Saublaser-Heinzelmann HM zwoundzwanzig

Mein guter „alter“ Staubsauger würde gewiss noch von einigen Garantieleistungen profitieren. Hätte, wäre, wenn… Ich mag einige Talente besitzen, das Aufbewahren von Quittungen zählt nicht dazu, offen gesagt, so ich diesen Beleg meines Erwerbs nach der kaufhauseigenen Schiebetür noch in meinem Besitz wähne, hat er es weit gebracht.

Ich werde es wohl nie lernen, stets werde ich ein Produkt überbezahlen, weil ich einem vermeintlichen Beinahe-Geschenkt-Angebot den Vorzug gebe, bevor ich Qualität erstehe.
Der gute Saugblaser Heinzelmann nutzte seine 1800 Watt vorwiegend zum Heizen meiner Baracke. Da im Winter Väterchen Frost seine böigen Boten durch alle Ritzen drückt ist dies nicht der ungünstigste Nebeneffekt, würden nicht trotz intensivem Stochern mit dem Staubsaugerrohr die Spinnweben lustig im Wind tanzen, während sich die darin wohnende Spinne lässig, ich möchte sagen verhöhnend, mit einem Bein haltend dem Sog der Jumbo-Höllenmaschine widersetzt.
Wohl haben Geräte keine Gefühle, aber dies hindert mich nicht, meine Missgunst ihnen gegenüber zum Ausdruck zu bringen. So wird er am äusserst dehnbaren Schlauch verächtlich die Treppe hinunter gezogen, bis sich der Stecker als zu erwartende Reaktion mit neckischem Funken aus der Dose löst.
Dies wirkt sich selbstverständlich auf den Kabeleinzug des Saugblasers aus, wofür ich wiederum wenig Verständnis zeige und mit dem Fuss desto energischer auf den Aufrollknopf trete.
Ob es der Tritt in die Seite und das daraus nicht ganz unbeabsichtige Rammen gegen einen Stützpfeiler war – der Sauger weigerte sich einmal mehr hartnäckig, eine kleine Brotkrume aufzunehmen – oder der erneute Sturz über die Treppe war ist nicht erwiesen, jedenfalls verrichtet der Saugblaser seinen zweifelhaften Dienst nur noch unter grossem Getöse. Der Staub-Sammelbehälter war, wie nahezu immer, leer und blitzeblank, aber dennoch klang das Gerät, als hätte ich eine Lego-Ritterburg eingesogen. Oh ja, ich weiss wie das klingt.

Staubsauger passen eigentlich nie ins Budget, da verhält sich mein Portemonnaie ähnlich wie bei Steuern oder Parkbussen, aber dennoch war die Zeit reif für einen Neuen.

Ein Dyson war schon immer mein Traum, auch wenn ich die Palette höchst unübersichtlich finde. So stand einer bei Fust für knapp vierhundert Schleifen, der wirkte jedoch leicht gebraucht und ich hatte mich unzureichend informiert, um zu wissen, wie alt das Modell schon war. Zudem sah ich nur noch einen „Original-Verpackten“ im Regal. Die Schachtel war nach allen Regeln der Kunst bereits zum zweiten Mal zugeklebt worden, sprich; Ich stand vor einer Retoure aus Kundenhand. Dies kann zwei Gründe haben. Entweder war er ein Geschenk – was aber eigentlich unlogisch war, denn der Mann, welcher seiner Frau einen Staubsauger schenkt, hat wohl demnächst in seiner Junggesellen-Bude beste Verwendung dafür -, oder denn das Ding funktionierte nicht im heimischen Staubhaufen, entspricht aber nach Fust-Anforderungen den technischen Spezifikationen. So oder so, von neu verklebten Schachteln lässt man die Finger.
Zudem gibt es in der Migros diese neckischen kleinen Kreisel, also steuerte ich m-electronics an.

Der, oder ein?, Dyson war hier für 500 Bucks zu erhalten. Das geht auch gegen meine Schmerzgrenze.
Es stellt sich die Frage, Beutel oder Cyclon. Rechenleistung am späten Abend; Wieviel Beutel macht die Preisdifferenz aus. Beinahe hatte ich die Lösung, als ich feststellte, dass in der Vorteilspackung nur vier Beutel waren. Ich sah mich im ständigen Pendeln, Wohnort, Migros Herblingen. Da ich Arbeitnehmer bin, bliebe da nur der Samstag. Wart ihr schon einmal im Migros Herblingen am Samstag? Sich nackt auf glühenden Kohlen zu wälzen kann nur unwesentlich unangenehmer sein. Und das Murren und Grummeln, wenn ich – regionaler Tetrismeister ’92 – meinen Einkaufskorb an der Einkaufskorb-Expresskasse auf das Einkaufskorbkonforme Mini-Warenband entleere und die Kassierin neben den 345 Legere-Artikel registriert, dass man durchaus den Durschnittsinhalt eines unkoordiniert beladenen Wagens in einen Korb bringt. Ihr erkennt meine Tragkörbe an den langgezogenen, ergonomisch geformten Tragegriffen.
Zurück zu den Saugern; Meiner Soziophobie Rechnung tragend machte ein Cyclon das Rennen.

Der ELECTROLUX-ULTRAPERFORMER!!

Klingt das nicht schon cool? Ich erwartete nach dem Auspacken, dass er sich transformiert und die Welt rettet.
Dies gerade nicht, aber mit satten Klicks und Plopps wurde der aus überschaubaren 34 Einzelteilen bestehende Schlauch intuitiv zusammengesteckt. Du musst nur die Schlauchnut in die Schlauchmuffe…
Ich war beinahe ein wenig erregt, das Ding stand da – also der Sauger – und ich hatte keine Blessuren, noch Hammer oder Schraubendreher verwendet.
Ein kleiner Druck auf den Einschaltbutton…
Gut, noch ein wenig stärker gedrückt und schon schnurrte er los. Der Teppich wurde unter der Sockelleiste hervorgezerrt. Ich drehte die Watt-Zahl hoch und hörte wie im Keller unter mir Kartoffeln gegen die Decke klatschten.
Eine wahre Freude. Der Schlitten ist mit kleinen Rollen bewehrt, wie von Zauberhand bewege, nein dirigiere ich ihn mit zwei Fingern durch den Raum. Ein Sauger, hätte ich eine Frau, ich würde ihr die Benutzung verbieten, der ist mein Spielzeug. Ich dirigierte ihn um meine Ikea-Möbel bis es plötzlich still war. Ein Klassiker, der Stecker aus der wohl schon etwas geweiteten Dose gerutscht. Reingedrückt und beinahe schon auf dem Weg zum Sicherungskasten, aber nein; Der Sauger ist intelligent, der Ein-Aus-Schalter nicht etwas einrastendes, nein elektronisch. Ich bin entzückt.
Ich weiss nicht ob im Himmel gesaugt werden muss, aber hätte Gott einen Staubsauger, es wäre ein ELECTROLUX ULTRAPERFORMER!!!

Vorausgesetzt, Gott ist schwul.electroluxAuf der Schachtel stand Rot, als Farbenblinder vertraue ich darauf und mach mir keine weiteren Gedanken.
Bis mich ein Kollege, natürlich wollte ich meinen göttlichen Saugblaser mit den engsten Freunden teilen,  mich darauf aufmerksam machte, dass das Sonderangebot wohl daher rührte, dass es die F-Serie, Think-Pink, war.
Jaja, die Behindertenspässe kenne ich, also fragte ich bildtechnisch eine vertrauenswürdige Kollegin an, welche die Farbe pink mit Begeisterung und vielen Herzen bestätigte.

Nun gut, die Einladungen zum Showputzen werde ich dann wohl absagen, aber die Qualität überzeugt, bis in den letzten Winkel des Staubbehälters.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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