Schön zu wissen, wofür man arbeitet

Das Dumme an der Weltwoche ist, dass sie bisweilen so gut geschrieben ist, dass man die Texte eins zu eins übernehmen möchte.

Im Zuge der dominierenden Blickreportage ist man etwas sensibilisiert.

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Ganz im Grundsatz suche ich Morgen für Morgen neue Gründe um arbeiten zu gehen. Könnte mich auch einfach an den Firstbalken knüpfen. Aber das soziale Gewissen – man ist gar schon gehemmt bei Krankheit das Bett zu hüten, Tee trinken und „Unsere kleine Farm zu gucken“ – hindert einem daran, die anstehenden Arbeiten einem Kollegen aufzubürden. Das soziale Gewissen, die Loyalität dem Brötchengegenüber gegenüber und das Vernunftdenken allgemein hat meine Generation quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Wichtige Werte vermitteln, nannte man dies.
Dabei hätte man es viel einfacher haben können. Carlo S. braucht sein Kick-Box-Training um zufrieden und ausgeglichen zu sein. In diesem Zustand stellt er nur noch eine minimale Gefahr für sein Umfeld dar.
In einem Gspürsch-Mi-Kreis mit allen seinen Betreuern, SP-Mitgliedern in selbst gestrickten Ponchos im Schneidersitz auf dem Boden, wurde er angefragt, ob er nicht eine Lehre in Betracht ziehen würde.
Nein, dies könne er nicht. Er müsse trainieren, da hätte er keine Zeit für eine Ausbildung. Verständnisvolles Nicken in der Runde. Man möchte ihn nicht drängen, schön sanft anfassen, behutsam in die Gesellschaft begleiten. Die einzige Möglichkeit um ihn von einer kriminellen Laufbahn abzubringen.
Viereinhalb Zimmer-Wohnung, Putzhilfe, Privatlehrer, Privatsportlehrer, Ersatzmutter und Köchin, Anwalt; Ein äusserst privilegiertes Leben führt der Carlo S. Was er dafür geleistet hat? Einen Jugendlichen niedergestochen.

Man kann kaum jemandem einen Vorwurf machen, wenn man das System hinterfragt. Letztendlich wird solcher Nonsens von der Allgemeinheit getragen und man hat keinen Einfluss auf diese Verwendung von Steuergeldern.

Schon einmal von Frau Zaki gelesen?
Die Familie Zaki unter dem Oberhaupt Ali S. lebt in einer Zürcher Stadtwohnung.
Ali S. ist Waffen- und Teppichhändler. Recherchen der Weltwoche ergaben, dass er mit der pakistanischen Armee Geschäfte im Wert von 2,8 Millionen Franken abgeschlossen hatte, sein Teppichgeschäft warf einen Bruttogewinn von 1,814 Millionen Franken ab, auf seinen Privatkonten liegen summiert eine knappe Million Franken rum.
Da man auch noch leben muss und die Zakis letztendlich pakistanische Flüchtlinge sind, erhielten sie im Sozialhilfe. Im Jahr 2006 waren es monatlich 9121 Franken, plus Putzhilfe und Kinderkrippe.
Die ganze Sache wurde unangenehm Publik, als die Angestellten des Sozialamtes Margret Zopfi und Esther Wyler der Weltwoche Dokumente zukommen liessen, Whistle-Blowerinnen nennt man solch unloyale Arbeitnehmerinnen. Für dies verwerfliche Tun wurden sie von der Stadt mit knapp 13’000 Franken gebüsst, exklusive Anwaltskosten.

Ali S. hat sich mittlerweile von Frau Zaki getrennt, aus finanztechnischen Gründen. So kann Frau Zaki Sozialhilfe beantragen und Herr Zaki nutzt sein Briefkastendomizil um Teppiche im Wert von 200’000 Franken einzulagern.
Ali S. wäre nun wohl unterhaltspflichtig, aber in Ursula Sintzel fanden die Zakis, trotz Scheidung vor dem Richter in geschlossener Einigkeit, eine gute Anwältin und der Rekurs gegen die Zürcher Sozialbehörde war ein Erfolg. Die Einzelfallkommission handelte nach der Stocker-Doktrin „Im Zweifelsfall Augen zu und zahlen, und Zweifel gibt es immer“, und so erhalten die Zakis wieder Sozialhilfe in unbekannter Höhe.
Friede, Freude, Eierkuchen.
Noch nicht ganz…

Herr Ali S. beantragte nämlich auch IV.
Die Praxis ist gängig, das Sozialamt schiebt Langzeitkunden gerne in die IV. Macht sich gut in der Bilanz des Amtes und ist für den Bezüger eine win-win-Situation. Einerseits kann er sein Monatsbatzen aufstocken, andernseits fällt das lästige Bemühen um Arbeit weg.
Leider wurden Herrn Ali S. nur 44 Prozent zugesichert, also musste er beim Amt für Zusatzleistungen vorstellig werden.
So als Zwischeneinschub; Man muss was auf dem Kasten haben, um bei all den Ämtern noch den Überblick haben. Glücklicherweise hat Familie Zaki ja Frau Sintzel an der Seite. Diese wird übrigens vom Amt bezahlt, Ali S. ist ja Sozialhilfebezüger und kann sich keinen Anwalt leisten.
Beim Amt für Zusatzleistungen geriet Ali S. an einen widerspenstigen Beamten namens Richard V. Dieser wollte den Waffenhändler partout nicht auszahlen.
Richard V. wurde mittlerweile seines Amtes enthoben, eine Mitarbeiterin fühlte sich aufgrund sexistischer Blicke belästigt. So schnell kann es gehen.

Zur ganzen Geschichte bezieht die Sozialbehörde Zürich Stellung.
Das Wohl der Kinder, denk doch einer an die Kinder, stehe im Vordergrund, zudem ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass sich das Ehepaar nur zum Schein getrennt habe – wieviel geschiedene Paare kennt ihr, welche sich Bett und Wohnung teilen – daher erhält Frau S. rückwirkend Ergänzungsleistungen. Es sei aber in Abklärung, ob Ali zu Unterhaltsleistungen hingezogen werden kann.
Grundsätzlich könnte Frau S. zur Arbeit ermuntert werde, aber da sie mit Einzug in die Schweiz sämtliche Fremdsprachenkenntnisse verlor, wäre dies nicht realisierbar. Wie schade.
Von Ali S., er erlitt das gleiche sprachliche Schicksal, hatte man nie Bemühungen um Arbeit verlangt, da man davon ausging, dass er aufgrund seines IV-Bezuges wohl nicht arbeiten könne.

Unterm Strich, man kann es drehen, drücken, ziehen und wenden; Die Familie S. wird nie arbeiten müssen, es geht lediglich darum, aus welchem Topf die Familie unterhalten wird.

Ganz im Grundsatz bin ich froh, dass ich meinen Lebensunterhalt selbst bestreite und niemandem was schuldig bin. Aber man fühlt sich schon veräppelt. Gerade, wenn die Steuerbehörde hinterfragt, ob mich mein Arbeitsweg nach Spreitenbach nun über Winterthur oder Deutschland führte und den Spesenabzug dahingehend korrigierte. Mein Einwand, aufgrund mitgeführter Gegenstände wäre die Fahrt über deutsches Gebiet ob des administrativen Aufwandes nicht zumutbar, wurde abgewiesen.

milchkuh

Wieviele solche Fälle aus unserem Kanton müsste ich wohl zusammentragen, um meinen gesamten Steuerbatzen als Spende an gemeinnützige Organisationen von eben selbigem Abziehen zu können?

Noch kurz etwas Off-Topic:lehrstelle-sanitaerSeit ich mich entsinnen kann, wird auf das Handwerk gespuckt.
Dumme Leute, unfähig für richtige Jobs, Menschen die sich dreckig machen, Menschen die nie auf einen grünen Zweig kommen…
Dumm und faul, war die letzte mir zugetragene Bewertung, aufgrund der Tatsache, dass ich in handwerklicher Beschäftigung als Angestellter mein Brot verdiene. Nun, so ich mich über meinen Job definieren würde, käme dies einer Beleidigung gleich. Aber in diesem Moment, da ich mich über den Job definiere, gelangt der Dachbalken endgültig in Griffnähe.
Was ich sagen möchte; Man hat der kommenden Generation so intensiv klar gemacht, dass nur ein studierter Mensch ein guter Mensch sei, dass mittlerweile unser Handwerk auszusterben droht. Ganz viele Schlipsträger wissen ganz genau wie ein Produkt zu erstellen sei, wissen um die Gewinnspanne und Vertriebsmöglichkeiten, tauschen sich in Sitzungen aus und networken mit dem Cüpli in der Hand. Doch bei all diesem Engagement in sauberen Hemden mit manikürten Fingern fehlt irgendwie die ausführende Komponente. Man kann nur auf das Schaffhausen Urbahn-Projekt anstossen und auf die Boss-Gewandeten Schultern klopfen, wenn vorgängig ein paar dumme und faule Leute sich den Arsch abgefroren und die Finger wund gearbeitet haben, damit eine Aufrichte überhaupt möglich sei. Beginnt beim Brummi-Fahrer und endet bei der Catering-Dame, welche das Cüpliglas nachfüllt.

Wie bringt man nun also die jungen Leute wieder dazu, dass sie nicht unbedingt studieren müssen, dass man auch ein Handwerk erlernen kann, ohne dass man die vorgängigen Aussagen lügen straft?
Hach war das in Orwell’s 1984 noch einfach, als stets die gesamte Geschichte an die aktuellen Begebenheiten angepasst werden konnte, dass der Staat stets allwissend bleibt und recht behält.

Nun reisst die IVS mit einem Technik-Köfferchen in die Primar- und Sekundarschule, um die künftigen dummen und faulen Handwerker anzuwerben.
Wenn dies funktionieren würde, hätte unsere gesamte Generation Zahnarzt werden sollen.zahnarzt-seppetoni

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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