein Zeugnis davon, aber dies ist für den einheitlichen Bürger auch nicht von Bedeutung. Wichtig ist nur, dass jemand ein Auge auf die Menschheit hat und solch Unkraut gleich im Ansatz vernichtet.

Nein, ein Verschwörungstheoretiker bin ich nicht.
Die Menschheit ist intensivst damit beschäftigt, sich ein Utopia zu schaffen.
Und dieses mal will man alles richtig machen, denn wir sind um Generationen schlauer als alle anderen, welche eine bessere Gesellschaft hervorbringen wollten. Kaum zu glauben, dass der letzte gerade mal vor 70 Jahren scheiterte.pinky

Wir heissen Gesetze gut, welche definieren, welche Äusserungen im öffentlichen Raum geahndet werden.
Antipathie ist, da naturgegeben, noch toleriert, allerdings nicht, selbiger Ausdruck zu verleihen.
Die Menschen formieren sich in globalen Netzwerken, deren Entwickler bestimmen, welche Fotografien für die Allgemeinheit tragbar sind.
Sie massieren sich freiwillig zu tausenden in Gruppen und goutieren, dass deren Anführer mit der rechten Hand auf der Maustaste entscheidet, welche Äusserungen in der Gruppe zulässig sind.
Der Menscheit widerstrebt der Gedanke einer globalen Überwachung, doch kämpft man für die Freiheit, mit mobilen Geräten über tausende öffentliche Zugänge kostenlos Daten auszutauschen.
Wohl hat jedes Volk seine Geschichte, jede Gruppierung seine Religion, doch kommt man zur Übereinkunft, dass diese Regeln nur noch Bestand haben, so sie auf einen allgemeingültige Aussage reduziert werden können. Einhellig ist man sich einig, wer diesem Grundsatz widerspricht gehört vom Gesetz bestraft.

Dies alles hat die Menschheit wiederholt erlebt, der Versuch unserer Zeit ist kein Novum.
Zur überraschenden Neuerung der momentanen Suche nach einer universellen Gesetzgebung zählt gewiss, dass man die Evolution für fehlerhaft erklärt. Selbstverständlich wurde schon an der Evolution gezweifelt, aber die Richtigkeit der natürlichen Bestimmung zur Fortpflanzung und das resultierende klassische Familienmodell kritisch zu hinterfragen, dürfen wir mit stolz auf unsere Fahnen schreiben. Daher ist man mit Nachdruck an der Überarbeitung und man beginnt bei abendländischen, ursprünglichen Gesetzgebung. Das ungültig erklären der heiligen Schrift und der Brandmarkung derer Verkünder.

Mit den besten Vorsätzen möchte die Menschheit sich eine neue Welt erschaffen.
Lobenswert. Allenfalls bereitet mir Sorgen, ob man ohne individuelle Charakterzüge den schmalen Grat zwischen Utopie und Dystopie noch erkennt.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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